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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-02 · Heft 2997 (2.7.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2997 (2.7.1927)
Date
1927-07-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Sam^tii; Wiener Morgenzetturrg 2. J«lr!<V7 M. m? „Fm Zentrum einer erwachenden Welt." Wrizmaims Vortrag in Berlin. Berlin. 30. Juni. (.■$. T. A.) Aus Anlas; der Anwesenheit Tr. Chaiin Weiginauit«, des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation. in Berlin, veranstaltete d a S D c u t s ch e K o rn i t c c P r o - P a l ä ft i n a im Sitzungssaal des früheren Herrenhauses eine Kundgebung, die einen sehr bemerkenswerten Verlauf nahm. Botschafter z. D. Graf Bernstorff, der die Kundgebung leitete, verlas das folgende Programm des Prd-Palästinrr-Komitces: DaS Deutsche Komitee Pro-Palästina zur Förderung der jüdischen Palästina-Siedlung wird in der Uebcrzeugnng» daß der Aufbau der im Palästinanmudat vorgesehenen Heimstätte für das jüdische Volk als ein Werk menschlicher Wohlfahrt und Gesittung Anspruch auf die deutschen Sympathien und die tätige Anteilnahme der deutschen Juden hat, bemüht sein, die deutsche Oeffcntlichkeit über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina aufzuNären, die Beziehungen zwischen Deutsch!and und Palästina zu pflegen und allgemein die Erkenntnis zu verbreiten, daß das jüdische Aufbauwerk in Palästina ein hervorragendes Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Ausbreitung deutscher Wirtschaftsbeziehungen imfc für die Versöhirnngder Völker ist. Der Vorsitzende teilte mit,'daß Reichskanzler Dr. Marx, der am Erscheinen verhindert ist, die Versammlung brieflich begrüßt habe, ebenso Herr Justin G o d a r d, der Präsident des französischen Palastinakomitees. Hierauf sprachen der preußische Kultusminister Becker, der Großpräsrdent der deutschen Bnei Brith Rabbiner Dr. B a e ck und Frau Wg. Katharina von Kardorff - Oheim b. Sodann ergriff unter starkem Applaus Präsident Dr. Weizmann das Wort. Er sagte u. a.: „Sie wissen, daß wir von einer Krise in Palästina schwer mitgenommen sind. Die Ursache war eine plötzliche starke Immigration infolge der Verhältnisse in Osteuropa. Es ist eine Frage der Zeit, und schwerer Leiden, diese Krise zu lösen. Es bestehen Möglichkeiten, die Krise in nächster Zeit zu lindern: Ruthcnbergs Elektrifizierungswerk, die Anleihe der Palästina-Negierung, die zu einem großen Teil für Bauten, besonders für Hafcnanlage, verwendet wird, werden viele jetzt Arbeitslose beschäftigen. Hauptsächlich aber kommt die Einwanderung von Privatkapital in Betracht. Es ist darum die Aufgabe der leitenden zionistischen Kreise, solches Privatkapital heranzuziehen. Die Landwirtschaft und ein Teil der Industrie wurden von der Krise nicht mitgenommen, wie dies in einem Aufsatz der „Financickl Times" ausdrücklich hervorgehoben wird. Es wird für uns notwendig sein, aus gewissen Erfahrungen Nutzen zu ziehen und uns den Verhältnissen anzupaffen. Wir werden in den nächsten drei, vier, fünf Jahren langsamer gehen müssen als bisher. Die Grundlagen des Nationalheimes sind unerschüttert. Die Basis ist das Mandat. Wenn dieses auch nicht in allen Stücken von der Mandatarmacht erfüllt ist, so mutz man zugeben, datz der Aufbau des Heimes eine schwere Sache ist. Das jüdische Heim muß in einer Weise erbaut werden, datz keinem Araber ein Haar gekrümmt wird. Es hieße, die Grundidee des Zionismus fälschen, wenn wir auf Kosten arabischer Interessen arbeiten wollten. Die Interessen der Juden und der Aaraber müssen konform sein. Es geht deshalb das Werk nicht mit der Schnelligkeit vorwärts, wie unsere Ungeduld es fordert. Aber die Enga länder werden von uns Ungeduld lernen müssen, wie wir von ihnen Geduld lernen. Eines steht fest: Es besteht auf feiten Englands die ehrliche Absicht, das Mandat dnrchzuführen. Jeder Zionrst muh dieses Vertrauen besitzen. Eine große Nation wird ihr gegebenes Wort halten." Zum Schluß setzte sich der Redner mit den Gegnern des Zionismus auseinander und sprach von der großen kulturellen Perspektive des Jüdischen Nationälheims für den gesamten Osten. „Morgen sind wir im Zentrum einer erwachenden Welt. Es werden dann auch die jüdischen Gegner überzeugt sein, datz unsere Sache eine gute ist. In Palästina machen die Juden zum erstenmal den Versuch, Verhältnisse zu schaffen, die sich ihnen a n p a s s e n, nicht denen sie sich anpaffen müssen. Wir beziehen dort nicht die Beletage eines anderen Volkes, sondern legen den Grundstein zu einem eigenen Heim. Darum heischt das kleine Palästina größeres Interesse als z. B. die große jüdische Gemeinde in New Uork, die fast zwei Millionen Juden vereinigt, eine Zähl, die wir in Palästina auch in vielen Jahrzehnten nicht erreichen werden. Wenn man einmal fragen wird: Was ist der Jude, was kann der Jude, so wird man ans Palästina zeigen, Ivo er ohne Machtmittel, ja ohne Geld, den Faden weiterzuspinnen sucht, der vor 2000 Jghren abgerissen wurde. Wenn das Deutsche Pro-Palästina-Komitee uns auf unserem schweren Wege begleitet, so Iverden wir dies nicht vergessen; wir toerden rmS Lessen erinnern, daß die Besten dieses großen Landes mit uns tvaren. Nehmen Sie den Dank eines Schwerkämvscndcn entgegen." (Anhaltender Beifall.) Dr. Weizmann beim Reichskanzler Dr. Man. Berit n, 30. Juni. (I. T. A.) Am Mittwoch, den 29. Juni, wurde Präsident Weizmann vom Reichskanzler Dr. Marx empfangen. Der Unterredung, die eine halbe Stunde dauerte, wohnte Staatssekretär Dr. Pün - der, der bekanntlich Mitglied des Ehrenausschusses des Deutschen Komitees Pro-Palästina ist, bei. Reichskanzler Dr. Marx knüpfte im Verlauf des Gespräches an seine früheren Zusammenkünfte mit Dr. Weizmann an und ergriff die Gelegenheit, um neuerdings seinem lebhaften Jntereffe und seiner Sympathie für den südifchen Aufbau in Palästina Ausdruck zu geben. Der Dirigent des Auswärtigen Amtes, Freiherr v. N i ch t h o f en, gab zu Ehren Dr. Weizmanns ein Frühst ü ck, dem Staatssekretär Dr. v. Schubert, Kultusminister Dr. Becker, Legationsrat Prof. Dr. M. S ob e r n h c i m, andere hohe Beamte des Auswärtigen Amtes, ferner der Führer der Sozialdemokratie Dr. Breits ch e i d, der Rcichstagsabgeordnete K a a s (Zentrum), weitere Diplomaten und Politiker und von jüdischer Seite Direktor Oskar Wassermann, .Kurk Blumenfeld und Alfred Berger beiwohnten. Es kam zu einer regen Aussprache über die Lage in Palästina und die zionistischen Ziele. Direktor Oskar Wassermann, der Präsident des Deutschen Keren Hajeffod, lud aus Anlaß der Anwesenheit Dr. Weizmanns einen Kreis jüdischer Persönlichkeiten zu sich. Gegenstand der Unterhaltung waren die finanzielle Lage des Palästina-Aufbaues und die Pläne zur Aufbringung priv-aten Kapitals, die Keren-Hajeffod-Anlerhe usw. Gestern gab der Bankier Willi DreyfuS zu Ehren Dr. Weizmanns ein Früstück, dem ein großer Kreis von Persönlichkeiten des politischen, geistigen und künstlerischen Lebens Berlins beiwohnte. Die Gemeiudewahlm in Lftgalizien. SJcmbc r g, 30. Juni, Die. je&t stattfindenden. Gem ein do- Wahlen in Ostgalizien erregen dadurch besonderes Interesse, daß zum erstenmal die lbkr atwor politisch aktiv in staatsbejahendem Sinne auftreten. Wie »och erinnerlich, haben die Ukrainer sich bei den letzten Parlamentswahlen in Polen demonstrativ nicht beteiligt. Für die Gemeindewahlen ist jedoch in den meisten Städten Ostgaliziens eine Koalition zwischen der Pilsudski-Parter (Zwiazek napvawy), den Juden und Ukrainern geschlossen ivorden, die eine gemeinsame Kandidatenliste ausgestellt haben. Diese Koalitionsliste hat nach den bisher bekannten Ergebnissen in den Städten sehr gute Erfolge erzielt. In Stry; wurden 12 KoalitionskandiLaten (1 Polen, 4 Juden, 4 Ukrainer) gewählt, in StaniSlau erhielt die Koalitionsliste 4659 Stimmen, die Kommunisten erreichten 781, der jüdische Arbeiterbund 207 Stimmen, in Kolomea wurden von der KoaUtionsliste 3 .Polen, 3 lUkvainer und 3 Juden gewählt. Züvische Kandidaten in Beffarablen K i s ch i n e tv, 28. Juni. (I. T. A.) In Bessarabien kandidieren zum Parlament auf -der Liste der Zaramswn (linke Bauernpartei) der Präsident der Gukowinaer zionistischen Pr* gcmisation, Dr. Maier Ebnv'r, und der Chef der jüdischen Tageszeitung „Unser Zeit", Dr. Landau. Aus der liberalen Liste kandidieren der Präsident der Union rumänischer Juden, Dr. F -b t der mann, und der Redakteur des „Curierul Jsraolite", Haria Ka-rp, sowie Oberrabbiner Ziue-lßon. Die „Dimes" über die Borgönge ln Rumänien. London, 1. Juli. „Times" beschäftigen sich m einem Leitartikel mit den bevorstehenden Wahlen in Rumänien und kommen in diesem Zusarnmenhmrg auf die Position der Juden in diesem Laude zu sprechen. Die wirkliche Ursache der antijüdischerr Exzesse, die sich in Rumänien in den letzten Jahren häuften, scheint die Eifersucht der entstehenden rumänischen Berufsstände gegen jüdische Mitbewerber zu sein. Man muß hoffen, daß die zukünftigen rumänischen Regierungen dem Beispiel Polens folgen und zu einem freund-schaftlichou Einverständnis mit der jüdischen Minderheit gelangen werden, anstatt einen brutalen Antisemitismus zu dulden, der gewiß nicht geeignet ist, den Patriotismus der Juden der neugewonnenen Territorien zu stärken. König Ferdinand hat Herrn Bratianu und seinen Ministerkollegen empfohlen, gegenüber allen Bürgern die gleiche versöhnliche Haltung einzunehmen; dies könne als ein Wink an die Liberalen interpretiert werden, die bevorstehenden Wahlen stattftnden zu lassen, statt sie zu „machen". Das neue Kabinett hat in einem Manifest Wahlfreiheit zugesichert und bekundet, daß Versuche zu Ruhestörungen energisch unterdrückt werden würden. Bis aber das Ergebnis der Wahlen vorliegt, werden viele, die die rumänische Politik der letzten Jahre zu beobachten Gelegenheit hatten, einem gewissen Skeptizismus Raum geben, daß sich die rumänische liberale Partei zu einem wirklichen Liberalismus bekehrt. . ... 111 - ...- ....——* Der xv. ziouiftenkousreß. Mitteilungen des KongretzbureanS. Die Adresse des Kongreßbureaus lautet: Bureau des 15. Zionistcnkongresses, Basel, Mustermesse. Telegramm- Adresse: Congrezion. Basel. Telephon: Birsig 77.00. Das Kongreßbureau fordert hiermit die jüdischen K ü n st l e r. auf, möglichst umgehend, spätestens jedoch bis 31. Juli Entwürfe einzureichen, und zwar: 1. für De legierte nabzeichen; 2. Ko ngrehpo st karten. DaS Del^giertenabzeichen soll die Form einer Abzeichennadel haben, über auch als Symbol oder Emblem (Signet) zu verwenden sein und auf den 16. Zionistenkongreß unter Berücksichtigung der hebräischen Zeichen Hinweisen. Für die Kongrcßkarte ist die Wahl des Sujets vollkommen freigegeben. Für die beiden besten Entwürfe sind Preise von j^e 100 Schweizer Franken ausgesetzt. Jugendverbändc, die sich am Ordnerdienst beim Kongreß beteiligen wollen, werden ersucht, eine Nmnensliste ihrer Mitglieder einzureichen, die während der Kongreßzelt tW Basel anwesend sein werden. Die Namensliste hat unter anderem zu enthalten: Alter des Bewerbers und eine Mit» teilung, ob derselbe auf kostenlose Einquartierung und Bew pflegung Anspruch erhebt. Bureau des 16. Zionistenkongrefles. Dr. Ernst Mechner, Dr. Franz Kahn. Sekretär. Leiter des Bureaus. Der Kamps am die französische Wahlresoim. Lärmszenen in der Kammer. Paris, 1. Juli. Die heute begonnen« Generaldebatte der Kammer über die Wahreform brachte die Gegensätze zwischen den Anhängern des Proportionall- und des Arrondissement- Wahlrechtes zu scharfem Ausdruck. Der erste Redner, Deputierter Be rn o t vom nationalen Mock, beantragte die Rückverweisung des Entwurfes an den Ausschuß. Seine Ausführungen, in denen er u. a. darauf himvies, bafe die beabsichtigte Vermehrung der Mandate mit dem anläßlich der Diätenerhöhung gegebenen Versprechen, die MairdaiSzahl z-u verringern, in Mderspruch stehe, wurden häufig von stürmischen Zwischenrufen'unterbrochen, die sich beim lncksradikalen Gegenredner zu lärmenden Kundgebungen steigerten. Der Antrag Bernot wurde mit 2S9 gegen 223 Stimmen cvbge lehnt. Zuland. Bor der Entwirrung im Parlament. Dienstag beginnen die Pmteienverhandlnnge«. Die Majoritätspavteien haben sich reichlich Zeit gelassen, den einzig gangbaren Weg zur WiederhersteNung der Arbeitsfähig!eit des Nationalrates zu lbeschreiten, d. h. die von «der Opposition gesordevten Verhandlungen Wer das Arbeitsprogvcrmm zu beginnen. Es scheinen da gewisse Schwierigkeiten innerhalb der Mehrheit selbst bestanden zu halben, die erst beseitigt werden mußten, ehe mau daran denken konnte, sich mit den Sozialdemokraten an den Verhandlungstisch zu setzen. Diese Schwierigkeiten betrafen vor allem die Zollltarisnovelle, da die Landbündler und auch die chrisKichsogialen Agrarier ihr agrarisches Hochschutzzollprogramm unter allen Umständen durchpressen wollten, und auch über -die neuen Zollsätze, welche die Industrie verlangte, die Meinungen sehr geteilt waren. Durch den Beschluß des christlichsozialen Parteivorstmrdes war die Möglichkeit zu Verhandlungen mit lder Opposition gegeben und die Regierung wird nunmehr die Parteien für Dienstag zu einer allgem-einen Aussprach« Wer die strittigen Fragen des sommerlichen ArbertSpwgramms des Parlaments eimladeu. Bor den Ferien wird, ein positives Ergebnis 'dieser Verhandlungen vorauSgsetzt, kein altzugroßes Arbeitspensum mehr erledigt werden. Man wird sich voraussichtlich «mit der Verabschiedung einer Detlnovelle zum Zolltarif, des Mittelschule, und ldes Bürgerschulgesetzes, der Vorlage betreffend die Errichtung eines selbständigen Justizministeriums und d<^ Novelle zum Angestellten^VersicherungSgeseh begnügen. QA1G ZUM HCRZ1QRAB Sonntag, 3. Juli «Ofe? Versammlung: ^210 Uhr vormittags, Endstation 40er-Wagen. Abmarsch: Präzise 10 Unr vormittags. Genauer Aufstellungsplan in der „Wiener Morgenzeitung“. Ordner b. d. Straßenbahn. Joden, beteiligt euch ausnahmslos I Sonntat, S. Juli 19t1f präzise *j,8 Uhr abends GEDENKFEIEP Hotel „Continental“} U., Taborstraße Gedenkrede: Oberrabbiner Prof. Dr; Z. P. Chain ■ j!gtt'inn88».rjai ..a«n;«:eaa8g.asa» ■■■ «fciwiMtamrsBai Karten im Vorverkauf: Zion. Bureau. Wlco, L, Kärntnerstraße 38. Tel. 77-4-85. 77441.

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