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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-16 · Heft 2981 (16.6.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2981 (16.6.1927)
Date
1927-06-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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-»Titiftrftii mm* Mek'Mk" miiifMvr i^iin W.^BurWSi Die amerikanischen Flieger kommen Sonntag nach Wie«. eine SrMnmg de» Wiener amerikanischen Gesaudtea. — «eine Sendernng de» Empfangs' Programme». Entgegen den verschiedenen pessimistischen Ansichten können wir aus authentischer Quelle Mitteilen, daß Chambertin un-d Levine am kommenden Gowntqg zwischen 5 und ^6 Uhr auf dem Asperner Flugfeld zum mehrtägigen Aufenthalt ln W ien ein treffen werden. Der Gesandte der Bereinigten Staaten in Wien, Mr. Whasbnrn, erklärte gestern, daß die Flieger ihr Programm einhalten werden und der Einladung der österreichischen Bundesregierung folgend, am Sonntag pünklich nach Wien kommen werden. Chambertin und Levine werden am Sonntag früh von Berlin nach München fliegen und von dort um 2 Uhr 30 Min. nachckittags dem Flug nach Wien forksetzen. Es ist keinen Augenblick lang, die Rede davon gewesen, «daß, die Flieger den Wiener Besuch aufgeben wollen. Der MaschlnemSefekt ist vollständig behoben, doch bleiben die Flieger jetzt noch in Deutschland, da sie heute in Bremer Hafen ihre Gattinnen empfangen wollen. Voraussichtlich werden auch die Damen n ach W i en kommen. Wie bereits am vergangenen Sonntag beabsichtigt, fliegt ein GvoHflugzeug der Oesterreichlschen Lustverkehrs- A.-G. mit dem Sektionschef D r. P ö s ch m a n n, als Regierungsvertreter, zur Begrüßung und Einholung, der Gäste nach München. Auf dem Fluge von München nach Wien, der, wenn es die Zeit erlaubt, über Salzburg erfolgen soll, wird die „Columbia" auch von mehreren deutschen Flugzeugen begleitet sein. Bon Wien fliegen außerdem noch zwei Flugzeuge der Oesterreichischen Luftverkehrs-A.-G. mit Pressevertretern an Bord, den Gästen bis in die Nähe von Melk entgegen. Das ganze Geschwader wird vor der Landung oirmrr Rundflug über Wien durchführen. Bei der Landung wird die „Columbia" als letztes Flugzeug zu Boden gehen. Auf dem Flugplatz wird Bundesminister D r. Schürff die amerikanischen Flieger namens der Bundesregierung begrüßen. Außerdem wird noch eine Roche weiterer offizieller Begrüßungsansprachen gehalten werden, die sämtliche durch das Radio verbreitet werden. Soweit bisher feststeht, werden die amerikanischen Flieger Montag um J£12 Uhr vormittags vom Bundeskanzler D r. S e i p e I, um 12 Uhr vom Bun desp rasidenten D r. H a i n i sch empfangen werden. Um fäß Uhr abends findet ein Empfang beim Bürgermeister statt. Am Dienstag gibt Bundespräsident D r. H a i n i s ch zu Ehren der Ozeanflieger ein Frühstück, abends sind sie Gäste des Bundesministers Dr. Schürfs in der Oper, wo sich an die Vorstellung ein Empfang im Kaiserfalon des Opernkheaters anschließt. Mittwoch nachmittags um 5 Uhr veranstaltet die amerikanische Gesandtschaft zu Ehren der Ozeanflieger einen Empfang. Donnerstag erfolgt der Abflug nach Budapest' Räch einer Meldung aus Berlin haben die Ozeanfliegor heute in F r i e d r i ch s h a f e n die D 0 r n i c r- Flugwerke und den Luftschiffbau Zeppelins besichtigt, wo ihnen Dr. Eckener insbesondere den jetzt in Bau befindlichen „L. Z. 127" zeigte, mit dem er einen Flug um die ganze Welt unternehmen will. Nachmittags sind di« Flieger dann Über Stuttgart nach Franffurt geflogen. Morgen werden sie mittels Flugzeuges nach Bremerhafen reifen. Sin dM« Sreaaflag. New York, 16. Juni. Der durch seinen Novdpolflug bekannt gewordene amerikanische Kapitän Byrd will morgen früh in Begleitung George Nev illes, mit dem er auch den Nordpolflug ausgeführt hat, zum Flug nach Europa aufsteigen. Während des Fluges über Land wird der Pilot Aeosta das Flugzeug steuern, während Byrd Über dem Ozean die Steuerung über- -nimmt. N e v i l l e wird als N a v i g a t i 0 n> s- 0 fsizie r tätig sein. Als Reiseziel wird Paris angegeben, von wo er die übrigen Hauptstädte Europas besuchen will. Byrd will auf dem Flugwege auch wieder nach Amerika za rück kehren, um so die Sicherheit mehrmotorige« Flugzeuge nachzuweifen. Sein Apparat hat drei Motorw. Grobe khraagea de Pinedo» in Madrid. R 0 m, 15. Juni. Der italienische Weltflieger de Pinedo ist in Madrid Gegenstand stürmischer Ovationen und großer Ehrungen. Die Regierung . hat beschlossen, de Pinedo die höchste Auszeichnung des spanischen Flugwesens zu verleihen. Auch wurde der Flieger zum Ehrenpiloten der spanischen Aviatik er* nannt. Nachmittags ist de Pinedo von einer spanischen Flugesquadrille begleitet, nach Barcelona zurückgeslogan. Großsener in Budapest. Dia Lamg-Maschm/enfabrik in Flaumren. — Milliardanfchaden. B u d a p e st, 15. Juni. In den Anlagen der L a n g- M a s ch i n e n f a b r i k s - A. - G., einer der größten Maschinenfabriken der Hauptstadt, brach heute um y26 Uhr abends ein B r a n d aus, der alsbald das ganze Musterläger der Fabrik ergriff. Große Mengen fertiger, zum Mtransport bereitsgestellter wertvoller Maschinen fielen dem Ferner zürn Opfer. Der Schaden geht in die Milliarden. Das Feuer konnte erst um y2S Uhr abends nach angestrengter Arbeit der Feuerwehr lokalisiert werden. Mehrere Feuerwehrmänner erlitten bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen. Selbstmord eine» früheren BolkskammMr» in IeatWaad. Berlin, 15. Juni. Wie der „Boffifcheir Zeitung" aus Dresden gemeldet wird, hat sich der frühere russisch' Volkskommissär für Gesundleitspslee Pro'effor D«. Traras s e w i t s ch in. einem dortigen' Sanatorium das Leben genommen. Die Leiche wurde zunächst von der Staatnamvaltschaft beschlagnahmt, aber bald wieder sreigegeben, weil sich zlveifelssrei herausstellte, daß po'tti'chr?n'a nmenl äng« nicht in Frage kommen. »Bo« Lebe« «Met. * Der Prozeß gegen Frau Kolounck. Bremen, 18. Juni. Bor dem hiesigen Schöffengericht begann heute (Wie bereits angekündiyt. Die R>ev.) der Prozeß zogen Fra« Kolonial, die Verfasserin des Buch« ,^80» Leben getötet^'. In diesem Buche schilderte die Angeklagte tu Tagebuchform die Schicksale, ihrer Tochter, die vor drei Jahren durch eine zwangsweise Salvarsanbehandlung im AVer von siebzehn Jahren im Bremer Krankenhaus gesivrben war. Frau. iKolomak wurde wegen Kuppelei angeklagt. Dom Gericht sind 46 Zeugen geladen, während der Verteidiger 30 Gegenzeuge namhaft gemacht hat. """"Nach der Verlesung der Anklageschrift beschloß der Gerichtshof über Antrag des Staatsanwaltes und gegen den Einspruch der Verteidigung den Ausschluß der Oefsentlichkeit wogen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit. Dann wurde zur Vernehmung der Angeklagten geschritten, die vor allem erklärte, die Anklage sei ihr völlig unerklärlich, da sie sich absolut um* schuldig fühle. Sie bestreitet, davon gewußt zu haben, daß ihre verstorbene Tochter Umgang mit Herren gepflogen habe. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie sie dazugekommen sei, das Buch zu schreiben, erklärte die Angeklagte, sie habe nicht daran gedacht, ihre Tochter reinzuwaschen, sondern habe nur das Mädchen so schildern wollenwie sie es selbst gekannt Hab«. Dann! wurde mit der Vernehmung der Zeugen begonnen, die aber nichts Belastendes gegen die Angcklagie Vorbringen konnten. Schicksal «ad «nchstabenfplel. Im Kriege wurde die Feistigkeit -er Dnteute durch die BinchstabMfpiÄ-erei JOF — FRE FRE — NCH charakterisiert, welche die enge Bvrbmvdvicheit der Oberkommandierenden der beiden Haupwerbündeten dartun sollte. Mn ähnliches Buchstabenspiol läßt sich mit den Namen des er-krorbeton Warschauer russischen Gesandten Wojkow und seine/ Mörders Kowerda Hersteller^ und zwar so: WOJ — KOW KOW —. ERDA PhomtaisiegilÄMge Gemüter werden unschwer wieder die schicksalSmaßige Verbunidenheit herausfühlen; diesmal brnn stk ebenfalls zu soviel Leid der MenscMeit sichren, wie die Verbindung Joffve-French. Wan« wird da» tschechoslowakische Msmn nnkgehoben? Der Bundeskanzler sagt: Ende 1927. Das Bundeskanzleramt, .Auswärtige Angeleyscheiten, keilt dem Verein reifender Kcmfleute, wie einer von diesem Verein versendeten Zuschrift zu entuchmvn ist, «rf seine neuerliche, mit Bezug auf die Resolutionen bei der Weltroirtschastskonferenz in Genf gerichtete Eingabe mit, daß die Mitte April mit der T sch e chos l 0 w ak ei aufgenonMMn Verhandlungen täe Erwartung gestatten, daß brS spätestens Ende dieses Jahres d^r freie R^lseverkchr . mit der Tschechoslowakei, soweit es sich nicht Um Stellend ' antritt oder Arbeitssuche handelt, geschaffen sein wird. Fried» Geldstrafe an die Stadt Wim über wiese«. Eme Million Schilling. Vom „Geldbuch" des StraflandesgerWeS I ist geste.ru die über den Generaldirektor der AnArbrotwexVe Art«: Fried verhängte Geldstmfe, dje im Gnadenweg auf ettre Million Schilling herabgesetzt wurde, im Wege de« Postsparkasse der Gemeinde Men überwiesen worden. Re neuen Palästinamarken find da! Bon Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). Palästina ist wahrlich nicht arm an Merktaigen. Ein neuer kam heute, den 1. Juni 1927. hinzu. Denn die ersten eigenen Briefmarken Palästinas — vorläufig nur zwei Werte — wurden an den Postschaltern aufgelegt. Wie lange schon hat man auf dies Ereignis gewartet! Bisher waren ja, feit Besetzung des Landes durch die Engländer, nur Provisorien in Gebrauch. Diese alten Marken, welche, ohne ein Bild zu zeigen, doch durch ihre geschmackvolle Beschriftung und ihre frischen Farben'so günstig wirkten, hatten dennoch nur das geringe Ansehen einer Uebergangserscheinung, welche jedenfalls den vom Völkerbund geschaffenen Status des „Mandatgebietes" nur notdürftig wiedergab. Auf die erste von der Egyptien Expedition Force, der aus Aegypten einmarschierten Expeditionsmacht, edierte E.-E.-F.-Ausgabe war nämlich in den drei offiziellen Landessprachen — Englisch, Arabisch. Hebräisch — der Landesname „Palästina" schwarz aufgedruckt. Nun harrte man der Briefmarken, welche nach Loslösung des Landes von der Militärmacht feine zart keimende Selbständigkeit symbolisieren sollten. Schon vor vier Jahren gab es einen regelrechten Wettbewerb, aus dem Benzion Kalter, ein aus Lemberg eingewanderter Kunstphotograph. siegreich hervorging. Seine Entwürfe, eine Reihe von historischen Stätten Palästinas darstellend, waren irgendwie in die Oeffentlichkeit gedrungen und hatten den äschetischen Beifall der Kenner gesunden. Seicher hatte man an die Marken vor lauter Wartm fast wieder vergessen. Zuletzt hieß eö — recht plausibel, sie werden erst, gleichzeitig mit der verheißenen Landesvaluta, mit den neuen Münzeic und Noten Palästinas herauskommen. Und nun smd sie plötzlich da! Unglaublich lväre es, würde sich nun nicht ein Sturm von Meinurigen, Kritiken und Beschwerden, und zwar aus allen Lagern der Bevölkerung erheben. Denn in Palästina kann derlei nicht still und glatt Vorbeigehen. Palästina ist ein sehr sensibles Instrument; zumal wenn es um politische Fragen geht. Und . was rührt hier nicht an Politik? Briefmarken, welche den Sinn und Charakter eines staatlichen Gemeinwesens verkörpern, welche die Vormacht dieser oder jener Auffassung vom Staat dokumentieren, und welche das — in alle Welt hinausziehend — jedermann verkünden, sind ein eminentes Polittkum. Die Juden hatten diesfalls schon vor dem Krieg manches errungen. So gab die österreichische Postvevtoalttmg in Palästina ihre Drucksachen auch in Hebräisch heraus, ja ließ sogar für den Dienst zwischen den jüdischen Kolonien eigene, rein hebräische Briestnarcken zu; und. auch die anderen Postvevwalttmgen Palästinas, einschließlich der türfischen, benützten .zur Entwertung der Briefmarken Stampiglien mit der hebräischen Bezeichnung Jerufchalasim. Es gehört nicht viel Phantasie dazar, um schon heute vorauszusagen, was die beiden Hauptlager der Bevölkerung Palästinas, Juden und Araber, an den neuen Palästinamarken zu krttisieren finden. Die Juden werden bei Betrachtung der vorliegenden Markenwerte wie folgt kalkulieren: Die blaue 13-milliemes-Marke, welche zur Frankatur der Ausländsbriefe bestinnnt ist, und bei der engen Berbunüenhett Palästtnas mit dem Ausland eine große praktische Bedeutung hat, trägt das Bild der O m a r - mosche e, nach der Kaaba von Mekka das Hauptheiligtmn dev Muslüns und ein Kleinod des arabischen Nattonalstolzes. Kabei ist es dem Juden schwer, daran vorbeizudenken, daß diese Moschee über dem FÄösen steht, wo Jahwes Verheißung an unseren im Gehorsam erprobten Stammvater Mraham erging, wo Salomonis Tempel stand und wo an der Westmauer die Juden, wenn man sie läßt, die entschjvundene Herrlichkeit beweinen.-Der zweite Wert, die geMichgrüne 3-milliemes-Marke, welche das durch rmzählige Darstellungen populäre Graö Rachels an dev Straße von Jerusalem nach Bethlehem darstellt, könnte tvohl als ein Kompliment vor den historischen Rechten der Juden auf Alt-Neuland, konnte als ausgleichende Gerechtigkeit gelten. Leider aber kommt dieser Markenwert mrr seltener, als Frankatur für Drucksachen nach dem Ausland» zur Verwendung. Daß weiters in den oberen Ecken dev Mau-, ken nur die europäischen und arabischen, nicht aber auch die hebräischen Schriftzeichen verwendet sind, mag noch hingehen. Mer das Schristband unter den Markenbildern zeigt von lncks nach rechts erst die arabische und dann die hebräische Inschrift. Merdings entspricht das der Stärke dieser beiden. Gruppen, aber es sicht wie die Ml-ehnung jenes Vorrechtes aus, M das wir Juden die Verhähuny des Jewish National Home gerne auslegön. . Die arabische ExoLuttve ihrerseits wird KveffelloS empört sein, daß die neuen Marken überhaupt mit Herr Ju-.- den rechnen und daß der hebräischen Transkription von Palästina noch die ominösen Buchstaben Alef und Jad bevgesetzt sind, was ja „Erez Jisrael" — das Judenland —- bleutet. Die arabische Exekutive hat schcm bei den alten Marken gegen diesen Zusatz vor dem Staatsgerichtchof, allerdings vergebens, prozessiert. . Doch einträchtig dürften Juden und Araber sich in der Beschwerde gegen die Engländer finden, welche sich als „die frohen Dritten" über den Markenbildern mit dem Schriftband „Palestine" etabliert haben, das doppel so groß ist als jenes der beiden Unter tanen-Sprachen. Da noch auf den vor zwei Jahren edierten palästinensischen Nachporto- Marken alle drei Sprachen vollkommen gleich behaiydelt waren. ist der Rückschlag unverkennbar. Die Distanz qegsnMer |,ti •1': h te1**:-

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