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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-23 · Heft 2988 (23.6.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2988 (23.6.1927)
Date
1927-06-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Hesse 8 Wien, Donnerstag Wiener Moegerrzeitting 33. Jupi 1927 Nr. 2988 Bühne und Kunst. „der Sole«" als Mufittrum«. Erstaufführung von Ditlberts Oper in Leipzig. (Eigenbericht.) Die jüdische Sage vom Hohen Rabbi Löw und seinem Geschöpf, dem »Golem", ist nun vertont worden. Komponist der neuen Oper, die am Leipziger Neuen Theater mit starkem Erfolg zur ersten Aufführung gelangte, ist Eugen d'Albert, das Buch hat Ferdinand Lion geschrieben. Der Textdichter läßt den Golem durch Zaubersprüche des Rabbi Löw der Erde entsteigen, in welcher der Steinkoloß viele hunderte Jahre lag. Sprache, sowie später auch.mensch liches Empfinden erhält der Golem nicht vom Rabbi Löw, sondern von dessen schöner Ziehtochter Lea. Die Wandlung des ungefügen tierischen Wesens von roher ungebändigter Gewalt zu geschwisterlichem Seelenverständnis und später zur Liebe, für Lea, diese Veredlung der Urgewalt durch weibliche Huld ist dem Textdichter geglückt und hat. den Komponisten inspiriert. In dieser Fassung der Golemsage muß der Hohe Rabbi Löw die geliebte Tochter opfern. Der Golem» dem er Leas Hand verweigerte, will nämlich in seiner ohnmächtigen Wut in Prag ein Blutbad anrichten. Dadurch, daß Rabbi Löw durch einen Zauberspruch seine Tochter Lea tötet, entzieht er dem Golem die Seele, die ihm Lea gab und rettet die Stadt Prag. Mit dieser Opfertat des Rabbi endet das Stück. An d'AWerts musikalischer Schöpfung ist vor allem der Orchesterpart zu bewundern, insbesondere dort, wo er dem naiven, ungeschlachten Wesen der Golemfigur kongenialen Ausdruck gibt. Wunderschön sind auch viele Stellen, welche Lea zu singen hat. Das Ertvachen des Mädchens zu zarter Weiblichkeit findet in dAbberts Komposition ergreifenden musikalischen Ausdruck. Den Löwenanteil an dem Gelingen - der Aufführung hat Oskar Braun, der Dirigent des Orchesters. Walter Zimmer als Golem und Maria JanowWa als Lea waren ganz hervorragend. M. Ler guteruationale P. 8. R.-Klub und die Mische Literatur. Ausnahme interterritorialer Literatuoen im Prinzip beschlossen. - Wie I. T. A. unter dem 20. b. M. meldet, wurde auf dem Brüsseler Kongreß des Jnternatioalen P.^ E. N.-Kluibs, der unter dem Vorsitz John Galsworthys tagt, die Zulassung von Literaturen, die apf Staaten, und Territorien nicht begrenzt sind, erörtevt. Anlaß hiezu gab das Ersuchen des jüdischen Schrift stell e rv re i ne s in Warschau um die Aufnahme eines territorial nicht begrenzten jiddischen P. E. N.-Klubs., Der.. Sitzung wohnte als nicht stimmberechtigter Vertreter Herr. Leon. Kö n i g vom Warschauer jüdischen Schriftstellerve rein bei. Der Kongreß «beschloß im Zusammenhang mit dem Antrag des Warschauer jüdischen Schriftstellervereins, daß der Anschluß von territorial nicht begrenzten nationalen Literaturen zulässig sei. Ebenso ist die Aufnahme einer Notionaiitäiengruppe innerhalb eines Staates (aber nicht einer Einzigen Stadt) zulässig. Den jüdischen Schriftstellern aller Länder wird anheim gestellt, sich zu einem repräsentativen Zentrum zu vereinigen und der Ausnabw" in den Internationalen P. E. N.-Kl-ub zuzustimmen. Am de« Theatern. Burgtheater. Freitag, halb 8 Uhr „Leonie"< Dienstag, den 28. Juni, halb 8 Uhr „Der Gras von Charola i s". Mittwoch, den 29. Juni, halb 8 Uhr „Das Käthchen von Herlbrönn". Ak a d e m i e t h e a t e r. Morgen Freitag, halb 8 Uhri „D e r gU t e K ö n i g". Mittwoch, den 29. Juni,. halb 8 Uhr „C yprienne". Operntheater. Morgen Freitag, 7 Uhr „Aida" mit Meta Seinemeyer von der Staatsoper in Dresden als Gast. Deutsches Volkstheater. Sonntag, halb 4 Utzp,,B)er Musikant Gottes" als Nachmittagsvorstellung. Morgen Freitag Erstaufführung des von Viktor Hahn nach dem Entwürfe Schillers verfaßten Trauerspieles „W a r b e ck". Die Komödie „Zaza" mit Levpoldine Konstantin wird Samstag wiederholt. . „ ' Johann-Strauß-Theater. Morgen Frettag Erstaufführung der Operette „Rosen aus Schiras" von Fritz G r ü n b a u m und Wilhelm Sterk, Musik von Frank Stafford.! Lustspieltheater. Freitag, den 24. p. M., 25. AutzsÄhrung der Bolksstück-Revue „Die eilige Iohanna" mit Hanse Niese als Gast. Von diesem Abend an beginnen dre Vorstellungen wieder um acht Uhr. Auftakt zur L»ebermann,Fe»er. Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Reihe der Ehrungen für Professor Max Ltebermann aus Anlaß seines 80. Geburtstages (20. Julr 1927) beginnt Donnerstag, den 23. Juni, mit der Eröffnung der großen Lieb ermann-Jubiläumsausstellung in der Akademie der Künste. Bei diesem festlichen Anlaß wird neben der Sektion für Musik auch die neue Sektion für Dichtkunst Mitwirken und hervortreten. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Pros. Dr. Becker, wird zu der Feier erscheinen. Die Festrede hält Prof. Philipp Franck. Nach einer musikalischen Einleitung wird ein Prolog, gedichtet vom Vorsitzenden der Dichterakademie Wilhelm v. Scholz, vom Schauspieler Lothar Müthel vorgetragen werden. Die Ausstellung besteht aus 100 W e r k e n L i e V e rmanns aus seinen verschiedenen Scl>affenSzeiten unter Betonung der Produktion der letzten zchn Jahre. Hauptwerke des Künstlers sind von allen deutschen Galerien manns aüs Prtbatbesitz. Für die Ausstellung wird ein reich illustrierter Katalog, erscheinen, zu dem Max Liebermann ein nems Selbstbildnis in Steindruck nis des Achtzigjährigen über seine aus langem Schaffen gewonnenen künstlerischen Ueberzeugungen. Jüdisches Künstlerkabarett. Dienstag, den 26. d. M., gelangt im jüdischen Künstlerkabarott, 2. 'Bez., Praterstraße 60. ein neues Stück von Ä. Meisels „Der Renegat" zur eiwmaligen AulMrung. Die Tolstoi-Jahrhundertfeier in Rußland. Für das Jahr 1028 wird in Rußland eine große Feier zum Gedächtnis voll Leo Tolstoi vovbe reitet, dessen Geburtstag sich dann zum hundertsten .Male fährt. Die Leitung der Vorbereitungen liegt bei dtr Akademie der Wissenschaften in Moskau. Uebersührung der Gevetne SlowaekiS noch Krakau. Dre Gebeine des polnischen Dichters S l o w a c k i werden von Frankreich zunächst nach Warschau gebracht, wo für den 24- Juru große Feierlichkeiten geplant sind. Boi: Warschau aus erfolgt dann die weitere Ueberführung nach Krakau zur Beisetzung im alten Känigsschloß aus dem Wawel. Der achte deutsche Bolksbühnentag. Heute wird in Magdeburg der achte deutsche VolkSbühnemag eröffnet. Es sind drei Referate angesetzt^ Prof. Iolles spricht übet „Die Idee des Volksthcaterö im Wandel der Zeiten", Prof. Marck über den ,Fulturwillen der heutigen Massen" und Julius Bab über „Politik und Theater". Die Berliner Volksbühne bringt aus Anlaß der Tagung Strindbergs „Traumspiel" und Shake« speares „Sominernachtstraum" zur Aufführung. — Der Verbaird zählt gegeirwärtig 263 Volksbühnengemeinden und 540.000 Mitg l i e d e r, die zu geregeltem Theaterbesuch verpflichtet siud. Insgesamt besetzten die dem Verband der deutsche« Volksbühncnvereine an gegliederten Volksbühnengemeinden im letzten Spieljahre rund fünf Millionen T h e a t e r p l ä tz e und zählten über 7 Millionen Mark an die Theater. Außerdem brachteil sic den Theatern manche Erleichterung der Spielplangesialtung, gaben ihnen vor allen Dingen die Möglichkeit, künstlerisch wertvoll!? Werke vor vollbesetzten Häusern zu spielen. Bon den im Verband vereinigten Organisationen wurde zwei eigene T h e a t cr betrieben. Drei Vereine waren Teilhaber an örtlichen Theater- Unternehmungen. Der Verband unterhielt drei Wanderbühnen und war Teilhaber an drei weiteren Wandertheatern. Zahl seiner Beteiligungen an stehenden Bühnen wuchs auf a. Außerdem übernahm er ein Puppensplelthcaler. Ein Gerichtsdiener findet wertvolle Bilder in Akte'nfaszikeln. Aus Brüssel wird gemeldet: In dem Palais de Justice wunden von einem Gerichtsdiener unter alten Akten mehrere Bilder gefunden, die mindestens ein Jahrhundert lang dort gelagert haben müssen. Die Gemälde wurden von Sachverständigen untersucht, die -der Ueberzeuguwg sind, daß einige der Bilder Originale von David Teniers sind, eines ein Salvator und die übrigen Meisterwerke der italienischen S ch u l e . des 16. Jahrhunderts. Vereine, Bortröge und Versammlungen. Verband jüdischer Kauslcute und Gewerbetreibender. Heute 8 Uhr P l e n a r v e r s a m m l u n a in der Kaafinannshalle des Wiener Bürgercafe, 2. Bez., Praterstraße 14. Auf der Tagesordnung steht ein Referat d e r 0ste r re ichi scharren da l ische n Handelskammer in Wien. — Maimonides-Institut, Hetzgasse 40. Heute, Donnerstag, 6 Uhr, Dr. A. Kam inka:,Schluß des Buches Habakuk"; 7 Uhr, Dr. N. Goldistein: „Traktat Kidduschin." - Wiener Beth-Hamidrasch, 2. Bez., Tempelgasie 3. Heute, Donnerstag, 6—7 Uhr, Rabb. Lektor Dr. Gelibhaus: Psalmen. 7 Sternabende auf. dem _Sommerheidenweg. Samstag um 9. Uhr Versammlung in 'Pötzleinsdorf, Ende der 41er Linie. Schluß 10 Uhr. Führung Professor Thomas. tzerichtrsaal. Mazzoth Im Serichtssaal. LGR. D r. Wahle vom Bezirksgerichte für Handelssachen sah sich in einem an sich einfachen Prozeß vor eine sehr schwierige Aufgabe gestellt. Der Kaufmann B^rthold Schindler hatte dem Geflügelhündler Ignaz tz : r s ch l über dessen Bestellung für die diesjährigen Pefsachfeieriagc 100 Kilogramm dünner Mazzoth im Gesamtfakturewbetrage von 180 Schilling geliefert. Am Nachmittag desselLen Tages erschien das Lastauto des Geflügelhändlers vor dem Laden des Mazzoth-Lieseranten und Angestellte tzirschls brachten die gelieferte Ware mit der Bemerkung zurück, daß sic dem Aufträge nicht entspreche und schlecht sei. Schindler verweigerte die Annahme und die Angestellten des Geslügelhändlers bauten die umfangreichen Pakete auf denk Gehsteig vor dem Geschäfte auf. Es entstand großes Aufsehen, ein Wachorgan schritt ein und Schindler lagerte endlich die Ware in seinem Lokal ein. Gleichzeitig verständigte er seinen Kunden, daß er die Beanstandung der Ware'nicht zur Kenntnis nehme und sie zu seiner Verfügung halte. Da Hirsch! auch weiterhin Annahme und Zahlung der Ware verweigerte, kam es zur Klage und die gerichtlichen sachverständigen Bäcker, Johann B r ä u n i g, und Genossenschaftsvorsteher M. Eil es, sollten vor Gericht darüber auSsagen, ob die Mazzoth gut oder schlecht gewesen seien. Beide Herren lehnten jedoch die Abgabe eines Gutachtens mit der Begründung ab, daß ihre Kenntnisse von Backerzeugnissen nicht dazu ausreichen, um die Qualität und BvauchbarFeit von Mazzoth zu beurteilen. Erst nach vielen Bemühungen gelang, es dem Richter, in Wien einen Mazzotherzeuger ausfindig zu machen, der zur Abgabe eines Gutachtens bereit war. Zur Verhandlung brachten der Kläger, vertreten durch Dr. Hans N e u m a n n, als auch der Beklagte, vertreten durch Dr. Viktor Weiß, Kostproben von Mazzoth mit. Jede der Parteien erklärte jedoch, daß die Proben nicht von der beanständeten Ware herrühren. Der Sachverständige machte kurzen Prozeß. Er aß von beiden Kostproben und erklärte, sie seien sehr gut u n d s ch m a ckh a f t und es läge kein Grund zur Beanstandung vor. So kam es denn auch zu einer Verurteilung des Beklagten in vollem Umfang der Klage. Allerdings waren inzwischen die Feiertage längst verstrichen. . Die Attentäter gegen Vazsonyi. In Budapest fand gestern die Verhandlung gegen Van nah und Molnar statt, die seinerzeit während der Francsfälscherafsirre den inzwischen verstorbenen Abg. Vazsonyi überfallen hatten. Sie fanden milde Richter. Vannay wurde zu 48 Peirgö Geldstrafe und Molnar zu drei Tagen Gefängnis und einer Geldstrafe von. .16 ..PengS verurteilt. ' IDBBRRHBnSttinHmBBIIBRaBpBBBaRiaRlfllHBHHMBgiBVaMaaM* Rußland löst feine Sitlitvechfel ein Aus P r a g wird berichtet: Die englisch-russische Spannung gab in der internationalen Handelswelt zu Befürchtungen Anlaß, daß die Sowjetregierung ihren zum 1. Juli fälligen Wechselverbinblichleiten für die nach Rußland gelieferten Waren nicht Nachkommen werde. Diese Gerüchte kursierten auch in der Tschecholowakei, deren Textilindustrie zu Sowjetrußland auf Millionen sich belausende Forderungen für Warenlieferungen hat, die teils direkt, HI8 indirekt nach Rußland geliefert würden. Interessierte .reise stellten an den zuständigen Stellen den Stand der Dinge fest und das Ergebnis ihrer Anfragen ist befriedigend. Rußland wird angMich seinen zum 1. Juli fälligen Wechselverbindlichkeiten Nachkommen. Der vlrelte FraStenvettetzr Sefferrelch—Rußland. Das österreichische Handelsministerium hat, wie wir bereits seinerzeit berichten konnten, an das Volkskommissariat für Verkehrswesen in Moskau die Einladung gerichtet, Verhandlungen zur Aufnahme eines direkten Frachtenverkohrs zwischen Oesterreich und der Sowjetunion zu beginnen, damit der biGerige Zustand, daß die österreichischen Warensendungen nach Rußland an der p o li s ch - r u s s i s ch e n G r e n z e erst auf Grund neuer Frachtbriefe weitevbesördert werden, einer einfacheren und.rascheren Methode weiche. Das Volkskommissariat hat, wie aus M o s k a u gemeldet wird, den Vorschlag ngenommen. Die Verhandlungen beginnen in der " ' u Zeit. Dle russischen für England. Nach einer Meldung der „United Preß" aus Ber- . i n, hat die dort tagende Konferenz der russischen Handelsvertreter in den wichtiAen europäischen Haupttädten nunmehr Richtlinien über die Verteilung der ursprünglich für England bestimmten Aufträge in der Höhe von fünfzehn Millionen Pfund Sterling festgelegt. Der Löwenanteil hieran dürfte wahrscheinlich den Vereinigten Staaten znfallen. Der Rest dürfte unter Deutschland, die Tschechoslowakei, Italien und England verteilt werden. England dürste für dieses. Jahr noch Aufträge in ungefährer Höhe von 5 bis 10 Prozent der ursprünglichen Auftragssumme erhalten. SOLSLI» ERSCHIENEN Die Juden Wiens EINE STATISTISCHE STUDIE VON DR. LEO GOLDHAMMER DIE GEGENWÄRTIGE SITUATION DER UUDEin GEMEIN DE WIEN UND IHRE ZUKUNFT ERÖFFNET DiESE WERT¬ VOLLE BROSCHÜRE DIE FÜR Jܬ DISCH - POLITISCHE KREISE VON GROSSER BEDEUTUNG 'ST PREIS SCHILLING 4*60 R.LDWIT VERLAG, WIEN I., FLEISCHMARKT 1 RÖTENTURMSTR. 22 m 5738

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