Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2982 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2W2 Lngesbericht. Schlechte» Sommemettrr? Seit dem Frühjahr hat die Witterung-! eine EntwEung i UEmmeil,^ dte Mt Recht Auffchen erregt. Nur fetten tot«*! incn in der Wettern»g^geschichte Adtv-eichungr» vom Normalverhalten ln solchem Ausmaße und solcher Häufung vor, leie wir sie eben erlebt haben, Nach einem ganz rrngewöhnlich warmen März scrckte sich dis Temperatnäurve vom Mai an mit großer Beharrlichkeit immer wieder zu Werten, die wert unter dem vtornral stand lagen, und die plötzlich ein»* getretene Sommerhitze in der Woche vor «Pfingsten bildete nur eine kurze Ausnahme von diesem lnnersreulichen Ber* halten. Die Kalterückfälle im Mai und Juni sind auf die iveit nach Süden reichenden Ausbrüche kaller Lustmassen aus dem Polargobiet, die mit nordwestlichen Winden zu uns gelangen, zu rückzn führen. Solche Vorstöße! erfolge« zwar shets in gewissen LEabstäirden, sie sind aber sonst nicht so anhaltend, auch vermögen sie gervöhnlich Mitteleuropa Mr nicht Mehr zu erreichen oder höchstens mit ihren letzten AuMäusern iwch gerade kurz $u berühren. Was sie in diesem Jahre zu ihrer Kraft und Dauer befähigt, ist das -Auftreten eines Hochdruckgebietes im Raume zwischen Grünland, Island und Spitzbergen, das sich nach vorübergehender Abnahme immer von neuem wieder vufgebant hat. Es liegt nahe, die Entstehung dieser Hvchdrucklage auf ungewöhnliche Eisverhältniss« des dortigen WeereS zrchückzufüHren. Allein hier verlassen ttnr den Doden unseres durch Beobachtungen gesicherten Wissens,!es find auch andere Gründe denkbar, die den Gesamtrreislauf unserer ,Atmosphäre in dieser Weise beeinflussen. Sicher ist, daß hier eine Kraft .im Spiele ist, die eine außerordentliche „Beharrungstendenz" zeigt, wie der meteorologische FachauÄdruck hiefür lautet. Nicht nur in diesem Jahre nämlich, sondern schon im vorigen war. die Neigung zu ähnlichen Hochdrucklagen zu bemerken. Wenn sie damals im Mai mrd Juni auch nicht Mfo empfindlicher Kälte bei uns geführt hat, so stand doch der jim ganzen ungünstige! Verlauf des! Sommers mit seinen Hvchwasserkatastrophen und anderen Witterungsurrbilden im inneren Zusammenhang mit eben dieser Störung des allgemeinen Lufttreislaufes. Sollte also diese in gleichem Sinne fortbestelM, wofür nach her stMK' vorhandenen Beharrungstendenz dys Wetters eine gewisse Wahrscheinlichkeit nicht von der Hand zu weisen ist, so würde auch der Gesamtcharakter dieses Som-!mars nich t t% freu lich auö f allen, das heißt, im wüvderr weiter mit verhältnismäßig niedrigs« Temperaturen und vial Regeu zu rechnen haben. Selbstverständlich kommen auch in solchsn Sommern kürzere Perioden trockenen mld warmen Wetters vor, sie sind ,aber dann mir recht vorübergehender Uöatur, lund bald folgt wieder der Rückfall in die vorherrschende Schtechtwettorilage. Die Wettervorhersage für heute lautet: Anhaltender MettrcharEer, ütoigüng M Geivistern. :> Mord und SeWWordv«s«ch in Maurr. Gestern Hst sich in Mauer bei Wien ein Liebechdrama abgespielt. Der Handelsgärtnev Johqn>; Bla ha hat auf die von ihm verfolgte Frau Neuling zwei Schüsse abgegeben, die die Frau schwer verletzten. BlM' jagte sich sodann eine Kugel in die Schläfe und verletzte sich schwer. Beide wurden ins Spital gebracht. Nach den EHsbungen frt der Mann, die viel ältere Frau wiedechott mit Lös- » sesanträgen bestürmt, die ihn jedoch stets ahgewjesen hat. ' De Piuedo von seinem Weltfln» nach Mm zurürkgekehrt. Begeisteüer llmpsang. - Sine Singftrecke von 44.MS Kilometer inMgeleot. Rom, 16. Juni. Der italienische Weltflieger Oberst Ve Pinedo ist nach zweimonatiger Mjvefenheit heute um 5 Uhr nachmittags auf dem Flugfeld Ostia eingetroffcn, nachdem er um 16 Uhr vormittags von Barcelona abgeflogen war. Do Pinedo kam mit seinen: Flugzeug „Santa Maria" in sehr geringer Höhe über dem Flugfelde an, Wer welchem er eine Ehrenrunde absolvierte. Mehrere Flugzeugkadres waren de Pincdo zur Begrüßung entgegengeslotzen. Nach der Landung wurden de Pinedo und seine beider: Begleiter, Oberst Del Prete und der Mechaniker Zacchetti von Mussolrut, den Ministern, dem Generalstabschof, sowie dem Herzog von Aosta und den ausländischen Militarattachees empfangen. MUffoNni umarmte de Pinedo und drückte ihm seine lebhafte Bewunderung über den vollführten Weltflug aus. Viel bemerkt wurde, daß dem Empfang auch der Kardinal Vannutolli beiwohnte. Unter jubelnden Zurufen der Menge, die schon seit den frichen Morgenstunden mit Sonderzügen, Automobilen und Flugzeugen in Ostia zusammengeströmt war, fuhr de Pinedo in einem Negierungsauto an der Seite des Untern staatssekretärs für Aviatik nach Nom. Die Hauptstadt war zu Ehren der Flieger festttch beflaggt. Abends waren die öffentlichen -Gebäude illuminiert. De Pinedo hat nach einer vorläufigen Schätzung üb e r 44.0MMLk-SM-e.tt«-L surückgel e tzt. De Pinedo wird morgen vom König und sodann vom Papst ernpßmgen werden, der dem Flieger eine hohe Au Sz < 1 chnu » ß verleihen will. (De Pinedo ist bekanntlich Jude. D. Retz.) Der englische Botschafter.GraAem Hat nainenS d«S britischen Königs an die itaUemstlje Regierung VaS Ersuchen gerichtet, dem Obersten de Pinedo Me Höchste englische Auszeichnung für Verdienste auf dem Gebiete des LuftfatzrwesenA, ddS Air force crotz, verleihen zu dürfen. Shamberiin und Levine. Berlin, 16. Juni. Die beiden Lransotzeüwflieger CH a m b e r l i n und L e v i n « sind heute von FraiÄflrrt nach Hannover, wo sie feierlich begrüßt wurden, und dann nach Bremen geflogen, wo morgen ihre Gattinnen aus Amerika ankommen. Mit ihren Fraüen werden die Flieger sodann den Rückflng nach B e r>li-n antreten. Byrd will um nach Paris fliegi... Newyork, 16. Juni. Der amerikanische Meger By-rd, der mit seinem Apparat startbereit zum Ozeanflug ist und nur auf das Eintreffen: günstiger Wettermeldungen wartet, erklärte heute, daß er nur nach Paris fliegen werde, nicht aber auf dem Flugwege wieder nach Amerika znrückkehren -volle. Er sei der Ansicht, daß einem französischen Flugzeug die Ehre überlassen werden müsse, die St rocko P a.r-i s—N « w- Aar-L als erstes zurüchzutoge«. Dar rasende Motorrad. Sie Wiche Serie von WSile«. Mit dem Eintritt des Schönwetters begirmon auch wieder die durch Motorräder verursachten Stratzenunfälle sich zu häufen. Jeder gtog fordert seine Opfer, und die Rubrik „Motorradunfälleschwindet nicht aus den Zeitungen. Es ist geradezu ein sträflicher Leichtsinn, den die Behörden da dulden, daß es jedermann freisteht, sich ohne jepe Prüfung auf ein Motorrad zu schwingen und darauf loszuscchren. Dev gestrige Dag brachte nicht 'weniger als vier U n g l ü ck s f ä l l e. In der MaroikkaNergasse stieß ein Motorrad, auf dem die Bankbeamten Alfred Adam Md Fritz Felder einherraften, an der Ecke der Traungasse im 3. Bezirk mit einem Lastenauto znscunmen, wobei die beiden Fahrer vom Motorrad geschleudert wurden. Adam erlitt einen Bruch des Schadelgrundes und wurde sterbend ins Spjtal gebracht, Felder hatte nur leichte Verletzungen aufzuweisen. Schuld an dem Zusammenstoß ist der Bankbeamte Felder, der das Motorrad lenkte und die Straßenkreuzung in so scharfem Tempo genommen haben soll, daß ey das Rad nicht mchr zum Stehen bringen konnte. .' Der 30jährige Mechaniker Gustav B o u r - g e o j s stürzte in. der Kreuzgasse mit seinem Motorrad und erlitt schwere Verletzungen arr Armen und Beinen. — Der 19Mrjge Student Hans Glößl-Schäffler stieß mit » seinem Motorrad am Pratersterü den 4WhrMn Privaten ' Hirsch Reichmann, Blumcmergaffe 18 trwhnhaft, nieder. Dieser erlitt erhebliche Verletzungen, und auch der Student, der vom Motorrad gefallen ist, erlitt einen Schlüfselbeinbruch. — Der 43jährige Vertteter Karl Schneider stürzte auf der Simmeringer Hauptstraße von seinem Motorrad und Web mit vielfache Verletzungen liegen. Die Nettungsgesellischaft brachte ihn in seine Wohnung. Das «o auf dm GOMs. Das Auto M 411 fuhr auf der Reichsbrücke fv nahe an den Gehsteig heran, daß die gerade vorslbergehende 33-. Mrige Private Wilhelmine Puchltzitner niedergestoßen ivnrde. Mtt verschiedenen Verle^ngen mMtr sre van . hex NettungsWtsMchLft sartgeMrt werden. Liebesattentat mtf den Pwkeffor. : D.gr i§!# M Jum. jJu M i x-q-n K v H ur-K ist MW uäW Lev WlpsoWeprvWyr an W dyrtigen. jllBvexWt jJpppie durch einen StevolverstW schwer vopleßt worden. Eine sofort pyrgemNmnMo SchMlppergdion >fyMte ihn jodoch M Scheu erhalten, JoUve erklärte, der Schiusi!d<emüu MWseMxt Wochen, die in ihn sei totb iynr Be standcky hckbe. Mrsiner Kunstbrief. W00 Bilder int Glaspalast. — Mar Lichornmün!. Käthe Kolwitz. --- Heinrich Vogeler. — Gertrud ChMN. Von Kurt Münzer. Me Frentdßn sind da, hurra! Sie kommen und gchM. ^klettern auf die Siegessäule und fahren in-riesigen AutaS in dev Stadt spazieren, unterm Regendach. Demi, ivenn es eincil Vormittag, lang nickst regnet, so ficht es doch smis> als sollte es im nächste,i Augenblick boginnens zu >strömen. Sie sind da nnö müssen abends in der Stadt bleiben, ibem, draußen die Gartenrestaurants an den heEchsn Seeustrn und Flußwiesen sind naß, kalt, zugig. Man sucht die Wärrne und geht ins Theater, Wahrhaftig: Mau geht! Und darmn können di« Theater ihreHremieren anMÄem man stcht^fast <Wange an den Kassen, der Dramaturg hat Ruhe, das Oleschäft macht sich Unberufen! Eine ganze Woche lief 'ab und keine Bühn« stellte - sich mit MM Experiment blyß. Also Hut man Zett, tagsüber sich zu ermüden, man kann die Hellen Stunden ausnützop und darf Um 8 Uhr, statt «ahnungsvoll anfzubrechew müde wrrhpn Md mit zwei Büchern ins gesichte Bytt gchen, diese Insel d^r Tranme, wo Telephon abgeswllt ist und Außenwelt MBgeschaltet, ,vo die Madonna Pom Mondsoö auf dssN Ent" «rückten lächelt nnd auf dom SeidoMssen a«A Daünen chlMssscher Gänse das KatzenjMgo Ae M Himmel-, Himmelferner Propeller schnurrt.... ' Die hesien Stunden — totzm kprnuwn.sie zugute? Den Viweru. sind davmr hat Berlin im Sommer genug. WM zwsitanserch. hästgen draußen in Moabit, dem VMußten Glaspalast zrvischen den Eisenbahnen, unten in der Tiesa des Lch-rter Pchnhsks. An RMmAplatz MM dicht \ an und ein Konzertgarten mit Bier, Erdbeprbowle nnd- Eisbeilr nnt Sauerkraut. Me Os wich cf Poesisch. Sanrpen erglühen, Musik schmilzt in italienischen Kanzonen und hackt ewtisch in Negertänzen- Man hört Züge rollen — nach Bremen, Hamburg —• —- Helgolmrd steigt auf, silbern im Mondenschein; Dünung hebt sich in dumpfenr Glanz. ... Aber schm wieder mahnen Hnpon an die Berliner Straße und Ringelspielorchesttion an den Rurnnwlplatz. Schwkffe ich ab? — MO ich nW.? Zweitausend Bilder ,.. da bleibe, \m jung ist, mit Freuden dabei. Diesmal hat sich alles zusammengetau, di« ganze Knust, alle Parteien und Gegnerschaften. Die ^Sezession" stößt friedlich an die ,^ungfrem" Md allerlei SvinderverawstaltungeN pertragen sich gütlich hart neberwinander. Dieses erst« Mal ist beinahe etwas wie Stimnmng in dem ungeheuren, ungeheuerlichen Hause. Man hat mtt Gefühl, mit Witz« mit Liebe und Freimut „gehängt", mmr hat fast amüfWt gevchned Man ist nicht erschlagen, uw man — fürs Erste — eine Hälfte d«r Säle abwandett. Der Jubilar Max Liebermann feiert sich salbst dmch seine Zeichnungen undj Graphiken urch Käthe Kvll»- witz, mit großer Kollektion, ist der Wirkung, der Erschütterung gewiß. Diese groß« Frau hat nie ein Wort laut werden lassen Wh ist hoch Führecht gewochen nicht mr hoi Granen, sondern auch bei Männew; denn st« hat die Leiftung vollbracht. Da sieden Stift handhabte, ließ sie ihn sprechen, Md dg das Mgr suggestibler D als das Ohr, hat sie die Wett gewonnen. Gewrnrwn will sie Hemrich Bo de« Wvogstweder, der einmal in süß-blauer Romantik schwärmte und heute ein Radikale« ist, «kn Aolschetoik, ein Roter, ein fana? ftscher Mensch, der sein Herz in Farben erüblutot. Es gibt «inen Saal mtt Tafeln von chm, über dl« Kunstkritik«« ein ScheÄengerW halttn Mmm dm AOMch.« liegen dein Banausen kenntlich irn Bilde, nmn kann künstlerisch dagegm demonstrieren- Wer! Hie EmpsindgW! Die Persönsichkeit! Die GefühMntensttät! Ein Work, aus Erlebnis geboren. Edr Leben, in DarMlurkg gedrängt. Mich geformt? Gewiß nicht immer. Mer wer, der lebender Mensch ist, kunstbesessm Mit LstMkgvMltz Vsiasist statt FovmaW: kann der einer Ueboxzeugung widerstehen, die ft» «ettr entzündet, hellig flammend Form Und Gestatt sucht? Vielleicht isicht Begegnung mit iw Rtchmen, * aber mit Mensch im fragwürdigen KMspvsrr. Ist das' glicht mchr? Di« Kunst: ein Bmurtoilt che« Mensch: alles! In dieser uferlosen Musftsllnng ist dg« geattsrt^, neu verjüngte Heinrich BogÄlev das Erlebnis. Am M lohrmr sich di« anderen zweitausind Stück IMaleveL Ja, dies« Malerei.. 8tzgm«n — wid shW, die vö werden wollen. Manches, das dm Mchtigsttzü Eälf (FMer-MenbuM Franz Domscheit; Wolf Harter; ÄW riljM). Vieles, was den LamsamsW gbsW («omW suint Mosa). Ein« Frau ist «s, der M bejtzndeW WM! geschenkt wurde, Marie tzladpna, «in Malmensch, m e Pinsel, zur Farbe geborener. WB vckd W Wb, Menschen W zum Tier, pan d«r Blume bis m Mdtz» Vedute. Das alles ist ebenst» Ms Mvkt \vfe ans W-w geschöpft, daher geht Beglückung p»n dißsen so selhstptzMchsich getonnten, in W harmonischen MÄeru i«O. ' Malende Frau. Zur selben ZÄt versmen M weibsichen KünWer Berlins und stellen in der Bellevue-' straßv ans. Me sind all« gut« Bekannt«, die Hälft« Won wahrt, die Hälft« Ahn entschlvston zu« MvdßW«, EAvn Unbekannte ist Gsier GiW, Gertrud EHai«^ MW«-- rin, von der man mchr s«Ww möchte, <M dastM Mr Tarßo — auftnospendes Mädchen ist mit äußerstem Farm« gefühl aus dem ungestalton Raum in Gestalt gebracht. Mo' verdichtet sich untov jungen begaadetm Händen, Mschanms Mi, MMmWWk-rMM.' ■.vn aaumumti m