Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2990 (25.6.1927)
- Date
- 1927-06-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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.?:***» V‘5',r *?;. " '•1 O-^ '•' . I j-r^ i-, ■-,- .?**•*. #.; | Prel» 20 g t Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0*38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 18-5-80 Serie, ab */i9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII,, Lerchenfolderstraße 1 („Jnva“) Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleiß- - stellen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Wiener MÖBELHAUf 7. WÜHL “3 BEQUEME ^TEILZAHLUNG! Rr. 2990 Wien, gawslBfl, 2S, 8n«i 1927 (25. Slwan 5887). 9. Üahrgang Wieder ei» Attentat in Moskau? Ser Borfthende de» Sbersten Bottswirtschallsrates Kuibyschew angeschoffen, aber nicht verletzt. ten unb Soldaten des Erven Dienstes das aktive und passive Wahlrechtzu entziehen. Dieser Antrag wird von den übrigen Rechtsparteien und von den Sozialdemokraten unterstützt. Konstituierung des Warschauer Stadtrate». Ein Jude im Präsidium. Warschau, 24. Juni. (Poln. Tel.-Ag.) Der ineue Warschauer Stadtrat hat in feines gestrigen EröffnungSs^ung den sozialistischen Gemeinderat und LaMagsabgeordneten Jaworowski mit 66 gegen 46- Stimmet zum Vorsitzenden gewählt. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Wilczynski (Nationaler Bloch, Rogowicz (radikal), Ziolkowski (Sozialist) und Meis e l (Jüdischer ^rationaler Block). (Die Stelle des Präsidenten des Stadtrates hatte bisher ein Mitglied des Rechtsblocks inne, da dieser eine knappe Majorität im früheren Stadtrat hatte. Nach der Niederlage des Rechtsblocks haben sich die anderen Parteien gegen die Rechte koaliiert, die noch immer die relativ stärkste Gruppe im neuem Stadtrat bildet. Dadurch wurde die Kandidatureines Rechts--. parteilers zum Vorsitzenden des Stadtpates zu jFgA gebracht.Diie Red^ Berlin, 24. Juni. Wie die - „Tägliche Rundschau" aus Moskmi berichtet, soll angeblich gestern nachmittags 2 Uhr auf Kuibyschew, dem Vorsitzenden des OberstenVolkstvirtschaftsrates der Sowjetunion, ein Attentatvoneinem unbekannten Täter verübt worden sein, als Kuibyschew fein Zimmer verließ um sich zum Mittagessen zu begeben. Der Schutz soll jedoch fehlgegan^gen sein. Der Täter soll sich noch im Gebäude des Obersten Vobkswirtschaftsrates verborgen halten, .ohne daß man ihn bisher ermitteln konnte. Eine Bestätigung dieser Meldung war von russischer Seite bisher nicht zu erhalten. Offenbar will man das Attentat geh ei m halten. Bor den Neuwahlen in Polen. Die »crntuneen Wer Die Mtcefonn. — Segen Hie MiwrlMen. Marsch« u, 24. Juni. Der parlamentarische Unterausschuß für die Aenderung des Wahlgesetzes berät angesichts der für den Herbst bevorstehenden^ Neuwahlen söit längerer Zeit Wer die Reform -der'Wahlordnung für Sejm und Senat. Der-erste, von Ihrem Korrespondenten bereits ausführlich behandelte Entwurf, der den nationaldemokratischen Deputierten Glombinski zum Verfasser hat und das Muster einer reaktionären Wahlordnung darstellt, ist infolge des Widerstandes der Regierung in der Versenkung verschwunden. In der letzten Sitzung des Ausschusses haben die Rechtsparteien einen neuen Wahlordnungsentwurf ein gebracht, der zwar in seiner Tendenz gegenüber dem Glombinskischen gemildert, aber in seinen Grundlagen nicht gebessert ist. In der Hauptsache sieht der Entwurf eine V e rminderung der Zahl der Mandate in Sejm und Senat vor. Für den Sejm soll die Mandatszahl 420 betragen; davon sollen 280 Mandate aus den Wahlkreisen in Zentral- und Westpolen, 60 'Mandate aus den östlichen Wahlkreisen (in Ostgalizien, Wolhynien und der Polesie) und 80 Mandate aus der Reichsliste hervorgehen. Dazu ist zu bemerken, daß die Zahl der Mandate in den ö st l i ch e n Wahlkreisen, wo die nationalen Minderheiten (Ukrainer, Weißrussen und Juden) am stärksten vertreten sind, gegenüber dem gegenwärtigen Wahlrecht um mehr als ein Drittel verringert werden soll (bisher hatten sie 95 Mandate-zu vergeben); die Mandatszahl in den westlichen Wahlkreisen, wo die nationalen Minderheiten nicht so stark vertreten sind, soll unverändert bleiben, die ber Reichsliste ist um acht höher beantragt als bisher. Der neue Entwurf sicht überdies die Listenkoppelung vor. Ueberdies haben die Christlichnational-en einen Antrag eingebracht, den Of f iz i er e n, U n t e r of f i z i e¬ Sine Rede de» LbermMuers LSw Im Oberhaus. Buda Pest, 24. Juni. Ick Oberhaus zog heute, dsie Rede des Szeged in er Rabbiners Löw die Auf-, merksamkeit des tzauses auf sich. Er erklärte, vom Standpunkte der Konfession, die er vertrete, müsse er den Fort-: schritt der inneren Konsolidierung anerkennen. Er beanstandete-lediglich -das Fortbestehen des Numerus clausus. Immerhin wolle er keine konkreten Vorschläge zur Abschaffung dieser Einrichtung unterbreite-n, da er es für die m o r ali s che Psli cht der Regierung ans che, in dieser Frage. selbst mit ihrer Initiative hervorzutreten. Es erfülle ihn mit Genugtuung, daß die Regierung im Prinzip für die Abschaffung dieser Institution sei. Er forderte die Regierung auf, ihren prinzipiellen Standpunkt auch in die Tat umzusetzen. Byrv ist noch nicht gestartet. New York, 24. Juni. Ms Byrds Eindecker zmn Startplatz gebracht wurde, ging ein Wolkenbruch über dem Flugplatz nieder. Das Flugzeug war in Gefahr, zertrümmert zu werden. Als das Gewitter am heftigsten war und der Sturm eine Geschwindigkeit von 46 Meilen in der Stunde erreicht hatte, wurde das Flugzeug cm einen Kraftwagen gekoppelt, der gegen den Wind fahren mutzte, um zu vechindern, daß es vom Orkan entführt werde. Byrd war mitgeteilt worden, daß die Witterungsvevhältnisse bei Neufundland ungünstig seien; -darauf beschloß der Flieger, heute morgens nicht zu starten. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. V j| 1 BRÜLLUX ist der beste I [( 111 1 IUI Schmirgelgummi I lil Verlangt nur BRÜLL AX | 1 Die eingetvorfenen Fenster. -y, Wien, 26. Juni. Im ungarischen Abgeordnetenhaus ist dieser Tage der Völkerbund Gegenstand einer s-ohr erregten Kritik gewesen. Er hat die Entscheidung Mer die ungarischen Beschwerden wegen der Enteignung der ungarischen Grundbesitzer in Siebenbürgen vertagt. Dies führte zu sehr heftigen Angriffen. Georg von Lukacs fragte mit Cicero, wie lauge denn Eatilina die Geduld mißbrauchen wolle. Der Ministerpräsident Graf Bethlen meinte, das Arbitrageverfahren des Völkerbundes wäre, wenn es in solcher Weise gehandhabi würde, nur ein FvMngsscherz. Ungarn werde nicht aus dem Völkerbund austreten, aber im Laufe des Monats September verlangen, daß der Völkerbund seine im Vertrage von Trianon übernommenen Verpflichtungen erfülle. Es ist nun unbestreitbar, daß die Beschwerden berechtigt sind. Die Frage, um die es sich handelt, mutz im Schiedsgerichtsverfahren geklärt werden, und es ist richtigdaß politische Ertragungen in einer reinen Rechtsangelegenheit nicht das geringste zu suchen haben.'- Wenn-man aber-solche an sich richtige Argumente von ungarischer Seite hört, so entsteht unwillkürlich die Frage, ob denn Ungarn in dieser Hinsicht gar so rein ist, daß es Anklagen gegen das Genfer Forum erhebt. Aa ist nun am selbes Tage, der Liese Stellungnahme brachte, im Abgeordnetenhaus und gleich darauf im Oberhaus vom Numerus clausus gesprochen worden. Das ist ein Thema, bei dem sich sofort die Erinnerung cm den Völkerbund einstellt. Vor dem Völkerbund hat doch, wie ja erinnerlich, vor zwei Jahren der Unterrichtsminister eine heftige Auseinandersetzung mit dem Brasilianer Mello Franco zu bestehen gehabt. Er versuchte schon damals, die Maßregel als eine soziale Notwendigkeit zu rechtfertigen und verstand sich schließlich zu dem Versprechen,'für eine Abmilderung zu sorgen. Er gab die Zusage, um einem Auftrag des Völkerbundes auszuweichen, doch wurde ihm angekündigt, daß man die Sache im Auge behalten werde. Ungarn hat die Zusage nicht eingehalten. Obzwar alle seine offiziellen Wortführer jederzeit von der Konsolidierung zu sprechen belieben und so tun, als wären alle sozialen Differenzen bereits auf den Boden der natürlichen Entwicklung gebracht, holen sie doch immer, wenn an den Numerus clausus erinnert wird', die soziale Notwendigkeit aus dem Arsenal. Keinem Menschen außerhalb Ungarn kann es begreiflich gemacht werden, was es an dem sozialen Kampf bessert, wenn Juden nicht studieren dürfen. Das konnte auch dem Völkerbund nicht einleuchten. Seit damals ist Ungarn auf diese Institution nicht gut zu sprechen und seine.Politiker nahmen die Frage der rumänischen Enteignung zum Anlaß, ihr gepreßtes Herz zu erleichtern. Sie haben ihre Zusage gebrochen, und nun ist ein Rückschlag eingetreten, aber aus einem Gebiet, wo das -nationale Priestige gereizt ist. Es ist sicher ein Unrecht, wenn berechtigte Ansprüche nicht auf ihre Unterlage geprüft werden, und es wäre ein noch größeres Unrecht» wenn dies aus politischen Gründen geschehen sollte. Aber Ungarn hat doch selbst, indem es ein Versprechen nicht gehalten ja sogar im Abgeordnetenhaus abgeleugnet hat, seine Position in Genf geschtvächt. Der Staat'wird so behandelt, wie es das ungarische Volk nicht verdient. Aber es ist schon so,, daß die einzelnen ausbaden müssen, was ihre- Führer anstellm. Die ungarische Regierung, die sich über das Hineintragen der Politik in das Rechtsleben so emphatisch beschwert,, hat.alle Ursache, eine schärfere Prüfung ihr-'s Verhaltens zu scheuen. Den politischen Tendenzen, die gegenwärtig Europa beherrschen und die den Völkerbund lahmtegen, verdankt es das ungarische Regime, daß es festgewurzelt ist und überall in Mitteleuropa als eine Gefahr für den Frieden gilt. In der Rechnung de-r Machtpolitiker ist Ungarn ein schr bevorzugter Posten, vielleicht nicht so mit vollem Rechte. Denn die Konsolidierung hat kürzlich im Abgeordnetenhaus ein christlicher Pfarrer in Abrede gestellt und er hat sehr deutlich auf die Möglichkeit und Gefahr eines revolutionären Ausbruches des Volkszornes hingewiesen. Es gibt führeude politische Kreise in Europa, in denen dieses Ungarn des christNchnattonalen Kurses schr angesehen und beliebt ist. Aber, wie sich zeigt, ist das die wahre Liebe nicht. Wenn die Jnteressentensphären des Gleichgewichtes der Mächte in Frage kommen, dann entscheidet die Opportunität oder, wie Bethlen das. nennt, die politische Erwägung. Er wollte sagen, daß der rumänische Einfluß präbaliert. Dies aber doch nur deshalb, weil der ungarische Kurs nicht als voll gilt. Und für diese Einschätzung ist das Verhalten Ungarns in zwei Angelegenheiten maßgebend gewesen: in der Geldfälischeraffäce und in dem Wortbruch, bezüglich des Numerus clausus. Die Grundbesitzer bezahlen die Fenster, die ihre» Regierung eingewovfen hat. * Orignm^nglischeSt^^sehen. erregend niedrigen Preisen bei der 6„ Mariahtlferstraße Nr. 3 ’.fc ist, v•".v - «.■*«