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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-15 · Heft 2980 (15.6.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2980 (15.6.1927)
Date
1927-06-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. 2980 iftttfrrt iw lfmtiM> m ■ iTf■ K8?Bwf *5lwIHuOu) Bühne und Kunft. Zke österreichische Ausftellua« in Paris. Gestern eröffnet. . .In feierlicher Welfe wurde gestern nachmittags di« in Paris veranstaltete österreichische Ausstellung durch eine Ansprache des österreichischen Gesaiidten Grünberger eröffnet, der zunächst auf die Entstehung dieser Ausstellung zu sprechen kam. Der f r arrzösische U n t errichtsm in ist er, der anläßlich der Bcethovenfeier in Wien weilte, hatte nach seinen Wanderungen durch die österreichischen Kunstsammlungen die dankenswerte Anregung'zu dieser Ausstellung gegeben und die Einladung der französischen Regierung veranlaßt, für welche der Gesandte seinen Dank ausdrücktc. Er sagte weiter: „Die Republik Oesterreich hat diese Kunstschätze, die hohes Gut des gesamte,: Volkes bedeuten, mit einem gewissen Stolze nach Paris entsendet. Geben sie doch Zeugenschaft von uraltem Besitz, der auch im neuen Oesterreich gehütet und gepflegt wird und dessen Neberlieferung zu. neuem, fortwirkendem Schaffen Mut und Antrjeb gibt. Zuversichtlich hoffen wir, daß der Anblick des Vergangenen, auch das Interesse an der Zukunft unserer .Heimat stärken wird. Wenn ö st er r e i ch i.s ch c K u n st auf der Wanderschaft in dieser Art, wenn auch noch so bescheiden, z u m g r o ß e n W c l t f r i r d c n b eitragen dürfte, welch größeres Glück könnte im Zusammenwirken aller Kräfte, die güten Willens sind,,'unserem Lande'beschlöden sein?" — Die, Ausstellung würde vom Kustos dos Wiener Kunsthistorischeg Museums Doktor B a l t a s z eingerichtet. Mn Müde als französischer Literaturpreis trSger Aus Parias wird uds'berichtetDer Anteil der Juden am sianzäsischerr Schrifttum ist bekanntlich außerordentlich bedeutend. Nachdem' vor wenigen Monaten Armand L u n e l den Rcnaudotpveis erhalten hatte, tvurdr Joseph Kesse'l mit einem der größten. .franKsischen Litevaturpreise ausgezeichnet. Kessel erhielt für seine Novellenfammlung „Les coeurs purs" §:en Romanpreis der Akademie. Der Dichter, der yüs Rußland stammt und. in Frankreich seine neue Heimat gefunden, hat erst vor vier Jahren sein erstes Buch veröffentlicht. Dieses, „£a Steppe- Rouge", spielt gleich '.den meisten seiner späteren Werke auf . russischem Bodmr. . Kessel ist in der Pariser - Tagespresse wiederholt. für den K,io n i str-schcn G cda nie n propagandistisch eingetreten: Zu- - letzt hat er -— in den ersten Monaten -dieses Jahres — in der ^gesehenen „Revue de Paris" eine umfangreiche Auffatzsolge über -das neue-Palästina als Ergebnis eiE Pälästinareife veröffentlicht, . - ar. Sine Londoner Gedächtnisausstellung fsir Leon Batst. In London würde eine Gedächtnisausstellung für den be-. deutenden jüdischen Maler Leon. Bakst eröffnet, der leider frühzeitig, im Dezember 1924> gestorben ist. Die Ausstellung.enthält 121 Schöpfungen dieses wohl bedeutendsten dekorativen jüdischen Künstlers. Bakst, der ursprünglich R o sende rg hieß, wurde in Petersburg» als Sohn einer aus Spanien stammenden jüdischen Familie geboren^ Er -selbst erklärtö in seiner Selbstdiographie, „ein Nachkomme, der Familie Scherhpa, aus dem Blute des Königs David" zu sein Bakst hat als Theater- und Dekorationsmaler hervorragenden, Anteil an den, europäisch c,t Ruhm des russi-, schen! Balletts. .Seine Entwürfe für die Ballette „Scheherazade", ,K'leopatra", „Schlafende Prinzessin" u. *a. sind Meisterwerke..' Seine Skizze, zn „Schehcrezade" Hat der fra,höfische Staat imgewuft. Nach der überaus erfolgreichen Kollektivausstellung, stiikw Werbe, die 1911 in Paris stattfand, luden immer wieder diq.euvopäischeu Kunstzentren Bakst zur Veranstaltung von.Kollektioausst-llungen ein. Berühmt ist auch das Bild des „Juden", welches Bakst für Gabriele d^Annunzios „Heiligen .Sebastian" schvs. ' Sechzehn Aquarelle 'des! Meisters hängen im ' Louvre. In altert Werten ist der jüdisch-prieutalische Grundton unverkennbar. Die Londoner Ausstellung erregt, wie man uns schreibt, die Bewu nderungia ller Kunstfreunde, Am de» Theater». Barrgüh-oater.. Morgen, halb 8 Uhir, „Das.Käthchen Vvu Heildronn" (Abonnenrent.3. Gruppe). Akadem.!e't h v a ter.. Äiorgen, halb 8 Uhr, „Diennve-r standrewa Frau" (Abonnomeirt 4.-Gruppe). . Deutsches Bolk.stheater. Freitag Erstaufführung der vier» volkstirnrlichyt Bilder aus.dem Leben Anton Bruckners ,^Der Musikant Gottes" von Viktor Leon und Ernst Decsey, mit Brucknerischer Musik. i Io hann" Strauß-Theater. Die Operettensängerin Vertat Siklo fh . wurde für die »Uraufführung. der Novität „Rosen aus .Schiras" von Frank. Stafford verpflichtet. . Wj.ener Bär g er th« a.t.er. Sonntag .nachmittag-s.„G rä- . t in Mari za". Hilde Wagener, die erfolgreiche junge Schauspielerin. des Buvgtheaters, erlitt Vorgefterrr während der Ausführung des Lustspiels „Mädel hon htzute" in: Akademreiheater einen Ohnmachtis anslall, so daß die Vorstellung mitten inr zweiten Mt unterbrochen werden mußte. Ngch. einer halben Stunde hatte, sich bie Künst-. lerin Wied er v oll st ä n dlg erholt' .und die Aufführung konnte fortgesetzt werden: Wie ivir erführen, war das Unwohlsein auf eine vorübergehende MagenindiSPositioy zurückzusühren. Hilde Wagener hat aestem wohlbehalten eine Gastspielreise nach Holland angetreren.. Ben in -.WÜW., .Wie uns Hs . Wilna-- verlchtet wird, rst im dortigen jüdischen VoWtWt^r Paul Baratof, an zltvei Abenden als Gast in dem Strick Niemirowitsch Dantscherlkos „Der Preis des Lebens" aufgetreten und hat ungeheuren Erfolg erzielt. Die beiden Mende gestatteten sich zu öimhn?Zest, da gleichzeitig! die Partnerin Baraloffs, die-bekannte' Mische Schauspielerin Lydia PotocIaja ihr Wnstlevschch Jubiläum feierte. Das. Hans war an beiden Äsenden ausveEüst. Boratoff dürste rn der nächsten Zeit in mehreren Städten Polens gastieren. Sie Schießerek i» Schattrndoif. Wie wir erfahren, ist in der Strafsache gegen die Brüder Josef und Hieronymus Tscha r m a n it lfrtb Johann P i n t c r wegen der bekannten Vorfälle im burgenländischen Ort Schattendorf die Anklage wegen Verbrechens der öffentlichen Gelvaltätigkeit, unter besonders gefährlichen Umständen begangen', durch Hittemschießen in eine Menschenmenge, -nach § 87 SM.,'erhoben tvorden. Gs handelt sich um die blutiger: Konflikte zivischen Frontkämpfern und Mitgliedern des Republikanischen Schutzbundes am 30. Jänner in Schattendorf, wobei zwei P e r s o n e n' durch Schüsse getötet wurden. Die Staatsanwaltschaft bezichtigt nun die drei Beschuldigten, daß sie diese: tödlichen Schüffe abgegeben hätten. Die Verhandlung ' vor dem Schwurgericht unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Hofrat Dr. Ganz wohl ist für'den 4., 5. und 6.'>Jnli anberanmt tvorden und dürfte im großen Schwurgerichtssaal durchgefi'lhrt. werden. Die AMage ivird der Erste Staatsarnwalt Hofrat Dr. Sacher vertreten. 192» Seite-7 .... -^-7. v ' - ■ - " Haust eine größer«. Anzahl pan Masten verickchrl sein solltp^ %'x Polizei rücktein. starker Zahl aus, selbst berittene Wach. Mannschaft würde ausgeboten, Man unHelltr das Haus, durch»'- stöberst es nach allm Richtungen," fand, aber Einerlei .Waffen. Daraufhin erstattete die Polizeibehörde die Anzeige wögen Jrrefii hrung gegen jene'Mieter, d>.« das.Märchen von dem gehchmen Waffendepot verbreitet hatten. Dos Verfahren in dieser Angelegenheit ist nach' anhängig. Der Hauseigentümer Max -Hauser Nahm jedoch' dieses Vorkommnis zum Anlaß, um «inen seiner Mieter, AdÄf Rath, mit dem er auch sonst' im Streite lebte.- zu kündigen.'' Er machte grob-ungehöriges Verhalten des Mietersgeltend.' Während der Verhandlung brachte der Richter die bei Gerichten überaus hKüfigtz ÄeüßeruNg: ,Jch werde mir zunächst einmal den Strafakt gegen Meyer und Genossen kommen lassen."'Rath, der wußte, daß « in dein Sirafakt - mit. iirbegriffen war, ' rief -bei dein'Work' Genössen: .Herr Richter, ich Lin kein Genosse,' ich bin 'Mitstüed der Nationalsozialistischen Partei u-n>d strammer Hitler' A n hä n g e r t" Bei diesen Worten zog der Mann die' Mit« gkiedskarte, die ihn als Hitler-Mann dokumentierte, aus' der Tcksche.' Im' Saaleherrschte bei dieser Szene schallende' Heiterkeit. Der Richter vertagte schlietzli6). die Verhändlung; L v E A ü S GAB E - HEINRICH Kerne Einlaßkarten mehr. zum Grosavescu»Prozeß. Ueber Vemnlassung des Landesgerichtspräsidiu-ms wird mitgeteilt, daß für den am 22. Juni beginnenden Mordprozeß Grosavescu keine Einlaßkarten mehr ausgegeben werden können und daß daher alle Bemühungen um Erlangung solcher Karten, zweck- . lo s sind. Der Zühöretraüm des großen Schwürgerichtssäöles faßt nur z w e : h u n d c r t Personen. Die bisher einge- .laufcnen Anmeldungen überschreiten jedoch die Zahl tause.nd. Der Presseprozeß des. Prof, Theodor Hartwig. Vor dem Hofrat -Dr. Höfl m a.ye.r gelangte ^gestern eine Preß klage zum Abschlüsse, welche, wie' berichtet, 'der President der Frci'- denker-Jnternationale, Prof. Theodor Hartwig, gegen den . verantwortlichen Redakteur der „Wiener Stimmen", Karl S ch i fl e i t n c r,, .angestrengt, hgtte.Gegenstand' der Klage bildete ein am 16.-Oktober v. I. im genannten Blatte erschienener Artikel, der eine Reihe ehrenrühriger Anwürfe gegen 'den i Kläger enthielt. Es wurde in' dem' Artikel bHauptet, daß der Kläger früher. I tz i g K o h n geheißen. habe, daß er sich taufen . ließ,idami'die.Prostktien des.verstorbenen Ministers Dr...G e ßma n n erworben und .durch diesen km. Jahre 1906 eine Stel-i lang an der Realschule in Wiener-Neustadt erhalten habe. Als. Professor an dieser Schule soll Hartwig-total versagtfnsbesdn?. 1 dere auch wiederholt ..die'. Schulet geschwänzt haben. "Schließlich ) wurde heln Kläger in...dem Artikel der Bortvurf gemacht, daß er' im Jahre 1906 in einer Zeitung einen Aufsatz übet den .Pendelversuch votr Fouoaukt veröffentlicht habenden er.aus dem; Konversatrou-slexi-kon abgeschneben habe. Nach. Durchführung eines umfangreichen Bewelsversahrens wurde im -der gestrigen Sch'lußverhan-dluttg - -der verantwortliche. Redakteur in . zwei Punkten'der Anklage . f.reig^proche-i, - in acht..'Punkten Woch. schuldig erkannt und zu einer. Gp.I-d st rase von'dreißig. Sch i l lin g und zur -Veröffentlich üng des Urte i ls in den „Wiener-Stimmen" und .'im „Brunner Tagesboten" - verurteilt. - ' Ein strammer Hitler-Anyänget. Einen heiteren Verlauf nahm eine Kündig-ttngsklage vor MR. Dr. R ü z i cka> .Die. ' Vorgeschichte des Prozesses führt auf die Anzeige einiger -Mietparteien gegen den Hauseigeni-ümer zurück,- wonach in dem VOUCSTÜMUGHE GESCHICHTE DES INDiffil BÄNDEN GEDRUCKT, HERRLICHE GANZLEINEN - BANDE MIT REICHER GOLDPRÄGUNG PREIS 5 A.O-— DIESES WERK DARF IN-KEINEM Jܬ DISCHEN HAUSE FEHLEN, IST UN¬ ENTBEHRLICH FÜR JEDE BIBLIOTHEK R. LÖWIT - VERLAG I.*FLEISCHM ARKti WIEN RÖTENTURMSTR. ü bimm Re Schwierigkeiten der Firma Fakob Neurath. Die.Besprechu'ng der Vertreter. der Banken und. der .Gläubiger der Fsrma Jakob llfeurach, über die wir bereits berichtet haben, führte zu dem Beschluß, daß - mit möglichster.Raschheit ein Status ausgestellt werden soll, -vu diesem Zwecke wurde ein Morat.o r i ü m fü r di er z c-.-h n Tage beschlossen. Ferners hat Generaldirektor tz a j d u, der zusammen mit- Sachlverständigen dreier Wiener >Großbanken die Arbeiten für die Ausstellung des Status durch führen soll, den ^Auftrag erhalten, das Geschäft -und die Jndustrieunternehmungen der Firma Reurath zu übetprüfen. Bon dem Ergebnis dieser Ueberprüfung biitfte es abhängen, ob die Firmafortgeführt .werden soll. - Bei der, Besprechung hatten von den englischen Gläübigern der Fima Renrach vier- Bankfirmen der Creditänstalt und der Bodencreditanstalr Vollmachten erteilt; an vier andere englische Gläubiger, die nicht vertreten tvqren, wurde telegraphischdas Erfuchm gerichtet, den Befchlüsseri beizutreten. Unter, den. Londomr Gläubigem der Firma Reurach besinden sich die Häuser Rochschild, Lazare Freres, Sgmuel Jaffet, Seeligmann Brothers, Schroeder (Relvyork), Goschen und Er-' - langer. - — i'huimr:v Sine steirische Landeravleihe für gyduftrje. beteMmvge« mV MerstAhW von LoW- -ahm». In her - gestrigen Sitzung des . steirischen Landtages wurde ein Gesetzeniivurf über die Aufnahme eines La nde sa n.l e h m s ' v o u 2,200.000 S ch i l l i n g i n G o ^l-d. dem -AuSfchnß^-ZN'gelmesjrlr. Der - EÄös. der. Änleche sM zur Evwerbung der im Besitze des Feistritztaler Jndustriekonzerns befiMichen Industrien, der «Lokalbahn W c i z — B i r t.f.e I d sowie der. Bahnlinie i B i r..k f e.l d — R a. t. t e n, dienen. Das -Gesetz wird .tzrst; "in Kraft., treten, wenn darüber^ entschieden serü .wird, daß, die Mittel zur. Evwerbung dieser i beiden Bahnlinien . nW - >e tw.a i m Wege d'e r A e n.de rung d,e s V exwe:n- " d u ngsp lau es d e r. L a ndes-dolla r an lei he : durch Annahme eines anderen Finanzieru-ng^,rofokte-s ausL"' jtzubringen-sind. - ' c . i.. . i. iK;-- | vom euMche» Selip «ad Mettmimartt. (Vyn unserem Londoner D. R.-Korrespondenten.) j London, 12. Juni.?! Die politischen und loirtschaftlichen Wirkungen des englischen Bruches mit Rußland sind vorläufig noch nicht zu Übersehen, doch kann man schon jetzt mit Bestimmtheit sagen, daß - die Unterbrechung 'L'es -Handelsverkehres.'füt' AwSkan weit störender sein dürste als für London, da England der stärkste Abnehmer von russischen Exportprodukten. M Die kurz vor dem Abbruch seitens der Midland Bank getroffenen , provisorischen Wmachungep. beweisen zur-^GeNüg^.dah^Rußfand ans Fazilitäten rechnen., kann, vorausgesetzt, d'atz die .' Gowjetregierung auch ihrerseits die vertraglich festgeseHten! Grenzen, mahrt. , .. . . , - / . Am hiesigen Geldmarkt haben, die Goldabzüge für Rechnung der Bank von Frankreich wnd nsUerdintzsauch für Holland einen raschen Tmdc,jMuschwung .herheigefichrt. Diese Llbzüge belaufen sich auf ungefähr. 3,500.600 Pfund Sterling, rmchei man aber auch noch einige Käufe am hiesigen Edelmetallmarkt in Rechyrung. ziehvn muß.. In-... folge' dieses^^ -starken- G.oldtchMfses'-MrUen.^'Ur' Uebttiviri-'' düng des Ultimo bei der Bank von Älglaud nW mir größere RediÄontiemngÄt. vargeMMMeM- .werde«,. stmdern

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