Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2998 (3.7.1927)
- Date
- 1927-07-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982086--30545-3018778- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
seit? st Wiener Morgenzeitung 3. Juli 1927 Nr. 2998 a.'i „Schmutzig und schäbig." Tie Leutschnalionalen erzwinge« im Berliner Gemeinderat eine Gehüimsttznag,. «m gegen die Srnenanng Mar Aebermanns mm khrenbkrger Protest einlegea z« tonnen. Berlin, 1. Juli. (I. L. A.) Die gestrige Berliner Stadtverorünetenversammlung hatte über die Dringlichkeitsvvrlage des Magistrats zu entscheiden, die die Ernennung Max Liebermanns zum Ehrenbürg-c r der Reichshauptstadt betraf. Die Angelegenheit hatte bereits vor der Sitzung den Acltestenrat beschäftigt, in dem eine große Mehrheit für die Ehrcnbürgerschaft Max Liebermanns vorhanden war. Die Ko m mun: st c n hatten erklärt, daß sie g r u ndsätzlich keine Ehrenüürgerrxchtc bewilligen > vollen, daß sie aber vor dem K ü n st l e r wie vor dem Menscher: K!iebermann höchste Acht u n g empfinden. Die Deuts chnationalen im Aeltestenrat erklärten sich aus antisemitischen Gründen gegen den Magiftratsantrag und kündigten an, daß sie dagegen nicht nur stimmen, 'andern arrch „recht deutlich" sprechen werden. Deimoch wollten sie nicht in öffentlicher Sitzung ihre Gründe darlegen und bestanden auf die Behandlung der Angelgenheit irr einer Geheimsitzung. In der Geheimsitzung wurde die Vorlage des Magistrats gegen die Stimmen der Deutschnationalen angenommen und Max Liebermann, wie tvir berichtet haben, «flflaBBBBBBBflBBB«MBflBBEBSBBBBHHBBBBBBBI Sie Folge« des Abbaues. Kill Zug überMrt ein Auto. — Zwei Tote. Graz, 2. Juli. Um y2ö Uhr nachmittags fuhr der Autotaxiunternehmer Anton A n d r e i z mit den: Chauffeur des Fleischwarenfabrikanten F a r e n d l a in Graz von der Irrenanstalt Feldhof gegen die Stadt. An der Stadtgrcnze mußten sie die nach Süden führende Bahnstrecke übersetzen. Obwohl ihnen Passanten zugerufen hatten, daß ein Zug im Anrollen sei, fuhr Andreiz dennoch weiter und gelangte in dein Augenblick auf das Geleise, als der von Graz abgelassene Personenzug nach Spielfeld die Straßenübersetzung, die durch keinen Bahnschranken gesperrt ist, erreichte. Das Auto wurde vom Zug etwa 200 Schritte weit geschleift. Die beiden Insassen des Autos wurden arg verstümmelt und waren sofort tot. Ter Zug hielt auf offener Strecke an, und das Zugsocrsonal beteiligte sich an.der Bergung der Toten und der Wegräumung der Trümmer des Automobils. Nach längerem Aufenthalt setzte der Zug seine Fahrt fort. Ae Auswanderung ans Sefterreich. Im M a i dieses Inh res -sind 0 8 0 Personen aus Oesterreich in überseeische Gebiete und in das asiatische Rußland ausgewaudert, um 66 mehr als im April. Davon ivarcn 522 Münnet und 16ö Frauen, 183 ledige und 202 verheiratete Personen. Me stets stellt das Borge nla nd das stärkste Kontingent an Auswanderern, nämüch 950, in ree item AbstarÄ folgen die Steiermark mit 101, Wien mit U:ederösterreich mit 80, Oberösterreich mit 68 Personen; c1,’- Len anderen Bundesländern kam der Rest von 91 oster. ..ist'chen Emigranten. Nahezu die Hälfte der Auswanderer, nämlich-322, emigrierten nach Kanada, 136 nach Brasilien, 75 nach Argentinien, 42 in die 'Bereinigten Staaten, 38 in die Türkei'und je 18 nach Paraguay und Rußland. Von den Berufen ist unter den Emigranten wie immer die "and- und Forstwirtschaft (mit 318 Personen) vertreten. Statt Juwele« — Rettiche. Der SAmMwindler Gerst! vermiet. Bor etwa acht Tagen wurden, wie wir berichtet haben, d?m Triestrner Juwelier Ettore Tervini von dem Iuwelenagenten Mols Ger st l in Wien Brillantschmuckstücke im Werte von 20.000 Schilling unterschlagen. Gerstl, der seinen ständigen Wohnsitz in Antwerpen hatte, hatte dort Tervini kennengelernt und ihm dann von Wien aus nach Antwerpen, wohin Tervini geschäftlich gereist war, ein Telegramm geschickt, worin er ihn auforderte, mit schönen Schmuckstücken nach Wien zu kommen, weil hier gute Geschäfte zu machen seien. Der Juwelier vertraute ihm die Schmucksachen an, und Gerstl benützte einen Aufenthalt im Cafe Continental in der Praterstratze dazu, um den Juwelier sitzen zu lassen und mit den Schmuckstücken durch einen zweiten Ausgang das Kaffeehaus zu verlassen. Er hatte die Flucht von langer Hand vorbereitet, denn er hatte sich im Hotel Rusiie in der Leopoldstadt unter falschem Namen gemeldet und dort nur einen Koffer mit einem Nachthemd, Neifeuteufilien und — zwei Rettichen znrückgelaffen. Seither wurde Gerstl von der Polizei verfolgt; es ist nun gelungen, Gerstl im 9. Bezirk zu v e r h a f t e n. zu seinen: 80. Geburtstage zum Ehrenbürger der Stadt Berlin ernannt. Die demokratische Presse äußert sich sehr abfällig über das Verhalten der Deillschnationalen. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: „Das schlimmste an diesem Skandal ist die Feigheit der dunklen Ehrenmänner, die sich nicht trauen^ ihre Argumente öffentlich auszusprcchen. Die nationalen Helden müssen wohl ihre Gründe selbst als zu schmutzigimd schäbig empfinden, als daß man sie offen zeigen könnte, ohne sich Vu den Augen aller anständigen Menschen rettungslos zu kompromittieren." * Hundert Künstler hvldigen Max Liebermann. Berlin, 1. Juli. Gestern abend gab die Künstle r sich a f t Berlins cm großes Bankett im Schwedischen Pavillon in Wannsec zu Ehren des 80jährigen Max Lieberm ann. Mehr als hundert Persönlichkeiten aus allen Lageri: der Kunst füllten den großen Saal. Man sah zahlreiche auswärtige Künstler und Museumsdirektoren. IBBEBBBBginBBflBBBBBBBBBBflBBnflflflBBBBBBflBB Das find die Folgen ... Wicncr-Ncustadt, 2. Juli. (Eigenbericht.). Der Zugsführer Karl S ch e f f l e r ist seit dem Jahre . 1926 verheiratet. Das junge Paar hatte kein eigenes Heim, und so wohnte jedes bei seiner: Eltern. Sie trafen sich' gelegentlich und da kam es infolge der Eifersucht des Mannes zu unerquicklichen Szenen. Bor einigen Tagen giirgen die beider: abends spazieren, wieder kam es zum Streit. Schließlich zerkratzte die Frau ihrem Manne das Gesicht. Der Mann zog ein Messer und versetzte seiner Frau auf offener Straße einen Stich in die linke Schulter. Die Schwerverletzte wurde durch das Rettungsauto in das Krankerchaus gebracht. Schcfflcr gab bei seiner Einvernahme an, daß er seine Frau nicht verletzen wollte. Sie sei es gewesen, die gewalttätig wurde und schließlich ausrief: „Werrn ich es dir jetzt so mache, wie es Grosavescu ihrem Manne gemacht hat, so geschieht mir gar nichts!" Durch diese Drohung sei er so empört gewesen und so verzweifelt, daß er sein Tascheruncsier gezoger: habe, um sich selber umzubringen. Da sei seine Gattin hinzugesprungen, und so habe sich die Frau selberverletzt. Die strafgerichtliche Untersuchung wurde eingeleitet. Mordversuch und Selbstmord. In der Sommerfrische Bodensdorf am Ossiachersee spielte sich in der Nacht vom 29. auf den 30. v. M. eine blutige Liebestragödie ab. Der im Orte als Sommergast weilende 29jährige Ferdinand G all ob erschien gegen Mitternacht im Extrazimmer des Restaurants Seehotel Winkler. Nach kurzem Wortwechsel gab er auf die hier Vedien'- stete Kellnerin Seraphine Kostenberger zwei Revobverschüffe ah und verletzte das Mädchen schwer. Dann richtete Gallob die Pistole gegen seinen Schädel, drückte ab und blieb auf der Stelle tot liegen. Die schwerverletzte Kellnerin wurde in das Landeskrankeichaus nach Villach überführt, doch sind ihre V c rletzung e n d e rart s ch w e r, daß an ihrem Au fkomme n g e z w e i f e l t wird. Gallob hatte mit der Kostenberger Beziehungen angeknüpft und dürfte die Tat aus Eifersucht begangen haben. Ser Steglitzer Schülermord. Die Obduktion der Leichen. Berlin, 2. Juli. Gestern hat die Obduktion der Steglitzer Lerchen stattgefunden. Es ergab sich, daß der Kochlchrling Stefan, der Geliebte der Lyzeistir: Hildegarde Scheller, erschossen wurde und daß Scheller Selbstmord, verübt hat. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben ergeben« daß die Schußwaffe, mit der die Tat geschehen ist, von einem Mitschüler von Scheller und Kranz stammt und daß ein angeblicher Börsenmakler namenö Czipser vor einiger Zeit mit Günther Scheller nach Paris gereist war. Dieser Czipser soll sich jetzt in der Tschechoslowakei aufhalten. Ae bebende Srde. t 9t a o u s a, 2. Juli. Die Seisinographische Anstalt der Mqrineakademie verzeichliete Herste um 9 Uhr 40 Minuten ein ziemlich starkes Erdbeben in einer Entfernung von ungefähr 300 Kilometer. In Ragusa selbst wurde um 10 Uhr ein ziemlich starker Erdstoß verspürt. CESCHKÄ die Marke de 5 eleganten Herrn VII., Kaiserstraße 123 iX., Alserstraße d .IBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB Das Dresdner Tennisturnier. Die Sestmelcher Häven gute khancen. Berlin, 2. Juli. (Wolfs.) Der auf Samstag und Sonntag anberaumte Tennislänberkampf Deutschland — Oesterreich hat heute in D r e sd e n seinen Anfang genommen. Nach halbstündigem Kampfe nrutzten die ersten Treffen infolge eines Platzregens abgebrochen werden. Die Oesterreicher zeigten sich in diesem Spiele als starke Gegner. Das Doppelspiel Han ne mann — Lüdtke (Deutschland) gegen Matheyka —Ä rtems (Oesterreich) wurde beim Stande 1:6, 2:4 abgebrochen. Im Einzelspiel standen sich der Dresdener Bergmann und der Oesterreicher B r: ck gegenüber. Auch dieses Spiel mußte beim Stand von 6:4, 3:3 abgebrochen werden. 6in Denikin-Soldat als internationaler Hoch« ftapler. Anfangs Mai war in einer Wiener Kirche unter großem Aufsehen ein Mann bei einem Taschendiebstahl betreten und verhaftet worden. Er hatte, eine ganze Anzahl falscher Dokumente bei sich Bei der Polizei gab «r an, daß er der 23jährigc Peter Kochanowski aus Kiew sei, in Rußland das Gymnasium absolviert hÄbc ufnd in der Armee Denrkin einige Kämpfe als Soldat mitgemacht habe. Nach dem Niederbruch sei er längere Zeit in Konstantinopel, in Athen, in Neusatz, in Uesküb und in Jugoslawien gewesen und auf Schleichvegen über die österreichische Grenze gekommen. Der junge Mann wurde dem Bezirksgerichte üh»wgcben, jedoch schließlich mangels an Beweisen fr ü'-igasp rochen. Das Sicherheitsbureau hatte jedoch! gleich bei der Anhaltung des Verdächtigen die Korrespondenz mit den internationalen Polizeibehörden eingeleitet und so auch die Behörden von Triest, Neapel, Budapest und Warschau von der Anhaltung dieses Mannes in Kenntnis gesetzt. Während nun Kochanowski in Schubhaft saß, traf vorgestern von der Quastur in Triest eine Antwort ein, dmch die der Mann als internationaler Lang? finster entlarvt wird. Es wurde nämlich in dem Schireiben bekanntgegeben, daß Kochanowski einem Hotelier Weißlberg aus ALbazia vor einiger L)eit seinen Reisepaß und eine silberne Uhr entwendet habe. Durch! den Paßj, den man im Besitze des Ungehaltenen fand, war er der Tat überwiesen, und er legte auch schließlich ein Geständnis ab. In dem Schreiben der Quästur heißt es jauch weiter, daß Kochanowski von Neapel aus wegen eines Diebstahls mit einer Schadensumme von 12.000 Lire gesucht werde. Auch diesen gestand er ein. Kochanowski tvurde dem Landesgerichte e:ngcli?fe"t Kleine Nachrichten. Gestern -fanden Schwämmest mnller im Michael? noM nächst tom Sommechaideweg an einem Baum einen Unbekannten erhängt vor. Der Mann wurde als der 47jährige Kaufmann VMor Hamböck erkannt. Er hatte sich vor «dem Erhängen noch aus einem kleinkalibrige» Revolver eine Kugel in den Mund geschosien. * Der 43jährige Dr. Oskar Hamedinger ha! sich gestern in seiner Wohnmsg durch Bervnak zu vergiften versucht un> würde m das Wiedener Krankenhaus gebracht. Gestern «wurde der 34jährige Arbeitslose Franz Mo Sil er in seiner mit Leuchtgas erfüllten Wohnung tot aufgesunden. Arbeitslosigkeit ist die Ursache der Tat. Am 1. d. M. hatte sich der 27jährige Hilfsarbeiter Franz Bernhauer am Loquaiplatz mit einer Rasierklinge die Pulsader der rechten .Hand durchschnitten. Er gab an, am 30. Juni aus «der Irrenanstalt „Am Steinhof" entwichen zu sein. Gestern nachts wurde im Verlause einer Rauferei l» der Apostelgasse der Schaffner der As-pang-bahu Franz Wals- Herr von einem Gegner durch zwei Messerstiche lebensgefährlich verletzt. # Der Perjoiialroserent der Poligeidirektion in Wien, Hofrat Hans Biurrha ch ist p\ den daMrüdKN MMtzand Ae&etev