Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2980 (15.6.1927)
- Date
- 1927-06-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Gien, iMiWsW W.Dmi 1027 Jh. sm tv v i eb r i a<f e u die Z e pp el i n - und die Do r n ie r-W« r'ke zu besichtigen. Sodann fliegen sie über GkuttHart nach Fr«p«kfNrt Und am Donnersmg über Hannover twch Brt ntc ttr m sie Freitag fr ich ihre aus Amerika ankommenden Gattinnen begrüßen werden. Der Pate § L e v i n e 4 wich Freitag nachmittags ebenfalls in Bremen pnfvnttnen. Wie es heißt, werden die beiden Ozcanslicger die Einladung der ungarischen Regierung zu einem B e s u d) B u d a p e st s an nehme» und anschkiGsnd an ihren Wiener Besuch nach Budapest fliegen. Eine Einlavung nach Moskau. Berlin, 11. Fua>. Iip „NreuzzeititNg" Mldet, hie russische Flug-Osei lschuft Oscaciachitp hat om BotsckMtr der Sowjetunion. .u'rcüiiinki. telegraphisch erindp, den, i7zeanfftcgcr (if'Htmbrrtm rn einem Besuch nach Moskau einznladeu. KW Lebenszeichen von Nnngeffer und Sollt London, 14. Juni. „Eeeihn^ 2:a»dr.d' veröfjcnt- Ucht ein Tslegrannn au§ Quebec/der Haitrtstad: Kanadas, wonach dort Gründe zur Annahme bestellen sotten, daß die vermieten franzvsischeit Flieger Nungcsscr und Coli . sich noch lebend nn Noxderr der Provinz Quebec besiuden. Die Vermutung, daß die beiden Flic>rcr noch leben, findet ihre Unterstützung in dem Umstand, daß man Signale aus den Waldungen int nördlichen Kanada wahrgenvmmew haben tmll. Tic Behörden habeil alle Maßnahmen ergriffen, mir die fraglichen Gebiete unverzüglich durchstreifen zu lassen. . (Seit dem Verschlvindcn der beiden frauzösischeir Ozeanflieger sind fünf Wochen vergangen,Proviant hatten Mmgesser und Coli für 40 Stunden bei sich. Es ist also wenig ivckhrscheinlich. daß die Meldulig des englischen Blattes eine Bestätigung fmsett könnte. Die -Heb.) 6in mibgliickter Ferurekordversuch Peletier b'Skstz. Paris, 14. Juni. Der französische Rekordslieger Peletier d' O i s y, Inhaber des HöhenWeltrekords, stieg heute nachmittags aus dem Pariser Flugfeld aus, um den von Chambertin und Levine ausgestellten I c r n rekord z \i b reche n. Schon 20 Kilometer nach seinem Aufstieg mußte er bei der Ortschaft G o n es«se infolge eines Motordcfektes eine N o tla n d u n g vornehmen, wobei sich das F l u g z e u g Überschlag, in Brand geriet und vollständ igv ern i ch te t wurde. Der Flieger und sein Begleiter blieben glücklichcmveifc unverletzt. Sie Zudieu-Londou-Flirger verscholl«». K o rrsta n t i nope l, 14. Inns. Die bekannten Indienslieger Major L o ck s und Pilot S a l t a u find vor nahezu drei Wochen zum Flug von Karachi nach L on-bon. aufgelstiegen. Sie trafen am 26. Mai in K om'r^.ein, wo sie ihren Flug am nächsten Morgen sortsetzten, um nach zwei'stündigem Fluge in Konstantiwapel einzutreffen. Seither sind Flugzeug und Flie r. fp«url>o ß v er sch w u n den. Tu nt i s che F li e ge r'suchten das ganze Gehiet zwischen Kouia und Konstantinöpel ab, ohne die g e r i n g st e Spur von den Vermißten aujzusinden. Es best-cht die Vermutung, daß die Flieger nach Norden abgetriMn Wurden und vielleicht i n das Schwarze M e e r a b st ü rzte n. An einem tragischen Ausgange des Fluges ist aber kaum mehr zu zweifeln. Das späte Bekanntwexden des mißglückten Fluges- Wiyd aus die st re n gste Geh e i m; Am nächsten Tag lauste man mir einen Hut. Myr-- gens ging ich in Vaters Kappe in den Weder und er-- Mlte meinen Kollegen, daß der Bat-or mich zur Chupe mitnchmen wollte, daß ich aber nicht gchen kannte, da .ich keinen Hut hatte. Heute aber w-erde ich einen Hut >bekommen und zur Chupe gehen. Da Wie Bainnsch, bas Söihnchen des Spenglers: „Ich Hin schon gestern bei der Chupe gewesen. Unter der Chrchss big. ich mit Dwoire, dem kleinen Mädchen des TislKers Parnch, gestanden; man hat mir einen Ring gegeben Md.!Pen habe ich Dwoire auf dem Finger angezogen; lind mein Vater hat mit mir einen Segenssprnch gesagt und bann hat man getanzt und Lobkuchen ge« gehen und Semmel mit Hering und das war sehr fein." Ms ich ans dem Ch-eder kam, zog mir die Mutter sofort den neuen Hut an. Ach fPstg-ty die Mutter: „Wann werde ich schon zur Chupe 'gchen?" . Die Mutter antwortete: „Schlaf nur nicht ein, wie gestern, du warst ja nicht zu erwecken." Daraus ich: „Heut-e werde ich bestimmt nicht vor der Chupe schlafen." Doch um neun Uhr abends schlief ich wi«der,chn nn-d man hatte Mühe, mich auszüwecken. Ich ging mit Vater und Mitter zur Ehupe. Als wir ins Zimmer der künftigen Schwiegereltern traten, sah ich dort Süss-el, ein kleines Mädchen, mit der ich mich vor acht Tagen, am Sabbat, im Hause ihres Onkels gejMgelt hatte. Seither war ich mit Hr böse. Dann wurde die GhWe ausgest-ellt. Man führte mich unter, den Trauhim-mel und nach einer Weiile wurd-> auch Süssel hjngeführt und rieben mich hingestellt. Ich lies stracks f-ort und sagte: „Ich will nicht mit Süssel unter der Chupe stehen, ich bin mit ihr bös!" Di-e. Mutter entgegnete; „dhber EiW, das ftt 4»och deine Braut!" Darauf ich: „Ich will Süssel nicht Klw .Braut, gib mir eine andere Broutl" Haltung v«^n englischer Seit« aus zurück« geführt, die den Wugplan In-di«n—London öffentlich bekannt geben wollte. 9t V»H «adrN. R o m, 14. Juni. Wie die „dlgcnzia Stefam" aus Madrid meldet, hat sich Oberst de Pinedo heute vormittags im Flugzeug nach Madrid begeben, ivo er in Begleitung einer Militärflieger-Eskader um 13 Uhr 25 eintraf. Aus dem Flugplatz hatten sich u. a. die Mitgli-eder der Regierung und der italienische Bot«' schastcr eingefunden. gerome K. gerome gestorben. London, 14. Juni. Per Schriftsteller Jerome K. I e r o W ß ist gestsffbßp. * Zkronre Klopka I c r o m c :vnrde am 2. Mai 1859 tu W a l fall in England geboren, erhielt eine humanistische Schulbildung liird wibnu'le sich dem Lehrerberuse, gab jedoch ltald icitt Amt auf, um sich der Bühne zu widmen. Aber auch als Schauspieler hicl-1 er es n-icht lange aus und ging zur Journalistik, von da zur Schriftstellerei. Rasch hintereinanider erschienen seine ersten, meist hnmoristischeu Werke, die allgemeinen Boifall fanden. Seine Hnmorcskett zeichneten sich nicht mir durch ungeäicht-natürlirhe Lustigkeit aus, sondern sind auch als gettrentäßige Konterfeis des modernen England van bleibenden Werte. „Vom Leben getötet." Ein SensaM-nsprozeß in BMNßN. Berlin, 14. Juni. Morgen beginnt ht Brsmen der Prozeß gegen die Schustersfrau Koloma wegen [ chwerer Kuppele i. Der Prozeß dreht sich um den bekannten Fall der Grete M o ch a n, die vor einiger Zeit Pas Buch „Vom Leben getötet" erscheinen li>gß. Es ist dos Tagebuch eines 16 j ä h r i g c n M ä dch e n s, das in die Hände der Sittenpolizei gerät und in der Z w a n g sbe h a n d 'l u n>g i m Bremer Spital für weibliche Geschlechtskranle durch die Un gefch i ckl i chk o i t der Aerzte stirbt. Das Buch erregte in Deutschland ungeheures A u fs e h e n. Die Frage der s i t t e n« polizeilichen Z w a n g s >m a ß n a h m o n und -der S a l v a r s o n b e h a n d 'l u n g wurde dadurch aüfgerollt. Erregte Debatten in der Bremer Bürgerschaft und der Press? waren die Folge. Kurze'Zcit dgrauf stMe cs sich heraus, daß dqs Puch eine Fä'lschUNg, und die V e r s g s s e r i n die M u t t e r des verstorbenen Mädchens, die jcjjt. angeklagte Frau Koloma, ist. Ipl weiteren Peplauf des „Falles Machan" wurde Frau Koloma der Kuppelei an der eigenen Tochter boschuldigt und verhaftet. Nachdem die Voruntersuchung sich mechrore Monate hingezogen hatte, ist die Hauptv-echandlung, für die drei Tage vorgesehen sind, aus Mittwoch, den 15. ds., festgesetzt worden. Die A n klall I ch r is k umfaßt 50 Seiten. Die Anklage lautet auf s ch w c r e KuPP e le i, weil die Angeklagte zu der angeblich verkuppelten Person i-m Verhältnis von Mutter zn Tochter steht, Aus schtvere Kuppelei steht noch deutschem Gesetz Zuchthaus bis zu 5 Jahre n, nur wenn, mildernde Umstände vorhanden sind, kann dos (bericht auf Gefängnisstrafe erkennen. . , . chJha-wiin mit il?e Ser 8«ka«mrnbruch der Firm» Reuraltz. Gläubigervcrfammlung in London. London, 14. Juni. Die Bersonmnlung der Gläur bigcr der Wicucr Firma Neurath hat gestern hier stattgLfundeu. Nach den „Fittancial Netvs" werden vmr den 000.000 Pfund Sterling betragenden Verbindlichkeiten 400.000 Pfund Sterling Londoner Gläubigern geschuldet. Eine führende Mctallfirma ist, wie verlautet, betroffen und siebeit oder acht FinanzunternelMUngen such rm Besitze von Wechselt! der Firma. Man glaubt, daß die Aktiva einett erheblichen Teil der Verbindlichlkeiten hecken uitd daß die Sowjet-Haitdelsorganisat i o n auf jeden Fall die Wechselhotrorieren wird, wenn sic fällig iverden. „Finattcial Netps" sieht die Bedeutung der Zahlungseinstellung in der Tatsache, dqß sich eine grotzeAnzahl Nit Firmett auf dem Kontinent in einer ähnlichen Lage wie die Firma Neurath befindet, und meiitt, daß djese infolge der geänderten Haltung der City gegenüber den Sowjet-Wechseln asschwerftn^ d e u tvi'wde, ihr Geschäftweiterzuführen. Sie Sattln Sr. Weimann» schwer erkrank. Aus Berlin lvird uns berichtet: Ter Präsident der ZionWschen Exekutive, Prof. Dr. Weizmonu, der in diesen Tagen M wichtigen Beratungen nach Berlin hätte kommen sollen, sagte in letzter Stunde ab, da er infolge.der schweren Erkrankung seiner Gattin in London zurückgehalten ist. Frau Dr. Vera W etz man u mußte eitter Operation inwerzogetl iverden. Obgmch diese glücklich vorüber ging, befürchten di,e behandelnden Ajerzte dos Eintpetett von Kontplikattonen. Es ist nunmehr unbestimmt, ob Tr. Weiztnann in nächster Zeit nach Berlin kommen wird. E Gesellschaftsreise der gloniftischen Landesorgonlsation Sefterrelchr uach Brattslava (Preßburg). Sonntag, den 26. Juni 1927, Mit SaümdOMpfer. Abfahrk ab Wicn-Reichsbrücke 8 Uhr früh, Ankunft in Wien- Rcichsbrücke 11 Uhr abends. In Preßburg findet bei der Landung ein großer Einpsang statt, an dem sich alle Mischen Korporatignen beteiligen; anschließend Fsthrungett durch die Stadt, Besichligung der jüdischen SehenSwürdigkeiten (Ghetto, / Faiddhoß Jeschsivah« Tempel usiv.). Mittag.gemeinsames Gssey. Ngchmsttags findet zu Ehren der Reiseteilnehmer ei» großes Garten fast statt. — An der Reise nehmen die Repräsentanten des jüdischen rrnd zionistischen Lebens'teil. Auf der Schifssreise wird eine jüdische Kapella koitzextieren- — Paß und Bisam ist nicht erforderlich, da für dw Teilnehmer ein Sammelvisum zur Verfügung stcht. Tw Anzahl der anszngebendon.Karten ist durch die Behörde festgesetzt, so daß verspätete Anmeldungen nicht mchr berücksichtigt tperdrn könnten Der Preis der M- und Rückfahrt inklusive Sammelvistlin und Eitttritt zum Gartenfest botvägt y SchiMng. Teilnehmerkarten wollest sofort im Zionistischen Bureau, I. Brz, Kärttjnprstraßc 38, behöbe,t werden. Auskünfte auch telephonisch Ntttrr NA 77185—6. Und ich wollte mg keinen Preis n.ut Eüss-el unter der Chupe stehen. Ta legte sich der Vater ins Mittel und begann' in seiner Art zornig auf mich c-inzuredrn, doch ich wollte auf keinen Fast mittnn. Da sagte der Vater: „Ich lasse Pen Ntemen von daheim Holen und werde dich ordentlich ledern, wenn du nicht unter Per Chupe stehen willst! Gebt ntjr doch ein paar Ruten, damit ich dom H-^rrn Bräutigam zeige, was sich gehört." Nun begann Süssel; „Fein, sein, das ist dafür, weil er mich neulich bei den Haaren gerissen hat; und ich werde mit Hm nicht unter der Chupe stehen." , Nun begann das gleiche Spi-e4 mit der Braut! Erft redete ihr ihre Mutter zu, dann drohte ihr ihr Vater mit dem Riom-en. So verging ein gutes Stück Zeit, und die „Brautleute" wollten sich um keinen Preis unter die Chupe stellen. Die GMe wallten schon sortgchen.' Da brachte man einen . Besen und zpg daraus einige Ruten. Süssel und ich begannen zu weinen irnd stellten uns tränenden Atlges unter die Mtvpe. Nun sollte ich in; Verlauf der Zeremonie Süsiols Finger fassert und Hr den Ring an-zie-hen. Doch ich wollte nicht. Da gab mir der Vater eine Ohrst'ige und drohte wieder mit der Rute. So -nmßto ich mich fügen und faßte Mssels Fin-ger. Ich war jedoch schr böse darWer, daß man mich Mang, Süssels Finger zu nehmen. Daher kniff ich sie tüchtig in den Arm. Sie begann zu weinen. Dann gab Süssels Vater ihr zwei Gulden und mein Vater gab mir denselben Betrag, damit der Fri-Lde wioderhergestellt fei. So faßte ich denn Süssels Finger und sprach die Formel zusammen mit dem Großvater, sagte „Maftltow* und ^begann zu tanken. Dann wurden Süssel und ich nebeneinander an dyn Tisch gesetzt und man setzte uns Und. den Gästen Letbkucheit und eingemachtes Obst vor. Mötzlich brach Süssel in Tränen aus. Die Mutter fragte: „Warum weinst du, SWel^ Süssel uitter Trätwli.' „Ich will hinaus." Sic wurde tbinausgef-üHrt. Darauf ich: „Ich will auch hinaus." Fch wurde auch hinausgeführt und dann wurden wir wieder nebeneinander hin>gesetzt. Bald aber ^vurden wir schläfrig, und daher führte mich weine Schwester Helm und Süssel wurde schlafen gelegt. Mein oiuiziges Vergnügen an der ganzen Sache wa.r, -atz lsch die ganze Woche, von Dienstag bis Sonntag, nicht in den Gheder zu gchen brauchte-, Am nächsten Dag kamen die Schwiegereltern zum Mittagessen zn uns. Süssel kam mit; ihr Kopf war geschoren und sie trug einen Scheitel, der ihr bis in die Augen fiel. Zum Mitta-geffen trug die Mutter ein Huhn auf, denn die ganze Woche war in der Stadt kein Fleisch zu halben... Nach i>em Essen Mied SüM hei Ms. Ihr Scheibol gefiel mir nicht. Als wir zu «spielen begannen, riß ich itzr zunächst den Scheitel vom Kops und jetzt bemerkte ich — ihr Kopf war ganz glatt geschoren. Da begann ich zu schreien? „Mut, sie hat einen Grind!" Süssel begann vor Scham zu weinen. Mein Vater geriet in Zorn und prügelte mich vor Süssels Augen; dabei hielt er mir meine Sünden vor; „Du Kerl, wirst du n-och oin-mal Süssel dev Scheitel vom Kops reißen und sagen, daß sie einen Grind hat?^ Und ich rief unter Trän-en: „Nein, Vater, ich werde es nie mchr tun." Süssels Tränen trockneten schnell, vor Freude darWer, daß ich geprügelt wurde. Dartn wurde sie nach Hause geführt. Wir aber Mrd^n wieder böise, sie au| Scham darWer, was ich Hr angetan, und ich wegen der Prügel, die ich Hretwegen bekommen hatte. Als wir ettva ziroöff Jahre alt ivaren, euthMe mir erst mein Vater das Geheimnis, daß wir Mann und Frau seien. Auch Süssel erfuhr dies von ihren Ettern und wir gründeten.einen eigenen Hausstand... So leiben wir «bis heute, Gott sei Dank, als Eheleute... -"fo - ■