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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-12 · Heft 2977 (12.6.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2977 (12.6.1927)
Date
1927-06-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Wien, Sviin-taa Wiener Morgenzeitung 12. Juni 1627 Nr 2677 Las Wesen der Demokratie. Ae Kundgebung des Präsidenten Masartzk anläßlich seiner Neuwahl. Küchen, Vorzimmer | Kinderu. Mädchenzimmer Spezialist f MÖBELHAUS WEISS VII., Neubaugasse 61 | Akademischer Boden. —y, Men, 12. Juni. Ter Wiener Umversitatsrektor hatte vor zwei Woche n tie Redefreiheit zugesagt. Freitag komcke sein Wort über- »rüst rverdrn rrnd rvas sich dir im Vortragssaal und dann n der Aula zutrug, ist, nur es kirrz zu sagen, eine Affenchande. Ein Vortrag sozialistischer Studenten tvurde von >en .Hakenkreuzlern kn.rzerhand gesprengt ustd der Rektor, »er wie jeder. so-aZ Konnnende wissen rnnßte, schickte zwei imrze Pedellen, nicht um Ruhe zu schassen, sondern den bortrag zu verbieten. Dann wurde in der Aula gerauft; turch eine Tür drangen germanisch-arische StuAeNterl ein md prügelten mit Satten imb Stuhlbeinen jmrge MMHen. 2er Sektor hätte die Pflicht gehabt, die Radaubrüder sestrehmen zu lassen. -Aber er tat das nicht. Er tat gar nichts. 2 rausten stand die Polizei und durste nicht ins Haus. Denn ms akademischem Boden dürfen Mädchen geschlagen wer- >en und dürfen den Nichtariern Schlachten geliefert wer- >ett, ohne daß die Behörde einschreitet. Dort gilt das Oe-» etz nicht, sondern die akademische Rüpelfreiheit. Und das st eine Angelegenheit, die aus dem Krxis der Radmch l- >e« und ihrer Anführer hercrustritt und zur Sache der Öffentlichkeit werden muß. Es ist eine Beleidigung des Publikums, wenn ihm innnier zugemutet lvird, die feinen Unterschiede zwischen Rampe und Aula zu beachten. Es kann richt geduldet werden, daß aus Steuergeldern dieser Un- Ug bezahlt wird, daß der Rektor den Greis aus dem Dach 'pielt, und daß die Polizei ihre Pflicht nicht tut. Wenn sie mr ein einzigesmal den Auftrag erhält, ihre Energie zu reizen, dann ist an der Universität Ruhe. Diese Anstalt gehört nicht dxn deutschen Kanrmerangehöeigen, sondern dem österreichischen Volk und der Skandal fiel zivei Institutionen für Last, die ständig versagten: jdem Unterrichtsnnnistev und rem Bürgermeister von Wien. Den einen bremste seine hrrstlichsoziale Weltanschauung,' den anderen seine Mueiswrg gegen Juden überhaupt. Beide bildeten eine Einheitsfront zum Schutze von Rampe und Aula. Tie Erklärung jür ihr Verhalten lag natürlich darin, daß ja alle Kravalle dieser Sorte antisemitisch ausgezogen sind, rnd . daß es sich biarunr handelt, die Juden >oN der Hochschule zu vertreiben. Die Juden sind aber kein politischer Faktor in Oesterreich mrd sie haben rs ja bei den letzten Wahlen wieder gezeigt, daß sie auf hre Position verzichten und nachlausen. Die einen der Einheitsliste des Riehl, die anbereu der Partei des Landeshauptmannes. Dip Juden wollen in ihrer Mehrheit kein wlitischer Faktor sein, sie wollen nichts anderes darstetjen, <üs Besteuerungsobjekte- Sie wollen keinen eigenen Willen, also keinen eigenen Vertreter und so behandelt sie jeder rur M Schuhfetzen. Das ist,Üe Schuld der Juden, respektive derjenigen, sie ihnen Vorreden, baß sie als Juden in diesem Staate üchts Ku fordern hätten. Die Theorie geht doch dahin, daß die üdische Gemeinschaft gar keine anderen iAusgaben und Tendenzen hat, als sich im Klasstnkampf zu zerfleischen und den üdischen Proletarier gegen den jüdischen Ausbeuter zu Hetzen. Das ist doch der Kern der Frage, nicht wahr? Und »as ist der Grund, weshalb die gmrze Judenheit ihr Gesicht »erliert und den gelbm Fleck bekommt. Sie hat nichts zu ordern und sie will nichts fordern, und die Zionisten, die >as ja tun, sind eigensinnige Reaktionäre, Ne den Zug der jeit nicht verstehen wollen. Aber da kommt der Minister 5chmitz, der die Universität als Privateigentum der rutschen Kammer respektiert, und die Polizei, die draußen kartet. - Der LanbeWckuptnnmn hat sich gestem besonnen. Er iat der Polizei die Weisung erteilt, inrmer, wenn sie stras-?are /Handlungen ahnt, einzuschreiten. Das ist ziemlich mtschukartig' und selbst diese Weisung kam erst, nachdem Studenten, die der Partei des Bürgermeisters angehören, u Schaden gekommen sind, nachdem ein Hällsen von freien Buben die Judenfrage in jdem altgewohnten! Sinn aus-- jerollt Hatte. Es wird jetzt viele Erörterungen geben. Die Univerkat ist gesperrt und die Sozialdemokraten iverden interpel- >eren. Sie werden fragen, wieso ein sozialistischer Bortrag esprengt werden konnte. Der Minister wird antworten (wenn ' antworten wird), daß er die Sache sehr bedauere, in# daß < zur Ruhe mahne. Dem Wesen der Sache weichen natürlich eide Ms, daß es den Hakenkreuzlern und ihren Protek- )ven nur darum zu tun war, Juden zu prügeln. Die Juen aber haben keinen Vertreter, der int österreichischen Par- »ment diesen Schtvindel ausdeckt. Die Juden haben bei den Wahlen doch gezeigt, daß sie Schutzjuden sein wollen. Und ' wird demnächst wieder vom Numerus clausus gesprochen 'erden und es wird gerauft und geprügelt werden. Zur Ehre er geistigen Kultur der Stadt, die nurn doch jetzt in den Festwochen denr Ausland vorführt. Wenn heute mit denr Sieger Chambevlain auch der amerikmnsche Jude Lepine nach ^ien konimt, so rvird er einen hübschen Eindruck von dieser 'tadt haben. Er wird sie durch das Stereoskop ansehen lüsscir, durch die christlichsoziale und durch die sozialdemv-- -atische Scheibe; dann tvird er erkennen, daß hier alles in ezug *'■' " 'den akckdenrischer Boden ist. Pra-g, 11. Juini. (Tsch. P.-B.) PrüsDunt Mafaryk einpsing hknte die Präsidenten der Kammern und verlas tim Aniwosoulhoit dos MiniistevprÄsidenten Svehla eilte Kmchgebumg au-läßlich seiner Wiodovwcch.l. Gr vettveist -darin zunächst aus seine jüngste AulMin'dswife und knüpft daran eine Betrachtung über den Niedergang der alten Kt Euren ii.nl) dir Außgabeu der neumr Staateu. Er rühmt sodann die Deinokratit', daß sie die Benützung aller gesunden Kräfte im Interesse einer intensiven Staatsverwaltung ermögliche. Wähl fei es begannt, daß die Demokratie bedeutende Mängel besitze. Trotzdem widerspreche er der Meinung von einem Nicidergang der Deinokvatie und des Parlamentarrsmius. Andere Versassungsrefomu-m besitzen gleichfalls Mängel, Aideiu lehre >dtie Geschichte, daß sich dve Demokratie erst im A n f a n g s st a d i u nl befinde, während die übrigen StaM-ffbrmon bovoi-ts eine tausendjäHrkge VntwlcKimvg verzeichnen. Die heutige Zeit sei auch staait-lich ein« Uebergangsperiode. Die Mängel des Parilamen1>arismms ließen sich beseitigen. Die mioldeme Demokratie erstrebe eine stets wachs-enide poMsche Bildung der Beamtenschaft, der VoiWsvertröter und des Bollles, denn darin liege die Garantie für die Demoikvatie selbst, in der das Argument, nicht aber die Pfiffigkeit oder die Faust gelte. Die Denrokraitie bsdeute das Ende aller Gewalt, der religiösen, poMschen, nationalen, wirHchaftliche-n und sozialen Privilegiien. Der Präsident weilst darauf ihm, daß im politischen Leberi Ehrgeiz und Herrschsucht «inen starken Faktor darstellen, daß einzelne durch die Politik sich unterschiedliche Vorteile sichern. Er begreife diese Kräfte, die gewissermaßien auch der GefiamHvit nützen können; aber das Woihl des Staates und die VolMildung fordere auch eine Gegenfeitigleit der VevöMerung, die mrs Woihlwollen' und Sympathie hervorgeht. Das Argument der Gewalt und der Lüge muß verdrängt werden. Wie schon Pa'laoky erAarte, zentDalisiere sich die WeA. Rumänien vor ve« Neuwahlen. Keine Wahlübereinkommen. Bukarest, 11. Juni. Das gestern im Prinzip abgeschloffene Wahlkoalitionsabkommen zwischen der lrdaralen Partei und der nationalen Bauernpartei ist heute rückgängig gemacht worden. Das Blatt!der nationalen Bauern, die .,Romania", teilt mit, daß jede Partei mit besonderer Liste m den Wahlkamps eintreten wird. Der Vollzugsausschuß der V o l k s p a r i e i hielt 'heule eine Sitzung ab, in der der Parteiführer General Averescu den Antrag stellte, daß die Parte: sich nicht au den kommenden Wahlen beteiligen möge, da sie im gegenwärtigen Augenblick höchst unpopulär sei. Die Mehrheit des Vollzugsausschusses sprach sich jedoch für die WahlLetoilrgung aus. Mn Entschluß wurde nicht gefaßt. Das Blatt Bratianus, die „Lup t a", schreibt, daß Bratiauu im Besitze von Dokumenten sei, aus denen hecvovgehe, daß Averescu einen Staatsstreich geplant habe, nm sich selbst zum Diktator auszurusen. Dre Dokumente sollen in den nächsten Tagen ve-röfse nt licht werden. Me MsHr Mdewteovt. Bukarest, 10. Juni. Die .Aufgabe der unter der Premierschaft des Prinzen Stirbey gebildeten neuen Regierung ist es, in allernächster Zeit Wahlen zur Volksvertretung im ganzen Lande durchzuslihren. Die Wahlvorbereitungen sind im Gange. In den weisen der Union mmänischer Juden wie in irational-jüdischm Kreisen spricht man sich für die Mldung eines jüdischen Einheitsblocks in ganz Rumänien aus, um so eine würdige Vertretung der rumänischen Jiü>en zu sichern. In den nächsten Tagen wird in Bukarest eine Beratung von jüdischen Vertretern aller Parteien und Provinzen abgehalten werden, in der über die Bildung eures jMschen lÄnheitsblvcks Beschlüsse gefaßt werden sollen. Für Siebenbürgen hat die Leitung deS dort bestehenden jüdischen Wahlblocks die Vorarbeiten für die Wahlen bereits ausgenommen. Die Bukarester Äeitungen teilen mit, daß der Häkenkreuzler Cu za dem früheren Premier Averescu und dem gestürmten Jnnerrmmister Goga vorgeschlagen hat, eine gemeinsame Front bei den Wahlen zu bilden. Gne Antwort seitens der Exminister ist noch nicht erfolgt. Die Leitungen rechnen AvereSeu und Goga zu den politisch Toten und nveinen, daß auch Cuza, der seine ganze Hoffnumrg Mf das Regime Averescu-Goga gesetzt hat, nunmehr zu den politisch Toten zu zählen ist. Zkein Staat könne ohne Verständigung und cchsne Bcr t.» a rbe i t mit s o>i»ne n N a ch b a r n rvnd den übrigen Staaten existieren. Die kleinen Stioaren, insHrchonidere di«r Tschechchlorvoikvi in ihrer geograsihischä!, La-ge, besitzen keinen Fcsicherten Bestand ohne die Sympabh«le der übrigen Nationen, roeshaM es die Raiison gebiete, daß sie van der Welt anerkarmt und vchpektiert werden. Nach oiner Pha-str mehr extensiver, beginne eine Periode intensiver Pvir-tik. Die demokratische Repirbvik müsse harmonisch alle Bürger vereinigen, ob sie sich nun durch Religion, WeÜtanschcvmvwg, Nation older Partei-Politik umterfcheilden: alles müsse zur Mitarbeit vereinigt werden. Innerhalb der Demokratie dürfen die Bürger nicht im Maichgiülti-glkeit gegenüber dom öffentlichen Leben verfallen. Die Sehnsucht nach PPliiköfchom Schassen, nach' dem tviEchsn Wohl -des BoWes vevw-chvt persönliche StrsitigikeitM nmd parteiliche Engherzigkeit. Die Demokratie verlange von der Bürgerschaft erhöhte Beraniwovili chkedtsgeifüJ^Iy, denn sie üsdeude nicht bloß Mtrsgierung, sondern auch Untevotdnttng und Gehorsam. Es ist erMrlich, — schloß der Präsident — daß dis schweren Kriegsveiden und Nachwirkungen politischer und sozialer UmiwU-ungen die Wantasie anssnern und Utopien politisch unreifer Elemonte zeitigen, weshalb vielfach politische und wirtschaftliche Monteuver hervortraben, die ihrem unb'zähmbaren Ehrgeiz seW die Staatsiu-tereffen opfern. Der Präsident sei jedoch WerKeugt, 'daß die Mehrheit der BevöMerung im ernsten Augenblick bloß der Bernunst folgen und sich nicht durch Ldflmgen beirren lassen werde, toenn diese auch Patriotismus v-orschützen. Der Präsident schätze die UnWsriedenheit, die als heNi-g bezeichnet wurde, lch-ne jedoch unkritische utopistifche Unzufriedenheit ab, die bei Leuten entstanden sei, -die durch die Nsuordnung nur gewonnen und «unberechtigt noch m-chr erreichen wollen. Das Uninn necessar-imn kaute: vernünftige', ehrWche Politik, Or-d-rmng, Arbeit. Palästina in der MaudatskommWo». Genf, 11. Juni. <J. T. A.) Sir John Shuck, bu-rgh, der Leiter des Departements für den mittleren Osten des britischen Kolonialamtes, wird die britische Regierung auf der am 20. Juni beginnenden Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes vertreten. Ihm wird E. Mills, der stellvertretende Ch^fsekretär der Palästina-Regierung, assistieren. Bekanntlich weilte Sir John Shuckburgh vor kurzem einige Zeit in Palästina. Die Mandatskommission wird sich mtt dem Jahresbericht der brittschen Regierung Über die Verwaltung des Mandatsterritoriums Palästina zu befassen haben; ihr tvird auch ein Memorandum der Zionistischen Weltorganisation als der Jewish Agency sowie ein Memorandum dev AgudaS Jrswel und der arabischen Exekutive vvrliegen. Ae Palgstina-Krverte». Jerusalem, 10. Juni. (I. T. A.) Der amerikanische Gartenbausachverständige Knowles Ry erson, Professor Frank Adams von der California-Universität, undder Bodensachverständige. der amerikanischen Regierung -A. T. Str ahvrn sind soeben kn Palästina eingetroffen, um ihre Funktionen als Mitglieder der Expertenkommission des Jewish Ageney-Komitees aufzunehmen. Die Gelehrten haben bereits mit der Prüfung der landwirtschaftlichen Lage in Palästina begonnen. Seit kurzem weilt in Palästina der wirtschaftliche Berater der Zionistischen Organisation, Herr Kaftiliansky. Er hat bereits seine Funkttonen aä Mitglied des vom Zionistischen lAkttonskomitee in seiner letzten Londoner Tagung eingeschtchv org«a n,^s>a(tiv nss k-vMii teioS ausgenommen. Lar ttalleuische Pro-PaWlm-Aomttee. Rom, 1?. Juni. (I. T. A.) Ueber den Empfang des -Delegierten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Viktor Jacvbsohn beim Regierungschef Italiens, Mussolini, wird halbamtlich noch mitgeteilt: ' Die Unterredung dauerte eine volle Halbe Stunde. Dr. JacobsoHn gab dem Premier Mussolini ausführliche Informationen über die in Palästina von der Zionistischen Organisation geleistete Arbeit. Signor Mussolini wiederholte bei dieser Gelegenheit den Ausdruck seiner Sympathie für die zLvniftischeBewegung und deren Aufbauwerk in Palästina und ermächtigte Dr. JacobsoHn, Schritte zur Mldung eines Pro-Palästina-Komitees, dom führende Persönlichkeiten Italiens angehören sollen, zu «unternehmen, Mussolini versprach, dieser Gründung sein wohlwollendes Interesse züzuwenden. Wie der I. T. A.-Bertreter in Rvm erfährt, haben bereits eine Anzahl führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Italien erllltt, dem .W.gründenden Komitee beizutrÄeN.

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