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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-24 · Heft 2989 (24.6.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2989 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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V.1* Tf t'-' Nr. 2969 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung 84. Juni 1027 Seite 6 mich behandelt. — Dorf.: Trotzdem Sie diese Situation gesehen haben. das urüssen Sie zugeben. haben Sie deinen Lärm geschlagen und den Vermehr iveiter aufrecht erhalten. — AngeN.: Ich kenne aus der Gesellschaft mehrere Damen, die ich belasten könnte, wenn ich wollte. Ich habe nur erzählt, was ich gesehen habe. Ich wiederhole jetzt Kr Gegenwart der Frau Gtrnnsky, Hatz sie schuld ist, daß mein Kind tot ist, daß mein Mann tot ist inrd daß ich hier sitze. —- Zeugin: Wenn Sie mich für so schlecht halten, werden Sie mich doch nicht für so dumm halten, daß ich in Ihrer Wohnung so etwas tue. Von einer verfänglichen Situation kann gar keine Rede sein. -- Vors, (zur Angekl.): Man muh glauben, daß Sie diese Situation brauchen, um Ihre Tat zu rechtfertigen. — Angekl.: Ich habe die Wahrheit gesagt. — V o r s.: Aber Ihr Dienstpersonal hätte doch davon wissen müssen. — Angekl.: Mein Dienstpersonal sagt auch, dah sich Frau Strcmfly nicht so benommen hat, wie fttf eine Dame benimmt. Im weiteren Verlaufe kommt es zu erregten Kontroversen, als der Verteidiger Dr. S t e g e r das Wort ergreift. Er hält der Zeugin vor, dah sie durch das Benehmen der Frau Arosavescu doch die Eifersucht bemerkt haben miiffe, weshalb sie sich später hätte mehr Zurückhaltung auferlegen Müssen. Der Staatsanwalt und der Vorsitzende unterbrechen den Verteidiger, worauf er unwillig erklärt: Gewih, aus Rücksicht kommt auch in der Anklageschrift der Name Jose« fine Strcmfly nicht vor, sondern nur „eine Dame der Gesellschaft". Das alles ist darauf angelegt, der Angeklagten nicht zu glauben. Dagegen muh ich protestieren. (Bravorufe im Auditorium.) Der Verteidiger fragt dann die Zeugin, wie sie sich das erkläre, dah sie nach der Tat von Grosavescus Schwester zuerst angerusen worden sei. — Z e ugin: Ich war ganz fassungslos, ich konnte mir es nicht eMären. — Dr. Sieger: Die Schwester hat auch Ihren Mann angerufen und ihm gesagt: „Mein Bruder ist erschossen. Ihre Frau könnte mehr erzählen." Frau Grosavescu erklärt später auch, dah es unwahr sei» daß Frau Stranfly nie allein mit ihrem Mann zusammenkommen ist. — Vors.: Warum haben Sie sie dann eingelade-n? — Angekl.: Ich habe sie nicht eingeladen. Der Vorsitzende kommt dann auch darauf zu sprechen, daß angeblich ein Pelzmantel um 1600 Schilling und ein Kleid um 660 Schilling für Frau Stranfly von Grosavescu geza^t worden seien. — Zeugin stellt fest, daß ihr Mann die Rechnung bezahlt habe. Und Frau Grosavescu die Ziffern aus ihren Erzählungen tzewuht habe. ~~ An gekl.: Die Zeugin hat Interesse daran, nicht die Wahrheit zu sagen. — Zeugt n: Ich bin derpslichtet, hier die Wahrheit zu sagen. — Dr. Sieger: bxt Köchin der Frau Grosavescu hat gesagt, dah sich Frau Stranfly mehr herausgenomrnen halbe, als es einem Beuche zukommt. — Zeugin: Ich bin eine heitere, lebenSiustige Natur und habe mich sicherlich harmlos ungezwungen benommen. —- A n gekl.: Ich hatte Rüchsicht mit meinem '"''anne und ihrem Manne, der ebenso ein armer Narr lvar wrv ich.!>ie Angeklagte fällt erschöpft zurück und ist e i n e r Ohn- Ma cht nah e. Sie wird gelabt, worauf der Vorsitzende die Verhandlung unterbricht. Nach d r e i v i e r t e l st ü n d i g e r Pause — e§ ist 7 Uhr — wird bie Angeklagte wieder in den Saal getragen. Ihr Kops lehnt an einem Polster und bald muh ihr Verteidiger Dr. S t e g e r an ihrer Seite auf der Anklagebank Platz nehmen, um in khrem Sinne die Fragen zu stellen. Das Hauptinteresse konzentriert sich sodann auf den Zeltgen Professor, dm Gatten der Frau Stvcmsky. kr tritt sehr temperamentvoll für die Ehre seiner Frau ein md erzählt die Geschichte der Bekanntschaft der beiden Famlien. Die Geschichte der Toilettenrechnungen stellt er a l s iä ch e r l i ch hin, da sein Einkommen, über das seine Frau oolTCfomriwn verfüge, genügend groß sei, um ihr die für eine rrohe Künstlerin — das sei sie mm einmal — begreiflicherbeifc notwendigen Erfordernisse zu decken. So habe er füv!as Jahr 1926 23.000 Schilling (?) fati'ert. Die Einjrdungen seien immer von beiden Seiten, eirnnal von der krau, das anderemal vom Mann, erfolgt. Die briiske telefhonische Erklärung des Herrn KöveSdy habe ihn sehr jtutziz gemacht. KöveSdy hat sich dann allerdings bei . ihm entschuldigt. Der Zeuge, der sich und seine Frau seit dem Menjat als Märtyrer hinftellt, machte dann ein« inteveffanito Vcitteillmg über die journalistische „Verwertung" der Perdu seiner Frall. Gestern mittagseien sotvohl er als seine fcrmt unter dem angeblichen Namen des Herausgebers oineS jchr bekan.iten Wierwr Mittagsblattes angerufen ivorden. bsr SpreckLr Habe mitgeteilt, dass in hem betreffenden Blatte jente ein Artikel unter dem Titel „Frau Professor ötrausky -- ein« Dirn e" erscheinen werde. Darsei daS Telephon abgelegt worden. Als er dann den Krklichm Herausgeber telephonisch interpellierte, ttmvbe ihm jca»«.7vvrtet, daß es sich um eine Mystifikation handeln Msst. Pros. Stransty Übergab dann dem Vorsitzenden ■stet, der von einem ihm unbekannten Josef Katz!r>^ir^.tchn-*t ist, in dem Men,oir«u ertoäi-ut worden, die 't&*pfaw$cn f >ierz?ü verfaßt habe und in deuen Frau Itzwsäi'.'?* Stransky ko -urpronnttiert sei. Als «* bei: Sache L«i« Wtz M W HM. r?» HM WkMft« Mt vochandeuf eie«. Auch die Angeklagte erklärte, daß sie nie im Sinne gehabt habe, Memoiren zu schreiben. Der Staatsanwalt ergab sich eine Kopie deS Briefes zwecks toei* tever Amtshandlung. Zmn Schlüsse ivnrde nochmals der Vater der Angeklagten, Inspektor Kövcsdy, vvrgerufen, jedoch wegen großer Schwäche der Angcllagjen nicht mehr verhört. Die Verhandlung wird heute in« 0 Uhr vormid tags fortgesetzt. I^HIW Wschled der Szeanflieger von Wien «hamberlin und Levine find gestern «ach Prag abgefiogeu. Die amerikanischen Ozearifl'.eger haben nach viertägiger Dauer ihren Wiener Aufenthalt abgeschlossen. Sie sollten nach den ursprünglichen Dispositionen um 10 Uhr vormittags zum Flug nach Prag aussteigen, doch verzögerte sich der Start wegen des heftigen Regens und der aus Böhmen gemeldeten Gewitter. Gegen H12 Uhr hörte es aus zu regnen. Auf dem Flugplatz hatte sich auch 'bereits mit Einladungen des Handelsministeriums versehene- Publikum ei «gesunden, das von der* Polizei diesmal mit ausnehmender Höflichkeit behandelt wurde. Im Hangar wurde inzwischen die Miß Columbi a" sowie das Begleitflugzeirg der Ossterreichischen Luftverkehrs» A. G. „A 32" zum Start be reitgestellt. Der jedoch wieder stärker einsetzende Regen zwang die Flieger, ihren Abflug neuerdings zu verschieben. Das Publikum verließ den Flugplatz und «S hatte den Anschein, daß der Abflug erst morgen stattfinden werde. Umso überraschender war es daher, daß Chamberlin und Levine sich nachmittags, nachdem sich das Wetter gebessert hatte und auch auS der Tschechoslowakei. günstige Wettermeldungen eingetroffen waren, dennoch zum Flug nach Prag entschlossen. Um 4 Uhr 30 Min. stiegen sie in der „Columbia" ans. nachdem sich auf dem Flugfeld Miniftevialrat Dr. Krauß vom BundeSminister!um für Handel im Namen der Bundesregierung von ihnen verabschiedet hatte. Die Flieger gaben ihrem Dank für den herzlichen Empfang, der ihnen, in Oesterreich von der Regierung und der Bevölkerung zuteil geworden war, in lebhaften Worten Ausdruck. Eine halbe Stund« nach dem Start lder Flieger kainen auch die zwei ihnen zur Begrüßung entgegengefahrenen tschechischen Flugzeuge an, da sie di« ,/Doklmbia" nicht gesichtet hätten. Nach einer Meldung aus Prag sind die Flieger um 18 Uhr 16 Min. am Flugplätze Gbell beii Prag glatt gelandet. Der tschechoslowakische AeroMuV wivd Chamberlin als Ehrengabe e'.nen von einem Flugzeug getragenen Globus überreichen, auf welchem die durch Chamiberlin durchflogene Strecke bezeichnet ist. Die ganze Arbeit ist in böhmischem Kristallglas ausgeführt. Levines Fm«. „Stolz auf mein ssudentlim!" Wie aus der Masse der amerikanischen Businehi-Welt der jüdische Financier Levine ins grelle Licht der internationalen Oeffentlichkeit getreten ist, das bleibt eine seltene Erscheinung auch in dieser an Ueberraschungen so reichen Zeit. Und hinter ihm Frau Levine, bisher nur die anonyme Frau einer nicht mehr anonymen N^rfünlich* keit, sich ebenfalls hevausschälend aus der Schar der Frauen von berühmten Männern. Ist Frau Levine nicht mehr als die Gattin eines plötzlich populär' gewordenen Mannes? Ist sie eine Persönlichkeit, die ohne den Reflex des Mannes etwas bedeutet? Ich sah sie bei einem zu Ehren der beiden Flieger arrangierten Festbanketts: eine junge Dame, hoch und schlank gesvachscn, mit großen Kindcraugen und langen Seidcnwimpern, kultiviert in Kleidung und Haltung. Sie spricht wenig, wenn sie auch nicht so schweig!,am ist wie ihr Mann. Bei dem Bankett saß sie ihrem Mann gegenüber. Man weiß nicht, ob diese Sitzordnung dom Wunsch der beiden entsprach. Es gehört nicht viel Menschenkenntnis dazu, um zu sehen, daß diese Menschen einandcr schr viel bedeuten. Sie sehen so jung und lebensmuiig aus, als wären sie aus der Hochzeitsreise. Eine Vomerknug dieser?lrt nimmt Frau Levine mit entzücktem Lachen auf: „Vergessen Sie nicht, daß ich ein neunjähriges Mädel zu Hause habe." Man ist Überrascht; die trainicrie?lmerikanerin, die sehr lang jung zu bleiben versteht. Ainh das Gesicht ihres Mannes zeigt Jugendsrische, wenn auch die festgeschlossenen Lippen, die ruhig blickenden grauen Augen die ernsten Etappen eines LebenNveges verraiou, der reich an Känipfen und harterfochtencn Siegen ist. Die Bemevkung, daß sie wohl sehr stolz auf ihre»! Mann sei, beanttoortet Frau Lovine mit einem?lugenaupbltck zu ihrem Gatten hin. Das Glück spiegelt sich darin/ „Getvitz, ich bin stolz auf ihn. Und wissen Sie, was inich am nwiston front? WaS ineine tiefste Genngtnnng ist? DivWelt ist voll von Vorurteilen g-egenJndelr. Div meisten Menscheir stell«; sich unter einem Inden ein nüchternes, g/etvinnsüchtiges, kleinliches We<)en vor, ohne Ideal und ohn» Bcaeisterungssähigkeit, das nur ein«» Gedanken kennt: Geldverdiien«n. Dloin Mann hat der Welt gezeigt, daß diese Borstettnng ein Zerrbild ist, daS mit der Wirklichkeit nichts zu tmr hat. Darin sehe ich den ideellen Wert seiner Leisttmg. Ich bin überzengt, daß feine Tat m nrein«n Sinne der: Judentnnr nützen ivird, auf das ich stolz bin. Das Zerrbild wird fallen?' Aus diesen Worten ersieht man, daß Frau Levine nicht nur eine Dame von Welt, sondern auch von Geinütstiefo ist. Das wenige, das sie spricht, fließt aus der Quelle des Herzens. Sie spricht ein wenig deutsch, allerdirxgs sehr zaghaft, undihre Umgebung ist von ihrem Wcksen bezaubert. ,/Wle finden Sie Wien?" So lautet die natürlichste Frage. ,^ch war schon einmal in dieser mi^Mcnben Stadt, dach war unser Aufenthalt, da mein Mann wegen dringender Angelegenheiten nach AmerAa abborufen wurde, nur von kurzer Dauer. Die Schönheit Wiens wiM wie ein Zauber auf uns und nun, da wir es zum Aivoitenmal, unter so außerordentlichen Umständen schon, die Anmut der Architektur, die Kultur und LteVcnAoürdiMit der Menschen, die unvergleichliche Ausnahme, sind wir überwältigt. Die in Wien vechraAten Mückstage werden uns unvergeHlich bleiben." •U*J Harry P. ocxxxxx)ooooooqoqcoooqoooocioooooocxxxx?ooooooooooooooooooqcx?cxxxxxxxxxxx200ooooco Palästina vor der Mandatskommission. Ae Lenlschrist der zionistischen krekotive. — Ae SrweUernng der fiewlih Agenrtz. a Was die Frage der Mi« bereits berichtet, hat die permaruMv I Mandatskommission des Völkerbundes am 20. J«m ihre elfte Session begonnen. Die Behandlung des Berichtes über Palästina wurde auf den SS. und 29. Juni festgesetzt. Die Kommission bestimmte zu Berichterstatterir über die Petitionen folgende Mitglieder: über das Zionistische Memorandum Ban ReeS, über die arabische Petition Prof. falaeioS (Spanien) und über die Kahbararage (Protest gegen die ^Verleihung der Konzession au Wt Pica) Prof. Rapvard. Das Memorandurn der zionistischen Exekutive, das wir unten folge» lassen, ist von einem Schreiben des Präsidnrten Dr. Weizmann begleitet. Die britische Regierung ist, wie berichtet, durch Sir John Shuckduvgh, den Unterstaatssekretär für die Kolonien, vertreten; ihm assistieren der stellvertretende Cheffekretär dev Palästina-Regierung, E> Mills, und Herr Lloyd vom Kolonialamt (Abteilung Palästina). Die Kommission wird nebst den Beruhten auf die Frage der finanziellen Verpflichtuugm der Mandatsterritorien gegenüber den MandatS»nächten sotvie die Frag« internationaler Verträge, die BtandatSterritorien betreffen, zu prüfen haben. Taö Schreiben Dr. Weizmmms stellt einleitend fest, daß in der Angelegeirheit der Bvistellung 1mi Staats wtV ,Bva-chl«ü> für Zrnecke einer dichteren jüdischeir BeMimg geinäß der Bestimnntng dos Mmldatsftattcks bisher noch keinerlei Entscheidung seitens der Palüstirta-Regierurtg getroffen ivorden ist. Dis Zionistische .Exefittive steht aber nrit dev britischen und der nc« Weise Msprochen wird. Staatsbeihilfe für daS jüdische Schufiuesert betrifft, so gibt di« Exekutive ihvern Dank dafür -NiSdrucö daß die Palästina-Regierung^ in ihrem Budget ftir 1926-27 in gewisser Hinsicht Vorsorge getroffen hat. Me erhöhte Beihilfe ist natürlich immer noch beträchtlich geringer als die verhältnismäßige^ Zuwendung für das mrdere Schtllwesen — wenn man die Zahl der Schüler der jMsch.'n Schniien mit derjenigen der Schüler der midtzven Schulen vergleicht —, irmnerhin wird diese Beisteuer daö Unterrichtsdepartenioni der palästinensischen zionistischen Exekutive entlasten und ihm die Aufgabe erleichtern. >Die Exekutive gibt der Hosfmmg Mrsdruck, daß in Verbindung mit der im November 1936 erfolgten Veröffentlichung eines Entwurfes für ein Arbeiterschutzgestst schon in kurzer Zeit Mrßnahnwn für den Schutz von Frauen,md Kindern i« der Jndüstrie getroffen iuki eine ailgc,nec.n' Arbeitsgesetzgebung gemäß den BMrfnissen des Landes emgeführt werden wird. Die Exekutive ergreift gern die GrleWthoit, mn ihr^r iAnerkennung .dafür Ausdruck zu geben, döst die Ptiliistiu^ Regierung Maßnahinen zur Lürderung der Arveitsloslgkeit durch Gewährung von Krcdiceu a.i Zu\. -itnngen uuödurch Inangriffnahme öffeittlicher Mdeiteu durchgeführt hat. Schließlich lenkt die Exekutive die Aufmerksamkeit der die Tatsache^ daß die vom PrA- Geltorganisattou Und den Wlhrvrn anterikanischen nichtzioniMtzien Juden inr Mnter1926--7 i MWm BerhcEmWn u^l^Mchch^Wochin ' >?! f >•' , ’h 0 •y>. i'M v-l :/;l ','Vs|! :;r I hi f:?;; .* iStf“VtM&M'k&ilF.' fit* >. A/Vlk # .

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