Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2984 (19.6.1927)
- Date
- 1927-06-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 268- Ären, Sonntag Wiener Morgenzeltnng EJnni 1627 Seite 7 Rechts davon erscheinen die Wochentage. Darunter kann mm: die Jahreszeit ablesen. Das gesamte Uhrwert wird letzten Endes durch» zwei Federn getrieben, von denen die eine die ganze Leistung übernehmen kann, wenn die andere springt. Das Work läuft acht Tage. Die Uhr bewegt sich auf Zapfen, besitzt aber ein Kompensationspendel. Sie ist 40 Zentimeter hoch ttnd 20 Zentimeter dick. Das Planetarium hat einen Durchmesser von 6 Zentimetern. In: ganzen befinden sich in der Uhr 40 Räder und Federn in dauernder. Bewegung. ,8ian lveih nicht, ob man mehr idie Kunstfertigkeit oder §nchr die Geduld des Meisters bewundern soll, bet diese merkwürdige Uhr, die nahezu alles weist, zustande brachte. Irr letzte Räuberhauptmann van Sardinien. Ein reicher Bauer im Dorfe O r g e s o l e auf Sardinien fühlte seine letzte Stunde nahen. Er machte Testament. Die Torraines, der eine Zweig seiner Familie, sollten die Haupterbcn werden, der andere Zweig hingegen, die Cossus, ziemlich leer ausgehen. Der Bauer starb und der Erbstöeit zwischen den Familienmitgliedern begann. Bald darauf fiel auch der erste Schuß. Egidie Podda aus der Familie Cossu ermordete Larmine Lorraine. Das Gericht sprach den Mörder frei. Da aben in Sardinien noch iminer die Devise „Aug' um Auge, Zahn uns Zahn" herrscht, und da Blut wiederum Blut erheischt, begann diel Vendetta zwischen den zwei Familien. Das geschah vor zwanzig Jahren. Jahraus, jahrein fielen zahlreiche Opfer. Und damit die beiden Familien von der Gendarmerie nicht gefaßt werden, bildeten! sie Räuberbanden, flüchteten in die Berge, wurden Wegelagerer, befehdeten sich gegenseitig und plünderten gemeinsam die friedlichen Kanfleutc. Man schrieb 1917. Die Corraines und die Cossus, sie alle waren des Mordens müde geworden. Sie knüpften also mitllden Behörden Verhandlungen an, um, falls sie sich freiwillig ergeben, milde behandelt zu werden. So geschaht es auch. Zunächst söhnten sich die beiden feindlichen Familien in Gegentvart eines Bischofs und eines Unterprüfekten aus. Dann begann dies gerichtliche Verhandlung und alle Mitglieder der Bande wurden sreige sprachen. Die Vendetta tvar beendet. Die einstigen Räuber wurde,: wieder friedliche Ackerbauer. Nur eben —> einige Banditen empfanden diesen Ausgleich als ein schmähliches! Kompromiß, betrachteten ihn als Feigheit und beschlossen, auch weiterhin das Räuberhandwerk auszuüben. Allerdings, sie hatten vor, Beschützer der Annen und Geißel der Neichen zu werden. Zum Räuberhauptmann wurde Onorato S u c c o, dessen Gattin aus der Familie der Corraines stammte, gewühlt. Dieser Umstand genügte natürlich, daß Onorato Succo auch im Kampfe um die Ehre der beiden Familien teilnahm. , Der neue Banditen sichrer faßte seine Beschäftigung als eine Art „heilige Pflicht" auf. Seine eigenen Landsleute wollte er vor aller Unbill schütze,:. Er erließ also einen Befehl: „In °wn Bergen von Orgesole wird weder geraubt noch gemordet. Ich selber werden diejenigen richten, die dies zu tun wagen." Undj tatsächlich, die Missetäter, die in seinem Heimatsorte raubten unii mordeten, wurden von seiner Bande, welche zu den Dorfbewohnern in freundschaftlicher Beziehung stand, gefangengenommen, abgeurteilt und überdies noch den ordentlichen Gerichten ausgeliefert. Vor einige:: Tagen geschah es nun, daß ein Offizier mit sieben Karabinieri SuccoS Schlupfwinkel entdeckte. Die Hütte, wo sich die Banditen verborgen hielten, wurde hierauf unter hefiges Gewehrfeuer genomme,: und es gelang auch, uach langem Und erbittertem Kampfe Succo und vier seiner Genossen zu töten. So endete Succo, Sardiniens letzter Räuberhauptmann, der behauptete, als rächendes Organ der „Gerechtigkeit" sein Handwerk auszuüben. Wien, 19. Juni. 2,wger und die akademische Raufsreiheit. Im Wiener Gemcinderat haben sich vorgestern die Ghristlichsogialen der akademischen Freiheit angenommen. Sie sind gegen die Verpflanzung der Politik an die Hochschule. Raufereien sind ihnen an sich und besonders im Namen der Wissenschaft zuwider. Das ist eine Wandlung. der man nur wünschen würde, sie möge anhabten. Die Christlichsozialen, die ja den Veg zu Lueger zurücksuchen, waren zu seiner Zeit nicht so sehr ür die akademische Freiheit in Liebe entbrannt. Das war, als K:c katholische,: Studenten unter den Klangen des Rosenkranz» liedes von den Bä Mischen vevpvügelt wurden. Damals erklärte Lueger, ein Kräutlerweib sei ihm lieber als alle Medizin- Professoren. Nach einer Rauferei sandte er einen von der Balustrade abgeschlagenen Stein an den Rektor, damals Hofrat Esicherich, mit der Anfrage, ob das ein Erfolg der Voraussetzungs- Losen Wissenschaft sei. Diese Art der Ransere'.en fand dann ihr ^rvde, als die steirischen Bauern unter dem Kommando Hagen» Hofers die Grazer Universität stürmten. Es wurden fortab nur nrehr Slawen, Italiener.und Juden -über die Politik an den Hochschulen belehrt. Das dauerte so Lange, bis ein italienischer Student schoß. Heute sind nur -mehr die Juden da, an denen die akademische Freiheit ausgeübt wird. Das ist ein heiliger Braivch.. sagen die Christlich-sozialen, und die Polizei hat da nicht imityureden. Das Wetter. Das Schönwetter hat gestern nachmittags durch einen (Gewitterregen eine, wenn auch nicht ausgiebige 'Abkühlung erfahren. Nach der Vorhersage sind westliche Winde und sonrit kühles veränderliches Wetter zu erwarten. Todesfan. Der gewesene Direktor des Blindeninstituts in Kairo Leon Rofenstein ist vorgestern in der Wiener Versorgungsanstalt für Blinde plötzlich gestorben. Der Verstorbene war Franzose und „rußte nach mehr als 20iähriger Tätigkeit die Leitung der Blindenanstalt in Kairo anläßlich der englandfeindlichcn Kundgebungen vor vier Jahren verlassen. Er selbst war seit seinen: 27. Lebensjahr erblmdet und hat sich für die Blinden in überaus großherziger Weise eingesetzt. Komme^palrat Rudolf Kitschelt gestorben. Gesten: ist der langjährige Vizepräsident der Wiener Handelskammer Kommerzialrat Rudolf Kitschelt im 89. Lebensjahr gestorben. Das rasende Motorrad. Der kaum 15jährige Blumenhändlerssohn Johann Schlosser ist in übermäßig rascher Fahrt von seinem Motorrad an: Rennweg gestürzt und wurde von einem hinter ihm herkoimnenden Auto überfahren. Mit schweren inneren Verletzungen wurde er in das Spital gebracht, wo er bald darauf seinen Verletzungen erlegen ist. — Der 52jährige Hilfsarbeiter Josef Pressan ,vurde von einem Motorrad, das der Werkführer Franz Markowitschka lenkte, in der Schönbrunnerstraße niedergestoßen und schwer verletzt. Im Spital ist er gestorben. Ein gräßliches Sittenbild- Der 53jährige Hilfsarbeiter Johann Kobatschka in Pottenstein hat Zeit dem Jahre 1920 mit seiner eigenen Tochter ein sträfliches Verhältnis unterhalten, das er auch nach der Verheiratung der Tochter mit Wissen der eigenen Mutter fortsetztc. Kürzlich gebar nun die Tochter ein Kind, das jedoch ihr Mann nicht als das seinige anerkennen wollte und welches wahrscheinlich den Großvater zürn Vater hat. Der Wüstling wurde verhaftet und bei seiner Einvernahme stellte sich heraus, daß er seiner Tochter für ihr Einverständnis stets kleine Geldgeschenke gemacht hat. Dre Kindesleiche in der Magglmürfelbose. Wie gemeldet, hat der 24jährige Zahntechniker Wilhelm Schindler das neugeborene Kind seiner Wohnungsmitinhaberin, der Damenschneiderin Anna Metzer, unter der Bettdecke erstickt, die Leiche in eine Maggiwürfeldose gezwängt und diese sodann in den Wiener-eustädterkanal geworfen. Um seiner Verhaftung zu entgehen, hat Schindmr iöeii Professor Wagner-Jauregg um Aufnahme in eine Nervenheilanstalt ersucht, wurde.;jedoch als geistig normal wreder entlassen. Gleich darauf wurde er von der Polizei verhaftet. Auf Bitten seiner Mutter hat er nun das Geständnis abgelegt, über Ersuchen der Kindesmutter das Neugeborene erdrosselt und in den Kanal geworfen zu haben. Gesandter Ludmg übe« Die österreichische Presse. Aus Berlin, 18. d. M., wird uns berichtet: In einer Sitzung des Institutes für Zeitungswissenschaft in Berlin hielt gestern abends der Pressechef der österreichischen Regierung Gesandter Eduard Ludwig einen Borwag über d:e österreichische Presse. Er gab einen Uebcrblick über die historische Stellung der Presse, vor allem jener im alten Oesterreich, in der Doppeln,vnarchie sowie auch im heutigen Bundesstaat. Er wies daraus hin, daß eine große Zahl journalistischer Talente Oesterreichs im Deutschen Reich ihr Wirkungsseld gesucht und es zu einen: hohen Ansehen in der Bcrufsgemeinschaft gebracht habe. GTm Pogromift verprügelt. Aus PlozL meldet die I. T. A.: Der Führer der extremen polnischen Anttsemiten Jaksa Chomiez weilte eurige Zeit in Plozk und hielt Hctzversammlungen ab. Im Kreise seiner Getreuen in einem Kaffeehaus begann er eine in der Näh? sitzende Gruppe junger Juden zu beschimpfen. Dre Juden ließen sich nicht provozieren und verließen das Lokal. Chonncz eilte ihnen nach und griff sie tätlich an. Es kam zu einer Schlägerei, in deren Verlauf Chomiez eine schwere Kopfverletzung davontrug. Die Polizei verhaftete einige der jüdische,: jungen Leute. Zum Grazör Zionisientag. Zu unserem am 13. Juni erschienenen Bericht über den zionistischen Provinzdelegiertentag in Graz, ersucht uns Herr S. Geling er, richttgzustellcn, daß er anläßlich des gemeinsamen Mittagessens nicht — wie irrtümlich in unserem Bericht stand — als „Vertreter der nichtzionrstischen Wirtschaftspartei" die Delegierten begrüßt habe, sondern als aktives Mitglied der zionistischen Ortsgruppe Graz. Der nichtzionistischen Wirtschaftspartei, die bei den: Bankett durch zwei führende Mitglieder vertreten war, gehöre er nicht an. Gründung des Verbandes derPonistisch-soziaststischen Jugend in Wien. Samstag, den 11. Juni, fand die konstituierende Versammlilng des Verbandes der zionistisch-sozialistischen Jugend -~K Rosa Paporiscb Ing. M. Apfelbaum Wien Wien empfehlen sich als Verlobte Wien, im Jani 1927 statt. Nach einem einleitenden Referat des Herrn Tottor Birnbaum über die Ideologie des „Hapoel hazair' verlas Herr Mosche Rosner die Deklaration des Verbandes, deren wichtigste Thesen beinhalten: Unbedingtes Bekenntnis zum Judentum und Anerkennung seiner historischen Kontinuität und Einheit trotz sozialer Differenzierung und geographischer Zersplitterung; Bestrebung zur nationalen und sozialen Erneuerung des jüdischen Volkes auf der Grundlage der Hebraisierung, Chaluziuth und Schaffung einer arbeitenden jüdischen Geineinschaft in Erez Israel und in der Diaspora. — Mit Rücksicht auf die in weiten Kreisen leider herrschende Negierung der zionistischen Organisation, wurde m der Deklaration die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisatton als unumgängliche Pflicht ausdrücklich hervorgehoben. In die Berbandsleitung wurden gewählt: Jakob Buttermann, Dr. Gelbard, Kanner, Klinger, Jehuda Meilen, Stella M ' -Aron Singer, Ruth Weiß, Masche Rosner. Gräser, die einschläfern. In den Steppen und Prärien Nord- und Südamerikas und m Ncu-Mexiko wachsen gewisse Gräser, die die Eingeborenen mit Recht als „Schlafgräser" bezeichnen, da sie ebenso in frischem wie in getrocknetem Zustand als Deeaufguß wie ein Schlafmittel wirken. Nach den Untersuchungen des englischen Forschers Gillespic gehören diese Schlafgräser zur Klasse der Pfriemengräser (Stipa), von denen sich einige Arten auch in der deutschen Grasslora finden. Die einschläfernde WirLzmg der Stipa viridula, wie der botanische Name des Grases lautet, läßt sich besonders an Weidctieren beobachte,: — besonders an Pferden und Kühen — die auf den Genuß des Grases die Köpfe senken, zu zittern beginnen, unregelmäßig atmen und oft lange Stunden nicht imstande sind, sich zu bewegen. Obwohl die Tiere in diesem Zustand einen sehr beängstigenden Eindruck machen, kommen doch keine Todesfälle vor, wenn auch die vollständige Heilung einige Zeit rn Anspruch nimmt. Die Indianer bereiten aus dem Gras, namentlich aus den Blüten, die die einschläfernd? Substanz in besonders großen Mengen zu enthalten scheinen, einen Schlaftrunk, den sie auch in ihrer Heilkunde vielfach verwenden. Ein menschliches Gehirn der Eiszeit? Der Naturforscher Dr. Grrgorowicz fand im Herbst 1926 bet Odinzowo, in der Nähe von Moskau, eine Versteinerung, die er für das fossile Gehirn eines Manschen hält. Er übergab es einer wissenschaftlichen Kommission des Biologischen Forschungsinstituts Moskau, die durch chemische Analyse einen bedeutenden Prozentsatz an Phosphor in der Versteinerung feststellte. Dadurch erchielt die Annahme Dr. Grigorowiczs eine starke Stühe, denn der hohe Phosphorgehalt ist ein charakteristisches Merkmal des Gchirngewebcs. Auch die mikroskopisch untersuchte Struktur der einzelnen Teile sprach für die Annahme. Das Gebilde erinnert in Form und Aussehen an die Windungen ■ des Gehirns. Deutsche Forscher haben sich ebenfalls mit deur sensattonellen Fund beschäftigt, und Mchrere teilen die Ansicht Grigorowiczs, daß es sich nur ein versteinertes Menschengehirn aus der Eiszeit handelt, und zwar stammt es nach den geologischen Untersuchungen an der Fundstelle aus der zweiten Zwischeneiszeit, wäre also rund zmanzigtausend Jahre alt. Gegenmärttg ist der einzigartige Fund in Paris, uw, im Institut für vergleichende Anatoniie der Versteinerungsprvzeß untersucht wird. Motorräder der weltberühmten Marke Har*ley-Davldson in Luxus aus stattung Alle Raucher unserer Zigaretteiihülsin und Zigaretbenpcvpiere O l l e s ch a u „Das B c st e hon Allen" und A l t eislse erhalten bekanntlich für mindestens h u ndert Büchelumischläg-e.cine Raucherprämie. Außer 'dieser Prämie erhalten jene drei Personen, welche uns bis zur nächsten Prämi-enverteilung die größte Anzahl von Büchclumschlägen einsenden, als Superprämie je ein fabriksneues M o t o r r a d der amerikanischen Marke „H a r l e y - D a v i d s o n", 3^ PS, Modell 1927, in Luxnsausstattung mit kompletter Beleuchtungsanlage oder auf Wunsch den Gegenwart in barem. Die nächste Prämienverteilung findet am 10. November 1927 statt. Die Personen, auf welche die d re i S u p e r p r ä m i e n entfalle,:, und die von ihnen eingefchickte Anzahl von Büchelumschlägen werden am 24. November 1927 in den Tageszeitungen bekanntgegeben werden. Nähere Erklärungen sind aus den Einlagen jeder Schachtel unserer Olles ch au - und Alte sse - Marken ersichtlich. „Altesse" AttiengeMschassi Wien, NI., Rennweg 79föl. GRATIS £ UM DIE ZARTE SÄUGLINGSHAUT ZU SCHONEN VERWENDE MAN FÜR ALLE BABYWÄSCHE NUR LUX WIRD NIE OFFEN VERKAUFT. HERGESTELLT IN DEN SUNIIGHT-FABRIKEN. 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