Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2998 (3.7.1927)
- Date
- 1927-07-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Setze i Wien, Sonntag Wiener Morgeüzettnng 3. Juli 1Ss7 Nr. 8998 Deutsche, Tschechen. Polen ans den für sie und die Erhaltung ihrer Angehörigen sprechenden Berücksichtigungsgründen zur ferneren Tolertrung beantragt, welchem Anträge auch das Landes- General-Commando beitrat. Die genannten in ihrem bisherigen Verhalten untadelhaften vier Judenföhne, sind Abkömmlinge jener 31 Judcnfamilien, denen in Folge der Allerhöchsten Entschlisßungen vom 17. Jänner 1816 dann vom ' 26. Dezember 1817 der bleibende Aufenthalt in Semlin gestattet wurde, von welchen mittlerweilen 7 Familien ganz ausstarben, daher sich derei Zahl auf 24 restringirte. Durch die Allcrgnädigste Ertheilinig der Bewilligung zum bleibenden Aufenthalte der benannten hier Inden, woraus das treugehorfamste Armöe-Ober-Commando den ellcrunterchänigsten Antrag zu stellen sich erlaubt, würde sich die Zahl der tolerirten Familien wohl aus 28 erhöhen, welche jedoch noch immer geringer erscheint, ale jene der miprünglich für Semlin privilegirten Juden familien. Uibrigens wird das allerunterthänigste Armee-Ober- Commando nicht unterlassen, nach erfolgter Allerhöchster Entscheidung den Unserbehörden, die gemessensten Befehle zu ertheilcn, daß in Zukunft die Ansiodlung und Vermehrung der Inden in der Militär-Grenze den noch in Kraft stehenden Vorschriften zu Folge, hintangehalten weiche. .. Wien, am 15. Juni 1857. Erzherzog Wilhelm, Fmlt. Nach dem Anträge genehmigt ' - Laxenburg, am 24ten Jun-i 1857 (Franz Josef) Die in diesem Akte erwähnten Allerhöchsten Entschließungen aus den Jahren 1816 und 1817, die sen Semliner Juden den Ankauf eigener Häuser gestatteten, beruhen auf einem für Herzls Vorfahren und denübrigen Gesuchstellern überaus günstigen „Vortrag des Hofkriegsrates^/ dto., 28. Dezember 1815 (B. 5513) über das Gesuch der in der MMtärkommunität Semlin angesesienen 32 Judenfamilien. Bermög einem untern 12ten Juny 1753 an das slavonische General Commaudo erlasienen Reskripte sollte zwar keinem Juden der beständige Aufenthalt noch ' weniger aber die Ansässigkeit iü Slävornen und -in den dortigen Mlitär Grenzen gestattet werden^ auf -Sitte" Vor--' stellung dieses General Commandos und einem-hierüber, erstatteten Vortrag 'wurde jedoch den b e i Äb-tr ech-1 n-n g Serbiens au die Pforte aus Belgrad nach Semlin übersiedelten 21 Juden wegen ihrer Anhänglichkeit und Treue mittels a. h. Entschließu n'g vom 8 t e n N o v ern h e rT753 'd.-ie Bewilligung ertheilet, daß sie lebendlangmit Weib, Kinder und Hausgesind daselbst verbleiben-, jedoch sich weder mehrere Häuser ankaufen noch 'auch ihre Anzcchl vermehret werden dürfte. Aus dem Anlässe, daß bis zum Jahr 1772 mehrere -Hausväter dieser priviligirten Juden verstorben waren und ihre Deseendenten sich von Semlin entfernen mußten-, schritten die daselbst zurückgebliebenen Juden erneuert um die Gestattung des ungestörten Aufenthaltes ein, worüber untern 29ten Dezember 1772 die ä. h. Entschließung dahin erfolgte, daß von jenen 4 Familien, wovon die Hausväter mittlerweile, verstorben waren, so wie von den übrigen. noch vorftndig gewesten 7 Familien den hinterbleibenden. Wittwen und einem Sohne, so lange sie'einen unsträflichen Lebenswandel führen würden, der fernere Aufenthalt und die Betreibung eines erlaubten Handels zugestanden - werde. Seit dieser langen Reihe von Jahren haben' btc: Juden zu Semlin die Pflichten getreuer Unterthänen > ©AMGrlWM HERZIGRilB Reale Sonntag, 3. lall 192? Versammlung: ^10 Uhr vormittags, Endstation 40er-Wagen. Abmarsch: Präzise 10 Uhr vormittags. Ordner b, d. Straßenbahn.! ^ttden, beteiligt euch ausnahmslos * Regie Sonntag. 3 Juli 192? präzise % 8 Uhr abends GEDENKFEIER IBl Hotel „Continental", 11., Taborstraße 4 || Gedenkrede: II " Prof. Dr. Z. P. Ghajes Karten im Vorverkauf: Zion. Biireaü,'Wien,!., Kärntnerstraße 28, Tel. 77-4-85, 77-4-86. StW(N ClORstrt MAROKAIH WIENER»* «> 1VIENER1N qiie, dlii Seidenstoffe gut und billig kaufen Wollen, besorgen ihren Einkauf ' in den HILIHEIM I., TUCHLAUßEN 8 und I; BAUERNMARKT 2a WIR VERKAUFEN ZU FABELHAFT BILLIGEN FREISEN! 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Bauernmarkt 2 a verkauft Beachten Sie unser Prinzän: SäSs erfüllt und bitten..nun' dermalen.um die Bewilligung zur Ansässigkeit und züm Ankauf von Häusern, in dem sie durch Zeugniß darthun, daß sie 'sich der M i l i t a i r L a n d w eh r ^zur Zufriedenheit widmeten, wqhreuh. des Laufes des vieljährigen Krieges patriotische Gaben, darbrachten, daß sie sich niemals mit einem Schleichhandel befaßten, jederzeit sich den 30gst. Ordnungen pünktlich fügten,- ihre Kinder in der Normal Hauptschule ausbilden ließen und sich immer ruhig, friedlich und rechtschaffen betragen hatten. Der hierüber vernommene Semliner Communitäts Magistrat-bestätiget nicht nur den 'tadelfreien Wandel' der Bittsteller, sondern trägt auch darauf an, womit nicht allein-den vonden ursprünglich Privilegirten Inden abstammenden Familien mit Anschluß des'in einem Prozeß verflochtenen Chaim AlMoslino, sondern auch dem daselbst gebürtigen'Handelsmann Josei Amigo und Salomon -Commändd die häusliche Niederlassung gestaltet werden wolle,'welchem Anträge auch das slavonische General Kommando jedoch -mit der Beschränkung 'Beitritt, daß . außer den ängeträgenen 32 Familien keinem sonstigen Juden der-fernere Häuser-Änkaus daselbst und auch weder- Ungarn. Romanen ihren Töchtern, die sich an auswärtige Juden veroheligeu würden, noch anderen fremden Juden der dortige Ausenthalt gestattet werden sollte. In dieser und der ferneren Rücksicht mit den Beschränkungen, welche dießfalls in den Militair Grenzen aus politischen Gründen notwendig wurden, in demselben Maße bdi den Judeu-Familieu in Semlin nicht eintrettcn und weil durch den Besitz eigener Häuser die Juden mehr an das Interesse des Vaterlandes, geknüpft würden, ist der H. (of) K. (riegs) Rath des -Dafürhaltens, daß Euere Majestät geneigt, sehn dürften, nicht allein, den bereits angesessenen 11 Familien, sondern auch den übrig gut gesitteten in Semlin gebürtigen von den ursprünglich privilegirten 21 Hausvätern abstammenden 19 Judenfamilien mit Ausschluß des besagten C... A.der >Besitz zusammen.von 30 Häusern nebst dem Schulhaus -auch für ihre Wittwen und einem Sohne so lange sic ihrem guten. Lebenswandel fortsctzen werden in der Art zu genehniigcn, daß sic — um der Oberaufsicht ihres gemeinschaftlichen Richters nicht zu entgehen — dieser Häuser sich nur in der Gegend der Synagoge und Schulchauses beschaffen dürfen, und daß keinem des sonstigen Juden der fernere Hänscrkanf daselbst, und auch außer ihren sich an auswärtige Inden sich vereholigenden Töchtern noch anderen freniden Inden der dortige Aufenthalt gestattet werden sollte. Indem sich der Hof Kriegs Rath hierüber die a. h. Ent-schließung erbittet, bemerkt derselbe-nur noch, daß die in dem General Commando Berichte angeführten bei Ausbruch der serbischen Unruhen herüber emigrirten — 135 Juden bei hergestellter Ordnung "wieder zurück nach Belgrad verwiesen worden sehen, nachdem sie türkische Unterthänen waren, und die Absicht besteht, die Juden in der Grenze nicht anhäufen zu lassen. ‘ Puchner. . Sg bezeichnend dieses Dokument auch für die kulturellen Verhältnisse der Semliner Juden und für die. klugwohlwollende Art der österreichischen. Militärverwaltung war, so erscheint uns weitaus wichtiger.für die Feststellung von Herzls Vorfahreu die diesem erst im Jähre 1817. er? ledigten Akte beiliegenden Familienlisten der Semliner Ju-- den aus dem Jahre 1816. Diese Listen, so dürftig sie sind, nennen sie ja.nichts weiter als Normen, Derus und Alter, 'sind die Grundlage für die folgende Ahnentafel Sheodo" i'Herzls in der 3., 4. und 5. Generation. 1 . ' ' - - -- - --- llerrel' ^. Awigdor. . . Abraham^ . . Feischel . .Rafael . .1 Sjalom^) . . . gost>v,i51g? Naftali . Hersch x «... Moiseis Herzl X Rebekka Simon Olasenheister in'-' aas-Böhmen Semlin, geb. 1751 geb. 1754!.x. Enoch Theresia Feischel x Fälio in Semlin . gest. vor 1816 geb. 1759 Löbl Herzel x Veranä (Frummet) '' «r ‘ . ’’ 'Herzel : ■ aus Neusatz . , ■ Taglöhner-in Semlin geb. 1761, gest. vor 1855 gcb. ,1777. . i >"> -... —:—; Jakob Biliz x Sarah Feischel ans Bielitz in Schlesien Taglohner in. Semlin - geb. 1776 geb. 1781 Simeon Lob Herzl geb. 1805, gest. Pe^th 8. XI. 1879 X Rebekka Biliz geb. 1809, gest. Peath 29. VIII. 1888 Jakob Herzl (14.! iv. 1835—9. vi. 1902) x 22. vm. 1858 mit Nanette Johanna Diamant (28. vn, ,33-1—20.11.1911) Tochter des Herrmann Di am ant A b e 1 e s (1805- (1806- -9. 1. 1871) und der Johanna Katharina -9. IX. 1872) Dr. Theodor Herzl 7. V. 1860—3. Juli 1904 . Was erzählt uns. nun diese AHnentflfel? Die Legende -von den. glaubenstreuen Marannen-Brüdern und. von der ^spanisch-jüdidschen Abtilnft bleibt — Legende. Herzls Vorjahren waren- Juden äüs Böhmen, Mähren und Schlesien,!die irgendwie'unbetvußt mitteleürop'äis'ch und unorientalisch lgesrnnt tparen. In tüpftschen Landeu svollten sie nicht lehen ^und nähmen ihren Wohnsitz im kaiserlichen Militär-Grenzgebiet. Bei den Behörden und andersnationalen Mitbürgern sind sie ivohlgelitten. Ihre» Lebensnnterhält verdienten sic in harter Arbeit, selbst als Taglöhner. Im Verlaufe der -Zeit-gelang, es ihnen, zu einigem. Wohlstand zu kommen. : Die in. vergangenen Zeiten so häufige rabbinische Bildung scheint ihnen fremd gewesen zu'sein, ebenso künstlerische Bestätigung, nur Theodor Herzls Urgroßvater scheint mustka- - lisch tätig getoesen .'zu sein, da er den darauf hlilweisciiden Rufname Lob Mesmer führte. . Das ist alles,, ivas wir bisher vonHerzlsVorfahrenwisien» Es ist zu hoffen, daß sich noch bald Akten und Urkunden finden iverden, die neues Licht auf die Abkunft unseres gtt* ßen Toten werfen. 54493552 75