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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-25 · Heft 2990 (25.6.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2990 (25.6.1927)
Date
1927-06-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«*ifC 2 Wi-'n. Samstag Wiener Morgenzettnng LS. Juni 10?7 Rr. mo Seide in allererSBter Auswahl und bester Qualität Sie Jüdische Fürsorge in Wien. Der Ltandprntkt der Gemeinde Wien. — Em Drittel des Kultusgenuerndebudgets ist Jfiirforgezwekken gvwidmet. — Dir Zentmlstrlle für jüdische Foysorpe. — Der Jltaendfürscrgeverliand. Wohl kuum cm zweite Großstadt der Wett kaum sich einer athJgi'JHutfcit, in oiwzolnen Zweigen fast lückenlosen offiziellen Fürsorge rühmen wie Wien. Dl aber ans fiskalischen Gründen die «Stadt, wenige Fürsorge,zweige ausgenommen, hauptsächlich die nach Wien zuständigen Fürforgebedürsttgen berücksichtigt, bleibt die Privatfürsorge in Wien, die in den lebten Jahren wich! ein wenig abgebaut worden ist, nach immer eine Notwendigkeit. In erhöhtem Matze besteh! diese Notroendiigkeit für die jüdische Bevölkerung. Aus den vorhandenen statistischen Zahlen kann errechnet werden, datz von den mchtfüdischen Bewohnern Wiens mir IS bis 18 Prozent nach dem Ausland zuständig sain dürsten, während dies unter den rund 300.000 Inden Wiens Sei nicht weniger als 40 bis 43 Prozent der Fall ist. Bei der sürsorge- -Sedürstiizen Bevölkerung ist Äeser Prozentsatz noch wesentlich höher einzuschätzen, da den seinerzeitigen Kriegsflücht, kingen F>et der Erwerbung des Wiener Heimatrechtes die verschicdeltsteir Schwierigkeiten gemacht werden, die Kosten der Einbürgerung vielfach nicht aufgebracht werden können und für Waisenkinder, infolge ihrer Minderjährigkeit, die Aufnahme in den österreichischen Heimatverband unmöglich ist. Aber auch das Znsainmengehörigkeitsgesühl mit dem jüdischen Volke u-nd das religiöse Dbomeut spielen eine große Rolle: Die Witwen wollen ihre Kinder nicht städtischen Wailenhäusern übergeben, die Greise wollen im jüdischen Versorgu-ngshaus uitterkornmen, auch wenn sie ans städtische Fürsorge Anspruch halben. Im allgemeinen über steht die so^albomokraüsche Verwaltung der Stadt Wen aus dem Standpunkt, nur solchen Prwattnftituten für nach Wien zuständige Schützlinge zu Achlen, Ms interkonfesstomll geführt werden und keinerlei Snbventiorren einer konfessionellen Aktion zukommen zu lassen. Infolgedessen ist die Verbindung Mischen der offiziellen And der jüdischen Fürsorge nur eine allzu lose. Der Aufschwung und der Ausbau der städtischen Fürsorge übt daher ans die züdiische keinen direkten fördernden Einfluß. Nicht nur, daß -gegenüber der Friedeiiszeit kein Ausbau der jüdischen Fürsorge erfolgte, sind sogar einzelne Spezialzweige fort-gefallen. So sind das Krüppelinstitut, das Institut für Schwachsinnige avrvd das für Taubstumme aufgelöst worden. Aber die innere Organisation der gesamten jüdischen Fürsorge hat wesentliche Fortschritte gemacht und in ihren meisten Zweigen hat sie sich Wer den reinen Wehltütigkettsstandpunk! hinaus eMvickslt. Die wichtigsten Fürsorgeinstitptc, die Waisenhäuser, Lehrlrngsheime und andere, Hatten früher i>hre festen Fonds und Samtien ihre Zöglinge ohne Entg-olt au-snehmen. Heute, da die Fonds fast jeden Wert eingebüßt haben, sind die meisten dieser Anstalten geMungen, Schützlinge nur gegen Bezahlung zu übernehmen. Diese mutz daher in den meisten Fällen durch du.- Kultusgemeinde, -das Joint-Komitee, Privatwohltäter oder jÄdiische Fürsorge-vereine erfolgen. Schon allein aus diesem Umstand ergibt sich die Notwendigkeit des Zusammenarbeitender verschiedensten Körperschaften. Die Kuldusgemeindc hat zwar nur das Bersorgungs- und Siechenhaus, ihr Spital (ehemaliges Rothschilb-Spital) und ein Kinderambulatorium in eigener Verwaltung, ist aber durch ihr Wohltätigkeit samt und durch die Subventionen an alle wichtigeren Verein« tatsächlich die Zentralbehörde für die jüdischen Fürsorgeinstittttionen. Es ist gewiß imponierend, daß dis Wiener israelitische Kultusgx/meinde die Fürsorge alljährlich mit einem Drittel ihres Gesamtblchgets bedenkt. Se'dcnhaus S. *«— mm& MONGOi l.BüuernmarKtZa a. l.Tacltlaui)enllr.8 Wir bieten jeder Konkurrenz die Spitze! 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Der Mangel an Heimen für jiid-ische Kinder unter sechs Jahren und an den ver schiedeneu bereits, genannten Spezialheimen bereiten ihr schwierige Ausgaben in der Kinderunterbringung. Für verlassene Kinder, Kranke und Erholungsbedürftige sowie für ibe sondere ElendMlle reichen die vorhandenen Jnstitntionen nicht aus, Jugen^erichlshilse und Vormundschaft sind außerdem Spezialgebiete'der jüdischen Jugendfürsorge, -deren Arbeits selb in keiner Weise fest umschrieben ist. Die Mittel für diese stets hunderte Kinder umfassende Fürsorge bringt die Jüdische Jugendfürsorge keineswegs durch Beiträge der Verbandsvereine auf, sondern bestreitet 'hre Kesten aus Beiträgen der Kultusgeme-Inde, des American Joint Distribution Com-mitkees und aus den Ergebnissen der Sammlung, die alljährlich von der Zentralstelle für sie vemnsta-lre-t w-ird. Soweit ist also die Jüdische Jugendfürsorge ein «elbständiger Wohvsahrtsfaktor. Zwei Umstände gewähren -dennoch der Jüdischen Jugendfürsorge besonders aus die wichtigeren Jnstit-lttionen Einfluß: Sie steht in engster Arbeitsgemeinschaft mit dem Komitee zur Ve r s o rgung jüdischer Kriegerswaisen (Jointkomttee) umd sie besitzt beratende Stimme bei der Berte ilung der Subventionen der Wiener K-nltusge-meinde an Jugendjürsorgevereine. Wber den sich aus iolchen materiellen Zuwendungen ergebenden Einfluß hinaus ist die Jüdische Jugendfürsorge noch wenig gediehen, obwohl sie sich müht/ den Verban'dsvcreinen ihre Dienste zur Verfügung zu stellen. Doch schon gibt es Vereine, die den Necherchendienst der geschulten Fürsorgerinneu der Jüdischen Jugendfürsorge in Anspruch nehmen, und eigene Heime, welche ihr die Ausgabe übertragen. Siegfried Abeles. Ser ununrifific Numerus klaut«». Hungertod zweier Stade nb.m. Anläßlich der ersten Jahreswende des Todes Wilhelm B a z s o n y i § veranftattete in Budapest der Zentralaus- -'chuß für die Unterstützung der durch den Numerus clausus ins Ausland gedrängten Studenten einen Tra»ergottesdieiist. Sodann fand die Jahresversammlung des Zcntralausschusses für die Unterstützung der durch den Numerus clausus ins Ausland verdrängten jüdischen Studenten statt. Ter geschäftsführende Direktor Leo Fellner erstattete den Bericht. Danach wurden in 52 ausländischen Universitätsstädten 678 Studenten mit einem Geldaufwand von 120.000 Pengö unterstützt. Infolge der erlittenen Entbehrungen starben zwei Studenten. zu wirklich billigen Coiflfi En gros*Pretsen ÄBIiHS Sbftruktiourpause. Me Ausschüsse dsS NationalratcS wurden bis kominerÄm Donnerstag vertagt. Gestern twmn die Sozialdemokraten bsr Mühe, Dauer reden zu hakten, überhoben, da im Zollausschuß der Vizekanzler Haw-tleb eine fast die ganze Bormittagssitzung auSslkklende Erklärung über die Ueberwachuug der Verwendung ausländischer Saisonarbeiter abgab und im Berfassungsausstyiih. schon mittags Schluß gemacht wurde. Die Fortsetzung der jObstiqukr tion ist also wieder um eine Woche vertagt. An dem einen oder dem anderen Ende versucht jetzt Ufc. Mehrheit den abgerissenen Berhandlungssaden toieder aufzitnehmen, um die Sozialdemokraten zum Einlenken zu bcwegerl U-eber getvisfe Fragen der Wehrmacht wird schon seit einige. Tagen gepockelt. Den Weg zur Beratung der Zolltarif Novelle will man durch Berhandlungm über die soAialpolitischor o-ordcnurgcn der Sozialdemokraten freinrachen.. Die Pause, di» letzt in den Ausschußberatungen eittgelezt wurde, wird wohl zur I intensiveren Führung dieser .Verhandlungen mit der Opposition benützt werden. Der ReichMauern>bu-wd entsandte gestern vormittags eine Abordnung ins BundeHkaugleramt, um gegen die Verschleppung der parlameutarrscheu Verhandlungen über die Zolltarisnovelle Protest zu erheben. Bundeskanzler Dr. Seipek erklärte, nach seiner Meinung werde es bestimmt gelingen, d'.e Schwierigkeiten, die der zeitgerechten Erledigung der Zolltarifnovelle noch entgegenstehen, zu überwinden. Nie Aumelduug zur AugesteSteuverstcheruuü. Nach einer heute im „Bundesgesetzblatt" zur Verlautbarung gelangende» Verordnung des Ministers für soziale Verwaltung- Haben die Dienstgeber ihre Angestellten, die vom 1. Juli 1027 der Lersicherungspflicht nach dem Angestelltenversicherungsgesetz unterliege», mittels des beim zuständigen Träger der Angesielttenvcrsicherung (Versicherungskasse für Angestellte, bzw. Smtderversichrrungsanstalt) erhältlichen Formulares „Anmeldung zur Angestclltenversicherung" in der Zeit vom 25. Juni bis 3. Juli 192? bet diesem Träger der Angestelltmversichevuny anzumclden und bei der bisherig-e-n K-r-aar^a-nkasse abzumelden. Richter «ud Bevölkeruug. Der österreichische R i ch l e r t a g ist für den 26. bi- 29. Juni nach Wien einberüseu. Er wird im Zeremoniensoale der- Hofburg stalttsinden -und in einer Anzahl von Vorträgen die juristischen u.n-d beruflichen Forderungen der Richter erörtern. Senatspräsi'denlt Peutelschmied äußert sich tot „Wissenschafttichen Nachrichtendienst" über >dre Ausgaben der Tagung. Dem Richterstawd fehlt vor allem der Nachwuchs. Den Vovwms der Klassenjustiz be^ichnet er als ungerecht, wöbe: er jedoch die vorgefallenen Feh-Iurteile. nicht abstretten will. Es ist sicherlich richtig, daß der Nichter-starrd in Oesterreich materiell schlecht gestellt und dazu noch vermöge des mechanisch -betriebenen Abbaues überlastet ist. Das kann aber d-och di« unzweif-elhast bestehende Tatsache nicht erklären, daß das Vertrauen in die unbeirrte -ObjeAivität der Justiz fast g-anz geschwunden ist. Weite Schichten der Bevölkerung sehen mit viffcnkundigem Mißtrauen das Vorwalten eines engen nalional-istischen Geistes. In der letzten Zeit hat der Fall Rothstock die Aufmerksamkeit in einer der Justiz nicht bekömmlichen Weise erregt. Das hat dann auch die mißlich« Folge, daß die Bevölkerung den wirtschaftlichen Forderungen dev Richter kein Verständnis entgegenbringen will. Ae Wiener Straßeubahnmisere. Im Jahre 19W betrugen Äe Gesamtausgaben 4.758.540Schilling, die für Fürsorge 1,612.944 Schilling. Die angeführten drei eigenen Fürsorgeanstqlten erforderten 1,2tzZ.600 Schilling, -der Rest von 359.400 Schilling verteilt sich auf Vereinssulbventionen und Unterstützung an Priva-tpartc-ien, von welch letzteren nicht weniger als 650 regelmäßig Monatsgaben erhalten. Die Sutüventionen für Lbindergärteri und andere Institutionen, welche unter die Rubrik Schulwesen fallen, sind in den genannten Zahlen nicht mit eingerechnet. Es ist nun einleuchtend, daß unter solchen Umständen die Kultusgemeinde das größte Interesse an der Vereinheitlichung und Zentralisierung der gesamten Wiener jüdischen Fürsorge hat. Schon Im Jahre 1606 wurde mtter ihrem Protektorat die Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge geschaffen, die als Spitzenorganisatior, sämtlicher jüdische'. Fürsorgein-stitutioneu gedacht ist. Sie hat Hre 94 Mitgliedsvereine in drei Verbänden der nach gleicher Richtung arbeitenden Vereine Mammengeschlossen. Der größte und wichtigste Arbeitsverband, der Iug-endfürjorgeverbqnd, zählt 55 Mitgttedöperelne. Waiserchäuser. Heime für verlassene Kttrder, Lehrlingsheime, das Mndomnstitut, Ferienkolonlevereine, Vereine, die Kindechorte, Kindergärten oder AuSfpe-ffmrgen unterhalten, Bekleidung-sversin«, Elternvereim und einige Jugendgruppen sind hier zuiammengeschloffe». Diese Berslhiedenariigkelt, die belorrdsrs in den zwei zuletzt genannten Gruppen durch entgegengesetzte religiöse oder auch Politische Tendenzen gefteigevt wird, -l-äßt ideelle ZusaMMnarheit kaum durchführbar erschvirron. So ist es getormneu, daß die .^Jüdische Jngendsürsorge", die eigentlich das zentraie DuvchlfÄHrirngsvrgan des-ÄerbasÄes levn ein einer in Paris, der andere in Brünn. Die Leiche des letzteren konnte dank der Spende einer hochstnnigen Brüuner Dame in heimatlichem Boden bestattet werden. Bisher haben 14(1 ungarische jüdische Studenten im Ausland« ein Diplom erworben. Einige haben sich in Deutschland, Italien und Frankreich aniäss'.g gemacht. khamberlin «nd Lrvlne. P a r: s 24. Juni. Der Pariser Manager des Fluges E h a m b e r! i n s und L e v i n e s tei-lte heute nachmittags der Presie mit, daß sich d'.e beiden Flieger morgen von Prag nach Warschau und sodann über Zürich, wo sie viölleicht landen werden, nach Paris begeben werden. Man erwartet sie am Dienstag nachmittags auf dem Flugplatz L« Bourget. Am IS. Juli werden sie an Bord des .Leviathan", wo für sie bereits Plätze belegt sind, nach Amerika zurückkehren. Brest-Rew Bott tu 50 Stunden. Aus Pari s wird gemeldet: Der Bau eines schnellen Motorschiffes, mit dem man die Strecke Brest—New Uork in weniger ckls 50 Stunden zu bewältigen hofft, nähert sich jetzt seinem Ende. Das Boot ist halb als Gleitboot, halb als Unterseeboot ausg-sbiidet; bei einer Länge von etwas Über 100 Fuß ist die Breite nur 7 Fuß, so daß das Boot ähnlich einem Messer durch das Wasser schireidet, Der Alttriöb )u\ö durch acht Petroleummotoren von zusammen 9900 Pferdestärken besorgt, die durch einen kleinen Hilfsmotor von 70 Pfer'oestär-ken luftgekühlt werden. Die erforderliche Bemannung für die trans- .<Mm»ifche Fahrt wird auf a-chd berechnet. Anläßlich einos Referates über die Ncuanschaffung von 30 Trie'bdvagen und 50 Anhängewagen für die Straßenbahn entspann sich in -der gestrigen Gemein-derats-sitzung eine lebhafte Debatte über die Zustäwde des Wiener Verkehrswesens. Gem-cinderat D-oppler Wte an der Führung der Straßenbahn heftige Kritik. Geg-enlilber dem Jahre 1013 habe jeder Schaffner eine Mehrleistung von 17.796 Fahrkartenausgaben zu bewältigen, was einer täglichen Mehrabferttgnng von 50 Fahrgästen entfpricht. Die Zahl der Fahrgäste hat sich um 76 Prozent echöht, während der Wagenpark nur eine Vermehrung um 10 Prozent erfahren hat. Das Ueborfüllungsverbot konnte infolgedessen noch immer nicht in Kraft treten. Der Wiener Straßenbahn-Verkehr ist einer Großstadt unwürdig, un-d gerade jetzt plant die Straßenbahnverwaltung eine Erhöhung des Fahrpreises. Gomeindorat A n g e r m a y « r führte Wer das unhöfliche B en o h m e,n der Schaffner Befchiverde. Bezugspreis« der „Wiener Modenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich.s 5’— TwhechQslowaWsche Republik.. ... Ke 22'— Jugoslawien... . . v!n«s Hy--. pöien.Zlotv k>- Deutschland. Qoldmark 4'-. Frankreich, Belgien. Frcs. 35 — IJslien *..«•» . Lire 20 — Rumänien . ».ei 170’- Buigarieu r. Lewa 100 — $ * * Dollar 1*— l%bwel* «nd das «bdge Asshmd.Franken 5'- Oesters;. K>stsDadäMseiikodeu^ '

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