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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-03 · Heft 2998 (3.7.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2998 (3.7.1927)
Date
1927-07-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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mit 8 ' Men, Sonntag Wiener M-rge«Mtn«s 3. Juli 1927 Rr. 2SW Ser Ressch in seiner Selbstan« schanung. zu vti ftsnareffen Kt WchMle««» PMWekWe. Bon Dr. Stephan Krantz (HeDolberg). gelrM -nur dom Künstler, dom Dichter der grvße Wurf, den Menschm -mit seiner reichen Jrrnmwelt einheitlich Kr schauen, aber «gesicherte und verwertbare Ergebnisse, gieechsam einen geprüften WrßftaL für den Bereich Unserer Mßatzrmügj liefert nur die Wissenschaft mit ihren mühevollen EmzeKmtersuchungen. Wenn man bedenkt, wie wenW im allgemeinen das 'nrenschliche Handeln durch SekbstanschruuNg kontrolliert wird, wo doch seit dem griechischen Weism das Postulat „Erkenne -dich selbst!" unermüdlich erhoben w«d, so verdienen jene Forscher, die sich tun das menschichste alles Wissens, das Wissen vom Menschengeist, bemühen, als Wegweiser verstärkte Beachtung. Unserer Zeit wird em verstärktes psychologisches Interesse zugeschrieben, vielleicht darum, wert auch dieses 'Feld nach Pikaiüem abgesucht wird, weniger tmrd die neue Veran"rwo rtu n-g ernannt, die sich nun hausüsächlich zp einem Munkt hin kon- '§entkierbri'ßM m Kinde. . Ms Kind als verhältnismäßig einfache 'GanHeit ist immer wieder Ausgangspunkt, besonders heute, wv nach einer Epoche in der Psychologie, die den Menschen nur ms Sammelsurium von Reaktionen angesehen hatte, ein starker Z.ng zur Ganz heitsbetrachtung vorherrscht, der sich auch dem diesjährigen .Psychologenkongreß in Bonn deutlich auspragte. Der Mensch wird iniseinen Beziehungen! zur Gesamtheit angesehen; diese soziologische Betrachtungsweise wird wichtig für Schule, Arbeitsprozeß und Wirt-« schaft. So waren die sozialen Verhaltwvgsweisen im ersten Lebensjahr ein Hauptthema, das - Charlotte B üH l e r (Wien) aus Grund der Instinktlehre besprach Der bebrnnte Hamburger Philosoph William Stern erweiterte die Theorie der SrtÄligenz im Sinne der Betonung praktischer Verhältungsweifen. Einen großen Aufschwung nimmt die Arbejit s p sch cho l o gi e; die Fabriken beginnen, die Form der,.Geba<mchsgegmftände psychotechnisch prüfen zu lassen. l .jErne andere Seite der Ganzheitsbetrachtung zeigt sich darin, daß'Nus immer mehr Gebieten! erkannt wird, wie der Mensch das Herausheben von „Gestaltet aus der Wcchrnehmungswelt bevorzugt. Die sogenannte „GestaltspMcho lv gi e" hat -.in wichtigen Untersuchungen gezeigt, daß das "Ganze mehr est als die "Summe "seiner Teile, Äaß ihmr --eine besondere psychische Wirksamkeit zükomnü. Ohne 8esp Wrrkrrngsiverse waren zum Beispiel Musik, Architektuv<rmWöAich^Jnteressant ist das Auftreten, von „Gestalten^/ in srüher^Mnderzeichnungen. ' ' i' r‘ iDre Psych)therapeuteu, die in der statllichen Zahl von mehr als 400 in Pad Nauheim tagten, Hatten die Mch chp'a n a l H s e zum 'Hauptthema gewählt. S ch i l d er (Wen) vertrat,/in.semidurchdachte Zusammenhänge hineinleuchtend, die Theorie der Psychoanalyse mit besvridlrrer ^Betonung ihres naturwissenschaftlichen Kausalitätsdenkens. Die Mychoanalyse ist mein Stadium ^gelangt, in dem sie die Genugtuung erfährt, daß ein gewisser Grundbestand ihrer AnschÄWNgerr Msserffchaftlich bereits allgemein akzeptiert ist Wo heute die Grenzen der Mnerkennunjg gezogen werden, handelt es sich UMDie Arage^ ob ^die kausale Methode wirklich ölUgenteüt anwendbar ist was Gold sie in (Frankfurt) vom Standpunkt der Biologie Lus bezweifelt. Daß mau über nicht einige richtige 'Erkenntnisse zur 'Weltanschauung auMrsen kann, zeigt der Stand der I MvrduÄpsy chologie, die-Mmähsich einer gebetMühlenartigen' Monotonie verfällt, i Auch der Psychotherapeut sieht heute ein, daß nicht nur Krankheitsfymptöme zu behandeln sind, »sondern der ganze Mensch; sein Standpunkt wird immer mehr von der gesamten Medizin akzeptiert. Die ^Hauptbemühung muß der Stärkung dessen gelten, was snoch gesund gesund ist und von hier aus neu gebaut werden. .Charakteristisch ist, daß man dem Religiösen eine gewisse-Bedeutung in der Pstzchothera-. pie zuzumessen beginnt. ' Eine besondere Bedeutung hat in der Psychotherapie jenes Feld, aUf'dem nicht mul korrigiert, sondern oft ganzheitlich konstruiert werden kann: das ist die Heilpädagvgik, die an der entwicklungsgeschädigten Jugend ansetzt. Hamburger '(Heidelberg) wies das Schöpferische in jedem heilpädagogischen Akte auf, Alllers (Wien) schilderte den Chq-, raktera ufbau, wie er sich den drei Sphären: Natur, Gemeinschaft Und Geist hinzubewegt. ' Nicht bloß das Erklären ist es, in dem sich heute die Anschauung des Menschen bewegt, sondern darüber hinaus das Verstehen. Verstehen heißt, das' Subjektive als Wbild objektiver Gültigkeiten erfassen. Neben der uaturwissenschastlichen Betrachtung kommt eine geistgerichtete zu Recht, wodurch erst eine volle „Wesenss chau" des Menschen, eine „Phänome nvlvgie", möglich wird. Für 1029 haben beide Organisationen Wien, die Stadt per Pädagogischen Psychologie und der .Psychoanalyse, als Kongreßort gewählt. Möge der akademische Luftdruck dort dieser Absicht günstig sein! . Mo Wler kommt aus den Steinhos. Otto Elßler, der bekanntlich vom Bundespräsidenten b e» Knadrg t wurde, zeigte in der letzten Zeit Symptome von |Aerfo Itzungswahn und mußte in die Irrenanstalt Feld» -bÄch gebracht Werde«. Nun hat dieses Institut an den Wiener Magistrat das Änsuchen. gerschtxt, ihn i« die Irrenanstalt Am Steinhof tmjMchmiey. Arfenr Anstichen wurde statt gegeben und Eißler MjbrÄ mwrgen Sonntag der Heil.anst'-lt m Sie SetiBlfettws der 8rde. Während man früher über die Zahl der Bewohner der Erde auf recht unsichere Schätzungen angewiesen war, ist es jetzt möglich, genauere Zahlen aitzigebcn und annähernd zu bestimmen, wie sich die Bevölkerung der Erde auf di« einzelnen Rassen und Völker verteilt. In einer Gtsamtübersicht über die Bevölkerung der Erde, die von MoiS Müller nach den neuesten Zählungsergebnissen gegeben wird, unterscheidet der Gelehrte 18 Bölkergruppeu, die er nach der Zahl ihrer Mtglieder ordnet. An erster Stelle stcht die eurvpäisch-amerikwf niche Bölkergsruppe mtt 666 Millionen Menschm, dann folgt die ostasiatische mit 576 Millionen, die indische mit 317 Millionen; daran schließen sich die Neger mit 107 Millionen, die Orientalen mit 100 Millionen und die Malaien mit 67 Millionen. Die Angehörigen der zwölf übrigen.Völkergruppen sind sehr viel weniger zahlreich; so haben die Indianer 14 Millionen, die Tmrgnsen 12 MMio.ren, die Mongolen! 3.6 MiMonen, die!Armenier 2.9 Millionen. ( An der Spitze der eur«opä:'i1ch-amerirÄ^schenVSl> kergruppe, die wiÄer in Svölf Untergruppm zerfällt, fichen zahlenmäßig die Germanm mit 260 Millionen; dann folgen die Romanen mit 207 Millionm und die Slawen mit 165 Millionen. Zu dm Neinerm .Untergruppen gehören die Iren mit 12 MWlionen, die Magyaren mit 10 Millionen, die Georgier mit 6.9 MNlionen und die Esto-Finnen mit 4.7 Millionen. Der verbreitetste Stamm der Germanen sind die Angelsachsen mit 133 Millionen; dann kommen die Deutschen mit 99 Millionen, von denm 60.2 Millionen im Deutschen Reich, 8 Millionm in dm Bereinigten Staaten, 6.1 Millionen .in Oesterreich, 3.1 Millionen in der Tschechoslowakei, 1 Million [in Polen! wohnen, Den dritten Platz in der europäisch-amerikanischen,Völkergruppe nehmen die Spanier ein, von denm j82 Millionen Spanim und 43 Millionen Südamerika bevöllern. Es folgen dir Italiener mit 46 und die Franzosen mit 44 Millionen; von den letzteren leben 35.2 Millionen in Frankreich und 3.25 Millionm in Belgien. Unter den Ostasiaten sind die Chinesen mit 430 Millionm die weitaus zahlreichsten; die Japaner und Koreaner sind nur mit 80 Millionen beteiligt. 3 Millionen Juden wohnen in Polen, 2.8 -Millionen in Sowjetrußland, 2 Millionen in den Vereinigten Staaten, 820.000 in Rumänien und 600.000 in Deutschland; in Palästina wohnen .nur 120.000 Juden. (Das würde nur 9.37 Millionm Juden ergeben. Nicht berücksichtigt sind die Juden in den Wcftstaaten, Ungarn, Oesterreich sowie die Juden in Asien und Afrika. In Palästina ist ihre Anzahl auf 160.000 gestiegen. Im ganzen wird die Anzahl der Juden auf 15 Millionen Seelen geschätzt. Sie stehen demnach in der Reihenfolge der europäisch-amerikanischen Gruppe vor dm Iren. Die Red.) Die Vermehrung der Erdbevöllerung hat im letztm 11/4« Jahrhundert riesige Fortschritte gemacht. Wahrend man 1300 775 Millionen Mmschen als Bewohner der gesamten Erde schätzte, waren es im Jahre 1900 1564 Millionen und im Jahre 1925 1864 Millionen. Merkwürdigerweise haben sich, unter allen Böllern die Malaien am meisten vermehrt. Die Zahl stieg in der angegebenen Epoche von 11.42 auf 67 Millionen, hat sich also mehr als versechsfacht und ihr prozentualer Anteil an der Gesamtbevöllerung verdreifacht. Die Völlergruppe, die sich damach am meisten vermehrt hat, die europaisch-amerikanische, ist auf das Dreieinhalbfache angewachsen, nämlich von 185 aus 685 Millionen; ihr prozmtualer Anteil an der Gesamtbevöllerung hat - sich von 23.9 aus 35.3 Prozent erhöht. Dabei ist die Zcchl der eigentlichen Europäer, die im Jahre 1800 noch neun Zehntel betrug, bis zum Jahre 1900 auf drei Viertel und bis zum Jahre 1925 auf zwei Drittel zurückgegangen. Wahrend die eigentlichen Europäer sich in diesen: Zeitabschnitt nicht ganz vervierfachten, haben sich die außereurapaischm Mitglleder dieser Völlergruppe verzwölffacht. JJic besten 0 s 0 0 0 0 0 0 0 Ofleuexsetkeimmtgem der modernen JÜtetatux 0 0 0 0 0 0 0 0 [jä stets vorrätig JOHN OALSWORTHY: Der silberne Löffel, geb.S 9-50 EDMOND FLEG: Der kleine Prophet, geb. S 8*10 MARTHA OSTENSO: Erwachen Im Dunkel geb.S 11*50 TiTAYNA: Rund um meinen Geliebten, geb. S 6 50 COLETTE: Mitsou, geb ... ‘ :T s 5-BO r SCHNITZLER: Spiel Im Morgengrauen, Ui geb...S 9 90 [■ GUSTAV MEYRINK: Der Engel vom westrr1 liehen Fenster, geb.S 15-30 Ui bei g K Somit, Wien, I. 1 (Roientwvnmstwttfie LS. fg 000000000000000000g edfc #11« den verrv&tkniesien 0e3(ftmncft f CLIO flemtle Form! lieber all erhMlfltcH l ' Es sagen die Leser, nicht Hitz’ oder Liebe, Sondern die Huber-Poems machen matt , Und nur aus purem Erhaltungstriebe Suchen bei „Herma" sie Zufluchtstatt. „Herma* ist Saft von HERba-MAte, TafelgetrSnk, En gros: Carl Huber, Wien XV1/1. Stöberplatz 7. Tel. 29-4-64 Architekt Ins. Josef Laszkowitz und Mra. Pharm. Daisy Gutheil-Laszkowitz danken auf diesem Wege allen lieben Freunden und Parteigenossen herzlichst für die ihnen anlafilich ihrer Vermählung' erwiesene Aufmerksamkeit Wlea, Im Juli 1027 IIEGM. 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Diesem Treiben wurde durch den geschickten Trick eines GaststvirteS ein Ende gemacht. Am frühen Morgen sahen vor einigen Tagen einige Passanten eilt junges Mädchen wehklagend an einem Drieflasten stehen, an den es festgebunden zu sein schien. Bei näherem Hinzutreten erkannten sie, daß das Mädchen seine rechte Hand im Drieftasten hatte und sie nicht wieder herausziehen konnte. Anfangs glaubte man, daß es sich hier um einen unglücklichen Zufall handelte, zumal die junge Dame absolut nicht erzählen wollte, wieso die Hand im Briefkasten geblieben sei. Sie bat nur, man möge sie ui-.ter allen Umständen aus ihrer schrecklichen Lage befreien/ in der sie sich schon seit fünf Stundell befinde. Plötzlich kam einer der neugierigen Umstehenden auf den Gedanken, daß es sich um eine Person handle, die wohl wieder ein Attentat auf das Innere des Brieftastens ausübe. Jetzt wurde die Hilfsbereitschaft der Umstehenden viel geringer. Man holte zuerst einen Postbeamten, dev seststeUen sollte, daß der Inhalt des Brieftastens beschmutzt sei. Es stellte sich heraus, daß sämtliche Briefe durch Säure zerftessen waren. Nun wollte man auch wissen, lvieso das Mädchen l>ier gefangen worden sei. Man sah in der Oeffnung des Briefkastens einen kleinen Streifen aus kreuzförmig übereinandrr angeordneten Bastbändern angebracht, in der Act, wie die Scherf artikel in Zauberkästen, die, auf die Fiirger gestülpt, ein Losreißen der Fingerhauben durch Zusammenschließung der Baftbänder unmöglich machen. Dieser schmale Streifen ermöglichte zwar das Hineinstecken der Hand in den Briefüisten, machte aber ein Herausziehen der Hand unmöglich. Später kam auch die Aufklärung, wer auf diesen klugen Einfall gekommon war. Ein in der Nähe des Briefkastens wohnender Gastwirt, dessen Briefschaften schon mehrfach durch den Unfug beschädigt worden waren, hatte diese lleine Fangmaschine in dem Brieftasten angebracht, um den Missetäter oder die MissetLterin bei dem ■ nächsten Attentat fassen zu können. Dieser Plan war ihm vorzüglich geglückt, denn schon am nächsten Morgen stellte sich der , Erfolg em. Er hatte die Fangvorrichtung so angchracht, daß sie nur dan» wirkte, wenn man die ganze Hand in den iStoftm steckte. Beim Einstecken von Briefen trat fis nicht jn

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