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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-21 · Heft 2986 (21.6.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2986 (21.6.1927)
Date
1927-06-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Dienstag Wiener Morgenzettmrg tt E Seite ft BUB jüdisches leben m m stige bessere Rollenbesetzung förderte. Herr Devrient nimmt den guten König zu schwer, zu trocken, gelegentlich sogar zu tragisch rmd der jüngere Herr Reimers ist für den jugendlichen Liebhaber bestimmt nicht scharmant genug. Auch eine Auffrischung der Kostüme hätte sich geziemt. O. A. Ja» Wische Gemeludegesetz in Pole». NnSdohrsu^g tzrr Pllsndski-Bsrovdnuurg auf das Mmzs Staatsgeb-et. Warschau, 20. Juni. In der letzten Sitzung des Mttlistervatcs wurde beschlossen, das seit 1920 für Kongretzpolen gültig!' sogenannte Pilsüdski-Dokret Wer die Organisation >der jüdischen Gemeinden aus das gesamt^, Gebiet der polnischen Republik ausgndehnen. Sämtliche jüdischen Gemeinden, in denen dieses Dokret bisher nicht Geltung hat, sind verhalten, längstens bis zum Ende des Jahres 1967 ihre Organisation dem Dekret entsprechend durchzuführen und sich bis zu diesem Endtermin neu zu konstituieren. (Das Pilsudski-Dekret sieht unter anderem die Einführung des allgemeinen, direkten.Proportionalttxchlrechtes für die Wahl der Vorstände der jüdischen Gemeinden vor. — Die Red.) Kindererziehung iu Palästina. In der „Vossischen Zeitung" setzt Lenk« von K-o« rib e r ihre Berichte Wer das Nene Palästina fort und bespracht >das Schnlwerk. Was die zionistischen Schulen betrifft, findet sie die Schuten der Arbeiterr>Dga n i s a t i o n besonders interessant. Sie schreibt darüber: ^Wahrend die allgemeinen BoNsschuten einer deutschen Durchschniittsschule entsprechen, unterrichtet die Arbeitsschule nach modernsten Methoden Wie die allgemeine VvMsschule ist sie durchaus Anhängerin der Zweckerziehung, weil die Juden es sich gegenwäMg in Palästina noch nicht Listen fßmteu, das Kind znr absoluten Freiheit zu erziehen. .An das Einzelschicksal wird darum nicht >gedacht, sondern nu-r im Hinblick aus den Ausbau Palästinas .gearbeitet. Die Arbeitsschulen machen es sich zur Ausgabe, das Kind zum Arbeiter heranzuibWden, nicht im Gedanken -des europäischen Klassenkamips.es, sondern von der Ueberzeugnng ausgehend, daß Pas Land vor allem jüdische Handarbeiter braucht, und da 80 Prozent der Gütern keine Ar- 'beider im europäischen Simm sind, sondern der Bildungsisizichie ontstarmnerr, besteht natürlich die Gefahr, daß die Kinder sich wieder anderen Bernsen Mvenden. Aus diesem Grunde wurde von der Avbeiierorgairisation eine Art Pvodutkt'i'vnsschule geschaffen, die haulptsächlich in den Siedklngen besteht und cs sich zur Aufgabe macht, schon die Kinder zu Landwirtschaftlicher und handwerklicher Arbeit heranznbUden. Am größten ist die Arbeitsschule in Haifa, dort werden 530 Kinder unterrichtet. Ich kam ganz unerwartet kurz vor Mittag m die Schute und fand die Küche blitzsauber, das Essen abwechslungsreich und schmackhaft. Kleine Mädchen hatten die Tische hübsch gedeckt; sogar ebne Papierserviette bekommt jedes Kind, um sich an manierliches Essen zu gewöhnen. Die Hera nunchsende- Generation soll dazu erzogen werden, nach harter Arbeit sich das Leiben mit den einfachsten Mitteln schön zu gestabten." > Hingegen fällt die Autorin über die Realschule in 1 Ha.'? fa ein ungünstiges Urteil. Sie habe dort nicht einmal anständige Zeichnungen gesehen, das Gipsmodell triumphiere über die Phantasie der Kinder. Die reichen amerikanischen Juden, welche ihre Kinder in diese Realschule schicken, täten nicht gut daran. — Demgegenüber steht die Tatsache, daß die Hai-faer Realschule und ihre erziehlichen Erfolge vielfach anerkannt wurden. Ganz besonders von den Eltern, die ihre Kinder diesem ErMhungsinstÄute anvertrauen. Irr neue Lord Swahthling. Wie uns aus London berichtet wird, hat Stuart: Samuel Montagu die Mchfolgeschaft des vor kurzem verstorbenen Lord CwaylhMng in der Lordschast bereits angetreten. Der neue Lord Swaythling ist 38 Jahre alt und nimmt cm der Leitung der Bank der Firma Montagu schon seit längerer Zeit teil. Er ist mit einer Enkelin des kürzlich verstorbenen Lord Bear st «d verheiratet, wodurch zwei jüdische Familien vereinigt wurden, die heute wohl den größten Reichtum Englands repräsentieren. Das Danziger RaLbmat. Me die qMb. lib. Ztg." erfährt, wurde zum Rabbiner in Danzig der jetzige Rabbiner von ' Frankfurt a. O., Dr. Iwan Grün, gewählt. Entsprungene Sträflinge. AuS der Strafhaft des Landesgerichtes Wien sind gestern der wegen Tuschendiebstahls avgestraste 32jährige -Kaufmann'Adolf Kornblüt h und der 41jährige Schlos- »e Jakob Ranzend erger, der wegen Embruchs in Strafhaft war, entsprungen. Geringe Abnahme der Arbeitslosigkeit. Mitte Juni 1927 wurden in Oesterreich insgesamt 132.499 unterstützte Arbeitslose gezählt. Diese Zahl verteilt sich folgendermaßen: Wien (Stadt) 79.273, Wien (Undgebung) 6245, >Wr.-Neustadt 15.911, St. Pölten 7224, Gmünd 1314, Sauernbrunn 2579. Linz 15.V19, Salzburg 2041, Graz 18.093, Klagenfurt 2271, Innsbruck 1649, Bregenz 380. Im Vergleich zur letzten Zählung voml 31. Mar ergibt sich eine Abnahme unr 5833. Zu der eingangs angegebenen Zahl von 152.499 unterstützten Arbeitslosen kommen noch jene Arbeitslosen, die bei den Arbeitsnachweisstellen zur Arbeitsvermittlung vorgemerkt sind, ohne eine Unterstützung zu blichen (etwa 26.000). Selbstmord am Schneeverg. Nach einer Meldung aus Wr.-Neustadt wurde gestern am dem Mittagsstein im Schneeberggebret, und zwar au? seinem höchsten Punkt, die Leiche eines Mannes aufgesiw- Ven. Der Tote Erde als der in der Papierfabrik Neusredl beschäftigte Rafael Werflinaer aus Hirschwang agnosziert, der sich mit einem RaKermeMr die Pulsadern durchschnttten hatte. Das Motiv der Tat ist noch Altbekannt. Verzwelslungstat einer Frau. Gestern nachiuittags hat sich die 23jährige Chauffeursgattin Katharina Adamek aus einem Fenster ihrer Wohnung in den Hof gestürzt und blieb anscheinend leicht verletzt liegen. Infolge des Sturzes trat aber bei der Frau, dre sich in gesegneten Umständen befand, eine Frühgeburt ein. Die Rettungsgesellschaft führte die Frau und ihr Kind in das Spital. Zwist mit dem Gatten war das Motiv der Tat. AuUrndung des vermißten Breslauer Studeniteu. Der seit einigen Tagen vermißte Breslauer Student Erwin P o tz o l d wurde gestern abends als Leiche von der alpinen Rettungsgesellschaft an: Fuße der Nordwand der Kamtnspihen in oer Innsbrucker Nordkette aufgefunden. Die Leiche wies einen mehrfachen Bruch der Wirbelsäule aus. Ungvar — Hauptstadt von Kavpathorußland. Wie aus Prag berichtet wird, hat der Verfassungsausschuß der Kammer beschlossen, den Sitz der Behörden Mr Karpathorußland nach Ungvar statt nackt MunkacS zu verlegen. E Eine interessante Wochenend-Aktion. Im Kbostarneulburger Strandbade halben Me Angestellten dos Hauses Del-Ka den!w. d. M. ihr eigenes Wochenendheim eröffnet, welches als eviteS disser Art von einer Angest cllten -Ve reinigu ng in Oester», reich geschaffen wurde. Das Heim bietet den Angestellten für die fteien Stunden und auch für -die UrlaubsM einen angenehmen Aufenthalt, unlsvmchr, als auch für Nächtigung nnid eigene Mcheifülhrung vorgesiorgit ist sowie Geräte für diverse Sporlibetätigungen vorhanden sind. Es enthält Gavderoiben, Gesellscha,sisrä>mne und eigene Mche. Der feierlichen Eröffnung wolMen Vertreter der Presse nwtib verschiedener Körperschaften Sei. k Post «ach Pole« beförverrr Sie um sicher freu und schnellsten als Luftpost. Mn Brief kostet 6 0 Groschen. Die Luftpost kann bei allen Postämtern und am Abflugiage bis 7.30 früh beim Hauptpvstamte chkWgch^u tyechem Bisher 30S.000 Briefe befördert. Bühne und Kunst. „Der gute König." AkaÄemrethvatvr. Raoul Aueruh-eimevs „-Guter KSrritz", ein Potentat ttof in den Fünfzigerjahren, aber Liebesgenüffen mit jugendlicher Frische ergeben, Ivird ungut, wenn ihm Schaferstunden winken und Hindernisse zu beseitigen sind. Da opfert er seinen besten Kavalier und Zwingt ihn zu einer Scheinheirat mit einem jungen, hübschen Mädchen. Der Konsumierende dieser Ehe soll natürlich ausschließlich der König sein. Der gütige Landesbater zeigt sich sogar bereit, diesen Kavalier um einen Kopf kürzen zu lassen, weil er durch ihn an den erhofften Liebesfreuden behindert wird. Wie dies in Lustspielen gelegentlich verkommt, führte nämlich die Heirat wider Willen zu einem zarten Liebesverhältnis der zwangsweise Kopulierten und der König geht leer aus. Allerdings nur, was diese Affäre betrifft. Tatsächlich aber ist der alternde Mann in der Stunde, da er auf dm Seitensprung verzichten mutz, reich beschenkt: Sr wird wirklich ein guter König. Das herzhafte Mädchen hat das bewirkt, vor allem aber der Dichter, dem dieses Geschöpf gelang. Schon vor Jühren hat Frau Mayens Anmut und Humor das Stück im Mademietheater zum Erfolg gettagen. Schade, daß man die Reprise (angesetzt anläßlich der Wiener Festwochen!) nicht sorgfältiger studierte und durch fon- Eine neue Beilage der „Wiener Morgenzeitung“ In unserem Bestreben, die „Wiener Morgenzeitung“ in Inhalt und Anordnung auszugestalten, haben wir letzt einen neuen Schritt nach vorwärts getan. Um die zionistischen Parteifragen und Parteivorgänge in Oesterreich in einen übersichtlichen Rahmen zu fassen, der den Lesern der „Wiener Morgenzettung" eine genaue Darstellung der zionistischen Arbeit gibt, erscheint im Einvernehmen mit dem Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich und unter dessen redaktioneller Leitung an Jedem Freitag in der „Wiener Morgenzeitung“ eine zionistische Beilage »DIE JÜDISCHE WELT“ im Umfange von 4 Seiten. Diese Beilage wird zum ersten Male am Freitag, den 24. Juni der „Wiener Morgenzeitung“ beigeschlossen sein. Wir hoffen, daß diese Vergrößerung' des Umfanges und Inhaltes der „Wiener Morgenzeitung“ bei unsere*” Lesern freudigen Anklang finden wird. Die Frankfurter Ausstellung .Musik im Leben der Völker". Dage für jüdische Musik vom 26. ViS 28. Jmtt. Die Ausstellungsleitung hat das Programm der jüdisch e n M u s i k v e r a n st a I t u n g e tl wie folgt festgesetzt: Sonntag, den 26. Juni 1927, abends 20 Nhr, im Großen SaaWau: Konzert des Jüdischen Gesangvereins München, Dir. Josef Ziegler. Solist: M i f dka Elman, New Jork (Violine). Ä^vntag, den 27. Juni, vormittags 11,30 Uhr, in: Becthotfknsaall: Oeffentlicher Vortrag init Lichtbildern über „D i e h i st o r i s ch e C n t w i ck-l u n g des Synagogengesanges" von Oberkantor Prof. Gmanuel Kirschner, München, musikalische Begleitung: Oberkantor I. B. Le v y. Montag, den 27. Juni, abends 20 Uhr, im Sebastian - Bach-Saal: Konzert „Synagogale Musik". Cs wird ausgeführt von den C h ö r e n d e r F r. a n k f u r t e r Gemeinde-Synagogen, unter Leitung der Herren Dr. Ehrenreich, Studienrat Frank Rothschild und Artur Holde. Das Programm enthält die schönsten alten synagogalen Weisen, besonders die Komposttionen Salomone de Rossis, des ältesten Synagogen-Komponisten, dazu Sabbath- und Feiertagsgesänge von Sulzer, Naumbourg, S^orr und Lewandowski. Dienstag, den 28. Juni, abends 20 Uhr, im Großen SaaDau: Konzert „Das jüdische Volkslied". Zwei ganz besonders geeignete Interpreten dieser Gesangeskkunst sind für diesen Mend gewonnen worden: Oberkantor Alter aus Hannover und Rahel E r m o l n i - ko ff. AußerdÄn wirken mit: Heinrich S cha li t, München und Dr. W. S a l o m o n. Das Programm gliedert sich in religiöse Volkslieder, Arbeitslieder, Schlaf- und Kinderlieber, Liebes- und Hochzeitslieder, Tanz- und Scherzlieder, sowie Werke für Violine der jüdischen Kantonisten Isidor Achron, Ernest Bloch und Gnessin. Es ist das erstemal, daß die jüdische religiöse und Volksmusik so in die Perspektive einer großen Oeffentlichkeit gestellt und damtt Gelegenheit gegeben wird, der internationalen musikalischen Welt ein Bild von der kulturellen Schöpferkraft des Judentums auch auf dem Gebiete der Musik zu geben . Ans den Theatem.! Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr „Paulus unter den Juden" (Abonnement 1. Gruppe). Johann Strauß-Theater. Freitag Erstaufführu:?si der Operette „Rosen aus S'chiras" von Fritz Grünbrn"" und Wilhelm Sterk, Musik von Frank Stafford. ' Beethoven-Tag in Baden. In Banden bei Men wurde die Beothovein-Zentenarfeier im Rahmen der Mener Festwockren begangen. Durch Enthblluntg eines würdigen Beethoven- Denkmakles, das von Bildhauer Hans Maurer geschassen wurde und in dem Vorparke des Sanechofes Aufstellung fand, und durch die ^buffstihmno der „Neunten" durch die Wiener PhilharmonVer unter Schalks Leitung, unter Mtwirbumg des Schubett-Bundes sowie der Mitglieder der Staatsoper, der Damen He lletsgrube v und Anday und der Herren M a i k l «und M a m o w a r d a. Der Thcater-Bötterbuud. Ans Paris wird gemeldet: Der erste inbernadionaie Kongreß der „llniversäl-Theätergesellschast" wurde Montag vorimtbags im Internationalen Amt für geistige Zusammenarbeit mi>t einer Ansprache des Präsidenchen des DirMvrrums des Odeon-Dhewters, G e «r i e r, erMnet. In den Sitzungen des Kongresses werde-n neben zahlveichen Berussfragen die Möglichkeiten zur tzevstelbmig i-nternatronaksr Beziehungen zwischen allen mit dem Äiihrren leben verbundenen Kreisen, wie Autoren, Komponistem Regissemen, Schanspielsvw, Kritikern usw., zur Verhandlung kr-^-men. Unter anderem wird auch ebne beim Völkerbund zu unternehmende KolleMvdenurrche beraten werden, in der die Vemnstaltung 'rntevna tionaler Bkhnensest« in Genif ongeree/'t worden soll. Berelne, Borträge und Bersamnlnngen. Zionistische Bezirksseküon Innere Stadt. Haute, 8 Uhr abends, Coife AMaShos (MnblokoL), Bortnaa Dr. Leo Gold- Hamm er: „Schedel und Kongreß." — Maimoltides-JnstÄut, 3. ©ea„ Hetzgasse 40. Heute, Univevsttät, Hörsaal 17, Dr. A. Kamima, 6 Uhr: „Erläut-emna Mlsaewählir.-.' Malmen nach Urtext und Schrtuagi«4a"; 7 Ühr: ^Die rakMiäschen Lehren im ersten borchvistnchen Zeitalter." Jüdisches Realgymnasium (mit Oefsentlichreitsrechk). Aufnahmen in die erste bis ach»e Klasse, tägllch Mischen 12 und 1 Uhr in der Drrektt-onskanAei, 3. Bez., Castellezgasse 35. WIR bitten unsere Leser uu Freunde, in Kurorten u. Sommerfirim&m* tu allen Restaurants, Kaffeehäusern und Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen

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