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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-18 · Heft 2983 (18.6.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2983 (18.6.1927)
Date
1927-06-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Werr,'SSnMaF Jas Schreckgefvevft der SM- Verkalkung. Bloße Hypochondrie. Im Rahmen der Vortrüge, die zu Ansklärungszwecken im Radio Wien im Einvcrnchmen mit der Oesterreichifchen Gesellschaft für Gesundheitspflege abgehalten werden, sprach gestern der Mannte Herzspcziakist Dozent Dr. Max H-crz über die von vielen ganz über« trieben gefürchtete Arterienverkalkung, mit den ausgesprochenen Zweck, dieser Furcht ein für allemal ein Ende zu machen. Dozent Dr. Herz meint, daß jode Zeit ihre eigene Hypochondrie hat. In unserem Zeitalter ist die „B e r k a l k u n g s h y p 0 ch 0 n d r i e" groß geworden. Schon jugendliche Personen sind von ihr befallen. Fragt man nach dem Grund, so ist die tzauptursache ziemlich äußerlicher Natur. Mit der Erfindung d e s Blutdruckmessers durch den Wiener Professor v. Basch vor 30 Fahren beginnt scheinbar die Gefäßverkalkung überhand zu nehmen. Bis dahin hat kein Mensch etwas von Blutdruck gewußt. Fetzt plötzlich sind die Leute „ganz närrisch" mit ihrem Blutdruck, ungefähr so wie ein Fieberthermometer eine übermäßig besorgte Mutter unnötig erregt. Die Laien glauben nämlich ganz irrtümlich, daß es einen normalen Blutdruck gibt, und daß seine Erhöhung -eine Gefäßverkalkung bedeutet. Der Blutdruck schwankt bei verschiedenen Individuen in ungeheuer weiten Grenzen. Alter, Geschlecht, Verdauung, Stimmung bewirken diese Unterschiede. Ferner gibt es Menschen mit erhöhtem Blutdruck und ohne Verkalkung, dann wieder mit Gefäßverkalkung ohne Höheren Blutdruck. Auch bloße Zufälle erhöhen den Druck und bringen den Hypochonder in Verwirrung, sy etwa das Kopiffchütteln eines Dersicherungsarztes oder der Tod eines Bekannten nach Gefäßverkalkung. Aber heute läßt man eben jeden zweiten Menschen an Gefäßverkalkung sterben und das Lexikon oder ein populärer Artikel kann so mehr Todesurteile fällen als alle Gerichte. Der Hypochonder deutet alles nach seinem Wahn, jedes Jucken ist ihm Blutstockung, jedes Herzklopfen ist Herzschwäche, jeder Kopfdruck ist H i r n v e r k a l k u n g. Die Gesäß-verkalku n g bekommt jeder Mensch wie graues Haar. Man braucht es nicht zu merken und es ist auch keine Krankheit. Was der Arzt ernst nimmt, sin-d Verballungen der Niere, des Herzens und des Gehirns. Sie sind aber durchaus nicht gar so häufig wie der Hypochonder meint, und sie können nicht anders beurteilt werden wie sonstige Krankheiten. Man beschuldigt oft die Genußmittel als Ursache. Sicher ist, daß viele Menschen sich zu Tode rauchen und trinken. Aufklärung muß da helfen. Mer man soll nicht mäßige Genüsse verbieten und dadurch Hypochonder züchten. Erfreulich ist die wachsende Abstinenz der Jugend. Aber die Meinung der Aerzte über die Genußmittel und ihre Schäden ist durchaus geteilt. Dr. Herz hat eine Umfrage in der alten. Monarchie bei 18.000 Aerzten durchgeführt. Die Aerzte der Tabakfabriken haben da den Tawak für unschädlich erklärt, die Aerzte in den Weingegenden wieder den Wein. Sicher liegt die wichtigste Ursache der Verkalkung inKummerund in Sorgen. Der Hypochonder trägt so sellbist zu seiner Gefäßverkalkung bei. Daraus ergibt sich auch d i e A r t d e r B e h a n >d- I u n g. Was fröhlich stimmt, wirkt heilen b. Diesen Grundsatz kann man auch auf die Ernährung anwenden. Was nicht schmeckt, dazu soll man sich nicht zwingen. Aber dem unglücklichen oder eingebildeten Sklerotiker den Kaffee, das Glas Bier, die Zigarre zu nehmen, ist grausam und -deshalb schädlich. Er soll treiben was i m F r e u d e m a ch t: Kunst, Sport, Spiel, Musik, Radio, Kino. Kurz: wem sich das „Gespenst der Arterienverkalkung" zeigen sollte, der lache ihm ins Gesicht, und es ergreift eiligst die Flucht, denn nichts ist ihm so zuwider wie herzliches Gelächter. Wieviel MMardSre gibt es i« Sesterreich? Wie aus den vonz statistischen Bundesamt veröffentlichten Mitteilungen über die Einkommensteuersatierungen in Oesterreich ersichtlich ist, gibt es in Oesterreich 10.927 Personen, die nicht aus Dienstbe-zügen, sondern aus Grundbesitz, Gebäuden, Unternehmungen, Kapitalsvermögen usw. ein Jahreseinkommen von mehr als 20.000 Schilling haben. Es leben demnach in Oesterreich rund zehntausend Personen, die einen Besitz irgendwelcher Art ihr eigen nennen können, der zweifellos einen M.i l l i a r d e nw e r t repräsentiert, wenn er auch vielfach nicht leicht (beispielsweise bei Realitäten usw.) in eine Milliarde Bargeld umgewandelt werden kann. Unter diesen zehntausend Personen befinden sich aber auch die Oosterrcicher, die im engsten Sinne des Wortes als Milliardäre bezeichnet werden können, die nämlich über eine Milliarde Kapitalst» erwögen verfügen. Ihre genaue Zahl läßt sich aus der Statistik der Einkommensteuerfatierungen nur schwer feststellen, da ja die meisten Milliardäre nicht bloß die Zinsen ihres Barvermögens als Einkommen haben, sondern, auch noch Wer andere Einkommensquellen verfügen. Ein Vergleich der einzelnen Gruppen der Einkommensteuerersassung und Bemessung zeigt, daß es Milliardäre an Kapitals vermögen in Oesterreich nur rund 500 gibt. Wenigstens gegenüber der St-'.ucrbchörde. Aus der österreichischen Einkommeusteuerübersicht iaun man öfcejc. aM mach, andere,.MM bwrerkenMerde --- .... --. ——-- — tffketmal- $arft~ftrantöad Vösiau Größte und modernste TOcrmiilbflder- ZLa >oq » L * Jfi M 2. za CD Omm wmf Anlage Europas! Fassungsraum 15.000 Personen. Pensionen und Hotels von erstrangigen Instituten bis zu den billigsten. — Prospekte und Auskünfte bereitwilligst durch die Kurkommission VÖslau. Feststellungen machen. In Amerika ist bekanntlich ein Jahreseinkommen' von 1500 Dollar als Existenzmini m u m vollständig steuerfrei. Aus den Einkommensteuerbekenntnissen der Oesterreicher ist nun ersichtlich, daß mehr als die Hälfte der einkommenisteuerpflichtigen Einwohner Oesterreichs ein Jahreseinkommen von weniger als 1500 Dollar (10.000 Schilling) haben, also nach amerikanischer Auffassung so wenig verdienen, daß sie nicht besteuert werden können. Re arischen Sommerfrischen. Auf Grimd der uns aus unserem Leserkreise zugekvmmenen Mitteilungen haben wir eine neuerliche Zusammenstellung jener Sommerfrischen in Oesterreich vorgenommen, in welchen sich der Aricrparagraph austobt. Wir lassen hier die Liste folgen: Niederösterreich: Aggsbach (Gastchof Goldener Hirsch)', Erlach (Fischer), Gobelsburg (Gasthof Liebe!), Hadersdorf-Weidlingau (Stiftergasse 28), Hausberg, Kaumberg (Lenz), Krems (Dock), Maifsau (Berger), Mank, Niederndorf (Eder), Reichenthal, Schönberg, Schwarzenbach (Reifich), Steinakirchen am Forst (Karner), Mbsitz, Türnitz, Wollersdorf. Oberösterrerch. Aigen, Eferding, Kreutzen (Ziegler), Parschallen (Noither), Nußdorf, Scharnftein (Pension Hernstrap), Spital am Phyrn, St. Georgen im Attergau, St.-Veit (Gasthos Dimmel), Weyer, Weyregg am Attersee (Lehrerheim) , Woldenibad. Steiermark: Anger (Gasthof Keller, Spranger) , Aschbach (Gasthof Bieber), Birkfeld (Gasthos Reithoser), Eschau (Gut), Etzesdorf Lei Weiz (Pension Gruber), Murau, Pöllau, Pürgg, St. Gallen (Erholungsheim), Trofaiach, Untergrimmig (Gasthos Zeitler), Waldbach (Langenecker). Salzburg: Kleingmain, Mattsee, Mittersill, Neumarkt,. Schmittental (Villa Olga), Seoham, Seekirchen (Gasthof Gmache), St. Johann, Tamsweg, Wald i. Pinzgau (Gasthos Straßer), Zell a. See. Kävn<ün: Hirt, Klagenfurt (Studentenheim), Keutschach (Schloß), Kötschach, Kolbnitz (Hell), Molllbrücke, Relchensels (Gasthaf Jäger), St. Margarethen, Weißeniste, Weitensfelds Tick,!: Fugen, Hopfgarten, Judenstern (Pension Wälsung), Kitzbühel (Mitterer), Stubai (Habichthof). ' BorMMsttz: Fraxern (Gasthos Krone). Razzia nach IawelenhSndleru in der Leopold' ftadt. Im Cafe Klein in der Hollaindstraße ist, wie jdie Polizei erfahren hat, seit längerer Zeit ein schwunghafter Handel mit Goldunjd Silberwaren zweifelhafter Herkunft betrieben worden. Gestern vormittags hat nun die Polizei gemeinsam mit der Finanzbezirrsdirektion Unter Zuziehung von Beamten des Hauptpunzierungsamtes in bent' aus d>rei Räumen bestehenden KaMhaus eine Razzia vorgenommen. Sämtliche Eingänge wurden besetzt, so daß niemand ein noch aus konnte. 32 Personen, darunter zwei Frauen, wurden perlustriert. Bei einer großen Anzahl von ihnen wurden Ringe, Edelsteine, Uhrketten und Armbänder in Die Zionistische Bezirkssektion Frater gratuliert ihrem Vorstandsmitglieder Herrn David Faporlsoh, zur Verlobung seiner Tochter Bona mit Herrn Sag. Max Apfelbaum und wünscht ihm herzlichen 2iv °vrr iS. SäitfMS. N r. ÄükD hohem Werte gefunden. Nach eingehender Untersuchung wurden 26 Personen sofort in Freiheit gesetzt, wahrend sechs in das Sicherheitsbureau gebracht wurden, um ihre Identität 51t überprüfen. Bei einem dieser Minner wurden goldene Ringe gefunden, aus denen die. Steine airsgebrochen rvaren, sowie Edelsteine, die wieder ans Schmücksachen herausgebrochen zu sein scheinen. Dieser Mann hat bei dem Erscheinen der polizeilichen Kommission seinen Jutvelenbesitz unter dem Tisch zu verbergen genMn. ^i' Um tcrsuchUng ist noch int Gange. Sin gestörter Bortrag über dle Mazedoaier. Budapest, 17. Juni. Das Ungarische Telegraphenkorrespondenzbureau meldet aus Sofia: Der Präsident des bulgarischen Journalistcnvereines und ehemalige Gesandte Kasasow hielt hier einezr Bortrag Wer seine in Jugvslatvien gewonnenen persönlichen Eindrücke. Der Vortrag gab zu stürmischen Szenen Anlaß In den Reihen der Buhörer nahmen auch der jugoslawischc! Und der tschechoslowakische Gesandte sowie zahlreiche Mazedonier Platz. Ms Kasasow die Daten der amtlichen, jugoslawischen Statistik über die Nationalitäten in Jugoslawien anführte^ machte ein Mazedonier aus den Reihen der Zuhörerschaftiden Zwischenruf, der jugoslawische Staat unterschlage di« in Jugoslawien lebenden Bulgaren. Im weiteren Verlaufe des Vortrages wurden abermals Zwischenrufe laut, Bulgarien habe die aus seinem Gebiete wohnenden Nationalitäten verfolgt. Die Zwischenrufe riefen eine gedrückte Stimmung hervor und der jugoslawische Gesandte erhob sich von seinem Ätze und verließ den Saal. Der tschechoslowakische Gesandte folgte ihm auf dem Fuße. Kasasow setzte seinen Vertrag fort und sagte, die Mazevdnier bilden eine autonome Einheit in den Grenzen Jugoslawiens. Diese Erklärung rief unter den Mazedoniern heftigen Widerspruch hervor. Sie riefen, diese Behauptung sei unwahr und die Mazedonier fordern ein politisches, freies Mazedonien. Das Publikum stimmte die mazedonische revolutionäre Hymne an und ein mazedonischer Redner betrat das Podiumumkdie Daten Kasasows zu Widerlegen. Die Veranstaltung endete unter grpßMiTn- '\ Stfetfomfef und Radio. ( Im Madrider „Ring" gab es dieser TM grujj.: Stierkämpfe, veranstaltet diesmal zUm Besten des Fonds für Pie zu gründende Universitätsstadt. Die!A?renä stillte sich bis ans den letzten Platz; 14.000 ZuschMer waren anwesend. Und auch der König und die Königin.'' ' NeUn Stier e und soundsoviel Pferde irmß-. ten daran glauben. Dabei zeigte sich, daß der Rfuf wachs dem „petos", das Schlagwort von gestern,^ plötzlich in Vergessenheit geraten war. Die armen Klepper sollten nicht mehr gleichsam nackt auf die Schlachtbank, mit ,^petos" (Har-, msch) mußten sie versehen sein! Laut rmd immer lauter Hatto man das gefordert; und unter dvm Druck der öffentliches Meinung Mrde die Erfiillung dieses Wunsches zu-, gesagt. Mnr konnte dann bei verschiedenen Anlässen, allevhand beruhigend wirkende Modelle von solchem Harnisch sehen. Praktisch versucht wurde es aber mit dem Dnrig noch nicht. , . Doch es kam deswegen zu keinerlei Protest; man schieiuj im Gegenteil mit dem Gebotenen gar nicht recht zufrieden. Ten .Eindruck zumindest mußten die Rundfunk-Teilnehmer gewinnen. Einer der angesehensten „Referenten" stand ami Mikrophon, berichtete über die emzclnen Phasen, besprach die Vorgänge natürlich auch kritisch und meinte einural, daß cs alles in allem armselige Gefechte seien. Tatsächlich hörte mait nachher, daß die Leute in der iAIrena pififfen. Sie sranzöfischen Grabungen tu Medamut. Ueberraschende Funde. — Der Tempel des Kriegsgottes im ägyptischen Theben. Knappe drei Reitstundeir vom berühmten Touristenzentrum Luxor am Rande -der ava'bischeu Wüste liegt das bisher ganz un-beachtet gebliebene Palmendorf Medamut. Nun haben die seit 1025 vom französischen orientalischen Institut unter Georges Foucvrt vorgenommenen Grabungen Medamut in den Mttelpunkt des Interesses gerückt, denn dieser einst Metu benamte Bezirk Großthebens gab in den Ruinen seines der Kriegsgottheit Mont geheiligten Tempels überraschende Funde preis. Die Klärung der seit alters bekannten Ptolemäisch-römi- Ichen Tempe'lruinen ergab, daß hier der falkenköpfige ägyptische MarS von der 12. Dynastie ab ohne Unterbrechung bis in die römische Epoche hinein Verehrung fand. Schon die Winterkampagne 1625 ergab in nur einem Meter Durchschuittstiefe gut erhaltene Reste einer älteren, 120X52 Meter großen Tempelanlage mit Säulenhof nn>d Anbauten verschiedener Art. Zahlreiche Statuetten und Statuen der 12. Dynastie (zirka 2000 bis 1660 v. Ehr.) kamen hier ans Licht, darunter eine Figur des Pharao Sesostris III. Die Inschriften sowie einige Statuen Sesostris' II. ließerr auf eine der b e d e u t e n d st e n Kult« stätten des Mittleren Reiches schließen. Im vergangenen Win-ter erregten dann Funde einzigartiger Kalksteingruppen Aussehen, die ersten Monunlentakbi'lder des Kriegsgottes Mont und seiner Partnerin Ra Toni. Die jüngsten Arbeiten führten zur teilweisen Freileguiig ein.es Tempelmagazins sowie des Tempeltankes und seiner Treppenanlage. Doch mußten diese mühevollen Anlagen unterbrochen werden, weil Wasser einströmte, so daß erst im kommenden Winter an eine völlige Klärung des „heiligen Teiches" gedacht werden kann. Man wird dann Pumpen zu Hilfe nehmen und hofft aus Schatze zu stoßen, weill die Vermutung besteht, die Priesterschaft habe hier, nach Analogie Ähnlicher Fälle, in unruhigen Zeiten Kultgeräte und Kostbarkeiten verborgen, die dann im „heiligen Teich" der Bergeßenhelt verfielen.

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