Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2990 (25.6.1927)
- Date
- 1927-06-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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f? "ae^’ MM'MKKMkM'LMF"'4"AM'- DIE JÜDISCHE WELT (MITTEILUNGEN DES ZIONISTISCHEN LANDESKOMITEES FÜR ÖSTERREICH) ERSCHEINT JEDEN FREITAG IN DER „WIENER MORGENZEITUNG“ NUMMER 1 Sum Geleit. VmrM haben die Zionisten Oesterreichs dke Herausgabe oi«er cigcnm Publikation golvünfcht, wslche der Erörterung ihrer Part-eifuagea und der Jnfornration über die Vorgänge in der Partei dienen soll. Dank dein Entgegenkormnen der „Wiener Movgenzeitung" ist es numnehr gelungen, diesen Wltnsch zu verwirklichon. „Die jüdische Welt", die heute zum erstenmal erscheint, soll der Ort fein, wo die Zionisten Oesterreichs alle das Parteileben und die Entwicklung des Zionistischen Gedankens in Oestvroeich betreffenden Mtteilnngen finden; aber es soll sich nicht bloß um eure Art von Amtsblatt handeln, in dem eine Behörde Ereignisse, Vorfälle imd Kundnmchungen zur Kenntnis bringt, Anordnungen trifft und Berovdnungm publiziert, sondern um mehr: Die Zionisten Oesterreichs selbst in ihrer Gesamtheit, ür allen Schattiorirngen und Schichtungen des woitveichenden zionistifcheir Gedankens sollen durch die „Jüdische Welt" die Mögl'rchkeiit haben, die Probleme deö Zionismus in Oesterreich anfzurollen, um gewissermaßen selbst 24. SlWAN 5687 den Puls des zionistischen Lebens ständig fühlen zu könwen. Solche Möglichkeit schafft mit eine Grundlage für den festen Kontakt der zionistischen Gruppen und Verbände, den die österreichische, wie jede Organisation braucht, um die Arbeit zu leisten, die nottut: Die organische Durchdringung der jüdischen Individuen mit der zionistischen Idee. So rufen wir denn alle Zionisten Oesterreichs zur Mitarbeit auf. „Die jüdische Walt" soll der Breimpunkt für das zionistische Leven und Denken in Oesterreich werden und der Spiegel einer stetigen Entwicklung der zionistischen Arbeit. Je besser d«fe zionistische Arbeit fortfchveitet, desto stärker muß naturgemäß das Interesse an düefer publizistischer Tribüne der Zionisten Oesterreichs worden. Die Stärke dieses Interesses wiederum wird ein Gvad- 'Messer für die Intensität unserer Arbeit sein. Je mehr Inhalt „Die jüdische Welt" hat, desto mehr Kraft wird rmskeve Bewegnng haben. DaS zionistische Landeskomitee für . Oesterreich. 24. JUNI 1927 Pflichterfüllung geweihtes Leben. An einem meßbaren und kontrollierbaren Werk soll die Richtigkeit der Behauptung erwiesen werden, daß, der Zionismus diel Lösung der Judenfrage in ihrem eigentlichen Sinne ist. Wir halten es für einen Fortschritt, daß wir endlich soweit gekommen sind, um uns an realen Aufgaben die Zähne ausb rechen zu können. Daher kann die letzte Sitzung des Mionskomitees einen wichtigen Schritt nach vorwärts bedeuten. Die Exekutive spricht in ihrer Kundgebung von „fundamental neuen Methoden". Wir finden dieses durchaus nicht eindeutige Wort nicht gerade glüMch Für uns handelt es sich nicht darum, eine Kursänderung derart vorzunehmen, daß etwa, wie manche wollennumnehr die landwirtschaftliche Kolonisation in die zweite Reihegestellt wird oder daß wir uns der Kampagne gegen die Arbeiterschaft und ihr soziales Leben anschließen wollen. Wir sind im Gegenteil fest entschlossen, die Priorität der für die Befestigung unserer landwirtschaftlichen Siedlungen notwen- ^digen Mittel anzuerkennen, auch wenn dies naturgemäß zu einer auech von uns beklagten Einschränkung auf anderen Gebieten führt. Unsere Stellung war unbeeinflußt von irgendwelchen taktischen Rücksichten. Wir wollen die Konsolidierung unserer Wirtschaft in allen ihren Teilen. Wir verlangen im gegenwärtigen Stadium eine ernsthafte Reform der Wirtschaft und Verwaltung in En ihren Teilen. . Der Kongreß hat dem Plan Dr. Weizrnanns auf Erweiterung der Jewijh Agency seine Zustimmung gegeben. Wie auch immer Zionisten zu der Frage an sich stehen, es liegt eine bindende Entscheidung der Majorität des Kongresses vor, der alle Zionisten.sich zu fügen haben, und es gibt eine auf die Durchführung dieses KongrHjbe'' schluffes gerichtete Arbeit. In jädem Falle muß die zionistische Organisation als ein starker .verhandlungsfähiger Partner auftveten. Es könnte sonst leicht so kommen, daß der durch Kongreßbeschluß, gedeckte Führer der Organisation allein Entscheidungen treffen muß, weil die Organisation nichts getan hat, um ihren Einfluß auf die Gestaltung der Kooperation auszuüben. Das Verständnis für eine positive und verantwortungsvolle' Opposition ist bei uns noch außerordentlich wenig entwickelt, Es gibt unseres Erachtens keinen Grund, der politischen Leitung unsere Unterstützung zu versagen. Die Leitung trifft uur das Verschulden, daß sie die zionistische Welt viel zu wenig über die politischen Fortschritte dev letzten Zeit informiert hat. Gewiß gibt es noch viele unerfüllte zionistische Wünsche. Mer die Tatsache ihrer Nichterfüllung beruht nicht auf einem Mangel des politischen Systems der Exekutive, sondern auf Faktoren,.über die wir keine Macht haben. In Wahrheit stellt sich heraus/ daß. eine starke Spannung zwischen unserer Politik und unserer Wirtschaft besteht, daß unsere Wirtschaft nicht in der Lage ist, mit der politischen Arbeit Schritt zu halten, und daß unsere politische Arbeit aufs schwerste duvh die mangelnde Liquidität unserer Institutionen beeinträchtig wird. , V ,Auf uns liegt heute die Verantwortung, für das Schicksal Palästinas. Wir haben die Verwirklichung des Baseler Programms in jedem Stadium zionistischer Entwicklung zu garantieren. Die Palästiuawirtschast befindet sich m großen Schwierigkeiten. Wir müssen Herren der Situation werden. Unsere Machtmittel reichen aus, um alles, was wir geschaffen haben, auch zu einem guten Ende durchzuführen. Es bedarf aber einer durchgreifenden Reformarbait. Jck>e Be^ögerung bringt unheilvolle Folgen für die Fortführung unseres Werkes. Unsere Parole ist daher klar: Durchführung der Beschaffe des Aktionskomitees, Schaffung einer starken einheitlichen, mit Autorität ausgöftatitetdn wirtschaftlichen Leitung- Priorität der landwirtschaftlichen Kolonisation, insbesondere des PflanzerchaueS, zur Lösung der Arbeiterfrage Schaffung von Sö^noth-Owdim- Förderung eines leistungsfähigen Unternehmertums durch öffentliche Mittel, in erster Linie Unterstützung von Pflanzern, Beseitigung der separatistischen Tonden-en einzelner Institutionen. Ar-ak erütt&autn, einer der tzervorrageirdsten Vertreter der rMkalen ZioniM bespricht in der Warschauer Zeitschrift „Zionistische Blätter" die Kongreßfragen und schreibt dort u. u.: „Womit famnt Dr. Wvizmanu und die AMttvh zum' Kongreß?" , In der Mgench-Fvage — mit einer Kommission, die die Kolvnisationsmöglichkeiten erforschen Und einen Kvlmfssationsplan ausarbeiten soll, auf dessen Grundlage die Agency gebildet werden fotf. Dies ist das einzige Resultat txs vievjährigen Verhandlungen. Um dieses Resultat zu ernrichen, hat Dr. Weizmamr einen Schritt tun müssen, der nicht sei« neSgftichen. hat in per Geschichte des Zionismus: eine gqvD VON ÄL;i»» Baseler Kongreß. Hütet e«ch vor falscher Kongreßresorm! Jn^m-er wieder erh-eben sich in den letzten Jahren vor den Zionistenikongressen Stimmen, die einer Kongreßresorm das.Wort reden. Auch jetzt werden Reformvorschlägegemacht,, die alle, davon ausgehen, daß der Kongreß die ihm gesetzten parlamentarischen Aufgaben 'nicht oder.nur unvollkommen erfüllen kann; es wird unter anderem vorgeschlckgen, dem Kongreß das Budgetrecht zu nehmen und es dem. Aktionskomitee zu übertragen, das in feinär Zusammensetzung dem Kongreß entspricht; der Kongreß möge dem Wimlskomitee.yur.^en . Budgetrahmen vorschreMn^, Ferner -wurde angeregt, das Wahlrecht cchzüändern,' indem nicht nur den.Schekelzahlern, sondern auch den Keren-Hnjessod-Zeichnern Stimmrecht gegeben wird; es wird .auch 'jrür Verlängerung der Kongreßdauer auf mindestens vier Wochen plädiert u. dgl. Men diesen. Vorschlägen ist gemeinsam, daß sie -darauf hinzielen, den parlamentarischen Charakter des Kongresses ei-nzuschränken und feine repräsentative. Seite stärker hevvortreten zu lassen, von der Erfahrung der letzten Jahre ausgehend, daß sich der Kongreß angeblich als schwerfälliges.parlamentarisches Instrument erwiesen habe, wohl auch nicht unbeeinflußt von der in einem großen Teil der Welt gegenwärtig, herrschenden Parlamentsmüdigkeit. Richtig ist an allen Argumenten für eine Kongreßreform nur' das eine, daß ein .Parlament, das des staatlichen Rahmens 'entbehrt und eine beschränkte Funktionsdauer hat, unter viel größeren Schwierigkeiten arbeiten muß als die landläufigen gesetzgebenden Körperschaften in aller Welt. Unrichtig aber ist die Schlußfolgerung, daß deshalb, der parlamentarische Charakter des Kongresses möglichst einzuschränken sei. Die' natürliche Folge der oben erwähnten Schwierigkeit kann nur sein, daß unser zionistisches Parlament in seiner Zusammensetzung und seinen Arbeitsmethoden den gegebenen (sagen wir: abnormalen) Verhältnissen angepaßt werde. Denn den demokratisch-parlamentarischen Charakter des Kongresses können , und dürfen wir nicht drosseln, , weil der Zionismus seinen Anspruch, jüdische Volksbewegung zu sein und seine- Arbeitsmethoden. durch die WillenÄildung der Masse, bestimmen zu lassen, nicht aufgeben darf. Nehmen wir zum Beispiel das Budgetrecht dem Kongreß und übertragen-es einer Körperschaft,' die, mag sie in ihrer Struktur dem Kongreß noch so ähnlich sein, doch nur ein Ausschuß ist, so bekommt unser Budget eine Art Kurätoriumscharakter, nach der gerade von uns stets abgelohnten Art aller Hiffs- und Fürsorgeinstitutionen. Und. der Zionismus ist — man muß es drei- und mehrmal sagen — keine Hilfs- und Fürsorgeinstitution, mag auch die Methode unserer Propaganda in der letzten 'Zeit, sich solchem „Ideal" bedenklich genähert haben. Aus all dem folgt, daß wir an den normativen parlamentarischen Grundlagen unserer Kongresse mit aller Macht seschalten müssen: es sind nur einige Formen abänderungSbedürftig. Aus eine sei hier hingewiesen, weil sie anscheinend die Arbeit des Kongresses mit am meisten beschwert: in der Zusammensetzung der Arbeitsorgane des Kongresses kreuzen sich zwei Prinzipien, das territoriale und das. Parteiprinzip. Das territoriale ist aus den Anfängen der Bewegung überkommen, da es gewissermaßen ein« zionistische Differenzierung noch nicht gab, das Parteiprinzip hat sich im Lause der Zeit neben dem territorialen entwickelt und seine Spechte geltend gemacht, doch zu einem einheitlichen Prinzip ist es bisher nicht gekommen. Daraus ergibt sich zum großen Teil, daß wir zu große, zu schwerfällige, zu reich gruppierte Kongresse und Kongreßorgane haben.' Hier setze man den Hebel an, schon bei der Wahlordnung (die eine Mandatszuteilung auf Grund der von den Parteien in der gqnzen Welt aufgebrachten Stimmen vorsehcn soll), dann naturgemäß bei der Zusammensetzung der Ausschüsse und Kommissionen, die dadurch viel .beweglicher und aktiver werden-würden. Mit Reformen kann man nie voxsichtig genug sein; sie dürfen nie dort ansetzen, wo lebenswichtige Teile des Organismus getroffen werden! Das ganze Problem der 'Kongreßreform steht — und das ist der Kernpunkt der Frage — im Zusammenhang mit der Stellung zur Organisation.-Soll die Organisation wirklich der Träger der Idee sein, dann ist die Stellung zu den Ausgaben des Kongresses -klar gegeben: dann muß der Kongreß die stärkste parlamentarische Tribüne für die .zionistische Bewegung sein und bleiben. Dient aber die Organisation nur der Ausbringung der materiellen Mittel, dann wird d-em Kongreß nur die Bedeutung einer repräsentativen Charity-Bersammlung zukommen, die für die Samm-elarbeit Parolen ausgibt und günstige Stimmungen schafft. Hier liegt der Sinn der Kongreßresorm — eine schwache Organisation Hat trotz der besten Reformen einen schlechten Kongreß, eine starke einen gutem Kongreßfragen. Im nachstehenden veröffentlichen wir Aeußorungen dreier hervorragender Vertreter verschiedener Richtungen im Zionismus über ihre Anschauungen über den bevorstehenden Baseler Kon- - greß. Diese Veröffentlichung geschieht, um den Zionisten Oesterreichs Stoff für eine Stellungnahme zu den Problemen des Kongresses zu liefern, der von größter Bedeutung für die weitere Entwickliurg der Bewegung sein wird. Diese Stellungnahme soll in einer Diskussion über die Kongretzfragen zum Ausdruck kommen, die jeder sachlichen Meinung offen steht und hosfontlich rege Beteiligung ergeben wird. Kurt Blumeuselv, der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der im allgemeinen als der Führer des linken Zentrums innerhalb der zionistischen Organisation angesehen wird, bespricht in einem „Verantwortungsgefühl" betitelten Aufsatz in der „Jüdischen Rundschau" die Stellung seiner Gruppe zum Pbogwmm der Exekutive. „Eine kämpfende Bewegung", schreibt er u. a., „findet Schwierigkeiten aw, dein Wege zur Berivirklichung. Die Umwandlung der Machtverhältmsse der Judenhoit in der Welt bedeutet einen Erziehungsprozeß, den alle Zionisten, nicht etwa nur die Leitung der Weltorganisatton und die Leitung von Landesverbänden und Fraktionen, durch ständiges Lernen mid Lehrerr herbeiznführen haben. Unser Ziel ist das in di« Wirklichkeit überführte Baseler Programm, dessen Verfechter die geeinte und geschlossene zionistischs Organisation sein soll. Die zionistische Aufgabe erfordert tiefe Gläubigkeit, vnerschütterlichen Optimisinus als Grundstimmung, stärürige Selbstkontrolle, eine schwer zu ertrage,che diszipliniert« Tagesarbeit und ein an Entsagungen reiches, Kvonisfischer n-,1 .! f s '