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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-10 · Heft 2975 (10.6.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2975 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Iv KM?.», .rTw;; .•>«'*■ akv? .■;?**■■.■' ,hW.> Nr. 2976 Men, Freitag Wiener Morgenzettnng 10. Juni E7 Seit« 7 Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopoki BicMer. Copyright 1927 byR LöwitVerl&g, Wien — Loipjilg (55. Fortsetzung.) Der Mensch fühlt im Glück seine Verlassenheit fast noch nrehr als im Unglück. — Das Herz ist voll Freude. Es jubelt — ohne Echo. Die glückliche Seele ^strebt zum Murmel und ist auf dieser weiten! Reise — ohne Gefährten! — „Warum hast du mich allahn! gelassen, Sahleben!" rief der alte Herr. „Was Hab' ich von der ganzen Freud', kremt ich mit dir nix reden kann!?" — Er ging zum Fenster Und blickte in die dunkle Nacht zum gestirnten jjbim* inel hinauf. — Die stille, geheimnisvolle Nacht birgt Wuuder für ei« sehnendes Herz. Er dachte des uralten Glaubens: Jeder Stern sei eine Seele! Und er suchte am Himmelsgewölbe die Seele seiner FraU. Da schien ihm, als begänne ein kleines Steruleiu zu flinrmeru, zu glühen und ihm zu winkelt. Glücklich schluchzend hob er seine Anne: „Sali! Was sagst de zU unserm Gassenjnng'?! Geht sich studieren! Hat er nicht e Gewure? — Aber du hast's immer gefugt. Sali! Dil hast irrt allem recht behalten, mente te!rwe Frau! Ich komm' bald zu dir, Sali. . ." jedoch sogleich einschränkend rief er: „Mer daweil noch nix, Sali! Jetzt mußt du noch warten! Jetzt nröchck i chuoch gern — ich HM' zwar nix so viel davon — aber erleben möcht' ich's doch gerrt, bis er Doktor wird! — Weißt du, Sali . " Herr Hermann lehnte sich art das Fensterbrett und gemütlich 7— als säße er ntit seiner Frau wie irr früherer Zeit beisammen — plauderte er mit chr: „Weißt du, wenn ich mir so denk': Ich wert im Kaffeehaus sitzen mrd er wird mich abholen Volt der Tarockpartie —< das hähßt — er wird den Kellner schicketr, beim er weiß, ich Hab' das nix gern, wenn ich spiel' Und ma kommt zu mir.. — Wird der Kellner kommen Und'ward sagen: ,Herr Mautners Der Herr Doktor is da!' Wer' ich doch zuerst erschrecken und wer' mahnen: Es fehlt mr was! — ,Wer is da?' wer' ich ihn fragen; wird er sagen: ,JHr Herr Sohn, der Herr Doktor is bet!’. Wer' ich sagen: ,E so!' Und wer' rnich anlehnen und in die Kreit' gehen! Mer die Partner werden nix erleben zu scheu, wie mir is, denn ich wer' ganz ruhig sagen: ,Gut. Er soll warten.-Wer, spielt aus, meine Herren?!'" — .So sprach Herr Hernrann mit seiner Frau. — Muß dernr der Mensch leben, mit dem man spricht? Die Wärmte der Seele, die Innerlichkeit erschafft dir Welten und belebt!und du siehst den Menschen vor bir, so wie er im Leben gewvsm ist; sogar noch schöner: Verklärt von der Glorie >des Todes und — lieblicher, denn die abgeschiedene Seele widerspricht nicht. — iLliber Herr Hermann — er war es in sechsundvierzigjähriger Ehe zu sehr gewöhnt worden— fühlte den Widerspruch und rief: „Was sagst dui? Ich soll ihn nix warten lassend Du sagst: Er hat kah Zeit?! — Natürlich! Du mußt Uns s einer Seit' feilt; du hast immer die Kinder recht gegeben, aber ich nicht, ich . . ." Er vollendete nicht, denn er — Mußte lächeln. — Lächelte er über seine rege Phantasie, die ihn so weit geführt? Oder lächelte er — horribilc bictu — aus Freüde, weit feine Frau einmal nicht tvidersprechen konnte?! — — Ich.' weiß es nicht, denn undurchdringlich sind des Herzens Pfade. Mer er sah zufrieden aus. Nur' eine kurze Zeit und dann — als hätten ihn die Schauer des Todes berührt :— faltete er die Hände und blickte ans. NEUE AUSGABE HEINRICH GRAETZ VOLKSTÜMLICHE GESCHICHTE DER IN DREI BANDEN IN ANTIQUA AUF HOLZFREIEM PAPIER GEDRUCKT, HERRLICHE GANZLEINEN BÄNDE MIT REICHER GOLDPRÄGUNG PREIS S 40’— DIESES WERK DARF IN KEINEM IN¬ DISCHEN HAUSE FEHLEN, IST UN¬ ENTBEHRLICH FÜR JEDE BIBLIOTHEK RJLÖWIT^VERLAG I.,FLEISCHMARKTi WIEN ROTENTURMSTR..« Firmament. Seine Lippen blieben regiuugslos, nur über das Gesicht schlich em Gebet: „Lass' mich fo lauge leben, großer GE! Sv lang, bis er Doktor is! --< 2.8. Kapitel. . Zwei Jahre sind seit Gustavs Matura verflossen. Herr Hermann lebt und ist sehr munter, denn er flucht und wettert so wie früher. Und Gustav? So wie der Steuerzahler — wenn's nur möglich ist — in seiner Fassion streicht, so versuchte auch Gustav die „Abgaben" an seinen Vater, den zweimaligen wöchentlichen Besuch und die Dauer des Besuches, zu kürzen. >Aber Herr Hermann wachte wie der Papa Breitner; und ivenn auch Gustav klagte: „SchM, Vater! Ich kann nicht so 'oft bei dir sein und so lang bleiben!" Da erwiderte der alte Herr: „Warum, mai süßes Kind? Warmn mai praawes Sö hudele? Musgcrott' sollst de ..." — „Vater!" Unterbrach Gustav die überströmenden Zärtlichkeiten. „Vater! Ich Hab' doch jetzt zwei Berufe: Ich muß die Fabrik, die Selcherei führen und noch dazu das Universitätsstudium! Hast du dertu eine Ahnung, was die Germanistik für eure Arbeit gibt!" — „E Bestemm af die Gernianistik. Is sie dir wichtiger wie bei. Vater?" — „Das nicht; aber willst du, Vater, daß ich bei den Prüfungelt fürs Doktorat dnrchfall'?!" — „Gusti!" erwiderte Herr Hermann, „du hast die Matura gemacht und duj hast sie . . ." rasch schluckte er eine Träne der Rührung und des Stolzes herab, „seilt gemacht, denn du bijst e großer' Gasfeujung'! Aber du sollst nicht sein, wie du bei Vater behandelst!" — „Uird wenn ich dnrchfall', Vater?" — „Du tahgst. Du wast die Doktorprüfung auch treffen." — „Das ist nicht so sicher,'Vater. Das ist ein ganz anderes, ein viel schwereres Studiuin." — „Gusti! Jhrch geb drs schriftlich, daß du die Prüfung bestehen wast, dertn dn bist e großer Gassenjnng'!" und wieder bezwang er die.aufwallende Zärtlichkeit, denn er rief: „Mer das Ganze is nur e Petite von dir! Du willst den alten Vater allahn lassen, Gustele Gannew!" Und der „Gannew", wie eine Jdeenassoziation löste den reichen, alttestamentarischeil Schatz an „zärtlichen Kloles", und der Bezugspreise der „Wiener Modenzeitung": Monatlich WIR bttten unsere Leser uu Fremde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants, Kaffeehäusern und Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen Wien, und Oesterreich Tschechoslowakische Republik. .. ••••»§ 5*— . . . .. . rce 22-- lugoslapvien. ........ Dinar 60*— Polen » , « » » i » » . .;» '«'» « . . » » Zloty 6'— Deutschland .......... , .T. Goldmark 4'— Frankreich, Belgien ............ Frcs. 35*— Italien . . .... I ... . . . . ..Lire 20*— Rumänien « .... . » » » . Lei 170* Bulgarien ............ . » . Lewa 10O-— Amerika ... Dollar 1*— Schweiz und das übrige Ausland.Franken && Oesterr. Postsoarkassenkonto 1H)A93- Mte begann zu fluchen und Gustav mußte sich fügen; ulld seufzend erfüllte er seine kindlichen Pflichten!'.'Seufzend'! Der Tor! Gibt es Herrlicheres, Göttlicheres, als.biß reine väterliche Neigung? Die Neigung — denn auch hierin war Gustav glücklich — eines unabhäng igen Vaters, der nichts will als die Liebe seines Kindes?! — — — Mer mm verlasse ich Herrn Hermann und führe nwilte liebert Leser zunt Studium Gustavs, mtd zwar zu einer Vorlesung in reit kleinen Festsaal der Wiener Universität. Dort hielt Herr Hosrat Kleiner, der Ordinarius für neue deutsche Literaturgeschichte, jeden Mittwoch seine Vorlesungen, zutonlen mit Seininarübungen verbunden. —'Zu einer solcherr Mittwochvorlesung führe ich nun meine lieben' Leser: Der kleine Festsaal war loie immer überfüllt. Dichtgedrängt. saßen und standen die Hörer und Hörerinuen nebeircinander, Mr rückwärts, im akustisch schlechteren Stotn beä' Saales, gab es lwch eiltig'e beqUenie „Stehplätze". Svgar auf den Stufen des Podiums saßen etwa zehn bis fünfzehn Studenten, die — lvenn auch unbequem —dort bester hörten. Man nannte sie „Stusenreiter". Sie ivaren sonst immer gut gelaunt, aber heute saßen sie schweigend und mißgestimmt, denn ein Eindringling, ein fremdes.Element lvar unter ifjneit; Es war nämlich unter den Studeuten^wie ein ungeschriebenes Gesetz, daß die Stufen immer für dieselben Hörer reserviert blieben. Mber heute saß- Mter den Studenten eine fremde Dame, die in den kleinen. Kreis gedrungen war und den „Platz" eines noch nicht anwesenden Studenten besetzt hatte. . . . „Pardon, Fräulein!" hatte ein Hörer höflich erklärt. „Pardon. Dieser Platz gehört einem Kollegen. Bitte, Wolken Sie . . ."'Er, machte eine „ausladende" 'Handbewegung, aber das Fräulein erwiderte ruhig: „Wo ist der Kollege? Er ist „och nicht da." — „Er wird gleich kommen. Er sitzt Ms dieser Stufe schon seit Beginn des Semesters. Bitte, Fräulein, wollen Sie . " Das Fräulein antwortete nicht und regte sich nicht. Die Studenten' blickten einander an; verstimmt und ratlos. Da erschien der verdrängte „Stufenreiter": Gustav. „So?!" rief er, als er das Fräulein erblickte. „Ja . . ." erwiderten die Kollegen. ^,,Wir haben dem- Fräulein gesagt, daß dies dein Platz ist, aber . . ‘ „Fräulein!" sprach Gustav Und bemiihte sich, liebenswürdig' zu sein. „Fräulein! Ich bitte Um Verleihung: Das. ist mein Platz." v—: „Tut tittr leid. Jetzt sitze ich hier. Ich rühr' mich nicht," erwiderte das Fräulein. — „Fräulein!" wiederholte Gustav. '' ^Fortsetzung folgt.) oocxxx30ooooqooooooooo(xx)ooqooocooooqooooooooooooooooooocoooooooooooqoooooqooooq TOIKSWIRTSCHAFT Bundespräfident Hainisch für rin Getreidemonopol. Die Hochschule für Bodentultür hat gesterit den BundeÄpräsidenten Dr. Hainisch durch Verleihung des E h r e n d o k t o r a t e s für feine großen Verdienste UMi di« HebUng der Landwirtschaft geehrt. Zu der 'Feier hatten sich die Mitglieder der Regierung Hart leb, Thal er und Schmitz sowie der Polizeipräsident Schober rmd viele ander« ofsizielle Persönlichkeiieir eingeftmdeir. Der Rektor Hofrat Professor Dr, Bauer erklärte in ferner Begrüßmrgsansprttche, daß das Professorenkollegium einstimmig diese Ehrwtg des ersten Volksbeauftragten der Republik beschlossen habe. Sodann wurde der feierliche Pvomlotionsakt vorgeniommeil Und dein BmrdeÄprasidenten die Pvom0tionisurkunde in einer krmstvoll geschnitzten Hülle aus' den: Holz einer heimischeir Eiche übergeben. Der Bundespräsident dankte hierauf in gewählten Worten und hielt sodcknn einen bemerkertsiwrtert Bortrag über das Thettm „Getreidenronopole Und Getreidezölle". Er wies auf das Beispiel Englands hiit, ioo während des Krieges durch anrtliche Festsetzung von Getveidepreisen und Löhnen eine weitgehende In t^wessiensolidaritä t geschaffen wurde, die erst nach'Airfhebuug der Richtpreise.verloren ging. In Amerika ging man daran, eine Monopol ähnliche Gestaltung der Getreidetoirtschaft einzusühren, indenr eine Gesellschaft mitemenr Kapital voir 1/4 Milliarde Dollar gebildet wurde und durch diese das Getreide zU einem Preise,, bei denr die Farmer existiercir können, aufgekauft 'und dem Konslun zugeführt iverdeu sollte. Der Ueberschuß sollte zu Weltmarktpreisen an das Ausland, verkauft iverden. Der Erlös sollte der Verbessenurg der Produktion zllgeführt werden. An der Gestaltung dieses' Projektes habe er, Dr. Hainisch, auch einen per sönlichenAnteil.Dieamerikanischen gesetz ebendeBkörperschaftelt hätten diesen Plan auch augenonmun. jedoch versagte ihm! Präsident Eool idge aus innerpvlitischen Grün-' den die Bestätigung. In der Schweizshat sich das Getrekdetnvnopvl bewährt. Obwohl sich eine knappe Mehrheit gegen das Morwpol bei der VolksabstinnMng ausgesprochen hat, konnte es dermoch nicht abgeschafft werden, weil iwch nichts Besseres gefmtden wurire. Die Vorteile des Monopols bietet'der Schutzzoll, wie er bei uns projektiert wird, nicht. Die Lohnsrage wird durch die Einfi'ihrmig von Zöllen nicht tangiert. Auch bat Kmtsittnenllnr bieten sie feinen Vorteil. Mit beit. Zöllen ist also nicht der gleiche Effekt zu erzielen, wie mit den Monopolpreisen. ' .!Die Rede des Blmdesprafldenten imtrde mit ^großem! Beifall ausgjeno-nnnen. H' auf Rene zoüforderungmi. ' Die Erlleidii'ü'uug der Zoü'ta.riflu>vell'.' große Schwier i g k e i t e n. In der kauf-enden und vovausfichMch auch in der kommenden Woche wivd die Generaldobaitill? .im Zollausschuß des NationalrateS kaunr drlhobliiche Fortschritte machen können, da der Zollausschuß eine Enquete über die Ergebnisse der. Geuse': Wrvtschaiftskousere-ns durchDhrt. IleberdieS haben die sozialdcuMratcu ihre ablehnende Haltung gegen das Gesetz nicht geändert. NmmieHr verlange, daß Jin-dustrie inxb L Wirts chaf t die Abänderung Weiterer Z 0llip ositi o-n e n v e r la u ge u. Gegei^uärchig den im Schoße der Partei Beratungen statt. Bon wird es abhängen, ob etwa int Laufe der Spi^MdEatte über die Zolltaristrobelle die Mmrdevurg p-E Zoll- Positionen, die die Novelle unberücksichtigt gtefaffen h«t, im Ausschuß beantragt werden wipd., STHJ- J-g j ,

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