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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-18 · Heft 2983 (18.6.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2983 (18.6.1927)
Date
1927-06-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gien, Samdrag wiener Morgerrzettnns 16. Juni WZ7 Rr. 2983 Seide ist aSSerarSSter Auswaisi und bester tznsKA Alles wird vertagt. —X, Wie«, 18. Juni. Genfer Tagung des Völkerbundratcs ist geschlossen tvordrn. Sie ist wenig ausfallend vorbeigegangen, hat die richtigsten .Probleme dilatorisch, behandelt imd ans den -erbst verschoben, und in gar keiner Frage ein bewerkenseonNes Rc'nltat geliefert, es sei denn, daß bezüglich der «f .Hilfe mtb Mrsiedlnng «Artenden armenischen Flüchtt'knge festgcstellt nnrrdc, es fehle das Geld. Die in >Dnn; gekommene Aussprache zwischen Frankreich und Deutschland öl-cr die Rheinsand-Garnisonen-wurde knapp vor denijAbschlust durch eine Erkrankinrg Briands gestört. Es ist nicht so sicher, ob cs sich nicht um eine politisch? Erkrankung des französischen Ministers yaitdelt, da doch inzwischen das Kabinett auf Betreibet Poincares euren gegen die sofortige Juriickziehimg der Truppen gerichteter! Beschlich gefaßt hat. Briartd ist also nach Paris zurückgekehrt, tvas auch für seinen Partner Strefcmann eine ziemliche Erleichterung darstellt. Die deutschen Nationalisten hatten bereits einen beträchtlichen Lärm begonnen, da Strescmann zu nachgiebig getoeserr sei und über die Sprengurrg der Ostbefestigu-rrgen zu große Zugeständnisse ge,nacht habe. Stresernanit legte nämlich Photographien vor und die Franzosen schienen dies nicht für schlüssig zu halten, da man doch Bilder rrach Belieben Herstellen könne. Immerhin hat Briands Katarrh cs ermöglicht, daß auch Stresemann rvieder heimkehren farat, ohne besondere Verpflichtungen Unterschreiben zu müssen. Diese Session hatte mit der interessanten Erklärung des .uglischen Außenministers begonnen, die Lage in Europa sei schon derart stabil, daß man die Sitzungen des Rates reduzieren könne. Am Abschluß der Beratung steht die Erklärung des Herrn Pertinax, eines Intimen des französischen Kabinetts, daß die Politik von Locarno und Thoiry fortgesetzt werde. Das sind heitere Ueberraschungen; es gibt »och eine böse albanische Krankheit auf dem Balkan, es gibt ferner den russisch-orrglischen Streit, verschärft durch außerordentlich harte Reden des amerikanischen Gesandten in London urid Sarrauts in der Pariser Kammer. Was Mbanien anbetrisft, so haben sich die Mächte geeinigt, eine Methode zu finden, die geeignet ist, die Kriegsgefahr zu bannen. In die Sprache der Bleichgesichter übersetzt heißt bas, daß sie nichts getan haben, nichts ±uxt können \>(b£r nichts tun wollen. Ta nämlich die allgemeine Lage so stabil ist, hat der albanische Vertreter in Belgrad endlich doch die Pässe angenommen und ist abgereist. Es wird wohl keinen offiziell und feierlich angesagten Krieg geben, was doch ^unnötig ist, da in den albanischen Bergen das Gewehr ge knalle niemals aushört. Jedenfalls — die Mächte sind für den Augenblick zu einer Resolution gelangt, die sie zu nichts verpflichtet. Schwerer .lag die russische Frage. Die Unstrenguingen Englands gingen dahin, eine allgemeine antirussischr Einheitsfront Zusammenzubringen. Ter Plan ist mißlungen, da in erster Linie Frankreich widerstrebte. Der Pariser Regierung fällt automatisch die Gelegenheit zu, sich beide Teile . durch Vermittlung zu verpflichten. Dafür ist der Zeitpunkt noch nicht reis, da doch zunächst abzuwarten wäre, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten der Wbruch der Beziehungen bieten wird. Demgemäß bewahrt Frankreich Reserve; es ist allerdings dastir gewesen, freundschaftliche Vorstellungen in Moskau zu erheben, und cs hat gerne und mit beiden! Händen zugestimmt, daß diese .Ausgabe von Deutschland vollzogen .werde. Die neuerlichen Tscheka-Morde in Rußlast') haben die internationale Stellung der Sowjets arg geschädigt ,imb die Militürstaaten haben für die Humanität sehr .viel übrig, wenn sie in der Richtung,ihrer Politik liegt. Sie haben nichts imternommen, um den Brachialoffizieren des Horthy das Morden abzugewöhnen und sie haben auch noch einige tausend aitbete Akte des tveißen Terrors still- Wveigend geduldet, zumal dann, wenn Juden die Leidtragenden waren. Ter Rückfall Rußlands in die Methoden Dzerfchrnskis hat aber seinem Renommee sehr geschadet und es scheint sich mit freundlicher Toleranz der Kabinette ein^ antirusfische.Monarchistenorganisation zu bilden, die sich der Sympathie des internationalen Hakenkreuzes erfreut. Kommt diese Organisation zustande, dann wäre dies ein merkwürdiges Symptom der von Chamberlain gelobten Stabilisierung. Die abgeschlossene Tagung ist übrigens mit einem in der Friedhofecke der Geschichte berzeichneten Datum zusammengesallen. Es waren am 15. Juni gerade zwanzig Jahre seit dem .{Beginn der ersten Friedenskonferenz im Haag verstrichen. Ihr Einbernfer war Nikolaus II. und 45 Staaten hatten ihre Vertreter entsendet. Damals gab es schwungvolle Reden vom ewigen Frieden. Der Weg ging dann direkt zum Weltkrieg. Der Völkerbund hat es übersehen, den Tag zu .begehen. Er hat sich auch nicht seiner.erinnert. .Denn dann Bitten seine Beschlüsse doch etwas mchr Mark haben müssen Schlußsitzung in Gens. G e n f, 17. Juni. Die 45. Völkedmudraksitzung wurde horte rmüagS geschlossen, nachdem eine ganze Reihe von Pmckieu ncürderwectigen Interesses behandelt Ivorden war. AnsHlbchend dar«! wurde noch eine kurze Geheims i k u n g abe<chalten, in der der Rat die Priorität der Dan-tger 'Staatsanleihe vor der Hafenanleihe aufgehoben hat. so daß nunmehr mit dem Ausbau der Hafenarbeit in 'n. .?<; sofort begonnen werden kann. seMenhaas S. er «abhh « KBauemmarRtZa u. LTuchlfiubenHr.8 Wir bieten jeder Konkurrenz die Spitze! 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Debatte über die Einsetzung ein?.' besonderen LVonnnission für Indien zu einer Erörterung Der Indien-Polüik Englands. Ter Arbeiterführer Lausbury verlangte, daß die Inder als gleichberechtigt be handelt werden sollen, und daß es ihnen überlassen »'erben müsse, selbst zu entscheiden, ob sie im englischen Weltreich verbleiben .wollen oder nicht. Der Abgeordnete Saklatw a l a Miss die Regierung heftig au. Er sagte, es sei ein Unsinn zu behaupten, daß die Engländer znm Nu-tzen der Inder in Indien seien, und daß sie dort wohltätige r Arbeit verrichten. Der englische Industrialismus und sogenannte Fortschritt sei für die zunehmende Kiw)ersterbtichkett unter der Fabriksbevölkenmg von Bombay verantwortlich. Ter Rcgierungsvertreter widersprach den Anssührrmgen Saklatwalas. Die Debatte schloß mit einem Be-rtra ue ns Votum von 173 gegen 45 Stimmeu für die Regierung. Kongreß, Mandat nnd England Wladimir Fabotiusky über die aktuellen PMUna-Prablewe. ❖ Wladimir Jabo t in si y, der Führer der Zioniifien-Revistomster^ absolviert zurzeit eine propagandistische Tournee durch die ^Tschechoslowakei; am 11. Juni sprach er in - B r ü n n vor einem großen Aulditorium .Wer die Fragen des Zionismus vom Standpunkt der Revisionisten. Unser Brünner K. B.-Mitarlbeiter nahm Gelegenheilt, Herrn IaibotinKky über seine Stellungnahme zu den verschiedenen Pr-oblemon des komimenden 15. Kongresses zu besrageu. Herr Jabotinsky antwortete zunächst aus die Frage nach den zentralsten AngeHogsnheilen des Kongresses: Die Offiziellen werden den Devsuch machen, - die Frage der Beseitigung der Krisa als die zentrale zu betrachten und pri'nz'ipielle Probleme in den Hintergrund zu schieben. Wir werden aber darauf bestehen, daß die Beseitigung der Krise eine Frage von Palliativen ist; das Hauptgewicht muß auf die großen grundsätzlichen Probleme konzentriert bleiben, als da sind Zweck des Zionismus, politische Osftmsive., Verwandlung des palästinensischen Verwaltun-gssystems in ein Kolonisationsregime, neue Methoden für die Finanzierung des zionistischen Werkes trnd Aenderung der Leitung. Ist zu erwarten, daß der Kongreß inIder Richtung der politischen und inneren Arbeit der Organisation eine einschneidende Aenderung bringen wird? Es ist schwer, in dieser Hinsicht etwas vovauszusa-gen. Da die heutige offizielle Richtung kein Progvam'm und keine Pläne hat, ist es nie vorauszusehen, welche Ueberraschungen bei einem Kongreß Vorkommen können. Wie ist die Stellung der revisionistischen Opposition zu den Vorschlägen einer prinzipiellen Rüform des Konl gresses? Unsere Anschaunng in bezug auf die Kongr^tzreform wurde formuliert in einer Resolution der ersten Wcltkonserenz der Revisionisten. Sie besticht darin, daß das Wahlrecht außer den Schekelzahlern auch noch allen jüdischen Einwohnern Palästinas gehören soll, allen Share-Holders der Bank, allen ständigen Steuerzahlern der zionistischen Fonds. Wie weit geht die Bereitschaft der Opposition, sich an einer Neubildung der Exekutive zu beteiligen? Die vorherrschende Stinnnnng bei uns ist gegen eiste Koalition mit den heutigen ofsizicllcn Zionisten, zu denen wir kein Vertrauen halben. Zu chtcr Koalition mit oppositionellen Gruppc.-n'wären wir -bereit, doch scheint die Zeit hiefür noch verfrüht. Halten Sie die bisher zur Behebung der Krise getroffenen Maßnahmen und den Anteil der Regierung an diesen für ausreichend? - Ich glaube, daß die Regierung für die Krise beinahe nichts tut. Jedes Wort des Dankes für die Kleinigkeit, .tzie vielleicht doch geschieht, ist nur schädlich, weil sie b^i der Regierung den Eindruck heworruft, daß ste schon genug getan habe. Die Maßnahmen, welche die Exekutive in dioser Hinsicht getroffen hat, halte ich: für inadäquat, weil die Kvise leider viel tiefer sitzt als man es sich vo-rstellt. Wie stellen sich die Revisionisten zur Frage der Zusammensetzung einer Fachexekutive an Stelle der bisher üblichen Partekgruppiernng? Ich glaude, die Leitung müsse immer eine Parteileitung bleiben. Selbstverständlich sollten die ökonomischen Ressorts an Fachleute Übergaben werden, immer aber unter der Verantwortung der gewählten Exekutive, die die Kongreßmehcheit vertritt. Dagegen bestehen die Revisionisten auf der Schaffung einer Art von permanentem Fa chp a rlame n t aus Sach/verstä-ndigen des Jischuw, welches als beratende, Körperschaft den Ressortleitern Wege weifen sollte. Pressenachrichton zufolge wurden die Verhandlungen über die Errichtung der Selbstverwaltung in Palästkna neuerdings ausgenommen. Ist dies für die zionistischen Aspirationen wünschenswert? Auch ich halbe gehört, daß die Regierung Heablsichtigt, die Frage eines arabischen Parlamentes wieder AN 'boleden. Diese Idee ist eine Erbschaft Heribert _ S aau-u e ls, vielleicht m allen,- die ^ibraM» uns in Palästina hinterlassen hat. Es ist die Pflicht der Zionisten, gegen dieses Projekt zu kämpfen. In einem für K o l o n i s a t i o n Ö e ft t nt an t e n L a nde ist ein Parlament, in dem die Mehrheit gegen alle Kolonisation stimmt, ein Msurdum und eine Illegalität. Welche Bedeutung für den praktischeu Fortschritt unserer Arbeit messen Sie der Entsendung der Expertenkommission bei? Ich habe nichts gegen die Expertenkammission, aber ich häüe auch nichts für sie übrig. Ich glaube nicht, daß auch sehr gescheite Leute bei einem kurzen Besuch in einem für sie ganz unbekannten Lande imstande sind, etwas zu entdecken, was uns-?.re eigenen Leute i-n Palästina noch nicht wissen. Die einzigen Sachverständigen, an die ich glaube, sind die Palästinenser, die Kolonisten, die Industriellen, die Arbeiter. Halten Sie die Einschränkung der Immigration und die Konzentrierung auf Befestigung und Wirtschaftlichmachung der zionistischen Positionen für richtig? Die heutige Exekutive Hai keine Spur eines wirklichem Planes für Konsolidierung und Reutabilisierung und ist unfähig, einen solchen vovzubereiten. Das einzige, was von dem ganzen Gerede bleibt, ist das alte „Stop - Immigration", die gefährlich st c v o n allem Losungen, mit denen man sich in der zionistischen Oeffentlich-keit je herumgespielt hat. Nach palästinensischen Nachrichten scheint die öffentliche Sicherheit des zionistischen Werkes noch nicht genügend gewährleistet. Welche Maßnahmen wären in dieser Hinsicht zu treffen? Dia ösfentlich-e Sicherheit ln Palästina ist schlecht. Dia einzige Antwort ist die Schaffung j ü d i s ch a r W e h r e i n h e i t e n und ihre Eiarqu-articrung im Gebiatc der jüdischen Kolonisation. Der Ueberschuß der palLstinensischen Verwaltung aus dem letzten Jahre soll für trans.jorda.nische Investitionen Verwendung gefunden habep. Ist dieses Vorgehen rechtlich? Diese Frage ist schwer zu behandeln, da das Mandat, soweit ich mich arinnare, keine, klaren,Bastininrungen in dieser Hinsicht enthält. ES ist aber klar, daß es eine st a a.1 s c t h t f ch c U n g c r a chtigkeit ist, westzpal-ü« stinansischc Stenerzahlcr, besonders Juden, zu zwingan, Geld für die Verwaltung eines Landes zu boschasian, wo sie nichts zu sagan haben und wo sie sich außerhalb des Nationalhoimtarritoriunts basmdan. Werden die Vorfälle in Aegypten und die Vorschläge Lord Rothermeres von Einfluß sein ans die Richtung der englischen Mandatspolitik? Die Vorfälle in Aegyptan sind eine neue Bestätigung das Gegensatzes, der zwischen England und dar lokalen Bevölkerung das Orients besteht. Sia sollten die Griurdlaga bilden für ein näharas Einverständnis zwischen uns und England mid snr wichtige politische Konzessionan zugunsten dar zionistischen Kolonisation. Unsere Leitung ist aber schon bekanntlich unfähig, solche Momente auszunützen. Was die Vorschläge Lord Rothermeres betrifft, so sind sie seine aigenstc Erfindung, und niemand in E n g l a n d darekt daran, eine Perle in der Krona des Empire, wie Palästina es ist, an eine andere Macht abzutreton. * Wladimir Jab o t i.n sky weilt zurzeit in der Swtocckfl und hat am 16. Juni im Regierungstzebüude zu, Preßbura über die Fragen des 15. Kongresses gesprochen. Möwen (Smtntag) hüll er um halb 11 Uhr vormittags im Spiegelsaal des Rathauses in Preßburg eine Ansprache cm die jüdische Jugend. Um 4' Uhr nachinittags findet im ZioiN-eini (Lavgegasso 33, 2. Stock die Skonferenz der Zionisten-Revistonisten statt. Herr Jabokinsty wird sodann in Munkaes, Brünn und Teplitz Bor trüg« hatten und am DamStag, den 26. Juni aus einem Meeting in Pra-g sprechen, wo am 26. Juni, eine Kouserenz der Zivnisteu-Revisionisteu aus Böhmen- Mähren^ und Schlesien stattfindet. ° Am 28. Juni, wird Herr Jaböttnsly in Wiem, einen Bortrag unter der Devise „Oessnet Palästina! Ein Mahutvort an den 16. Zionistenkontzveß" Hallen. Der Bor wag findet im SMiensiMl statt, ßit diese Tournee zyill Herr J^qfinsty vim- 6578

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