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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-28 · Heft 2993 (28.6.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2993 (28.6.1927)
Date
1927-06-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seide 4 Wien, Dienskng WLeaer Mvrgenzettung 28. Ju«K 1827 Nr. 2993 tcte dort tc; Steuerbote mit der Luffo-rdernng, sofort die Steuer , für dos Einkommen von 60.000 Francs zu entrichten, widrigen.- falls Pfändung. Und hier wartet ein dritter Prozeß, denn das Stcueramt ist moralisch, interessiert sich nicht für Mätressen und ihre Einkünfte, hält sich an die gesetzlich angetrant« Gattin. Wer die Gepflogenheiten der französischen Justiz kennt, darf beruhigt sein, daß die drei Prozesse noch viele Jahre lang die ('Berichte beschäftigen und am Ende weder Frau noch Freundin cNvas von den« Nachlaß haben werden, der in Expensaren und Gerichtsgebühren sich verpflüchtigen wird. Woraus man ersieht, wie vielerlei Moral in solch einer unmoralischen Pariser Geschichte stecken kann: gegen Ehebruch, gogeu iBersicherungsgesell-- schäften, gegen Autofahren und gegen Prozesse. Wien, 28. Juni. lrmer „Triton"! Das Schiff im Donaukanal bei der Aiarienbrücke hat noch immer ein Leck. Por Jahresfrist versuchte einer damit in den Hafen des Gastgewerbes einzulaufen. „Triton" geriet aber im vorigen Sommer unseres Mißvergnügens in den Strudel der Jnsolvenzwelle und erlitt Schiffbruch. Gestern hätte die Versteigerung des Schiffes erfolgen sollen, das samt Inventar behördlich genau auf 28.470 Schilling geschäht wurde. Mit 10.000 Schilling wurde düs geringste Anbot festgesetzt. Gegenwärtig würden die Herstellungskosten „Tritons" ungefähr zwei Milliarden betragen. Es hatten sich zwei Dutzend Interessenten eingefunoen, die sich jedoch sehr reserviert hielten. Die Aussicht vom Teck des Schiffes ist ja ganz romantisch (überhaupt auf die lebensgefährlichen Türen der am „jenseitigen" Ufer befindlichen Stadtbahnstatiou). Aber die Frage der erlaubten „Nahrungs- und Genufnnittel" bildete eine schivere * Hürde. Konzessioniertes Gewerbe, das ist hier ein mysteriöses Labyrinth von komplizierten Jrraüngen. Lnm Wiener Schnitzel darf man wohl gleich Spersesoda verabreichen, aber meistens keinen Mokka, wenn es eben der Magistrat ine Genossenschaft, die Konkurrenz usw. nicht wollen. Die Versteigerung blieb also vorderhand ergebnislos, da kein Anbot gemacht wurde. Das gezeigte .Interesse der Anwesenden, die mannigfache Projekte äußerten, laßt aber hassen, daß „Triton" bald nneder flottgemacht werden wirb. Ali. TaS Wetter. Gestern nachmittags hat plötzlich ein Wettersturz eingesetzt. Die Westluft erwies sich als stärker und hat die Südostströmung, die uns einige Tage lang sehr schönes heiteres Wetter gebracht hatte, verdrängt. Nach der Vorhersage bleibt das Wetter zunächst veränderlich, zeitweise regnerisch, kühler. Morgen WerttagSsahrpreis auf der Straßenbahn. Aus den städtischen Straßenbahnen und aus der Wiener elektrischen Stadtbahn gilt am Mittwoch (Feiertag) der Werktagsfahrpreis. Es können deshalb an diesem Tag die Arveitslosenfahrscheine, Frühsahrscheine, Hin- und Rücksahrscheine, Wochenkarten und Fürforgesahrhcheine verwendet werden. Zrver Kindesleichen gesunden. Im Hofe des Hauses Schüttelstraße 3 fand der Stallmeister Karl Martineh die Leiche eines neugeborenen Mädchens. Sie war in weißes Packpapier gehüllt und mit einer Rebschnur zugeschnürt. Die Erhebungen sind eingeleitet. — Der Pensionist Franz Kroitmaier fand gestern unter einem Holzstoß nächst dem Döblinger Steg die Leiche eines neugeborenen Mädchens, die in braunes Packpapier gewickelt war. Da in beiden Fällen der Verdacht eines Kindesinordes besteht, wurde die gerichtliche Oeffnung der Leichen beantragt. KLUB RADIKALER ZIONISTEN. Mittwoch, den 29. Juni 1927, um halb 9 Uhr abends, Im Caf£ Atlashof, l., Aspernplatz (Klublokad) Xtubvewsammtung Gegenstand: Herzl als Judenstaatler Referent: Df. N. BL Oelber Freie Aussprache Gäste willkommen BerschnMndeire Eltern. Samstag früh hat, wie aus Linz gemeldet wird das Ehepaar R i ch s f e l d in Julbach unweit der baherischeu Grenze im Mühlviertel plötzlich seine Wohnung verlaßen und ist seither verschwunden. In der unversperrten Wohnung blieben drei Kinder im Alter von vier Wochen, eineinhalb und zweieinhalb Jahren allein zurück. Auf das Schreien der Kinder aufmerksam geworden, eilten Ortsbewohner herbei, die die kleinen Kinder weinend in den Betten liegend, über und Wer mit Schmutz bedeckt, vorfanden. Die Wiener Trafiken am Mittwoch. Wie vom Reichsverband der Landestrasikantenvereine Oesterreichs mitgeteilt wird, müssen die Wiener Trastken am Mittwoch, den 29. d. M. (Feiertag), bis 12 Uhr mittags offen gehalten werden. Längeres Offenhalten ist erlaubt. Schülerkarte» für die Straßenbahn. Die Stratzenbahndirektion macht darauf aufmerksaan, daß die Ansuchen um Schülecsahrtbegünstigungen für das kommende Schuljahr schon jetzt einzubringen sind. Schwerer Unfan im Ostbahnhof. Im Ostbahnhof hat sich gestern vormittags ein furchtbarer Unfall ereignet. Der in Bruck-Neudorf ansässige Oberrevident der Ostbahn Andreas Huber ging entlang des Geleises der Ostbahn, als ein Zug ihm entgeaenkam. Er wollte dein Zug ausweichen, harte aber das Unglück, über eine Schotterarube zu straucheln. Er fiel auf das Geleise und die Räder eines Waggons gingen über ihn hinweg. Dem Beamten wurden beide Unterschenkel abgefahren. Die Rettungsgesellschast verband den lebens-?efährlich Verletzten und brachte ihn in das Wiedner Kranenhaus. Ein mißglückter Fluchtversuch aus dem Landesgericht. Der 24jährige Schlossergehilse Rudolf Wagner, eines der Hauptmitglieder der Bande der Kasseneinbrecher vom Franz Josephs-Spital, ist Sonntag nachts aus dem Landesgericht ausgebrochen und geflüchtet. Tie Polizei konnte den Mann in der Alserstraße wieder verhaften und dem Landesgericht einliefern. Ern berüchtigter Taschendieb. Der Innsbrucker Polizei ist es gelungen, den internationalen berüchtigten Taschendieb Dimitrh Schewtschenko aus Charkow in der Ukraine zu verhaften. I» schwere Not gerate». Nn blinder jüdischer Handwerker, der einen Unfall erlitten hat, ist augenblicklich in eine sehr schwere materielle Notlage geraten, zumal es ihm an den nötigen Instrumenten zur Ausübung seines Berufes mangelt. Name und Adresse des sehr würdigen, berufstüchtigen Mannes sind uns bekannt. Wir sind bereit, Spenden entgegenzunehmen und weiterzuleiten. Ae Paulinenhöhle bei Türnitz. Sonntag wurde die Paulineuhöhle M Mrnitz eMnet. Der Markt Türnitz hat durch pu Eröffnung dieser neuen SchcmMe einen besonderen Anziehungspunkt gewonnen. Die Pcuclrnrnhöhle liegt an der Ostseite des Klausberges, südweMch Um Türnitz, und ist in dreiviertel Stunden vorn Bahnhöfe bequem zu erreichen. Die Höhle ist ein vom Wasser erweitertes Kluftwsbem. In einer Entfernung von ungefähr 20 Metern vom Eingänge wurden in einer Tiefe von pruern halben Meter Höhlenbürenknochen gefunden. In ungemein großer Zahl fanden sich in dem in die Höhle fühverwen Gange auch Höhlenspinnen. Wenn man weiter in die 'Höhle eindringt, zeigen sich an der Decke und an den Wänden BergmilchablA« gerungen, auch Perlsinterbildungen treten auf, schließlich findet man die ersten Tropfsteine. Der Hanptmrng mündet dann in den prächtigen Kreuzdorn, dessen Wände schneeweißem, manchmal abenteuerlich geformten Bergmilchüberzug bedeckt sind. An mehreren Perlsinterbildungen vorbei, erreicht man die T r ü m m e r h a l l e, deren Decke von ringeklemmten Riesenblöcken gebildet wird. Beim Wettergehvn erregt ein schöner Kaskadenfall und noch einige Schritte weiter ein von unzähligen Sünlchen gebildetes „Türkisches ZeHt" vollste Bewunderung. E Vorsicht! Bevor Sie in d:e Sommerfrische gehen, komplettieren Sie Ihre Garderobe. Die bekannten zwei Seidenhäuser S. W.lkheim, 1. Bez., Tuchlauben 8, und 1. Bez., Bauernmarkt 2 a bieten Ihnen hervlich-schöne Seidenstoffe in prima Qualität bei enormer Auswahl. zu fabelhaft billigen Preisen. Seidenfoulard, hübsche Dessins, von S. 5.90, Honan Shantung S. 4M, Prima Rohse.de S. 4.80. Japan Pongis, alle Farben, S. 2.90, Amerik. Waschseiiden-Marokains S. 3.90, Kleider, Alpaka-Seide, S. 4.80 ferner Crepe de Chine, Georgette, Mongvl, Crepe Sabin, in allen erdenklichen Farben, zu den allerhilligisten Engros-Preisin. Besuchen S:e uns mit) Sie werden von unserer Leistungsfähigkeit überzeugt sein. E Bei Verdauungsstörungen, Magenweh, Sodbrennen, ^Uebel« leiten, Kopfschmerzen, Augenflimmern, Nervenreizungen. Schlaflosigkeit, SchwächezuistüNden, Arbeitsunlust bewirkt das natürliche „Franz-Josef"-Bitterwasser Offenen Leib und erle'.chdevt den Blutkreislauf. Versuche in den Universitätskliniken ergaben, daß Mkoholliker, vre an Magenkatavvh litten, durch das altbewährte Franz-Jofef-Wasser ihre Eßlust in kurzer Zelt wiederfanden. Es ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. E Teppich-klusbenrahrimg, MÄbeleinlagerung, Belehnungen, Lüfbsth'.tz A. &■, XXI., Mag>deburgstraße 71-, Tel. 49-5-82. E Harrdelslehnmstalte» des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft. Wiener Handelsakademie, I., Ma'demiestraße 12: vierjährige Handelsakademie für Knaben. Abitur'.entenkurse und einjÄhrige Fachkurse für Herren und Damen. — Handelsakademie für Mädchen, IL, Hollandstraße 4: vierjährige Handelsakademie, zweiklässige Handelsschule und einjähriger Fachkurs für Mädchen. — Grem ■: a lakademie, III., Este platz 2: vierjährige Handelsakademie für Knaben, zweiklassige Handelsschule für Knaben und für Mädchen, einähriger Fachkurs für Dcädchen. — Neue Wiener Handelsakademie. VIII., Hamerlingplatz 5/6: vievklasiige Handelsakademie für Knaben und -für Mädchen, Miturientenkurse und einjährige Fachkurse für Harren und Damen, zweiklassige Handelsschule für Knaben und für Mädchen, einjährige Fachkurse für Mädchen. — Einschreibungen täglich van 9 bis 12 Uhr. e Post nach Polen befördern Sie am sichersten und schnellsten als Ln ftp-ost. Ein Brief kostet 60 Groschen. Die Luftpost kann bei allen Postämtern und am Abflugtage bis 7.20 früh beim Hauptpostamte aufgegcben werden. Bisher 305.000 Briefe befördert. klamiert, wir seien hundertprozentiger Orient, unsere europäischen oder amerikanischen Sitten seien ein Mißverständnis und der Zionismus bedeute die Rückkehr des orientälisichen Stammes der Juden zu orientalischen Lebensformen — „natürlich mit gewissen Korrektiven". 3. Um ehrlich zu sein — ich fürchte: die „gewissen Korrektiven" werden die ganze schöne Theorie umbringen. Ich bin kern Orientkenner, bloß ein Beobachter, der einige Jahre in Ko-nstantnropet, Aegypten und Palästina gelebt hat, Zeitungen und dann und wann auch Bücher liest; aber ich glaube, zu erkennen, worin die .^Korrektiven" bestehen, mit denen verschriene Orientvölker in der letzten ’Öeit ihre Existenz zsu verbessern versuchen. Ihr staatliches Leben verbessern sie dadurch, daß sie Parlamente und verantwortliche Regierungen einsühren, die Monarchie abschaffen, die Trennung von Staat und Kirche durchführen, das heißt den Okzident zur Gänze kopieren. Ebenso steht es mit ihrem sozialen Leben: sie ziehen den Schleier von den Gefühlen der Frquen, schaffen den Harem ab, ebenso die unbeschränkte Macht des Vaters über seine Kinder, das Strafrecht des Lehrherrn über den Lehrling, und tragen europäische Hosen und Hüte. Dasselbe geschieht auf dem eigentlichen Gebiet der Kultur: sie errichten europäisierte Universitäten, wo mehr über Kant und Darwin gelehrt wird als Eber Buddha und Confucrns, sie lesen viel mehr Uebersetzungen Shakespeares, Zvlas und Tolstois als ihre eigenen Klassiker. Ich möchte richtig verstanden werden: ich glaube an frfc Ewigkeit nationaler Individualitäten, also auch an Ae indische, arabische und chinesische Eigenart. Doch zu- Aächst ist noch die Frage, ob man sie alle unter dem Namen „Orient" vereinigen kann. Ein wolhynischer Bauer ist natürlich überzeugt, daß alle Neger ein GesiO haben — doch das» ist ein Irrtum. Ich sehe nicht, worin ein arabischer Bauer in Tripolis einem japanischen Bauern ähnlicher ist als einem irischen in den „wilden" Gebieten von Westirland; beiderseits ist die Distanz in Temperament, Lebensauffassung, Religion, Arbeitsmethoden mehr oder weniger die gleiche. Zweitens aber — und hauptsächlichst — haben wir, glaube ich, schon genug L)eit gehabt, um die Wahrheit zu erkennen, daß nationale Individualität zu 99 Prozent in der Verschiedenheit von Formen und nur zu etwa ein Prozent in der Verschiedenheit des Inhalts ihrer Kultur besaht. Man spricht, man denkt anders, in anderen Verschnörkelungen, doch der Grundgedanke ist immer derselbe, wenn auch der eins der beiden Nachbarn zivilisierter ist. Denn es kan» keine wichtigen fundamentalen Verschiedenheiten geben. Das hindert aber nicht daran, daß die «Achtbarkeit des nationalen Charakters unberührt bleibt. So dürfte es sich, .glaube ich, auch mit allen Orientvölkern verhalten. Ihre Volkseigentünrlichkeitcn werden bleiben, aber gerade das „orientalische" Element in ihnen wird und nruß verschwinden. Und je schneller -es verschwindet, desto besser — .für sie selbst. Demi die wichtigste Wahrheit in der ganzen Diskussion liegt dann, daß das sogenannte orientalische Element im Leben dieser zurückgebliebenen Völker durchaus kein spezifisches Produkt des Orients ist. Ailles, was man als orientalische Eigenart" zu bezeichnen liebt — Quietismus, Fatalismus, die Geduld, welche alles Ungemach gelassen als gegeben entgegemrimmt, und nicht an Weltverbesserung durch Wschütteln der Tradition denkt, die Despotie -es Vaters, oes Lehrherrn, 'des Scheichs, des Sultans, auch die weichen .-väterlichen" Formen, die sie vielfach, annimmt, das charakteristische Verhältnis zur Frau, das Hinn Haremwesen führt, die Abneigung gegen freie Forschung, gegen Kritik — das alles ist noch kein Monopol des Orients. Europa hat das alles durchgemacht, in fast den gleichen -(Formen einschließlich des Harems. Wann? Im Mittelalter. Da.liegt eben der Hund begraben: fasst alle Lebensformen, welche heute den Orient in seinen wichtigsten.Daseinserscheinungen von: 'Okzident unterscheiden, gehören gar mcht seiner Volksseele an, sondern einer gewissen Stufe der Entwicklung aller Völker. Das, was man „Orient" im kultivierten Sinne nennt, ist nichts anderes als verfallenes Mittelalter. Beginnt man sich vom Mittelalter zu befreien, so geschieht das, was wir in der Türkei jetzt sehen: man befreit sich vom „Orient". Die ,Arabeske ist dadurch entstanden, baß der Koran verbietet, Bilder zu zeichnen, welche wirkliche Gegenstände darstellen; das Verbot bezieht sich nicht mir aiff die Darstellung eines Menschen, sondern aiwT) zum Beispiel einer Katze oder eines Tisches. Deshalb beschränkte inan sich auf das Zeichnen von Ornamenten, in denen keine Katze und kein Tisch zu erkennen sind. Das bedeutet, daß die Arabeske keim sebständige, besondere Äünstauffassung darstellt, sie ist vielmehr nichts anderes als unterentwickelte Knust und verhält sich zu ihr nrie ein Embryo von drei Monaten zu einem vollentwickelten Neugeborenen. Gibt man ihr die Möglichkeit, sich 511 entwickeln, so wird aus ihr ein Mid wie Äle anderen werden, .realistisch oder expressionistisch oder kubistisch — doch von Her ,,'Arabesk-" "wird nichts übrig bleiben. -4. Wir Juden, sowohl die, welche!'in 'Eurvpcn ooer UMemka bleiben, als auch die, ,welche nach Palästina gehen, haben mst dem „Orient" nichts' 'zu tun, vielleicht noch viel weniger als eine Reihe anderer europäischer Völker. Daß wir aus Asiei) stanunen, ist feilt Argument. Mitteleuropa ist voll von Nassen, die ebenfalls' aus Äsien gekomnren sind, sogar viel später als wir. Die ganze aschkenasische Judmheit Und mehr als die Hälfte.der sephardischen hat fast zweitausend Jahre Europa hinter sich; das reicht wohl für die geistige Naturalisaiton einigermaßen aus. Noch wichtiger aber ist eine andere 'Seite der 'Frager Wir Juden haben nicht nur durch eine lange Reihe von Generationen in Europa gelebt, nicht bloß von Europa gelernt; sondern wir Juden 'sind eines jener Völker, welche die europäische Zivilisation gsschaffen haben, und zwar etnc's her wichtigsten. Wir haben die westliche Kultur auf drei Müen schaffen geholfen: erstens durch unsere religiöse Ethik, ans der Europa die Grundlage seines religiösen Bewußtseins geyracht hat und -deren 'Fundament in der Mlffassung liegt, daß die bestehende Gesellschaftsordnung ungerecht und nicht gotteswürdig ist, weshalb die Menschen sie stets verbessern, stets zur Erhebimg dieser Welt streben müssen. Zweitens haben wir die moderne Kultur dadurch schaffeir geholfen, daß wir unsere bekcmnte Rolle in der Einführung jenes Weltverkehrs und jenes Weltcmstausches der Produkte gespielt haben, ohne den die Erde noch heute wi^ ein Dorf aussähe. Drittens haben wir in den letzten achthundert Jahren, das heißt seit dem ersten Morgenstrahl des eurvpciiscben Ertvachens aus dein -'Schuss des frühen Mittelalters, unzählige Einzelkräfte für jedes Gebiet der europäischen Wissenschaft, Philosophie, Literatur, Technik, Kunst und Staatskunst, geliefert; einige -von ihnen waren Führer, einige bahnbrechende Initiatoren, andere — einfach^ Offiziere oder Soldaten; iöurde man ffi« alle aüfzählen und wägen, so entstünde die Frage, ob es trt Europa viele Nationen uLt solcher Spitzenleistimg Wbt. Die geistige Atmosphäre sLuropas ist die unsere, ebenso unsere eigene wie für den »Deutschen, den Engländer, den 'Italiener nssd Französin: als genteinsames Mgentum. And m Palästina wollen wir eben dieses unser Schassen fortsitzen — in Unseren! ^lgen^n nakionalen Formen, aber im Inhalt gleich. Max Nvrdcku.Gkt dies einmal schön und ''"ffend formuliert r „Mr gehen narb Palästina, um di-? - )cn Grenzen Europas M an Euphrat zu verst'? ' ...;.u

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