Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2984 (19.6.1927)
- Date
- 1927-06-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982072--30398-3018617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ä'-I’K 'b * »5 Nr. 3984. SBfeit, G-Mkog SM^S ■ falls werde mlch durch derartige Scharfschützen nicht abhalten lassen, auch fürderhin skr das irdische Wohlergehen des Stammes Abeles zu sorge» — soweit er sich raten, läßt. Der Zionismus mag ein nahrhafter Evwerbszweig für 'Gschaftlhuber, Geschäftsreisende, enthusiastische Schmalzrodrrer fein; wenn es unter,den 160.000 Juden, die in Palästina ansässig sind, bereits Kannibalen gäbe, käme dies erwerbstüchtigc, . gewerbefleihige . Mauldreschergesindel als ritueller Hauptgang eines Festfressens, sehr in Betracht. Zumindest aber soll man turnuswvise die Rädels- und Irreführer, gemästete Vorbeter pseudozionistischer Ortsgruppen, die Vorheuler zionistischer Radauredaktionen nach Palästina einrückend machen: mögen diese Mazzesknödelbauern dort endlich beim Straßenbau im neuen Staub des alten Landes, im Schweiße ihres Vordevantlitzes zum erstenmal auf ehrliche Weise ihr ungesäuertes Brot verdienen." jTas erste Zitat bezieht sich auf mich. Da Ehrenstein auf die Argumente meiner Buchbesprechung. iriM eingcht, habe ich nichts zu entgegnend (Bloß anzMei!)en, daß die von ihm gebrauchte Wendung: . . denen jedes Haar bekannter sein mußte als die Gesetze der Logik undGrammati'k" grammatikalisch unrichtig ist.) Die Entscheidung da rüder, üb die tatsächlich gedruckten Worte „der Aphorisma" dcm Druckfehlerteufel oder mir anzulasten sind, überlasse ich meinen Lesern. — Das zweite Zitat bezieht sich auch auf andere, für den Zionismus wirkende Juden, wertvollere, bedeutendere, hingehendere als „ein Wesen namens O. Alleles". Den Raum unseres Blattes nehme ich.aus diesem Anlaß nur deshalb in Anspruch, well es noliwendig ist, .festzustellen, daß Ehrcnsteins Pamphlet in der von Dr. Alfred Adler herausgegebenen /^Inte r na t i o nale n Zeitschrift für J n d ivid u a"l p s y ch o l o g i e, Arbeiten aus d e m G eb i e t e derPsychotherapie, Psychologie und Pädagogi if" (Mai-Juni-Hest 1927) Aufnahme gefunden hat. Dr. Otto Alleles. Wohin? Zur „müchsteite l Am 21. und 23. Juni, nachmittags 3 Uhr, finden die Ziehungen der österreichischen Klaffenlotterie statt. Die Schalter der Glückstelle sind ununterbrochen von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends geöffnet. Versäumen Sie nicht, sich Ihr Glückslos bei der „Glückskelle" Josef Stein, Wien, 1. B e z., W i p p l i n g e r st r a ß e 21, an der „Hohen Brücke", zu holen. Vs Los S. 4.—, % Los S. 8.—, 1 ganzes Los S. 32.—. Was gehört in Jeden FamilienschrelnY Ein Klassenlos der Glilckstelle stein! Tödlicher Autouukall bei Wiener-Neustadt. ” :. Ein Toter, drei Verletzte. Aus Wiener-Neustadt wird uns telephoniert: Nachmittags Mischen 3 und halb 4 Uhr hat sich auf der Pötschmgergasse, die von Wiener-Neustadt nach dem Bnrgenlande führt, ein tödlicher Autounfall ereignet. Der Chauffeur August D y o n i s der Autofabrik „Perl" hatte einen kleinen Personenwagen dieser Firma, der für eine Tombola in Mödling bestimmt ivar, auszuprobieren. Er lud sich zu dieser Prcbesahrt*seinen.Kollegen, den Schlosser der Perl-Werke Leopold Vrbetzky. sowie dessen Braut itn£> seine eigene Mutter ein. Das Auto mit den vier Personen fuhr von Dyouis geführt, auf der.Landstraße. Auf der Straße nun bat Vrbetzky den Kollegen, ihm den Wagen zur Führung zu übergeben, um sich im Lenken zu üben. Nachdem er etwa 10 Minuten gefahren um, begann der Wagen, plötzlich zu pendeln, und Vrbetzky, der rasch abbremsen wollte, verwechselte diePedale und trat statt auf die Bremse auf den Vergaser, so daß das Auto mit Vollgas f ö r m l i ch einen Sprung nach vorne machte, sich dabei überschlug und quer auf der Straße wieder zum Stehen kam. Die beiden F r a u e ü tvaren aus dem Wagen geschleudert worden und mit leichten Verletzungen davougekommen. Auch der Chauffeur Dyon i s hatte nur leichte Verletzungen erlitten. Vrbetzky jedoch, der offenbar durch denVolant erdrückt worden war, stack leblos im Lcnksitz. Dyonis konnte trotz des Sturzes des Wagens diesen in Gang bringen und alle Personen nach Wiener-Neustadt in das Krankenhaus bringen wo s«h ergab, daß Vrbetzky tot war. «in Mio« in MddentWand. Aus München wird uns gemeldet: In der bergan-, genen Nacht ist an der bayrisch-thüringischen Grenze plötzlich ein Zyklon losgebrochen, der einen ungeheuren Schaden verursachte. Der größte Teil des Hochwaldbestandes wurde vernichtet. In einer einzigen Minute wurden gegen 6000 Bäume wie Streichhölzer geknickt. Die ganze Bergwand ift wie rasiert, die Straßen sind verwüstet, die Felder " '-""ilebeu sind bisher nicht zu beklagen. .■■■■■HBB'MHraaMmHIIHMIWMnaMHMBBHNMMRIBMHMHMHHMlIHHMHBnflBHHR Sa» christllchnationale Paradier. Der Reichsverireser Hort h y hat vor einigen Tagen Lei einer Feier in-' einer Provinzstadt feine höchst erbauliche Rede gehalten, in der er den Fortschritt Ungarns rühmte. Wenn das Vaterland auf diesem Wege svrtschreile, werde es nie Mehr in die Zeiten der kommunistischen Revolution zurückfällen. Was man unter Gesundung in Ungarn zu verstehen hat, dafür hatte der christlichnationale Kurs sein eigenes Konzept geschaffen. Seine Einzelheiten sind zu bekannt, als daß darüber noch Näheres gesagt werden müßte. Der Weg zu dieser Sanierung ist rüber Massengräber gegangen und mit Galgen markiert worden. Das Erreichte aber entspricht dieser Vorbereitung vollkommen und Ml ungarifchän Abgeordnetenhaus wurden am Freitag Mitteilungen, die sich von der Rede des Reichsverwesers schr bedesitend unterscheiden. Meise BMerkustgeN starNnrtdn von; M«n. christttchsoz'ialeN'' Medner, .dem Pfarrer Doktor Griger. Ex sagte in einer großen Rede zu der Vorlage?r die Kranken- und Unfallsversicherung: ■ „Die Sterblichkeit unter den Arbeiterkindern nimmt geradezu b e ä ng st i g e nd e, Dimensionen an uprto ist in qrslpir Reihe auf die ungünstigen Wohnungs- Verhältnisse zurückzuführen. Der ungarische Arbeiter besitzt überhaupt keine Wohnung, sondern nur einen Zufluchtsort, ein Nachtlager, das ihn vor den Unbilden der Witterung. schützt. Hat es sich doch erst vor kurzem in der Hauptstadt ereignet, daß ein Arbeiterkind von R atten g e fresse n,wurde. Auf ie ungünstigen Wohnungsverhältnisse ist es zurül^usüh- :en, daß auch die intimsten Beziehungen Uoiijeit Mann und Frau der Arbeiterklasse den. Augen der .luder sich nicht entziehen können. Was soll man nun on Kindern erivarten, die Zeugen solcher Vorgänge find?" ■ . . ■ Nach den Ausführungen dieses Gewährmannes ist also Ungarn noch schr weit von der so berühmten Konsolidierung entfernt und der christliche Nationalismus sst nicht die große Panacee gewesen, zu deren Feier soviel Mut vergossen wurde. Ja, der Redner ging sogar noch dazu über, an die Revolution zu mahnen, die bei eiiner Fortdauer dieser Zustände eintketen müßte: - ' „Erfahrungsgemäß pflegen sich Revolutionen zu lvie- )erholen, und -vehe uns, wenn sie sich auch bei uns wiederholen sollte! Denn das toäre nicht «mehr die Revolution eines degenerierten Grafen, einiger halb verrückten Judenbuben und halb j üd ischer Christen, nicht die Revolution des Pöbels und der Deserteure, sondern die Revolutiou der arbeitenden,Massen, der rbitterten Volksmenge." Es ist ein katholischer Pfarrer, der die Rede hält, und da darf und kann der antisemitische Hinweis nicht fehle», quasi als Msolution an den im selben Saal sitzenden Hejjas. Wenn aber ein Jude so mit der Erhebung der erbitterten Volksmenge gedroht hätte, was wäre wohl geantwortet worden? Das Mildeste wäre der Vorwurf derjüdiMen Aufreizung gewesen. Das kann dem Pfarrer ntcht^utgegengchalten lverden und so ist seine Mahnung jüfe die schärffte Kritik des Systems zu werten, das sich chnWchnationaler KnrD nejnnt. Der Saft der Herma, Freund, ist gut I Er zieht in'S G'müt, erftifcht das Blut, Reinigt Dir den faden Mggen, Kannst dies Gedicht sogar vertragen. Herma-Sast von Nvrd»-!ä»tö, ErfrischungStzu.a.... EngroS: Carl Huber, Wien, XV!/1. E Die schönsten BaLe-Frottierstvsfe zu billigsten Preisen bei Kvrm & Fvred/'V. Bezirk, Qmlfc Wienzeile 40. im Hose. Chmielnieki «lue Reminiszenz an den Die Erinnerung an den 20. Siwan ist in der jüdischen Geschichte niit den Judenverfolgungen in den Jahren 1648 bis 1638 in den Städten der Ukraine, Wolhyniens und Podoliens, damals zu Polen gehörend, verknüpft. Diese Metzeleien jvuvden von dem Kosakenhäuptling Zinwii Bogdan Chmielnicki inszeniert. Die historische Entwicklung, die zum , Kosakenaufstande führte, nahm ihren Anfang mit der Unterdrückung der katholischen Geistlichkeit und dem polnischen Hochadel. Die ersteren wollten die griechischen Ketzer.bekehren, während die -Adeligen aus ihnen Leibeigene machen wollten. Die Kosaken wandten sich in ihrer Empörung nicht nur gegen die Polen, sondern auch gegen die Juden, weil einzelne von ihnen Steuereinnehmer des Adels waren. Den Haß der Zaporoger Kosaken gegen die Polen und Juden verstand Chmielnicki für seine Zwecke ebenso auszunützen wie seine große Beliebtheit beim Volke. Dieser Kosakenhäuptling war früher Schreiber der Kosaken im Hause Koniecpolski, verband sich mit den Tataren gegen Polen, weswegen er eingekcrkert wurde. Es gelang ihm, aus dem Kerker zu entfliehen. Nun entflammte er die ganze Ukraine zu einem Religions- und Rassenkrieg gegen Polen und ging neuerdings ein Bündnis mit den Tataren ein, welche polnisches Gebiet überfallen sollten. Im Befehl über das polnische Heer teilten sich die beiden Führer: Potocki und Kalinowski. Die polnischenScharen wurden von Chmteüricki und seiner Horde am 18. Mai 1648 in die Flucht geschlagen. Nach diesem Siege rückte Chmielnicki vor und in den Städten zwischen Kiew und Pultawa wurden mehrere tausend Juden hingeschlachtet. Hunderte traten zum Scheine zum griechisch-katholischen Glauben über. Viele gerieten auch in die tatarische Gefangenschaft und tvurden dann von den türkischen Juden ausgelöst. Zum Unglück für Polen und Juden starb der - König Wladislaw, auf den Chmielnicki noch Rücksicht nahm. In Polens trat nun von Mai bis Oktober 1648 eine Zwischenregierung ein. Sie war Chmielnicki willkommen. Er benützte die Wirren zur Befestigung seiner Position und gab seinen Mordischaren die Vollmacht, die polnischen Provinzen zu verheeren. Ihre Führer tvaren so grausam, daß ihnen ein Menschenleben nichts bedeutete. Kurz nach dem Siege der Kosaken zog eine Horde gegen die Festung Nemirow. Hier befanden sich etwa 6000 Juden. Die Kosaken wuvden durch die griechischen Christen in die Stadt gelaffen und zogen polnische Kleidung an, damit sie für Polen gehalten werden. Die griechischen Einwohner täuschten die Juden, indem sie sagten, sie mögen doch ihren Freunden, den Polen, die Tore öffnen. Sobald «der Zugang zur Festung frei ivar, drangen die als Polen verkleideten Kosaken in die Festung ein, und sämtliche darin befindlichen Inden wuvden am 20. Siwan (10. Juni 1648) niedergemetzelt. Der Versaffer des „Jatvan mezulah" N. Hannover, Petrokotv 1902, erzählt noch folgende Geschichte: Ein jüdisches Mädchen wurde gezwungen, einen Kosaken zu heiraten. Sie sagte ihm, sie fei unverwundbar, tvas er durch einen wohkgezieltoN Schutz erproben möge. Er tat es und so entging sie ihrern Schicksale. Eine andere Jüdin sprang auf dem Wege zur Trauung mit einem Zaporoger Kosaken von der Brücke in den Fluß. Nach Nemirow wurden in der Stadt Tulezyrr gegen 1600 Juden am 4. Tammus (24. Juni 1648) hingerichtet, Ungefähr die gleiche ZM wurden am keWen ^aae in — Petljura. 80. Siwan 8408 (1048). den Städten Kleinrußlands wie: Homel, Starodnb, Czernigow und in anderen östlich und nöMich von Kiew hingemetzelt. Nun nahm sich der polnische Fürst Jeremias Wischniotviecki der Juden an. Die von ihm gölvährte Hilfeleistung aber war nur von sehr kurzer Dauer. Er wurde nämlich bei der Wahl des Oberseldherrn übergangen und anstatt seiner sind drei Feldherren gewählt worden. Schon am 3. Ab (22. Juli 1648) fanden in der Festung Polormoie,. zwischen Zaslaw und Zytomir, etwa 10.000. Juden, durch die Kosaken den Tod. In Zaslaw selbst wurden 200 Juden und Katholiken, in Ostrog 600 und in Konstantinow 30.00 Inden hingerichtet. Auch die zweite Schlacht Zwischen den Polen und Kosaken endete für jene vom 21. bis 24. September 1648 unglücklich. Die Polen sammelten sich jetzt vor Lemberg. Die weite Strecke von der Südukvame bis Lemberg Wer Dubno, und Brodh wies Blutspuren von erschlagenen Juden auf. In der Stadt Bar kamen ungefähr 3000 Juden um. <£s mag noch erwähnt werden, daß die Kosaken keinen Untere schied zwischen Juden und Karäern machten. Die kcwaischen Gemeinden in Luck und Deraznia, nördlich von Bar, litten sehr stark. Chmielnicki zog nun mit seinen Mordscharen von Lemberg auf Zamosc zu, um Warschau zu erreichen. Dort angelangt, wollte er mü dem Schwerte Sei der bevorstehenden Königswahl ausschlaggebend sein. In der Stadt Narol, die auf den: Zuge Chmielnickis gegen Warschau liegt, kamen 46.000 Menschen, darunter 12.000 Juden, anfangs November 1648, um. In Krzemieniec wuvden mchrere hundert Kinder hingeschlachtet. Chmielnicki diktierte bei der polnischen Königsivahl und entschied für Jan Kasimir. Jetzt zog der Kosakenataman in seine Heimat, die Ukraine, zurück. Polnische Friedensabgesandte kamen in seine Residenz. Er stellte Bedingungen: erstens, daß in den Kosakenprovinzen keine katholische Kirche geduldet jverde und zweitens, daß keine Juden darin wohnen dürfen. Die Mgesandten reisten unverrichteter Dinge am 16. Februar 1649 ab. Inzwischen kehrten viele Juden in ihre ukrainische Heimat zurück, indem sie auf den nahen Friedensschluß rechneten. Die Kosaken Werfielen neuerdings die Städte, und es kamen in Ostrog abermals viele Juden am 4. März 1649 um. Als die Friedensverhandlungen gescheitert waren, kmn es zu einem dritten Treffen mit Chmielnieki. Diesmal wurde das polnische Heer vom König selbst geführt. Mich jetzt hatten die Polen kein Glück, denn der Kosakensührer hatte eine weit größere Zahl von Tataren zusammengezogen als früher. Die polnische Armee tväre in dieser Schlacht bei Zbaraz gänzlich aufgerieöen worden, ivenn der König sich nicht mit den Tataren rechtzeitig verständigt hätte. So evfolgt.e der FriedensschiliH im August 1649. Chmielnickis Programm wurde bestätigt. Die Juden durften in den Hauptorten der Kosaken nicht wohnen. Sie hatten anderthalb Jahre ziemlich Ruhe. Der König Jan Kasimir gestattete nun den zlvangsweise getauften Juden die Rückkehr zu ihrer alten Religion. Bon dieser Erlaubnis machten jüdische Frauen, die mit Kosaken zwangstverse verheiratet waren, Gebrauch. Dann wurden mehrere hundert jüdische Kinder, die im Christentum ausevzogen waren, ins Judentum wieder ausgenommen. Ihre Abstammung wurde erforscht und man hängte ihnen die eingerollten Zeugnisse an den Hals» um Heiraten in Blutsverwandtschaft zu vechüt-ir- -i i *4. l