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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-01 · Heft 2996 (1.7.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2996 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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DIE JÜDISCHE WELT (MITTEILUNGEN DES ZIONISTISCHEN LANDESKOMITEES FÜR ÖSTERREICH) ERSCHEINT JEDEN FREITAG IN DER „WIENER MORGENZEITUNG“ 1. JULI 1827 NUMMER 2 1. THAMUS 5687 Theodor Herzls Todestag Herzlr Werk. Wieder jährt sich» der Todestag des staatsmännischen Genies, dessen weiter Blick die zionistische Kongretztribüne geschaffen hat. Das Gedenken an Herzl verbindet sich in diestem Jahre Mt der Erinnerung, daß vor drei Dezennien das jüdische Weltparlament zum erstenmal znsammentrat Eine Generation des Kongretzzionismus ist vorüber, und es gibt heute nicht mehr allW vrsle, die aus eigenem Erinnern des ersten Kongresses zu Basel gedenken. Das Datum des ersten Zionisten-kongresses ist bereits historisch geworden, nicht nur im landläufigen Sinn weiten Zurückliegens, sondern vor. allem darum, weil der Zusammentritt des ersten jüdischen. Parlamentes unauslöschbar in die Geschichte des Judentums eingegraben ist. Diese öffentliche Tribüne, von der herab —- ein unerhörter Fall — vor dreißig Jahren Juden aus der ganzen Welt die Ursachen der Judenfrage und ihren Willen, sie zu lösen, frei und offen besprachen, ist der Ausgangspunkt für das geworden, was die zionistische Bewegung in einer geradezu staunenswert kurzen Zeit erreicht hat: für die Anerkennung des jüdischen Willens, ein eigenes Heim in Palästina zu bauen, durch die ganze Welt. Ohne die. Kongreßtribüne.wäre dieses Ergebnis nie möglich gewesen. Das'hat Herzl mit bewunderungslvürdigem Weitblick erkannt, und deshalb hat er allen Widerständen, allen AengstlickOeiten und allem Spott zum Trotz den Kongreß geschaffen. Heute, wo dieser Kongreß bald zum fünfzehntenrnal in derselben Stadt tagen wird, in der er zum erstenmal getagt hat,, erkennen wir weit besser, als es damals möglich Ivär,welche ungcheure Bedeutung für uns unser Parlament hat. Die parlamentarische Form, die Herzls politischer Instinkt dem Kongreß gegeben hat, war nicht bloß-Zitveckform, für den. Äugenblick, sondern Grundform^, geschaffen für ine Zeit, da der Wille des Volkes den Staat repräsentiert, der. erst entstehen soll.. So ist Herzls Schöpfung der^Köngretztribüne unantastbar. Der Kongreß mutz and wivd das jüdische parlamentarische Forum bleiben. Er ist -dem Gedanken eines Mannes entsprungen, der für Dauer gcHacht hat. Vor dreißig Jahren hat Theodor Herzl, der nur sieben Jahre an seinem Werke bauen durste, von der Welttribüne des? Kongresses ausan alle-Juden in Nord und Süd und Ost"und West den Rüf;zmnSammLung' ergehen - lassen. Er fühlte:'Der Zionismus'ist das jüdische Volk: Ünd'die Zeit hat auch die Weite dieses Gedankens voll und ganz enthüllt. Heute gibt es keine-jüdische Frage, keine jüdische Angelegen-- heit, die nicht mittelbar' öder unmittelbar in die Idee des Zionismus münden würde. Diese Jtzee ist der Brennpunkt des jüdischen Lebens geworden. Herzl fühlte, daß es so kommen müsse, und darum hat er für die Bewegung, der er die gemäße politische Ausdvucksform gegeben, einen fundamentalen organisatorischen Rahmen geschaffen. Denn nur die Erfassung aller Kräfte macht es möglich, daß jene Identität des VMes und seines Lebenswillens in allen Formen und Fragen des jüdischen Lebens voll und ganz zum Ausdruck kommt, daß kein Mißverhältnis zwischen Kraft und Wille bestehe, und daß die neue, die zionistische Judenheit wirklich die Verantwortung für das gesamte .Judentum, die ihr zugesällen ist, tragen kann. Heute hat der Zionismus nicht nur vor dem gesamten Judentum, sondern auch vor der ganzen Vkelt die Verantwortung fair den Aufbau Palästinas. Darirrri ist eine starke Organisation notwendiger denn je. Jode Krise des Zionismus ist nur eine Folge organisatorischer Schwäche. eine Folge jenes Denkens, welches an der eigenen Kraft der Organisation Kweifelnd den Illusionen ftermdwillig verernbarlicher Unterstützung von außen nachhängt. Herzls Gedanke aber war klar und einfach: Er fühlte die Kraft der Organisation und vertraute ihr. 'Sich von diesem ÄÄdauken entfernen, heißt, sich von .Herzl entfernen. Mer houte, 23 Jahre nach seinem. Tode, sind wir He.rzl gerade weil wir so viel und so wenig erreicht haben -- näher als je. Lr hat in einem Zeitpunkt, da die von ihm inaugurierte BÄvegung utopisch schien, dieser BereaywliMche Mittel unk rationale Methoden der Mivitäi gogebrn. rmd gerade dadurch di*. Verwirklichung ihres amsänglich verlachten und ails nebulös bezeichneten Zieles Herberge führt. Denn Herzls Devise lautete: „Bereitfern ist alles", »nd danach arbeitete er, indem er das damals »och trmvmhafte Ziel M gegchen, in jedem Augengesetzt ansah. In sirnen Tagebüchern fiichen sich Stellen dieser Art, die manchem gedanklich nachprüfenden Leser. Hx hie kamM realen Möglichkeiten vor sich sieht, als phantastischer Wahnsinn oder als Hochstapelei erscheinen könnten; aber sie sind etwas ganz anderes: Sie sinder methodische Ausdruck eines Willens, der in Zeiten denkt. HeM toar einer; da er dem DoR entrissen ward, blieb dem Volk die Aufgabe, ihn zu ersetzen, denn er war wie alles Geniale Summe der gesamten Volkkskrast. Im Volk in Zeiten denken, vermag nur das Genie oder die Jugend; denn vor wem liegt soviel Zeit wie vor dem Genie, das nur einmal ist und darum alle Zeiten in sich faßt, oder vor der Jugend, die Zeit vor sich hat und sozusagen länger denken kann, in weitere Räume als die Menschen, welche den Großteil des Menschenlebens schon gelebt haben. Deshalb gehört Herzl der Jugend, die er als die letzte, festeste Reihe feines Volksaufgebbtes, als seine Triarier in seine Konzeption eingesetzt hat. Die jüdische Jugend, die Herzl in sich aufnimmt wie er Ivirklich lvar und ist, diese jüdische Jugend wird stets zum Werk stehen und wivd aus dem Wesen des letzten Heros der jüdischen Diaspora das große menschliche und darum jüdische Ideal fühlen und es bauen helfen: In die Dauer zu schaffen und zu leben. SiegfriedSchm ' tz. Herzl-Grabgang am S. Fall. Versammlung: ^10 Uhr vormittags. Abmarsch: präzise 10 Uhr. Die Leitung des Herzl-Grabgangcs liegt in der^ Händen der Herren: Dr. Hans Engel und Zwi Kanner. Der Herzl-Grabgang beginnt mit einem Vorbeimarsch sämtlicher jüdischer Jugendorganisationen vor der Zionistischen Parteileitung Oesterreichs, die vor der Hochschule für Bodenkultur Aufstellung nehmen wird. Die Jugendorganisationen marschieren dann durch die Hochschulstraße, Hartäckerstraße bis zum Friedhof und bilden zu beiden Seiten der Straße ein Spalier, durch welches alle Aufmarschteilnehmer, an der Spitze die Zionistische Parteileitung, zum Friedhof gehen. Die Hakoah, Bezirkssektionen und alle übrigen Gruppen versammeln ftdj' nach der folgenden Einteilung in den Seitengassen der Felix-Mottl-Straße mit der Gesichtsrichtung zu dieser und schließen sich straßenweise an den Zug der Jugendgruppen, der in der Felix-Mottl-Straße Auf-. stellung genommen hat, an,'lassen der Parteileitung den Vortritt und marschieren durch das Jugendgruppenftralier nach dem Friedhof. Die Gruppenleiter, Leiter der Bezirkssektionen ustv. hüben auf zwei Dinge zu achten: E x si e n s : Me Teilnehmer haben Mt dem Gesicht zur Felix-Mottl-Straße in Viererreihen in den für sie bestimmten Straßen um %10 Uhr aufgestellt zu sein. Neuankommende reihen sich rückwärts zu viert an. Zweitens: Jede Stratzenabteilung wird von einem Ordner verständigt, wann und wo sie sich an dem vorbeimarschierenden Zug anzuschließen, bezw. wann und wohl^ sie zu gehen hat. Reihenfolge im Aufmarsch und Sammelplatz der einzelne» Gruppen. G r u p p e 1: Die Mitglieder des MtionÄomitees, Landeskomitees,' Parteirates, Mandatare, die fremden Gäste, ferner die Keren-Hajessod- und Kercn-Kajemethkoirurnffsion, Palästinaamt, die den Zug eröffnen, bei der Hochschule für Bodenkultur, Ecke Peter-Jovdan-Straße- Hoch schulstraße. Gruppe 2: Jüdische Studentenschaft hinter den Mitgliedern der Gruppe 1. Gruppe 3: Bezirkssektionen 1, 2, Prater, 8., bis 11, Misrachi, Hitachduth, Poale Zion, Peter-Jordan-S^aße, Ecke Hochschulstraße. Gruppe 4: Frauenorganrsatronen,. Hochschule für Bodenkultur, Ecke Feistmantelstraße-Hochschulstratze. Gruppe 6: Bezirkssektionen 4, 6, W, 6, 8, wie Gruppe 4'. G r u p p e 6: Hakoah, Turn- und SportbrÄand, Weimarerstraße, vom Karl-Lridwig-Denkmal bis AnastasiuS- Grün---Gaffe. Gruppe 7: Bezirkssektionen 9, 12 bis 19, Cotiagegasse, Ecke Felix-Motkl-Sraße. Gruppe 8: Bezirkssektion 20, ZwHchenbMktn, 21, Blaasstraße, Ecke Felix-Mottl-Straße. Gruppe 9: Jugendorganisationen, Jugendgruppen. Ghaluzim, Mittelschüler, Felix-Mpttl-Atrade, von der Hochschulstraße beginnend? Ile Herzl-Feler. Sonntag um halb 8 Uhr abends WVÄ im Hvtv. Continental die Herzl-Fei er statt, bei der Obenrabbiner Dr. Z. P. Cyajes die Gedenkrede halten wird. Karten im Vorverkauf in den Zionistischen Bureaus;1. Bez.. Kärntnerstraße Ä8, Tel. 77-4-8S/6. «Ieii> Baseler Nas zionistische Budget. Von Ernst Davis. Die Zionistische Exekutive hat die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch die Vornahme öffentlicher Arbeiten organisiert. Die eben beendete Sitzung des großen Aktionskomitees in London hat, soweit man aus den, allerdings sehr spärlichen, bisher emgetroffeuen Pressemeldungen ersehen -kann, aus den Geldern der neuen Anleihe 90.600 Pfund dafür -bewilligt. Seit einiger Zeit hat man außerdem auch Versuche zur Wiederbelebung-der Bautätigkeit. gemacht, deren Stocken ja in besonderem Maße zu der unglücklichen Verfassung des Arbeitsm-arktes-bei-getragen hat. Es wurde eine Aktion für den Absatz -der Pfandbriefe -der General, Mortgage Bank of Palestine eingeleitet, und wenn sie den höchst wünschenAverten Erfolg haben sollte, wird man eirwm Dei-l -der kreditbedürftigen Baukustigen, die bereits in den Listen -des Instituts registriert sind, die fehlenden Mittel zur Verfüg» ng stellen kochen. Es ist möglich, daß -diese Maßnahmen eine gewisse Erleichterung herbeiführen können, wenigstens wenn die Einwanderung weiter stagniert. Aber es ist -sehr zweifelhaft, ob sie ei,w Dauerwirkung haben werden. Mas soll dann geschehen, wem» die öffentlichen Arbeiten vollendet sind? Dann wird mau wieder neue unternehmen müssen und -dazu wird wieder ein neuer Gel'da-ustvcmd nötig werden und so fort. Das heißt nichts anderes, als -daß ein bestimmter Teil der jüdischen Arbeiter Palästinas dauernd durch AuÄandsspenden unterhalten wird. Smoeit die Exekutive Stadtgemeinden oder anderen Körperschaften Kredite für -diese Arbeiten gibt, bedeutet es die Abwälzung der Arbeitslosigkeit auf -den steuerzahlen-den Teil des Jischuws, der bei dem eigenartigen Finan-zsystem, das im Lande herrscht, durchaus nicht -mit dem leistungsfähig gebliebenen identisch ist, bedeutet daher eine Verschärfung der Krise durch Erhöhung der €5te*er» last zur Rückzahlung der Darlehen und letzten Endes eine verschleierte Arbeitslosenunterstützung. Da dies-. KvÄnte außevdew kaum zuriickgezahlt sein düchtvn, wenn die Kommunen die mi-! ihrer Hülse untevnomnkenen Arbeiten ausgeführt haben, sichern sie der Exekutive wenigstens für die nächste absehbare Zeit, für die es am notwendigsten ist, nicht «rmnall einen ständig zurückfließenden Dispositionsfonds, -sondern machen trotzdem immer wieder neue Nochschüsse aus dem Budget notwerchig. Angenommen, die 90.00V Pfund, die jetzt aus dem Erträgnis -der Anleihe bewilligt wurden, reichen für ein Jahr aus, dann werden im nächsten Jahr wieder 90.000 Pfund uötig sein, um dieselbe' Arbeiterzahl bei gleichen Löhnen zu mrrerhalien, unter der Voraussetzung, daß Boden und Arbeitsgeräte bereits vorhanden sind, bgw. den gleichen Weit hübe«.-'Da wir normalerwe-ise mit einem Dettoeingang von 440.000 Pfund «ff Budgotkonto rechnen können — daS letzte Jahr tvar ein« Ausnahme —, würden also aus absehbare ZeA barchschariEch 30 Progent unseres Jahresetats zum U-nterhÄt einer bestimmten Zahl bereits im Laiche vorhandener Arbeiter Verwender - werden. Schon im letzten Jahr« wurde reichlich mehr als «e Hälfte der Einnahmen für laufende Ausgaben, d. h. zum Unkochakt bestehender Institutionen und wcht zur Schäftung wi«fthaflk!chrr, sich selbst erhaltender Untevnehrmnrgen vevwendor, «# den Mnwanderem eine dauernde Existenz schaffen, nämttch für Eaztehmrg, GesundiheitÄvesen, iandwirtschaftüche ÄechrchSstlEvn^ Bibliothek, religiöse Jnsti-tutionen und nckigiöse Er-iehrm,, Universität, Technikum, Sabel-Boneh, Schuld«rtilgang und ZinS» Zahlungen, Bevwaltungskosten und den Apparat de- Jmmi. gmtionsdepa-vtemen-ts. -Nach Auswerfvng ropiterer 90XXX) Pftnitz für nicht rentable, sich nicht seW echattende An-termchme« we-» den -drei Viertel des Budgets für lausende 'llnterhaMzweSr verwendet werden. Möglich, daß einige LsnftrLev AnSgätzarr im nächsten Jahre Keiner werden, dafür roevde« andev. z. 9. der Posten für Schu'ldentrlgrrng, wachsen. Da» Ergstbals wird dadurch nicht viel geändert werdeir. Nur ein kleiner Brmhtetz, kaum mehr m N Prozent, blM M

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