Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2984 (19.6.1927)
- Date
- 1927-06-19
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 2984 Wien, Sonntag Wiener Morgenzettung w. Juni 1927 Seite I I E r st e r. . . . Wie tretender Sand Sind wir am Wüstensaum. Zw e rt e r. Ein Doll muß halben ein Land! Dar Narr. Oder einen Traum! Arbeiter. Unsere Sehnsucht fliegt höher! N a ch t m ä d e l (winkt ihm). Komm her! Komm näher! Arbeiter. Schwester, Du hast dich vergessen! N a ch t m ä d qjf Gibst du mir Essen, Du Ehrenfester? Ich strekk. Dann schweig! Arbeiter. N a ch t m ä d e l. (Arbeiter ab.) Nathan (hebt den Kopf vam Boden, singt). Ein Narr, wer sich schuftet, Was frag nach Lohn ich? Im Rinnstein wohn ich, Die Erde duftet Wie Milch und Honig, Sie hat mich geglättet Mütterlich lind, Hat weich mich gebettet * Wie ein Kind. (Zum Nachtmädel.) Du Feine! Du Kleine! N a ch t m ä d? l. Wer? - Stch' auf vom Steine! Kannst nicht alleine, Bist zu schwer? , (Sie will ihn aufrichten, er fällt zu Boden; das Nächtmädel wendet sich ab, stößt im Dunkel mit dem Unbekannten zusammen, sie erschrickt und will entweichen.) D e r U n b e k ä n n t e. Weich nicht von mir! Im Nebel blitzen deine Augen; Die Nebel saugen Die Seele aus dir! N a ch t m ä d e l. Wer bist du? DerUnbekannte. . Schweig! Wissen lähmt, ,Tr Beschämt. ,:32 '• Senkst du den Blick? Es verwelkt dein Glück, Gh' es geblüht! Nur der verborgene Abgri" " r t Dich in den Schoß, Nur im Dunkel glüht Die Zauberros'. (Er zieht das Mädchen an sich.) N a ch t m ä d e l (schauernd). Hu! Dürr wie eine Spinn'! D o r U n b e k am n t e. (zieht sie in ein Haus). Still! Still! ' Weißt ja nicht, wer ich bin, Weißt ja nur, was ich will! (Beide aU) Der Narr (ruft ihnen nach). Der Tod als Freier! Nachtwächter. Leute, hütet -euch vor Feuer! Der Dichter (tritt mit einen: Lämpchen auf den Balkon, zum Himmel blickend). An: Abendrand Wirikt die vorborgene Hand, Nebel rinnen, Fäden spinnen Wahrheit und Traum!Zu goldenem Schleier. Mondscheinflimmer, i Sternenschimmer, j J Mitternachtfeier! » Ma n derer. Schon will es spinnen, schon null es weben. Dichter. Wolken schweben, Sternlein necken stch» Löschen und wecken sich, t Werden wie goldene Fischlein gefangen — ]j Untergegangen. f Erloschene Lichter Wie Totengesichter Spähend, in wimperseuchii.u. Augen das letzte Leuchten. * Stimmen der Betenden. Send' Schlaf auf unsere Brauen, Laß uns im stillen Traum, Alle deine Himmel schauen, Gott überm Mcltenraum! Nimm zu -dir unsere Seelen, Die, wobkenüberdeckt, Der Allmacht sich vermählen, Bis uns der Morgen weckt. (Die Stimmen verlieren stch langsam, der Dichter zieht sich zurück. Der Narr und der Nachtwächter haben ungeduldig darauf gewartet, der Narr weht mit dem roten Sacktuch gegen die letzten erleuchteten Fenster, die stch sogleich verdunkeln. Der Nachtwächter legt sich neben einer Mauer nieder.) Nachtwächter. Bin müd' — Ausgeglüht Ist jedes Fenster, jedes Schild. Ich kann nicht mehr. Mag die (auf die Kirche deutend) euch hüten oder der . . . (auf den Tempel weisend) Narr. (zum Himmel grinsend). Dein Ebenbild! Vorhang. EEBBBEBBEBEBBBBEBEE 3)ie besten Jleuetsctkeinungem 0 ■I dter. modernen Siteratur stets vorrätig FELIX SALTEN, Martin Overbeck, geb. . ROMAIN ROLLAND, Mutter und Sohn, geb. HEINRICH MANN, Mutter Marie, geb.. . ARTHUR SCHNITZLER, Spiel Im Morgengrauen, geb. ...... .. JEAN CASSÖU, Schloß Esterhazy, geb. . SOMERSET MAUGHAM, Der Besessene, GUSTAV MEYRINK,’ Der Engel vom westlichen Fenster, geb. JACK LONDON, Jerry, geb. LEO SLEZAK, Der Wortbruch, geb.. . . STEFAN ZWEIG, Verwirrung der Gefühle, geb.. bei» jSudlAondfun^ K £öwvit, Wien, I. {fäoteniiMvmstva/ie 22. HSS0BSS0H000BSSSE® IHM S 8.50 » 13.60 » 9.60 » 9.90 » 7.60 » 10.— » 16.30 -» 8.60 » 12.60 » 12.60!■■■■( 0 0 0 0 0 E Gesellschaftsreise der zionistischen Landerorganisation Sefterreichr nach Bratislava (Prebdnrg). Sonntag, dm 26. Juni 1927, mit Salondampfer. Abfahrt ab WienMeichsbvücke 8 Uhr früh. Ankunft in Wien" Reichsbrücke 11 Uhr abends. In Pveßburg findet bei der Landung eön großer Empfang statt, an -dem stch alle Mischen Korporationen beteiligen; anschließend Führungen durch die Stadt, Besichtigung der jüdischen Sehenswürdigkeiten (Ghetto, Friedhof, Jeschiwah, Tempel ustv.). Mittags gemeinsames Esten. Nachmittags findet zu Ehren der Reise-teilnehmer ein großes Gartenfest statt. — An der Reife nehmen die Repräsentanten des jüdlWen und zionistischen Lebens teil. Auf der Schiffsreise wird eine Mische Kapelle konzertieren. — Paß und Visum ist nicht erforderlich, da für die Teilnehmer Sin Sammelvisum zur Verfügung fleht. — Die Anzahl der auSzngeben-den Karten -ist durch die Behörde festgesetzt, so daß verspätete An.meLd.un gen nicht me.hr -berücksichtigt werden können. Der Preis der Hin- und Rückfahrt inklusive Sammel- Visum und Eintritt zmn Gartenfest ibeträgt 9 Schilling. — Die wenigen restlichen Teilnehmerkarten sind nur mehr bis Dienstag, den 31. d. M., im Monistischen Bureau, 1. Bezirk, Kärntnevstraße 28, erhältlich. Auch wird mibgeteilt. daß di« reservierten Karten falls sie bis Dienstag mittags nicht behoben sind, ohne Berstünd>:glU,rg anderweitig vergeben werden. Bühne und Kunst. ..Ser Musikant Gottes." Deutsches Bolksthoatvr. Diese vier Bilder aus dem Leben Bruckners von Viktor Leon und Ernst Decsey verbinden einen Urania-Abend mit volkstümlichem Theater am Gement, sie unterrichten und fesseln, das Publikum wird mit Anton Bruckner, dem Menschen und Schöpfer, bekannt gemacht und kriegt Anlaß zu allerlei Heiterkeit und Rührung. Unter allen Stücken dieser Gattung — soweit sie uns bekannt sind — Meifcllos das einwandfreieste, technisch geglückteste. Nach einem seinerzeitigen Serienerfolg am Stadttheater (Exl-Bühne) ging jetzt „Der Musikant Gottes" am Deutschen Velkstheater unter se-hr starkem Beifall in Szene. An der Darstellung des Meisters Anton Bruckner ist Wilhelm Klitsch ein Meister geworden. Eine Gestalt wird lebendig, linkisch, weltfremd, kindlich bis ins Greifenalter, durch Güte und Genie gegen alle Unbilden des Lebens, gegen Unverstand und Bosheit der Mitmenschen gefeit. Ausgezeichnet Elisabeth Markus als kernige, kluge Benedikta, Herr Lessen als jener Kritiker, der Bruckner niederhielt (und im Stück das Pseudonym „Dr. Leiter" trägt) un-d sehr angenehm das jung.' Fräulein Stadler als Marie Christine. Echte Volksstückfigurcn stellen Frau F ö r y, Herr K u t s ch c r a und (ganz besonders) der unvergleichliche Herr K i r f ch n e r bei. O. A. 6itt Drama von Unamuno. „Gn ganzer Mann", Drama in einem Vorspiel und vier Akten — Kammerspiele. Dev spanische Dichter Miguel -de Unamuno, dessen politischer Kampf gegen die spanische Militärdiktatur ein starkes soziales Temperament vermuten läßt, ist in seinen epischeu Dichtungen (ein Novellenbuch mrd ein Roman, sind dem Schreiber dieser Zeilen aus deutschen Uebertragungen bekannt) mehr aufs Aparte, Artistische eingestellt. Aehnliches ließ sich für sein Drama trotz des! Titels „Ein ganzer Mann" erwarten, und diese Erwartung wurde bestätigt. Diese fünf Akte geben Stimmungen; etliche davon sind strindbcrgisch und ibsenisch, etliche weit weniger als das, ein paar jedoch sind wirklich eigenartig, so der Moment im Drama, da der Mann der Frau, die er wahrhaft liebt, von seiner Liebe nicht sprechen kann. Der Aufbau des Stückes ist jedoch verworren, die Motivierungen sind ungeschickt oder kitschig, die Lösung des Dramas (in dem Mann und Fran sterben) durchaus nicht zwingend. Dennoch gefiel dieses manchmal mehr als primitive Stück, das Publikum wurde nach dem zweiten Bilde warm und nahm auch den gewaltsamen Schluß gläubig hin. Dazu trug die Darstellung viel bei, für welche sich die Kammerspiele den Berliner Regisseur und die Berliner Hauptdarsteller (die dort erfolgreich gewesen waren) verschrieben hatten. Stahl-Nachbaur, unserem Publikum noch von der Neuen Wiener Bühne her bekannt, inzwischen in Berlin „prominent" geworden, gab einen „ganzen Mann" bis zur Konsequenz deck Lächerlichkeit mit ruhiger Zurückhaltung. Cäeilie Lvovsky, die letzt am Deutschen Volkstheater engagiert, aber wenig beschäftigt ist, nahm durch die Darstellung weiblich-seelischer Gebrechlichkeit gefangen; Wien hat noch immer keine richtige Verwendung für diese subtile Schauspielerin gesunden. In den vielen Episodenrollen deS Stückes interessierten Theodor G r i e g und Robert V a l b e r g. Die Regie war daraus bedacht, die Stimmungen des Stückes mit ernster Hand nachzuformen; es gelang ihr nicht immer, nicht durch ihre, sondern durch des 'Autors Schuld. Doch, wie gesagt — das Publikum ging über dir Schwächen hinweg. Man kann ihm also doch „Literatur" vorsetzen. S. S. Aus den rheatem. Burgtheatcr. Morgen, halb 8 Uhr „Der Graf von Charolais" (Theatergemoinde Serie B, blau). Akademietheater. Diennstag, halb 8 Uhr „Die Fahrt ins Blaue". — Samstag, den 25. Juni, 7 Uhr, bringen die Schüler der Akademie für Musik und darstellende Kunst (Schauspielklassen des Pros. Dr. Heinz Schulbanr) zur Vorfeier des Geburtstages Hermann Bahrs „Sauna" zur ersten Ausführung. Oper nt he aper. Morgen, halb 8 Uhr „MaÄame Butterfly" (Theatergemeinde Serie E, gelb). Volk So per. Heute 50. Aufführung des Singspieles „Ich Hab' mein Herz in Heidelberg verloren". Deutsches Volkstheater. Mittwoch findet die letzte Aufführung deS Lustspiels „Der Garten Eden" in dieser Spielzeit statt. Wiener Kammerspiele. Von Freitag, den 34., bis Montag, den 37. d. M., finde,: Vorestllungen der.Schauspielschuly des Neuen Wiener Konservatoriums statt. Zur Aufführung gelangen Freitag „Elektra^ und Samstag „Der Tor und der Tod" von HosfmannSthal, am Sonntag und Montag vrer Einakter. Theater;tn der Iosefstadt. Donnerstag findet die deutsche Uraufführung der Groteske „Maske und Antlitz" von Luigi Ehiarelli statt. Johann-Strauß-Theater. Freitag gelangt die Operette „Rosen aus SchiraS", von Fritz Grünbaum und Wilhelm Steck, Musik von Frank Stafford, zur Erstaufführung. i ... _ .»tiefe wurden bisher durch dke Polnische Luftverkehrs-A.-G., Wien, 1. Bez., Tegetchoffstraße 7 (Telephon 71-0-84) befördert und einige Stunden nach der Aufgabe dem Adressaten sugestellt. Ein Expreßbrief nach Polen kostet S. 110. Ein Luftpostbrief nur S. 0.60. D»e Bilanz deS Bnrgttzeaters. Stach dem Stedenchaftsbericht, welchen Direktor Herterich über die letzte Spielzeit versendet, wurden im.großen Haus neun Premieren herausgssbracht. Die höchste Aufführungszisfer ereichte „Leonie" (28 Abende). Zweigs „Volpone" ging Smal, „Der junge Aar" 23nml, „Basantasena"" SOinal. .Der Diktator^ 19mal, „Paulus unter den Juden" ISmal, ,8u ebener Erde und im ersten Stock" 15mal in Szene. Ze llmal wurden „Trischübl" und „Das Genie und fein Sruder" aukaefübrt. — Im Mademietheater gab es elk ^^/::/+::D