Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2975 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2975 Men, Freitag Wiener Morgenzeirung 10. Juni 1927 Seite 6 Wien Hofrät Leisching. Sodann ergriff, stürmisch akklamiert, Polizeipräsident Schober das Wort und erklärte, daß er als Vorsitzender der Internationalen krintinalpoli« zeiuchen Kommission immer für die Verwendung des Esperanto eingetreten sei. Ferner sprachen für die. Wiener Universität Prof. Dr. Ettmepcr, für die Technik Hofrat Dr. Sch n in ann, für die „Concordia" Dr. P i l z. Ten Schluß bildete ein Referat des Vertreters des Esperanto- Weltbundes in Genf Dr. Sos über die kulturelle Miffion des Esperanto und ein Bortrag des Professors Dr. L o n g S über den gegenwärtigen Stand der Esperantabewezung. SäuglingspfiegekurS. Der von Dr. Heinrich Keller allmonatlich gehaltene Kurs des Bundes für Mutterschutz über Pflege, Ernährung und Erziehung des Säuglings mit praktischen Uebungen beginnt am 21. Juni Teilnehmerzahl beschränkt. Anmeldung in der Beratungsstelle des Bundes für Mutterschutz, 6. Bez., Mollarbgafte 8, täglich außer Sonntag von 5 bis 6 Uhr. Die Wiener Musikkapellen für die RettungSKesellschaft. Für den 11. und 12. Juni haben sich die Militärnruffken nnd Zivilkapellcn selbstlos in den Dienst der Sammoltage der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft gestellt. Die Kapellen der in Wien stationierten Jnfanterteregimenter veranstalten Samstag, den 11. Juni, vor dem Rathaus nnd auf dem Stefansplatz (4—6 Uhr) und Sonntag, den 12. Juni, am Schwarzenbergplah und bei der Sezession (halb 11 bis halb 1 Uhr) Platzmusiken. Ueberdies werden am Samstag 20 Zivilkapellen die Straßen Wiens mit klingendem Spiel durchziehen. ^Sternaberrde auf dem Somimerlheidemveg.!■ Samstag, 11. d. M., 9 Uhr, Versammlung in Pötz- MinSdorf, Eride der 41er-Linie. Schluß 10 Uhr. Führung )Prof. Thomas. -SeWftmoÄ» nach lder Flucht aus dem Irrenhaus. { Aus Lemberg wird gemeldet: Auf dem Eisenbahn-- MleiS unweit der Irrenanstalt in Kulparkow wurde der Leichnam eines Mannes gefunden, der sich in selbstmörderischer Absicht unter einen fahrenden Zug geworfen hatte. Die Untersuchung ergab, daß der Selbstmörder der ehemalige Mriester Andreas K o p a c z ist, der im Jahre 1925 int Kar-- lürelilerkloster in Lemberg den dort zu Gast weileinden Militärkaplan I d e e c aus Lublin in grausamer Weise durch Äxthiebe ennördet hat. Pater Kopacz ist nach dem Mord der Irrenanstalt in Kulparkow übergeben worden. Er konnte -nun aus der Anstalt flüchten irnb beging Selbstmord. Mene archäologische Entdeckuirgen in Rom. Bei Ausgrabungsarbeiten in einem der wichttgsten Gebietsteile der Stadt Rom nmrden bedeutende archäologische Entdeckungen gemacht. Die wichtigste darunter ist ein Bau, sder eine Kirchenstruktur mit vier Schiffen aufweist und Der mit verschiedenem Arbeitsmiaterial erbaut wurde,' das öltet Wahrscheinlichkeit nach von anderen antiken Denkmälern stammte. Von großer Bedeutung ist auch die Entdeckung eines Tempels in guterhaltenem Zustand aus der ^republikanischen Zeit Roms. Min Steinregen. l Madrider Zeitungen verzeichnen ein seltenes Phänomen m Gestalt eines Steinregens, der d-as Dorf Ca lau da in WMgonien heimsuchte. An einem sonnigen Tage erschien über /der Ortschaft eine unhetldrohende, wie bleigeladene Wolle, einen Hagel von Steinen niederregnen ließ. Alle Häuser St'.rnfronten nach der Sturmseite hatten zerbrochene' nster und selbst Dachpfannen, und als sich dieses sonderbare Wetter verzogen hatte, da waren Dächer, Straßen und gürten mit lauter .kleinen Steinen stark belegt. Nicht ein /Dropsen Regen war gefallen. ,Aadio-Stürmer.; In dem unweit von Sololow gelegenen polnischen Dorfe M^olozew legte sich ein Volks!chnllehrer unlängst einen Dadio-Äpparat an. Die Bauern der Umgebung behaupteten 'amu, daß J>er andauernde Regen nur auf die Antenne des /Lehrers zurückzusühren sei und daß sein Radio-Apparat den Mögen anzxhe, was eine Mißernte zur Folge haben werde. Wie Empörung der Bauern steigerte sich so weit, daß am 'Sonntag nach der Kirche eine große Anzahl von chnen, mit ^Wagendeichseln und Heugabel« bewaffnet, die Wohnung des 'Lehrers stürmte, die Antenne zerriß, den Apparat zerschlug und den Lehrer derartig schwer mißhandelte, daß ex in ein Krankenhaus eingel'.esert werden mußte. Es sei noch hinzugefügt, daß in vielen -Orten Polens die Bauern der lieberzengung sind, daß Radio-Antennen den Regen anziehen. Die Erregung über Radio ist in manchen Gegenden besonders stark. So mußten z. B. verschiedene Gutsbesitzer in der Gegend van Kalisch ihre Antennen entfernen, da sie ihres Lebens nicht -mehr sicher waren. Wkoholisierende Seidenwürmer. Während man den Menschen immer mehr das Trinken abzugervöhnen sucht uttb es ihnen mancherorts sogar ^gnnz verbieten will, findet man im Tierreich immer er- /'statlnlichere Wirkungen, die der Alkohol hevvorbrinat. So Mat man unS erst kürzlich erzählt, daß die Hühner viel besser legen, wenn sie Alkohol zu trinken bekommen, und daß die Schmetterlinge sich bei Weingenuß viel besser entwickeln. Nun hat ein großer japanischer Gelehrter herausbeknm-- ritelf, daß auch der so überaus nützliche Seidenwurm wahre Wundertaten verrichtet, wenn man ihm den Genuß eines guten Tropfens verschafft. Die Seidenwürmer, die mit ihrer täglichen Nahrung ein wenig Wein erhalten, haben einen viel geringeren Appetit, wodurch sich die Zucht sparsamer gestaltet nnd liefern eine viel schönere Seide. Eine Friseur-Statiftik. Im englischen Unterhaus wurden dieser Tage bei der Aüsschuhberatung über den Ladenschluß interessante Mitteilungen über die Entwicklung des Friseurgewerbes gemacht. Danach hat die Zahl der Friseure in England seit der letzten Berufszählung um mindestens 10.000. d. h. etwa ein Drittel der jetzigen Gesamtzahl, zugenommen, und zwar fast ausschließlich infolge der Bubikopfmode Dabei sind die zahlreichen arbeitslosen Friseur« . gehilfinnen nicht mitgerechnet, die sich dadurch ernähren, daß sie in d:e Wohnungen gehen und dort ihre Dienste anbieten. — ^Gleichzeitig wird aus Paris gemeldet, daß die Zahl der Damen« '-frkseuve fett 1914 von SO auf 500 gestiegen ist. Inevwünschte Geschenke. - Eine Bäckerei der Neuen Welt hat dem Präsidenten Coo>iwge Ären Laib Brot von riesigen Ausmaßen übersandt, weil sie ein Kubiläum beging. Es ist überhaupt eine beliebte Gewohnheit äet Yankees, ihren Helden Qpftvgaben darzubrlngen, mit denen Mv nichts auzufangen wissen. Meistens werden gigantische Wengen von eßbaren Sachen geschickt, und selbst in das Palais VM England haben sich einige Riesenkartofftln verirrt, die von jenseits des arpßen Teiches kamen. Am „Thaiilsg'ving-day" trefft» im ,,Weißen Hause" immer unzählige Rieten Pasteten ein. Bon der hergebrachten Art der Gescheme weicht der Zylinderhnt ab, der dem Präsidenten Lincoln von seinen Bewunderern ausgedrängt wurde. Er kostete nur 4000 Mark. Dieser kostspielige . Zylinderhut imponierte einigen Freunden von General Grant so sehr, daß sie chm einen mexikanischen Sombrero überreichten, der nicht weniger als 6000 Mark kostete. . Romantische Geschichte einer Violine. Auf der Internationalen Musikausftellung zu Genf zieht eine Violine, die Andrea Gnarnerj ,im Jahre 1675 u CreZona gebaut hat, die allgemeine Aufmerksamkeit beonders an. Denn ihre Geschichte ist unheimlich und toinanrisch; vier ihrer Besitzer starben hintereinander, als sie die kostbare Geige kaum erworben hatten. Jetzt gehört sie einem reichen Genfer Amateur, Louis Proudon, der sie int Jahre 1890 in Leipzig kaufte und dem sie so wertvoll ist, daß er sich mit keinen Preis mehr von ihr trennen mag. Die Geige ist durch viele Länder geivandert. Die geringste Summe, die für sie bezahlt worden ist, waren „100 Goldstücke"; flir diesen Preis verkaufte sie vor 150 Jahren ein Böhme an einen Neapolitaner. Dann kam die Geige nacheinander in die Hände dreier Deutscher, die alle starben, als sie das Instrument kaum erworben hatten. Schließlich kaufte die Violine ein Leipziger Antiquitätenhändler namens Muirenskv. als er sie aber nach Anterika mitnehmcn wollte, starb < Ein Radio-Ragout. Wenn man der amerikanischen Zeitung „Boston Post" glauben will, hat ein dortiger Rundsunkteilnehmer. der auf Wunsch seiner Frau am Hörer ein Kochrezept aufnotieren sollte, gleichzeitig die Gymnastikanmeisungen einer benachbarten Station mitgesch rieben und hiebei folgendes zustande gebracht: Hände auf die Hüffe. Eine Tasse voll Mehl auf die Schultern. Knie heben, Zehen strecken und alles jitit einer halben Tasse Milch vermischen. Einen Teelöffel Backpulver rasch cinatmen. Zwei hartgekochte Eier ntit den Armen seitwärts stoßen. Ansatmen nnd das, Ganze in einen Kochtopf schütten. Flach auf die Erve legen, ein Eiweiß vorwärts und rückivärcs rollen. Nach zehn Minuten vom Feuer wegnehmen und kräftig mit einem Frottierhandtuch reiben. Ties atmen, warmen Flanell anziehen, und mit einer Fischsauce servieren. E Misrachi-Ausflug nach Elsenstodt. Sonntag, den 12. Juni, veranstaltet der Wiener Misrachi einen eintägigen Ausflug nach Eiscnstadi. Fahrpreisermäßigung und separater Waggon. Abfahrt vom Ostbahnhof 7 llhr 20 Min. früh, Ankunft in Wien 28 Uhr abends. Fahrpreis hin und retour S. 8.50. Anmeldungen von Teilnehmern an Misrachi, 2. Bez., Praterstraße 43, erbeten. Telephonische Anmeldungen von 0 bis 1 Uhr vormittags unter Nr. 49-8-11. * E Personalnachricht. Sonntag, den 12. Juni, Uhr nachmittags. findet im Seitenstettentempel die Trauung de? Arch. Jng. Josef Laszkawitz mit pharm, mrg. Daisy G n t h e i'l statt. ooorxrvsss«xro«xrOo»xzs«>Orxrorxxxx»v«xxx»oos^^ 1 * II JÜDISCHE WEIT | pr| Wieder eine agudkftische Hetze entlarvt. Die agudistischen Blätter in Wien, Warschau und London brachten vor kurzem in großer ‘ Aufmachung einen Bericht, in welchem behauptet wurde, daß die Kultusgemeinde von Barna in Bulgarien infolge des Terrors der Zionisten von Bulgarien aus dem Verband der jüdischen Gemeinden des Landes ausgeschlossen wurde, weil die Barnaer Kultusgemeinde es abgelehnt habe, Beiträge für die ztonistischen Fonds zu bewilligen. In den betreffenden Artikeln wurde auch von einer „zionistischen Diktatur" und „zionistischer Inquisition" gesprochen. Demgegenüber sendet uns das Zentralkomitee der zionistischen Organisation in Bulgarien einen Bericht, in welchem der Sachverhalt unter Hinweis auf amtliche Akten wie folgt klargestellt wird: Die Kultusgemeinde von Warna wurde seinerzeit'tatsächlich anS dem Verbände der Kultusgememden ausgeschlossen, jedoch nicht, wie es in jenen Schmähartikeln heißt, vom obersten Zionistenrat, sondern vom Zentralkonsi storium der Juden in Bulgarien, einer offiziellen Stelle, die nicht zionistisch ist, sondern die Repräsentanz des bulgarischen Judentums darstellt, welche von allen jüdischen Gemeinden des Landes gewählt wurde. Dieses Konsistorium besteht ans Zionisten und Nichtzionisten. Der A u s s chl u ß d e r Varnaer Kultusg«meinde wurde in einer Zuschrift an sämtlich: Kultusgemeindeu damit begründet, daß die Kultusgemeinde von Varna sich konsequent geweigert habe, die Autorität des Zentralkon.fi storiums anzuerkennen, dessen gesetzliche Beschlüsse zu erfüllen und überhaupt jede int Statut des .Verbandes und des Konsistoriums ftstgelegten Beiträge zur Erhaltung des Konsistoriums selbst und verschiedener Institutionen allgemeinjüdischen Charakters, so u. a. auch der Erhaltung des Großrabbinats des Beth Din Hagadol und die Inspektion der Schulen, zu leisten. Die Varnaer Kultusgemeinde lehnte es auch ab, die im Orgauisationsstatut von allen Kultusgemeinden akzeptierte Kontrolle der Schulen für sich gelte» zu lassen. Da diese separatistische Renitenz der Varnaer Kultusgemeinde trotz vorhergegangener Warnungen nicht eingestellt wurde, mußte diese Kultusgemeinde schoit ojus Prestigegründen ausgeschlossen werden. Die Folge davon wccr, daß keine bulgarische Kultnsgemeiirde einen amtlichen Verkehr mit der Varnaer Gemeinde pflegte. Sämtliche bulgarischen Judengemeinden haben dew Beschluß des Konsistoriums gebilligt und streng durchgesührt. Die Wirktcng blieb tatsächlich nicht aus und die Führer der Barnaer Kultusgemeinde ergriffen dann selbst die Initiative, um mit dem Konsistorium zu einer Einigung $t gelangen, die auch tatsächlich bald erzielt wurde, so daß die Varnaer jüdische Gemeinde anfangs März d. I. wieder in den Verband der jüdischctl Gemeinden ausgenommen wurde. Aus dieser Darstellung geht deutlich hervor, daß die agudistische Presse wieder einmal in völlig eittstellter Weise ihre eigenen Versuch:, jede jüdische Einheit zu sprengen, in einen „zionistischen Terror" umgedichtet hat. Konftruktive Hilfeleistung für die Juden in Polen. Aus Newyorl wirv uns berichtet: Der T-eputierte I/ G r ü n b a u m hatte anläßlich seiner Anwesenheit in Amerika nnt den Führern der Föderation polnischer Juden in Amerika mehrere eingehende Beratungen darüber, auf ivelche Weise sie ihren Brüdern in der alten Heimat an Stelle von Spenden und Almosen konstruktive Hilf« leisten könnten. Deputierter Grünbaum hat diesbezüglich eine ganze Reihe prattisch durchführbarer Anregungen gegeben, von denen die folgende großen Anklang gefunden hat: In Polen lverden fchr vielartige Waren erzeugt, die vornehmlich, wenn nicht ausschließlich von Jttdert ftrtiggesteM werden. Diese geiverblichen und industriellen Erzeug-- msft würden in Amerika ohne Zweifel großen Slbsatz finden, werm hiezu di« geeignete Organisation geschaffen würde. Die Föderation der polnischen Juden in Amerika hat nun in einer ihrer letzten Beratungen beschlossen, eine solche Organisation ins Lßben zu rufen nnd schon in allernächster Zeit ein« Delegation nach Polen zu Msenüon, mn au, Ort die Voraussetzungen für eine solche großzügige Organisation zu studieren. Gleichzeitig wurde in Amerika eine Kommission voit kaufmännischen und industriellen Fachmännern gebildet, deren Aufgabe eS ist, in Amerika selbst den 'Msatz der in Betracht kommenden Waren zu organisieren. Wie Paul Saudor die a«M«dWen Jude« irrefützrt. Der Führer der magyarischen Assimilation, Abg. Paul S a n d o r, befindet sich auf eurer Weltreise. So oft er auf dieser Reise ntit Inden in Berührung kam oder auf jüdische Fragen stieß, erwies er sich als der eingebildete, selbstherrlich- und rechthaberische jüdische Assimilant, als der er auch rn seürcr Heimat bekannt ist. Paul Sandor ist mit seiner vorgefaßten antizionistischen Gesinnung nach Palästina gegangen,, wo er kaum einen Tag weilte, und anstatt selbst zu lenken, die agudistischen Kreise, mit denen er in Verbürdung trat, schulmeisterte. Dafür war er leichtfertig und unernst genug, in einem seiner Reisebriefe auf Grund einer halbstündlgen Besprechung mit! dem agudistischen Führer Rabbiner Sonnenfeld in Jerusalem ein abfälliges Urteil über die zionistische Arbeit in Palästina in einem Tmr abzugeben, als hätte er nach «einer langen Studienreise durch das jüdische Palästina sich dieses Urteil gebildet. Auch in N e w y o r k trat Paul Sandor in gleicher Weise aus. In einem Interview mit einen: jüdischen Journalist«» erklärte Paul Sandor, daß die ungarischen Juden es lieber sehen würden, 1v«tn das Ausland sich um die Abschaßfung des Stumerus clauslus nicht kümmern würde. Die ungarischen Juden, erklärte er, fühlen sich stark genug, um diesen Kamps allein auszutragen, und er sei überzeugt, daß der Numerus clausus in der allerkürzesten Zeit abgeschafft sein werde. Paul Sandor gab diese Erklärung gegen sein besseres Wissen ab, denn es konnte ihm nicht unbekannt sein, daß sowohl Ministerpräsident Beth len als auch der Untcrrichtsminister Graf Klebelsberg jede Gelegenheit ergreiftn, um ztt erklären, daß an die Aufhebung des Gesetzes von: Numerus clausus für absehbare Zeit nicht zu denken sei. Paul Sandor, der gerade der Bethlen-Regierung imntex den Borwurs zu machen pflegt, daß sie nicht die Kraft aufbringe, das Vorurteil gegen die Jude» zu brecheit, crllärt in irreführender Weise in Skewyork, daß die Juden in Ungarn mit Ausnahme des Numerus elauses gegen die Regierung Einerlei Grund zur Klage haben. Rabbiner Dr. KönMberger tödlich verunglückt. Am vergangenen Freitag abends wurde der Rabbiner der Berliner jüdischen Gemeinde Dr. Bernhard K ö n i g s ö e r g.e r beint Ueberschreiten des Pariser Platzes vor dein Brandenburger Tor von eineut Autobus ersaßt und zu Boderc gerissen. Dr. Königsberger wurde zur Rettungsstelle in der Kronenstratze gebracht, wo der Arzt eine blutende Kopfwunde feststellte und den Verletzten nach Anlegung eines Verbandes in seine Wohnung entließ. Sainstag nachnnttags ist Dr. KänigSverger an den Folgen eines Schädelbraches verstorben. Die polizeiliche llntersuchung ist clngeleitet worden. Das Avlebett des Seelsorgers, der erst vor wenigen Wochen seinen 60. Geburtsrag gefeiert hat, hat unter der Judenschast Berlirts große Trauer und Teilnahme hervorgerufen. Die Beerdigung fartd im Beiseln einer zahlreichen Trauergemeinde am Sonntag, den 5. Juni, halb 7 Uhr abends, auf dem Friedhof zu Weißensee statt. Reden wurden einer letzten Verfügung des Verstorbenen gemäß nicht gehalten. 'Das Jubiläum des Linzer Tempels. Der Rabbiner von Linz, Herr Dr. Viktor Kur rein, schreibt uns, es sei ihm berichtet wordeit, daß in der „Wiener Morgcnzeituug" sein Benehmen während des Abspielens der jübischclt Hymne besprocheil wurde. Der Bericht entspricht der Wahrheit. Es wurde geschrieben, daß .Herr Dr. Kurrein währenv des Vortrages der Hatikwah den Tempel verlassen habe. Der Herr Rabbiner bestätigt dies und will nur beschönigen, es sei dies prograntmgentäß geschehen. Wir wollen fragen, ob vor Herr Rabbiner eS auch gewagt hätte, die österreichische Hymne programmgemäß zu verlaffen. MvrkwÜrdigeriveise aber schreibt er am Sonntag im „Neuert Wiener Journal", die ganze Sache sei itieljt wahr. Installation eines neuen Oberrabbiners in Papa, Letzten Samstag Ist in Papa der Oberrabbiner Samuel Güttleib (bisher in Tolesva) in sein Amt eitrgefiührt worden. Der Mt wurde mit besonderer Feierlichkeit begMgen, da die Stelle seit