Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2976 (11.6.1927)
- Date
- 1927-06-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mmiir yr/Jy?t t<' stz'.. M. 2976 Men, Samstsg Wiener Morgenzettung tt. Juttk 1927 Seite 5 Letzte Aachrichten. zaleiki bei SNanll. Pari's, 10. Juni. Der polnische Außenminister Znteffi ist heute früh in Paris angekontmen. Er wurde vom jAußemninister Briünd in Beglciiuug des polnischen Gesandten tot Paris, CHlapöwsti, in längerer Audienz empfange«. Die Unterredung drehte sich vor allem um die Poltck^sch^n Folgen der Ermordung Wojkvivs sollte um die Frage der Zerstörung der deutschen MedereliiWrmrg der Todesstrafe r« Stalle». Rom, IO. Juni. Justiz minister Roeco hat m den endgültigen Entwurf des neuen Strafgesetzes auf das Drängen hervorragender Juristen und der öffentlichen Meinung die Todesstrafe ausgenommen, die somit in Italien demnächst wßleder eiugsführt werden wird. '' Schatzsekretstr Mellon kommt «ach Suropa. sAus Washington'lvird uns telegraphiert: Wie offtjMl mitgieteilt wird, wird sich Schatzsekvetär Miellon im!-Lauft ÄeS Monats Juli zu einer besonders wichtigen Reise -pach.ElvMpa einschifftn. Ae jüdische« Semelndewahlen in Sstgalizien. Warschau, 10. Juni. Wie Ihr Korrespondent von gut unterrichteter Seite erfährt, wird in einer der nächsten Sitzungen des Ministerratcs die Ausdehnung der Pilsildflischen Verordnung über das allgetneine, gleiche Proportion^vahlrecht in den jüdischen Gemeinden auf O stg <r l i z i e n beschlossett jverden. Sodann soll i n allernächster Zeit die Ausschreibung der jüdi« ^sch^n Gemeinde Wahlen in ganz Ostgalierfolgen. Wien, 11. Juni. DaS Wetter. Während gestern wieder eine Verbesserung der Wetterllage eingetreten und die Temperatur überall gestiegen war, -setzte abends ein überaus heftiger Regen mit einem starken -Gewitter ein und brachte eine neuerliche Abkühlung. Rach, der Vorhersage bleibt die Gswitterneigung auch werterhin bestehen, bei heiterem aber schwülem Wetter. Beton Frisiere« vom Blitz getötet. AiÄ Berlin wird gemeldet: Im Dorfe R e d l i n in Pommern wusch eine Taglöhnerin abends während eines »Gewitters ihr Haar und kämmte das noch nasse Haar unmittelbar unter der elektrischen Lampe. Ein Blitz, der!tn die Starkstromleitung gefahren war, sprang aus der iLanrpe au-, das Mädchen.über und tötete eS auf der Stelle.. , , . . 'Den Sohn ermordet. . Aus Eisenstadt wird gemeldet: Der 24jährige Franz HVg tzrl kam ''.ln angeheitertem Zustand in Hornstem, wo ier bei seinem 70jäh«rigen Vater wohnte, nach Haufe. Wegen -einer Ziehharmonika kam es zum Streit. Der Greis geriet in derartige Aufregung, daß er mit einem Küchenmefser auf den betrunkenen Sohn losging und ihm meyjrere Stiche in den Unterleib veibrachte. Der Sohlt isaük blutüberströmt zu Boden. Als der Bürgernteister und die Gendarmen kanten, mn den Vater ztr verhaften, gab er, sich ruhig seine Pfeife anzündend, die Bluttat >zu rmd bemerkte dazu: „Er hat es verdient. Tödlicher AntonwbNnnfaN. Aus Pottenstekn an der Triefttng wird uns gemeldet: Por einigen Tagen fuhr der Wiener Rechtsanwalt Dr. Artur Lenhof gegen Abend urit seinem Personenauto durch die Ortschaft. Das Auto faßte mit dem linken Kotflügel den sechsjährigen Josef P a n k l, warf -ihn zu Boden und schleifte Ihn zirka 15 Schritte nrit sich. Der Knabe wurde mit Mweren Verletzungen in das Spital ltach Baben gebracht, wo er am nächsten Tag an den Folgen des Unfalles starb. Schuldtragend an dein Unfall dürste der Autolenker fein.. Gegen ihn wurde die Anzeige erstattet. .Todesfall. Vorige Woche ist hier nach kurzem, schwerem Leiden Herr Bernhard Reich, ehemaliger Chef der Firma Winternitz u. Reich, gestorben. Herr Reich stammte aus Kroatien, war in jungen Jahren nach Wien gekotnmen und nahm an lallen gemeinnützigen Institutionen regen Anteil. Besonders Muß seine Tätigkeit mährend des Krieges für die Erhaltüng der jüdischen GemeinschaftsAiche sür Angestellte in der Etzlinggasse hervorgehoben werden. Als Chef war er ein väterlicher Freund seiner Angestellten. Der, zionistischen Bewegtmg brachte er Sympathie entgegen und trat auch bei allen Wahlen energisch für die jüdischnationalen Bewerber ein. Er erreichte ein Altzer von 77 Jahren. Einer seiner Söhne R Rechtsanwalt in, Elsenstadt. G. £ Was gehört in jeden Familienschrein? Ein Klassenlos der Glückstelle Steinl Bestellen Sie noch heute Per Postkarte zur Ziehung 1. Klasse: 21. und L3. Juni bei „Glückstelle Stein", Wien, 1. Äez., Mpplingerstvake 21. an der .Hohen Brücke". Joftf Webers Beerdigung fand gestern unter großer Beteiligung statt. ES hatten sich unter anderen Vertreter der israelitischen KultuSgemeinde, der,zionistischen Körperschaften, der jüdischen Jugendfürsorge und einiger Elternverelne eingefunden. Sowohl Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang alH auch die Vertreter der Organisationen betonten sein vielfaches, htngebungsvolles Mrken im öffentlichen jüdischen Interesse. Namens des ziomstischen Landyskomitees nahm Herr Dr. Rothv l n m von' dem Verblichenen Abschied. Wörgk—5ft»fstein elMrijch. Die Generaldlrektion der Oestervetchischen Bundesbahnen teilt mit: Der elektrische Betrieb auf der Strecke Wörgl—-Kufstein wurde mit D-Zug 262 am 9. d. M. ohne Anstand ausgenvulnten. Antobnsstljn elloertchr Mut Günfthänftl. Um die Straßenvchn z»t entlasten, wird an schönen Sonn- und Feiertagen ein Autobusschnellverkehr von dev Bopgartenstraße (Etnsteigstelle der Lime 84 der Stratzen- I bahn) zum städtischen Strandbad Mnsehäufel in ganz kurzen Intervallen eingerichtet. Der Fahrpreis ist für eine Fahrt 30 Groschen. Jabotinskl kommt «ach Wie«. Der Führer der Zionisten-Rrvlstonisten Wladimir Jabotlnflk, der sich gegenwärtta auf einer Propaganbatournee . in der Tschechoslowakei befindet, wird, ime wir erfahren, in der letzten Juniwoche in Wien weilen und hier in einer Massenversammlung sprechen. Personalnachrichl. Morgen um viertel 6 Uhr nachmittags findet im Seitenstettentempel die Trauung des Arch. Ing. Joftf Laszk o w i h mit pharm. nrra. Daisy G u t h e i l statt. Für die Wiener^ RetinngSgefeklfchaft. Heute und morgen sind die Sammeltage für die Wiener Rettungsgesellschaft. Audiesem Anlaß ist ein Ausruf an die Bevölkerung ergangen, in welchem herdorgchoben wird, daß im Jahre 1926 nicht weniger als 23.164 Verunglückte die Hilfe der Rettungsgesellschaft in Anspruch genommen haben. Diese segensreiche Einrichtung mutz auSHeb-aut werden, weun sie ihren Zweck restlos er- EISKASTEN amerik. System, •isaparend, von 8 (W.- anfw. R. BRAUN, WIEN I. Wlppllngarstrata iS. Tel. 62094. füllen will. ES kommtaufdkeGpende jedeseinzelnen an. Hoffentlich wird die dieSjähnge Sammlung der Wiener Rettungsgesellschaft Höchleistungen in ihrem segensreichen Werk ermöglichen. E 3800 flllometet iäoli® legen im regelmäßigen Dienst die Flugzeuge der Polnischen Luftverkehrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bezitt, Tegetthoffstraße 7, Telephon 71-0-84, zurück. Passagiere, Waren und Briese werde« schnell und sicher befördert. IAAAAAA»»>l»A»»»»»W»V>V üWM»»>»>WI»>»IV»»>»MU»>»WW>t»»»»»W»V JOD1SCHE WEIT Re Zahl der 8«de« ln England. In der von Prof, Julius Gold st ein herausgegebenen Zweimonatsschrift „Der Morgen" veröffentlicht Rudolf Stahl einen Aufsatz „Englisches Judentum. Reiseeindrücke", in welchem er darlegt, daß im gesamte kt britischen Weltreiche etwa 600.000 Juden —ungefähr so viel wie in Deutschland — leben. In Großbritannien selbst sollett nach der Schätzuttg — genaue Zahlen lassen sich wegen des dort fehlenden Meldezwanges nicht ermitteln — etwa 250.000 bis 300.000 Juden wohnen. Sie bilden in England nur 0,7 Prozent der Gesamtbevölterung, in Deutschland 1 Prozent. Von der viertel Million englischer Juden wohnen etwa 175.000, also 76 Prozent, in London. Dar Hochzektrgeschenk der König« da« Bulgarien. Bor einigen Tagen fand in der Synagoge von Sofia, wie uns von dort berichtet wird, die Trauung der Tochter des angeseheneir Kaufmannes Abraham Rejetow, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde, statt. Der König ließ dem Brautpaar und den Eltern durch seinen Adjutanten die Glückwünsche der Herrscherfamilie aussprechelt und der Braut ein Armband mit Brillanten überreichen. Regnliervng der Lemberger Zudenviertelr. Eine Erklärung des Innenministers. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Auf seiner Inspektionsreise hielt sich Innenminister Skladkowski vor einigen Tagen auch in Lemberg auf, um sich über den hygienischien instand tn unserer Stadt durch liokülaugmschein zu informieren. Der Mnister stattete auch dem Judenviertel einen Besuch ab tmb fand, daß dieser Stadtteil aus Verschulden des städtischen Magistrats ganz vernachlässigt wird und sich stellenweise in einem twstlosen Äustmtd befindet. Der Minister rügte dieses Verhalten der Stadtbehörde, gab strengen Befehl wegen Mstellung dieser Zustände mtd sandte vor seiner Abreise das folgende bezeichnende Commmrigue an die jüdische Presse: „Während meines Besuches in Lemberg konnte ich beobachten, in kvelchem Zustande sich der von der jüdischen Bevölkerung bewohnte Stadtteil befindet. Es entging mir nicht die Tendenz der jüdischen Bedölkemng, ihren Häusern aus eigener Initiative ein westeuropäisches Aussehett zu geben. Dieses Bestreben steht übrigens im vollen Einklang mit der tausendjährigen Tradition der Juden und den in der Thora enthaltenen Grundsätzen der Hygiene. Ich wünsche, daß die jüdische Bevölkerung, die ältere und auch die jüngere Generation, sich strenge an diesehygienischen Gesetze halten möge." Der Minister weist dann auf seine strengen Verordnungen zur Verschönerung des Viertels hin, die nur durch Zusammenarbeit zwischen der jüdischen Bevölkerung mit den Behörden erfolgreich durchgefühtt werden können, und schließt seine Erklärung: „Ich lege besonderen Wert darauf, daß die jüdische Bevölkerung diese Verfügungen nicht als. einen „Machthefchl von oben" empfinde, sondem ihnen mit demftlben guteir Mllen begegneit möge, von dem die Regierung in dieftr Frage erfüllt ist." Agndiftische Umtriebe In Lettland. Aus Riga wird und geschrieben: Bekanntlich hat der lettländifche Sejm vor kurzem ein Staatsbürgerschaftsgesetz angeitmntnen, welches eine gakize Anzahl demokratischer Bestimmungen enthält. Die veaftionäreit Parteien Vvrlangten eine Volksabstimmung gegetr die Annahtne dieses Gesetzes, wodurch es unwirksam gemacht sverden köttnte. Da das neue Gesetz auch dorr Juden nicht ungünstig ist, hatteir die damokratisch orientierten jüdischett Parteien selbstverstäirdlich keinen Anlaß«' durch Förderung der Bolksabsttonmung die Gefahr eines reaktionären Rückfalles heraufzubeschwören. Anders aber die Aguda, die auch m Lettland chne M cksicht ans das jüdische JMyche Reaktiott Hilfsdienste leistet. Gemeinsam mit den sogenannten nationaldemokratischen! Assimilanten haben die agudistischen Führer von Lettland ein Kampagne in der Richtung begönnet!, daß die gegenwärtige Regierung gestützt, eine rechtsorientierte ' Regierung ans Ruder gebracht wette, wodurch angeblich die BoWabftimutung überflüssig gemacht werden könnte. Gegenüber dieser agudistischen assimilatorischen Hetze schlossen sich nach längeren Borberatungen die Zionisten, die BolkSpartei, der MiSvachi und di« Zeire Zion von Lettland zu einer geschlossenen jüdischen demokratischer Front zusammen. In einer Proklamation an die Juden werden diese ans die Gefahren aufmerksam gemacht und aufgefordert, die gegenwärtige Regieruntz, die bisher ihre den Jvdeir gemachten Zufagetr stets erfüllt hat, auch weiterhin M unterstützen. Skr Lrlstnnge« der Aerzte k» PalSstlna Aus Jerusalem wird uns geschmeben: Der bekannte Professor der Noio Aorker. Universität Libman, der in Palästina weilte und Gastvorlesungeit an der Hebräischen Universität hielt, hat vor seiner Abreise seiner freudigen Ueberraschung über den Hoch st and der ärztlichen Arbeit in Palästina Ausdruck verliehen. Er betonte, daß der ernsthafte Anfang der Hebräischen Universität zu Jerusalem eine vercheißmigsvolle Entwicklung in „ Aussicht.stelle. Sein Gosamteindruck sei, daß die außerordentlichen Leistungett bedeutttrtgsvoll für die Mettschlheit und die Judenheit feien. Außerhalb des Landes seien größere Anerkennung des Werkes, größere Opfer und zahlreichere Ausbaupioniere nötig. —> Gleichzeitig wird uns aus Jerusalem gemeldet, daß dank der sanitären Vorsorge des Wacüd Habriuth der bisherige Verlauf des Sommers 1927 in bezug cntf ansteckende Krankheiten günstiger als im Vorjahre ist. Herr Kurrein berlchttgt mtt dem Preßgesetz. Wir erhalten die folgende Zuschrift: „Es ist unwahr, daß ich meine Airtipathie gegenden Ziawismus ans diese Art zeigte, daß ich beim Ettlingen der Mjscheu Nationalhymne, der „Tikwah", alle Festgäste stehen ließ mü> davonrannte, während sowohl Juden als auch dtv anwesettden Christen (darunter auch ein altkatholischer Priester) upservr Hymne die ihr zukonrmende Ehrung erwiese». Wahr ist dagegen, daß ich als Rabbiner beim GrMngxn der Hatikwah durch Erheben von meinem Sätze der Gemeinde das Zeichen zum Äusstehen gab, die Hymne stehend bis zu dorr Endversenl anhörte, mich sodann mit den übrigen goiftlichen Frmktionäreni zur Bundeslade begab, derselben die Ehrerbietung erwies und darauf in würdigem Schritte aus dem Gotteshause ging. Wahr ist, daß dieser .Borgang vor der Feier programmmäßig festgelegt worden tvar und ich, sowie die Kantoren nur programmäßig gehandelt haben. Wahr ist, daß ich selbst die Verwendung der Tikwahmelvdie als Schlußchoral des Festcö angeregt habe. Linz, 9. Jmn 1-997. De. Vrktor-Kurreüt, Rabbiner. » ES liegen somit zwei Darstellungen des Zwffcheufalles vor, die beide ben Rabbiner Kurrein zum Verfasser haben. Die eine haben lmr in unserem gestrigen Frühblatt veröffentlicht, und dort bestätigte Herr Kurrein, er habe programmgemäß noch vor der Beertdigung des Vortrages der jüdischen Hymne das Gotteshaus verlassen. Nach seiner sehr ziveideutigen Berichtigung ist er „sodann" im würdigen Schritt hinausgcgaugen. Da sich also der Herr Rabbiner selbst nicht mehr zuivochtfindet, so ziehen wir es .vor, beji wnserar ersten Darstellung zu bleiben, die «ns von verschiedetren Seiten als richtig erklärt wurde. Boi d-ieftr Gelegenheit tvollert rvir richtigstellen, daß uns« erster Bericht vom 39. Mai auf Informationen beruhte, die wer bei Horm Camillo Schiller eiugo° zogen hatten daß aber der Bericht selbst nicht von ihm starmute und nur irrtüntttcherweise mit ftmem- Ramen MtkMichnet worderr ist.