Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3001 (6.7.1927)
- Date
- 1927-07-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitnng S. Juki 192? Rk. 3001 Seite 8 ' V--' V iV )C- . r . 1 ■t: ,'-- - »■ I ■ f Jjb;; ' *. I ,:fv.!’ h\ ’k'X } $Yi. * IT 11* :fX I X ' ' i .p llt? ' W t.v3 1 T & |'|i Me jüdische Frau noch nicht in der Öffentlichkeit wirken. Es sei freudig zu begrüßen, wenn jetzt, in der Rera der jüdischen Renaissance, der Frau volle Gleichberechtigung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens eingerämnt ist. Nach der Stellung, rvelche die jüdische Frau (in der klassischen Geschichte und auch in der Ghettogeschichte des Judentums eingenommen hat, kommt ihr an dem Werke der Erneuerung und Errettung.des Judentums in den Ländern der Verstremmg und ganz besonders in Palästina ein überragender Anteil zu. Die jüdische Jugend müsse aber erkennen, daß alle religiösen Ueberliefenmgein tief national gewurzelt sind und als nationales Gut von allen anerkamrt werden müssen. Es sei verstattet, zu sagen: Wir wollen die religiöse Ueberlieferung nicht beobachten, es sei aber — ohne schweren Schaden anzurichten — nicht verstattet, zu sagen: man braucht sie nicht Hallen, oder gar, man darf sie nicht halten. Frau Anitta Müller-Cohen sprach sodann über das Thema „Der Weg von der Romantik zur Realität" und belehrte auf Grund ihrer eben erst in Palästina gesammelten einjährigen Erfahrungen die zionistische Jugend, daß die Notwendigkeit der Rückkehr zum Normalen beim Aufbau von Erez Israel eine ganz andere Erziehung, eine durchaus praktische, von allen Verstiegenheiten und von romantischem Schwärmen be-. freite Geistesrichtung der jungen Zionisten und insbesondere. der jungen Jüdinnen erheische. — Beide Referate wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen, den namens der Veranstalter die Frauen Direktor Po l l a k (Wien) und Dr. Lachmann (Breslau) sowie die Sprecherin des Kontinentalbundes zum Ausdruck brachten. —- .&■ Ae Konferenz znm Schatz der Wischen Rechte. Aus Ne w y o r k wird uns geschrieben: Aus dem Kongreß des Ordens Brith Abraham, der kürzlich in Caratoga SpringS stattfand, hiÄt Dr. Stephen Wtse eine Rode über die nach Zürich einberusene Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechts. Er polemisierte gegen diejenigen amerikanisch-jüdischen Führer (Louis Mars hall), die sich einem offenen Kampfe gegen die Verletzung der Rechte der jüdischen Bevölkerung wider« setzen. Würde es nach dem Sinne dieser Führer gehen, so würde die.Lage der Juden in Rumänien nicht jene Besserung erlangt haben, die nur unsere scharfen öffentlichen Proteste -bewirkt haben. Wenn unseren Brüdern unrecht geschieht, so ist es unsere Pflicht, an das Gewissen der Völker zu appellieren. Einer Abordnung des Ordens versprach der Staatssekretär Kellogg, daß das Staatsdepartement alles tun werde, um den Juden in Rumänien zu helfen. Dr. Wife sprach dann ausführlich über die Aufgaben der geplanten Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte und versuchte die Besorgnisse zu zerstreuen, daß man in dieser Konferenz eine „Verschwörung des internationalen Judentums" sehen würde. Wenn wir Juden aus Furcht, daß man uns mißverstehen wird, den Dingen ihren Lauf lassen, so wird sich das Los unserer entrechteten Brüder niemals zum Besseren w e>n d e n. Wir fordern ja für unsere Brüder nur jene Rechte, auf die sie Anspruch haben. Mm und Kunst. Da» Frankfurter Mufikfeft. ^Erstaufführung von Busonis „Faust".) Mit dem „Faust" von Busoni, einem der.Gründer > der ,Internationalen Gesellschaft für neue Muskk", wurde deren fünftes Musikfest eröffnet. Clemens Krauß leitete das Orchester ohne rechten inneren Antrieb, ohne innigeres Verhältnis zu dieser mit Problemen faustisch ringenden Musik, die so manchen modernen Tondichter — und nicht zuletzt Hindemith in den Chorszenen, des „Cardillac" — angeregt hat. Busoni schreibt in seinem Schwanengesang, den erst Philipp Jarnach nach Busonis Ableben vollendet hat, keme Belkanto-Mustk. Es sind vielfach entmaterialisierte Klänge, archaisierende Tonfolgen, geheimnisvolle Melodiebögen, die in mystischer Versenktheit auf- und niedergehen. Chöre hinter der Szene weisen auf das Oratorium hin, katholischer Mesiestil kämpft gegen Lutherschen Choral, Messe und Arie, Kirche und Theater stehen einander gegenüber, prallen hart aneinander, und d:e obligaten Instrumente des feierlichen Orchesters mit seinem dunklen, beschwörenden Mäsersatze weisen in die Vergangenheit und zugleich in die Zukunft der sogenannten objektiven Opernmusil. Die Wortdichtung Busonis folgt dem alten Puppenspiel. Kaleidoskopisch, ohne rechte innere Verknüpfung folgt ein Bild >dem anderen. Man sieht den-Faust, der die Flammen beschwört, der die Herzogin von Parma — hier an Stelle der späteren Gretchengestalt — mit magischen Kräften umgarnt und selbst all dem Zauber zum Opfer fällt. Er ist ein Symbol des ewig Ringenden, ein Gleichnis der geheimnisvollen Lebenskraft, die sich ewig erneuert, gleichsam ein Selbstbildnis Busonis, der, körperlich längst gebrochen, mit geistigen Waffen unentwegt um seinen Platz au der Sonne weiterkämpfte. Dieser „Faust", so willkommen er gelegentlich als Festspiel sein mag, ordnet sich kaum in den ständigen Spielplan eines Opernlheaters ein. Dazu ist er zu literarisch kühl, zu musikalisch vornehm, zu wenig reißerisch, kurz, zu bühnenunwirtsam. Zudem ermüdet er durch Wiederholungen, er verzehrt sich gleichsam faustisch-busonisch durch die ewige musikalische Wiederkehr des gleichen. Me Frankfurter Aufführung befriedigte, wie gesagt, musikalisch nicht restlos unh der schauspielerisch matte Faust des tüchtigen Sängers Addis Per mann förderte nicht di« Illusion. Ein vorzüglicher Vharalterspieler war Herr Brandt als Mephisto, und Herr Wall er stein schuf für die Oper tzen stilvollen Rahmen, welcher dem alten Puppenspiel np»— '!>b. Aeaterzeusur in Palästina. Große Erregung über eine Verordnung der Palästina-Regierung. Die Palästina-Regierung hat eine Zensurverovdnüttg erlassen, die vorschreibt, daß die einzureichenden Stücke in englischer Sprache abgefaßt, bzw. übersetzt sein müssen, und gibt jedem Kommissionsmitglied- oder emem höheren Polizeioffizier das Recht, bei Zuwiderhandlungen Verhaftungen an Ort und Stell« der Aufführung vornehmen zu lassen. Die hebräische Presse nimmt einmütig gegen diese Verordnung Stellung. So schreibt „Dawar", die Verordnung sei geeignet, einer Bühne mit ernsthaften künstlerischen Zielen in Palästina, die in EnPehung bgriffen ist, die bisher genossene und ihr unentbehrliche Freiheit zu rauben, und damit jede Entfaltungsmöglichkeit zu nehmen. Me Verordnung gilt zwar für alle Teile der Bevölkerung, trifft aber in Wahrheit besonders die jüdische Bevölkerung, da künstlerische Bühnen bei den anderen fast nicht vorhanden sind. Der jüdische Jifchuw wird dem nicht zustimmen, daß als Richter in seinen kulturellen Angelegenheiten Männer fungieren, die seiner kulturellen Welt fremd und nicht durch seine Institutionen dazu autorisiert sind. Besonders wendet sich das Blatt gegen die Vorschrift, daß jedes Schaustück, wenn es nicht in englischer Sprache geschrieben ..wurde, in einer englischen Uebersetzung einzureichen sei. Dies "sei wohl das erste Mal, daß die Regierung seit der Anerkennung des Hebräischen und Arabischen als offizielle Sprachen den entsprechenden Artikel des Mandats ausdrücklich übertrete. Dieser Punkt allein genüge schon, um den schärfsten Protest des ganzen Jifchuw hervorzurufen; man müsse in den wenigen Tagen, die bis zum Inkrafttreten der Verordnung noch blieben, Annullierung dieses Punktes und radikale Reform der ganzen Verordnung verlangen. Dar Kultnrwerl der deutschen Bolkrbützueuvereine. .Wir haben über die!WHaltung des Magdeburger Kongresses der deutschen BolkMihnengememden bereits berichtet. Das Ergebnis der Tagung imtrbe in einer sehr bemerkenswerten Feststellung zusamnrengefaßt, die folgenden Wortlaut hat: „Der Verband der deutschen Volksbühnenvereine sieht seine 'Aufgabe im Streben nach 4htet Vereinigung freier, souveräner Kunst mit dem freien souveränen'Volk. Im Gegensatz zu allen Organisationen, die das künstlerische Erlebnis konfessionellen oder politischen 'Gesichtspunkten unterordnen, betont er aufs neue seinen Willen durch Verbreitung und 'Gestaltung menschenbildender und befreiender künstlerischer W-rke dem ganzen Volke zu dienen," Aus den Theater«. Burg the ater. Morgen Donnerstag, halb 8 Uhr „Leoni«". O p e r n t h e a t e r. Morgen Donnerstag, halb 8 Uhr „D ev Postillon von Lon 1 umea u", ,^Klein-Jdas Blume n". LustspieItheater. . Morgen Donnerstag Uraufführung der Komödie „Ninon bei Nacht" von Raoul Ernst Weiß, in Szene gesetzt von Josef Jarno. Leipziger Sänger in Wien. Der Leipziger Buchdruckerchor „Gutenberg" trifft Samstag, 6 Uhr abends, am Praterkai zu viertägigem Besuche hier ein und ist Gast der „Freien Typographia". Sonntag, halb 8 Uhr abends, veranstaltet der auf hoher künstlerischer Stufe stehende Verein im Großen Konzerthaussaal ein Chorkonzert, zu dem Karten an der Konzerthauskasse erhältlich sind. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Klub radikaler Monisten. Heute Mittwoch findet eine dringende Ausschußsitzung statt. Alle Äusschußmitalieder werden ersucht, Pünktlich um M9 Uhr zu erscheinen. Die dieswöchenbliwe Klubversammlung endfällt. — Verband der Zlonisten-Rovistomsten. Morgen Donnerstag im Cafe Atlashof, 1. Bezirk, Aspernplatz, 8 Uhr abends, Diskussion über den Vortrag Wladimu JaboNnflys. — Wiener Beth-Hamidrasch. Heute, 6—7 Uhr, Rabbmer Lektor Dr. Gelbhaus: „Llturgie." — Ergokratischer Verein. Heute Mittwoch, Bezirks« mtsge bände, Ammerlingstraße 6, 7 Uhr abends, Vortrag Schriftstellers Heinrich' Färber: „Der marx:stische Irrtum im Lichte der ergokratkschen Wrrtfchaftslehre." — Astronomische Zentrale Samstag, 9 Uhr, Versammlung in Pötzleinsdorf, Ende der 41er-Linie. Schluß 10 Uhr. Führung: Professor Thomas. Predigten in den israelitischen Gemelndetempeln. Samstag bei dem um ^9 Uhr beginnenden Morgengottesinenste exegetische Vorträge: 16. Bez., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Doktor D. Feuchtwang); 21. Bez., HoGmeiftergasse 12 (Rabbiner Doktor M. Rosenmann). Der Verband Jüdischer Kimsleute und Gewerbetreibender ladet alle jüdischen Schuhmachermeister ein, ihre Adressen belkanntzugeben. (Sekretariat, 1. Bezirk, Elisabeth« straße 9, 1. Stock, Tür 10, oder jeden Donnerstag, 8 Uhr, im Wiener Bürger-Cast, 2. Bez., Praterstraße 11.) Bortrag Josua Suprasti. Tel Awiw. Heule abends, 8 Uhr, spricht Herr Josua S u p r a s k i aus Tel Awiw über „Die Lage in Palästina". Der Vortragende ist langjähriges Mitglied des Ziomstischen Aktionskomitees und Präsident der Kehillah, Tel Awiw. Der Vortrag findet im Mittleren Olympiasaale, 1. Bez., Rothgasse .5, statt. Mit Rücksicht auf diesen Vortrag wird die D-skussion über den Vortrag der Frau Anitta Müller-Cohen auf morgen vertagt. (Jüdisches Zentrum, 2, Bez., Augartenstraße 3ö.) Jns füdisdke Maus das iüdisthe fötatt!> i> O O & <> if oa o &= feilflftitivAA, Gerichtssaal. Re Baron Hirsch-Stiftung. Gestern fand vor einem Senate des Landesgerichtes eine Streitverhandlung statt, die ein Teil der pensionierten Lehrerder Baron-Hirsch-Stiftung gegen das> Kuratorium angestrengt hat. Die Baron-Hirsch-Stiftung, die bis zu Kriegsschluß in Galizien und der Bukowina eine ganze Reihe voil Schulen und Unterrichtsanstaltcn erhalten hat, verlor nach dem Krieg ihre Gebäude. Nicht eine Schule, weder in Polen noch in Rumänien, wird jetzt betrieben, die Häuser verfallen, kein Mensch kümmert sich um sie. Die Lehrer aber erhielten nach dem Grundsätze Krone ist Krone Pensionen in der durchschnittlichen Höhe von 25 Schilling im Monat! Der Sitz des Kuratoriums ist nach wie vor Wien, hier verwaltet der Generalsekretär und bezahlte Kurator Dr. Ascher gemeinsam mit zwei Inspektoren das Vermögen der Stiftung. Dieses Vermögen ist allerdings sehr zujammengeschrumpft. Duvch Devisenspekulationen und Börsengeschäfte ist der Wert von 226 Milliarden auf 13.5 gesunken. Sonst kvurde von der Kuratoriumsleitung eigentlich nichts unternommen. Zu verwalten ist nichts mehr und zu erhalten auch 'nicht, nur die Abfertigung der ungefähr 160 Lehrer gibt noch Arbeit. Während der Generalsekretär ein Monatsgehalt von 1100 Schilling für seine Tätigkeit in Wien erhält, wurden die Lehrer mit lächerlichen Beträgen abgefertigt. Eine Anzahl der Lehrpersonen klagte nun die Baron-Hirsch-Stiftung, urü> Hosrat Dr. Stern wurde zum Sachverständigen bestimmt. Hofrat Stern setzte sich bei der gestrigen Verhandlung mit aller Kraft für die bedauernswerten Lehrer ein und erklärte, daß nach dem heutigen Stande die Baron-Hirsch- Stiftung eigentlich in Konkurs sei. Es ist übrigens interessant, daß vor zwei Monaten ein Bevollmächtigter der polwischeu Regierung mit Hofrat Stern wegen der Stiftung verhandelt hat; eines Tages forderte er im Namen Polens von der Leitung der Verwaltung neun Milliarden, die ihm ohneweite rs übergeben wurden, und hierauf reiste der polnische Sektionsch,ef wieder aus Oesterreich ab. Hofrat Stern kündigte librigens in der Verhandlung energische diplomatische Schritte wegen dieses Zwischenfalles an. Die Verhandlung war natürlicherweise sehr erregt, doch wurde schlieWch von beiden Parteien, unter gewissen Vorbehalten, der Aus gleichs Vorschlag des Hosrates Stern angenommen. - Die Lehrer erhalten, soweit sie nicht früher schon äbgefertigt wurden, eine Valorisi>erung auf das 6000s ache ihrer Pension rückwirkend vom 1. Jänner 1926, unter der Voraussetzung, daß die polnische Regierung bis 15. September 1927 ihre Zustimmung erteilt. . Auch ein Scherz kann berichtigt werden. Der Vorstand des Sträfbezirksgerichtes 1, Hosrat Dr. H ö f l m a y e r, hatte gestern über zwei bemerkenswerte Berichtigungsklagen zu verhandeln, welche Bürgermeister S e i tz und Nationalrat Dr. Julius Deutsch gegen den verantwortlichen Redakteur der Zeitschrift „Das Tribunal", Walter Deutsch, angestrengt hatten. In dem genannten Blatte waren vor einiger Zeit Berichtigungen der beiden Kläger enthalten. In der „Inhaltsangabe" aus der erstm Seite waren unter anderem angeführt: „Ein Beitrag von Nationalrat Dr. Deutsch" und „Plaudereien von Bürgermeister Karl Seitz und anderen Persönlichkeiten". Bürgermeister Seitz und Dr. Deutsch verlangten die Aufnahme von Berichtigungen des Inhalts, daß sie keinen Beitrag, beziehungsweise keine Plauderei für das Blatt geliefert hätten. Da die Aufnahme der Berichtigungen venveigert wurde, erfolgten die eingangs erwähnten Klagen. Der beschuldigte Redakteur erklärte, daß es sich bei den berichtigten Mitteilungen in der Rubrik „Inhaltsangabe" lediglich um einen für jedermann leicht erkennbaren Scherz gehandelt habe, nicht um die 1 Mitteilung einer Tatsache, weshalb eine Berichtigung nicht erolgen könne. Der Rlchter verurteilte den Verantwortlichen Redakteur zu einer Gesamtstrafe von 80 Schilling, zum Ersatz der Kosten und zur Aufnahme der Berichtigungen mit der Begründung, daß auch ein Scherz berichtigt werden könne, und daß ein solcher Spaß gegebenenfalls als erschwerender U m* tand in Betracht kommen könne. PttfudttlS „rechte Hand". Aus Lodz wird uns ge- 'chrteoen: Im hiesigen Strafbezivksgericht wurde dieser Tage ein interessanter Preßprozetz durchgeführt. AngeAagt war der Verantwortliche Redakteur des „Neuen Jüdischen Volksvlattes" wegen Veröffentlichung eine^ Artikels, in welcheni eme unter den Juden kursierende Legende erzählt wurde, wonach ein l i t a u i s ch e r N a b b i n e r als intimster Freund des Marschalls Mlsudski, dessen politische Haltung mit ernen Ratschlägen beeinflußte. Pilsudsll und auch die anderen Regierungsstellen, so rvurde erzählt, Liehen den litauischen Rabbiner jedesmal, wenn es^stch um eine große ' StaaSaktion handle, zur Beratung heran. Der litauische Rabbiner nütze diese seine intime .Freundschaft mit den: Marjchall Pilfud.ski naturgemäß auch zur E'rreichun.g von Begünstigungen für die Juden ans. In dem Artikel wurde sogar ein angebliches Gespräch zwischen dem Rabbiner und Pilsudskt wieoergegeben. Dieser Artikel, der eigentlich ein Abdruck eines Berichtes einer nmerikamschstoischen Zeitung war, wurde von einzelnen jüdischen Provlnzvlättern in Polen nachgedruckt. Obgleich aus der ganzen Fassung der Erzählung hervorging, daß es sich um eine Legende handle, wurde der verantwortliche Redakteur wmen Verbreitung falscher Nachrichten, die geeignet seien, Beunruhigung unter der Bevölkerung hervorzurusen, angeklagt. Der Verteidiger des beklagten Redakteurs, T>r. Weizmann, bemühte sich, die Richter zu überzeugen, daß der Artikel. durchaus keine Beunruhigung hekvorrufen konnte, sondern im Gegenteil in der jüdischen Bevölkerung nur die Anhänglichkeit an die,,egenwärttge Negierung und den Marschall Pilsudskk steigern konnte. Es konnte auch niemand daran zweifeln, das; es sich um eine Legende handle, wie sie so oft entstehen. Das Gericht teilte jedvl-! die Ansicht des Verteidiars nicht und verurteilte d^ Redakteur zu einer Strafe von 150 Zlottz.