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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-24 · Heft 2989 (24.6.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2989 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2969 ®te»tf Freitag Wie«er Morgenzeitung 84. Juni 4927 Seite 9 Ae Ermordung des Tenors Srosavesm. -er mitte Lao des Proreffe». — Lue, und Perversität. — Fra« Srosavesku. »I« ihre «errte fte sehe». Der Prozeß, gegen Frau Relly Grosavescu, wÄche ihren Gatten niedergeschossen hat, bringt immer neu« und immer unerquicklichere Details aus einem Eheleben, in das eine typische Hysterikerin, bei der alle Symptome einer schweren Form der Hysterie, von der Eigenliebe zur Jch-Uederwertung und zu den Anfängen der Megalomanie anzutrcffeu such, und ein Mann von völlig asozialem Wesen, überwertet durch seinen Beruf, den man Kunst «nennt, eiugespauut waren. Ob Frau Grosavescu ihren Mann mit Vorbedacht mngebracht hat oder in einem Jrrzustand ihrer zum Irresein neigenden Sinne, läßt sich, selbst «wenn noch mehr Eheeplsoden, SchlafzimmeruitJ> Garderobvngeh eimnisfe „enthüllt" werden, schwer entscheiden; in jedem Falle war diese Frau in ihrer Ehe unglücklich, denn sie mußte es in jeder sein. Am deutlichsten wurde das Wesen der Angeklagten in den gestern vormittags erfolgten Zeugenaussagen der Hausärzte geschildert. Der Arzt Dr. Ferdinand Winkler, der Hausarzt des Ehepaares Grvfavesc«, der mit beiden Gatten auch eng befreundet war, kannte Frau Grosavescu schon aus ihrer Mädchenzeit. Sie zeigte schon damals die Sucht, in der Familie die erste Rolle zu spielen. Auch in der'Ehe änderte sie sich nicht. Aber sie ist es gewesen, die den künstlerischen Aufstieg ihres Gatten unterstützt und vielleicht auch bewirkt hat. Sie ebnete ihm mit aller Kraft den Weg, sie führte Unterhandlungen, um ihn von der Bolksoper loszubekommen, auch mit den Agenten. Sie war immer sehr eifersüchtig. In der Loge der Oper hielt sie es während der Zwischien,-- pause nicht aus, suchte den Mann in der Garderobe auf und Grosavescu sagte oft: „Meine Frau fürchtet sich, daß ich in der Garderobe Damen empfage." Er hat sich mir gegenüber oft über diese Bewachung durch seine Frau beklagt. Anderseits erklärte er: „Wenn ich spiele, denke ich nur an meine Frau." Ihr Urteil über seine Leistungen war ihm maßgebend. Bors.: Hatte die Frau überhaupt Grund zur Eifersucht? — Zeuge: Er kam gar nicht dazu, mtt Damen zu sprechen, denn feilte Frau wachte mit Argusaugen darüber. Bert.: Haben Sie, Herr Zeuge, etwas von der Hv mosexualität Grosavescus gewußt? — Zeuge: Er hat sich ihrer gerühmt! Er sagte mir: Ich liebe den Verkehr mit Männern, ich liebe auch den Verkehr mit Frauen, aber nur mit den perversesten Fmnen. Ich bin den Verkehr mit Männern von meiner Heimat her gewöhnt. Dr. Preminger: Haben Sie den Eindruck gehabt, er könnte nicht spielen, wenn seine Frau nicht zugegen sei? Daß also hier eine Hörigkeit vorhanden war? — Zeuge: Eine künstlerische Hörigkeit gewiß Er hat aus das Urteil seiner Frau den denkbar größten Wert gelegt. Am Schluß der Aussage gibt Dr. Winller auch an, daß Trajan Grosavescu luetisch war; durch gerichts ärztliche Gutachten wurde auch bei Grosavescu eine ausgehoitte Lues festgestellt. Der Arzt Dr. Marius Sturdza, gleichfalls Hausarzt bei Grosavescu, kannte den Sänger schon aus Klausenburg. Er bezeichnet ihn als makellosen Charakter und etoett Menschen, im Verkehr sehr liebenswürdig. Er trank wohl gern und spielte Karlen, doch könne man ihn nicht als Mkoholiker bezeichnen. Die Angeklagte apostrophiert den Zeugen sehr gereizt; Sie waren sein, aber nicht mein Hausarzt! Merkwürdig, daß Sie nicht wissen wollen, daß mein Mann Kartenspiele: war. Er hat dpch oft feine Gagen verspielt. Und ich habe ihn doch bewogen, 'Abstinenzler zu werden. ES wird hierauf der erste Gatte der Angeklagten vernommen, der vierzigjährige rumänische Komitatsrat Demeter Caltun, ein großer, stattlicher Mann mit TegMhoff- Bart. Auf Verlangen des Verteidigers wird der Zeuge vereidigt. Er gibt an, daß er früher Offizier der österreichisch-ungarischen Armee war und es bis zum Major gebracht hat. Im Jahre 1916 war er in militärischer Untersuchungshaft und hat im Wieivor Garnisonsarrvst den Vater seiner nachmaligen Frau kennen gelernt. Rach ihrer Enthaftung setzten die beiden Männer ihre Bekanntschaft fort und dabei lernte der Zeuge die Angeklagte kennen und hielt beim Vater um ihre Hand an. Der Zeuge zog dann ins Feld, wurde schwer verwundet und seine Frau setzte es durch, daß ev ins Garnisonsspital nach Wien kam. Als er nach der Genesung wieder einrückte, folgte ihm die Frau überall hin, wo es nur möglich war, sowohl an die Südttroler Front als auch in das rumänische Etappenbereich. Im Jahre 1918 bekarck sie an der Südtiwler Front einen Anfall von Blinddarmentzündung; sie war damals im sechsten Monat schwanger, wurde nach Wien gebracht, wo sie noch einer schweren Operatiouldann auch entband. Bors.: Rach Ihrer Darstellung scheint amAnfang die Ehe eine glückliche gewesen zu sein. Zeuge (mit Entschiedenheit): MS zum letzten Augenblick.; Bors. Hat sie Grund zur Eifersucht gHabt? Zeuge: Grund keinen, aber daS war «eine erbliche Belastung ihrer Familie, wie ich glaube. Ich habe gemerkt, daß auch in der Familie solche ©jenen vvrgxkommen sind. Der Zeuge erzählt die schon bekannten Ereignisse, die zur zweüen Heirat der Angeklagten mit Grosavescu geführt haben, und bemerkt dazu:! »Jedenfalls hat die Frau bis znm letzten Augenblick nicht gewußt, ob sie mich verlassen soll oder nicht. Sie hat einmal die Photographien von uns beiden genommen und sie hat sie vor sich hingehalten, gleichsam, um zu sehen, ob sie nach links 'oder rechts gezogen wird. Ich habe ihr drei Monate Zeit zur Ueberlegung gegeben, dann hat sie mir mttgeteilt, daß sie die Scheidung einleiten will." Zeuge: Wegen einer Geringfügigkeit kam es damals zwischen uns zu Differenzen. Als ich etwas lauter wurde, erschien der Schwiegervater und hat dabei die Scheibe an der Glastür eingeschlagen. Bors.: Damals soll auch nach Aussage Ihres Schwiegervaters ein Messer eine Rolle gespielt haben. Zeuge: Kann schon sein, daß irgendwo auf dem Tisch ein Messer gelegen ist. Bors.: Sind Handgreiflichkeiten vvrgckommen? Zeuge: Rein. Meine Frau hat mir nur den Reisepaß aus der Hand gerissen, sonst nichts. Nachher habe ich ja noch in ihrem Hause verkehrt. Vors.: Sie sollen auch eine Aeußerung getan haben, die mit dieser resignierten Stimmung nicht in Einklang zu bringen ist, nämlich Sie sollen erklärt haben, daß Sie fwh sind, Ihre Frau losbekommen zu haben. Grosavescu fall jetzt einmal probieren, wie die Ehe mit ihr ist. Auf Welche Eigenschaften Ihrer Frau haben Sie da angcspiett? Zeuge Auf ihre Eifersucht und Exaltiertheit. Hierauf erstatte Prof. Dr. H ab e rda dasgerichtsärztliche Gutachten, in dem er ausführt, daß Grosavescus Schädel von ungemeiner Zartheit war, ganz im Gegensatz zur sonstigen Größe und Stärke des Mannes, der weit über hundert Kilogramm wog und dessen Körper einen übermäßig starken Fettansatz zeigte. Grosavescu hatte eine ausgesprochene Fettleber, was darauf Mießm läßt, daß er wett mehr Alkohol konsumiert, als ein Mensch vertragen kann. Der Schuß isvvn links rückwärts in den Kopf eiugedrnngen und das Projektil trat bei der rechten Schläfe heraus, nachdem er da? ganze Gehirn durchbohrt und den Schädelgrund und die Gchirnbrücke völlig gesprengt hatte. Der Tod 'Grosavescus muß augenblicklich eingetreten sein, der Getroffene kann nich! einmal den Schuß als solchen verspürt haben. Der Sachverständige im Schließfach, Gustav Springer sagt, daß die Bajardpistole, aus der der^ Schuß abgcfeuert wurde, von sehr starker Durchschlagskraft ist. Dü Waffe ist fett dem Jahre 1913 in Verkehr. Der Vorsitzende zeigt die Pistole nun dem Zeugen Caltun, der sie als sein früheres Eigentum erkennt. Die nächste Zeugin ist Frau Mathilde Stankowansky. — Vors. Sie haben sich freiwillig bei Gericht gemeldet, weil ©re von einem Revolvewttentat der Angeklagten auf ihren ersten Mann etwas wissen. Woher wissen Sie das? — Zeugin: Herr Kövesdy hat es meinem Manu erzählt. — Bors.: Bitte, dann werden wir Ihren Mann vernehmen. Der Kaufmann Ernst Stakowa nskh bezeugt, er sei einmal zettig am Morgen ins Bureau gekommen und Hab« seinen Kompagnon Kövesdy mit verbundener Hand angetroffen. Er habe ihm erzählt, in der Nacht habe es ein« böse Geschichte forschen seiner Tochter und -ihrem Gatter Caltun, die bei ihm wohnengegeben. Er habe eine« furchtbaren Lärm gchört, und als Hm nicht ausgemacht wurde, habe er die Tür eingeschLagön und im Zimmer standen Caltun und feine Frau einander femdseW gegen' über, zwischen ihnen fei ein Revolv er gelegen, aus dem sie amen Schuß abgegMin hatte. In eiuw Zimmerecke sei wimmernd das Kind dev Caltuns gelegen. Sodann wird der Inspektor der MrndeÄahnan a. D. Theodor Kövesdy vvrgerufen, der Vater der Angeklagten. Beim Betreten des Gerichtssaales schreitet ec auf die Angeklagte zu, küßt ihr die Hand und das Haar und Lkegibt sich erst dann vor die Äeugenbarre. — Bors.: Sie werden vorläufig nur über das Revolverattentat einvernommen werden, das Ihre Tochter angeblich' gegen ihren ersten Mann verübt hat. — Zeuge (energisch): Ich weiß Erhebung in der Wüste." Das Tagebuch des englischen BednumWoneMs T. E. Lawrance. Von Dr. Nadja Stein. Ein Phantasiestück, das die Wirklichkeit geboren hat, den Heldenepen der Antike und des Mittelalters an die Seite zu stellen ist, die Tätigkeit, die der junge englische Archäologe T. E. Lawrence während des Weltkrieges in der arabischen Wüste ausgeivbt hat und über das erst jetzt Mitteilungen in die Oeffentlichkeit gedrungen sind. Karl May oder ein Kinoregisseur hätte dieses Fabelgobilde gestalten können. Dem Leben mutz man das Unmögliche glauben und in diesem Fall kann man es an offiziellen englischen Militärdokumenten nachprüfen. T. G. L a w r e n c e ist ein an englischen Universitäten glärtzend geschulter junger Altertumsforscher, der mehrere orientalische Sprachen, u. a. auch das Arabische» bis zur Vollendung erlernt hat. Beim Ausbruch des Weltkrieges reist er in den Orient. Seine Mittel sind so beschränkt, datz er sich nur unter dem ärmeren Voll bewegen kann. Aber dafür werden ihm die Gedankengänge, die Leidenschaften und Ideale des Volles verttauter als sonst einem Europäer. Wegen seiner schivächlichen Kövpevkonstttution tvird er für den aktiven Militärdienst für untauglich erklärt und als Berständigungsoffizier dem britischen Stab in Kairo zugeteilt. Von dort verfolgt er erregt die anwachsende Aufstandsbetvegung der Araber gegen die Türkei und sieht in ihr einen mächtigen Bundesgenossen Englands. Doch die matzgebenden britischen Militärbehörden wollen nichts von einem Bündnis mtt den unberechenbaren Wüstenbeduinen wissen und empfinden Lawrences hartnäckiges Drängen als äutzerst lästtg. . Da saht er den verrückten Plan, das Menteuer auf > eigene Faust zu tragen. Die Araber, die siegreich Wer | Jidda und Mekka vorgedrungen sind, stehen eben machtlos vcw der Festung Medina, dem Endpunkt der Hedjasbahn. Ihr Oberkommcmdant ist Feisal, einer der vier Söhne Husseins, des geistlichen Oberhauptes der Araber. Lawrence weitz es, datz Feisal, erfüllt von prophetischen und geistigen Idealen für sein Voll, die Seele der arabischen Abfallsbewegung ist. Zu ihm begibt er sich und bietet ihm seine Dienste als Ratgeber und Vermittler mtt England an. Die gewinnende Persönlichkeit des 28jährigen Lawrence, sein Glaube cm den Sieg der arabischen Jrredenta, seine unglaubliche Waghalsigkeit und dämonische Energie machen ihn in kürzester Zett Feisal zum unentbehrlichen Freund und Vertrauten. Zwei kongeniale Naturen verbünden sich zur Durchführung einer Vision, die eines Moses oder Mohammed würdig Iväre: Sie wollen die losen, vielfach miteinander verfeindeten Beduinenstämme der arabischen Wüste für den Gedanken der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zusammenschweihen. Die englischen Militärbehörden vernehmen von diesem seltsamen Freundschaftspakt, akkreditieren Lawrence als ihren Vertreter und versprechen ihm alle Unterstützung, die er anfordern würde. Nun können Feisal und Lawrence einander in die Hände arbeiten. Klug versteht es Feisal, die Stämme zu einigen, uralte Blutfehden unter Hnen aus der Welt zu schaffen und ihre stets wachen Kampfrmd Raubgelüste auf ein Ziel festzulegen. Sogar Auda, den mächtigsten der Banditenhäuptlinge und verwegensten Wegelagerer gewinnen sie, und zum Zeichen, datz er den Anschluß vollzieht, wirft er, bevor er Feisals Brot itzt, das falsche Gebitz fort, das er dem Türken Jemal Pascha verdankt. Nun fliehen durch Lawrences Intervention Lebensmittel und Kamele, . Waffen und Geld den Gefolgschaft leistenden Beduinen zu. So erscheint er ihnen als ein allmächtiger Magier. Wenn I er im purpurnem Gewand an der Seite des schneoweitz gekleideten Feisal Hrem farbenprächtigen Zuge voranzieht, jubeln sie ihm als ihrem Abgott zu. Dieser junge, zartgliedrige europäische Student, der nichts besitzt als zwei stahlharte, blaue Blitze schietzende Augen, wird der legendäre Heros der wilden Wüstensöhne, die bis dahin kaum einen Weißen und Christen lebend durch Hr Gebiet liehen. Ein Wort von ihm genügt, damit sie für Urens — so biegen sie sich seinen Namen zurecht — blindlings durchs Feuer gehen. Er ist für sie der Zauberer, der das höllische Dynamit behervscht, das ihnen bis dahin unbekannt war. Es wird ihr beliebtestes Spielzeug. Brücken, Eisenbahnen und vollbesetzte Züge sprengen sie mtt wilder Lust in die Lust. Die Telegraphenleitungen, die unter Lebensgefahr durch ihr Gebiet gelegt wurden, schleifen sie mit ausgelassener Freude, indem sie die durchschnittenen Drähte Kamelen an die Sättel knüpfen und diese dann zu rasendem Galopp anfeuern, so daß die Telegraphenanlagen mitgerissen werden. Ihren Guerillakrieg führen sie mit selbstverständlicher Grausamkeit. Was man an Türken erjagen kann wird skrupellos bis auf den setzten Mann hingemetzelt. Und Lawrence organisiert das Zerstörungswerk. Leicht fällt es ihm nicht, die barbarischen Horden zum Sturm gegen die einzigen Spuren westlicher Errungenschaften in ihrem Bereich zu führen. Die ständige Gesellschaft von Menschendenen Morden und Sterben im Handgemenge, Ekstase bedeutet, bringt ihn oft an den Rand des Wahnsinns. Unerhört sind die Strapazen dieses Wüstenfeldguges. Wie ein brennender Panzer legt sich die Glühofenhitze des Sommers um Gehirn und Leib. Eisig sind die Windstöße des Winters, vor denen Kleider und Zelte nicht schützen. Und Lawrence, der aus der Bücherstube Hervorgegangene, hat es um nichts besser als irgendeiner seiner wüstengewohnten Krieger. Als Allenby englischer Oberkornmandant st'ir Palästina und Syrien wird, schickt er um den Beduinengenerak« um ein gemeinsames Vorgehen gegen die Türken M fe* M-

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