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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-10 · Heft 2975 (10.6.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2975 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite - Wien. Freitag Mm besten sind dö€h die Ceschka-hüte WHh KatevstNMto «SS WIEN ut., Alsorsfmle Hr. « Der elende Feigling. —y, Wien, 10. Juni. i Nathan Strauß, der greise jüdisch-amerikanisch.' Philanthrop, hat in einer öfftntlichen Versammlung jüdischer Kriegsteilnehmer den Milliardär Henri) Ford einen elenden Feigling genmrnt. Dieser Henry Ford ist einer der nreist'geiumnten Bewohner d-er Vereinigten Staaten und er hat es in diesem Land der Reklame wohl verstanden, sich Zum Vvlksbeglücker hnransznlobcn. Die Propaganda besorgt er selbst. Er ist es, der immer wieder die blechernen Sentenzen dürrster Geschäfts nwral als höchste geistige Errunggerrschaft in die Welt schreit uttd das solange wiederholt, bis die Suggestion wirkt. Er ist der reichste Mann Amerikas, also der gmrzen Welt und da im Wirtschafts- und .Fmcmzl-eben Amerikas der soziale Sinn so tvenig zu finden ist wie Bürgen tlnd Schlösser, so ist auch Fords Vermögen nicht nach den Grundsätzen jenes Christentums znstandegekontmen, die er in der Sonntagsschula vorträgt; eher nach den Grundsätzen, die er in feiner Zeitung „Tearborn Independent" verbreitet. Es sind die Thujen des stoekbornier- ' testen Judenhasses, die er übrigens crudji in einem aus allen -europäischen Gistscharteken zusaminengeschriebencn Bttch„Der ^unbekannte Jude" wiedergelegt hat. Dieses Buch hat Msi sehen gemacht und Henry Ford hat erklärt, es nie geschrieibwr zu haben. Das ist mir ein Beitrag zu feiner ekelhaften Feigheit. Herr Ford ist in Europa weniger durch seine Volksiautos, als durch diesen militanten und, rvie man. sicht, Mch militaristischen Antisemitismus bekannt geworden. Er ist der reichste Mcuur der Welt und so liegt altes vor ihm auf dem Bruch, )vas den Dollar anbetet. Jud unid Christ. Ford hat sich aber zudem in ben antisemitischen Organisationen eine treue Leibgarde erzogen, die weiter für stiiten Ruhnr sorgt. Jeder Zeicungswisch der Pogromsekten enthalt irgend-einen Propagandaartikel für den Milliardär tund in allen Zusammenrottungen dieser Gläubigengemeinden wird sein Lob gesungen. Herr Ford hat nämlich in frfci Heren Jahren seine Söldner gut bezahlt und er ist auch der :ipnter ofsenhändige Wohltäter der internationalen Camorra -gewesen, die von Deutschland aus organisiert aus die halbflügge Jugend in Ungarn, Polen, Rumänien wirkt. Ford ist der unermüdliche Agitator für die „Weiseil vou Zion" güvesen und dank seinem Geld ist diese Pest zu so großer und so gefährlicher Verbreitung gediehen. Fords Geist schwebt über hem Kuklux, der ja vor ztvei Jahren auch in Deutschland sich mit seinem Geheimritual einzuuisten versucht hat. Es mißlang, ioeil es in Deutschland bereits gleichartige Ehrhardt- und Roßbach-Orden mit Blute id uno anderem Klimbim gibt und die Konkurrenz unerwünscht schien. Db Ford auch heute noch als der Fmauzierer dieser Bestrebungen zu gelten hat, ist unbelaant, aber er hat Schaden in genügendem Ausmaß angerichtet. Er versteht es meisterhaft zu kneifen und sich der Beweisführung und Verantworttmg zu entziehen. Er ist auch ip diesem Punkt ein würdiges Vorbild seiner Anhänger und er zeigt an sich die ethische Mindertverligkeit des Hasses. Ford stellt Behauptungen mrf, beschuldigt einen namhaften jüdischen Publizisten der Mitschuld am Krieg. Er greift einen jüdischen Rechtsanwalt an und wirft ihm betrügerischen Gewinn vor. Er klagt bas gesamte amerikanische Judentum des Verrats air der Wirtschaft des Staates <nt. Mber jer erscheint vor keinem Gericht, er geht vor feinen Parlamentsausschuß, er legt kein Material vor. Er kneift aus. .Er ist das Musterbeispiel des Verleumders. Basilio ist ein Waisenkind gegen ihn. Und so wie Ford sind alle, die chm folgert, die auf seine Lehren und auf sein Buch eingeschworen sind. Sie haben für das, was sie sagen, leisten Beweis Und glauben selbst an kein Wort ihrer Erzählungen.!Wer sie lügen und trügen. Vor Gericht sind sie nicht fit bringen.! Diese Fords sind eben infolge ihrer politischen und ethischen Bedenkenlosigkeit eine sehr große Macht. Pie beeinflussen durch ihren Lärm die Oeffentlichkeit und sie sind es, die durch ihre Hetzereien dm Unfrieden und die Unruhe wacherhalten. In der Atmosphäre, die sie erzeugen, reisen die politischen Pogrome, die Nninerus-clansus-Mtacleu und die Attentate. Unter der Wirkung Fordscher Schtagworte wurde Rathemm ermordet und es ist interessant,- daß dev Warschauer Mörder Kowerda einer russischen antisemitischm Gesellschaft angehört. Me reaktionären Parteien und ihre Akte sind Untrennbar mit dem Judenhaß verbunden und ihr Treiben gewinnt mit der Zeit tan Charakter einer nach einheitlichem Plmr geleiteten Epidemie, einer Aktion, die planmäßig iund systematisch auf die Untergrabung des AtzeltftMens hinzielt und sich zunächst des Jntanpunktes als der schwächsten Stelle der gesellschaftlichen Ordnung bedient. Henry Ford, der sein Friedensschiff im Stiche ließ, als iAnderika sich zum Krieg zu entschließen schien und reiche Rüstungsgewinne winkten, ist ein lebendiger Zeuge für diese Vorgänge, vielleicht sogar ein Initiator, und es ist eine wesentliche Ergänzung seines Charakterbildes, daß er sich als ein konsequenter Hetzer vorsichtig dem Gerichtssaal sern- Wt. .Er ist, wie ihn Nathan Strauß nennt, ein elender ^ls.Typus. Wiener Morgenzeitung 10. Juni 1927 Nr. 2975 Sie Fimmziernrig der PalMinK-Ardeit. Ein Gespräch mit Loms Lipsky. Unser Nerv Yorker Korrespondent nahm Gelege ich?'t, mit dein Führer der amerikanischen Zionisten, Louis L i p s i t). unmittelbar nach -einer Rückkehr von der Londoner A-klionSkoiniter- Sitzung zu sprechen und über aktuelle zionistschr Probleme ihn zu befragen. Insbesondere wurde die brennende Frage der Aendernng des Wirtschaftssystems in Palästina angeschnitten. Lipsky äußerte sich im wesentl'chen, wie folgt: Wir sind in Amerika angestrengt bemüht, um der Zionistischen Exekutive entsprechende finanzielle Mittel znko-mmen zu lassen. Die Exekutive hat Palästina gegenüber schwere Verpflichturlgen auf sich genommen, ivelche erfüllt werden müssen. Das letzte Jahr tvar besonders hart. Palästina befand sich in verzweifelter Lage, unalle Notrufe sin.d nach Amerika gerichtet. Wir tun das möglichste, um der Situation gerecht zu werden. Ich kenne die kritische Einstellung zahlreicher Zionisteil zu der gegenwärtigen zionistischen Verwaltung Palästinas, und ich gestehe, daß auch ich den Kritikern vielfach beipflichten mutz. Im vergangenen Jahre hat diese Kritik uns amerikanischen Zionisten arge Schmierigkeiten bereitet. Mag die Kritik auch nicht in allen Punkten zutreffend sein, so ist doch eines sicher: Die zionistische Front in Amerika ist nicht zu halten, wenn nicht eine radikale Aendernng unserer Arbeitsmethoden in Palästina vorgenommen wird. Die Zeit, in der sich alles damit erklären und entschuldigen ließ, wir seien noch im Stadium des Experimentierens, ist endgültig vorüber. Verschwendulig, aber auch überflüssige Doppelarbeit muh vermieden werden-. Es ist aber auch nötig, der Exekutive größere Freiheit in. der Verwendung der Gelder des Keren Hajessod zu geben. Es geht nicht an, daß sie an ein B n d g e t gebunden wird, welches in seinem breitesten Umfange von den direkten Nutznießern, des Keren Hajessod festgesetzt wird. Es mutz auch in größerem Matze als bisher den Anschauungen jener Rechnung getragen werden, welche durch ihre Mittel am Aufbau Palästinas Mitwirken. Von der Bud g etil o m m ission, die jetzt ausgestattet mit den Vollmachten des Zionistischen Aktionskomitees nach Palästina geht, eripartcn wir die Formulierung der Vorschläge für den Kongreß, und wir wollen hoffen, daß das Elaboryt dieser Kommission der vorherrschenden zionistischen Stimmung gerecht, Ivivd, welche Konsolidierung, Sparsamkeit und ein vernünftiges FinanKsystem fordert. Palöstlna vor der Mandatsrommisflsu. G e >!. i, 8. Juni. (I. T. A.) Die am 20. Juni ,6a* ginnende ebste Session d,er S t äir d i g e n M au da t £;> kommt f f i o ii dies Völkerbundes wird, wie nun fest., steht, die Prüfung der'Jahresbericht.' betreffend dm Mandats tervitvrie-n Palästina, Syrien usw. vor-ichim-eiu Au,fordern wird sie das von der Jewi'sh Agency für Palä-, 'stina unlevbreitete Memorandum n^bst einent einfsiten-i den Schreiben Dr. Gh. Wcizmanns, ebenso daü Memorandum dex avabischen Ex-ckutive und eine Anzahl, wc'itev.r Petitionen betreffend Palästina prüfen und erörtern. Ein SuCe Sßtßecmelftet hon ASrrlns. Ieru 1' a l e m, 8. Jl.i.ii. (I. T. A.), Der Ober-- kommissär für Palästina ernannt-.' den Juden Zakk» - Hab d e f zn-m Bürgermeister der Sladt Tibe-rias, die sich soeben einen neuen Stadlrai gewählt Hai. ZaM Hadldes istadgeschen vom Bürgermeister der rein jüd>'schen Stadt Tel dbwim, der e r st e jüdische Bürg >e r m e i st e r einer palästinmvsischen Stadt. Konsul Han« bei der zionistischen tzrekutive- Aus Jerusalem wird uns berichtet: Der neu ernannte öfterreichifche Konsul, Herr Dr. H a a S, zeigt besonderes Interesse für bte jüdische AufbsUtarbeit in Palästina. Vor einigen Tagen stattete er der Zionistischen Exekutive einen Besuch ab und ließ sich über den gegenwärtigen Stand und Fortschritt des Aufbauwerkes eingehend informieren. Er sprach den Wunsch aus, mit der Zionistischen Exekutive auch weiterhin in Fühlung zu bleiben, da serne Regierung für den Fortschritt dieses Werkes großes Interesse hat, Die AnslSndrr-llniverWt in Perugin. Aus Rom wird gemeldet: Die Uinversität für Ausländer in Perugig wird am 3. Juli mit einer BoMung des Präsidellten des Senats T i i i o n i das neue akademische Jahr eröffnen. Ministerpräsident Mussolini, der dieses von ihm gegründete Institut bevorzugt, tpitzd auch heuer einen Portrag über eine hervorragende Persönlichkeit aus dem 16. Jcchchundert halten. Auch andere hervorragende politische und literarische Persönlichkeiten jvechen Borträge halten. per Anlftand in Nordkndien. L o n d o n, 0. Juni. Ueber die Unruhen an dev Novdwestgrenze vmr Jrrdien. in der Nähe des strategisch wichtigen Gebirgspasses von K h a i b e r wird genleidet, daß der Aufstand der Mohmands durch die Priester enffacht worden sei und daß der Stand verschiedene Angriffe auf Nachbarstämme unternommen habe. Die indische Negierung hat zur Unterdrückung des Allfftandes eine g r ötz e r e A n z a h l v o n F l u g z e u g e n itl das Anfftandsgebiet entsandt. mmmw-mmwu i ,, Nouiftischer Prsvinzdelegiertentag in Graz. M 11* unö 12. Sttni* SanrAag. den 11., und SoniNag, twn 12. Juni, findet in G.raz der vom Zionistischen Landeskomilee für Oesterreich eindorustne österreichische P r ov i n z de leg ie r te n - tag statt. Die Eröffnung findet Samstag, den 11. Juni, um 6 Uhr abends im Saale des Hotels Erzherzog Johann statt, di« Beratungen am Sonntag werden im großen Sitzungssaale der .Kultusgemeinde Graz (Grieskai ö8) abgehalten. Für die Tagung ist folgende Tagesordnung festgesetzt: Saurstag, den 11. Jmri, 8 Uhr abends: Eröffnung des Provinzlages und Begrüßungsansprache durch den Präsidenten der Landesorganbation, Herrn Dr. L« Gold Hammer. Wahl des Präsidiums und des Bureaus des Prov'.nztage». Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe Gvaz, Herrn Schwarz. Begrüßungsansprache des Präsidenten der Kultusgemelnds- Graz, Herrn Dr. Robert Sonnenwald. Sonntag, den 18» Juni, V Uhr vormittags: Organisationsreferat, gehalten von Herrn Kamillo Schiller (Ortsgruppe L i n g). Referat: .,Die innere politische Tätigkeit", gehalten von Herrn Karl Schwarz. Referat: ,KuliuSgemeinde", gehalben vom Präsiden-tsn Herrn Dr. Robert E o n n e n w a l -d. Referat: ,Keren Hajessod", gehalten von Herrn Max Sonn (Ortsgruppe Salzburg). Referat: „Keren Kajemeth", gehalten von Herrn Ingenieur Berger (Ortsgruppe Innsbruck). Sonntag, den 12. Juni, *43 Uhr nachmittags: Debatte über sämtliche Referate. Anträge der Resolutions-Kommission und Beschlußfassung. Aus Anlaß dieser Tagung veranstaltet die Zionistische Ortsgruppe Graz am Samstag, den 11. Juni, um 9 Uhr abends int großen Saale des Hotels Erzherzog Johann ein Meeting, bei dem Dr. Destder Friedmann (Wien) über „Die Politik der Exekutive", Oberbaurat Robert Stricker (Wen) über „Strömungen im Zionismus" und Dr. Josef LLwenherz, Vizepräsident der Kultusgemeinde Men, über „Die Ausgaben der Kultusgemeinden" sprechen tvevden. Sbstruktlon im Nersaffmigsausschkb. Dr. Dinghoser soll Justizminister werden, wenn daS Parlament d:e Vorlage über die Urmvandlung des Justizamtes in ein selbständiges Ministerium beschlossen hat. Die Verabschiedung dieses Gesetzes wird jetzt vou den Soziäldemokrateii im Berfassungsausschuß verzögert. Gestern hielt zunächst Abg. A u st e r-l i tz eine Ob struktio nsre d e, die er am Vormittag begann und nachmittags fortsetzte. Sein Klnbgenosse Leuthne-r sprach dann bis zum Schluß der Sitzung. Me nächste Sitzung wird erst wieder am -komnrenden Dienstag stattfinden. Austerlitz und Leuthner ivaren die -beiden ersten Redner in der Generaldebatte. Von den zehn sozialdemokratischen Ausschußm-itgliedern kann sich jedes zweimal zum Worte vorlnerken, woraus zu ersehen ist, daß Dr/ Di n gh o fe r nicht so bald Justizmiuistcr »verden wird, wenn die Ansschußberatung in der gestern begonnenen Art von den Sozialdemokraten weiter sabotiert wird. Die Atmosphäre im Parlament ist überhaupt recht ungemütlich. Es schweben zwar Verhandlungen zwischen Regieruug und Opposition über alle möglichen Streitfragen. Infolange aber -nicht ein Generalpokt zustandegekommen ist, besteht feine Aussicht, daß die Z o I l t a r i f n y v e l l e, das Gesetz über die Verselbständigung des Justizministeriums oder überhaupt eine -Vorlage, auf deren Erledigung die Regierung Werk legt, gemacht wird. Sesterreichisch'UngarWeHanbelrbesrirechungeu Budapest, 9. Juni. Die österreichische Bundesregierung hat mit Rücksicht auf den im Vorjahre abgeschlossenen ungarischösterreichischen HandelSvertmg die ungarische Regierung zu einem Gedankenaustausch über die durch die im dritten österreichischen Entwurf einer österreichischen Zolltarif-novelle geplanten Zollerhöhungen entstehende Lage eingeladen. Die ungarische Regierung hat die Einladung der österreichischen Negierung angenommen. Die erste Besprechung der Pelegierten beider Negierungen wird am 19. Juni in Wien stattfinden. D.e ungarische Abordnung steht unter der Whrung des Legationsrates Alfred Nickl. Wlederlmlnahme der mit I« Tlchechollowakel. Prag, 9. Juni. Die hand-ellÄpoKtjschen Btzphandlungen mit Oesterreich werden Dienstag, den 14. Juni, w-ivder -ausgenommen werden. Die l/schöchoffowabWe Del-sgatiptn begibt sich iberoits am Montaig miter Führunig des Sekiicmsratos des A.ubsnminisieviinms Dr. F r i c dm a n n nach Men. DORN Taboratraße Echte Schlangen* ßldechser u.Krokodillederschuhe 848-49« QUino atu oohUm /nnafa, Qtoct$,<!tMr*<m htrgfklto« SrNkjahmmfati» kg«n Smetii» ab vom <3d*9nhoib*itw and idUn Qtshmask, Herr©»-* Schuhe ln fabelhafter Ausführung und Auewahl D/.:$+02B

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