Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2983 (18.6.1927)
- Date
- 1927-06-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982071--30388-3018606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Samstag Wierrer MorgenzelLmrg )8. Juni 1687 Nr. 39W * JÜDISCHE WEIT tos Sageuland Sphir. In Ayabien festgestellt? Der cnMsche Marmeosfizier Cormnm^der C. Cranford hielt Ln der Royal United Service Institution einen Vortrag über das Wunderland Ophir, das Reich der biblischen Königin von Saba, von dem geschrieben steht, daß Salamo von hier aus auf Schiffen, die drei Jahre auf Reisen waren, Gold, Edelsteine, Sandelholz, Elfenbein in reicher Fülle und seltener Pracht bezog. Das Ophirgold galt für das reinste und gediegenste. Bisher waren über den Ort dieses sagerlhasten Landes nichts anderes wie über die Atlantis die verschiedensten Ansichten ausgestellt worden. Einige suchten es an der OM'bstc Afrikas, widere im Osten Südafrikas oder in Indien, und auch im südöstlichen Arabien. Commander C r a u f o rd erzählt: „Das Problem war, ein Land zu finden, wo alle die Schätze der Königin von Saba, die sie für Salomo holen ließ, vorhanden sind. Als die Königin Bilkis mit ihren dreiunddreißig Tonnen Gold und Juwelen in Salomos Land kam, erhielt König Hiram von Tyros die Aufgabe, die vielen Schätze zu sichten. Er tat dies und notierte sich auf Grund der Erklärungen eures Seemannes das Ursprungsland'. Diese Angaben sind bis auf den heutigen Tag überliefert, und in meiner Entdeckungsfahrt folgte ich genau de-ir biblischen Erzählung. In einem Einmasterschfif, das bei den arabischen Schiffern unter dem Namen „Dan" bekannt ist, machten wir uns gleich dem König von Tyros auf die Reise und entdeckten das Sagenland. Von Ezron Gebir, dem einstigen Sion, und Tarshivsh im növd- K6ym Roten Meer, ging die Fahrt entlang den Usern des Roten Meeresdann Wer den Ozean nach der Insel Socotra, werter nach Ceylon, zurück in den Persischen Golf und dann die Ostseeküste von Arabien entlang. Drei ganze Jahre dauerte es, bis die Handelsflotte des mächtigen Königs ' wieher nach Szion Gebir zurückgvlangte." „2Bit studierten", sagte Crauford, ,chie Schiffstypen von Ser AE ber Sintflut an bis zum heutigen Tage und fanden, daß die Schiffe von Ezion Gebir identisch mit dar HmHgen Daus im Roten Meere sind. Wir nahmen!ein solches Dau und segelten mit den Passatwinden Ryatv-wis der König von Tyros. Bei unserer Fahrt die Küsten des Roten Meeres entlang stießen wir auf manche kleine Häfen, die in der modernen Schisfahrt ganz, unbekannt sind. Wir passierten Aden, auch Eden oder Land der Schönheiten genannt, rvo die Königin Saba auf der Reise nach Salomos Land Halt machte, und gelangten dann zu den Saba-Inseln. Hier warteten wir, wie es auch König Hiram tat, auf den zweiten Pasfatwmd, der uns nach dem Persischen Golf brachte. Mt dem dritter: Passatwindc fuhren wir entlang der Küste rückwärts, passierten Muscat und Ras el Hadd und kamen so zur Küste von Oman nach Südvstarabieu. Als wir dann südwärts gingen, wurden die Spuren vom einstigen Reiche der Königin Saba immer stärker und wir stießen auf reiche Inschriften. So kamen wir nach Ophir, 400 Meilen ostwärts von Aden, mit dein zerstörten Gottestempel. Dies war ungefähr die Hälfte unserer Fahrt. Mancher Seemann hat die alte Feste gesehen und besucht, doch erblickte mau bloß Ruinen. Grabungen verursachen hier schwere Arbeit, aber die harte Mühe wird reich belohnt. Die Stätte Ophir ist ideal gelegen. Der Hafen liegt nach Norden zu und das Ufer bietet prächtige Landungsgelegenheiten. Doch imrd der Zugang zum Hafen von einer Klippe versperrt. Diese war cs, die das Leben von Ophir erdrückte. Noch heute gibt es in Ophir große Reichtümer. Es liegt ganz inunseren Händen, dieses Gebiet zu jener Prosperität zu entwickeln wie zu Zeiten des Königs Salomo. Im Schoße der Erde liegen reiche Goldschätze und Edelst-eine verborgen." Ern Vermächtnis von anderthalb Millionen DoMr für das jüdische theologische Seminar. Aus Newport meldet I. T. A.: Der im November 1926 verstorbene Louis S. Brufh hat sein Gesamtvermögen. in Höhe von rund eineinhalb Millionen Dollar — wie aus dem eben eröffneten Testament hervorgeht — dem jüdischen theologischen Seminar vermacht. Dre Beerdigung Lord SwayMUngS. Am 14. Juni vormittags wurde in London Lord Swahthling auf dem jüdischen Friedhof zu Mitlesden zu Grave getragen. Auf Wunsch des Verstorbenen waren keine Blumen und Kränze gespendet worden. . Die Begräbniszeremonie leiteten Rev. E. Levine und Rev. I. Goldston. Während des Gottesdienstes am Sabbatabend wurde in säst allen Synagogen Englands von der Kanzel herab des Verstorbenen gedacht. OQOC»(XXXXX)OQOOOOOOOOOOOOCXXXXXXX)QQ(XXX)OQPOPSSC»0000'300QOOOCXXX30gX>OQOOOÖOOCOPQi Mhne und Kunst. .Reibaro." , .AM arMMe Wort ist die surnnwrrsche Bezeichnung M Ke Küeresstngemeinschaft der Berliner Theaterdi- «MosürM-eärrhardt, Barnowsky und Robert. Der Pot der Zeit gehorchend, haben sich die drei Bühnenleiter zu BegKo« .der Saison znsammengeschlossen. Nun liegt ihr Be- «cht Wer das erste Spieljahr vor, der in mehrfacher tziustcht interessant ist. Die „Reibaro" kann berichten, daß sie Är IMHgerr Wochen 26.000 Berliner als Aibonnen-- $eat jgLwonnett hat. Für den Preis von 3.50 und s Mark konnten diese Theaterbesucher u. a. „Gneisenau", rßfa. .Gefangene", -,Mrs. Cheneys Ende", „Spiel im!Schkoß", ^,Arzt am Scheidewege" sehen. (Allerdings sind Kefe .Preist nach Wiener Begriffen recht ansehnlich, die Kaufkraft.des Berliner Publikums ist doch bedeutend stärker.) Mr den Abonnementstagen, Montag bis Freitag, standen in den' sechs Theatern je 1800 Plätze zur Verfügung. Eine Matistik der Berufe, aus denen sich die Abonnenten rekrutreren, ist der Rechenschaft Leigefügt. Die selbständigen Kaufleute stehen mit 8850 an der Spitze, dann folgen die Beamten Mit 3200, die Angehörigen der juristischen Berufe .mit 1050, die Lehrer mit 1200, die Aerzte mit 1100, die Ingenieure und Architekten nrit 1050. Eine Rundfrage unter jden Monnenten nach dem Stück, das in der Spielzeit besten gefallen habe, weist als Ergebnisauf, daß ^PAolfgang Goetz' „Gneisenau" mit 12.674 Stimmen an der Spitze märschiert. Dann 'folgt „'Die Gestntgene" mit 9311 Stimmen. lieber tausend Stimmen hat noch „Peripherie mit 1864 und „Mrs. Cheneys Ende" mit 1329 .erreicht. Ek« WM« Museum in Ldeffa. Ju Odessa wurde ein jüdisches Muserim eröffnet, welches .ansehnliche und wichtige Sammlungen enthält. Unter den Dokumenten Ms der Geschichte des Ostjuiderrtums nehme» jene, welche die Judenverfolgungen und Poll ra-ine unter der zaristischen Regierung betreten, einen besonders hielten Raum ein. Wie wir erfahren, solldssnr Museum ein Forschungsrmist i t u t angegliedert werden, das sich der Geschichte, sowie der zukünftigen Entwicklung des Ostjudentums widnien soll.' ' ' Aus de« Theatern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr „Das tKüthchen ü# it Heilbroun" (Abonnement zweite Gruppe). Akadem ietheater. Morgen, Lalb 8 Uhr „Cyprienn^ (Abonnement fünfte Gruppe). i Montag, den 20. Juni, und Samstag, den 2. Juli, finden Aufführungen: der „Z a u b e r f l ö t e" durch Schüler der Akademie für Musik und darstellende Kunst statt. ' Deutsches B o l k s t he a t er. Morgen nachmittags halb 4 Uhr „Die Schule der Kokotten" mit Leopoldine Konstantin. , L u st s pi el th c a t er. Heute und morgen nachmittags 3 Uhr „Des Meeres und der Liebe Welleu" von Grillparzer. Aus der Wiener Staatsoper. In einer Pressekonferenz machte gestern der. Generaldirektor der Bundestheater, Schneioerhan, dre Mitteilung, daß der Bariton de Luc ca und der Tenor Gi gli von der Metropolitain- Oper in New Jork in der nächsten Saison an der Wiener Staatsoper gastieren werden. Das Wiener Opernballett wird im nächsten Jahre ein lötägiges Gastspiel in Barcelona absolvieren und unter anderem auch „Josefslegende" Und „Schlagobers" zur Darstellung bringen. Außer in Paris wird das Opernensemble noch in zwe.i anderen. Großstädten gastieren. Ern Jude Liternturprelsträger der französischen Akademie. Der diesjährige „Große Preis für Literatur" der französischen Akademie wurde dem! bekannten Romanschriftsteller Joseph Kessel, einem Juden, verliehen. Gm Zarrgrvill-Mamiskrlpt im britischen Museum'. Dre Witwe Israel Zanawills hat die Urschrift einer unbeendet zurückgelassenen Novelle des Dichters „Der Baron von Offen ba ch" dem Britischen Museunt geschenkt. Dre Leipziger Buchlunstauästellung an Max Llebermann. Max Liebermann, der Protektor der Internationalen Buchkunstausstellung in Leipzig ist, erhielt von der AusfteNungsleitung folgendes Telegramm: „Das Präsidium der Internationalen Buchkunstausstellung grüßt ihren verehrten Protektor und huldigt gemeinsam mir den versaimnelten Festgästen des Aus-.und .Inlandes dem großen Meister." Ern Gemälde Oskar Haverers im Berliner städtischen Besitz. Wie J.T.A aus Berlin meldet, wurde in der lehren Sitzurm der Berliner Deputation für Kunst und Wissenschaft beschlossen, ein Oelgemälde „Schwarzer See bei Bukow" von Oskar; Habe rer, dessen Werke bisher nur in ausländischen Museen gezeigt wurden, anzukaufen. Gerichtssaal. Sine ruIMge Ablöse für einen Mietvertrag. Der Kaffeesieder L. Blum betrieb in der Hollcmdstraße das Cafe Salzthorbrücke, das er im Februar 1926 an Adolf Baustein um 36.000 Schilling verkaufte. Für die Anerkermung des Käufers im Mietvertrag bezahlte dieser 2000 Schilling an den Hausadministrator. Blum begehrt nun die Rückzahlung dieses Betrages von der Hauseigentümeriu Margit S z a b o in'Siklos. Die Hauseigentümerin führte vor Gericht den Nachweis, daß sie die 2000 Schilling ausschließlich für Renovierungsarbeiten verwendet habe. ES liege nichts Unsittliches vor, wenn der Kaffeesieder Blum gelegentlich des günstigen Verkaufes dem Hauseigentümer, der ja nicht gezwungen werden konnte, den Käufer des Geschäftes als neuen Mieter knzunehMen, einen entsprechenden Betrag zahle. Die Klage auf Mckzahlung der Mlöse wurde vom Zivillandesgericht und vom Oberlandesgericht a b g cw i e f c u, und auch der Oberste Gerichtshof bestätigte, im Gegensatz zu einigen Entscheidungen der jüngsten Zeit, das abweisende Urteil mit der Begründung, daß in der Forderung einer Ablöse im gegebenen Falle nichts Unsittliches gelegen sei, weil das Geld zur Renovierung de^ Hauses verwendet wurde. Von einem Schacher mit Bestandobjcktcn könne hier nicht gesprochen werden. An unerfahrener Schötzmeifter. In Meidling war es ein offenes Geheimnis, daß der Schatzmeister der Filiale Meidling des Dorotheums ein unerfcchrcner Mann sei, der Schmuckgegenstänve zu einem weit höheren Werte belehne, als in Wirklichkeit dafür gebühre. Dies machten sich der Jutvclenagent Moritz Bauer , und der Kaufmann Friedrich D w o r s ch a k zunutze. Sic; kauften von verschiedenen Leuten Schmuckgegenständc und ließen sie durch Mittelspersonen im Dorotheum belehnen. In den meiste'' Fällen erhielten si' fast den doppelten Betrag des Vcrkehrswertes der versetzten Schmuckgcgeu- •. stände. Bauer betrieb außerdem eineu schwunghaften Handel mit den Pfandscheinen, die er um 10 bis 20 Prozent der Bclehnungssumme verkaufte. Die Käufer wurden dadurch ' geschädigt, da sie die Schmucksachen nicht ausläsen konnten, weil diese lange nicht soviel wert!varen als der Auslösungsbetrag und der Kaufpreis des Versatzscheines zusammen ausmachten. Bauer machte für seinen Versatzscheinhandel sogar in einigen TageSbläitecn Reklame. Unaufgeklärt ist ein Geschäft mit dem ungarischen Rennstallbesitzer Barop. ' Emil Taxis. Dieser übernahm von Bauer. 9 Pfandscheine, die nnt 23.000 Schilling belehnt waren, wobei der Wert ■ : der verpfändeten Schmuckge^,,stände nur 11.000 Schilliilg . betrug. Taxis übergab die Pfandscheine für:eiu größeres •. Darlehen als Deckung. Ob er hiebei im strafbaren Einveri ständnis mit Bauer vorgegang-nr ist, konnte nicht erwiesen - werden. . Bauer verantwortete sich gestern vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des OLGR. Dr. Kgtle i n, ebenso ivie . Dworschak, daß ihm jede betrügerische Msicht ferngelegen sei, da er als Laie den tvahren Wert der Schmuckgegenstände . nicht gekannt habe. Die Verhandlung mußte schließlich zur Einvernahme neuer Zeugen und Salbverständigen b extagt werden. Sie Blutprobe ist einer 3eugena«rsage gleichruhalteu. Eivvo wrchtsge EntschviÄmsg Äss Oböpstsn GÄvkchtshoßes, Das Zivillandes-g-ericht hatte irr. einem 'BUerHaftsproz-ess-e dw Vornahme der Blutprobe mit her Begrün-- " düng abgelehnt, daß die bisherigen Ergebnisse kerne derart sicheren Schlüsse zulasstn, unc sie neben den üblichen Berveismittcln (Zeugen- und Parteien-elNvernahm-e) hevanziehen zu müssen. Gestützt auf die bisher üblichen B-eweife, war in dem konkreten Falle das Alimontationsbegehren abgcwies-en worden. Das Oberlandesgericht bestätigte das Urteil der ersten Jrlstang. Der Oberste Gerichtshof hob jedoch beide Urteile auf und ordnete eine neuerliche Verhandlung beim Erftgerichte mit der Weisung an, einen Sachverständigen darüber zu Lesrqgen,- ... ob nach den Erhobunge-n der Wissenschaft die. Blutprobe als exaktes Beweismittel angesehen werden könne. In dem neuerlichen Verfahren wurde nun Prof. Dr. Meixner herangezogen, der d.eg>diert .. erklärte, wenn bei einem Kinde die Blutgruppe 2 oder 3 fcstgestcllt werde, so könne mit Sicherheit erwartet werden, daß sich die gleichartige Blutgruppe auch Lei einem der Elternteile vorflnde. Prof. Dr. W e r k g a r t n e r, der die Untersuchung der Blutproben vorgonommen hatte, gab an, daß die Blutgruppe des Kindes weder bei der Kindes- ' mutter, noch bei dem angeblichen Kindesvater anlzutreffen war, was als Beweis gegen die Vaterschaft des Beklagten : zu werten sei. Das Gericht zog daraus den Schluß, daß der Beklagte nicht der Kindesvater sein könne und sprach ihn trotz des zugestandenen Vevkohres in der kritischen Zeit von der Alimentationspflicht frei. Das Obevlandesgericht schloß sich der ersten Instanz an. Der Oberste Gerichtshof wies die dagegen erhobene Revision zurück und führte in der Begründung aus: „Ein den Vererbungsgesetzen widersprechendes Auftreten eines Erbmevkmales könne keinen ztvingendeu Beweis gegen die Möglichkeit einer behaupteten Abstammung bilden. Ein solcher Widerspruch könne einen angeblichen Abstam- . mungszusammenhang höchstens als unwahrscheinlich oder unglaubwürdig erscheinen lassen. Mehr als die Wahrste i n l ichke i t und Glaubwürdigkeit ist aber ' bei keinem gerichtlichen Beweise zu erreichen." Damit ist zum Ausdrucke gebracht, daß der Oberste Gerichtshof die Vaterschafts-Blutprobe als Botveismittel . in eine Reihe mit den Zeugenaussagen stellt, daß also die Wertung der Blutprobe im Zusammenhänge mit anderen Beweismitteln dem freien Ermessen des Gerichtes überlassen bleiben muß. In einer kürzlich erflossenen Ent-. . scheidung hat der Oberste Gerichtshof ausgesprochen, daß zur Blutprobe niemand gezcvungen werden könne, so-daß die Parteien und die Kindesmutter als Zeugin die Möglichkeit haben, dieses nun anerkannte BoweismiN " illusorisch zu machen. Wieder eine Verurteilung Theodor Fritsch'. Der Herausgeber des „Hanrmer", der Berlagsvuchhündlor Theodor Fritsch, wurde durch einen Strafbefehl des Berliner?lnitsaerichtes zu 280 Mark Geldstrafe oder zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er die Republik geschmäht hat.