Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-07-01 · Heft 2996 (1.7.1927) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2996 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982084--30526-3018757
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 299 ß Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung 1. F»N E7 SoMlmord oder Verkettung ungiliülScher Suiölle? -;Ä,o' Das Grhrimiris um David Straßer. .! Ein am Mittwoch iit Ha rburg, bet 9i\v.!ju.itftnbt jHchnHurgs, begoiulem Prozeß gegen Davv) S t r a ß e. r, einen ans Ungarn stannnendenseit Jahrzehnieit in Deutschland wohneirdeit Juden, beschäftigt die Oesftntlichkeit uub< die Presse in Deutschland iir einem sehr hohen Maße. Straßer fleht vvr dem Schwurgericht von Stade, das inr ijMißen Saale des Harbnrger Rathauses tagt, unter der Beschuldijgmg, seine Gattin und seinen ältesten Slwhn ermor det zu haben, um iu den Besitz der Versicherungssumme zu gelangen.. 71. Zeugen sind geladen. Ten Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Böttcher, die Verteidigung hat der bekannte Berliner Rechtsanwalt Doktor Alfred Klee inne. D-er Angeklagte, ein geborener Ungar, schildert zunächst seinen Lebensgang, der ihn in wechselvvl'er kaufmännischer Tätigkeit durch zahlreiche deutsche StWe si'chrle, bis er schsieß?- lich in Worms seine Frau im Februar 1909 heiratete. Er erzählt nun weiter, wie er sich iu Harburg nieder!lestz dort ein Schuhgeschäft gründete und schließlich in eine bedrängte ftnanzielle Situation geriet, lieber Befragen des Borsitzeirden schildert er dann den T ob se i ne r Frau. Er behcrrrptet, seine Frau litt schorr lange an heftigen Kränrpsen und sei auch am Todestag voll heftigen Krämpfen befallen worden. . Bors.: Und nun haben Sie die Mrsicherungssumure behoben? —Mtgekl.: Ja, es waren 10.000 Mark. — Vors.: Wie hat sich nun Ihr Geschäft entwickelt? — Angekl.: Gut. — Bors.: Warum haben Sie dann die Ge schüft saufsicht über Ihr Geschäft beantragt? — Migekk.: Das habe ich getan, um mit meinen Gläubigern in Ordnung zu kommen.— Vors.: Sie haben auch eine Lebensversicherung für Ihre Söhne abgeschlossen, schon sin der Absicht, sie. dereinst für sich verwenden zu Turnten:. Run konnnt die Spräche aus den Tod des einen Sohnes und den geheimnisvollen Brand im Zimmer des zweiten. Der Angeklagte bleibt trotz mehrfacher Borhalte des Borsitzcrtden dabei, daß er an dem Tode seiner Frau imd seines Sohnes unschuldig sei. Bei dein dann abgehaltenen Lokaltermin in dler Wallstraße mußten die umliegenden Straßeil wegen großen Menschenmtdrauges polizeilich gesperrt tverden. Bei ident Zeugenanfruf erschien.auch der 14jährige Egml Straßer, der jüngste Sohn des Mgcklagten, der seinem Vater freunMich zunickte. Straßer erwiderte den Gruß mit einem Kopfnicken. Zeuge Dr. Asbeck, der die Frau kürz 'wach ihrem Tol)>e gesehen und untersucht hat, sagt aus, daß dier Tod nur auf S e l ö st in o r d oder Mord zurückzuftihven sei. In der gestrigen Verhandlung wurde der Bruder der verstorbenen Frau, der Kaufmann IMfred L a z a r, einvernommen. Er schildert das Verhältnis der Eheleute zueinander als sehr gut, doch Hat der plötzliche Tod seiner Schioester auf ihn ein eit sehr ungünstigen Eindruck gemacht und er hat seine Ztveifel beutiÄrzt Dr. Asbeck mitgcteilt. SchadenersatzansprLche wegen einer Notlandung. Der erste Zivilprozeß tvegeir eines Flltgmrfalles. Das Zivstlandesgericht hatte sich gestern mit einer Schadenersatzklage des praktischen Wiener Arztes Doktor Herbert Freudenthal zu befassen, der von derOesterreichischen Luftverkehrs' A. G. 8000 Schilling Schmerzensgeld und 6000 Schilling Verdienstentgang solvie Ersatz der Heilungskosten begehrte. Der Kläger hat am 24. September, v. I. iu einem Flugzeug der Luftverkehrs A. G. auf einem Flug nach Bettedig durch eine wegen eines Motordefektes vorgenommene Notlandung leichte Verletzungen erlitterr, als deren Folgen sich jedoch später Angstzustände und Beklemmungen sowie eine traumatische Neurose einstellten. Ein Verschulden der Gesellschaft wird darin erblickt, daß die Passagiere nicht verhalten wurden, sich an den Sitzen anjugürten. Dasselbe Flugzeug habe übrigens am Tage vorher ebenfalls eilte Nötlanduttg vornehmen müssen, wurde jedvck) nichtsdestoweniger wieder in den Dienst gestellt. Die beklagte Gesellschaft bejstlveitet jedes Verschulden and erklärt, daß der Mager als oftmaliger Flugpassagier wohl tvissen mußte, daß er sich anzugurten habe. Auch habe er bei der Notlandung lediglich eine Hautabschürfung wvongetragen, dort einem Nervenschock war keine Rede. Die Notlandung selbst sei durch einen Bruch eines Maschinenlbestialtdteises erforderlich gewesen, was nicht zu vermeiden war. Me Berhandümg wurde zur Vorladung fer Piloten, der Nichtpasfagiere und der behandelnden Merzte bis zum Herbst vertagt. Siadioprogramm europäischer Stationen v. 4,3uni bis 10. Au/r. Ber!rn, Wette 483,9: Mo.: 17: Konzert; 19.30: Liederabend. Di.: 16.30: Konzert; 21: Militärkonzert. Mi.: 20.30: Arienabend. Do.: 20.10: Operette. Fr.: 20.30: Symphoniekonzert. Sa.: 20.30: Lustiges Wochenende. So.: 16: Konzert; 20: Opernaufführung. KSnrg-surg, Welke 329,7: Mo.: 21: Arienabend. Di.: 20: Hörspiel. Mi.: 20.15: Konzert. Do.: 20: Konzert. Fr.: 30: D4>crettc. Sa.: 20.15: Orchesterabend. So.: 20: Konzert. Bratislava, Welle 300: Mo.: 17.46: Konzert; ab 18: Ue. Prag. Di.: 16: Konzert; ab 20: Prag. Mi.: 17.45: Konzert; ab 20: Prag. Do.: 18: Zigeunermusik; ab 19: Prag. Fr.: 17.45: Konzert; ab 18.45: Prag. Sa.: 16: Konzert; ab 20: Pvag. So.: 18: Leichte Musik; ab 20: Prag. Prag, Welle 348,9: Mo.: 17: Konzert; 20: Ue. Brünn; 21.30: Konzert. Di.: 17: Nachmittagskongert; 20: Musik. Mi.: 17: Konzert; 20.10: Symphon'.ekonzert. Do.: 17: Konzert; ab 19.30: Brünn. Fr.: 17: Konzert; 20: Orchesterkonzert. Sa.: 17: Konzert; 20.10: Orchesterkonzert; 21.30:, Hörspiel. So.: 17: Konzert; 20: Bunter Abend. Brünn, Welle 441,2: Mo.: 19: Musik; 20: Buntes Programm. Di.: 19: Liederabend; 20: Konzert. Mi.: 19: Konzert; 20: Musikabend. Do.: 19: Konzert; 20: Hörspiel, anschließend Militärkonzert. Fr.: 19: Orchesterkonzert. Sa.: 19: Symphoniekonzert. So.: 18: Konzert; 20: Buntes Programm. Warschau, Welle 1111: Mo.: 20.30: Kammerkonzert. Di.: 20.30: Leichte Mllsik. Mi.: 18 u. 20.30: Konzert. Do.: 18 u. 19: Konzert. Fr.: 17.40: Kammermusik; 30.15: Symphmnekouzert. Sa.: 17.15: Populäres Konzert; 20.30: Neue Musik. So.: 17: Kantmermusik; 20.30: Buntes Programm. Zagreb, Welle 310: Dto.: 17: Heitere Musik; 18.45: Vortrag. D:.: 20: Leichte Musik. Mi.: 20.30: Violinkonzert. Do.: 20.30: Lieder- und Ariennbend. Fr.: 19.15: Theaterübertragung. Sa.: 20.30: Kammermusik. So.: 20: Konzert. ist. Das Jnstizamt teilt nun die. Gründe von zwei weiteren Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes aus der allerletzten Zeit mit, die sich mit den in den Anfragen an das Jnstizamt aufgeworfenen Fragen decken und daher eine Erledigung dieser Frage bilden. Ans diesen Urteilsgründen ergibt sich, daß die Beweisführung durch Feststellung der Blutgruppen im Wiederausnahmsprozeß nur verwendbar ist, wenn es dem Wiederaufnahmskläger möglich ist, ein Sachverständigengutachten darüber beizubringen, welchen Blutgruppen oie in Betracht kommenden Personen angehören und daß er hienach als Vater nicht in Betracht kommen könne.;Gc§ ist keineswegs richtig, daß im Falle der Blutprobe der Sachverständige den Rechtsstreit entscheide, es ist vielmehr Sache des Richters, auf Grund der Blutprobe und des Sachverständigengutachtens i-m Zusammenhang mit den sonstigen Beweismitteln die erforderlichen Schlüsse zu ziehen, welche sein Urteil begründen können. Auch ist dte Ansicht, daß die Beweismittel der Blutprobe wegen Verletzung der körperlichen Unversehrtheit der daran Beteiligten ein unzuverlässiges ist, in dieser allgemeinen Fassung nicht zutreffend. Im Weigerungsfälle ist nach der Auffassung des Obersten - Gerichtshofes die A u s ü b u n g eines Zwanges gegen die das Objekt der Blutentnahme bildenden Personen, wenn es sich auch nur um einen zweifellos geringfügigen Eingriff handelt, durch keine Gesetzbest rmmung gedeckt. flSflBBBBBflBBBflflflBBBBflBBBBflBBBBBaBSBflBBB! bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusern sowie in Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen! «BI IBBI Ein Erlaß des Justizamtes über den Beweis durch Blut- -robe im Vaterfch'aftsprozeß. Das Jnstizamt hat unter dent 10. d. M. den unterstehenden Behörden folgendes bekannt regeben: Dem Bundeskanzleramt (Justiz) sind , mehrfach Anfragen zugekommen, ob und iit welcher Weise die tteüe Lehre wn den menschlichen Blutgruppen und die Vererbung ihrer kigenschaften von den Eltern auf das Kind im Vaterschafts- «rozeß verwendbar ist. Es handelt sich dabei im wesentlichen larum, daß die Blutgruppeitbestimmung bei einent Kinde, diner Mutter und einem als Vater bezetchitetert Manne unter Ilmständen Schlüsse darauf zuläßt, daß das Kind von dent tntersuchten '-Dkanne nicht stamnten könne. Der Oberste Gelichtshof hat wiederholt entschieden, daß der Beweis durch bludprübe im Baterschaftsprozeß g r u n d s ä tz l i ch z u l ä s s i g Echte Schlangen- Eidechseu.Krokodillederschuhe S 45-49*° SHeina aus echtem Jraniös. SMode-Ckevreaux hergeeteüten ShUhjahrsmodelle legen Zeugnis ab vom Schönheitssinn und edlen Qeschmade, Herren» Schuhe in fabelhafter Ausführung und Auswahl Seik § Bühne md Kunst. „zwölf SRüftel lernen fteiurten." Wiener Kammerfpiele. Ein ganz famoser Spaß, dieses Lustspiel von Duee Miller und Robert Milton, in ferner amerikanischen Clvwnlanne, quietschvergnügt und von Direktor Wender (bis auf unverzüglich auszumcrzende Längen des dritten Aktes) verständnisinnig inszeniert. Groteske Drolerie im KnvÄ-about-Stil und eine gartz vorzügliche, für den Tcheatersvstnmersahrplan fast zu gute Aufführung. Friedl Ha erlin als Mädchen, das romantisch seufzt, aber doch schon mit süß-perfidem Geschick das Mäu rchen einfängt, verdient dett Doppellorbeer für Schönheit und lMmorvoll aufgeräumtes Spiel. Trude Brionue als^ Backfisch mit der etvigen Butterstulle, ein unentwegt ernährungsbedürstiges Phlegma vom Stamme jener Mädchen, welche essen, ivenn sie lieben, versetzt das Haus in helle Heiterkeit, und Eva Fiebig als reiferes Mädchen von rasender Liebesbedürftigkeit (er blickt sie an, und schon sinkt sie hin) ist zum Schreien. Nicht minder erfteutich stich die mänillichen Protagonisten des Abends. Harald P a u l s e n als Herzensbrecher, von allen Backfischsehnsüchten begehrt, Theodor Grieg, sein urkomischer Busenfreund, ferner die Herren Fischer, Hendrichs, Lang und Klüger, die beiden Letztgenannten als Zwillingspaar in Oxfordhosen. Der Abend ist frisch, hat Stil und Geilst. Es ist daher fraglich, ob ihm der Serteitersolg beschichett ist> - den er veÄieni. O. A Ans den Thealern. B u r g i h e a i e r. Heute, halb 8 ,11hr ,^J«o tti e"., Morgr. Samstag, halb 8 Uhr, zum ersten Male „Adam und Eva", Komödie in drei Akten von Guy Bolton und George Middleton. Operntheater. Morgen, halb 8 Uhr „Rigöletto". , Theater in der Josefstadt. M heute gelangt l>ic; Groteske „Maske und Antlitz" täglich um 8 Uhr zur Aufführung. B ü r g e r t h e a t e r. Ab heute bis auf weiteres Emmerich Kalmans „Gräfin M a r i z a"' Morgen beginnt das Gastspiel das Bürgertheaterensembles im ,,Margaretener Orpheum" mit „M t ß F r e g v l i". Die Opermvoch«. In der nächsten Woche erscheinen . folgende Werke im Sptelplan der Staatsoper: Sonntag, den 3. Jnlr: „Der Postillon von Loniumeau"; Montag: „Dre Entfühnmg aus dem Serail"; Dienstag: „Madame : Butterfly"; Mittwoch: „Carnaval", „Baochussest", .„Das . lockende Phantom"; Donnerstag: „Ter Posttllon von Lonjunteau, „Klein Jdas Blumen"; Freitag: „Carmen"; Samstag: „JoseMegende", „Schlagobers". Max Liebermann Ehrenbürger von Berkm. Der Bevliner Magistrat hat beschlossen, dem Maler Prof. Max Liebermann zu seinent 80. Geburtstag die Ehrenbürgerschast der Stadt Berlin zu verleihen. Der mechanische Sousslem. Aus Paris wird gemeldet: In Frankreich ist jetzt auf eine Erfindung ein Patent erteilt worden, die, wenn sie praktisch angewandt tverden sollte, den Svuffleur nn Theater überflüssig macht. Es handelt sich um einen mit einer optischen Vorrichtung versehenen filpparat; Matter, auf denen die Rolle abgedruckt ist, rollen langsam auf einer Tromnrel ab, deren Umdrehungen verlangsamt oder beschleunigt werden können. Der Schauspieler erhält dadurch die Gelegenheit, feine Rolle Zeile für Zeile ablesen zu können, ohne daß die Vorrichtung dem Publikum sichtbar wird. Die Frage, ob es sich hier wirklich um einen Fortschritt handelt, ist indessen zu verneinen. Jeder Schauspieler wird, wenn er auch den Souffleur nur als notwendiges Uebel bewertet, ohne werteres' bestätigen, daß ein geschriebener Text, wenn er ihm auch noch so klar * vor Augen geführt wird, niemals den Souffleur zu ersetzen vermag. Wenn der eine .Schauspieler zum Vvrlesen von hundert Zeilen fünf Minuten braucht, so benötigt ein anderer ungleich längere Zeit, weil zwischen Mi Mnstlern hinsichtlich der Intonation, der Atempausen und der Schnelligkeit der Sprache ausnahmslos mehr oder weniger tzroße Unterschiede bestehen. Der mechanische Souffleur funktioniert aber mit der Regelmäßitzfeit eines Uhrwerkes und kennt keine rhythmische Difsjerenzierung. Keine Erfindung wird deshalb den Souffleur ersetzen können, aus dem einfachen Grunde, weil beim Wettbewerb zwischen der Mechanik und der menschlichen Jntelligeszjene stets den kürzeren ziehen wird. Vereine. vortrSge und Versammlungen. Verband der ziomst'Ech-sozialistischen Jugend. Samstag, um VsS Uhr abends in der VoKsbibkiothek ,Zion", 2. Bezirk, Glockengasse 30, Vortrag DirMor Dr. Kellner: „Erez Israel und GaluH." Jirgentzlichg Gäste willkommen! —Rotenturm-Kino— Pleischmarkt 1 Von honte blfl 4. Juli: Der Sire»K»wirfwer Komödie in 7 Akten Beginn d. Vorstellungen an Wochentagen: 4, 6. Y,8 u. 9 Uhr Sonn- und Feiertage: 1/,4, '/«b, V«7, */*8 und 9 Uhr j - CENTRAL-KINO — II., Taborstraße 8 Telephon 42-3-41 Von heute bis 4. Juli: Madame Dubarry Regle Ivubitsch, mit Pola Negrl. und Emil Jannings Musikalische Begleitung: Das neue Ufa-Konzertorchester mit Jazzband (Dirigent: Kapellmeister Karl Krall) Beginn um 6, l/a8 und 9 Uhr 4800010001020102020102012323535353532323485323532353014823484848234853534853535323535330535348

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.