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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-12 · Heft 2977 (12.6.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2977 (12.6.1927)
Date
1927-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^Preis ^S g | Redaktion, Administration: Wien» I.I., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab Va9 Uhr abends 38-5-83. Drnckerei: VU., Uerchenfelderstraße 1 („Inva“) Wiener Preise: Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das A usl&nd im Innern des Blattes. Morgenxeilung besuchen Sie Stotel Continental Wien, ll.^palepslraße l nächst Schwedenbrüche Zenhaie Gage / Komfortables Hotel f Kaüeehaus and fleslaaranl / Schöner, slaabtreier, schattiger garten / Mäßige Preise aBlen, Sonntag, 12. Juni 1927 (12. gittmn 5687). Ar. 2977 9. Fahrgang Gegen den akademischen Terror. Sine Weisung des Bürgermeisters an das PolireiprSfidiam. — Sie akademische Autonomie besteht nicht. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. ALLEINIGE ANZEIGEN - ANNAHME ANNONCEN SS SCHALER WIEN, I., WOLLZEILE 11. - JBL. 76-0-81, 76-0-82 M1H—i—— brüllaxBBBS Polens Antwort ungenügend. Eine zweite Note Sowietrutzlands. Moskau, 11. Juni. Gestern fand eine.Sitzung des Rates der Volkskommissare stakt, in der die Formulierung einer zweiten Note an Polen beraten wurde. Die polnische Antwort sei als u n b e f r i edigend bezeichnet worden. Wie es heißt, versucht die s r a n z ö s i sch e R c g i e r u n g, in Moskau mäßigend in bezug auf die Forderungen an Polen einzuwirken. Wie verlautet, wird die russische Antwort noch heute abends dem polnischen Gesandten übergeben werden. Kowerda kommt vor ein Standgericht. W a r s ch a u, 11. Juni. (P. T.-A.) Der Mörder des sowjetrussischen Gesandten Wojkow, Kowerda, wird vor ein Standgericht gestellt. Es droht' ihm die Todesstrafe. Der Verteidiger Kowerdas. W a r s ch au, 11. Juni. Der bekannte russische Rechtsanwalt A n d r e j e w in Wilna' hat über Bitte der Mutter des Attentäters Ko Werda sich bereit erklärt, dessen V e rte i d i g u n g zu übernehmen. Freilassung der verhasteten Emigranten. Warschau, 11. Juni. Die im Zusammenhänge mit derErrnorduirg des Sowsetgesaudten Woskow von polnischen Behörden festgenommenen russischen Emigranten sind mit wenigen Ausnahmen wieder in Freiheit gesetzt worden. Nach den bisherigen Veröffentlichungen hat sich noch keine Verbindung zwischen dem Mord und den politischen Emigrantenkreisen finden lassen. Pollzelschiitz slir nie SowjetgesiindtWIt in MM. V erli n, 11. Juni. Nach einem Telegraimn des „berliner Tageblattes" aus Ko w n o hat. die litauische, politische Polizei geheime Nachrichten erhalten, daß. beabsichtigt sei, auf die russische Gesandtschaft in Kowno ein Attentat , zu veri üben. Auf Grund dieser Nachrichten fand ein Ministerrat stat, der tbeschloß, das Gebäude der russischen Gesandtschaft unter verstärkten Schutz zu stellen. Die nächste Session des polnischen Parlaments. Die Forderungen der Juden. Warschau. 11. Juni. Angesichts der bevorstehenden Einberufung der außerordentlichen Session des Sejm, die am 20. d. M. beginnen w:rd, wird der jüdische Parlamentsklub seine Haltung zur Negierung noch vor Zusammentritt des Parlamentes erörtern. Um dieser Stellungnahme die entsprechende Grundlage zu geben, hat das Präsidium des jüdischen P a r l a m e n t k l u b s, bestehend aus den Deputierten Hartglas, Farbstein und K.rschbraun, beim stellvertretenden Ministerpräsidenten Bartel vorgesprochen. In der Konferenz, die eine Stunde dauerte, wurde von seiten des Kililiprüsidiums eine Reihe von Forderungen der jüdischeil Bevölkerung vorgebracht, die von der Regierung bisher nicht erfüllt wurden. Diese Förderungen wurden einer genauen Erörterung zwischen dem Vizepremier Bartel 'lnd dein Klubpräsidium unterzogen. Ungellärte Lage in Fugollawlen. . Belgrad, 11. Juni. Die iiurerpolitische Lage gilt tvie-.er eiiunal als sehr verworren. Die 'Stellung der Regierllug V u k i c e v i c ist ztveisellos e r s ch ü t t e r t. „Politika" schreibt,baß in den politischen Kreisen allgemeine Unzufriedenheit herrsche, und daß hinter den Kulisseil ^zahllose Jntrign en im Gange seien, bei denen, dam Blatt zufolge, auch hohe Militärkreßse i(v-. •.. Spiele haben. . Mu6 d'sni Rathaus wiird uns inlitge teilt: Mit Rücksicht ans hie Ausschreitungen, die sich am Freitag an der Wiener Universität Studenten, aber auch nnversitätsfremde Personen, zuschulden lamimcTt liehen, hat Bürgermeister Seih als LmideZihanplinann an den Polizoipräsiden'iem folgendes Schreiben gerichtet: „Gestern sind in den Räumen der Universität nach einer Stnbentenverfammlnng abermals gröbliche Gewalttätigkeiten begangen worden. Hiebei sind einigen Personen so schwere Verletzungen zugesügt worden, daß die Rettungsgesellschast intervenieren und zehn Verletzte zur Unfallstation bringend mußte. An diesen Ausschreitungen herben sich auch h o ch> schulfremde Personen beteiligt, die durch sonst versperrte Türen in das Universitätsgcbärrde gewaltsam eingedrungen sind. Solche Vorkommnisse schädigen den Ruf «der Universität und damit auch den Ras der B'undesh>Mplsta'dt. Das ehemalige k. k. Mirlisterium d>:s Innern hat am 31. März 1904, Zjl. 2201/M. I., im Einvernehmen mit denn cchomM-gen MnisterinaN'für MAnis und Ulwtcrricht eröffnet, ,/d a ß hier l a n d s keine Vorschrift b esteht, nach welcher das Betreten der U n i v e r s i t ä t s r ä u m l >i ch leiten d n r ch O r g a n e der ö s s e n tlichen Sicherheit behufs Vornahme von - polizeilichen Amtshandlungen unzulässig erschiene. Aus Grund der früher den Universitätskollegien zugestandenen akademischen Gerichltsbarrkeit h>at sich jedoch bis auf die Jetztzeit die Ueibung erh>al>ten, daß inineHalb der Universitätsräumlichkeitien, dem ftgenannten „a k a >d e m i scheu Bode n" die polizeilichen FnnM'omen zur Ans re ch te rh>aAn.ng der Rrche und'Ordnung von den Univiersitätsorganen selbst ausgeübt werden." Diese „Uebung" entbehrt der verfassungsmäßigen Grundlage. Denn die staatliche DevwMnng b'arf nur ans Grund der Ge setze ansgeüibt werden. Doch wird es b i s an f weiteres zulässig fein, bei der bestehenden „Uebung" zu bleiben. Es wird mithin auch fürderhin den akademischen Behörden zugestanden bleiben, die Ruhe und Ordmmg aus dem sogenannten „akaidemisch>en Boden" selbst aufrecht zu erhalten. Die Polizeibehörde wird also in d>en Räumlichkei'tsn der Unilversität zur Ansrechterhaltnng. der Ruhe und Ordnung in der Regel nur dann ein znsch reiten haben, wenn an sie die Aus so rd e rung der akademisch e n Behörden ergeht. Diese „Uebung" kann aber nicht so weit gehen, daß aus dam sogenannten „akademischen Boden" st ras bare Handlungen, insbesondere soilche gegen Lchen und Gesundheit verübt werden, ohne daß die Polizeibehörde die ihr gesetzlich o b l i.«e g e n d e Pflicht,' zur Verfolgung strafbarer Handlungen emzu-schreiten, erfüllt. Ich gebe daher im Sinne des Artikels 20, Bundes- Vevfassnngsgefetz, die Weisung, in Hinkunft Vis' ans weiteres nach folgenden Grundsätzen vorzug-ehen: 1. Die Polizeibehörde hat zm Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Hochschulräumlichkeiten nur auf Verlangen der akademischen Behörden einzuschreiten. 2. Gelangt der Polizeibehörde zur Kenntnis, daß in Hochschulräumlichkeiten strafbare Handlungen begangen werden ober unmittelbar zu gewärtigen sind, so hat sie a u ch o h n e Ä nsuchondor akademischen Behörden in den Hochschulräumllchkeitvn einzuschreiten. Hiebei wird sie, wenn es die Umstände gestatten, vor der Amtshandlung die akademischen Behörden zu verständigen haben. Besteht jedoch Gefahr im Verzüge, so hat die Verständigung tunlichst bald nach Beginn der Amtshandlung zu erfolgen." *° ' Die Universität blieb gestern geschlossen. Es wurden nur wenige Studenten eingelassen, die sich an den Toren legitimieren mußten. An der rückwärtigen Türe des Gebäudes, der sogenannten Bibliothekstüre, herrschte kein Legitimationszwang, und dort gingen die Hakenkreuzstudentou ungestört ein und aus. Der Farbenbummel wurde mittags auf der Straße, innerhalb eines dichten Polizeikordons abgehalten. Eine am Haupttor angeschlagene Kundmachung des Rektors spricht „allen Schnldtragenden" die schärfste Mißbilligung aus. Herr Hoftat M o l i s ch kündigt an, daß er die Einleilnng von Erhebungen veranlaßt habe. In verschiedenen Interviews teilt der Rektor mit, er habe den Führern der studentischen Parteien am Freitag das Ehrenwort abgenommen, daß sie Ruhe hMen werden. Daß fremde Elemente eindringen, sei daraus zu erklären, daß die Töchter eines Pedells durch eine verschlossene Türe ging, da sie Bier holen wollte. Sie wurde zurückgestoßen und die Leute stürmten ins Hans. Diese Studenten, sämtliche ohne Hut und in Windjacken, trugen Holzstöcke, Schlagringe, Eisenstöcke ustv. Sie verübten dann in der Aula die greulichsten Szenen, deren man nicht mehr Herr werden konnte. Im ganzen wurden 13 Personen verletzt. Die Skandale pflanzten sich, als der Gewitterregen auchörte, auf die Straße fort. Die Polizei ränmte im Auftrag des Rektors die Rampe, wobei zwei Studenten chovhaftet wurden. Nach einer vom Verbände der fozialrstischen Studenten versendeten Mitteilung, besitzen die Funktionäre der „Deutschen Hochschulkammer" f die Schlüssel zu dem rückwärtigen Tor. Das ist höchst interessant, und es zeigt, wer tatsächlich die Herrschaft in der Hochschule ausübt. Einer sozialistischen Abordnung erklärte der Bürgermeister Seitz, er werde alles veranlassen, um die freie Meinungsäußerung zu schützen. In Erfüllung dieser Zusage ist gestern an die Polizei die Weisung ergangen, bei Ruhestörungen in der Univeirsität einzuschreiten. Gestern fanden Besprechungen der Studenten mit dem Republikanischen Schttchvund statt, ür denen angeblich beschlossen wurde, gegen die Hakenkreuzler energisch vorzngehen. An die Polizeidirektion ist eine Eingabe gerichtet worden, in welcher angefragt wird, ob die Rampe weiterhin als akademischer Boden zu geltei» habe. Kommuniftische Umtriebe in Holländlschgndie«. Hausdurchsuchungen in Leyden und im Haag. Amsterdam,'11. Juni. In der Stadt Leyden hat b«e Polizei gestern unvermutet ein Haus, das von einer großen Zahl i n d o n e s i sch e r S t u d' e n t e n bewohnt wird, g e - ^waltsam besetzt. Alle im Hause 'befindlichen Personen wurden einem eingehenden Verhör unterzogen. Eine große Anzahl von Schriftstüüen wurde beschlagnahmt. Auch im Haag wurden mehrere Hausdurchsuchungen in jungindonesischen Kreisen vorgenommen und hiebei gleichfalls zahlreiche Schriftstücke beschlagnahmt. Das Vorgehen der Polizei hängt anscheinend mit einem kommun i st i s ch e n K o m p l o t t in N i e d e r l ä n d i s ch - I n d i e n zusammen, wobei eine große Zahl in Europa weilender indonesischer Studenten ihre Hand im Spiele haben sollen. Die Verhasteten wurden wieder sreigeLassen.

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