Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2983 (18.6.1927)
- Date
- 1927-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Preis flSO 0 | Redaktion, jVdministration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0*38, 43-3-19 Telephon ab 6 ühr abends 38-5-80 Serie, ab Va9 Ohr abends 38-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraßb 1 („lnva“) kreise ‘ Wien und Oesterreich durch Post oder Verscbleißstellen mou&tl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Tunern dys Blattes. aasa—BP™ Nr. 2983 fflien, Samstag, 18. gntii 1927 (18. Rwan 8987). WWÜÜi'.-! ■amufimtiMmi-. MOBELHAIM J.WUHL :lV.>5f8lEirM0HLGA»E «5 3 , »EUFQH55 931 ' BEQUEME ■ TtltZAHLUMÄ! 9. gahrgang Tm redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennseichtiet. der akademischen Freiheit." :8at8 brüllax? Fragen Sie bei jedem Drogisti n. Keine neue Rote Rußlands an Entrüstung Über das Mett gegen Kowerda. Moskau, 17. Juni. Aus amtlicher Quelle wird die Nachricht, daß die SowjeLregierung die Absicht habe, eine neue Note an Polen, ohne dessen Antwort abzuwarten, abzusenden. als nicht der Wahrheit entsprechend dementiert. Gleichzeitig wird auch die im Ausländ verbreitete Meldung über die Verhängung des Kriegszustandes in Moskau und Leningrad, über eine Mobilmachung in der Ilkaina und angebliche Repressalien in verschiedenen Städten der Sowjetunion als E r f i n d u n g bezeichnet. Jeder Grundlage entbehre insbesondere die Meldung von der Erschießung weiterer 28 ehemaliger Offiziere in Moskau sowie von Massenerschießungen ili Wladiwostok, Tiflis, Charkow und anderen Städten. Die „Jswestija" weist darauf ^in, daß das Urteil des Warschauer außerordentlichen ^Gericht s h o f e s g e g e n K o w e r d cl, tu’ Hr,. russischen: Oeffentlichjk-eit stärke Ent r ü st u n g hecvorgerufen habe. Dadurch sei die von der Solvjetregierung in ihrer Note gestellte. Forderung nach st re nger Bestrafung des Mörders von der polnischen Negierung faktisch abgelehnt worden. Die Sowjetregierung warte nunmehr die Stellungnahme Polens zur dritten Forderung der Liquidierung der weitzgardistischen terroristischen Organisation in Polen ab, um ihre endgültigen Schlüsse zu ziehen, inwieweit die Erklärung der polnischen Regierung über den. Wunsch, die freundnachbarlichen Beziehungen zur Sowjetunion zu wahren und zu bessern, d" - 7' ben entsprechen. eine bewegte Hochschulvebatte im Wiener Gemeinderat. Der Wiener Gemeinderat Ivar gestern Schauplatz.wüster Szenen, die sich von den jüngsten Hochschulkrawallen, über die da debattiert wurde nur dadurch unterschieden, daß es keine blutigen Köpfe gab. Gemeinderat Kolasser (christlichsözial) und Dr. Wagner (großdeutsch) nahmen die Autonomie der Universität gegen den Erlaß des Bürgermeisters, der die Polizei bei Krawalle in die Aula kommandiert, in Schutz. Sie bezeichneten den Erlaß des Bürgermeisters als U e b e r g r i f f, den sich nicht einmal der Unterrichtsminister Gautsch geleistet habe. Gemeinderat Dozent Dr. Friedjung (Sozialdemokrat), schilderte die jüngsten Hochschulkrawalle aus eigener Wahrnehmung. Als ein junger Mann mit einer schweren Kopfverletzung abtransportiert werden mußte, habe er den vor der Universität Dienst tuenden Hofrat der Sicherheitswache gefragt, ob er diesen Zustanid für erträglich halte. Darauf'sagte der Polizeifunktionär: «Sie haben recht; ich kann aber nichts tun, m i rsind dieHände gebunde n." Es gibt in Europa keine Universität, wo solches möglich wäre, sagte der Redner weiter. Die Haltung der Universitätsbehörde Ivar ein arger Mißgriff. Er habe selbst dem Rektor gesagt, daß^dse Ruhe-ponauhen hergestellt Werden müsse, wenn das' Rektorat dazu nicht imstande sei. Bei diesen Worten cühob sich im 'Saale ein ungeheurer Sturm, der in Tätlichkeiten auszuarten drohte. Bürgermeister S e i tz und Stadtrat K u n s ch a k suchten die Parteien zu beruhigen. Die Zwischenrufe der sozialdemokratischen Gemeinderäte: „Mörderbuben" und „Jeder Mord wird verteidigt", steigerten die Erregung ins Maßlose. In diesem Höllenlärm setzte Gemeinderat F r i e djung, kaum Vernehmbar, seine Rede fort und sagte: „Es handelt sich nicht, wie Sic glauben, um Kampf der Geister, bedroht wird, ohne den Schutz der Behörde zu finden? Jeder wird antworten müssen, daß so etwas in eineru Rechtsstaate unmöglich ist, daß in einem solchen Falle die Behörde, der die öffentliche Sicherheit anvertraut ist, einzuschreiten hat, und das ist in erster Instanz die Polizei, in zweiter der Landeshauptmann und in dritter das Bundeskanzleramt-Inneres. Was den sipe-ziellen Fall anlangt, so stcht fest, daß auf der Universität Studenten untereinander Streitigkeiten hatten, und daß auch u n i v e r s i t ä t s f r e m d e Personen sich eingemischt habe n, das heißt, es ist so weit gekommen, daß es sich nicht nur mehr um den Streit von Studenten handelte, sondern von An^eh^NMNiMUippisn poMschlor PMetzekh und die Polizei mußte draußen stehen, wett akademische Bo-den heilig ist". Das ist ein ganz unmögi licher Zustand. Entweder genießt der Bürger den Schutz der Behörde oder dieser Schutz -versagt und das führt logisch dazu, daß die Bürger zum Selbstschutz greifen werden. Als Landeshauptmann bin ich verpflichtet, zu verhindern, daß es zu einem solchen Selbstschutz kommt. Ich erkläre, mir ist ' »kt MMschenLekLrr heiliger als der Bodjm her Unisersität. Was würden Sie sagen, wenn in einer Kirche der Priester durch einen Verbrecher bedroht wird, und die Polizei nicht zu Hilfe -käme? Wegen eines geringfügigen Anlasses werden die Polizeiorgane sicherlich nicht in die Universität eindringen, aber wenn Gefahr im Verzüge ist, müssen sie sofort für die Ausrechterhaltung der Ordnung sorgen und ich werde diesem Grundsatz Geltung zu v e r s ch a f f e n w i ss e n. Rußland uroka m. polnische Antwort. Berlin, 17. Juni. Wie die „Preußische Rundschau" aus gut unterrichteter Moskauer Quelle erfährt, hat Litwinow den russischen Geschäftsträger in Warschau, U l j a n o w,'telegraphisch angewiesen, von der polnischen. Negierung eine A n t w o r t auf die letzte russische Note zu fordern. Uljanow werde wahrscheinlich im polnischen Außenministerium wegen der letzten Ereignisse vorstellig werden. . Achllscherii> i»>ch lostau ungereift. -Berlin,'1.7. Juni. Der russische 'Bolkskoinmissär für Aeußeres, T-schit scher in, hat heute vormsitags die .Heimreise angetreten. Er begibt sich, nach. Mittelungen' bet: russischen 'Botschaft, direkt nach Moskau, ohne tu -Warschau. - ■W Koipnio:seine Reise $«' unterbrechen.. . .... •. -; ein Staatsstreich in Sövchina. Par i s, 17. Juni. Wie die „Agentur Jndopacifiqne" aus Jünnan-Fü meldet, hat sich dort ein Staatsstreich abgespielt. - .Die Truppen des Generäls und Direktionsmitgliedes .Hn-Jn-Pu überfielen die Streitkräfte seines Kollegen, des Generals Long T)un und nahmen den General nach 10 ständigem Kampf in der Chinesenstadt gefangen. , Durch Vermittlung des französischen Konsuls wurde der General mit seiner Familie wieder frei gelassen^ jedoch unter der Bedingung, daß er auf jedes Regierungsamt verrichtet und binnen 48 Stunden die Provinz Jünnan verläßt. ' Bei den Kämpfen wurdm zahlreiche chinesische Soldaten getötet. Etwa 200 Verletzte weiden m das französische Krankenhmls eingeliefert. Gegenwärtig ist ^ie Lage in den Städten wieder ruhig Und der Eisenbahn- .'crkehr normal. sonderm um einen Kampf der rohen Gewalt gegen den Geist. Sie müßten dem Landeshauptmann Dank wissen, daß er den Mut hatte, den Popanz der akademischen Freiheit zu beschwören. Die akademische Freiheit haben jene geschändet, die es nicht unter ihre Würde finden, Kollegen zu verprügeln." Gemeinderat Wagner suchte die Schuld den sozialistischen Studenten zuzuschieben und Kunschak gebrauchte wieder die oft und oft widerlegte bequeme Ausrede von den hochschulsuemden Elementen, die immer herhalten müssen, wenn es gilt Hakenkreuzbübereien zu decken. Im übrigen suchte er die' Krawalle als Entgleisungen der akademischen Jugend hinzustellen, die man nicht tragisch nehmen dürfe. Die akademischen Behörden haben Mittel genug in der Hand, um die Ruhe aufrecht zu erhalten. Polizei ist überflüssig. Keine Universität der Welt ist so überfremdet, wie die Wiener Universität. Das ist nicht nur daraus zurückguführen, daß die wissenschaftliche Betätigung hier auf überaus hoher Stufe steht> sondern auch darauf, daß die Studenten wissen, daß es ihnen nirgends so gut gcht, wie an der Wiener Hochschule. Die echte wienerische Gastfreundschaft ist auch an der Wiener Universität zu finden. (Insbesondere den jüdischen Studenten wird sie mit Schlagringen und Gummiknüppeln eingebläut.) -In seiner Erwiderung führte - Bürgermeister Se itz aus:, Die Frage des Zuschußkredites für Sti-pendienzlve^e ist dazu benützt worden, um hier über akademische Freiheit, Wer akademische'Würde zu sprechen. Die Frage ist: Kann der Landeshauptmann zugeben, daß irgendeine Person oder eine Gruppe von Personen in einem öffentlichen Gebäude oder auf der Straße oder sonstwo tätlich Me Wiener llniverstM. Fortdauer des Legitimationszwanges. — Wiedereröffnung am Montag. Montag früh wird die Sperrung des Hä'uptgebäubes der Universität sowie des Anatomischen und Physiologischen Instituts aufgehoben (die übrigeir Institute usw. waren ja geöffnet) und der Lehrbetrieb in vollem Um sauge wieder aufgenommen. Ms aus weiteres jÄwch wich» der Legi t i m a t i o n s z w a n g aufrechterhalten. Die Ruhe wurde gestern nirgends gestört. Der Senat wird am Montag eine außerordentliche Sitzung abhalten, in welcher die zur Untersuchung der letzten Vorfälle eingesetzte Kommission ihren Bericht erstatten wird Zk. Weizmann kommt «ach Berlin. Berlin, 16. Juni. (I. T. A.) Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weitz mann» trifft am 27. Juni zu kurzem Aufenthalt in Berlin ein. Wie wir hören, wird er mit verschiedenen Kreisen des deutschen Judentums in Berührung kommen. Am 27. Juni wird im Herrenhaus eine Sitzung des Deutschen Pro Palästina-Komitees abgehalten, der Doktor Weizmann beiwohnen wird. Am 29. Juni! findet im Lehrervereinshaus eine große öffentliche Kundgebung statt, tllu der Dr. Weizmann der Hauptredner sein wird. Bekanntlich war das Eintreffen Dr. Weizmanns in Berlin für den 16. Juni erwartet. Wegen der schweren Erkrankung seiner Frau, die eine Operation nötig machte, war zunächst sein Kommen in Frage gestellt. Der glückliche Verlauf dieser Operation ermöglicht es Dr. Weizmann, seine Deutschlandreise, wenn auch mit einer Verzögerung von zehn Tagen, anzutreten Original englische Stoffe zu aufsehen. erregend niedrigen Preisen bei der Ifffll 6., Mariahilserstraße Nr. 3