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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-12 · Heft 2977 (12.6.1927) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2977 (12.6.1927)
Date
1927-06-12
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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- "„VkWj-.IJ'W.. >> - fix. vr'it-f '18-GLv.fV’cn•';?****?.ixvw&r*<*» ■•■'■■ ../;;•.;. ,w:- M-1'^ --?jr-. . %*■ Nr. SS77 Wien, Sonn.tr Wiener Morgeuzeitnng 12. Juni 1927 Sekte tt Letzte Sportnachrichten. Hakoah Sieger im Wafferballwp. Das Meeting des I. W. A. E. K. — Zwei österreichische Rekords. Das gestern im Dionabad abgehalten« Schwimmfest des & ®* A. S. K. brachte bei gute« Abwicklung und entsprechendem Besuch« hervorragenden Sport. ES wurden zwei neu« österreichisch« Bestleistungen erzielt. Im Cup« Entscheidungskampf um den Silberball wurde Hakoah Überlegener Sieger. Die wichtigsten Ergebnisse waren: Brustschwimmen über 200 Meter: 1. Schäfer (I. W. A. S. K.), 2:53.4, österreichischer Rekord. Der Weltrekord von Rademacher steht auf 2:50.4. Freistil 100 Meter: 1. Liechtenstein (Hakoah), 1:07; 2. Goldberger (Hakoah), 1:07.2. Freistil 400 Meter, Oly mpischer Prei 8: l. Rüdiger (Grazer A. C.). 6:40.4, hervorragende Leistung; 2 G u t h (Hakoah), 6:15. Staffel 4X100 Meter: österreichischer Rekord; Da me n - Freistil 1. Danu'bia, 5:69.8, 2. Hakoah, 6:02.2. Der W.asserbal«l - Entscheidungskamps um den Silberball ergab den sicheren Sieg des Meisters Hakoah. Das Ergebnis war sensationell. Die Wische Mannschaft schlug die Vienna 0:1. Zur Halbzeit führten die Blau-Weißen bereits 5:0. Die Hakoahner befanden sich in großer Form und waren dem Gegner in jeder Beziehung überlegen. Die beste Leistung bot Gut h. Di« Tore schossen: F l e s ch (4), Reich (4) and Rosenblatt. Für Vienna skorte Wondrowitz. . 6in neuer Kanalrekorv. Die Leistung eines tschechoslowakischen Schwimmers. Wie aus Paris berichtet wird, starteten Donnerstag früh bei Calais zwei tschechoslowakische Schwimmer, um den Aermelkanal zu durchqueren. Einer mußte nach sechs Stunden Schwimmzeit aufgeben, während der andere, namens Spacek, Dover in 10 Stunden 45 Minuten 7 Sekunden erreichte. Die Ankunft des Schwimmers sei offiziell vom Ministerialrat Ri ha des tschechoslowakischen Gestmdheitsministeriums kontrolliert worden. Spacek erklärte Pressever- 2JOOO 50 0.0° Was gehör! in jeden Familienschrein? Gin Maffenlo» der Glückfielle Slrini deren gtöckllch« Kunden Jetzt wieder sowohl dkl große Prämie S 500.000 sowie den größten Haupttreffer S 250.000 der Klassenlotterie gewonnen haben. Bestellen Sie noch heute per Postkarte zur Ziehung l. Klasse: 21. u. 23. Juni bei „QLOCKSTEULE STEIN" Wien I. Wlppllngerstr. 21 an der „Hohen Brücke'1 1/1 Los S 32.— 1/4 Los S 8.- 1/8 Los S 4.- Zahlung der Lose sodann nach Erhalt mit Erlagschein Auch Sie sollen gewinnen! Schilling 800.000, 880e000t 100.000 Schilling 98.000, 00.000, 60.000 oder einen der vielen anderen Treffer. nicht am Glück vorbei!11 * v c * ' tretern. er sei 26 Jahre alt und betreibe den Schwimmsport seit seinem sechsten Lebensjahre. Er beabsichtigt, sich demnächst nach Amercka zu begeben, um sich dort an den großen Wettbewerben zu beteiligen. Di« bisherige Bestleistung des Franzosen Georg Michel vom 10. September des vorigen Jahres hätte Spacek um 21 Minuten unterboten. Es ist möglich, daß Spaceks Leistung nicht anerkannt werden wird, da sie nicht unter der Aufsicht des offiziellen Ueberwachungskomitees des englischen Schwimmvevbandes vor sich ging. . Wiener Mannschaften answSrts. Vienna verlor gestern in Prag gegen Sparta 1:3 (0:2). — Simmering spielte in Agram gegen GradjanSky 2:2 (1:2). Der Kampf wurde wegen einer Derbheit eines Agramers 15 Minuten früher abgebrochen. IBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB Der Sohn des Moses Mautner Alles strebte zu den Türen. Gustav ging mit Brand ftätter und noch einem Kollegen über die breite Treppe zur Aula hinab. „Hat jemand von Euch die Weimarer Aufgabe?" fragte er. „Wozu?" rief Brandstätter. „Ich möchl' mir'gern das Schema über Dilettantismus anschauen." Die Leiden Kollegen lachten. „Hast du's aber eilig!" meinte Brarckstätter. „Bekommst jetzt die Mbeit und willst schon beginnen?!" — „Es interessiert mich!" sagte Gustav. „Und dann will ich Mch weiter kommen!" — „Also eine ungeheure Arbeit ist es, dieses Schema Übch Dilettantismus!" rief Brandstätter. SSt, als bemoostes Haupt, wußte in allem Bescheid. Er war — wenn er auch zu keiner Prüfung ging, oder sie nicht bestand, das war in Dunkel gehüllt — dennoch in der germanistischen Wissenschaft ziemlich zu Hause. Und das gab ihm Ansehen. Darum fragte Gustav: „Was glaubst, Brandstätter? Wie lange werde ich zn dieser Arbeit brauchen?" — „Wie lang du brauchen wirst?" wiederholte Brandstätter die Frage. „Da ist natürlich in erster Linie entscheidend, wie lang du täglich daran arbeiten! kannst?" — „Wie lang? Nun ich glaub' vier bis fünf Stunden." — „Da bist du dann Ms ein Jahr vierpflegt." Gustav erschrak. „Ern Jahr sagst du? Wenn ich vier bis fünf Stunden täglich arbeite? Ein Wiener Roman von Leopold Hiohler. Copyright 1997 by B. Löwit Vorlag, Wien — Leipalg ' Hofrat Kleiner Ivar ein Mann, der in seinem Fache mit ganzer Seele, lebte. Die — zu seiner Ehre sei's gesagt — sporadische Unwissenheit seiner Hörer tat ihm weh und noch mehr: Er empfand sie fast als Beleidigung. Stirnr'unzelnd wendete er sich wieder zu Seifert: „Sie finden über den Mann im Enphorion Und im..." Die weiteren Literaturangaben gingen in dem Gemurmel der mm entspannten Hörerschaft verloren. — * itt einem Kopfnicken entlieh der Hofrat Herrn Seifern und rief: „Also der nächste Herr, und zivar.,." Gustav erhob sich ein wenig. „Herr Franz Horeeky!" — „Also komm' ich doch nicht dran!" flüsterte Gustav vorwurfsvoll zu Brandstätter, als hätte dieser ihn übergangen. Brandstätter zuckte bloß mit den Achseln. — Herr Seifert verlieh das Podium; viel rascher, als er gekommen, hingegen Herr Horeeky, ein sonst sehr sidelcs Hans, das erste Tempo des blonden Seifert übernommen hatte. Er stieg sehr langsam und blaß die Stufen des Podiums hinauf, nahm oben Platz und der Hofrat begann: „Ich gebe Ihnen ein sehr interessantes Thema! Ich gebe Ihnen den Vergleich des Wilhelm Hauffschen „Mann, im Mond" mit den Claurenschen Schriften. — — Welche Ausgabe HMffs werden Sie da benützen?" — „Die des Bibliographischen Institutes." — Wo werden Sie über Hauff näheres finden?" — „JiN Goedeke." — „Gut. Welche Literaturgeschichte werden Sie mit Vorteil benützen?" ' Im Vertrauen auf die Schwerhörigkeit des Hosrates, riesen die „Stufenreiter": „Scherer." Herr Horeeky lieh eine kleine Pause verstreichen, blickte ein ivenig sinnend und dann sprach rr fest und sicher: „Scherer." — „Nein. Das sollen Sie kiffen, daß es eine schwäbische Literaturgeschichte von Kraus flibt!" Herr Hofrat Kleiner schwieg eine Weile, um seinen Merger zu verwinden und dann fragte er: „Was wissen Sie von dem ClMren?" — Um ihren Kollegen nicht noch inehr gefährden, schwiegen die Studenten und Herr Horeeky schwieg auch. Es entstand eine Pause- Der Herr Hosrat füllte diese Pause mit Zeichnungen: Kleine Figuren, Männl-ein und Weiblein zeichnete er in den vor ihm liegenden Bogen. — — Ulkes schwieg. Die Stille wurde eine Schwüle. Endlich unterbrach der Herr Hofrat seufzend seine Zeichnungen und sprach mit fast weinerlicher Stimme: „Das haben Sie nicht gewußt, daß dieser Name , ein Pseudonym ist, daß er eigentlich Heun heißt!?" — „>A!ch!" rief der schlaue Herr Horeeky leise und machte eine Gebärde, als hätte er. dies gut gewußt und es wäre ihm nur ink Augenblick nicht gegenwärtig gewesen. Diese stumme Verteidigung besserte seine Situation, denn weit milder sagte dee Hosrat: „Ja! Der Germanist nmß immer bereit sein! Er darf nie verlegen sein!" Und nun suchte er wieder in seinen Zetteln, wie die Hausfrau im Schlüsselbund und hob ein kleines Zettelchen und nannte ihm die Literatur über den „Mann im Dann wurde Herr Horeeky entlassen. Der Hosrat nahm eiüeu neuen Zettel und rief: „Und nun der nächste Herr und ztvar — Herr Gustav Mautner." — „Nun also!" sagte Brandstätter. Gustav hatte (öS. Fortsetzung.) sich schon erhoben. Der Hofrat sah geradeaus Ln den Saal nach dem neuen Dissertationswerber, als Gustav schon auf der vorletzten Stufe stand. Erstaunt blickte nun der Hofrat nach links, zu dem — wie Ms der Versenkung emportaUchenden Kandidaten, und dieser Blick raubte Gustav die Sicherheit: Ueber die letzte Sttrfe stolperte er. Ein leises Kichern im Saale. Gustav blickte entrüstet, aber erst, als er Mf dem „Delinquentenstuhle" saß. Dann legte er tzest und Bleistift Ms den Katheder und harrte des Weiteren. Dev Hofrat lehnte sich Mf seinem Stuhl ein wenig zurück, betrachtete Gustav und sagte: „Sie haben unr ein Thema über Goethe und Schiller ersucht?" — „Ja, Herr Hofrat." — „Ich gebe Ihnen," und ey beugte sich nun zum Katheder herab Und stocherte in seinen Zettelchen. „Ich "gebe Ihnen ein sehr interessMtes Thema Und zwar: Goethe und Schiller Über den Dilettantismus. — Sie finden es in der 'Weimarer Ausgabe im siebenundvierzigsten Band. — Sehen Sie..." wendete er sich von Gustav ab und sprach zu den Hörern inr Saale hiMnter. „Das ist eine sehr dankbare ^Aufgabe, denn es ist bis heute noch nicht erforscht, weshalb diese gemeinsame Arbeit der beiden Klassiker nicht ausgeführt wurde. Meidings ist die Aufgabe groß; denn es Muß -- wie bei allen ähnlichen Arbeiten — und da kann ich nicht genug vor Zersplitterung warnen —- es muß jede Arbeit Ms drei Epochen.. J Warum notieren Sie sich das -nicht?" herrschte er den erschreckten Gustav an, der — wahrend der Hosrat zü den anderen sprach — ein wenig Mfatmend, sich zurückgelehnt hatte. Diese Bequemlich? keit Mußte er büßen. „Das ist doch unglaublich!" rief der Hofrat, „wie oft Hab' ich das schon gesagt und die Hörer wollen es sich nicht merken, daß alles, was sie hier hören, daß sie dies alles sofort notieren mögen, damit es sich nicht verflüchtige und in ihrem Gedächtnis haften bleibe k..." Er machte «ine kleine Pause und kehrte dann zum Thema zurück: „Schiller," sagte er, „hat sich aü dieser Arbeit mit großer Freude beteiligt. Welche Ausgabe der Briefe werden'Sie benützen?" Gustav war im Zweifel) ob der Hosvat die Gvetheschen oder Schillerschen Briefe meine. Aber er glMbte, da der Alte eben von Schiller gesprochen, daß er die Schillerschen Briefe meine und er hauchte, ein wenig unsicher: „Jonas." Dies klang so schwach und ferne, als riefe es der Prophet Jonas Ms dem Bauch' des Fisches. „Wie?" rief der ein wenig schwerhörige Hosrat. „Jonas," flötete Gustav wieder. „Sehr richtig. — Ferner werden Sie vieles in Harnack finden und mich in meinem Aussatz über Wilhelm Meisters Lehrjahre. — Literatur über diese gemeinsame!ArÜeit ist fast keine vorhanden.^ Der Hosrat nickte den 'Abschied und rief: „Herr Friedrich Gruber." — — Gustav tauchte wieder in seine Verborgenheit hinunter und als er Mf der Stufe sah, reichte ihm Brandstätter die Hand: „Ich gratulier' dir, Mautner." —‘ Danke. — Aber viel Sorgen macht mir das Thema!" Sie flüsterten eine Weile, bis Hosrat Meiner sich erhob, zum Zeichen, daß die SeminarMung beendet sei. Und wann soll ich dann historische Grammatik — damit bin ich ja noch nicht fertig »und „Gotisch" bin ich Mch noch lang nicht so weit! Wie soll ich dann?" — „Wird alles werden. Wird alles werden!" beruhigte Brandstätter. — Gustav erwiderte nichts, denn — wo die Solidität des Wissens begann, endete fiir ihn Brandftätters Kompetenz. Er erwiderte nichts. Er fühlte nur eine neue, große, schwere Last. Er empfahl sich von den. beiden Kollegen, ging ins Seminar, verlangte dort die Weimarer Ausgabe und brütete Und studierte bis zum Mittagessen und am Nachmittag wieder und am >A!bend saß er mich noch im Seminar. Es war spät, als er die Universität verließ. Auf der Straße blieb er einen Augenblick stehen und atmete mit Vergnügen die frische, freie Luft cm.. Daun ging er langsam über die Kreuzung beim Schottentor und.dachte mit Unbehagen, daß er jetzt in seine Fabrik solle. Er wollte nicht. Er war zU müde. Während er nun zweifelnd und in Gedanken weiterging, Wurde er gerufen: „Mautner! Maut-- ner!" Gustav wendete sich um. „Ach du bist's. Servus Dr. Lederer!" Dr. Lederer war ein Freund Gustavs. Er hatte ihn lieb und man sah ihm die Freude an, daß er Gustav hier getroffen habe. „Wohin gehst du, Mautner?" fragte jer. „Ich? Mtwortete Gustav gedehnt und überlegte däbci. „Ich — soll jetzt in meine Fabrik fahren. -Mer ich Hab' keine rechte Lust. Ich bin zu müd." — „Na, dann komm' mit mir." — „Wohin denn?" — ,/Zum Heurigen." „Zum Heurigen?" — „Ja. Ist es dir nicht recht? Du gehst doch sonst so gern zNm Heirrigen!?" — „Ja. Sonst schon. Aber heut' — weiht du, Dx. Lederer, — heut' bin ich sehr abgespannt."-„Komm' nur, komm' nur. Draußen wirst du wieder frisch werden!" — „Zu welchem Heurige» ivillst du denn?" — „Das' ist nur egal. Zu irgend einem Heurigen nach Grin^kitg." Gustav Wvmckte noch eine Weile; aber er wollte Und suchte eine Entspannung und der Heurige war ihm immer willkommen, also dMerte es nicht lange Und beide Herren stiegen in die Elektrische und fuhren nach Grintzing. 39. Kapital. - Der Wiener Heurige! Was ist Ms dir geworden! „Von ahner GmÜHMichkeit ka Gspuhr Wo ma hinschMt — siecht ma nur .Andre Estsichöer — andre Leut' —- Pführt dih Gott, du alte Zeit!" Beim Lechner, einem Alt-Wiener Henrigen in Grinzing wiederholten die Sänger, „Mf sehr geehrtes Verlangen" zum viertemnale das Bilja-Lied.- (Fortsetzung folgt.) 7ns tüdisdke Haus das jüdische f&fatt L' h.

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