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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-02 · Heft 2997 (2.7.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2997 (2.7.1927)
Date
1927-07-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20f, Wien, Samstag Wiener MorgenzeiLmig 2. Aul; 1927 Seite 3 300 Meter vor der Küste inr Meer gegangen. — Der Pllot »nd seine Begleiter unverletzt. Co u rse nlles sn r Mer, 1. Juli. (Havas.) Oberst Byrd ist bei Bor sur Mer, 300 Meter von der Küste, ltm 2 Uhr 32 Minuten srüh niedergegangen. Die Flieger waren bestrebt, auf der Küste zu landen / und hatten im Nebel bie Mündung der (Seine gesucht. Da jedoch die Oel- und Benzinvorräte a u s g i ng e n, hatten sie sich entschlossen, den nächstgelegenen Landungsplatz zu erreichen. Nach ihrem Niedergehen auf dem Meere machten sie eines ihrer Kautschukboote flott und konnten mit Hilfe von zwei Fischern vollkommen wohlbehalten denStrand erreichen. Sic fanden beim Gehilfen des Bürgermeisters Aufnahme, wo sie gegenwärtig a u s r u h e n. Der Präsekt begab sich an Ort mid Stelle und beglückwünschte sie im Namen der Regierung. Vertreter aller Behörden befinden sich an Ort und 'Stelle. Die Flieger stellten die Bitte, daß man sie ungestört arksruhenlassen möge. 8m Nebel verirrt. Die Maschine ist 21 Meter breit, 14 Meter lang, 3 Meter hoch. Das Flugzeug ist hervorragend ausgerüst e t, eine Radio st ation gibt automatisch Zeicheir, um so eine Kontrolle des Fluges während der ganzen Zeit zu ermöglichen. Auch in den Faltbooten befindet sich eine kleine Sendeanlage. * Byrd hat Pech gehabt, dennoch aber beweist die Leistung des dritten Ozeanfliegers, daß der Weg durch die Lust von Amerika nach Europa nunmehr offen steht. Man darf nicht vergessen, daß Byrd der e r st e der Ozeanüberflieger ist, der m e h r als eine sportliche Leistung vollbracht hat. Denn sein Flugzeug, die „America", ist ein Modell der künftigen Passagierflugzeuge. An Bord befand sich alles, was zu einer langen Reise notwendig ist: Essen, Getränke, Verbandzeug, große Radiosende- und Empfangseinrichtungen, Rettungsboote ufw. usw. Das ist der Unterschied. Lindbergh und Chambertin vollbrachten eine kühne sportliche Rekordleistung, Byrd bewies, trotz seines Mißgeschickes, die Möglichkeit eines ordnungsgemäßen Passagierdienst e s. Paris, 1. Juli. Byrd hat sich mit seinem Aeroplan „A m e r i c a" nach einem stundenlangen Jrrflug über Nordfrankreich im Nebel und in Wolkenbrüchen verirrt. Da auch sein Kompaß gebrochen war, flog er im Kreise und kam tvieder an die Küste zurück. Er suchte Nichtllng nach dem Meere, weil ihm eine Landung auf dem Wasser sicherer schien, wie ein Niedergeheil auf dem unbekannten festen Terrain. Vor dein Fischerdorfe Ver sur Mer setzte er die Maschine nieder. Byrd hat Glück gehabt, denn ein schreckliches Unwetter tobte über ganz Nordfrankreich. Ununterbrochen vernahmen die Radiostationen die S. O. S.- Hilferufe von Byvds Maschine. Dann setzten die Signale aus und erst nach dem Niedergehen erhielt man die Denn an sich ist es ja gleich, ob nun die „America" aus dem Flugplatz von Paris oder an der französischen Küste gelandet ist. Ja, es ist sehr gut möglich, daß in Zukunft die transozeanischen Flugzeuge als Hydroplane starten werden. Die Hauptsache ist, daß ein Kontinent mit dem anderen durch diese Aeroplane verbunden wurde. Und noch etwas: Byrds Maschine trug als Inschrift neben dem Namen und dem Flugzeichen das Wort: „Friede". Das ist es, dieses Wort, das den Flug Byrds so bedeutend macht. Nicht sportliche Leistungen oder militärische sind es, die den Völkern in Wahrheit dienen und sie beglücken. Nur die Ucberbrückung der Ferne, die Verbindung von Land zu Land und Volk zu Volk, das allein ist von jenem Werte, der ewig ist. nUiiiACUHuvnun uuo uwww «snviv«, wvtjw Meldung. . . Byrd evtoartet an Ort und Stelle die Bergung seines Apparates, um dann eine genaue Untersuchung vorzunehmen. Aur . er Suchenach Btzrd. Paris, 30. Juni. Ganz Paris erwartete den Ozeanflieger und seine Begleiter. Ununterbrochen erschienen Extraausgaben, und eine unabsehbare Menschenmenge harrte auf. dem Flugplatz, trotz des Unwetters, geduldig aus. Blink- und Signallichter, Raketen und Lichtzeichen flammten immer wieder auf. Polizisten und freiwillige Automobilisten durchforschten die ganze Gegend. Btzrd und seine Maschine. Richard E. Byrd ist einer der hervorragensten Mari mj-1 i eget. Seinen großen Erfolg trug er am 9. MakM26 davon, als er in Begleitung Benetts den Nordpol überflog. Die Geldmittel für seinen jetzigen Flug hatte ihm der bekannte amerikanische Warenhausbesitzer W a n emaker zur Verfügung gestellt. Die „America" ist ein Fokkerflugzeug mit drei Motoren zu je 220 Pfevdekräften. Der Flieger durch Fallschirm gerettet. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Bei einem Versuch, die Schnelligkeit eines Armeeflugzeuges bis zur äußersten Grenze zu steigern, stürzte ein Fokk er-Apparat der dänischen Armee aus einer Höhe von 3000 Metern ab und zerschellte, während der Flieger, der ohne Beobachter aufgestiegen war, sich durch einen Fallschirm retten konnte. Nie vebende Erde. Hamburg, 1. Juli. Heute morgens registrierten die Apparate der hiesigen Station für Evdbebervforschung ein sehr h e f t i g e s r d b e b e n aus 2100 Kilometer Entfernung und aus südöstlicher Richtung. Der Herd dürfte vor der kleinasiatischen Küste, etwa bei der Insel C h i o s, zu suchen sein. Das Beben ereignete sich dort um ungefähr 9 Uhr 19 Minuten mitteleuropäischer Zeit. Erdstöße in Mien. Rom, 1. Juli. In Avellino wurden heute früh zwei Erdstöße verspürt. Es ist kein Opfer an Menschenleben und kein Sachschaden zu verzeichnen. Aus der Geschichte -es KolonialimperiaUsmu». Wle mmrn französisch wurde. . Das, was, Europas Geltung bedeutet, politisch und wirtschaftlich, das/woraus seine Vormachtstellung iu der Welt beruht, das erdumspannende Gebäude seiner Kolonialherrschaft, ist zu tiefst in seinen Grundfesten erschüttert. Bald hier, bald foort bei den farbigen Völkern lodert, einen: mühsam verhaltenen Feuer gleich, die Forderung nach Freiheit ans. Vier Jahrhunderte, reich an Gefahren und Mühsalen, aber auch reich an verlogenem Intrigenspiel, erti kalter Habgier und genußsüchtiger Ausbeutung, haben die Erde erschlossen und europäischen: Machtwillen dienstbar geinacht. Die Austeilung ist beendet, das Ziel schien erreicht und plötzlich sieht :na>: das ganze Gebäude tvaukeu. Die Annäherung der letzten Wochen zwischen Frankreich und England ist nur ein Bekenntnis zur Gemeinsamkeit der Gefahr, die Leidenschaftlichkeit, mit der der Kanchf gegen Sowjetregiernng und Kommunismus als Urheber der kolonialen Schwierigkeiten in London wie in Paris ausgenommen wird, ist nur ein Zeichen der Hilflosigkeit gegen die tieferen Ursachen der Bewegung. Wohl s u ch t der Kommunismus eine Verbindung mit den 6 estehende n Freiheitsbestrebungen der farbige:: Völker, wohl sucht er eine Einheitsfrontmit ihnen herzustellen. Es hieße .aber Kraftquelle und inneren Auftrieb der chinesischen und der indischen Bewegung — nur um die zwei wichtigsten aller dieser parallel laufenden Uuabhäugigkeitsbewegung'N hevmlszugreisen- — vollkommen verkennen, wollte man hier wmmuillstische Einflüsse als mehr denn Äußerlich und zufällig hinzugekommm ansehen. Es kann kein Zweifel sein: der Sieg der nationalen Bewegung in China, der scheinbar in eine entscheidende Phase getreten ist, wird in allen Kolonialgebieten den Unabhüilgigkeitsbestrobttugen neue Nahrung bieten. Mn unmittelbarsten aber wird seine Auswirkung ans das benachbarte Judochi.ua sein/ Mit seinen zwanzig Millionen Einwohnern bildet Französisch-Chma der Bevölkerungszahl nach genau ein Drittel des gesamten sranzösischen Kolonialbesitzes. Daraus erhellt die Wichtigkeit Her Frage für Frankreich. 0 * Die Abrechnung, mit der heute überall die farbigen Völker vor die Kolonial::: ächte treten, mit der auch die Anamiten vor Frankreichtreten, kann nicht verstanden werden, so lange man nicht aufhört, Kolonialgeschichito mit zweierlei Maß, das eine für weiße, das andere für farbige Völker, zu beurteilen. Losgelöst von dieser Betrachtungsweise aber, im Lichte nüchterner Gerechtigkeit, wird plötzlich das Zivilisationswerk der europäischen Völker zu einem Akt barbarischer Grausamkeit, aufgebaut auf einem System, in dem ein gleißnerisches Missionswerk zusammen mit wirtschaftlicher Erschließung den Vorwand zu Interventionen bildeten, die unfehlbar zur völligen Unterjochung des erschlossenen Landes führen mußten. Die Geschichte Jndochinas ist kennzeichnend, sie ist schematisch; diese Geschichte muß man kennen, um die Anklage der Anamiten zu verstehen, um die Klage aller Kolonialvölker zu begreifen. Sie soll hier nach einer offiziösen französischen Darstellung (Gaillard: „L'Jndochine") erzählt werden; gerade diese zeigt in ihrer Naivität die Zwiefalt der sBetrachtungsweise, chre Brutalität. „Eine neue Gelegenheit zur Einmengung ergab sich dank der Initiative des Bischofs Pigneau. de Behaine, dessen Name unzertrennlich mit der Geschichte der französischen Machtentfaltung verbunden bleiben wird." — 1847 wurde die Anerkennung der katholischen Kirche verlangt, und um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, Turan beschossen und die anamitische Flotte versenkt. Da die Anamiten nun die gefährlichen Folgen einer Berührung mit den Missionären sahen, töteten sie in ihrer Erbitterung zwei französische Missionäre (1851er ideale Kragen speziell im Sommer, ist der «delschöne, patentierte „Viktor! a". Kein Putzen, kein Starke», kein Bügeln! Kalt abwaschbar, so einfach, wie man sich die Hände wäscht, aber dennoch wirkliche, genahte Wäsche, schneeweiß, hygienisch, enorm Geld sparend, geruchlos. Der elegante Herr trägt ihn. Kein Gummi, kein Zelluloid, keine Imitation. Viktoria- Kragen- Niederlage, 1. Bez., Wipplingerstraße 32, 7. Bez., Bnrggaffe 89, 9. Bez., Kinderspitalgasse 1 u. k. d. m. Bez. Für Reise und Urlaub unentbehrlich. bbbbbbbbbbbbrbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbb Fleischvergiftung in einer Garnison. 800 Soldaten erkrankt. Achthundert polnische Soldaten der Garnison W r e s ch e n sind, wie aus Warschau gemeldet wird, an einer schweren Fleischvergiftung erkrankt. Die Zeitungen vermuten, daß man ihnen verdorbenes Fleissch vorgeseht hat. Eine Hitzwelle in Ehirago. 18 Tote. Chicago, 1. Juli. (Reuter.) Chicago wird seit mehreren Tagen von einer Hitzwelle überflutet, wie sie seit Jahren nicht zu verzeichnen gewesen ist. Im Laufe von 24 Stunden sind nicht weniger ials 18 Personen infolge Sonnenstiches gestorben. Re Berliner Fugendtragödie. Paul Krantz ist der Anstifter. Berlin, 1. Juli. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitrmg.) Die polizeiliche Untersuchung der Jugendtragödic in Steglitz ergab die überraschend'd Aufklärung, daß der Anstifter Paul Krantz ist, der Freund des Günther Scheller. Ja, es ist nahezu mit Gewißheit anzunehmen, daß dieser junge Mann auch als Mittäter in Betracht kommt. Krantz hat eingestanden ,daß der Revolver, mit dem Günther den Mord und den Selbstmord verübt hat, sein E i g e n t u m ist. Auch durch die Aussage einer Freundin Hildegarde Schellers wird Krantz schwer belastet. Dieses Mädchen stand zu der Zeit, da Scheller und Krantz das Schlafzimmer der Hildegarde betraten, auf dem Gang., Krantz verwehrte dem Mädchen den Zutritt und erst als die Schüße gefallen waren, trat Krantz heraus und sagte ganz ruhig: „Es sind noch drei Patronen darin." Es ist anzunehmen, daß Krantz den Günther Scheller zur Ermordung des Steppen veranlaßt hat, weil er trotz seiner abnormalen Veranlagung auch in die Schwester Günthers Hildegarde verliebt und auf Steppen eifersüchtig war. Der so schwer Beschuldigte ist der Sohn eines Malers, ein junger Mensch von krankhaft phantastischer Veranlagung. Er wird in den nächsten Tagen der Staatsanwaltschaft eingeliefert werden. 1852). Daraufhin neuerdings Beschießung von Turan; die Zahl der Todesopfer wird nicht angegeben. „Aber", sagt der Geschichtsschreiber erstaunt, „diese Kundgebung, weit entfernt, die Anamiten einzuschüchtern, bestärkte sie noch in ihrer Anmaßung und Grausamkeit." In der Tat wurden in den nächsten sechs Jahren weitere zwei Missionäre ermordet. „Dies war eine Gelegenheit für Frankreich", heißt es offenherzig, einen 80 Jahre zurückliegenden Vertragsentwurf hervorzuholen. Auf diesen gestützt, besetzt der französische Admiral ein Landstück im Norden. „Aber die Anamiten greifen entgegen aller Erwartung nicht an, so daß der Admiral sich entschloß, damit unsere Truppen nicht ihre Aktivität verlieren, den Kaiser von Anam in seinen Südstaaten anzugreifen." So wurden die Anamiten doch endlich zur Gegenwehr gebracht. Die folgenden Kämpfe führen 1862 zur Abtretung der östlichen Hälfte Kotschinchinas (des südlichen Drittels des Kaiserreiches Anam) an Frankreich. Die französische Regierung verzichtete aber alsbald vertraglich gegen eine Geldentschädigung auf dieses Gebiet, widerrief jedoch später einseitig diese neue Vereinbarung. „Da nun trachtete die Regierung von Anam mit allen Mitteln die Besetzung durch Anstiftung von zahlreichen Aufständen unmöglich zu machen..., um unsere Geduld auf die Probe zu stellen. Diese verschlagenje uinjd unaufrichtige Politik vxranlaßte 1867 den Admiral Lagrandiere, auch die restlichen drei ProvinM zu besetzen. Damit war Französisch-Kotschinchina begründet; es sollte die Grundlage für unser Rüstiges sichochiinesisches Imperium bilden." Nun galt es, einen Vortvand für die Besetzung der restlichen zwei Drittel von Anam zu finden. Die Gelegenheit ließ nicht lar^ge auf sich warten: Ein französischer Unternehmer hatte mit chinesischen Behörden die Li-ferung von Waffen zur Unterdrückung eines Aufstandes in Südchina' vereinbart. Die Lieferung sollte auf dem Fluß? wege durch das souveräne Gebiet des Kaisers von .Anam erfolgen. Da aber die Anamiten, um nicht in die » i

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