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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-28 · Heft 2993 (28.6.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2993 (28.6.1927)
Date
1927-06-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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aK9PgCngf ITIinO sa IttM NM In der NachnckttagSverhandliung begann das Aerrgenvechör. Voryeladen sind 21 Zeugen. Besondere Heiterkeit erregte die Aussage des Zeugen Emmerich Bart, der Fuhrwerksbesitzer ist und den „Laterndllvirt" stets zu den verschiedenen Heurigen herumgeführt hat. Auf die Aufforderung des Vorsitzenden, zu sagen, lvas er bei den vevschisdenen Fahrten beobachten konnte, antwortete er: „Mer Herr Vorsitzender, das is ja unser Amtsgeheimnis!" Der Vorsitzende erklärte, daß bei aller Hochachtung für den Stand der Fiakerkutscher sie doch kein Amtsgeheimnis haben. Etwas gedämpfter erzählt dann der Zeuge, daß Kraßl immer viel getrunken und im Rausch dann , die unglaublichsten Sachen aufgsfüihrt hat. Er selbst habe einmal'von ihm eine furchtbare »Watschn* erhalten. Die übrigen Zeugen sagen ziemlich belanglos aus, auch die Kellner, die an dem Mend der 2Ät beim „Laterndlwirt" anwesend waren. Sie alle haben nur auf sich, nicht aber auf die Vorgänge im Lokal geachtet. Nach weiteren Zeugeneinvernahmen wurde die Verhandlung auf morgen vertagt. Mnalawrdvropagauda im Schanfenfter. 500 Marck Geldstrafe. Kassel, 23. Juni. (I. T. A.) Der nationalsozialistische Antiquitätenhändler v. Dolzberg stand heute vor darr Großen Schöffengericht in Kaffel unter Anklage, w«S er ein aufreizend wirkendes Bild „Die Schächtnrng ^eiligen Rudolf" aus der Dezember- Rmnmer des Illustrierten Beobachters" ausgestellt hatte, a»f dem eine Person dem Heiligen den Hals durchschneidet, während das Blut in einem Gefäß aufgefangen wird. ES handelt sich um eine Aufwärmung der alten Ritualnvordgeschichten, mit denen die Völkischen ja noch immer hausieren gehen. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldbuße von 500 Mark, die an die Stelle von acht Wochen Gefängnis treten sollte, mit der Begründung, daß durch dieses Bild, namentlich durch die Ueberschrift „Der Fudenfpöegel", eine Religionsgemeinschaft öffentlich beschimpft werde. Das Urteil schloß sich dem Anträge des Staatsanwaltes an und verfügte eine Geldstrafe von 500 Mark, Einzüchung aller Exemplare des „Illustrierten Beobachters^^ vom Dezember 1926 und Zerstörung der Druckplatten, die zur Herstellung der Bildseite gedient hatten. Der Hakenkvenzlerrmnm«! in der Kärntnerstratze vor dem Jugendgericht. Ein Nachspiel zu den letzten Hakenkreuzlerexzessen in der Karntnersträße, der dem ahnungslose Passanten von tenrschen Burschen angerempelt und beschimpft wurden, fand gestern vor dem — Jugendgericht statt. Bodo und Herbert, 17 und 18 Jahre alt, der eine em Handelsakavemiker, der andere ein Fachschüler, waren von der Wache sichergestellt worden, weil sie mit verbotenen Waffen an dem Rummel teilgenominen hatten. Natürlich verantworteten sich die beiden Helden nach bewährtem Vorbiwe mit völliger Unschuld; sie seien irrtümlich festgenommen worden. Bvdo gibt auf Befragen des Richters gu, daß ec den Aufruf im „Bolkskampf" gelesen und sich dabei gedacht habe, daß er mitbummeln gehen könnte. Dort aber will er ganz allein gegangen sein. Bor ihm gingen drei Burschen, die ein Wachmann festnahm, und dabei sei auch er aufgefordert worden, mit Mir Wache zu gehen. Bei der Polizei fand man bei ihm einen Neinen Dolch, den er, wie er angibt, immer mit fich hat, wenn er Lederhosen tragt. Der zweite Angeklagte hatte einen Schlagring und einen mit einer Gummischlinge versehenen Hackenstiel bei sich. Auch er hat den Aufruf im „aSolTITampr gelesen, ist aber nur „spazieren" gegangen. Während er bei der Polizei angegeben hatte, daß er so ausgerüstet ausgogangen sei, um im Falle eines Tumultes nicht unbewaffnet ain, sagt er nun auf eine Anfrage des Richters, daß er die en nur so mitgehabt habe und nichts Böses mit. ihnen ichtigte. Der Richter verhängte wegen Uebertretung dev gg 32 und 36 über Bodo ehre Geldstrafe von 30 Schilling, iw Nichteinbringungsfalle 24 Stunden Arrest, über Herbert eine Geldstrafe von 60 Schilling, im NichteinbringuqgSsalle. 48 Stunden Arrest, beide bedingt mit einer Bkw^rungSfrist von drei Jahren. lfil ■ ■ EEEEESEEEEEEEEEEEEE E SHe bestem E Jleuerscfkeinungen ® der modernen JÜtexatm stets vorrätig ■diülumi JOHN OALSWORTHY: Der silberne Löffel, ged...S 9 50 EDMOND FLEG: Der kleine Prophet, geb. S 8*10 MARTHA OSTENSO: Erwachen im Dunkel geb.S 11*50 TITAYNA: Rund um meinen Geliebten, geb. S 6*50 COLETTE: Mitsou, geb.S 5*50 SCHNITZLER: Spiel im Morgengrauen, geb.. .. S 9*90 GUSTAV MEYRINK: Der Engel vom westlichen Fenster, geb. , •.S 15*30 bei ÜSucftAondfuntf 02. JCötvit, Wien, I. ^«ntuvmslfoile SS IÄ E E E E E E E E E E E E E E E E E E E E E llWBiFilfS1151l¥lfB1[11Bireilllliirg1li1EEEE TOIKSWIRfSCHAFT Sie Lamahütte-Attien der Post« sparkaffe. An eine internationale Gruppe angestoßen. Die Oesterreichische Postsparkasse hat alle ihr zur Verfügung stehenden Aktien der Vereinige ten Königs- und Laurahütte durch Vermittlung der Internationalen Bank tc Amsterdam an eine internationale Gruppe verkauft. PnpMarfichere Obligationen des Kredltinftitut« für öffentliche Unternehmungen. Das Oostervmchllsche Kvedit-Jnstibut für öffontlliche UMern-ehmmugen und Arbeiten in Wien cnwttiictt gemäßheit seiner ©taitarten Obligationen (Schnid-verschreibungen) „g^pro-entige pupillarsichere GolidoMgationen, EmWon 1927", bei «denen die im Gesetze betreffend fundierte BaukschnldvevschreibuN'gLn bezvichneten VovcruIsetzungen in jedem einzelnen Falle zu-trefsen werden. Demgemäß werden d>iese stalutvngenuäß ausgegebenen Schuldverschreibungen des genannten JnstitM'tes durch Kundmachung des Fina-nAministeriums als zur fruchtbringenden Anlegung von Kaipitalien der Stiftungen, der unter öffentlicher Aufsicht stehenden Anftailten, des Postfpavlasiencrmdes, dann von Pupiillar-, Fideikommiß- und Depositengeldern und zu Dienst- und Gejchcistska'uti'onen verwendbar erklärt. Re gesetzliche Regelung der öfterrrichischeu Elektrizitätswelens. Me Bundesverfassung reiht das EleLtrizitätswesen unter jene Angelegenheiten ein, hinsichtlich derer deni Bunde die Gesetzgebung über die Grundsätze, den Bundesländern aber die Erlassung von Ausführungsgesetzen und die Vollziehung, das ist die Handhabung der Gesetze, obliegt. Da bisher das ElsktviAitätswesen ausschließlich von Bundes wegen geregelt war, ist es daher infolge Inkrafttretens der sogenannten KomipetengartiM der Bundesverfassung, in denen diese Bestimmungen enthalten sind, notwendig gelvoriden, ein solches Gr u ndsatzgese tz zu schaffen. Das Bundeslninistevimn für Handel and Verkehr, das ' sich auch bereits seit längerer Zeit mit den Vorbereitungen^ für dieses Gesetz beschäftigt, hat sich nun ' veranlaßt ge-' sehen, noch vor Ausarbeitung der Gesetzentwürse zunächst die Kompetenzgrenzen zwischen Bund und Ländern vorläufig festzulegen. Es fand zu diesem Zwecke unter Vorsitz des Bundeslninisters Dr. Schürff am 24. Juni 1927 im BundesMinisterium für Handel und Verkehr eine Konferenz stabt, in der die Sbelliungnahme der einzelnen Landesregierungen zu dem ganzen Fragenkomplex, soweit es sich um die Aufteilung des Glektvizit ätsw esens zwischen Bund und Ländern handelt, einer Beratung unterzogen wurde. Auf Grund des Ergebnisies der Besprechung wird nunmehr ein Gesetzentwurf ausgearbeitet werden, wobei das bestehende Glektrizitätswegegesetz jedenfalls die wichtigste sachliche Grundlage bilden wird. Er wird sodann den Landesregierungen und selbstverständlich auch lden wirtschaftlichen Körperschaften zur Begutachtung Mernvittelt werden. Kongreß der internationalen Handelskammer« in Stockholm. Aus Stockholm wird berichtet: Nach zwei vorbereitenden Sitzungen wurde Montag in Anwesenheit von ungefähr achthundert Teilnehmern aus 25 Staaten der Kongreß der internationalen Handelskammern eröffnet. Der Eröffnungssitzung wohnte der König von Schweden bei. Im Namen der schwedischen Regierung wurde der Kongreß vom Minister des Aeußern begrüßt. In der Eröffnungsansprache führte der Vorsitzende der internationalen Handelskammer Sir Allan Anderson u. a. aus, daß es nicht genüge, einstimmig ^Resolutionen zum Beispiel gegen die Höhe der Zollschranken in j Euwpa zu beschließen. Man müsse diesen Resolutionen auch zur Wirksamkeit verhelfen. Redner beschäftigte fich sodann insbesondere mit den Bedenken, die -teilweise gegen die von der Wirtschastskonferenz empfohlenen internationalen industriellen Zusammenschlüsse gehegt werden; er glaube, sich diesen Bedenken nicht anschließen zu können. Als neue Mitglieder der internationalen Handelskammer wurden Jugoslawien und Finnland ausgenommen. Neuerlicher starker Rückschlag der Lim. Auf den internationalen Märkten ist das spekulative Haussestadium der Lira, welches sich in der letzten Woche gezeigt hatte, durch einen neuen starken Rückgang abge'löst worden. In raschem Abwärtsgleiten ermäßigte sich der Kurs der Devise Mailand bis auf 29.75 Parität Zürich, um dann etwas gebessert mit 29.85 zu schließen. Bemerkenswert ist, daß diesmal die Devise Madrid von üm Rückgang der Lira nicht berührt wurde, im Gegenteil anzog. Sie erhöhte sich von 87.80 aus 88.40. Der ßeu steht unverändert 3.10/4. Trotz etwas abgeschwächten Dollavkurses (510.56 K) ist der Schilling mit dem Stande T&ltä unverändert geblieihen. Polens Anleihe vertagt? Warschau, 27. Juni. Dir von Ihrem Korrespondenten bereits gemeldeten (und in der Samstagnummer tviedergcgcbenon. T. Red.) Nachrichten über Schwierigkeiten der polnischen Anleiheverhandlungen finden in ausführlichen Communiques der verschiedenen offiziellen und hatbosfiziellen Tclegraphenageuturen eingehende Erörterung. Danach sind in Warschauer Fiuanzkreiseu Gerüchte verbreitet, daß im letzten Moment die Firma Blair u. Co., tvelche das amerikanische Konsortium führt, wegen der in der letzten Zeit aufgetauchten Schwierigkeiten, auf dem amerikanischen Geldmarkt Anleihen unterzubringen, eine Verlängerung der Option für drei Monate verlangt habe. Ueberdies hätten sich tvegen der Sicherstellung der Amleihe insbesondere in der Frage der Zolleinnahmen Schwierigkeiten ergeben, weshalb die ganze Frage vorläufig vertagt wurde. Tic Communiques bemerken dazu, daß offizielle Bestätigungen dieser Gerüchte bisher nicht zu erlangen seien; auch befänden sich die amerikanischen Delegierten noch in Warschau. Inzwischen aber haben diese Delegierten, wie Ihr Korrespondent erfährt, Warschau bereits verlassen und von einer Unterzeichnung des Anleihevertrages ist nichts «bekannt geworden! Die wirtschaftliche Verständigung zwischen Deutschland und Polen. Aus Warschau wird berichtet: Mit Rücksicht darauf, daß die Bestrebungen der polnischen Negierung, bezw. die Bemühungen des deutschen Gesandten in Warschau, Rauscher, die Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland wieder aufzunehmen, bisher kein konkretes "Resultat gezeitigt haben, ist in polnischen Wirtschaftskreisen' der GÄxmke aufgetaucht, zunächst zu einer Verständigung zwischen den Wirtschaftskre isen der beiden .Staaten zu gelangen. Erst nach dieser Verständigung sollen die beiden Regierungen den offiziellen Schritt zur Wiederaufnahme der Wirtschaftsverhandlungen unternehmen. Wie' Ihr Korrespondent erfährt, weiden in der nächsten Zeit nn Namen der,polnischen Wirtschaftskreise dev Vorstand der Organisation der polnisch-vberschlesischen Industriellen Ing. Geisenheimer uno der Vertreter der landwirtschaft^ lichen Kreise im Posener.Gebiet Z y ch l i n s ki mit den deutschen Wirtschaftskreisen in nähere Verbindung treten. Untee den deritschen Delegierter! steht an der Spitze Gcheimrat Castell, der rm Ncnyen des Verbandes der Reichsindu-. striellen mit einigen Delegierten die 'Verhandlungen führen soll. Eine obcrösterrvichischo 5-Millionen-Dollar-Anleihe. Die oberösterreichische Landesregierung gibt bekannt, daß ans Grund des Landtagsbeschlusses vom 6. Mai 1027 die Landesregierung mit der Firma B l y t h, Witter & C o.. New Dort, einer Vertrag abgeschlossen hat, wonach Blytb, Witter L Co. in den ersten Tagen dieser Woche in New yoxit Nominale 5,000.000 Dollar oberösterrerchische Landesanleihe zur öffentlichen Snb» fkription auflegt. Me Obligationen werden mit 6.0 Prozent verzins^ haben eine 30jäihrige Lausize:t und werden dem Publikum mit 93.75 Prozent angeboten. Die Internationale DonaukomMsfion, die ihre Tagung gegenwärtig in Prag abhält, hat bereits einen großen Teil ihres Verhandlungsprogramms absolviert. Insbesondere wurden die Arbeitsprogramme der einzelnen Userstaaten für 1927/1928 in bezug auf Echaltung und Verbesserrmg des Wasserweges überprüft und angenommen. Dre über den Hrlfs schleppdien st im Eisernen Tor im Zuge befindlichen Untersuchungen wurden geprüft und für ihre Fortsetzung Direktiven ausgegeben. Schließlich wurden Spezialbestimmungen für die Schiffahrt rm Eisernen Tor in erster Lesung durchberaten. Ferner hat die Kommission allgemeine Schiffahrtsfragen erörtert, hauptsächlich die von Jugoflawien eingehobenen . Abgaben für binnenlättdische Transporte, und eine Revision des gegenwärtigen Tarifs im Sektor der Stromschuellen imo des Eisernen Tores in Erwägung gezogen. Im Schlußteil ihrer Beratungen wird sich die Kommission mit administrativen Angelegenheiten befassen und ihre Uebersiedlung von Preßburg nach Wien, die im September vollzogen werden soll, im Detail festlegen. Tie Beratungen der Kommission sollen am 30. Juni beendet werden. Insolvenzen. Der Konkurs wurde eröffnet über: Niederösterreichische Ouarz- und Erzprodukien-Ges. m. b. H. in Lignidation, Wien, 1. Bez., Mn Hof 3; Marko Steiner, Handel mit Eisen- und Metallivaren sowie techn. Bedavfsarbiieln, Wien, 12. Bez., Rechte WienzeLle Nr. 251; I. Ro'chberg & L. Halperson, Wien, 14. Bez., Beckmanngasse 52. — Das gerichtliche Ausgleichsverfahren wurde eröffnet gegen: I n t e r n a t: o n a l e Spielkartenfabrik A. G., Wien, 17. Bez., Durauergasse 18 (Aktiven 56.102 S., Passiven 114.027 S., Anbot 35 Prozent in zehn Monatsraten); Theodor Te i ch i n e r, Gemischtwaren- Handel/ Wien, 1. Bez., Salzgries 10 (Aktiven 75.000 S., Passiven 140.000 S.. Anbot 35 Prozent in zehn Monatsraten). Wie aus Prag gemeldet w*ad, hat das dortige Handelsgericht >den Ausgleich der Papierfirma Leop. Wiener, Wien-Prag (Quote 35 Prozent) anaokündigt. Nach durchgeführter Genehmigmdg in Wien tritt der Nlsgleich in Kraft. Internationaler Kongreß für Versicherungswisfenschast. In London findet in der Zeit vom 37. bis 30. d. M. ein internationaler Kongreß für Berficherungsnässenschafi statt. Auf der Tagesordnung des Kongresses stehen folgende Gegenständer 1. Die neuere Entwicklung auf dem Gebiet der Bolksversicherung; 2. Versicherungslefftungen für den Fall der Erwerbsunfähigkeit bei Lebensversicherungsverträgen; 3. Gruppenversicherung (das ist die in Amerlta und zum Teil auch in England in den letzten Jahren sehr verbreitete Kollektivversicherung von Angestellten und Arbeitern, die insbesondere in den Bereinigten Staaten einen anlehnlichen Teil der Aufgaben der Soziakberftcherung erfüllt); 4. die Entivicklung uno die Technik der verschie-

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