Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2993 (28.6.1927)
- Date
- 1927-06-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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‘ - * -Mf zAr? '■ - -,^v Ü'-S.; Nr. SS8S Mö», DSsnSivg Wiener Morgenzettnng 28. Juni 1927 GBüeS HJDISCHCS LEBEN W Um den Platz an der Sonne. . Das Interesse für Palästina wächst in Aegypten immer uckhr. Die arabische Presse beschäftigt sich unausgesetzt mit den: palästinensischen Problem und die offiziöse liberale „Siassah" trägt diesem Interesse dadurch Rechnung, daß sie soeben eine Artikelserie über die Geschichte des Zionismus veröffentlicht. Auch dev Besuch führender politischer Persönlichkeiten in Palästina und vov allem in den jüdischen Kolonien und öffentlichen Anstalten dient' 1— wie die ägyptische Presse hervorhebt — dem Zwecke, We Ergebnisse der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina aus eigene« Anschauung keimen zu lernen. Bor kurzem besuchte der Vorsitzende des Finanzausschusses des ägyptischen Parlamentes, S!idkt Pascha, da« Museum für Landesprodukte in Del Wvtzv, das eigentlich am besten ein Spiegelbild des gegenwärtigen Standes des Aufbauwerkes bietet. Diesem Gedanken gab Siidki Pascha durch die folgende Eintragung in das Gastbuch des Museums Ausdruck: „Ich bin erst einen halben Tag in Telj Mwiw und diese Zeit genügte mir, um auf mich die Anstrengunge» wirken zu lassen, die ein Volk anfbietet, um wieder den ihm gebührenden Platz an der Sonne cinznnchmen." Sidki Pascha fügte auch hinzu, daß jedes rechtlich denkettde Voll nur ehrlich wünschen könne, daß das jüdische Volk in diesem Streben erfolgreich sei. Ser Anteil der Süden an der landwirtschaftlichen Bodeasorschnng.!Me wir bereits kurz berichte teil, hat dieser Tage in Washington der -international!« Kongreß der landiwirtschaMchen Vodenforschnng feine Tagung begonnen. Der Kongreß wurde von nahezu sämtlichen europäischen und tvansozeanischen Regierungen beschickt. Rußland allein hat eine Delegation von 26 Fachleuten unter der Führung des bekannten -Agronomen Dr. Manko entsendet. Palästina hat, wie richblgstellend betont werden soll, nicht zwe:, sondern drei Vertreter, und zwar Dr. Adolf Reifenberg von »der hebräischen Nnkvevsität mi Jerusalem, Dr. Felix Mcntschikowski von der lomdwir-bschaMchen Versuchsstation rn Tel Awiw und Dr. Mayer Wännik geschickt. Die Bedeutung -dieses Kvngveffes hat Präsident Cool ringe in der Eröffnungsrede besonders unterstrichen. Namens der palästinensischen Delegation sprach Doktor Reifenlberg, der die Grüße der hebräischen Universität in Jerusalem ülberbrachte und der Freude und Genugtuung Ausduck gab, -daß er und seine Kollegen, die auf -dom ältesten Boden jetzt wissenschaftliche Arbeit leiten, auf dem Kongreß die Möglichkeit erhalten, die wissenschaftlichen Methoden, wie sie m anderen Ländern in der Landwirtschaft prattigtevt werden, z» studieren. Er schloß seine Begrüßungsrede mit dem -hebräischen Wunsche: „Le-hazlachah!" (Glück auf!). Unter den Delegierten des Kongresses befinden sich mehrere Juden. Den Vorsitz auf dem Kongreß führt Dr. Lippmann. Führer der Delegation -des Staates Nsw-Jersey bst der bekannte Fachschriffsteller Dr. Ja ff e. Der Kongreß ist das Ergebnis der langjährigen Arbeiten des frühverstorbenen Agronomen David Lublin, die seinerzeit zur Gründung des internationalen landwirtschaftlichen Instituts geführt hatten. Sine Mlsfionspredlgt siir Wische Waisenkinder In den Kreisen der Budapester Judenschaft herrscht, wie uns von dort berichtet wird, gegenwärtig große Erregung Über einen Vorfall, der sich vor einigen Tagen abgespielt hat. Die schottische Missionsgesellschaft in Budapest hält in letzter Zeit im Sinne der Beschlüsse der in Budapest! abgehaltenen internationalen Judemnissionstagung Bibelvorträge für I Inden jÄ»m Mters. Vorige Woche nun hielt der gewesene Finanz minister Lorant Hege düs einen Bibelvortrag für Kinder. Zur allgemeinen Ueberraschung erschienen bei diesem Vortrag 150 Zöglinge des Waisenhauses der Budapester jüdischerr Gemeinde unter "Führung ihres Direktors H e r tz k a und des Waisenhauspr'äsidenten Eugen Vida. Der Vortragende hielt eine Propagandarede für das Christentum und schloß mit dem Appell, daß die Kinder ihr Herz nnd ihre Seele für die Aufnahme der Lehre d^s" Christentums öffnen mögen. Geradezu unerhört war Aas Verhalten des jüjdischen Waffenhausoirektors Hertzka, der dem Vortrag vstentäkiv Beifall zollte, nachher die jüdischen Waisenzöglinge fragte, ob sie die ,-Ausführungen des hervorragenden'Referenten richtig begriffen hätten^. Man ist in jüdischen Kreisen nunmehr mit Recht begierig, ob der Vorstand der jKultusgemernde die Energie aufbringen wird, das jüdische Waisenhaus von einem Direktor, der Agentendienste fiir die Jujdennnssionen leistet, tflt befreien. Es verdient hiebei erivahnt zu weköen, daß btc Dchnlen der schottischen Mission in Budapest bis zu 90 Prozent jüdische Schüler haben, die systematisch für die Dause vorbereitet werdm. f Der Napoleon-Berg in Palästina in jüdischem Besitz. Aus Jerusalem meldet I. T. A: Herr Israel Goldberg ans Tel AwÄv. einer der Pioniere des Zionismus in Rußland, hat den zwischen Tel Awiw und Petach Tikwah gelegenen ,/Napoleon «Berg", der Napoleon bei seinem Feldzug in Palästina im Jahre 1797 als strategische Basis diente und auch im Netzten Kriege ein militärisches Zentrum bildete, käuflich an sich gäracht. Bnjs diesem Berge waren im AlterAmr wichtige Siedlungen. Es wird demnächst dort mit Ausgrabu«gen begonnen werden. ■ ■ ' 34 jüdische Steinarbeiter sind in Amman, der Hauptstadt, von Transjordanieneinaatrotffen. Sie sind beim Bau des Hauses für -den bMschen Vertreter in Transjordanien beschäftigt. AiE Rußland verbannte Zionisten in Palästina. Dieser Tage sind in Jerusalem aus Rußland 37 Juden, unter ihnen 13 von den Sowjedgerichten verbannte Zionisten, eingetroffen. Einbruch in das Danziger Mische Kunstmuseum. Aus Danzig wird uns berichtet: Vor.einigen Tagen wurde in dem hiesigen jüdischen Kunstmuseum, das wegen seiner überaus wertvollen Sammlung weit über die Grenzen Danzigs bekannt ist, ein Einbruch verübt. Die Einbrecher erbeuteten eine Anzahl kleinerer Kunstgegenstande von hohem Werte. Die Polizei hat ^r^Eruievung der Täter eine umfassende Untersuchung einge- U»P»»»>W>!»SI>U»»»I»»»»>WWW»»>MWWU»»»I»»PMW»»k>W>»»MW»>M»»»W»W Bühne und Kunst. Die Schule Hellern« in Laxenburg. Es ist mm zwei Jahre her, seitdem die vorbildliche Hellerauer Schule für Eurhhthmik nach Laxenburg übersiedelt ist. An den Berufs!ursen des zweiten Studienjahres, welches am 26. Juni abschließt, nahmen 100 Schüler und Schülerinnen teil, von denen die meisten im Internat der Schule untergebracht sind. Die internationale Bedeutung der Schule geht daraus hervor, daß mehr als 87 Prozent der Schüler aus dem Auslände stammen, und zwar aus Deutschland und der Tschechoslowakei. Dem Bestreben, die erzieherischen und künstlerischen Ideen der Schule in die weitesten Kreise des Volkes zu tragen, dienen zahlreiche Kurse an verschiedenen Volksbildungsstätten Wiens sowie die Laienkurse. Diesem Ziel dienen auch insbesondere die demnächst beginnenden Kurse in den städtischen Sommerbädern und im Strandbad Bös lau. Die Zahl der Schüler inWien dürste etwa 800 betragen, so daß unter Einrechnung der Kurse rn Laxenburg und der bevorstehenden Sommerkurse, die Gesamtzahl der Schüler in diesem Jahre die stattliche Zahl 1000 bestimmt erreichen, wenn nicht gar überschreiten wird. Die Sommerkurse werden in diesem Jahre ans zwei Kurse von je vier Wochen Dauer, beginnend am 7. Juli und 8. August, konzentriert. Der 1. Kurs ist bereits komplett und auch die Listen des 2. Kurses werden wohl in absehbarer Zeit geschloffen werden können. Getreu ihrer Tendenz, die Schule nicht als Aufenthaltsort eines kleinen, finanziell leistungsfähigen Kreises zu betrachten, werden auch in diesem Sommer besondere Kurse zu äußerst bescheidenen Bedingungen für Angehörige der Jugendbewegung veranstaltet. Zahlreiche öffentliche rhythmisch-gymnastische Aufführungen, sowie Veranstaltungen der Tanzgruppe haben in diesem Jahve stattgefunden. Der Höhepunkt der künstlerischen Erfolge war die italienische Tournee, die unter der Leitung von Valeria Kratina und Direktor Ernst Ferand über zwei Monate in Anspruch nahm und anläßlich der Aufforderung, an den klassischen Aufführungen im griechischen Theater zu Syrakus und im römischen Theater zu Ostia mitzuwivken, veranstaltet wurde. An« be« Theatern. Birrgtheate r. Morgen Mittwoch, halb 8 Uhr ^Das Käthchen von Heilbrvnn". > Akademietheater. Morgen Mittwoch, halb 8 Uhr „CYprrenne". Ope rntheater. Mittwoch, lhalb 8 illhU „Dat MaHte nball" mit Dora With (Bremen) als Gast. Theater in der Josefstadt. Morgen und übermorgen letzte Aufführungen von „Peripherie" in dieser Spielzeit. Radio und Sprechbühne. Ms erste Ucbertragung eines Prosawerkes von" der Sprechbühne ward am 1. Juli durch das Radio „Der M u sikant Gottes" aus dem Deutschen Bolkstheater gesendet. Die Direktion des Deutschen Volkstheaters hat mit der Ravag vereinbart, für die Vorstellungen des Stückes, das vom 1. bis 15. Juli täglich zur Aufführung gelangt, den Radioabonnenten gegen Vorweisung der setzten ZahlungSbestätigung eine fünjzigprozentige Ermäßigung stir alte Sitzplätze zu gewähren, deren Aufwertung der Direktion gsge»' über durch die Ravag erfolgt. Berel««, BortrSge «nd Bersavmlungen. Verband zionistsscher Jugendorganisationen. Der erst» Diskusftonsabend über ,Iongrehfragen" findet Donnerstag, 8 Uhr abends, statt. Referentin: Frau Anit-ta Müllar- C o h e n. Ort: Jüdisches Zentrum, 2. Be>z., Untere Augartenstraße 35. Zionistische Jugendliche aller Gruppierungen sind zur Teilnahme eingekrden. — Verband Jüdischer Kavsteute und Gewerbetreibender. Heute D'.enstag Versammlung der Bezirks gruppe Mariahilf-Neu-bau im Klüblokal des Cafe 'Palast, 6. Be-z., Mariahilfevstraße W. Vortrag Dr. Moies Reiß. — Jüdischer Frauenbund. Heute Dienstag, H8 Uhr abends, 2. Beg., Untere Augartenstraße 35, Esther Mieses Schlußvor-trag: „Wochenabschnitt", „tzaftara-h" und ,Sprüche der Väter". Eintritt frei. — Maimonides-Jnstitut. Heute, Universität, Hörsaal 17, Dr. A. Kaminka, 6 Uhr: „Erläu-temng ausgewählter Psabmeu"; 7 Uhr: Religion, und Ethik der Pharisäer -nt Zeitalter Christi." — Ergoktatffcher Verein. Morgen, 7 Uhr abends, im Lokale des Fundes aller Schaffenden", 6. Bez., Webgaffe 6, Vortrag des Herrn Schriftstellers Färber Wer: „Deckung und Kauflvast des Gelbes Serichtssaal. Ser „Laterndlwirt" vor de» Geschworenen. Kaum ist im großen Gerichtssaal der Prozeß gegen Frau NM) Grosvbescu zu Ende geführt worden, hat sich im seMen Saal der Gastwirt Josef K r a ß l wegen Mordes zu verantworten. Er hat am 8. November des vergemgenen Jahres seine Geliebte Berta Grub mülle r auf offener Straße, nächst dem Landesgericht, durch Revolvevschüffe-getötet. Kraßl ist Besitzer der Gastwirtschaft „Zum Laterndl" in der Landesgerichtsstraße und in ganz Wien unter dem Spitznamen der „Laterndlwiri" bekannt. Aus der Anklage geht hervor, daß Kraßl, der verheiratet und Vater von drei Kindern ist, zu der 27jährigen Berta Grubmüller Beziehungen unterhielt. Als er glaubte, daß die Geliebte die Bezichungen abbrechen wolle, machte er ihr die heftigsten Vorwürfe. Es kam wiederholt zu S t r e i t i^g k e i t e n, die aber die GruLmüller immer wieder beschwichtigen konnte. Am 7. November, einem Sonntag, war Kraßl mit seiner Geliebten in mehreren H eur ige nf chenke n gewesen und noch vor Mitternacht waren sie in das -eigene Gasthaus zuEckgekehrt, wo Kraßl. der schon starck angeheitert war, noch Wein zu sich nahm. Kraßl ging plötzlich , in seine Wohnung und verlangte von seiner Gattin den Re - volder mit den Worten: ^Fch und die Bartl müssen Die Gattin nahm diese Drohung nicht ernst, da der jähzornige Säufer wiederholt solche Drohungen ausgestoßen, hatte. Kraßl ging mit der Waffe in das Gasthaus Mrück, aus dom er sich jedoch bald mtt der Grubmüller entfernte. Auf dem Heimweg schoß er nach kurzem Wortwechsel dreimal auf die Grubmüller, die tot zusammenbrach. Dann richtete er die Waffe gegen sich, doch zwei Stadtschutzmänner entwanden sie ihm. Kraßl warf sich auf fi>ic * (Sir schofsene und Magie: „Bertl, was Hab ich getan!" Kraßl. verantwortet sich mit Volltrunkenheit und. sagt, er Wnne sich an nichts -erinnern. Morldabsichten habe er nicht gehabt. In seiner Verantwortung erzählt er, daß er mit seiner Frau in glücklichster Ehe gelebt habe, bis er die Grubmüller kennen lernte. Seitdem er mit ihr ein Liebesverhältnis eingegangen war, hatte er keine Ruhe mehr. Dr Grubmüller habe ihn: oft zugevedet, gemernsaur in den Tod zu gehen, da er sie ja doch nicht heiraten könne. Wiederholt habe die Grubmüller ihn zum Doppelselbsttnovd zu verleiten gssucht. Der Angeklagte.-erzählt sodann, daß er am krttffchen Mend bei verschiedenen Heurigen etwa 11 Viertelliter Wein getrunken habe. Er seWst kann sich an die Ereignisse des Wends nicht erinnern und weiß nur» daß er beim „Rockenbauer" ins Auto gestiegen und erst im Arrest wieder zu sich gekommen sei. Der Bovsitzende konstatiert, der Polizeiarzt habe gleich nach der Verhaftung Kraßls festgestellt, daß der Mann zusammenhängend gesprochen hat und auch die Chargen der Wache unterscheiden konnte. Der Angeklagte sagt darauf, daß er als Wirt es besser beurteilen könne als ein anderer, was bssoffen sein heißt. Auf die Frage des Staatsmiwaltes sagt er, daß er - - .' keinen Grund zur Eifersucht auf die Grubmüller hatte.;-rJ^ . 'ni i ■‘V 'M , 'f Heute Dienstag, den 28. Juni 1927, 1/29 Uhr abends, &optk«.Kmsaat, 3. Sex., Jütarxrergasse EINZIGER VORTRAG Wiad. Jabotinsfcy OltDCi Palästina Ein raohnworf an den XV. lionlsfcnkondreO Karten zu 2 und 1 Schilling Im Vorverkauf bei; Zionistisches Landeskoraitee, U, Kärntnerstr. 28; „Wiener Morgenzeitung**, II., Taborstr. 1—3; jüdischer Hochschulausschuß, IX, Zimmermannplatz 8; R. LöWii« 1* Rotenturmstr. 32; Bücherstube Rath, II.» Taborstraße Wa; Cafö Metropol, DL, Beiyg« 38, > 4»..'