Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2997 (2.7.1927)
- Date
- 1927-07-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Skkto 4 Wien, 2am*3t(wi Wiener Morgerrzeitirirg Juli mi Nr. 2f&, Seidl in aHarerMter AuswaltS und bester Qualität wawBMftaMhMmwma Ser Sang zum Grabe Aerzls. Morgen vormittags. Kür den Gang zu»! Grade Herzls hat das Zionistisch, ^andeskomitec die folgende Ordnung ansgearbeitet: Versammlung: )N0 ll.hr vormittags. Abmarsch: Präzise 10 Uhr. Tie Leitung liegt in der. Händen der Herren: Dr. .Hans Engel und Zwi Kanner. Der Gang beginnt mit einem Vorbeimarsch jÜm* licher jüdischer Jugendorganisationen vor der Zionistischen Parteileitung Oesterreichs, die vor der Hochschule für Bodenfirltur Aufstellung nehmen wird. Die Jugendorganisationen marschieren dann durch die Hochschnlstraße, Hartäckcrstraße bis zum Friedhof und bilden zu beiden Seiten der Straße ein Spalier, durch' welches alle Anfmarschteilnehmer, an der Spitze die Zionistische Parteileitung, zum Friedhof gehen. Die Hakoah, Bezirkssektioncn und alle übrigen Gruppen versammeln sich nach der folgenden Einteilung in den Seitengassen der Felix-Mottl-Straße mit der Gesichtsrichtung zu dieser und schließen sich straßenweise an den Zug der Iugendgruppen, der in der Felix-Mottl- Straße Aufstellung genonnnen hat, an, lassen der Parteileitung den Vortritt und marschieren durch das Jugendgruppenspalier nach den: Friedhof. Die Gruppenleiter, Leiter der Bezirkssektionen usw. haben auf zwei Dinge zu achten: Erstens: Alle Teilnehmer haben mit dem Gesicht zur Felix-Mottl-Straße in Viererreihen in den für sic bestimmten Straßen um %10 Hho ausgestellt zu sein. Neuankommende reihen sich rückwärts zu viert an. Zweitens: Jede Straßenavteilun.g wir) von einem Ordner verständigt, wann und wo sie sich an vorbeimaoschierenden Zug anzuschli-ßen, bezw. wann und wohin }i' zu gehen hat. Reihenfolge im Aufmarsch und Sammelplatz der einzelnen Gruppen. Gruppe 1: - Tie Mitglieder des Aktionskomitees, Landeskomitees, Partcirates, Mandatare, die fremden Gäste, ferner die Keren-Hajessod- und Kcren-Kajemeth-Kommission, Palästinaamt, die den Zug eröffnen, bei der Hochschule für Bodenkultur, Ecke Peter-Jordan-Straße-Hochschulstraßc. Gruppe 2: Jüdische Studentenschaft hinter den Mitgliedern der Gruppe 1. Gruppe 3: Bezirkssektionen 1, 2, Prater, 3, bis 11, Misrachi, Hitachduth, Poale Zion, Peter-Jordan-Straße, Ecke Hochfchulstratze. Gruppe 4: Frauenorganisationen, Hochschule für Bodenkultur, Ecke Ferstnrantelstraße-Hochschulstraße. Gruppe 5: Bezirkssektionen 4, 5, 10, 6, 8, wie Gruppe 4. Gruppe 6: Hakoah, Turn- und Sportverband, Weimarerstvaße, vom Karl-Ludwig-Denkmal bis Anastasius-Grün- Gasse. Gruppe 7: Bezirkssektionen 9, 12 bis 19, Cottageqasfe, Ecke Felix-Mottl-Straße. Gruppe 8: Bezirkssektion 20, Zwischenbrücken, 21, Blaasstratzc, Ecke Felix-Mottl-Straße. Gruppe 9: Jugendorganisationen, Jugendgruppen, Chaluzim, Mittelschüler, Felix-Mottl-Straße, von der Hochschulstraße 'beginnend. Me Herzl-Feier. Morgen um halb 8 Uhr abends findet im Hotel Continental die Herzl-Feier statt, bei der Oberrabbiner 'VjWHcievem P1AROKAI SeidenlmiB (üillheim iBauerrüiiarktZa y, i.TufHinu'ienHr.8 zu wirklich bi11Isen En eros-Prelsen Seide Souei* Konkurrenz die Spitzet Domains ......... 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Morgen (Sonntag) treffen ungefähr 100 Mitglieder der Zionistischen Ortsgruppe Bratislava in Wen ein. ES ist dies ein Gegenbesuch der Bruderorganisation nach der schönen Fahrt der österreichischen Zionisten nach Bratislava. Die Gäste verbinden mit ihrer Anwesenheit in Wien den Besuch des Hcrzlgrabes. Sie werden nur 9 Uhr vorm, vom Zionistischen Landeskomitee und den Wiener Zionisten am Nordbahnhof begrüßt und nehmen sodann am Grabgange teil. Mittags findet ein Empfang durch das Präsidium der Jsraeltischcn Kultusgemcinde statt, nachmittags werden unter fachmännischer Führung die Wiener jüdischen Denkwürtzigkeiten besichtigt. Rückgang der Arbeitslosigkeit. Aas der Industriellen Bezirkskommission wird uns mitgeteilt: Der Stand der unterstützten Arbeitslosen in Wien ist in der zweiten Hälfte des Monates Juni 1927 um 1619 auf 77.754 gesunken. Gegenüber dem Stande des Vorjahres ist der Stand um 5889 geringer. Die Zahl der unterstützten Angestellten ist um 644 aus 13.406 zurückgegangen. Steigerungen sind in der Textil-, Konsektions- und Hutindustrie, ferner bei den Holzarbeitern und Schuhmachern zu verzeichnen. Bor einem Schneiderftreil? .. Bei sieben großen Wiener Kleiderfabrikanten ist ein Streik der Stückmeister ausgebrochen, der durch den Verband der Wiener Herren- und Damenkleißevfabrikanten mit der Aussperrung der Stückmeister in der Herren-Engroskonfektion beantwvvtet wUjrde. Insgesamt wp.rden 6000 Meister ausgesperrt. Wie wir erfahren, beabsichtigen die Stückmeistev einen allgemeinen Schneiderstreik f>ür ganz Oe st erreich zu proklamieren. inneren S t r eJ. t i g ic 11 e u Chinas verwickelt zu wei> den, die Waffendnrchfuhr verboten und damit einem einzelnen Privatmann die Durchführung eines Geschäftes unmöglich machten, wurde zur „Regelung des Konfliktes" Militär nach dem Norden entsendet. Die Anamiten wurden gezwungen, den Franzosen besondere Handelsfreiheiten auch im Norden einzuräumen. Damit war die gesuchte Grundlage für die notwendige Vertragsverletzung gefunden. Sie blieb nicht aus. Die offiziöse Geschichtsschreibung berichtet: „Diese Vereinbarung sollte nicht besser Erfüllung finden als die früheren... Wir waren gezwungen, Truppen zu serrden, denen gegenüber die Mandarine eine sehr unfreundliche Haltung zeigten." Daher neuerliche Beschießung der anamitischen Hauptorte; die Anamiten waren ja durch den Mangel an igleichwertigen Waffen wehrlos. Die nun folgenden Verhandlungen führen 1883 zur Anerkennung französischer Beamter neben den anamitischen und zckr Ueberlassung der Zoll- Annahmen, also zu jenem Zustand, \m er heute besteht: Besitz unter der Bezeichnung eines Protektorats. * Die Bevölkerung des Landes hat sich zu keiner Zeit mit der französischen Herrschaft abgefunden. Zahlreiche blutig unterdrückte Unruhen sind Beweis dafür. China, durch Rassen- und Kulturgemeinschaft verbunden, hat dieser Bewegung von Anbeginn Stütze geboten. Solitaritätsgefühl und die Absicht, die Festsetzung einer fwmden Macht in der Flanke zu verhindern, waren in gleicher Weise hiefür bestimmend. So war China stets der Sammelpunkt politischer Flüchtlinge aus Französisch- China. Anderseits Hai der Kampf um die nationale Erneuerung in China unter den anamitischen Patrioten einen mächtigen Widerhall gefunden und ihrem Betätigungsdrang eine Zielrichtung gegeben. Groß ist die Zahl der ananMfchsn Freiwilligen in der nationalen Armee. In steter Wechselivirkung hat der chinesische Freiheitskampf die anamitischen Nationalisten in ihrem Selbstbewußtsein ungemein bestärkt. Bor wenigen Wochen hat die anamitische Unabhängigkeitspartei in ^einer Denkschrift von der französischem Regierung dre sofortige Räumung des Landes verlangt. (Die Kunde hiervon ist bisher nicht an die Oeffentlichkeit gedrungen.) Es ist nach den in Paris vorliegenden Nachrichten kaum zweifelhaft, daß nach der nationalen Konsolidierung ein Vormarsch der Chinesen nach Französischf-China aus Gründen der eigenen Sicherheit wie aus Gründen des natiowalen Zulsammengehiörigkeitsgefühles erfolgen wird. Die Bevölkerung Indo-Chinas bereitet dieser Intervention in unruhiger Erwartung den Weg. » Die Bedeutung dieser Bewegung wäre nicht erfaßt, wenn sie nicht im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Aufleben der Forderung nach Freiheit in allen übrigen Kolonialgebieten betrachtet würde. Es ist schwierig, in Mitteleuropa, wo Ausschließung von Kolonialpolitik Interesse und Verständnis für Kvlonialfragen beeinträchtigt hat, die ganze Ausdehnung dieses Kampfes, seine Zähe und Leidenschaftlichkeit dem Verständnis nahe zu bringen. Es ist schwierig, durch das geschriebene Wort die ungeheure revolutionierende Kraft in der ganzen Lebensauffassung anschaulich zü machen, die die zwei Millionen Farbiger aus dem Weltkrieg als Ferment neuer Entwicklung in ihre Heimat mitgenommen haben. Doch wer bemüht ist, dem Herzschlag dieser Strömung zu lauschen, kann sich kaum dem Gefühl verschließen, daß hier ein.' Bervegung eingesetzt hat, die ihr Ende nicht vor ihrer' restlosen Erfüllung finden wird, daß die Wandlung des politischen Weltbildes in den nächsten Jahrzehnten unter dem Zeichen der Neuordnuna der kolonialen Frage stehen wird. ' Sturm in Wien. Ein verhütetes Unglück in Hernals. Nach einem druckend schwülen Tag setzte gestern m den ersten Abendstunden ein starker Sturm ein, der mit rmverminderter Hesiigtett bis gegen eff Uhr nachts andauerte. In verschiedenen Wiener Bezirken hat der Sturm große Bauschäden hervorgerufen. Nicht weniger wie in fünfunddreiß'.g Fä Illen «mußte die Fe «erwehr i-ittervenieren, um Gebrechen an Dächern, Mauern und Fenster« .zu beheben. In Hernals, am Nepomuk-Berger-Platz, begannen die Feuer mau«rn der vor ungefähr einem Jahre uiedergebrannten Bettfeb«tnfahriJ GanS zu wanke», bekamen Risse und Sprünge, und drohten schließlich aus de« nebenan liegenden Holzbau niederz «stürzen. In diesem Gebäude befindet sich bas Variete ,Mesteirb*, das um diese Zeit voll besticht war.. Zum Glück bemerkt« ein Wachmann die drohende Gefahr und oeranlaßte die sofortige SWermtg der Vorstellung. Nur widerwillig verließ das Publikum das Varietee, doch vollzog sich die Räumung ohne jede Panik, in Ruhe und Ordnung. ES war hohe Zeit, denn kurze Zeit später stürzte die Mauer ein — aber die Mauertrümmer sielen nicht auf den Holzbau, sondern in das Innere der leerstehenden Fabrik. Da die Mauerreste «och immer abbröckelten, verfügte dre Polizei die Msperrung des Platzes. Eine dichte Menschenmenge umgab den Schauplatz und mußte von einem zahlreichen Wacheaufgebot zurückgehalten werden. nnHne bäte bea Sturm. Tmrch einen vom Sturm umstürzenden Lichtmast wurde am Praterstern die zwölfjährige Ludmilla Kropf am lrnken Bem erheblich verletzt. — In der Friedrichst«ße wurde die Artistin Margarete Kulla durch eine vom Wind heravgeschleuderte Fensterscheibe am Kopf getroffen und mußte von der RettungSgefellschaft auf die Unfallstation gebracht werden. Las Geheimoks trat Savid Straftet. Der Wachtraum des Vierzehnjährige«. Aus Harburg, 30. Juni, wird u«s berichtet: In der heutigen Nachmi-ttagsfitzmrg machte der zweite Sohn des >des Dopp-ölmindes beschuldigten GchuhhündlerS David Straßer, der 14jährige Egon Straßer, feine Aussage. Während der Vernehmung mutzte der Vater den Saal verlassen. Egon Straßer erzählt über die Vorgänge beim Tode seine- Bruders Kurt, er sei im Halbschlaf gelegen, als er hörte, daß sein Bruder ausitand. So habe er nicht vernommen, was Wischen seinem Bruder und dem Vater besprochen worden sei. Er ses erst Plötzlich erwacht, als ein Schuß kracht«. Er sei sofort aus dem Bett gesprungen und da habe er den Vater an der zu einem Viertel geöffneten Kammertür gelehnt gesehen. Es schien ihm, als sei lder Vater im Begriff, die Tür zur Kammer weiter aufzumachen. Er stand mit bem Gesicht nach der Kammer. Er habe dann in die Kammer hiineingesehen und sah dort den Bruder liegen, der ries: „Egon, den Doktor!" Noch bevor er angezogen war, um wegzugehen, habe der Vater ihm gesagt: ^D u brauchst aber nichts davon zu sagen, daß ich schon in >der Kammer war." Auf weiteres Befragen erzählt er, er habe den ganzen Vorgang geträumt und >habe dann, als er durch den Schuß erwacht war, sich angezogen, um zum Doktor zu lausen. Er -habe dabei 'das Gefühl gehabt, als hätte er das schon einmal erlebt. Je^denfallS sei es ihm ganz sebbstverstandlich gewesen, daß er das alles tat. Aufgefallen sei ihm noch, daß der Vater, als er in -der Kammertür stand, ein verstörtes Gesicht hatte und daß er auch am Nachmittag auf ganz mersivürdige Art weinte. Er habe nicht gewußt, ob & Lachen oder Seinen war. Wien, 2. Jrtli. Die SchlagferttMtt der Wehrmacht. Etwas spät berichtet jetzt vineS der Mener Hakenkreuz-. blättchen über eine BersamMlungSkeilorüi von WehrmLnnern. so sich am 17. Juni in einem Mener-Neustädter Gasthaus zugetragen haben soll. Die im sozialdemokrattschen Mintarveroand organisierten Wehvmänner des Rad« fayrervataillons Wöllersdorf hatten sich dorthin den Abgeordneten Dr. Deutsch als Referenten eingeladen. Als nach Schluß der Versammlung das „Lied der Arbeit" gesungen wurde, blieben der Oberleutnant Zieger und zwei Leutnants sitzen. Es kam nun zu Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf Oberleutnant Zieger mchrere Schläge ins Gesicht erhalten haben soll. Der Heeresinspektor General Schiebet führt jetzt eine Untersuchung. Der Fall ist umso bedeutsamer, als auch die beiden Leutnants mißhandelt worden sein sollen. Gme Sängenn verbrannt. Aus Warschau wird gemeldet: . Kasimiera Nlewisrowska erlitt. i.,.u., .. .. ü.lstfpieles in Mlna infolge unvorsichtigen Uurgehens nilt Feuer so schwere Brandwunden, daß sie ihnen im Spital erlegen ist. der LehrltngSkmnrenkdsfe des Gremlmns der Itener KMfmnnnfchast. Mit den« 1. Juli 1937 hört nach dem Angestelltenversiclierungsgefetz die Tätigkeit der Lehrungskrattkenkasfe des Gremttlms der Wiener Kaufmannschaft, bei welcher bisher die meisten Handlungslehrlipge Wiens versichert rvaren, auf. tnd von diefein Tag ab entioeder Die Handlungslehrlinge r