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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-03 · Heft 2998 (3.7.1927) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2998 (3.7.1927)
Date
1927-07-03
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seit? 12 Men, Sonntag Wiener Morgenzeitnng 3. JuN 132? Nr. 2998 Mhne und Kunst. Me ZranksMer „Lose für lüvifche Musik". Im Rahmen der Internationalen Frankfurter Musik« ausstell,rng „Musik im Leben der Völker", fanden am 26., 27. •uni) 28. Juni auch „Tage für jüdische Musik" statt. Dieses jüdische Mnsikfest nahm einen schönen, glänzenden Verlauf. Am ersten Abend bezauberte Mischa El man (New Aork) die den großen Saal -es Saalbaues bis auf den letzten Platz füllende Zuhörerschaft mit dem meistervoll vorgetragenen Violinkonzert von Mendelssohn und mit Solostücken. Er verwandelte sozusagen seine Geige in ein lebendes Wesen, das sang, tanzte und lachte, aber auch seufzte, weinte und betete, mit einer Inbrunst und Intensität, die alle mitrissen. Der Klavierkünstler Dr. Willy S a l o m o n war sein ausgezeichneter Begleiter. Mischa Elmans Darbietungen wurden von Chorgesängen des ^Jüdischen Gesangvereines Münch e n" eingerahmt, der unter Leitung seines Dirigenten Josef Ziegler, sowie der Assistierung von Naumow- Fleischmann verschiedene hebräisch-liturgische Gesänge zum Vortrag brachte. Sehr eindrucksvoll wirkte das Stück: „Ein Ziegele" Chor a capella von S. Elmon, sowie eine Komposition (Adon Olom) von Prof. K i r s ch n e r, Münden, der anwesend war und vom Publikum begrüßt wurde. Daß diese Chorgesänge hinter dem Geigensolo Mischa Elmans zurückstehen mußten, ist begreiflich. Hebräisch-liturgische Gesänge eignen sich auch kaum als „Einlagen" auf einem Konzertprogramme, das von einem weltberühmten Violinkünstler bestritten wird. Eine» sehr starken Eindruck machte auch die Veranstaltung vom 27. Juni im „Bachsaale". Die drei Synagogen der Frankfurter Hauptgemeinde ließen vereint an diesem Abend ihre Kantoren und Chöre ein packendes Bild von dom Charakter der synagogalen Musik und den hebräisch-liturgischen Gesängen sowohl der traditionellen als auch liberalen Richtung vermitteln. Der dritte Hforob, am 28. Juni, war ganz dem „Jüdischen Volkslied" gewidmet. Zwei Künstler von großem Format, Fräulein Ermolmikoff, Berlin, und Herr Oberkantor I. Alter, Hannover, sangen Lieder primitiver Volkskunst, aber von einer Tiefe und Schönheit, einer lachenden Trauer und wehmütigen Heiterkeit, wie man sie jedenfalls im Westen nur selten zu hören Gelegenheit hat. Insbesondere die „Hebräischen Gesänge der jemenitischen Juden" ent» zückten durch ihre Originalität und natürliche Fröhlichkeit. Im Beethovensaal hielt Oberkantor Prof. Kirschner, München, am 27. Juni einen Vortrag über „Die historische Entwicklung des Synagogengesanges" und wies nach, daß die Uranfänge des Synagogengesanges bis in die Zeit des zweiten Tempels zurückreichen. Die Wurzel desselben feien schon in den primitiven Schofartönen sowie in der uralten Vertonung der Bibelvorlesung im „Tropp" zu finden. Durch interessante Gesangsproben und musikalische Erläuterungen am Klavier, bei denen ihn Herr ■ Oberkantor Oberkantor I. B. Lovy, Frankfurt a. M., unterstützte, zeigte der Vortragende, daß der süddeutsche synagogale Gesangsritus die größte Verwandtschaft mit diesen Urquellen aufweise. Dies gelte vom polnrschsynagogalen Gesangsritus nicht, der nach' Ansicht des Referenten starke fremde Einflüsse verrate. Aus der Aehnlichkeit der synagogalen Gesänge mit der altchristlichen Kirchenmusik, wie sie im Gregorianischen Gesangbuche zum Ausdruck kommt, schließt der Referent, daß der U r s p r u n g derKirchenmusik ebenfalls in der Synagoge zu suchen sei. Neuerungen, die zu einer Vevwäsierung der uralten eigenartigen, schlicht-schönen, hobräisch-liturgischen Gesangskultur führen, seien zu verwerfen. Max Blatt. Au« den Theatern. B u r g t h.e a t e r. Morgen Montag, halb 8 Uhr j,,Leon t e" von Scribe. — Dienstag, den 5. d. Mr, halb 8 Uhr, wird die Komödie „Adam und E v a" von Guy Bolton und George Middleton aufgeführt. Opern tHeuler. Morgen Montag, halb 8 Uhr „Die Entführung ausdem Serai 1". — Dienstag, shalb 8 Uhr „Madame Butterfly". ( Deutsches Volkstheater. Gegenwärtig wird die Detcktivkomödie „Der Hexer" von Edgar Wallace, einer der nachhaltigsten Berliner Erfolge der letzten Spielzeit, vorbereitet. Rolandbühne. Felix Fischer, der in aUer Bescheidenheit aber mit dramatischer Begabung, die größeren Aufgaben gewachsen wäre, unentwegt Zweckstücke schreibt, breitet diesmal in einer Serie gesprochener Filmszenen das Netz der Mädchenhändler vor uns aus, in dem man die armen Opfer zappeln sieht, gepeinigt von den Schergen der Freudenhausbesitzerin. Das Stück „D i e w e i ß e Sklavin" gibt den Schauspielern wirksame Rollen, die bei den Damen Berg, Tesar, Dannbacher und Alsbach sowie den Herren Krafft, Winterberg und ganz besonders M r k s ch, der sich auch als Spielleiter um das Gelingen des Abends, verdient macht, sehr gut aufgehoben sind. Der Publikumserfolg war sehr stark. Erste Radioübertragung, von der Sprechbühne. Der erste Versuch, die Bühnenaufführung eines Sprechstückes den Radiohörern zu vermitteln, ist geglückt. Es war das Volksstück „Der Musikant Gottes", aufgcfüyrt im Deutschen Volkstheater, mit dem hervorragenden Sprecher Klitsch als Darsteller der Hauptfigur, des Tonschöpfers Anton Bruckner. Radiomikrophone zu beiden Seiten des Souffleurkastens und eine Verstärkeranlage neben der Bühne taten ihre Wirkung. Alle Mitwirkenden und die musikalischen Einlagen wurden sehr deutlich gehört. Die Gemeinde Baben führt das Stadttheater. Die Badener Stadtgemeinde hat beschlossen, die Areya und das Stadttheater irr eigener. Regie zu führen, mit der künstlerischen Leitung Hans Weiß und mit der Administration «den städtischen Ober beamten Kobel zu betrauen. Die Arena wurde bereits eröffnet. Dr. Julms EliaS, der bedeutende Berliner Kunst- und Literaturhistoriker, ist gestern an den Folgen einer Ohrenoperation kurz vor Vollendung feines 6y. Lebensjahres gestorben.' Elias, der an der deutschen Gesamtausgabe der Werke Ibsens hervorragenden Anteil hat, gehörte zu den produktiven Kritikern und kongenialen Ueversetzern und hat sich um die neue Literaturvewegung der letzten Jahrzehnte hervorragend verdient gemacht. Gerichtssaal. Die Hausfrau, ihr Hund und ihr Sah«. Frau K l e tz a n d e r besitzt ein Hans tmb einen Hund. Nun lvill ein richtiger Hausfrauenhund nichts von den Mietern Ivissen, und so bellt auch „Wolferl" die Parteien nicht nur an, sondern beißt auch zuweilen. Wegen dieses Hundes kam cs zu einem erregten Streit zwischen der Hausbesitzerin und ihren Parteien — die Folge war die Verurteilung der Frau Kletzandcr zu zwei Monaten st r e n g e n Arrests bedingt ivcgen falscher Zeugenaussage. Dies kränkte natürlich die Hausfrau, und sie behauptete, daß die Parteien jetzt erst recht Wolferl reizen tvollen, damit sein Frauerl mit der bedingten Vorstrafe unbedingt sitzen müsse. Im Hanse wohnt auch ein Fräulein Minni. Als sie eines Tages ahnungslos das Tor verließ, stieß sie mit dem Sohn der Hausfrau, Josef, zusammen, worauf, der junge Mann, sehr wenig cheveralesk, den: Mädchen ein paar Fan st sch läge auf den Bubikopf versetzte. Nunsteht auch er vor dem Richter. Vors.: „Sie sollen gerufen haben — wart, du Kanaille l Ich hau dir die zwei Monate herunter! — Damit sollen Sie die .zwei Monate gemeint haben, zu denen Ihre Mutter verurteilt wurde!" Angekl.: „Ist das ein Wunder? Wir,, meine Mut, ter, ich und der Hund, werden bei jeder Gelegenheit gereizt Die Kramevsche überhaupt, die stampft mit Absicht vor unserer Türe mit den Füßen, damit Wolferl. sich aufregt. Das habe ich mir in unserer aller Namen verbeten, worauf Fräulein Kramer behauptet hat, ich sei ein blöder Bub, und dann hat sie gegen mich aufgerieben. Ich aber tvar nach wie vor durchaus höflich, sic aber hat geschrien, daß ich sie erschlagen will." Da aber zahlreiche Zeugen die Mißhandlungen und die Beschimpfungen bestätigten, würde der junge Mann bedingt zu fünfTagen A r r e st v e r u r t e i I t. Der Lustmörder Böttcher zum Tode verurteilt. Wie uns aus Berlin gemeldet wird, hat das Schwurgericht den mehre, fachen Lustmövder Karl Böttcher wegen zweifachen Mordes und verschiedener anderer schwerer Delikte zum Tode verurteilt. ' . 0 0 0 B B B B 0 B B B B B B B B B B B B B B B 0 I B B l» 13 B EI g g Anläßlich des XV» ZlOrilSt6lll(OHfll’GSS6Sy welcher am 31. August 1927 in Basel seinen Anfang nimmt, werden wir im Rahmen unserer Hauptausgabe eine 99 erscheinen lassen. Die KongreBausgabe der „Wiener Morgenzeitung“ wird eine ausführliche, zusammenhängende protokollartige Darstellung der Verhandlungen und Vorgänge am Zionistenkongreß enthalten. Verwaltung und Redaktion der „Wiener Morgenzeitung" treffen alle Vorbereitungen, um die Berichterstattung .aufs verläßlichste und rascheste durchzufahren. Diese Vorkehrungen machen es möglich, daß der Leser ausführliche Berichte aber den Kongreß in der jedem Kongreßtage folgenden, in der Früh erscheinenden Ausgabe vorfinden wird. Durch rascheste Expedition mit Flugzeugen wird Sorge getragen, daß die Bezieher die Kongreßausgabe der „Wiener Morgenzeitung" vor allen In Betracht kommenden Organen erhalten werden. Die Kongreßausgabe wird zirka 20 Nummern umfassen. Als erste Nummer wird am Vortage des Kongreßbeginnes eine KONGRESS - FESTNUMMER erscheinen, welche Beiträge zionistischer Führer Über die Verhandlungsgegenstände des Kongresses und aktuelle zionistische Probleme enthalten wird Bezugspreise der Bon^reßousttabe: Oesterreich: 8 5« Deutschland: GM. 4, SHS: Dinar 60, CSR: Kc 22, Polen; Zloty 6S Holland: fl. 2, Schweiz: Franken 5, England und Palästina: sh 4, Italien: Lire 20* Amerika: Dollar 1, Frankreich und Belgien; Frcs 35, Rumänien; Lei 170* für das übrige Ausland; Schweiz. Franken 5. Bestellungen werden von den Verschleißstellen sowie von der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung**, Wien, II., Taborstraße 1, unter gleichzeitiger Ueberweisung des entfallenden Betrages entgegengenommen. Der Geschäftswelt bietet die Kongreßausgabe eine besondere, nicht bald wiederkehrende Gelegenheit, erfolgreich zu inserieren und neue, wertvolle Auslendsverblndungen zu erreichen. Bei Anfragen wollen Größe und Erscheinungstage des gewünschten Inserats angegeben werden, worauf äußerste Offerte erfolgt. Normaler Anzeigentarif Di« Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“, Wien, II., Taborstraße Nr. 1—3 Telephone 44*0*38 und 43-3-19 s B B B B B B B 0 B B B B B ydu ■ » </ ^999920

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