Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2980 (15.6.1927)
- Date
- 1927-06-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■%-MW^W ML yiy' T^PT Nr. 29t ©w*, Mttwvch g&foae* Morgev-ettrmg iS. Jum' 19Z7 Seite 2 Polizei und Llntversität. der Rtttor mMMgl; dir Senat wird die akademische Aatonamie schütze«. An den Eingängen zur Universität sowie des Anatomischen und des Physiologischen Institutes wurde vorgestern abends eine Knndmachunig des Rektors — in den letzten Tagen schon die dritte -- angebracht, welche besagt: „Trotz meiner eindringlichen Warnung zur Besonnenheit ist cs hegte neuerlich zu Ausschreitungen in der Universitätsbibliothek gekommen. Ich spreche den SchuDtrageiide» hiemit abermals meine schärf st e Mißbilligung aus »»>d teile gleichzeitig mit, das; ich biß auf weiteres die Sperre des Uniiversttätshauptgebäudes, der Anatomischen Institute sowie des Physiologischest Institutes verfüge. Zutritt zu diesen gesperrten Universitätsgebäudeu haben ausschließlich Prüfuisgskandidateu und jene Studierenden, die sich auf Grund einer Bestätigung des Jnstitutsvorstan>dcs oder in dessen Abwesenheit des Dekans ihrer Fakultät über die dringende Notwendigkeit des Jnstitutsbesuches atsszuweisen vermögen. Den an diesen Vorfällen Schuldtragcnden drohe ich die schwerste disziplinäre Verfolgung an und werde, falls sich solche Znsammeustöße nochmals ereignen sollten, die Schließung der Universität verfügen, was für alle inskribierten Studenten dcti Verlust des Semesters bedeutet." Diese Drohung des Rektors >vird keinen Hakenkreuzler schrecken, denn di? bisherige Praxis hat ja bewiesen, daß die Leitung der Hochschule tatsächlich in den Händen der Völkischen liegt. Von welchen Tendenzen diese Minorität beherrscht ist, zeigt das Memorandum, das sie dem Rektor überreicht hat und worin sie sich als die einzige vom Senat amtlich anerkannte Vertretung der 'deutschen Interessen bezeichnet. Das Memorandum strotzt von a n t i s e in i t i schen Pöbeleien und stellt eine Reihe von Forderungen als die alleinige Möglichkeit, „daß dir gposto Gefahr vor Bolschewisiopmrg u»d Jujvaüsiorpng dox lftiivopsitijt restlos beseitigt werde." Sie verlangen, das; den: sozialistischen Studcntenverein jede Betätigung untersagt lvird und daß ihm verübten werde, a n s l ä n d i s ch c Juden als Mitglieder zu führe«. Schließlich wird die Emfühxnng des.NumoruS clansus für aMälldtsckse Judrr; Vevlangt. Diese Forderungen, vor allem aber d e r Ton des Schriftstückes ließen es in einem normalen Staate ausgeschlossen erscheinen, daß sich irgend jemand seriös mit ihnen beschäftigt. An dieser Universität aber und in dissem) kraitteu Staat wird das Memorandum, hinter dem die alten Herren stecken, seine Wirkung tun. Der akademische Senat hat gestern beraten und eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge für die Sicherung der Ordnung machen soll. Der Sengt erklärt, er - werde jeden Angriff aus die Autonomie der Hochschule zurückweiscu. Dieser Beschluß des Senates ist affichiert worden, was Wohl kaum zu einer Beruhigung beitragen fonu. Der Bürgermeister Seih has vorgestern an den Polizeipräsidenten einen Brief gerichtet, in dem er es rügt, daß die Polizei am Montag nicht j in der Utliversitätsbiblioihek Ordnung gemacht hat. Es wird ersucht, die Mannschaft und dje Kommandanten zu belehren, daß sie bei jede r R u h e st ö r u n g sofort e i n z nschreiten haben. Von seiten der Polizei lvird erklärt, daß die Rechtslage sehr fraglich sei und daß es bei einem brüsken Eingreifen leicht zu Blutvergießen kommen könne. Wir meinen, daß dies ausgeschlossen ist und daß dfls bloße Erscheinen der Polizei in der Universität genüge» würde. Es ist aber ein höchst merkwürdiger Zustand, daß zwei Behörden in öffentlichen Erklärungen ihren Standpunkt darlegen. Dies lenkt von der Hauptsache ab, daß nämlich in der Universität jeder, der Jude ist oder als solcher angesehen wird, s e i n e s L e b e n s nicht sicher ist. Da m u ß Wandel geschaffen werden, ob nun ein verschimmeltes Patent vorhanden ist oder nicht. Die akgd^nische Freiheit bezjeht sich aus Lehren und Lernen, aber nicht auf Raufereien und Mißhandlungen wehrloser Leute. Die^ Universität bleibt, lvie schon oben berichtet, bis ans weiteres, zumindest bis Montag, gesperrt. Ebenso dauert die polizeiliche UÜberwachung der Rampen fort. r Professor Fromm schtypr erkrankt. Gestern moogeps »m ö Uhr ereignete sich -im Jnstitüt für chemische Medizin, der Wiener Universität ein aufregender Zwischenfall. Der etwa 60jährige Professor Fromm wurde ans dem Weg vom Parterre zu seinem im ersten Stock gelegenen Zimmer plötzlich von heftigem Unwohlsein befallen und stürzte bewußtlos zusammen. Aerzte- und Assistenten der Klinik O r t n e r leisteten ihm erste Hilfe und brachten ihn dann auf die Klinik. In Studensenkreisen wird vermutet, das; die Aufregungen, denen Pros. F r o m m infolge der Studentenkrawalle und der damit verbundene» S i st i e r u n g der Vorlesungen ausgesctzt lvar, dp» Unfall herbeigefi'chrt haben. Prof. Fromm ist herzleiderrd und sein Zustand wird als äußerst bedenklich bezeichnet. Radioübettraguug aus dem Lrutscheu Bottstheater. Me Mmer „Ravag" beschäftigt sich damit, ihren DyMetungen auch die Uebertragung aus einem Prosachecher anzuschließen. Da das Burgtheater hiesür nicht in Betracht Lnüntt, hat sich die „Ravag" an das Deutsche Bolksthoater geweirdet, ncht den: die Verhandln,rgcu schon so weit gediehen sind, daß man auf der Bühne des Volkstheaters die ^Apparate zur Aufnahme dev Aufführungen- und Wr Weiterleitung an die Sendestation bereits vollständig ausgcbaut hat. Die bisher gemachten Uebertragung sversuche haben jedoch stoch kein vollständig befriedigendes Resultat ergehen, so daß die Aufnahme der Uebertragungen noch nicht feststeht. Sollten die nächsten Versuche ein günstiges Resultat zcittgen, so dürste bereits in der nächsten Woche mit der Uebertragung des Volksstückes „Der Musikant Gottes" begonnen loerden. Rach den bisherigen DispostiMNoen wich vielleicht bereits die Aufführung dom 86. d. W. von der Ravag im Rundjnnk verbreitet lverden. Pffegeettera für zwei jüdische Kinder gesucht. Mv erhalten von: Bezirksfürsvrgeamt LangeMachA folgende Zuschrift: Sehr ghchrtze Schriftlestung! DaS Kind Joftfine Kreutzer, geboren am 17. März 19S6 in Men, Gebäranstalt, zuständig LangsnloiS, mosaisch, besuchet sich im hftsigo,: Bezirk in Privatpftegr. Dyr Pater ist Unbekannt vnd di« ledige Mtutier unbekannte,: Wfmjhaltes. Da mm dieses Kind hstrzükmdö mangels! Gelegenheit nicht ist mosaischer Konsesston aufgezogen und unterrichtet ivrrden kamt, ist dar gefertigt« Bezirksfürsopgramt geioillt, dieses Mnd zuj «mr glaubonsgleichen Pflogopartoi im Ginverständtris mit dost jWidesmuttor an Kindesstatt abzugeben und wird ersucht, dis bezügliche Notiz in Ihrem gesch. Blatt« zu verlautbaren. DG glsicho gilt für i^en gleichfalls mosaischen Kreutzer Erich, geborei: 8. Juni 1922. Beide Kinder sind vnllkommrm gesund. Vielleicht ist es aus diesen: Woge möglich, d-e Hoei Kinder: in geordnete Berhältniss« xz brftWa. BeziLfssttrsyrge LaiWyioisr Der Amtsleiter. £ „öumaufc" «EMWute eine neu« Bettaussstelle in der Mser^üve SÜ. Sie richtige Reinigung der Sasgrrüte hebt E ihre Leistungen Wie in den letzten Jahren haben auch im ersten Vierteljahr dieses Jahres die Wiener städtischen Gaswerke eine,n>Nsangreiche Jnftallationstätigkeit entfaltet. In 38 Häusern mit 303l Wohnungen wurde.Gao cingeleitet. Wie umfangreich dje Jnstallationstätigkcit nur eines Monats ist, beweist, daß im. März insgesamt 3579 Gasmesser aufgestellt wurden. Auch der Verkauf von Gasgeräken entwickelte sich sehr er srculiä). Im März allein wurden nicht welüger als 1145 Gasgeräte verkauft, von dem» besonders Bratröhre und Gas^ bägeleinrichtungcn sehr begehrt sind. Die von den, Wiener städtischen Gaswerken mich gegen Teilzahlung erhMljt,. Gasgeräte und Gaskochgeräie sind aus Gußeisen hergestellt und daher von größter Dauerhaftigkeit. Deshalb erfreuen sie sich einer iinnter mehr stoigendeir Bcliebrheit. Gute Gasgeräte und Gaskochgeräte machen auch dje Verwendung von Gas in dar Küche Nttd im Hausf)alr zu einer besonderen Annehmlichkeit und daher werden von allen Hausfrauen, die sich die Vorzüge dieser An' nehinlichkeiteu nicht entgehen lassen wolleir, die Gasgeräte und Gaskochgeräte Muster „W jener Gaswerk e" so sehr begehrt. Um nun mit den Gasgeräten und Gastbchgerätsir bei geriilgstenr Gasverbrauch die größte Leistung zu erreichen, sind über die richtige Reiuigung der Geräte folgende Ratschläge zu beachten: Dio Kochgeräte sind immer sauber zu hattsn. Nicht nur die außen liegenden, Wandungen der Geräte, smrdecu auch deren inner» Teile, besonders die Brenner, sind täglich zu remigsn, »veil der Gasverbrauch bei der Benützung von vennrreinigten. Breuirsru westirtlich steigt und dje Geräte auch nicht beftiedigsird arbeiten. Die, abikehmbaren Teile des Brenners sind mit mner harte»» Bürste, anr besten mir einer Drahchürst«, trocksrr abzubürsteu. Die innere Platte nnd die Herdplatte sind, falls sie durch Mergeschüttete oder übergelaufene Speisen tierunreinigt tvurden, mit lnrißen», sodahältigem Wasser abzuwaschen uich gut zu trychte». Di« Gosdüsmr sind voll Staub und« etwa anhaftenden Speisen zu reinige,: und mittels eines feinen Drahtes durchzuputzetl. W»W gvwaltsanw Erweiterurlg der Düsenüfsnung ist jod«h für die Wirkurtgj des Gerätes ,mchteilig und daher -u vewmsiden. Wia groß n,ü> nraniligfaltig di« .Pertoendung von GaS heute schon in Wien ist und wie die Harckhabung und RKnigumg der Gasgeräte und Gaskochgeräte richtig durchzeftchrt »oerdyn soll, zeigt ain besten die Ausstellung dev Wiener städtischen Gaswerke ans der Ausstellung „Wien und die Wiener". Keine Hausfrau soll an der Ausstollurrg der Wiener üLdftschm Ga»v«Le (Thermal* @arft~ftrandbad Vöslau ortffile and modernste mermalfcöder AilJaae Europas? Fassungsräum 15,000 Personen. Pensionen un4 Hptejs von erstrangigen Instituten bis zu billigsten. — Prospekte und Auskünfte bereitwilligst dprd<v die Kurkommission VSsIau. vorübergehen, ohne sich von der Akannigfaltigkeit der Gasverwendung zu überzeugen und sich über die wichtige! Handhabung Reinigung der Gasgeräte und Gaskochgeräte zu insormiaren. Wieir, 16. Juni. DaS Wetter. Das Wetter -hat sich etwas gebessert. Die GeMtsertätigkeit beschränkte sich gestern vorwiegend auf Niederösterreich, Steierinark und Kärnten. Auch die. Temperatur ist etwas gestiegen. Nach der Vorhersage dürfte daS besser, Wetter andauern, wobei allerdings drc leichte Neigllng zr lokaler Gewittcrbildung bestehen bleibt. Personalnachrlchten. Der bischerige Leiter des Parksanatoriums in Hütteldors, Direktor Tr. Max Berliner, und der bMorige Etgentümer und Chefarzt des Sanatoriums Justefldypf bel Graz, Dr. Karl Feiler, übernehmen ab 1. Juli gemeinsam die Leitung des Sanatoriums in PuEersdors, das nunmehr den Namen „Sanatorium Westend" in Puxkersdort führt. Ein Liebesdrain« in Meidling. Gestern nlittags wurde in eenem Hotel in Meidling ein junges Paar tot aufgefunden. In einem Ab schied sbri-ef, der in deyr Zirnmer aufgefunden wurde, und m welche»: das Mädchen als Mizzi Wagner und der Bursche als Katt Nrckel unterzeichnet fmd, wird unglückliche' Liebe als Ursache der Tat bezeichnet. Offenbar hatder Bursch: zuerst das Alädchen durch zwei Revotverschüssc in Kops und Brust getötet und sich selbst dann durch einen Revölverschuß in die Schläfe entleibt. Selbstmord durch Sprung vom Eiffelturm. Aus Paris wird genieldet: Gestern nachmittags LU sich ein Unbekannter von einer Plattfornr des Eiffelturincs herabgestürzt. Er fiel auf das Gerüst des .Turmes und blieb in der Höhe von etwa 60 Meiern üü-k der Erde zwischen zwei Trägerit eingeklemmt Wngen. Zu seiner Befreiung mußte die Feuerwehr aufgebown werden. Schüsse im Warschauer Hauptbaynhof. Aus Warschau wird gemeldet: Auf dem hiesigen Hauptbahnhof wurde ein Polszeiagent in dem Augenblick, als er rn Begleitung zweier PolizeifunMonäre emen berufsmäßige» Eisenbahndieb vechasten WoMe, von diesmu niedergeschossen. Der Verbrecher gab sodann auf sich selbst zwei Schüsse ab. Der Zustand der beiden Schwerverletzten rst hoffnungslos. Der Rassenhaß. In Louisville wurden zwei Neger,, die unter der. Beschuldigung, den Aufseher einer SäaemMe ernrordet zu haben, verhaftet worden waren, den sie MoMrenden Polizejbeanlten von der Menge entrissen. Die Neger wurden durch die Straßen geschleift und auf einem Wetterhäufen verbrannt. Militärischer Koller. In Porto Alegro (Brasilien) gab ein Offizier, de»r der Zutritt zu einem Tanzsaal verweigert worden wir, seinen Soldaten den Befehl, in den Saat zu schreßen. Elf Personen wurden getötet, 27 verwundet. Die Soldaten wurden festgenouimen. vkk Dkyu-qwetr. , In Bad Hornburg begann, wie uns von dort berichtet wird, Sonntag ein Sechsnieisterturmer, an dein die intern uatiomalen Meister Bogoliubow, Ovbach, Rett. Sänrisch, Dr. Tartakgsver und Aates teilnehnlen. In der ersten Runde Küwann Retr nach wechselvollem Spiel gegen Sämttch, ferner siegte Dr. Tattakower über Oküach. Die >Paritze Nates-Boaoljubow. welche spanisch eröffnet wurde, kgm nicht zu Ende. Es scheint, daß rn der schwer zu beurteilenden Stellung Uates die besseren Chancen lMt.' Die Krönung des ägyptischen. Dichterfürsten. Dichterkrönungcu, wie sie einst Petrarca Md. Lasso zuteil wurde», und, in dev Renaissaneozeit als höchstes Ziel poetischen Gtrebeirs galten, sind heute bei uns außer Mode. Dafür hat maß stg letzt im Oneut eingesührt. Ju Ka i r o wurde in einer grgßN, Festlichkeit, an der Vertreter des ganzen arabischen Ocieuis teilnahmen^ der ägyptische Senator Ahmad Chawki zum Lichterfürste» gekrönt. Unter de» Jestrchnor» erregte besoiidechs Unfsehe,, eiiro junge Dame, Frau Jhsane Ahma d, die g» die abendländischen Pichterkrvumlgen erinnerte. Chawtt ist gegejiwärtia der berühmte^ Dichter des Orients. Auf de,; Spuren seines genialm Vorgängers öll.Barndi hat er die moderne arabische Dichtung ausgebildet, an die großen Vorbilder der Vrrggpgenheü als Muster anknüpftnd. Er ist auch ein eiftiger Journalist gewesen, der iut politische,: TaqkMmPf bald für »nd bald für jene Richtung eintrat; er hat zugleich das Grab des Pro- Meten und Holz des Kreuzes verhgrrticht, sogar.einen Hymnus . «M-Abduh Km»Ü>,gesungen.. 0 t - > , s;V -; ■■ >, »,■ ■