Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2998 (3.7.1927)
- Date
- 1927-07-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seit.'? Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 3. Juli 1927 Nr. 2998 bracht« sofort -re ^an;c jüdische, aiw an.-'t aniijüdiis''' Frage auf ein völlig ungewohrltes Gc.eck.-. -.'I :'oil icotil: in allen jüdischen Trugen micheninrnren u - 'i? auo seinen'. Nationalen Wesen entwickeln. AUeritti:^, ecörsneten sich .auch neue potttische Aspekten. Wer eiese Bewanrng unter /stützte, crschtoß sich ein über die eair.-s Wel. rei-che:Ä's ncifit l-Aes Land, ba$ Land der Juden, kam .wer auch damit in ' Gegensatz zu den Jei-.^.'u der non Hcrzl sormulierteu vTo'c. . Sie rvar d-r usC:«' mau rnnßte sich bttrmtf einrichten, eines ' Tages mit ihr reckmen zu müssen. Dieser Tag lag irgendwo draußen in 8er Ferne. Einstweilen fjatte die Bewegung ihre Grundlagen zu schassen, eine Organisatioir einzuriästen und inr Indcntnn^ selbst sestziurachsen. Ihre Enste n Berechtigung ,mißte zuerst durch das Judentum bekräftigt werden und dies bwairg eine sich immer weiter ansbreitende, immer neue Gebiete erfassende Erziehung^- ilnd Schulungsarw'it. Herzl hat den Tag nicht mehr erlebt, da die von ihm. geschaffene Beivegung in die Weltpolitik.cintrat. Die SchoLre »der Aufgabe ließ ihn vorzeitig von uns scheiden. Aber Herzl hat den Tag vorbereitet. Sein, politisch geschultes Äuge hatte das große Weltunglück kommen gesehen uiiÄ zu der rastlosen Tätigkeit getrieben, in der sich der Führer verzehrte. Er ging zuerst zu den reichen, angessehenen Inden und sie verstanden ihn nicht. 'Sie erfaßtenmcht die logische Entwicklung des Gedankens, daß der Emanzipation des jüdische Individuums die Emanzipation der jüdischen Gesamtheit notwendigerweise folgen muß. Aber das. Volk, au das sich Herzl wandte, sah die Größa seines Planes,.die Schönheit dieser Der und -die Kühnheit des' Voriourses, bctt Sarg der Geschichte zu sprengen und zu treuem! Schassen zu schreiten. Das Volk legitimierte den Zionismus mH aus.dem Wolke kam die Energie, die trotzig und rebellisch gegen alle Tücken stand und gegen die innere.Apathie ankämpfte. Ter große Krieg hatte das jüdische Wölk tiefer und grausamer. getroffen als jedes andere, trotzdem aber vollendete die zio- - nistische Organisation die erste Etappe der Herzlichen Konzeption und sie konnte dort anknüpfen, wo Herzl bereits die psychische Vorbedingung des Verständnisses erzielt halte. Englaud allem hatte die Mdeutinvg dieser Bervegung erkannt und jetzt nach dem Krieg brachte England die Entscheidung. England hat den Weg von Uganda nach Zion zurückgelegt. 'D;v rotttische Zivnisnuls ist in das' Stadium'der Er- MMwZur 5VMS Wien, II., Tabarsfraße 1 Telephon 40-4*67 Telephon 40 4 07 verkauft infolge vorgerückter Saison nur erstklassige Modell« in Kleidern und Mänteln zu Spottpreisen! E» MUretflrf Einführungspreise zu Kassapreisen. in &CtSc94E3 Crepe de Chine, Ia Kleiderware . ....... 8 8' 50 Crepe de Chine, imprimö. .......... 8 8*60 Foülard (feiflster Lyoner Druck) ........ 8 0 20 Crepe Oeorgette (Kleiderware) in allen Farben . 8 11 80 Die neuesten Pariser Mantelstoffe eingelangt! GUnstigste Einkaufsquelle für Besucher der Festwoche füllung getreten. Wir stehen mitten in dieser Evolution und wir haben z,r ihr keine Distanz gewonnen. Wohl uns, daß dem so ist und daß alle mitschaffcn! fömten. Aber die Zeiten sind trüber und schwerer geworden, die Widerstände stärker, die Armut im Volke größer. Die Aufgabe, die zu vollbringen ist, würde bei einem twrmal konstruierten Volk, das nur zu kolonisieren hat, alle Kräfte erfordern. Das Judentum inuß sein Bürgerrecht verteZdigen und seilt Volksrecht bauen. Es steht in der Strönmnig der Weltpolitik, 'muß sein altes Leid tragen, und neue Pflichtelt auf sich nel/mert. An dieser Größe der Ausgabe aber muß die Kraft wachsen. Wir haben nicht so Geringes geleistet, seit Herzl den Judenstout geschrieben und seit ec aus dem gelben Fleck die Kokarde der Geusen gemacht hat. Wir haben'Tatsachen geschaffen, die nie mehr verschwinden können; unser Recht ist bestätigt worden, tveil unser Willen das so forderte. Wir haben Palästina dein jüdischen Menschen gegeben und die Impulse von dort werden, eines Tages' so stark sein, daß sie uns die Arbeit erleichtern. Es liegt ein lveiter Weg vor uns; aber einen unendlich lveiteren, mühevolleren haben wir,zurückgelegt. Es stalrd viel schlimmerem unser Volk vor dreißig Jahren, als ihm der Tod der Vergessenheit drohte. Herzl hat es wieder iirs Leben, in die Tat,, in die Arbeit zurückgeführt. Monismus und Bölkerverständiguns Eine bedeutsame Erklärung der Minister» Fustin Godard. In der am 30. Juni in Berlin stvtlgcftmdenen Massenversammlung des Deutschen Pw- Palästina-Komitees, f.n welcher Präsident W e i zmann den bereits berichteten Vortrag hielt, verlas der Vorsitzende, Botschafter Graf Berustorsf, die folgende Botschaft des gewesenen französischen Ministers Justin Godard, des Präsidenten des Komitees France-Palestine. „Herr Präsident. Ich hätte gewünscht, der Kundgebung persönlich unsere Grüße überbringen zu können. Aber dringende Geschäfte machen mir und meinen Kollegen diese angenehme Ausgabe leider unmöglich. Jedenfalls freue ich mich, Ihnen sagen zu können, daß wir Ihre Einladung als einen Auftakt zu den Beziehungen betrachten, die dazu dienen sollen, das Deutsche Pro-Palästina-Komitee und das Komitee „Francc-Palästine" enger zufainmcrizuschließen. Der Gedanke der H u m a n i tät u u b Ger e chti gk e i t. von ivelchem das neue Leben im jüdischen Palästina seine Nahrung empfängt, der Geist des Liberalismus und der Glaube, von dem dieses junge Land beseelt ist, wo bis dahin nur Ruinen standen, und dem nun entschlossene Menschen einen Sinn und ein Schicksal zu geben sich zugeschworen haben: welcher ernste Mann, der die Bedeutung und die Verpflichtungen der modernen Gesellschaft kennt, welcher anstä.-dige Mensch von heute kann diesem Geschehen gtsichgül- Lg gegcnüberstehen? Ein Werk wie dieses, ein Werk des Aufbaues und des Rechtes hebt mit eineur Schlage alle Unterschiede auf. Jeder, der sich ihm aus der Ferne anschließt, empfängt ebenso viel wie er gibt. Er wird der Verpflichtete derer, die er verpflichtet. Wo gibt es eilt besseres Mittel, um Bande zu knüpfen von Mensch zu Mensch, vml Land zu Land! Ich freue mich herzlich, daß diese Bande sich nnknüpscn zwischen Deutschland und Frankreich. ...Ich glaube, daß das neue jüdisch-nationale Heim in überraschender Weise eine Verwirklichung der nationalen Idee bieten wird, unerrvartet, elastisch, subtil, schon infolge der Herkunft ihrer Bekenner durchdrungen von unendlich verschiedenen Tendenzen, die sich ergänzen werden; ferner durch sein Politisches Regime, seine politische Lage, seine direfte Verbundenheit mit internatiormlen, ja interkontinentalen Vereinbarungen, von einer Geschmeidigkeit und einen: Nutzen, den man noch gar nicht abzuschätzen vermag. Die Universität »ou Jerusalem, zwischen Orient und Okzident stehen, wird sein leuchtendes Symbol sein! Gibt es einen besseren Gegenstand, bei welcheur wir uns begegnen könnten?... Unsere Aufgabe ist dieselbe, unfere Werkzeuge sind dieselben." gahrestonserenz der amerikanischen ziouiftru. Der Mißtrauensantrag der Opposition abgelehnt. New U o r t, 2. Juli. Die Konferenz der amerikanischen Zionisten in Atlantic City ist nach mehrtägiger Dauer geschloffen worden. In der letzten Sitzung beantragte die OppofKüm. den Bericht des Vertvaltungskonritees abLNleh- -ncn. 'Diese Ablehnung sollte einen Ausdruck des Mißtrauens gegen die Politik der Erweiterung d e r I e w i s h A g e n c y bedeuten. Gleichzeitig beantragte die Opposition, das Abkommen zwischen, Dr. Weizmann und Louis Marshall abzülehnän. Bei den Abstimmungen wurden diese Anträge ab gelehnt und der Bericht des Berwaltungskomitees zur Kenntnis genommen. Nach der Abstimmung erhob sich die Mehrheit von den Sitzen und sang die „Hatikwah". ' Die Konvention wählte Herrn Louis L i p s t y wiederum zuin Präsidenten. Vizeprasidentiu ist Frau Henrietta S z o l d. Das Angebot des Oberrichters Branders, daß seine Gruppe einen Vertreter in das Administrative Komitee entsenden solle, wurde a b g e l e h n t. Der bisherige Sekretär, Herr Abraham Goldberg, tvurde nicht wiedergewählt. < Die Konvention beschloß ferner, eine Aktion zür Erhebung von 200.000 Dollar zur D e ch u n g d e s D e f izites durchzuführcn und nahm einen Entschluß au, durch welchen die Politik Dr. Wcizmanus gebilligt wird. Die amerikanische Delegation auf dem 16. Zionistcnkongreß wird ersucht, für die Werzmann-Politik zu stimmen. Zer XV. Nouistenkongreß. Die Delegiertenwahlen ln Polen. Wa r s ch a u, .2. Juli. Von den Dclegierten'wahlen zum Zivnistenkongreß sind bisher die Ergebnisse aus 70 Orten bekannt geworden. In diesen Orten tvurden 124 ' Delegierte getvählt, vyn denen 62derGruppe „Al Ham i s ch in a r" (Grünbaum-Äruppe), 62 der Gruppe „E t h L i tvn o th" und lOderdcrZionist c n - N e v i s i o n i st e n airgohüren. Re Mandatskommission. Genf, 2. Juli. Die Mandatskommission des Völkerbundes hat die Berichte und Petitionen aus dem palästinertftschen Mandatsgebiet behandelt. Die Kommisfton hat sich mit der Frage der Wahl eines deutschen Mitgliedes beschäftigt und zur Vorbereitung der Älrüwort an den.Rat des Völkerbundes einen Redaktionsausschuß eingesetzt. Es wurde darüber diskutiert, ob die Kommission kompetent sei, sich zu den in Frage kommenden politischen Gesichtspuinkten zu äußern. Dies wurde verneint. Franzöflswer Protest gegen einen deutschen Vertreter. Paris, 2. Juli. (Wolfs.) Die französische » Ko lo n i a l g ese llsch a s t hat gegen die geplante Aufnahme eines deutschen Kölonialsachverstäudigen als Mitglied in den Mandatsausischuß des Völkerbundes mit der Begründung Protest erhoben, daß die Verwaltungskvntrolle der Mandatsgebiete durch einen Vertreter einer Macht, die früher Kolonien besaß, gefährlich sei. Sie Kandidaturen ia Szeruowitz. C z e r n o iv i h, 2. Juli. Für die Kammerwahlen, diö für den 7. Juli angcfetzt sind, tarrdidicren hier acht verschiedene Parteilisten. Von Seite der Liberalen wurde Doktor S t r a u ch er cm zweiter Stelle nominiert. Für den Senat bewirbt sich Herr Dr. Salo von Weißelbcrgeum das Mandat. Die Stadeattnkrawalle ln Lemvn».. Lemberg, 2. Juli. Trotz der Intervention des Staatspräsident und der Lcmberger Polizeidirektion beim Univcrsitätssenat haben sich gestern abends die Ausschreitungen der nationalistischen Studenten wiederholt. Alle Zeitungsredaktion tverdcn von Militär und Poliz e i geschützt, da die meisten Lcmberger Blätter scharf gegen die Ausschreitungen der nationalistischen Studenten protestierten. Gegen Nadir. Belgrad, 8. Juli. Der Staatsrat hat eine Reihe von Verordnungen annulliert, welche die autonome Gebietsvertretung von Agram unter Führung des Stefan R a d i c für den Bereich des Agramer Gebietes getroffen hatte. ' Die Aufhebung dieser Verordnungen begründete der StaatSrat damit, daß sie teils ohne jede gesetzliche Grundlage seien, teils dem Gesetz widerspreche^ Fnteruatlonale Kataürophenhilse. Gens, 2. Juli: Am Montag beginnt hier die Internationale Konferenz zur Gründung eines H i l f sverbau d e s für die von jkatastrophen betroffenen Völker. Der Plan dazu ist 1922 vom italienischen Senator Eiraolo dem Bölkevbund vorgelegt, inzwischen aber in Verschiedenem abgeändert worden. Von den eingeladenen 69 Staaten — 56 Mitglieder des Völkerbundes, 13 Nichtmitglieder — haben bis heute 31 die Einladung angenommen. Doch rechnet man mit einer Teilnahme von mindestens 40 Staaten. Mosk.au hat seine Teilnahme angekündigt, sich jedoch noch nicht offiziell angemeldet. Zum Vorsitzenden soll der frühere deutsche Reichsminister Dr. Külz bestimmt werden. Die meisten Staaten haben bis jetzt nur einen Delegierten bezeichnet, einige weniae zwei und nur Deutschland deren vier. Sie Daudet-Komödie. Eine zweite Verhaftung. Paris, 2. Juli. . (Havas.) Der Untersüchungsrichter ließ die Telephonistin der „Action Francaise"- Frau M o nt a r unter der Beschuldigung der Mitschuld a n d-er 'Mystifika t'i ü n f f ä r e durch Anmaßung eines Amtscharakters verhafterr. Die Beschuldigte wurde mit ihrem vier Monate alten Kind ins Gefängnis gebracht. Hakenkreuz und KathokWmns. „SlatnmenMen" Im preußischen Landtag ist in einer dep letzten Sitzungen eine völkische Broschüre „FlammoNKvicheu" verteilt worden, die sich als ein Pamphlet erwies, in welchiem gegen die Jknden und gegen di« katholische Religion die bekannten Beschimpfungen geschleudert wurden. Der Zentrumsabgeovdnete Dr. Schwerin (Köln) protestierte erregt dagegen, daß die Verteilung der Broschüre zugelassen worden sei. In der „C. B. Zeitung" veröffentlicht er nun die folgenden Aeußerunge«, "die uns im Hinblick auf österreichische Verhältnisse sehr bemevkeNÄvert erschernen-r „Der wahre Gegner des Christentums ist der Nationalismus und der Chauvinismus. Es ist doch eim starkes Stück und nur in Deutschland möglich!,wenn einem Drittel des deutschen Volkes, denn das sind doch, die Katholiken, abgestritten wird, daß sie aufrichtige Deutsche seien!... Interessant wäre es auchj, Ktt wissen, wer die Zeitschrift finanziert. Sie ist geistig derart anspruchslos, daß sie sich! nur mit großen Unterstützungen halten kann. Wo find die Geldgeber eines so bedauerlichen Unternehmens?... Diese Kreise mit ihrem flanntischen Haß wider Katholi-L.smns und Judentum wissen wohl, was sie wollen. Ziel ist, die innere Zerreißung Deutschlands noch zu vermehren und ein deutsches Ideal zu stabilisieren, dessen Inhalt Unduldsamkeit und Unfreiheit wäre! Der Chauvinismus ist die Häresie des 20. Jahrhunderts, und seine Bekämpfung liegt.im Interesse des Fortschritts der Menschheit und der Freiheit der Völker und Religionen!" Dieser Aeußerung muß man die Haltung der österreichischen EhrisUichsozialen entgegenstjellen. Bei den Wahlen habm sie sich mit einem der Prediger dieser Häresie verbunden und ihn sogar auf die EinheitSlistie gestelll. Das Wiener Organ der regierenden Partei hat sogar vor Jahren und auch noch zur Zeit des letzten ZionisheMkvnigrefses sich diese völkische Terminologio zueigen gemacht und die Fälschungeil der Weisen von Zion sowie des?famosen Pentatull verbreitet. Sie sind damit nicht allein. Die arabische UebersetzUng der „Protokollen^ ist von dem Monsignore Barlassina im Orient propagiert worden. Nun wendet sich der Spieß dieses Wotanismus gegen die kathioWhe Kirche. Das stand zu erwarten, wild aber Ar Me« nicht nach Gebühr getoertet werden. Die HLvefie