Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2988 (23.6.1927)
- Date
- 1927-06-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2988 Wien, Donnerstag Sine ZnvMionsanleihe der Stadt Berlin beim Bankhaus Rothschild in London. Berlin, 22. Juni. Der Magistrat hat, wie die Mätrer melden, bei der Londoner Rothschildbank eine langfristige Anleihe von fünf Millionen Pfund, nach 3V Jahren rückzahlbar, ausgenommen. Wie der „Lokalanzeiger" meldet, soll die englische Künis-Millionen-Pfund-Anleihe für die Stadt Berlin auf 30 Jahre zu sechs Prozent, bei einem Begebungskurs von 96.60, minus 2 Prozent für englische Stempelgebühren, also zu einem Nettokurs von 93.60 ausgegeben werden. Die Anleihe soll m i t 102 Prozent zurückgezahlt werden. Die erhaltenen Mittel sollen zur Durchführung der letzten großen Magistratsprojokte, wie Schnellbahnbauten und Grundstückkäufe, verwendet werde". Gegen Hie staatliche Schmntzkonkurrenz. Eime Deputation tzsr HaMelskcmimrrn l»s: Dr. Sloipel. In Vollziehung eines Beschlusses der in Graz anfangs Mai abgehaltenen Präsidialionferenz der österreichischen Kammern für Handel, Gewerbe und Industrie sprach gestern im Namen sämtlicher Kammern unter Führung des Vizepräsidenten der Wiener Kammer Nationalrat S t r e e r u w i tz eine Abordnung beim Bundeskanzler Dr. Seipel vor. Sie setzte in eingehender Weise die Beschwerden auseinander, welche Handel, Gewerbe und Industrie gegen die Art der Konkurrenzierung durch gewisse staatliche Betriebe zu erheben haben und erhob «besonders gegen den Ministerratsbcschluß vom Dezember v. I. Bedenken, welcher der Deckung des Bedarfes der staatlichen Aemter gilt und in dessen Auslegung von getvissen Stellen Weisungen an staatliche Aemter ergingen, ihren Bedarf an Papier aller Art (auch Karbonpapier, Autographiepapier), dann an Farbbändern, Bindfaden und anderen Gegenständen des Kanzleibedarscs bei der Staatsdruckerei in Wien zu decken. Weiters müssen laut diesen Weisungen Drucksorten von der Strafanstalt Stein, Briefumschläge von einem Gcfangenenhaus oder von einer sonstigen Strafanstalt bezogen werden. Bundeskanzler D r. Seipel sagte zu, die vorgebrochten Beschwerden eingehend zu überprüfen und mit Herrn Kammervizepräsidenten Nationalrat S t r e e r uw i tz in dieser Angelegenheit in Fühlung zu bleiben. Bon der österreichischen Postsvarkaffr. In der Sitzung des Kuratoriums der Oesterreichischen Postsparkasse vom 10. d. M. wuvden die Eröffnung sb i I a n z 1927 und die R o h b i l a n z e n für die Monate April und Mai 1927 horgelegt. Die Eröffnungsbilanz weist auf der Passivseite in Millionen Schilling folgende Posten auf: Einlagen 279,7, Laufende Rechnung zu Wertpapierdepots 1,2, Kreditoren 76,4, Depositen 0,6, Delkredere-Konto 34,7, Sonstige Passiva 2,9, zusammen 395,6. Die gogeni'lberstehenden Aktiven sind folgende: Kassenbestände 4,2, Debitoren 180,6, Darlehen auf Effekten 0,1, Wechselportcfeüille 1, Eigene Effekten 72, Sonstige Aktiva 11,9, Haftungskonto des Bundes 125,7, zusammen 396,6. Das Kuratorium hat in der Sitzung vom 10. Juni ein Komitee, bestehend aus dem Präsidenten der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Reisch, Ministerialrat D r. R e i s s e n b c r g e r, Hofrat Georg Stern und dem Direktor der Allgemeinen österreichischen Bodenkredit-Anstalt Dr. Ernst M o s i n g, bestellt, das die Eröffnungsbilanz der Oesterreichischen Postsparkasse für das Jahr 1927 am 13., 15. 16. und 17. Juni in Sitzungen mit dem Vorstand der Postsparkasse durchbesprochen hat. Das Komitee hat die Tebitorenliste im Zusammenhalt mit dem Delkredere-Konto, das Wechselportefeuille, das Effektenverzeichnis und die sonstigen Aktiven geprüft und ist zu dem' Schluß gelangt, daß die gebotene kaufmännische Vorsicht bei der Aufstellung der Bilanz gewahrt worden ist. Auf die einzelnen Schätzungen ist das Komitee nicht eingegangen. Das Komitee beantragte, das Kuratorium möge die Eröffnungsbilanz der Oesterveichischen Postsparkasse für 1927 zur Kenntnis nehmen. Das Kuratorium hat in seiner Sitzung vom 22. Juni den,Bericht des Komitees zur Kenntnis genommen und dabei im Sinne einer Anregung der Kuratoren Hofrat Stern, Direktor Mosing und Kommerzialrat Weiß die Erwartung ausgesprochen, daß das Postsparkassenamt bei der iAbwicklung der schüvebmden Geschäfte auch weiterhin auf die tunlichste Hereinbringung und Herabminderung der Verluste bedacht sein und dabei alle rechtlich gegebenen Möglichkeiten in Erwägung ziehen werde. 8« geht nicht. Oesterreichs Handelsvertvagsverhandluntzen üöemll im Stocken. Die Handelsvertragsveyhandlungen,; die Oesterreich jetzt mit der. Tschechoslowakei und mit Ungarn führt, sind auf einem toten Punkt angelatigt. Die schon lange lvährenden Verhandlungen mit der Tschechoslotvakei, die unter dem für beide Seiten fühlbaren Druck eines Vertragslosen Zustandes geführt werden, haben keinerlei Annäherung ergeben. Der Stand dieser Bevhandlurrgen wird als kritisch angesehen. In letzter Stmrde wurde von tschechoslowakischer Seite ein neuer Bermittlungsvorschlag bezüglich Wiener Morgenzerümg der österreichischen Textilzölle gemacht, über den die österreichische Textilindustrie in den allernächsten Tagen beraten wird. Er betrifft im wesentlichen, daß gewisse Gewerbetypen eine neue Zolltarfflerung erhalten sollen, ivoraus sich bestimmte Zollerleichterungen ergeben würden. Ob dadurch die Hoffnung auf Uebevwindung der Krise gegeben erscheint, muß abgolvartet werden. lieber den Stand der Verhandlungen mit Ungarn wird aus Budapest berichtet: Die ungarische Delegation für die österreichisch-ungarischen Handelsvertragsverhandlungen hätte Dienstag nach Wien zurückkchren sollen. Gestern abends wurden jedoch die Dispositionen geändert. Die ungarische Regierung ist der Ansicht, daß die durch die österreichischen Vorschläge geschaffene Lage noch nicht genügend geklärt fei. Sie wird daher das Material zuerst einem Ministerrat vorlögen und dann Anord< nungen über die Forffetzung der Verhandlungen treffen. Der Stand der Verhandlungen wird hier n i ch t g ü n K i g beurteilt. Es geht also auch hier nicht.... Br Cmtln» öder die deutsche WlrtschastspolitU Hamburg, 22. Juni. Anläßlich der Beratungen des deutschen Industrie- und Handelstages in. Hamburg behandelte Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius ausführlich die Grundzüge der schwebenden deutschen Wirtschüftsfragen. Im Zusammenhang Mit der Beurteilung der gegenwärtigen Lage könne mit absoluter Sicherheit gesagt werden, daß die Stabilität der Währung gewährleistet ist, und auch von der Seite der Reparationsverpflichtungen her könne der deutschen Währung eine Gefahr nicht drohen. Das erhebliche Steigen der Passivität der Handelsbilanz fand ihre ausreichende Erklärung in den Konjunkturverhältniffen. Um die Wirtschaft stark und konkurrenzfähig zu erhalten, seiSerrkung der Preise und entsprechende Steigerung des realen Einkommens wahrscheinlich der einzige Weg. Daher hat der Minister auch die Erhöhung der Kohlenpreise untersagt. Er hoffe ferner, daß im gegenwärtigen Augenblick eine Steigerung der Eiseupreise vermieden werden könne. Die Reichsregierung werde ihre Kraft zur Durchführung der Empfehlungen der Weltwivtschaftskonferenz energisch einsetzen mit dem Ziele einer schrittweisen und paritätischen A bs e r,r k u n g d e s Z o l l n i v ea lt § der Welt. Deutschland habe Frankreich Vorschläge rm Sinne der Weltwirtschastskonferenz unterbreitet. Sollte esnicht zu einer Verständigung kommen, so werde sich Frankreich darüber klar sein müssen, daß ihm ein wesentlicher Teil der Verantwortung auf die weitere Entwicklung der Wirtschcrftsverhältnifse Europas zusalle. Polens Amerika Anleihe. Aus Warschau wird uns gemeldet: Im Zusammenhang mit der Rückkehr, des polnischen Anleiheunterhändlers M l h n a r s k i nach Warschau sind Gerüchte von neuen Schwierigkeiten der Anlcihoverhandlungen aufgetaucht, unter anderem daß das amerikanische Konsortium neuerdings eine Verpachtung der Z.o l l e in kn nfte als Sicherstellung verlangt. Diese Gerüchte werden von den maßgebenden Stellen d c m e n t i c r t und verlautbart, die U n t e r z e i chn ü n g des Anl-eihevertrages (die schon seit zwei Monaten immer wieder in unmittelbare Aussicht gestellt wird) werde bestimmt in der ko mm e n de n Woche erfolgen. Eine innere ElsenWaanlelhe? Pressenachrichten zufolge beabsichtigt die polnische Regierung, nach Unterzeichnung des Vertrages Mer die amerikanische Anleihe eine innere Anleihe in der Höhe von 90 b i s 100 Millionen Zloty auszulegen. Das Geld soll zu Jnvestrtionszjivecken, hauptsächlich zum Ausbau der Eisenbahnen, verwendet werden. Englische Anleihe föt Die guSerprovuttlonr Die polnischen Zuckerraffineure bc-uerben sich gegenwärtig auf dem englischen Geldmärkte um eine größere Anleihe zwecks Finanzierung der b^- v or steh e n d en Z u ck>e r kamp a gn e. Die Anleihe soll 28 Millionen Zloty ausmachen. Unterbrechung der Handelrvertragsverhandlungr» mit der Tschechoslowakei «nd Ungar«' Wie die „Politische Korrespondenz" erfährt, erleiden die HandelSvertragsverhandlungen mit der Tschechoslowakei und Ungarn durch die parlamentarische Beratung des t>schechoslwvakisch-ungari.schen Handelsvertrages in Prag und Budapest eine kurze Unterbrechung. Die ungarischen Delegierten kchren anfangs nächster Woche nack> Wien zurück. rar zollabkommen Milchen Paiöstina and Syrien. I e r u s a l e m, 20. Juni. (I. T. A.) Im Zusammenhang mit der Mitteilung. über Verhandlungen zwischen dem britischen Finanzminister Ghurchill und der französischen Regierung betreffend den Wschluß^ eines neuen Zollabkommens zwischen Palästina und Syrien, hat die B e r e inigung der päl ä * st i n c n s i s ch e n I n d u st r i e l l e n beschlossen, bei der britischen und dex Palästina-Regierung Vorstellungen gegen d a s Ab k o m m e n zu erheben. Die In« 28. Juni 1927 Sekte 7 dustricllen'Organisation ist der Uebcrzeugung, daß das Abkonunen die Interessen der palästinensischen Industrie und die Handelsbeziehungen zwischen Palästina i»»* Syrien schädigen wird. Am besten sind doch die Ceschka-hüte VHm KalwrntmBe 123 WI6N IX., Altcrsfrafit Nr. 6 Leichte Desfrvung der Lira. Aus den internationalen Plätzen hat sich der Kurs der Lira nach dem Stillstand der letzten Tage um etwa 1 Prozent gehcben; in Zürich stieg der Kurs der Devise Mailand von 20.06K aus, 29.32, schwächte sich dann wieder c-was ab und schloß bei einem Stand von 29.27)4. Devise Madrid war im Gegensatz zur Lira abgeschwächt (46.95 Parität Zürich gegen 89.20 an Dienstag), her Leu dagegen bei 3.10)4 etwas fester. Der Schilling notierte 73.45)4. Der Status der Firma Jakob Neurath. Gestern wurde der Status der Firma Neurath fertiggestellL; er wird der Gläubiger Versammlung, in der auch ein Gläubigerausschuß gewählt weiden soll, vorgelegt werden. Die Ziffern des Status stimmen mit den schon vor mehreren Tagen bei uns genannten Zahlen überein; die Summe der Passiven beträgt ohne Russenwcchsel und nach Ausscheidung der gedeckten Debitoren zirka 24 Millionen Schilling, die Aktiven' werden mit zirka 16 Millionen Schilling bewertet. Man hofft, daß e°n außergerichtliches Arrangement wird getroffen werden können. Für die Sanierung des Unternehmens bestehen mehrere Projekte. die jedoch noch keine festen Formen angenommen haben; darunter befindet sich auch der Plan, die Industrien der Firma in eine österreichische Bet r ieb S-g e s e lisch afft einzu bringen Verband jüdischer Konstitute und Gewerbetreibender in Men. Dienstag, den 21. d. M. fand die zweite Plenarversammlung der Bczirksgouppe Mariahilf-Nou'bau statt. Nach dem Referat des Herrn A. M. Ehrlich beantragte Herr Strauß zwecks Ausbau der Kreditkasse an die gesamte jüdische Ocffenttichkeit heranzutreten, insbesondere auch an die Union deusichösierreichischer Juden. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Dohnar. Taub, Leiter und Guttmann. Keine freie Lei-Ausfuhr. Aus Bukarest wird berichtet: Im Zusammeichang mit dem Regierungswechsel waren Gerüchte im Umlauf, nach welchen das Verbot der Ausfuhr von Lei durch die neue Regierung ausgehoben worden sei. Die Devi-eukontrollkommission teilt nun mit. daß die Ausfuhr von Lei in welcher Form immer auch w e i t e h i n verboten ist. Mr das Ausland bestimmte Wechsel in Lei sind nur mit vorheriger Bewilligung der Devisemontrollkommission gestattet. Ebenfalls bleibt die Verordnung der Averescu-Regierung in bezug ans das Mitnehmen von fremden Zahlungsmitteln bei Auslandsreisen in Kraft. Bei Reisen in das Ausland dürfen fremde Valuten bis zum Gegenwert von 5000Lei mitgenommen werden. Im Julia nd Wunen fremde Valuten bis zum Betrage von 10.000 Le: ohne vorherige Genehmigung der Devisenkontrollkommission gekauft werden. Internationaler Kongreß der Vertreter und Agenten. Aus Budapest wird berichtet: Der ungarische Verband der Vertreter von Jndustrieunternehmungen leiert im kommenden , Jahr das Jubiläum des -20jährigen Bestandes. Das Jubiläum wird mit einem internationalen Kongreß der Vertreter und Agenten verbunden sein. Es wurden bereits Einladungen zur Teilnahme an diesem Kongreß an die Bvudervereinigungen in der Tschechoslotvakei, Frankreich, Deutschland, Oesterreich und Italien abgesandt. In Fachkreisen erwartet man, daß dieser internationale Kongreß die Rechtsstellung der Vertreter international regeln wird. Böhmische Eskomptebrmk und Kreditanstalt. Aus Prag, 32. d. M., wird telegraphiert: Die in der gestrigen Sitzung des Verwaltungsrates der Böhmischen Eskomptebank und Kreditanstalt vorqelegte Bilanz für 10(26 weist einen Reingewinn (ohne Vortrag) von 302 Millionen gegenüber 33.5 Millionen im Vorjahre auf. Der Verwaltungsrat beantragt die Ausschüttung einer Dividende von 10 Prozent oder 20 Kronen (gegen 24 Kronen im Vorjahr). Schmierigkeiten einer tschechoslowakischen Zuckersirma. Aus Prag wird gemeldet: Die Zuckerfirma Heidler ist, wie verlautet, in Zahlungsschwierigkeiten, geraten und hat um einen Ausgleich angesucht. Verursacht 'ist die Insolvenz der Firma durch den allgemeinen Preisrückgang auf dem Weltzuckermarkt, wodurch Verluste von zirka 40 Millionen Kronen entstanden sein sollen. Es heißt, daß die Firma gegen 400.000 Sack Zucker eingekauft und durch den Preissturz 85 Francs per Sack verloren yat. Wenn es nicht gelingt, einen Privatausgleich zu erzielen, wird es wo<hl ,zu einem gerichtlichen Ausgleich kommen. Die Warschauer Aktiengesellschaft Ephraim insolvent. Aus Warschau wird uns berichtet: Die große Aktiengesellscha-st Ephraim, welche in Warschau drei große Engroslager von Seidenwaren sowie mehrere Detallgeschäfte besitzt, hat die Zahllmg eingestellt. Die Passiva der Firma sollen über 200.000 Dollar betragen. Herabsetzung des belgischen Bankzinssußes. Aus Brüssel wird gemeldet: Die belgische Nationalbank hat den Diskontsatz von b% Prozent auf 5 Prozent herabgesetzt. Salzmonopol in der Türkei. Am 1. Juni d. I. wurde in der Türkei eine seMständige Sal-zmmopolverwaltung eingerichtet, die sich auch besonders um die Verbesserung der Saliz. gewinnungsmethoden bemühen soll. Zn diesem Ztvecke werden wahrscheinlich z>v-?i ausländische Spezialisten verpflichtet werden. Wiener Börse. Goschästslos. — Ungarische Wsrte etwas besser. Die Geschäftslosigkeit vom Dienstag tvar auf dem gestrigen Aktienmarkt noch verstärkt. Nur Poldihütte tvar von Prag gefragt, was den Kurs dieses Papiers steigerte. Ungarische Werte, die anfangs nachgaben, waren spater zufolge von Budapesbev Arbitragekäustn gebessert und diese Besserung hielt bis zum Schluffe unter Einwirkung der Budapester Tendenzberichte a»; davon gewanrren hauptsächlich Rima und Salgo. Pariser und 7ns iüdisdke Haus das iüdisthe (Blatt “