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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-06 · Heft 3001 (6.7.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3001 (6.7.1927)
Date
1927-07-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seide 2 Wren, Mittwoch Wiener Morgenzeitung 6. Juli 19L. Nr. 3001 lichen sind. Wem sind sie verantwortlich? ES gibt kein Forum ftir diese Sünden am Geist. Ter Schaden, der mit solchem Unwesen angerichtet wird, trifft nicht die Verantwortlichen, sondern die Mlgemeinheit, und die ,.eigt nicht die geringste Geneigtheit, die »nähren Hetzer, die Beamteten und Bebarteten. zur Verantwortung zu ziehen. Trotz dieser gewiß bedauerlichen Situation ist cs gut, daß sich die Einheitsliste und ihr wahrer Inhalt so rasch demaskiert und die Parole bloßlegt, die nun Staatsprinzip lverden soll: Tod den Inden! Por der Anstellung der Sbfttnktton im Rattonalrat. Das gnttasttreten der ArbeiterverMeruns. Bur Ueberwindung der sozialdemokratischen Obstruktion im Nationalrat hat Dr. Seipel das einzig mögliche Mittel ergriffen: er hat für gestern nachmittag eine Konferenz der Parteiführer ins Parlament emberufen, in der man sich über die sozialdemokratischen Forderungen unterhielt. Als Gegenwert für die Ermöglichung eines normalen Funktionierens des Parlaments verlangen die Sctzialdemokraten zunächst, daß aus der Tschechoslowakei nicht mehr so viele slowakische Saisonarbeiter nach Oesterreich kommen dürfen wie bisher. Außerdem sollen auch die F o r ft a r b e i t e r der Arbeitslosenunterstützung teilhaft lverden. Schließlich wünschen sie auch noch eine Verbesserung der Krankenversicherung der landwirtschaftlichen Arbeiter. Die Erfüllung des ersten Wunsches macht nicht geringe Schwierigkeiten, da zwischen der Tschechoslowakei und Oesterreich ein sogenanntes Ressortabkommen über die Wanderarbeiter besteht, das nicht einseitig umgestoßen werden kann. Dr. Seipel hofft jedoch dieses Hindernis irgendwie umgehen zu könne», so daß er schließlich mit den Sozialdemokraten handelseins werden und die von ihm für die Sommersession des Nationalrates vorgesehenen Gesetze beschließen lassen kann. Die Beratungen wurden gestern nicht abgeschlossen und werden heute fortgesetzt. s In den Ausschüssen wurde gestern vormittags noch weiter obstruiert. Man vertagte sie schließlich bis Donnerstag, weil man bis dahin schon eine Parteien Vereinbarung zu erreichen hofft. Der Ausschuß für soziale Verwaltung lehnte gestern, einen sozialdemokratischen Antrag auf Inkrafttreten der ArLeitervevsicherunL im kommenden Jahre ab. Ob die Opposition daraus irgendwelche Konsequenzen ziehen wird, ist ungewiß, doch scheint es, daß die Sozialdemokraten bereits mit dieser Mahnung gerechnet haben. PalSstkua vor der Mandatskommission. Genf, 4. Jnli. (I. T. A.) Die Mandatskommission des Völlerbundes hat am 30. Juni die Prüfung der Berichte über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1926 beendet. An diesem Tage nahm sie noch den Bericht der zionistischen Organisation über die Entwicklung des jüdischen Nationalheims im Jrchre 1926/27 sowie die Petition der jMsch-aWenasischen Gemeinde Jerusalems Über die Frage der jüdischen Gemeindeordnung entgegen. Wie es in der offiziellen Mitteilung heißt, wird die Kommission ihre Bemerkungen zu den Berichten und Petitionen dem BölkerbundArate unterbreiten. Frau Wicksell, die Vertreterin Hollands in her Mandatskommission, die die Berichterstattung über ... Petition der aschkenasischen Gemeinde Jerusalems (Aguha) innehat, hat'vorgeschlagen, die Erörterung über diese Petition so lange zu verschieben- bis die neue jüdische Gemeindeordnung in Palästina in Kraft getreten ist. Bekanntlich ist der Text der Gemeindeordnung bisher noch nicht veröffentlicht worden. Ae Wische Semelndeordiimi bereits imhmiat. Wie uns aus London berichtet wird, hat das Kolonialamt den von Loch Plumer vorgelegten 'Entwurf der jüdischen Gemeindeochnung bereits genehmigt. Nur ßuropareise amerikanischer gonrnalifte». An der von der Carnegie-Stiftung für' (bcn internationalen Frieden veranstalteten Europareisest^'r-, den gegen dreißig leitende Redakteure amerika-» nischer Zeitungen teilnehmen. \ Die Reisegesellschaft (zusammen 44 Personen)' wird von End« Juli bis Ende SeptenLer die wichtigsten europäischen Hauptstädte besuchen. In Wien werden die (amerikanischen WbliMen vom 29. August bis 2. September "Aufenthalt nehmen und dann ihre Reise nach München fortsetzen. Sitte galerpellation über die Laadet-KomSdie. Paris, 5. Juli. In der heutigen Sitzung der Kämmer brachte Abg. Bire (äußerst Rechte) eine Interpellation Über die Verhaftung Dsaudets, Pujos' imd der Telephonistin Mvntard ein. Er erklärte hiebei, idie Regierung habe, um ihr Prestige wiederherzustellen, all e lrzeikr äste von Frankreich mobil gemacht, üm -Daudet wieder in die Sante zurückzubringen. Justizminister 'Bart hon verlmrgte die 'Zurückstellung der Interpellation. Während der MstimmUng kam ies zll heftigen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Wgevrdneten. Schließlich würde mit 351 gegen (110 Stimmen beschlossen, die Interpellation zurückzustellen. .... — Domela, der falsche HoheMllerii-rinr. Der Hochftavlervkozeß vor dem SchSfiengerlcht in Kai«.! Am Morrtag begann in Köln vor beiu erweiterten < Schöffengericht der Betrugsprozeß gegen'Ha r r'y'Dv inela, dessen Erlebnisse als Krmrprirrzenslohn den Byzantinismus der einstigen thüringischen Hofgesellschaft uttb den Hohenzollernglmiben hoher „republikanischer" Beamter Vor der ganzen Welt lächerlich gemacht haben. Leider scheint die Kollier Anklagebehörde bestrebt gewesen zu sein, die ehenraligen Freunde und Verehrer des falschen Hohcnzollernsproffes zu schonen und ihnen das Mftreterr vor Gericht zu ersparen. Biele als Belastungszeugen gegen Domela in Frage kommende Personen haben sich der Gefahr einer Ladung vor Gericht dadurch entzogen, daß sie.sich in der Voruntersuchung als nicht geschädigt erklärten. Aber auch auf die Vorladung der angeblich Geschädigten hat die Kölner Staatsanwaltschaft verzichtet; sie hat sich damit begnügt, die Betrefftllden an ihrem Wohnort zu verhören und ihre Aussagen zu Protokoll zil nehmen. So ist es zu erklären, daß Von der Fülle der anfangs Domela vvrgeworfenen Delikte nur sieben kleinere Betrugsfälle unpolttifchen Charakters für die öffentliche Gerichtsverhandlung übrig geblieben sind, die meistenteils vor der Hohenzvllernzeit Domelas liegen. Beispielsweise lvird Tonrela vorgeworfen, daß er sich unter dem Namen eines Barons Buxleben bei einem baltischen: Grafen in Frankfurt eingesührt und unter Schilderung seiner Notlage etwa 100 Mark erschwindelt hatte. Ein weiterer Anklagepunkt wirft Domela vor, daß er unter dem Namen eines Grafen Me rfeld von einer Familie in Berlin 150 Mark genommen habe, unter dem Vorwand, das Geld für einen erkrankten Freund zu brauchen. .Domela bestreitet hier einen Betrug, da er das Geld als Entschädigung für eine von ihm geleistete Arbeit betrachtet habe, für die ihm ein Gehalt versprochen, aber vorenthälten worden war. < Die Saxo-Borussen in Heidelberg, in deren Kreis Domela wochenlang als Ho henziollernpriirz gefeiert wurde, beklagen sich lediglich, daß Domela 50 Mark von ihnen genommen habe. Diesen Betrag hatte sich Domela geborgt, als et, von den Saxo-Borussen bei der berühmten „Trinkprobe" betrunken gemacht, seine Brieftasche mit 400 Mark verloren hat. Schließlich wird Domela noch vorgeworfen, baß er sich in Köln 20 .Mark und in Gotha von dem: Besitzer des Schloß- Hotels 120 Mark ausgebörgt habe. Diese 120 Mark waren das Reisegeld, mit dem der Damalige Prinz von Preußen aus Gotha verschwand, als die Ankunft (de^ Herrn von Berg, des Hohenzollernschen Vermögensverwalters, angekündigt Worden lvar. Mch der Besitzer des Gothaer Schloßhotels gibt an, sich nicht geschädigt zu fühlen. Von Tvmeläs Verteidiger, dem Rechtsanwalt von der Heyden, wird überdies in diesem Falle der Einwand erhoben, daß jeder Schaden, den der Angeklagte dem Hotel bereitet haben könnte, durch -ie Vorteile ausgewogen sei, die der Aufenthalt des „Prinzen von Preußen" für das Hotel nach sich gezogen habe. Nachgewiesenermaßen hat der „Prinz" eine große Anzahl Besucher in das. Hotel gezogen, die teilweise erhebliche Zechen gemacht haben. Donrela hat die Untersuchungshaft zur Niederschrift seiner Lebensgeschichte verwandt, die, wie es Wßt, nicht allein durch die Darstellung der lustigen Hohenzvllernperrode Inter-, esse verdient, sondern vor allem auch als Entwicklungsgeschichte eines jungen Menschen, den der Krieg aus feiner Bahn gestoßen hat, ein wertvolles literarisches Dokument darstellen soll. Ein Berliner Verlag beabsichtigt, diese Erinnerungen 'des''falschen Hohenzvllernprinzen in Buchform zu veröffentlichen. Me arische» Sommerstischen. Eine Erklärung des Bürgermeisteramtes in Zell am See. Wir erhalten die folgende Zuschrift: In einer Nummer Ihres geschätzten Blattes wurde Hell am See unter jenen Orten aufgezählt, die nur Arier aufzunehmen wünschen.. Es' liegt, uns selbstverständlich.viel , daran, daß diese durch nichts gerechtfertigte Nachricht widerrufen wird, . : V; / . - . da wir wie bisher auch künftighin bestrebt sind, allen unseren Gasten. den Aufenthalt so angenehm als möglich zu gestalten, ohne selbe nach Religion-oder. Nationalität einzuschätzen. Wir bitten Sie, unserem Wunsch entsprechend, Rechnung zu tragen, -wobei wir bemerken, daß wir uns genau unserer Pflicht bewußt sind, den internationalen Ruf von Zell am See zu erhalten. , Bürgermeisteramt Zell am See im Pinzgau. Der Bürgermeister. Wir bemerken Hierzu, j>aß uns Zell am See' ist etwa zwanzig Briefen aus unserem Leserkreis' als "„arisch" bezeichnet worden'war. . ' ' Me Steglitzer AssSre. ' Ter Gymnasiast Krantz unter direktem Mordverdacht. Aus Berlin wird uns gemeldet: Der in Steglitz verhaftete Gymnasiast Krantz steht nunmehr in dem dringenden Verdacht, die beiden Morde in der Villa selbst begangen zu haben. Man hat in seinem Notizbuch ein Gedicht gesunden, das einen Mord schildert und den Autor sehr stark belastet. Er ist nach der Tat aus! die Hildegard Scheller mit den Worten zugetreten: „Das war ein guter Schutz." Das Gedicht yeitzt „Mord" und lautet: Auf dem Boden liegt die, Leiche Meines Freundes Krauder. — Aus der Wunde sickert langsam — Rotes Blut zur grauen Erde. —. Neben ihm sitzt stieren Blickes — Er, der ihn gemordet hat. — Es verglimmt die Zigarette Zitternd in der Mörderhand. — Blutbeschmiert liegt neben ihm — Noch der Dolch,. dev den getroffen, — Dev ihm seine Liebste stahl, -- Den die Rache jetzt erreicht. — Und mit Mattem Flüaelschlag —• Schwingt sich krächzend kort die Krähe. — Einzige Zeugin Kiefer Tat -- Rot fließt Blut zur grauen Erde —» ES verglimmt die Z»^arette ... 2er Remi-Sre wird ansgetroilnet. Um römische Schiffe zu finden. Rom, 6. Juli. (Stefans.) Die AustrocknungSarbriten am Nemi-See zur Hebung der zwei seinerzeit Hort untergegangenen römischen Schiffe haben heute begonnen. Amerikanisches Feuerwerk. Tote, Verletzte und mundete. New York. 5. Juli. (Wolfs.) Die anläßlich der Feier des Unabhängig keitstag es veranstalteten zahlreichen Feuerwerke haben im ganMn Lande viele U n f ä l l e yevbeigeführt. Die Zahl der Erblindeten ist . Im italienischen Viertel von N e w 0 o 11 ereignete sich eine heftige Explosion durch eine weggeworfene Wgarette, die in einen mit Feuerwerkkörpern gefüllten Korb siel. In einem anderen Stadtteil entstand durch eine aus einem Hochbähnwagen abgefeuerte Rakete in. einer Brauereei ein Brand, der einen -Schaden von einer viertel Milli c Dollar verursachte. Paris, 6. Juli. (Wolfs.) „Chicago Tribüne" berichtet aus New Aork, daß die Ansammlungen gelegentlich der Festlichkeiten am Unabhängigkeitstage an verschiedenen Punkten der Vereinigten Staaten zu Unglücksfällen geführt 'haben. - / . Insgesamt feien 20 Personen itms Leben gekommen, davon seien 12 ertrunken und 8 überfahren worden. , „Shen werden int Himmel geschloffen/' Ml Stauungen Im M>Ml Berlin, 5. Juli. (Wolfs:) Heute vormittags ließen sich zwei Paare gleichzeitig im Flugzeug kirchlich trauen,. i Eine Maschine der Deutschen Lufthansa, in der ein mit roten Guirlanden und weißen Litten geschmückter Altar aufgevaut war, startete mit den beiden Paaren, dem Pfarrer und zwei TraNzeugen um 10 Uhr 30 Minuten und flog zwischen der Kaiser Wllhelm-Gedächtniskirche und der Osterkirche hin und her, bis die beiden Trauungen vollzogen waren. OrgelMusik von einem Grammophon rahmte die, Feier ein. , Nach einem etwa einhalbstündigem Fluge landeten die Neuvermählten wieder im Zentralflughafen ,. *. Rom, 8. Juli. (Stefan!.) Im Zusammenhänge m?t dem von der italienischen Handelskammer in Sao Paolo ausgesetzten Preis von einer halben Million Lire für einen Flug von Italien nach Brasilien mit einem italienischen Apparate, verlautet in Luftschifferkreisen, daß zwei großmotorige Wasserflugzeuge gegenwärtig im Vau seien. Sie sollen den Nachweis der handelspolitischen Rentabilität. einer. Fluglinie zwischen Italien und Südamerika erbringen. * * # Mana (Hawai), 4. Juli. (Reuter.) Der Flieger Richard Grace, der um 6 Uhr 84 Minuten amerikanischer Zeit zum Fluge nach Kalifornien startete, mußte «ach etwa einer Stunde wegen eines Defektes der Steuerung zurück- -kehren. Das Flugzeug setzte so hart auf dem Boden auf, daß der Apparat vollständig in Trümmer ging. Grace selbst und sein Hund, der ihn begleitete, bsteben und erletzt.' 2« remir-LSaderkam-s. Oesterreich geschlagen. Berlin, 8. Juli. Im Dresdener DenniSlanderkampf Deutschland—Oesterreich schlug die deutsche Ko bination Goosedich — Lorenz die Oester« r e i ch e r S a l m — ffi eher 6:3, 5:7, 3:6, 8:4 und 0:2, Vji.JW.llM»

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