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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-24 · Heft 2989 (24.6.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2989 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Sk. SSW GW», 34. Juni E GM* 7 JÜDISCHES JEDEM Schimrrzbsrth wurde die Sinreise «ach Rußland verweigert. Das offizielle Organ -er Sowjetregierung „Iswösti-a* beschäftigt sich in einem Artikel mit der Behauptung des Purifcr Figaro", daß Schwavzbarth Komtminift sei und die Tötung P-otsiuras als Agent -er Bolschewiken ausgeführt habe. „JÄvestia" e.rAärt demgegenüber, daß Schwarzbarth ein ausgeisprocherrer Bourgeois und Gegner Sowsetrussiand ist und daß er als Jude sich Hinreißen ließ, den Mörder tausender von Juden zu strafen. Mit Rücksicht darauf, daß Schwarzbarth aus der Zeit seines Aufenthaltes in Rußland während der Pogrome in der Ukraine als ausgesprochener Feind des jSowjetrcgimes beiarmt war, wurde ihm auch, als er später wieder einmal nach Rußland kommen wollte, das Emreffevifum verweigert. Sie Pogromgesahr in Rnbland. Mrs Moskau ivi-rd uns berichtet: Die Unsicherheit der polrtHchön ÜnMnde in Rußland wird voni verschiedenen Seite» Ktt einer bisher nie beobachteten antisemitischen Pvopaganida unter der russischen Bevölkerung benützt. Unter den Barrevrr zirkulieren geheime Flugschriften, in welchen die Juden beschuldigt werden, daß si-e sich unter dem Sotvjetvegime Äus Kvfte'n der russischen Arbeitgri und Bam-ernbereichern. Diese Propagandaschriften schließen in der Regel mit der Aufforderung zum Pogrom, durch den allein Rußland vom jüdischen Joch befreit werden könne. Die Wirkung dieser Pogrompropagmrda hat sich bereits so stark füWar gemacht, daß die. Sowjetregierung sich veranlaßt sah, besondere Kommissäre in die von Juden stark bewohnten Gegenden mit dem strengen Auftrag an die Lvkalfowjets zu entsenden, jedes antisemitische Demonstration gegen die Inden im Keime zu unterdrücken. Gleichezeitig wurden amtliche Proklamationen unter der Bevölkerung verteilt, in denen die von monarchistischer und antisemitischer Seite verbreitete Behauptung, daß, die Juden sich bereichern, mit dem Hinweis darauf widerlegt wird, daß unter den Juden Rußlands eine größere Armut und .Arbeitslosigkeit herrsche als unter de» übrigen RativnaNäten. Wie kritisch die Lage der Juden in Rußland gegenwärtig sein muß, geht auch daraus hervor, daß in den amtlichen Proklamationen den Pogromhetzern der standrechtliche Tod durch Erschie-ß^n angedvoht wird. Ler Gesetzentwurf des südifchen Srsmklu»« gegen den -ramsche« RWernr kl«»s«s. « Ms Warschau svird uns berichtet: Der jüdische Sejm klüb brachte in einer der letzten Sejmsitzmrgen einen ßfo setzantrag ein, in welchem Msgeftchrt wird: Seit einer Reche vmr Jahren verstoßen die Hochschulen unter Berufung aus ihre Autonomie gegen die Bestimmungen der Artikel 96 und 111 der VerfasslMg, indem sie bezüglich der jüdischen Hochschuljugend offen oder verhüllt unter verschieden Vorwänden eine perzentuelle BegrerMmg einsühren. Die Mckononrre einer Institution oder Körperschaft, denen vom Staat bestimmte Funktionen übertragen wu-rdeit, kann jedoch soweit gehen, daß durch sie die. GH-Magen der Staatsverfassung! NMgesiohen Werdern Insbesondere kann die Autonomie der Hochschulen nicht so weit geheir,. da sie im .Simre des Gesetzes sich nur au-f die Freiheit der 'Wissenschaft und Lehre, nicht aber darauf beziehen kann, daß sie das Reckst zN lernen, begrenzt/ In der Begründung zN dem Gesetzentwurf wird weiters aus geführt, daß .die Hochschulsenate das Recht, im Einvernehmen mit dem Ministerium für Untervicht Nirb Kicktus aus technischen Gründen die Zahl Her Studenten Kr begrenzen, in einer Weise ausüben', daß Inden nUr in verschwindend geringer Zahl ober überhaupt nicht aUsgenoumren werden. Me Vorstellungen bei der dem Sejm verantwortlichen Regierung bleibien erfolglos, weil die Regierung den Standpunkt vertrete, baß sie kein Recht habe, sich in diese -Angelegenheit: zu mengest. ' Um nmr diesen Bortvand der Asttonomie ein für allemal unmöglich zu Machen und die BerantwortlichDeit der Regierung FestzUhalten, beantragt der jüdische Sejmklub, jAstriahme eines Gesetzes, durch welches die Grundsätze, nach denen die an den einzelnen Hochschulen vorhandenen'Schüler- Plätze besetzt, bl^iv. verteilt, ausdrücklich fest gelegt werden, für dÄÄtt strikiL Einhaltung dem Sejm verankvovt- 8ch ist. ... englische PMiken ln PalSstina lernen hebrSisch. Aus Ierufvlem wird uns berichtet: Um den Dienst der Polizei «besonders im Straßenverkehr klagloser zu gestalten, hat die Regierung angeordnet, daß eine tbHimirnt-e Anzahl en glischer-Polizisten d i e h e b r ä i s ch e Sprache erlernen, Zu diesem Zwecke wurden hebräische Sprachkurse errichtet. Der Zweck könnte allerdings leichter, einfacher und gerechter erreicht werden, wenn die Regierung sich entschlichen wollte, eine größere Zahl Juden in den Poli-zerdienst einzustellen. ' WflaaeSBBBfiBHflIBBBBBBBBBBBBBHBBa .BBBflBflBSaBBBBBBflBBflBBBflBSBBflBBaflflBfiBB&flSBHBBBBBB Bühne md Kunst. Palöftinenßsche Musilsragen. Kunst und Politik. — Das kooperative Orchester. — Dirigent Max Lampel. — Ein Abenld tschechischer Musik in Jerusalem. Wir erhalten von. besonderer Seite die nachstehende Zuschrift, deren Veröffentlichung un§ zweck-- mäßig erscheint, wenn wir auch nicht in der Lage sind, die in den Ausfiihrungen des geschätzten Einsenders enthaltene Stellungnahme von hier ans aus ihre Stichhältigkeit zu prüfen. ° Jerusalem, 15. Juni. Es ist unbestreitbar, daß seit dem Auftreten des Wiener Dirigenten Max Lanipel das Musikalische Leben in Palästina einen Impuls bekommen hat.. Er begann mit Sinsonio- Cotigerten tu Tel Wviw, ioelche mit ungenügender Besetzung und mit primitiven Mitteln ausgesührt, doch den Eindruck eines starken musikalischen Willens gaben. Es entstand das kooperative sinfonische Orchester, welches unter der Leitung von Jordans einige Sinfoniebonzerte in Tel Asviw und Jerusalem gab. Die Fortschritte, welche Vas Orchester in wenigen Monaten machte, ließen deutlich den Willen seiner Mitglieder erkennen, künstlerisch vorwärts zu .kommen. @3 ist aber sehr bedauerlich, daß Max Lampel vonr November vorigen Jahres bis zum 4. Juni V. I. vom Dirigieren ausgeschaltet war. Das palästinensische Leben ist avnt an Potenzen auf allen Gebieten und besonders auf dem Gebiete der Musils. Es gibt kein Recht, künstlerische Prirrzipren durch Mittel parteiinätzlser Orgaui-- satton, durch Majorität ufw. zugunsten einer Mittelmäßigkeit umzubiegen. Unser schwaches Gebäude Verträgt nicht Vas Spiel der Individualitäten, die sich hier auf alben Gebieten auf Kosten des Werkes ausleben wollen. Das Fehlen von Disziplin ist auch aus dem Gebiete der Orchestermusik sehr gefährlich, der Eigenwille jedes einzelnen, der als OrchesternMstker nicht nur reproduzierender Mustkor, .sondern auch Dirigent (sein tvill» schädigt unter , allen Umständen die Mnstlerische Schöpfung des Dirigenten, besonders wenn dieser überdies durch kooperative Organisation gehernlmt ist, dem Orchester seine Absichten auszuprügen. Im Interesse der Erhaltung und Cntioicklung des Orchesters, an dessen Gedeihen alle interessiert sind, solletr diese Dinge besprochen werden, die feit Monaten einen großen Kreis von Menschen stark »n Anspruch nehmen und nur unfruchtbare Vergeudung von Kräften zur Folge hatten. Es ist Ausgabe einer sachlichen KE diese AonMe avs dem DkiW. M Wrim RB?.., rung gibt, yetvorzuziehen und sie' im vollen Licht der Oefsentlichkeit zu behandeln. Dies alles .soll die erfreuliche Entwicklung des Orchesters nicht herabsetzen, es JoIX vielmehr anerkannt werden, daß trotz der größten finanziellen und anderen SchivieriMrten seine Arbeit zu den besten Hoffnungen berechttgt. Es war für das JerusaleMev Publikum' eine fvendrge Neberraschung, Max Lampel Mnl erstenmal am Dirigentenpult zu begrüßen, nachdem er in zwei Orgelkonzerten bereits Proben seiner Künstverfchaft - vermittelt hatte- Es schien ein Beweis, daß die Differenzen bereits überbrückt wurden und Lampel nun auch auf dem' Gebiete der orchestralen Musik seine Fähigkeiten zeigen konnte. Aus dem Programm stand tschechische Musik, ein Konzert unter dem Protektorat des' tschochosiowakischen Konsuls. (Das Programm dieses Konzerts haben wir seinerzeit veröffentlicht. Anm. d. Red.) Insbesondere die Ausführung 'von Anton Dvoraks Sinfonie „Aus der neuen Welt" war für Jerusalem ein musikalisches Ereignis. Lampel Verstand aus den Musikern das Maximum herauSzuholen. Das Konzert, welches auch äußerlich das Gepräge eines gesellschaftlichen Ereignisses trug — Col. Sh Nt es. in Ber-. tretuug des OverkomMissärs und das diplomatische Korps waren erschienen — hinterlietz beim zahlreichen Publikum den stärksten Eindruck. Das erfreulichste für uns ist die Tatsache, daß wir nunmehr gesehen haben, was in Palästina an musttalischen Aufführungen geleistet toerden könnte. Es bedarf allerdings einer anderen Einstellung seitens der Beteiligten zu diesen Problemen. Auch das PubliLmn mutz sich für diese Dinge rnteressiieren, denn es gilt aufvauende, ernste Mnstlerifche Arbeit zu fördern und zu stützen. U. Ans den Theatern. . Burgthr-ater. Morgen ,^>as Küthchen von Heilo r o n n". Im 'Abonnement fünfte Gruppe. Anfang hrlib 8 Uhr.; Operutheater. Dtorgrn Ballettabend: „Don Inan", „Die Prinzessin von Tragant" und ,Flein-Jdas Blume tt". Anfang halb 8 .Uhr. Wiener Kammerspiele. Bom 24. bis 27 d. M. finden Vorstellungen der Schauspielschule ,deS Neuert Wiener Konservatoriums statt. Heute und morgen gelangen „Elektra" und „Der Tor und der Tod" von HoftnannSthal, Sonntag . und Morr tag „Die Kirchtu rmspitze" von Enrico Seretta, „Der Heimatlose" von Charles Bildrae, „Ein freier Abend von Robert Pollak, >,Di>e Geschwister von Goethe zur Aufführung. Beginn 8 Uhr. . , D»e OperMvoche. In der nächsten Woche werden folgende Werbe ausgeMctr Sonntag; „Turandot"; Montag; HEINRICH GRAETZ VOLKSTÜMLICHE GESCHICHTE DER JUDEN IN DREI BÄNDEN IN ANTIQUA AUF HOLZFREIEM PAPIER GEDRUCKT, HERRLICHE GANZLEINEN BÄNDE MIT REICHER GOLDPRÄGUNG PREIS S 40* DIESES WERK DARF IN KEINEM Jܬ DISCHEN HAUSE FEHLEN, IST UN¬ ENTBEHRLICH FÜR JEDE BIBLIOTHEK R. LÖWIT- VERLAG I.,FLEISCHMARKTi WIEN ROTENTURMSTR. 22 wochr „Der Maskenball"; Donnerstag: „Der fliegende Holländer"; Freitag: „Coppelia"/ „Die Puppenfee", „Bal Costume"; Samstag: „Rigoletto"; Sonntag: „Der Postillon von Lonjumeau", „Klein Jdas Blimren< Wiener Kanrorenschnle. Im festl^Ich beleuichbeten Pazmani-tente-mpel wurde am 15. d. M., 8 Uhr abends, von foen Leitern der Wiener Kantorenschule anläßlich des Abschlusses des ersten Semesters ein synagogales Konzert veranstaliet, das von den Schülern durchgefühvt wurde durch sehr zahlreichen Besuch ausgegelchnei war. Zum Vovtnrge gelaugten unter der vorzüglichen Leitung Professors- Braslavsltz synagogale Chöre von Levandowfly, Sülzer, Galdpein und Braslavsiky, wobei die Soli teils von den Leitern bet Schule, Mülle r und Margulies, teils von den Schülern gst ausgeWvt wurden. Von letzteren seien besonders «die nen Leistungen der Herren Hacker, Diesenvrvck, i n'del, Rotbla t t^ und Warmann hervor gehoben. Das Ziel dieses neugegrüudeten Instituts ist die Hebung des allgemeinen Mklldun-bsniveaus und die Bereicherung des fachlichen Wissens der inngen Kandidaten und wird durch Unterricht in -den folgenden Fächern zu erreichen gesucht: TraiMonelles'Kantorait (lObevkantor I. L. Müller), Modernes Kantor«t (Obevkantor G. Margulies), Hebräisch (Prof. Chartiner), Harmonielehre (Braslavsiky), Deutsch (Dr. Schibloff), Englisch (Dr. Grosser). Es ist zu hMen, daß diese neue Schule nicht nur eine -Lehr-, sondern auch eine Forscherstätte für jüdisches Wisse» und jüdische MuisK werden wird, wenn ihr die jüdische Ochfentlichkeit Äe nötige Teilnahme und Förderung angedeihen läßt. Ein neuer Gvero entdeckt? Das Bredius-Museum im Haag echielt von dem bekannten Sammler Dr. Bredius, nach dem es benannt '.st, sin Gemälde, das Porträt eines Spaniers, das nach der Ueberizeuguwg des Stifters von G r e e o gemalt ist. Es dürfte in der ersten Zeit des Künstlers, noch stark unter dev Einfluß von Dintoretto» entstanden sein. Vereine. Borträge nnd Versammlungen. Maimonides-Jnstitut, Hetzgasse 40. Morgen Samstag, 4 U-hr, Dr. A. Kamin-ka: „Sprüche der Väter." * Eine Aussprache Über Kongreßfamen. Morgen SamAag, Hß Uhr äbends, findet im Jüdlschen Zentrum, 2. Bez., Untere Augartenstraße 35, eine öffentliche Aussprache über die Fragen des 16. Z ioni st«n-Ko n g :A \ [ c § statt. Zur Teilnahme an der Aussprache sind eingeladen: Das Zionistische Landeskomitee, die Hivtachdulh. die Poale Zion, der Hechaluz, der Chaluzlkreis des Haschomer-Hazair, der Hafchonrer- Hazair, die jüdisch-sozialistische ÄrbeiterjngLnd und der Brith- Hamii'schmar. . - Rotenturm-Klno - Pielschmarict 1 Von honte bis 27. Juni: DieFran mit dem schlechten Gewissen Drama in 5 Akten Beginn d. Vorstellungen an Wochentagen: 4,6, V,8 u. 9 Uhr Sonn- und Feiertage: l/,4, »/«6, V«7, V,8 und 9 Uhr CEHTRAI-KINO kl.. Taborstraße 8 Telephon 42-3-41 Von heute bis 27. Juni: Der guie Ruf Nach dem gleichnamigen Schauspiel von Hermann Sudermann, mit Lotte Neumann Musikalische Begleitung: Das neue Ufa-Konzertorchester mit Jazzband (Dirigent: Kapellmeister Karl Krall) Beginn um 6, Vi8 und 9 Uhr : ,,ät* W&MUMy.;, KW, ,u ■ ifl f E; .

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