Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2995 (30.6.1927)
- Date
- 1927-06-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982083--30513-3018743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
"W rtMftatv,. ir.r i uii , >■■ torr«> wlWcRFtlly SMp-O feKODRaem JÜDISCHES LEBEN Re Konferenz Nt die jüdischen Rechte. Stephen Wifc gegen jede Gehotmdiplomatie in jüdischen Fragen. Ans N e w D o rck wivd uns geschrieben: Bei dem Abschlußbanketk für die Delegierten des amerikanisch-jüdischen Kongresses zu der in nächster Zeit stattfindenden Konferenz für -das jüdische Recht hielt «der Präsident des ameri'kanisch-Mischen Kongresses, Dr. Ste'phen W i se, eine größere Rede über die Geheim» dip-lomati«. Für die Inden -fei bei dem Kampfe um das Recht der Inden in allen Landern die Geheinvdiplomatie nicht nur nicht zu empfehlen, sondern als schädlich aufs entschiedenste zu verwerfen. Me offenen, mannhaften Proteste des amerikanischen Judentums haben sich als wirksamer erwiesen akS jade Hintertreffenpolitit und Geheim» biplomatie. Dieses Prinzip werde er auch in der Konferenz für das jüdische Recht vertreten. Richter Juilian W. Mack, der am Erscheinen verhindert, (ja® m seinem Schreiben der Ue.berzeugung Ausdruck, daß der eiiyige Weg, das Recht der Minoritäten stcherzustellen, in dar vollst'äm'digen Zusammenarbeit des amerikanischen und europäischen Judentums liege. Er hoffe, daß die bevorstehende Konferenz den Plan dieses gewünschten Zusammenwirtens ausarbeiten und zur Durchführung Bringen, werde. Die Konferenz wird am t7. August in Zürich und nicht, wie ursprünglich geplant, in Genf abgehalten werden. Re aatisemktffche Propaaanda in Mßland. Berichte aus Sowjetrußland melden täglich von der sich steigernden Pogrom Propaganda im ganzen russischen Reich, besonders aber in der Ukraine, wo die Judenhetze ganz offen betrieben wird. Me Charkower Zeitung „Stern"- macht die Behörden aufmerksam, daß seit einiger Zeit a n Markttagen in Charkow 10- bis 12jährige Kinder, umgeben von zahlreichen Bauern aus der Umgegend, von früher her bekannte antisemitische Hetzlieder singen, tvofür sie von den Zuhörern beschenkt werden. Der Inhalt der Lieder ist, daß die Juden die Ukraine unterjocht haben, das Ende be« Knechtschaft jedoch nicht mehr ferne sei. Das Bezeichnende hierbei ist, daß die Miliz diese öffentliche Pogromhetze gar nicht zu hindern versucht. Das Blatt fordert die Eruierung des Ursprungs dieser aufreizenden Lieder und der Personen, welche die Kinder für solche Zwecke mißbrauchen. Re UebersMung der Sinai-Steine in dar Museum zn Kairo. Bekanntlich sind die berühmten Steine des St n ai - Bergderen uralte Inschriften in den .letzten zwanzig Jahren Gegenstand lebhafter Kontroversen zwischen den Gelehrten bildeten und Wahrscheinlich die ältesten Schristzeichen darstettem, in das Mns-emm zniKa-inr o gebracht worden.. Prof. Robert Blake Von der HavvcrrbftUnkversität, der neben Prost Kirsopp Labe die Ueberfüh^ ritttgj überwachte, hielt vor kurzem an der Hebräischen Unitv-erslität zn Jerusalem einen Wortrag über die Arbeit der Sinai-Expedition und gab der Meinung Ausdruck, daß die SteininßMften.auf d>e n U rs^r-u n g des MlpH.«beiiS deutelt. Die erst vor kurzem crufgefundenen Mver wskfrüm Inschriften bekräftigen diese Annahme. I Prof. Butin und Pere Savagnae, die in der Diskussion sprachen, drückten Zweifel betreffend dia wisssnschastliche Bedeutung der Inschriften a«S. Dr. I. H. M^gm-e S leitete die DiSkuffftm. Re„HadaM". Mm 83. Juni begann in A t l a n t i c City die Tagung der amerikanisch-jüdischen Fra'uenorganisation ,^Hadassah", die für das Gesundheitswesen in Palästina zu sorgen hat. Ungefähr 500 Delegierte aus 264 Ortsgruppen in gang Amerika waren erschienen. Den Vorsitz führt die Ehrenpräsidentin der Hadassah, Miß Hen* rietta Szvld. ES wurde ein bricht über das Abkommen zwischen Hadassah und der Zionistischen Exekutive, betreffend die Reorganisierung der Hadassahverwaltung, gegeben. Wichtige Punkte über die Zukunftsarbeit in Palästina stehen zur Beratung und Beschlußfassung. Srgauksation der karaitischeu Semeindeu. Aus Wilna wird uns berichtet: JnjHaliez, dem Mittelpunkt des karaitischeu Lebens in Polen, fand dieser Tage eine Konferenz der Kanker statt, die sich ausschließlich mit der Frage der Schaffung eines kavaitischon GemoikütebwrrdeS in Polen nach dem Kousistoricrlsystem befaßte. Das Statut wurde angenommen und beschlossen, den Chacham vwn Tr»k zum neliglösen Oberhaup t oller Karüer ihn Polen zu bestimmen. In ei ner Reihe vyn Beschlüssen wurden die ISO&ttd und Wege zur Hebung des kulturellen Niveaus bestimmt. Dos Msthe Beispiel. Ans Riga wird und geschrieben: In dem Städtchen Kowarjk leben etwa 130 jüdische Famrlien in äußerst dürftigen Verhältnissen. Ihre Synagoge wü>'ibro wurden im der Zeit des Krieges u«d der RmMiogszeit vermietet und sie sind ganz außerstande, diese Institution«» anS eigener Kraft wieder aufzurichten. Dar einigen Tagen , kam ein aus dem Orte stammender christlicher junger Man« namens Kalibartas, der vor mehreren Jahren nach Amerika jcruSgewandert und dort reich geworden war, in sein« Heimatstadt. Er widmete mehrere Spenden, so auch für die Kirche 1000 Littvas. Der Gast ans Amerika erfuhr nun beim Pfarrer, daß vor einem Jahre etwa ein gleichfalls aus der Stadt stammender jüdischer Philanthrop^ Morris Rofsnblmn, miÄMch eines Besuches in Kowarfl anher mehreren großen Spenden für jüdische Zwecke auf Intervention des Pfarrers auch für dio Kirche 100 Dollar gespendet hatte. Herr Kalibartas erklärt« nun, daß er es als feine moralische Pflicht ansehe, dem Bellpiel des jüdischen Wohltäters zu folgen. Er spendette für dte Zwecke der jüdischen Synagoge und der Schule 3000 LitwaS, mit der Erklärung, daß er auch nach seinvr Rückkchr «ach Amerika seiner jüdischen Landsleute gedenken werde. Kor Arriweser..,____v___ eine Konferenz der Zionisten ans den wichtigsten Städten Italiens abgehalten. VS wurden Beschlüsse gefaxt, die eine Intensivierung der zionistischen Arbeit unter den italiernschen Juden und eine Reorganisation der Keren Haiesstod- Arbeit betrafen. ES wurde ein Präsidium gewämt, dem alS neue Mitglieder Dr. Paolo Milano aus Rom!, Dr. Dario PiLiLliami und Ciro a«S Fwrwz angchörsn. .. snferenz der italienische« Ziopiste« in Mailand. In enyeit von Dr. Victor JacKson wurde in Mailand Löhne und Kunst. „Stttagatten." Den Fvenrden wie den Einheimischen Arm mian ratenr Besuchet die lMende iM'BmMrrten! Gr liegt 'an der Ringstraße Und führt doch meilenweit weg ans dem Stadtlärm. Er ist in seiner ungezirkelten, aber kultivierten, in seiner gar nicht „aufgemachten", aber wesenhaften Schönheit ehe Wiener Garten imd bietet des Nachts ein Fveilufttheater, wie es herrlicher wohl keine Stadt mitten im Häusermeer besitzt. Symphoniekanzerte wechseln mit Tanzabenden Und Opernaufftihrrm-gen. Was sich etwa bei „Orpheus in der Unterwelt" oder „Doäka" notioenjdrg an szenischer Unvollkommenheit auf der Bühne ergibt, wird durch die unvergleichliche Szenerie des Mirchengarbens und die das Mittelmaß zumindest erreichenden, aber.häufig den Durchschnitt hoch überragenden künstlerischen Leistungen wettgemacht. ' Winstö Freude -~ weil wienerische Kunst in diesem iAWen voll zur Geltung kommt — bereiten Tanzabende, wie sw etwa in dieser Smnmersaison.die Schwestern 'Miesenthal veavrstjalbet haben. ' Kemerler Beeinflussung von außen, nur das Bedstrfdie Gvoßftadtmenschen Und die Gäste dieser Stadt auf ettsuiMche Aben-re der Erholimg und künstlerischen Genießens' Mfmerkfain zu machen, veranlaßt uns, für die BevanMtMvgen des echt Burggartens die Werbetrommel rAhran. Am den rheMen». B«rg-theat e r. Morgen, Freitag, Halb 8 Uhr „Leonbv". Ata de miotheater. Heute um 7 Uhr Veranstaltung dm «Mademte für Mi.sik und darstellende Kunst, unter Leitung des Poch. Dr. Rudolf Beer: „Der Barometermachor auf IKsa Zanb erin se l" von Ferdinand Raimund. Opern tYe n te r. Morgeir, halb 8 Uhr, außer dem MWMöMArt Ballettabend „E oppelj>A", P u^pne-ubntf «rk „Ltza l c^st u.m e"^ ' > De» t-fchos Bokdsrhealor. H«rw vwabMÄet sich Loopoldine Konstantin in der Ko-mädw ^Z a z a". Bo» Morgen, Freitag an täglich das .BylkSstück ^Drr Musikant Gvtte-S". Die Dorstellung wich nrorgsa durch das Radio gesendet. Lnstsprektheater. Heute tritt Haust Piese A»m leÄen Male vor ihrem Urlaub im eilig« Johanna" auf. M Freitag allabendlich KenfchheitSkvnkvrr'Sng". B L r g « r t h e q t e r. W morgen Freitag gelangt „G rS frn Mariza" e» suite zur Wufsühvuug. In dm Mowolle «Wert Frau Dr. Tatjana Sdawiansdf«. . <t ' iäwwSäi gsjsgn den alten Mysterien Aber das BalkssthausM zmn Faust- Drama eröffnet, die als „Fawstausstellu^ bis August dieses Jahves dauern wird. ...Die Wiener Nationalbibltochek, dw Mbertma, der Goetho,Bewin, die Sammlungen der Stadt Men, das Münchener Theatermuseum, das Museum in Salzburg und viele Privatsammlungen des In- und Auslandes haben in der Oeffentlichkeit «re gesehene Handschriften, Drucke und Bilder beigofieuert. Unter den besonders wertvollen Stücken befindet sich dte aus dem Besitze Stephan Aveigs stammende Handschmft Geothes zu einer Szene des zweiten De-iies yon „Flmst'. GEri HMnmm vmrvKt «Lamkrt". A«f G«md ferner Quellenforschung mrd Textkritik hat Gechart Hauptmann Shakespeares „Hamlet" neu bearbeitet. Seine ,^amlrt"- Bearbeitung unterscheidet sich sehr wesentlich .von dm überlieferten Gestalt des Werk«, Im November d. I. wird im Dresdener Schauspielhaus diese neue ,chamlet"chassvna vmter Hauptmanns künsilerrscher Leitung zur UrauMhrung gÄangen, vmKM« ÜN „Viever MlxeoreiMix^ LionMÄ» M«» «ack Oeatetteldh. .8 5*— Tschechoslowakische RemwIBc......... Ki 22*— Jugwlawieo.. Dtoar 60w De»t*«Wa«|^ .. Qoidwark fr- ».... *•., ....... Pfüi 3fr— »allen. .Urc aow Rusq^uIcd Lei W(h— gegarte« .. ...... . «Lewa 10fr- ... - » » » * » . . * » » .. « Polter 1^— ^cfcwefar tmd (tes öbdge AtwUnd ..... prunk« Oostecr, »«temMWmckosM — StefilLraagSschelsteu über das Geisteswerl Achab Haams. Die Hauptbureaus des Keren HaMod und des Keren Ka^emech haben beschlossen, das Andenken Ach ad Haams durch die Herausgabe einer Anzahl von Broschüren zu ehren, die das Wirken und die Bedeutung Achad Haams für das Mdischr Bott und die Renaissance des Judentums dar stellar. Norman B entwich hat es übernommen, eine solche Broschüre in englischer Sprache und der Redakteur des .^Haavetz'^ Ke. G I LMfoch», eine hebräische Broschüre zu schrewe». Das nene jütefche Theater In LRNkttg. Ass Sowoib« r g wird uns geschrieben: Auf Initiative der ,Herren Dr. Jsrear Minzer und M. Atasoh hat sich hier ein KÄnitoe der Foeunde des jüdischen Theaters mit dem Zwecke der Gründung eines ständigen jüdischen Theaters gebildet. ES wurde mit einer Reihe bekannter Mischer Schauspieler, die ehemals de« Mlnaer Truppe angehörten, ein Abkonrmeir getroffen und ein jQttfem&lc geschaffen^ das als künstlerisch hochstehend gllt. In dte Regte teile« sich tfoet bekannte Theaterfachleute: David Herr mann und!Abraham Mvrewski. vtach einem kurzen. GaMplel in der Provinz wird die Saison des neuen jüdischen Theaters im Lemberger Theater „Nowoszci" mit einem Drama inach einer Legende von Präge« ,/övtem", Slowackis Ueüerreste in Polen. Die Gebeine des Mmlschen Dichters Slowackt wurden aus Frankreich zunää^t nach Warschau gebracht, wo große Feierlichkeiten stattfanden, sodann nach Krakau überführt. Der Zug hielt in allen größeren Stachioneu, um der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, das Andenken des, großen Toten zu ehren. Längs der Eisenbahnstvecke warteten überall Menschenmengen und überschütteten den rollenden Zug mit Blumen. —! In Krakau wurde der Sarg in den berühmten Barbakau, .einem wunderschöneic, kreisförmigen Teil der lallen Bejestigungswerke, getragen uud dortselbst aufgebahrt. Die ganze Nacht vom 27. auf den 28. Juni, ahne. Unterbrechung, ms sechs Uhr früh defilierte das Publikum vor den Gebeinen S-lowackis im Barbakan. ' l Bereiue. BortrSge »ad Serfaannlaage». Zionistische Bezirkssektion und zionistische Frauengruppe DMmg. Heute, 8-Uhr abends, im Saale 16. Peierfovdan-Stttvße 10 (Tiefpavterre), Bovtrag Dr. Leo Go<ldammerr „Probleme des 1ü. Zionvftenrongrssses.". — Wiener Beth-Hqm8»rasch, 2. Bez., Tempelgasse 3. Heute Donnerstag, S—7 Uhr. Rabbiner Lettvr Dr. S. Gelbhaus: „Psalmen." — Astronomische Zentrale. Samstag um 9 Uhr Versamnttung in Potzleinsdovf, Ende der 41er-Girrie. SchLuß 10 Uhr. Führung: Prosesior Thomas. Die Juden Wiens BIN* STATISTISCHE STUDIE VON DR. LEO GOLDHAMMER DfE QEQENWÄRTIGE SITUATION DER JUDENQEMglNDE WIEN UND IHRE ZUKUNFT ERÖFFNET DIESE WERT¬ VOLLE BROSCHÜRE DIE FÜRJÜ- DISCH - POLITISCHE KREISE VON GROSSER BEDEUTUNG IST PREIS SCHILLING 4-60 R. IUWIT VERLAG, WIEN L, FLEISCHMARKT1 ROTENTURMSTR. 22 Serichtssaal. Re «amtierte ^Rufik i« Rat-. Beim hiesigen HakchÄsyerichte fand die erste Tgchfatzung m einem Progetz statt, den de« Komponist Emil Berte gegen den Schriftsteller Julius Horst angestrengt hat. In der cmf Widerruf und Leistung einer Vergütung lautenden Klage wird im wes-entlichen ausge- Mrt: Am 37. Mai hielt die Genossenschaft der dramatischen Schriftsteller und Komponisten die Generalversammlung ab, bei der stch der Beklagte zmn Wort meldete und in seiner Rede den Klager heftig angriff, weil dieser die Aufführung von Beetes Operette »Musik im Mai" im Raimundtheater nur dadurch erhielt haben soll, daß er dem Direktor den ÄageSetatgarantierte, wodurch er es andere« Autoren» die nicht das Geld zu einer solchen Leistung hätten, unmöglich mache, überhaupt aufgeführt zu werden und so dte anderen Autoren schädige. Der Beklagte teil tot Laufe seiner Rede wörtlich erklärt haben: „Herr <§mil Berte, der von seinem Onkel Heinrich Berte nicht »uw: dessen Geld, sondern auch dessen Talent-l l-offigkeit geerbt hat." Der Klager betonte in 'der Klage, daß er ein junger Komponist sei, der soeben seine erste Aufführung durchgefetzt hübe, und daß es für ihn eine schwere SchÄigung, ja geradezu «ne Gefährdung seiner Zukunft bedeute, wenn er von dem Beklagten vor der maßgebenden OMenttichkeit als talentlos bezeichnet werde. Das Bvvgchen des BeKagten bedeute auch für ihn eine schwere GefKhvdrmg, vM « aut dar ochswMsn WMHrWS mm mUM#**-'1