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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-10 · Heft 2975 (10.6.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2975 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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(Seite 6 Wien, Freitag Wiener Morgenzeilnng 10. Juni 1027 Nr. 2976 Die Erziehung -er jüdischen Hausfrauen in Palästina. ^Wertvolle Aufklärungsarbeit untex den palästinensischen Haus- - ftö««t in Stabt und Land wird durch die neue, nach amerikamjchem Muster zusammengestellte Broschüre geleistet, die Frau Uzreli-Rosoff, diplomierte Haushaltungslehrerin im Hostel in Tel SVviw, verfaßt bat, und die von der Weltorganisation zionistischer Fra:ren" (Wrzv) herauSgegeben wird. Der Zweck der Broschüre ist die Verbreitung von erprobten Methoden in der Hauswirtschaft, Anleitung zu hygienischen Maßnahmen für die heißen Monate, bildliche Darstellung von selbstherzustellenden Wirtschaftsgeräten, Winke für die beste Anwendung und Verwertung von Obst und Gemüse ustv. usw. Hand in Hand mit dieser Broschürei die, wenn eS die finanziellen Mittel der Wizo erlauben, in regelmäßigen Zeiträumen veröffentlicht und in großen Mengen im Lande verteilt »verden soll, geht die Zusammenstellung eines blonderen palästinensischen Kochbuches. Frau Uzieli-Rosoff ist Palästinenserin und hat ihre hauswirtschaftliche und gärtnerische Ausbildung in Kalifornien genossen. Bor. der Weltorganisation zionistischer Frauen (,Mizo"). Die Kinderfürsorge st eilen der Wizo in Tel Awiw benötigen dringendst Kleinkinderwäsche. Jck»e Ortsgruppe solltq einen NähzirM einrichten und die fertige Wäsche gewaschen, aber ungebü-gelt an folgende Adresse senden: Jnfant Welsare Centres of Women's International Ziönist Organisation, Achad Haam Skr, 39, Tel Awiw. — Schnittmuster sind durch das Hauptbureau zu beziehen. (W. I. Z. O., 75, Great Russell Street, London W. C. L.) Die österreichischen Zioniften-Reoisioriiften. In der am 8. Juni stattfundenen Vollversammlung des Verbandes der Zwnisten-Revisionisten Oesterreichs wurde folgende Exekutive gewählt: Michael Gourary (Präsident), Prof. Gelernter, Dr. Otto Hahn, Dr. Max Kiewe, Moses Landau, M. A. Denen blatti und als Vertreter des Zentralkomitees in Berlin Dr. Norbert Hoffmann. Gleichzeitig wurden ein fünszehn- - Aiedriger Verbandsbeirat sowie ein Schiedsgericht gewählt. Bühne und Kunst. §foe „8udW"-Sper. Aufführisntz von Arthur Honeggers „Jltdith" in Zürich. (Eon umerem Züricher Berichterstatter.) Arthur Honegger hat nach dem Opernw-evk „David" nunmehr zum zweitenmal vünen biWischen Stoff verarbeitet. Diesmal wählte er sich den undan-ktzorsn „Judith"-Stoff, der eigentlich hauptsächlich bisher im Oratorim.ni musikalische Wirkung ii&fcc. Die Oper Horseggers >vst aus seiner Bühnenmusik zu der „Judith Drogodie djes französischen Dramatikers Rene M o r a x hervorgegangen. Dieser Text, der durch Leo M e l i tz verdeutscht wurde, bildet die.Unterlage stur das Opernwerk Honeggers. Er ist dramatisch schwach und zerfällt in fünf löse Bilder, welche die Verzweiflung der belagerten S-tadt, .den Auszug Judiths, ihre Begegnung mit Hoilio- (sernes, ihren Triumph und ihre schließt.: chj? Resignation schildern. Das Werk endet damit, «daß Judich, die sich als Werkzeug Gottes betrachtet, Hre Tat in klösterlicher Einsamkeit vergeffen will. Zu diesen fünf Bildern hat Honegger eine Musik ge- Hchrieben, chie in ihrem Stimmungsigehalt überaus wertdoll ist. Diese Musik läßt jenes drücklende und drohende Bangen spüren, durch -das die göttliche EinigÄung, unter der Judith handelt, plausibel gemacht wird. Im musikalischen Ausdruck der Szene, wo sich Judith, nur von der 'Magd begleitet, über das öde Feld ins Lager des Holofernes begibt, lebt etwas von biblischer Größe. Weniger gut ist das Zusammentreffen Judiths mit Holofernps charakterisiert. Den religiösen Hintergrund des Dramas sucht Honegger durch psalimadiwenden Chor- /und Sologesang sowie durch -instrumentale Untermalung atonaler Art zu erfassen. Dies kommt am besten iim Orchester, weit weniger im Gesang zum Ausdruck. Die Ausführung in Zürich, die erste in der Schweiz, war im äußeren Aufbau durch die lapidaren Bühnen- - bilder Albert Jslers vorzüglich. Gesanglich find sämtliche Partien mit Ausnahme der Judith undanVbar; die Ttti.'lpartte gab Maria Mülkens, gesanglich und darstellerisch gleich eindrucksvoll. Schwieriger war es mit den Chören der Juden, die vielfache Schwankungen aufwiesen. Das Orchester brachte den musikalischen Sinn des Werkes am stärksten zum Ausdruck. A«s den Ämter«. Burgthearer. Morgen, 7 Uhr, „Das Käthchen von H e i l b r o n n". (Abonnement 4. Gruppe.) Akademietheater. Morgen, 148 Uhr, „Die unverstandene Frau". (Abonnement 2. Gruppe.) Deutsches Bvlkstheater. Nächsten Freitag gelangt „Der Musikant Gottes", vier Bilder aus dem Leben Bruckners, von Viktor Leon und Ernst Decsey, mit der Musik aus Kompositionen Bruckners, zur erste:: Aufführung. Die Titelrolle spielt Wilhelm Kl4tsch. . Renaissancebühue. Charlotte Ander, die beliebte Gastin der Jarno-Bühnen, hat mit ihrem exottschen Mädchen „Kukuli" besonderen Erfolg. Das Lustspiel gleichen Namens ging gestern bereits zum 25. Male in Szene. Die Künstlerin wurde wieder sehr gefeiert. Neben ihr ist besonders der junge begabte Herr Trebitsch zu nennen. JMläum beim Opernballett. Heute begeht der Solomim'.ker Leu C z a d i l l das 25jährige Jubiläum als Mitglied des Staats- -opernballetts. Herr Czadill ist eine der wertvollsten Stützen des Opernballetts und erfreut sich allgemeiner Sympathie. Wie wir erfahren, stehen dem Jubilar große Ehrungen bevor. OQOOOOOOOOOOOtXXXXtOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO i 2,300*000 Kilometer haben die Flugzeuge der Polnischen Luftverkchrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bez., T^egetthofsstrabe 7, Tel. 71-0-84, bisher zurückgelegt. Kein Passagier ist ums Leben gekommen, kein Warentransport verloren oder beschädigt worden. >OOOOOOOOOOOqOOQOOPOOOOOO<XX^^ 9{adioprogramm europäischer Stationen vom 13. bis 19. Üuni. Berlin, Welle 483,9: Mo.: 17: Konzert; 19-30: Konzert. Di.: 16.30: Konzert; 21: Militärkonzert. Mi.: 20.80: Konzert. Do.: 20.10: Operette. Fr.: 20.30: Symphoniekonzert. Sa.: 20.30: Lustiges -Wochenende. So.: 16: Konzert; 20: Opernaufführung. Königsberg, Welle 329,7: Mo.: 21: Liederaibend. D'.: 20: Hörspiel. Mi.: 20.15: Konzert. Do.: 20:-Konzert. Fr.: 20: Operette. Sa.: 20.15: Orchesterabend. So.: 20: Konzert. Bratislava, Welle 300: Mo.: 17.45: Konzert; ab 19: Ue. Prag. Di.: 16: Konzert; ab 20: Prag. Mi.: 17.45: Konzert; ab 20: Prag. Do.: 18: Zigeunermusik; ab 19: Prag. Fr.: 17.45: Konzert; ab 18.45: Prag. Sa.: 16: Konzert; ab 20: Prag. So.: 18: Leichte M:isik; ab 20: Prag. Prag, Welle 348,9: Mo.: 17: Konzert; 20: Ue. Brünn; 21.30: Konzert. Di.: 17: Nachmittagskonzert; 20: Musik. Mi.: 17: Konzert; 20.10: Symphon'.e-konzert. Do.: 17: Konzert; ab 19.30: Brünn. Fr.: 17: Konzert; 20: Orchesterkonzert. Ca.: 17: Konzert; 20.10: Orchesterkonzert; 21.30: Hörspiel. So.: 17: Konzert; 20: Bunter Abend. Brünn, Welle 441,2: Mo.: 19: Musik; 20: Buntes Programm. Di.: 10: Liederabend; 30: Konzert. Mi.: 19: Konzert; 20: Mustkabend. Do.: 19: Konzert; 20: Hörspiel, anschließend Militärkonzert. Fr.: 19: Orchesterkongert. Sa.: 10: Symphoniekon-zert. So.: 18: Konzert; 20: Buntes Programm. Warschau, Welle 1111: Mo.: 20.30: Kammerkonzert. Di.: 20.30: Neue Musik. Mi.: 18 und 20.30: Konzert. Do.: 18 und 10: Konzert. Fr.: 17.40: Kammermusik; 20.15: Symphoniekoirzert. Sa.: 17.15: Populäres Konzert; 20.30: Leichte Musik. So.: 17: Kammermusik; 30.30: Bunte Musik. Zagreb, Welle 310: Mo.: 17: Heitere Musik; 18.45: Vortrag. Di.: 30: Leichte Musik. Mi.: 20.30: Violinkonzert. Do.: 20.30: Lieder- und Arie nabend. Fr.: 19.15: Theaterübertragung. Sa.: 20.30: Kammermusik. So.: 20: Konzert. Manfred Inger, Mitglied des Breslauer Staotrheaters, las über Einladung der Konzertöirekcivn Mellh Weiß im Kaurmersaal des MusiLvereins aus neuerer russischer Literatur. Man lernte einen jungen, auf gute Theaterwirkung bedachten Schauspieler kennen, der die Dichtungen, die er vorlas, gewissermaßen in Szenen und Situationen zerlegte. So kanr die Erzählung „Der König" aus Babels „Odessaer Geschichten", deren Stil schon solcher Zergliederung cntgegenkommt, zu vorzüglicher Wirkung. Skizzen von Tschechow, Ehrenburg u. a. bekamen ein interessantes Gesicht, das marrchmättetwas fremd erschien (die Vorlesung von Gorkis „Etwas von: Teufel" bereitete dem Schreiber dieser Zeilen dadurch ein Extravergnügen,'daß in Ingers Wiedergabe der Schriftsteller, mir dem der Teufel plaudert, eine verblüffende Stimmkopie Egon Friedclls war). Dostojewskis „Poljsukow" verlor durch Ingers Lesemcthode einiges vom epischen Schmelz, httte aber übersichtliche Deutlichkeit. Der Vortragende verstand es, bas Publikum rasch zu fesseln und es folgte ihn: mit Interesse und Spannung, die sich jeweils in immer stärkerem Beifall lösten. — tz. " Holländische Säuger in Wen. Morgen Samstag trifft der Amsterdamer Männergcsangverein „Apollo" in Wien ein, um über Einladung des Weener Mannergesangvereines, des Gesangvereines der österreichischeil Eisenbahnbeamten und des Schubert- Bundes in Wien und Baden Konzerte zu geben. Der Gesangverein „Apollo", der jetzt 74 Jahre besteht und seit 25 Jahren unter der Leitung des Chormeisters Roeske sieht, bildet, eine der wichtigsten und wertvollsten Pflegestätten des holländischen Musiklebens. Er wird in Wien morgen abends ein Festkonzert im Großen Konzerthaussaal veranstalten und Sonntag vormittags im Badener Kurpark konzertieren. Gerichtssaal. Ler Lempeleinbrecher von der Landstraße. Zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. Der 21jährige postenlose Handelsangestellte Artur Ackermann schlich sich, wie berichtet, am Llbend des 6. Mai in das in der Erdbergstraße 16 befindliche Bet-- haus ein und stahl dort von der Thora die Aufsätze, einen Silberbecher, einen silbernen Gewürzbeh älter und andere dem Gottesdienst gewidmete Gegenstände. Aus einer Sammelbüchse, die er erbrach, entnahm er ungefähr fünf Schilling. Einen Teil der Tempelgeräte verkaufte er, einige Stücke warf er weg. Ein kleiner Teil der Beute konnte zustande gebracht lverdett. Ackermann hatte sich nunmehr vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des O^GN. Hummel rvegen Verbrechens des Gewohnheitsdiebstahles zu verant worten. Er ist trotz seiner Jugend bereits viermal vorbestraft; ans der letzten zchnmonatigen schweren Kerkerhaft ist er 14 Tage vor diesem Tempeleinbruch entlassen worden. Der Gerichtshof verurteilte Ackermann zu einem Jahre schweren Kerkers. kntgegeunahme der Scheldnngsbriefes vor dem Srekutlousgericht. DaS Ende einelangwierigen DcheidungsproMes. Eine höchst komplizierte, an dramatischen Einzelheiten reiche Scheidungsangelege nheit fand gestern, so ungewöhnlich dies auch scheinen mag, beim Exekutionsgericht ihren Abschluß. Die Eheaffäre des Ehepaares Karl und ' Fanni Rauch reicht ans Jahre zurück. Das Zivillandesgericht hatte dem Scheidungsbegehren des Gatten aus dem alleinigen Verschulden der Frau stattgegeben, doch berief Freu Rauch gegen dieses Erkenntnis, und in der Meilen Instanz kam ein Vergleich dahin zustande, daß sich die Frau verpflichtete, den Scheidebrief gegen eine Abfertigung von 2000 Schilling e n t g e g e n z u n e h m e n. Der Dkann erlegte 1000 Schilling sofort, die restlichen 1000 Schilling sollte er in fünf Monatsraten zahlen. Die erste Rate war bereits abgetragen, doch die Frau weigerte sich noch immer, den Scheidebricf entgegenzunehinen. Vergebens zitierte sie der Gatte vor das Nabbinat. Einmal ließ er sich sogar oazz hinrcißcn, in der Kultusgemeinde in Gegenwart des Rabbiners einen Schuß rr- ‘ seine Gattin abzugeben, durch den diese leicht veueist wurde. Wegen dieser Affekt Handlung wurde Karl Rauch bedingt z u z w e i Monaten st r e n g e n A r r e st und znr Leistung eines Schmerzensgeldes von 760 Schilling an seine Gattin verurteilt. Nun begannen beide Ehegatten einander mit E x t* kutionen zu verfolgen. Die Frau erwirkte die Psäo-- düng der fi'ir sie beim Antralt erliegenden Mfiwdung^.. summe für ihr Schmerzensgeld, und der Gatte ließ fcirtse Frau, die sich noch immer ioeigerte, den Scheidebrief entg>egenzunehmen, deshalb in E x e k u t i o n s h a f t setzen. Aus der Haft strengte Frau Rauch eine Oppositionsklage an, weil sie mit Recht den Scheidebrief nicht angenormnen habe, da auch ihr ehemaliger Gatte seinen Verpflichtungen nicht nachgckommen sei. Die für sie erlegten 1000 Schilling seien ja gepfändet worden. Der Vertreter des Gatten Dr. H’f ondschcin wendete dagegen oin, daß die Frau sich eigentlich selbst gepfändet habe. Die Klage der Gattin wurde in beiden Instanzen aügewies e n. Nach Beendigirng der Haft weigerte sich die Gattiir noch innrer, den Scheidebrief entgegenzunehmen. Erst als ihr neuerdings mit Hast gedroht wurde, zeigte sie sich gefügig. Gestern 'erschien die Frau in Begleitung chres Vaters und einer Reihe von Schwurzeugen vor dem Exekutionsrichter LGR. Dr. H v l I s ch e r und erklärte sich zur Neberuahme des Scheidebriefes bereit. Auch der Gatte hatte sich in Begleitung des Rabbiners und mehrerer Verwandter ' cingefunden. Er erklärte sich bereit, seiner ehemaligen Gattin 2700 Schilling in Raten zu bezahlen und stellte zwei taugliche Bürgen. Die Gattin verlangte außerdem 10 Prozerit Zinsen, die abe>r der fttichtcr mit Rücksicht auf die in- Iivischeu erfolgte Herabsetzung des gesetzlichen Zinsfußes iricht bewilligen Ivollte. Schließlich kam ein Vergleich zustande, in dem sich beide Gatten verpflichteten, an einander keine wie immer gearteten Forderungen mehr zu stellen. Nunmehr überreichte der Rabbiner der Gattin den, Scheidebrief, den diese auch anstandslos annahm. Damit fand dieser eigenartige Ehestreit vor dem ungewöhnlichen Forrrm des Exekutionsgevichtes sein Ende. Ter Zusammenbruch der Allgemeinen Jndrtstriebank. Wie hat die Stacu Sa,mvali,schaft in Angelegenheit des Zusammenbruches der Allgemeinen I n du ft r r e b an k gegen zehn Funktionäre dieses Institutes Anklagen wegen Krida und Vecuntrcnuttgj erhoben. Gleichzeitig beantragte die Anklagebehörde die Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen den ehemaligen. Direktor der Devisenabteilung Dr. F l i u f e r, der in einem früher stattgefundenen Prozesse von der Krida sreigesprochen worden war. Die Verteidigung Dr. Flinkers hat, gegen diese Wiederausnahme Einspruch erhoben, den: nunmehr st a 11 g e g eb e n wurde, so daß es zu keinem zweiten Prozeß gegen Dr. Flinker kommen wird. Der Einspruch der anderen Beschuldigten gegen die Anklageschrift wurde abgewiesrn. Ein Opfer der Sabüatruhe. Leopold Kockzlik hatte sich gestern vor dem Oberlandssgeriastsrat Dr. Fuchs:g wegen Bettelei zu verantworten. Da der Beschuldigte sehr gut gekleidet war, sagte der Richter: Sie haben es besft^tntt nicht uotivendig, zu betteln. — Kockzlik: Notwendig g'rad net. Aber daß ich bettelt Hab', d'ran is nur der harte Schädel meiner Frau schuld. Sie wollte mir teilt Geld gun: Rasiere,: geben. Ich kann doch nicht unrasiert herumlaufen. Und deshalb bin ich zum Trotz betteln gangen. Meine Frau hat nämlich geglaubt, daß ich den Schilliug, den ich von ihr verlangt Hab', anstatt zum Friseur zum Branuiweiner tragen werde. — Richter: Ist es nicht besser, unrasiert hrrumzugehen, als zu betteln! Uebrigens sind Sie ja heute auch unrasiert. — Beschuldigter: Ja, damals war's aber Samstag, und dr: ist es was anderes. So bit: ich auf.der Taborstraße g'standen, Hab' aber nix bekoinmen, denn am Samstag z a h l e n d i e Juden n r x, am Samstag ist deshalb auf der Taborstraßen nix los. — Richter: No, Sie werdet: schon auch zu Christet: gegangen sein. — Angeklagter: Nein, dem: auf der Taborstraßen find' n:a ja keinei:. (.Heiterkeit.) Endlich Hab' ich 12 Groschet: geschetikt bekoutmen, das war zum Rasieren aber zu wetüg, und so Hab' ich mir ein Stamperl Stanislauer getauft. — Die zwölf zusammengebettelten Groschen trüget: ihm zwölf bedingte A r r e st st u n d e n c i 1t. Berrlne, Borträge und Versammlungen. Verband vek zlon. sozial. Jugend. Atontag, halb 8 Uhr abends, große Jngendversamtnlung in: Lesesnal der Volksbkbliother „Zion", 2. Bez., Glockengasse 30, mit Vortrag Jonah Hurwitz (Nnhalal). Die JnterlmNonake Artistenorganisatlon hat den Besuchern der Wiener Festrvochen für die an: San:stag, den 11. Juni d. I., un: 3 Uhr nachitlittags, int Johann Strauß- Theater ftattfindende A r t i si e n p r ü f u n g, verbunden mit Varieterevue, einen großen Teil der Karten reserviert. Predigten »» den israelitischen Gemeindeteinpeln. Sains-, tag bei den: un: halb 9 Uyr beginnenden Mvrgengottes-- dienst exegetische Bortrüge: 18. Bez., Schopenhanerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Fenchtwang); 21. Bez., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenrnann). lieber „Ein Altersheim und ein Verjüngnugsheinr" spricht Frau Henriette Weiß Freitag, den 17. Juni, haw 7 Uhr abends, im großen Saal der Handelskatnnwr, 1. Bez., Stubenring. Herr Kammerrat Beck bevsthtet über die bevorstehende Eröffnung des Altersheimes, über die Laymann-Anstalt in Mauer und die Ergebnisse der Studienreise durch deutsche und Schrveizer Natukheilanstalten. 67547045930492015107153977926 2348013048534802020202020000000200000200010201020101000001000102010101020102000202000001010253

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