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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-22 · Heft 2987 (22.6.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2987 (22.6.1927)
Date
1927-06-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2967 Wien, Mitwroch Wiener Morgerrzeitmrg 02. Juni 1927 Seite 8 Wie lebt man in Tel Alviiv? Von I. Hamusar, Palästina. Tel Awiw, Paris, New Bork, Chicago en mtitiflfttre, sagen manche. Aber bas ist falsch. Tel Awiw ist keinoswegs ein -verjüdischtes französisches Modell, eb-eu sowenig ein amerikanisiertes jüdisches Muster. Tel?lwiw ist eben die erste jüdische Stadt, wobei ich beide Worte unterstreiche: erste und jüdische. iJm ganzen Lande, vielleicht sogar in Jerusalem, findet man nicht den umfassenden, vielfarbigen ,^Kibbuz Galujoth" wie in Tel Awi-w. Vom amerikanisierten jüdischen Pankee bis zur Odessaer Jüdin, von der Pariser Mode-Mademoiselle bis zum Menachem Mendel aus Kasrilowka, vom echt europäischen Gentleman bis zum primitivsten Typ des zermarterten jemenitischen Juden. Dretfe alle zusammen drücken Tel Awiw ihren Stempel auf. Man sieht es in den Menschentypen auf den Straßen, man empfindet es bei den Dutzend Baustilen, draußen und besonders im Innern der Häuser, man merkt es. an den verschiedenen Aussprachen des Hebräischen. Es ist ein lebendes Monument des ganzen jüdischen Volkes in all feinen Schattierungen und Nuancen, die es im Laufe der Jahrhunderte im Galuth erworben h-at^ »t feiner Zerstreuung über die abgelegensten Winkel der Erde. Hier fand man, in der Luft schwebend, den -alten pa-tri-archalischen Geist Er-ez Israels. Es hüteten und verkörperten ihn bis in unsere Zeit jeder Fels und jede Quelle im Lande. Es ist merkwürdig: das an Stilen so reiche, vielartige Tel Aiwiw ist doch nicht stillos. Es besitzt doch etwas, das j verallgemeinert, etwas, das man den eigenen Tel Awiwer! Stil -nennen kann, das, was das Recht ans den Namen gibt: erste jüdische, palästinensische Stadt. Keineswegs ist es ein Paris oder ein New Bork öder ein Berditschew. Das wochentägige Tel Awiw Hat zwei Physiognomien, eine Tages- und eine Nacht-Physiognomie. Tagsüber ist Tel Awiw ein großes Laboratorium. Born frühen Morgen hört vran das, was ich noch nie im Gallith gehört habe: schwere, rhythmische Schritte von Arbeitern und Arbeiterinnen. Man bewundert gesunde Muskeln — ich weiß nicht, woher sie gekommen sind — in ernsten Gesichtern, die in subtropischer Hitze gebräunt sind. Man hört den festen Klang 'des Hammers^ man sieht das geschickte Zusammensügen der Ziegel bei den Bauten, die überall auf dem Sand entstehen. Von einer Seite hört man das Jagen und Tuten der Automobile, aus der anderen die zaudernden, langsamen Schritte der Esel und Kamele und den harmonischen Takt des Klanges der Glocken an ihren langen Hälsen, von Kamelen, die von einem Chaluz geführt werden, oft einem 40- bis 50jährigen Juden, einem bedächtigen Kaufmann, auf dessen Brust noch immer eine goldene Kette hängt als Uebetbleibsel der einstigen „guten" Jahre. Plötzlich hört man den Widerhall zahlreicher Kinderstimmen, die singen: „Wenn nicht jetzt, wann denn, wann denn?" Da fährt eine Gruppe von Kindern aus einer Schule oder einem Kindergarten an einem gewöhnlichen Mittwoch zum Meere oder überhaupt nur aus der Stadt ins freie Feld, nach Mi'lweh Israel oder Ben Schemen. Verstehst du, was alles in di eisen einfachen Dingen ist? Wieviel rührende Schönheit und welche Hoffnung darinliegt, Laß man die jüdische Jugend nicht in jenen fremden, größtenteils mit antisemitischem Gift verpesteten Kasernen erzieht, sondern in der freien Luft des Feldes, auf dem ein freier jüdischer Bauer sät oder erntet, mit dem Lied auf 'den Lippen: „Wenn nicht jetzt, wann -denn, wann denn?" And nun Tel Awiw 'bei Nacht! Eine Symphonie Tausender von Melodien, gesungen von den Wellen des Mittelmeeves, von Kindern, die um Feuersacke ln im Herzen von Tel Awiw -tanzen, von Zosim-Gruppen aus den Straßen, von Melodien, die aus dem Arbeiterhaus, dem Volkshans und sonstigen Häusern und Baracken erklingen. Das ist leicht zu begreifen. Durch viele Geschlechter hindurch war das. Lied -im Herzen des Juden eingeschloss-en, der früher weder singen konnte noch durfte. Jetzt strömt es aus. Das Lied von der Wiedergeburt, von Freiheit und Vaterland. M dies vielleicht Mangel an Ernst oder Arbeitsgeist? Bleibet nur Samstag abends oder selbst -an einem Wochentag vor -einer Anschlagsäule in Del Awiw stehen. Dutzende von farbigen Plakaten lad-on zu ernsten literarischen Vorträgen ein, zu Fachreferaten, Partei- und wissenschaftlichen Versammlungen. Ich nehme eine beliebige Freitagnummer des „Haaretz" oder „Dawar" und mache einen Auszug aus der Ehronik, so zum Beispiel aus der Nummer vom 6. Mai1927. Am Abend finden statt: 8 Uhr im Klub der Achduth Haawodah eine Besprechung der Genossen Wer organisierte Arbeit, eröffnet von Golomb, Eintritt frei; 8 Uhr im Heim des Hapoel Hazair spricht Gelsat Wer Landwirtschaft und Industrie in unserer Kolonisation; 6 Uhr im Gdud Magtnei Hasafah spricht Suchowietzki: Zu unserem fünften Jahr; 9 Uhr im Noar Haowed Bortrag von Jacob Fichman über Schalom Asch und' Perez Hivschlbein: Samstag vormittags: 9 Uhr in der Achduth Haawodah im Zimmer 'der Färber und Bäcker spricht Molntak; 9.30 Uhr eine Lektion des hapoel" Wer Schwimmen iinb Rudern auf dem Jarkon; 9.30 Uhr im Arbeiterhaus Fortsetzung der Bersanrmlung 'der Bewohner der Baracken und Zelte; I», ' «;*•!* .■ I. StetXi ü Eine neue Beilage der „Wiener Morgenzeitung“ In unserem Bestreben, die „Wiener Morgenzeitung“ in Inhalt und Anordnung auszugestalten, haben wir jetzt einen neuen Schritt nach vorwärts getan. Um die zionistischen Parteifragen und Parteivorgänge irr Oesterreich in einen übersichtlichen Rahmen zu fassen, der den Lesern der „Wiener Morgenzeitung“ eine genaue Darstellung der zionistischen Arbeit gibt, erscheint im Einvernehmen mit dem Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich und unter dessen redaktioneller Leitung an jedem Freitag in der „Wiener Morgenzeitung“ eine zionistische Beilage „DIE JÜDISCHE WELT“ im Umfange von 4 Seiten. Diese Beilage wird zum ersten Male am Freitag, den 24. Juni der „Wiener Morgenzeitung“ beigeschlossen sein. Wir hoffen, daß diese Vergrößerung des Umfanges und Inhaltes der „Wiener Morgenzeitung“ bei unseren Lesern freudigen Anklang finden wird. □ □□□□□□ □onoon 10 Uhr letzter Bortrag von Feller Wer das Sekretariat; ' 10 Uhr in der Waadach Hatarbuch eine Versammlung der Lehrer 'der Abendkurse; 11 Uhr im Ohel eine Ausstellung moderner Künstler; 11 Uhr im Kino Eden ein von der Kultursöktion der Stadtverwaltung veranstalteter Vortrag: „Aus der Welt der Entdeckungen und Erfindungen". Samstag nachmittags: 1 Uhr im Noar Haowed ein Vortrag von Schweiger Wer Propheten; 1 Uhr in der Organisation der Handwerker ein Vortrag von Kaspy: „Bon Basel bis 'San Remo"; 8 Uhr im Noarb Haowed ein Vortrag von Dr. Kaufmann: „Geschichte >der nationalen Bewegung"; 8.30 Uhr in der großen Synagoge ein Kursus Wer das Sefer Jkarim von Rabbi Josef Albu und 4.30 Uhr über „Sprüche der Väter"; 5 Uhr in -der Waatzath Habaribulh Literainvkmfe unter Leitung von Bewin. Samstag abends: 8 Uhr im Klub der Achduth Haawodah Vortrag von Majeros-f: „Die Araber und die Wahlen in 'die Stadtverwaltungen"; 9 Uhr im Gymnasium Vorlesung von „Rabbi Aba" durch den Autor Auochi; 9 Uhr im Museum 'für Landesprodulktion eine Feier zum zweiten Jahre des Bestehens. Leset alle diese Deinen Meldungen mit Geduld, dann auch die anderen aus den besonderen Plakaten in den Straßen, dringet ein in die Verschiedenartigbeit, Vielseitigkeit und Reichhaltigkeit von all diesem, und ihr werdet den deutlichen Kontrast verspüren, zwischen dem sinn- und geschmacklosen Leben der Juden im Galuth, welche die Brocken von fremden, oft gar nicht reinlichen Tischen klauben, und 'dem jüdischen L^en in seiner Vollblütigkeit uu-d seinen normalen Pulsschlag in der jüdischen Stadt, wo das Genie, die Initiative und der Geist breite und freie Horizonte finden. Hier erst fühlt man die frische, gesunde Luft, die man in Tel Awiw einatmet. (Aus dem Hebräischen übertragen.) 5407 veWstlgte Weiter ln Al Awiw. Der Arbeiterrat von Tel Awiw hat am 22. Mai 1927 in Del Awiw, Jaffa und in anderen Arbeitsstädten eine Zählung der jüdischen Arbeiter und Angestellten, die an -diesem Tage an den Arbeitsplätzen waren, vorgenommen. Es arbeiteten an diesem Tage in Tel Awiw Ü407 Arbeiter und Angestellte, die Mehrzahl auf einem ständigen Arbeitsplatz. e Mim Problem: Bin teures Ztiegramm oder em blHIfl« mummet LulWMIei r Ein Telegramm nach Polen« kostet für zehn Worte $,70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Men dem polnischen Adressaten zugestellt wird, nur —^60 Schilling. Aufgabe bei allen Postämtern; am AbfluMage M 7 Uhr 30 Min. morgens beim Hauptpostamt. 9t. Lasier spielt wieder. Belm Meistertnrnier um den Preis der Stadt Berlin. Die Berliner SchachgesellschafL wird aus Anlaß Ährer Hundertjahrfeier im Oktober ein internationales Meisterturnier um den Preis der Stadt Berlin veranstalten. Für dieses Turnier hat Dr. Emannel Laster, der seit Moskau (1924) an keinem internationalen Turniep teil genommen hat, seine Teilnahme bereits zugesagt. ' Das Siynchtnrnler ln Kerskemet. Die Lifte des vom 23. Juni bis zum 14. Juli in Kecskemet stattfindendcln internationalen Meisterturnierö liegt nunmehr abgeschlossen vor. Es spielen mit-: Ahnes und Brinkmann (Deutschland), Dr. Aljechin (Frankreich), Przepiorka und Dr. Tartakower (Polen), Dr. Afztalos und Bukovic (Jugoflapien), Colle (Belgien), Gilg (Tschechoslowakei), Grünfeld, Kmoch, Müller (Oesterreich), Bates (Großbritannien), Aiemzonsitsch (Dänemark), Maroczy, Sarközy, Ludwig, Steiner> Dakar s, Dr. Wajda (Ungarn), Berndtson (Schweden). Die Bedingungen Akjechms konnten noch im letzten '.Augenblick erfüllt werden. Ile lewste und Mente Runde des Homdurger Turniers. Aus Bad Homburg wird uns berichtet: In der sechsten Runde des Sechsmvisterturnievs gelvann Reti. gegen Sämisch, die schottische Partie Tartakower— O rb ach endete remis, ebenso die indisch«Partie Bo g v ljubow — Dates. In der siebenten Runde erlitt der bisher unbesiegte Dr. Tartakower seine erste Niederlage in einem Damengambit gegen Bogvljub ow. Ferner verlor Dates gegen Reti. Die PartiüSämisch —Orbach wurde remis. Stand nach der siebenten Runde: Reti 5.5, Bogoljubow 4.5, Dr. Tartakower 4, Sämisch 3, Orbach 2.6, Yates 1.5. Ae ßuthLllung der Grabdenkmal» sör Hugo zuüermmm. Am Friedhof zu Egpr. Sonntag wurde in Eger das Grabdenkmal für Hugo Zuckermann enthüllt. Die EnthWung fand im Rahmen einer Gedächtnisfeier für die im Weltkriege gefallenen, aus dem Egerer jüdischen Friedhof begrabene Mischen Soldaten statt, welche von der israelitischen Kultusgemeinde in Eger veranstaltet wurde. Um die Errichtung des Grabdenkmals hat sich insbesondere -der Vorsteher der Egerer Kultusgemeinde, Herr Eduard L ö w y, verdient gemacht, *bet sich an die Spitze des Denkmalkomitees stellte. Zahlreiche Kultusgemeinden-Verehrer und Freunde des toten Dichters trugen zu dem Denkmalfonds bei, insbesondere die Knltusgemeinde Meran, -der Zuckermemn einige Jahre als Vorstandsmitglied angehörte. Der Grabhügel war anläßlich der Feier Wer und Wer mit Blumen geschmückt. Nachdem mehrere Redner 'des Menschen und Dichters in bewegten Worten gedacht hatten, fiel die Hülle. Das wunderschöne, von Architekt Richard Herrmann geschaffene Denkmal trägt auf schwarzer Marmorplatte die Inschrift: Oberleutnant Hugo Zuckermann, geb. 15. V. 1881, gest. 23. XII. 1914. «Ich sah' die Sterne gegen Mitternacht sich neigen, Eh.' noch mein Blick das Land der Sehnsucht grüßte.. Ae Herzlseler. Die o-flftzielle Herzffeier 'des Zionistischen Landeskomitees findet Sonntag, den 3. Juli l. I., präzise y28 Uhr abends im Saale des Hotel „Continental", 2. Bez., Daborstraße 6, statt. Die Gedenkrede wird Herr Oberrabbiner Prof. Dr. Z. P. Chajes halten. Karten zu S. 2.— und 1.— im Vorverkauf: Zionistische Bureaus, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, Tel. 77485-6. Da die anläßlich der Tagung des Kontinentalbundes „Mirjam" in Wien weilenden Gäste und die zum Herzlgrabgang nach Wien kommenden Mitglieder der Zionfftischen Ortsgruppe Bratislava an der Feier korporativ teilnehmen, sicht nur mehr eine geringe Anzyhl Karten zur Verfügung. Es empftchlt sich daher, dielse e h e st e n s zu lösen. Spiele der Wilden. Der WWe ist in früheren Zeiten oft aks dar ,HiÄend« Kind der Menschheitsgeschichte" dar-gestellt ivorden, und die Schwärmer für die unberührte Nawr sahen-in ihm unschu-lds. volle Wesen, deren Zeitvertreib voll harmloser Heiterkeit sei. Wie die Spiele taisächkich bei Naturvölkern beschaffen sind, davon erzählt der englische Forschungsreisende Jac Mc. Laren, der lang« unter den Müden von NenOvinea und den umliegeirden Inseln gelebt hat. „Ein merkwürdiges Spiel", schreibt er, „das ich bei diesen Naturmenschen stmch bestand darin, daß ein Mann gsrade über eine Riesennvuschel schwimmt, die mit wert offenem Maul auf dem Boden liegt rmd wartet, bis ihr Fische mrd andere Nahrung hineingleiten. Der Wilde wirft nun in diese Oeffmmg einen Stestr. Er veranlaßt dadurch die Muschel, ihre ,Sippen" möt mrgehourer Schnelligkeit zu schl'ießou, mck die Gefahr, die er dckbei läuft, besteht in der Wasserströmnng, die dadurch hervovgevusen wird und den Schwimnwr leicht in die Fänge bei Untiers bringen kann, aus denen er nicht mehr entrinnt. Den Eingeborenen aber beredet dieses Spiel das grüßte Vergnüge«, und sie können sich ausschtttten vor Lachen» wen« fie sich tm* stelle«, wie fie die Muschel, die etwas zu Freffen zu hGamstsn tnfc dom Mein HMtzwAxgLHOM.,.. '

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