Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2974 (9.6.1927)
- Date
- 1927-06-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Men, Donnerstag Wiener Morge«zettmrg g. Zunr mi Nr. 2974 %ryf< Präsident Coolidge plant die frühere Einberufung -des Kongressesdamit die Hilfe für die Flutopfer noch vor der Campagne für die nächste Prasidentschaftswahl erledigt wK?den könne. Sie krplofionskatastrophe bei Krakau. LuS Krakau wird uns berichtet: Bon den Kindern, die ans dem Spital für Augenkranke geflüchtet sind, werden bis zur Stande noch 26 Kinder vermißt. Bizepremier Bartel, den am Orte der Katastrophe weilt, empfing eine Delegation der Krakauer Behörden, di« ihm das Ersuchen vorlegte, die MunitionSmagazine in eine größere Entfernung von Krakan wegzrrverlegen. Bizepremier Bartel erklärte, daß diesem Ansuchen erst in einem späteren Zeitpunkt« stattgegeben werden lönn«. Im Zusammenhänge mit den bisherigen Erhebungen über dis Ursache der Explosion wird darauf hingewiesen, daß Sonntag mn 5 Uhr früh, also noch ■ vor der Explosion, in der Nähe jta; MmritioaSmagazine zwei verdächtige lungs Leute sich hernmtrieben, die verhaftet wurden. Sie erklärten, aus ihrem Elternhause aus Posen gepflüchtet zu sein. Bei einem der Bechaftrten wurde ein Haarfärbemittel vorgefunden. Gr ecklärte, er habe das Färbemittel dazu verwendet, um einer eventuellen BerfolMng der Eltern, zu entgehen. Es verlautet ferner, daß unmittelbar nach der Explosion in der Nähe des Katastrophenortes zwei Männer verhaftet wurden, die in einem Automobil.sichren. Ob diese Verhaftungen mit der Explosion rm Zusammenhang stchen, wird erst die nähere Untersuchung ergeben. Ae Polttikim Badekostüm. Lvmb-erg, 8. Juni. In der Nähe von Lemberg ist die PoLyet auf eine Gruppe von Männern gestoßen, die infolge der großen Hitze indem nahen Fluß in Badeanzügen lhadeten. Es stellte suh heraus, daß die badende Gesellschaft Mitglieder des Zeutralkomitses der ukra i ni schen ko m m un istij che n Partei P^ens waren und daß sie gerade in ihren BadeiostLmen eine wichtige Versammlung abhielten, in welcher die Instruktionen für die bevorstehenden GemeindevatswachL^n in Ostgalizien ausgegeben wurden. Ein Mitglied der Badegesellschaft war der Kurier der kommunistischen Zentrale ans Danzig, der Geldbeträge zum Zwecke der Wahlagitation verteilte. Die.Polizei hat die Badegesellschaft verhaftet. * KustellMlg einer raffenschühlerischen zettnns Budapest, 8. Juni. Das Rassenschutzorgan „Magyar uj sag" ist heute nicht erschienen. Wie verlautet, soll «das Blatt wegen finanzieller Schwierigkeiten sein Erscheinen eingestellt haben. Wie abends bekannt wird, hat sich die Druckerei, in der das Blatt hergestellt wird, geweigert, Julius Gömbös un^ seinen Freunden weiter aus Kredit den Druck zu besorgen. Magyar Ujsag" ist das dritte Watt der Rassenschützler, das infolge der völligen Interesselosigkeit des Publikums eingcht. Dasselbe Schicksal ist früher dem ,I Nep" und dem „Sz ozat" widerfahren. SlneLoppelhinrichtnns in Belgrad. Das letzte Wiederfthm mit der Mutter. AuS Belgrad, 6. Juni, wird uns geschrieben: Heute um 4.20 Uhr früh wurden hier die beiden Räuber Fehim Baljkod ie und Sota Antonic füsiliert. Beide wucken um 3 lchr morgens geweckt und gefesselt in einem Lastauto nach der sieben Kilometer außerhalb Belgrads liegenden Richtstätte gebracht. Vorher wurde Antonie noch dasletzteWiedersehenmit seiner Mutter gestattet, die gestern zufälligerweise nach Belgrad gekommen war und hier erfahren hatte, daß ihr Sohn am nächsten Tag hingerichtet wird. Hinter dem Lastauto, das unter starker Gendarmeriebedeckung stand, sichren gegen 14 Automobile mit der Kommission und den Journalisten. Am Hinrichtungsort waren Avei Gruben bereits ausgegraben. Baljkovic war die ganze Zeit vollkommen bei Bewußtsein. Antonic wurde ohnmächtig, als man ihm die Fesseln abnahm .xnd ihn an dem Pfahl band. BaUovic sprach noch nach der ersten Salve, so daß er erst durch eine zweite Salve getötet werden konnte. Letzte Rachrichten. Ae gndemwt im Ssten. Eine Pariser Massenversammlung der Liga für Wenschdnrechte. Parias, 3. Juni. (Eigenbericht.) Die Liga für Menschenrechte hatte für heute eine Versammlung einberufen, in welcher die Lage der Juden in Ost- und Mitteleuropa besprochen wurde. Das Hauptreferat erstattete Bernvrd L e e a ch i, der Verfasser des Buches „OuanJb Israel meurt." Leeache, der. monatelang« Studienreisen durch das ukrainische Pogrom gebiet unternommen, hat, erschütterte durch seine Schilderung der Judennot im europäischen Osten. Das Publikum, welches den Saal dicht füllte, hörte die Rade in tiefer Bewegung an. Mehrfach wurde Leeache durch Schluchzen unterbrochen. Monarchistische Reftanratian in Sriechrnlaud? Paris, 8. Juni. Aus Athen wird gemeldet: Durch ein soeben erschienenes Dekret werden 118 höhere Offiziere, die der monarchistischen Partei angehören und seinerzeit pensioniert worden waren, wieder in das Heer ausgenommen. Gleichzeitig werden 212 höhere Offiziere, darunter 8 Generale, und 420 Offiziere niedrigerer Grade zur Disposition gestellt. In republikanischen Kreisen herrscht wegen des Einflusses V e n i z e l o s' auf die gegenwärtige Regierung große Unzufriedenheit, denn man ist der Ansicht, daß VenizeloS auf eine monarchistische Restauration hinarbeite. Ae Amwandernng an» Sesterreich. Das Wanderungsamt teilt uns mit: Im April l. I. sind 617 Personen nach überseeischen Staaten und in das asiatische Rußland ausgewandert; hievon entfielen aus das Burgenland 198, Wien 106, Steiermark» 97, Rtederösterreich 65, Oberösterreich 64, Kärnten 54, Salzburg 16, Vorarlberg 13 und Tirol 4. Bon den Auswanderern begaben sich 306 nach Kanada, 80 nach Argentinien, 73 nach Brasilien, 55 in die Türkei, 64 in die Vereinigten Staaten, 19 nach Paraguay; der Rest verteilt sich auf andere Staaten. Mehr als die Hälfte der Auswanderer (339) gehörte der Lant^- und Forstwirtschaft an; das Baugewerbe war mit 50, die metallverarbeitenden Industrien und das Haushaltungspersonal mit je 20, die Industrie in Maschinen und Apparaten mit 19, die Holz- und Schnitzwaren- sowie die Bekleidungs- und Putzwarenindustrie mit je 14 Personen vertreten. In der Gesamtsumme der Auswanderer sind auch 66 Angehörige enthalten. Die Auswanderer setzen sich aus 514 Personen männlichen, 103 weiblichen Geschlechtes, 444 ledigen, 173 Verheirateten zusammen; unter den Auswanderern befanden sich 31 Familien mit 84 Köpfen. Ile Internationale Meitsloflglelt Rach Mitteilungen, die das Wanderungsamt veröffentlicht, betrug die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich am 21. Mai d. I. 48.601 (in der Vorwoche 54.252) Personen, in England am 9. Mai 998.309 (in der Vorwoche 974.872) Personen, in Italien am 31. März 294.000 Personen (wobei jedoch eine ganze Reihe von Industrien nicht berechnet ist, so daß auf etwa eine halbe Million geschätzt werden kann), in Schweden am 14. Mai 63.000 Personen (Vergleichsziffer liegt nicht vor), in der Schweiz Ende April 11.220 (Ende März 13.568) Personen; in Sowjetrußland wurden in Moskau am 1. April 209.487 Arbeitslose (gegenüber 135.918 im April des Vorjahres) gezählt. Für Palästina gibt das Amt die von der „Wiener Morgenzeitung" bereits publizierten Ziffern an, die einen kleinen Rückgang der Arbeitslosigkeit zeigen, und zwar 6700 im Aprü tz^gen 7000 im März; davon in Tel Awiw 3500, in Haifa 2000 und in Jerusalem 1200 Personen. zwei Todesopfer der Berge. Wettere zwei Touristen vermißt. Die Wiener Polizeidlrettion wurde gestern von der Gemeinde Heiligenblut telegraphisch benachrichtigt, daß «:it junger Mann namens Adolf Brach mann und ein Fräulein Therese St epp an, beide Bäckerstraße 3 wohnhaft, am Risfeltor im Glocknergsbiete durch Bergführer als Leichen geborgen wurden. Der Tod dürfte durch Erfrieren eingetreten sein. Gestern erstatteten die Private Marie Statzberger und der Bäckergehilfe Julius Bauer bei der Pottzeidirektion die Anzeige, daß der Sohn der Frau Statzberger. der 23jährige Schlossergehilfe Hugo Fickert, und der Sohn der Bauer, der Lbjährige Tischlergehilse Atatthias Bauer, von einer Bergtour im Gesäuse, von der sie Montag abends in Wien hätten eintreffen sollen, bisher nicht zurückgekehrt sind. Me Alpine Rettungsstation wurde verständigt. E Schwachbegabte Kinder, Spezial-Institut Eminger, Wien, XVIII., Schulgasse 45, (2—8) Sommer m Kamptal. 39-0-64. l 3500 Mietet tügllch legen im regelmäßigen Dienst die Flugzeuge der Polnischen Luftverkehrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bezirk, Tegetthoffstraße 7, Telephon 71-0-84, zurück. Passagiere, Ware« trab Briefe werden schnell und sicher befördert. Wie«. 9. Juni. Das' Wetter. Gestern gab es einen starken intensiven Regen, begleitet von einem Gewitter, der die Temperatur nah weiter hinabd rückte. In Mitteleuropa sind zwei Luftströmungen znsammengestotzen, von Westeuropa in kühlere Lust vorgedrungen, nxtzrend zu gleicher Zeit Südwinde heraufstreichen. Die Wetterlage ist daher ganz unsicher und es steht nach der Vorhersage eher noch eine neuerliche Verschlechterung bevor. Beim Baden ertrunken. Gestern mittags verschwand in KaisermMen unterhalb der Stadlanervrücke der 21jährige Handelsangestellte Rudolf Pollaeek, Märzstraße 23 wohnhaft, beim Baden in einem Seitenarm der Donau. Nach halbstündigem Suchen gelang es, den leblosen Körper zu bergen. Fund eines menschlichen Meketts im Augarten. Gestern nachmittags fanden Arbeiter, die im Augatten bei dem sogenannten „Langen Gang" nächst der Augartenmauer zur Brigittenauer Sette zu, ErdauShebunasarbeiten für das Kindewad der Gemeinde Wien durchfuhren, ein menschliches Skelett. Nach dem Gutachten deSAmir^ arzsteS handelt es sich um das Skelett einer jugendlichen wewlichen Person. Das Skelett, bei dem keinerlei Kteiderreste gefunden nmrden, dürste schon Jahrzehnte unter der Erde liegen. Me Leiche dürste, falls es sich um einen Unfall handelt, in der Zeit der großen Ueberschwemmung int Jahre 1866 und durch den damit verbundenen ElSWß an diese Stelle getragen worden sein. Die StaatSawoa.lv schast wurde von dem Funde verständigt DaS Testament des Selbstmöpders. Am 7. d. M. abends sprang ein etwa 6vjähriger unbekannter, mittelgroßer Mann mit weißem Haar von der Nordbahnbrücke in den Donaustrour und ging unter. Man vermutet, daß der Selbstmörder der Eisenhvbler Johann Sa mm er, Engerthstratze 65, ist, der in einem zurückgelassenen Mschiedsvrief Selbstmord angekündigt und seine HÄseligkeiten der Rettungsgesellschaft vermacht hat. Alter und Einsamkeit bezeichnet er in dem Schreiben alN die Ursache der Tat. Selbstmord im Rathaus. Gestern nachmittags wurde in einem Klosett des Rathauses ein Mann erhängt aufgesunden. Er wurde als der 25jährige stellenlose Eduard Winkelmann erkannt,. der. offenbar wegen Arbeitslosigkeit die Tat verübt hat. 27.000 Arbeitslose ohne Unterstützung. Ende Mai 1927 wurden in Oesterreich insgesamt 168.333 unterstützte Arbeitslose gezählt. Zu der eingangs angegebenen Zahl von 168.332 unterstützten ArveiSlosen kommen noch jene Arbeitslose, die bei den ArveitSnachweisstellen zur Arbeitsvermittlung vorgemerkt sind, ohne eine Unterstützung zu beziehen (etwa 27.000). Eine Demonstration im Parlament. Zwei Kellner warfen gestern von der zweiten Galerie des Nationalrates Flugzettel in den Sitzungssaal und begletteten diesen demonstrativen Akt durch eine schreiend Vorgevrachte Ansprache an dar Parlament, in welcher sie gegen die Umgehung der bedingten Verurteilung eines gewissen Bach Protest erhoben. Aus dem Flugzettel erfuhr man, daß der Kellner Bach mit einer dreimonatigen bedingten Arreststrafe belegt worden ist. Letzthin verdonnerte ihn die Polizei zu 24 Stunden Arrest und jetzt soll er auch die drei- Monate nachsihen. Mit der Entfernung der beiden! Kellner von der Galerie war der Zwischenfall beendet. Gestern mittags brach aus bisher unaufgeklärter Uv in dem Kranke untergebracht sind, überzugreifen droht Nach langwierigen Löschungsarbeiten gelang eS, den Brar einzudämmen, dem bereits das ganze Objett und die dqrj bracht sind, überzugreistn droht :r ge- Mard» befindlichen sechs Waggons Futtermittel zum O. fallen waren. Der Schaden wird auf etwa eine! Kronen geschätzt. Die Gattin des Bürgermeisters von Tulln unter dem Bei dacht «der Brandstiftung verhaftet. , ^Ungeheures Aufsehen erregte in Tulln.die Montag e folgte Vechastung der Gatttn des Bürgermeisters Jof Weisel, der 44jahrigen Frau.Paula Weisel, unter de ^erdacht, zahlreiche Brandstiftungen angeregt zu haben. D Verhaftung erfolgte über Auftrag des KreiSgerichtes San Ulten, wo sich der Bruder der Frau Weisel, der Geschir Händler Rudolf Rist, und der uneheliche Sohn der Fra OSkar Rist, seit längerer Zeit wegen bietet Brands« Aigen in Hast vestnden. In den Jahren 1924 und IR häuften sich in Tulln die Brände und Frau Paula Weise die ein Holz- und Baumaterialiengeschäst vetteibt, wußte « durchzufetzen, daß ihr Unternehmen zu den Aufbauarbeit« Wfe Ar Verdacht der unmittelbaren Branl MunS richtete sich schon seit langem gegen Rudolf Ms Er wurde auch verhaftet und belastete m den NevWre ftinen Neffen und seine Schwester derart, daß zu vere Verhaftung geschritten wurde. OSkar Rist gab an, da Schwester die eteentliche Nutznießerin der Brände ge wesen sei, weil rhr Holzgeschäft daraus großen Nutzen m zogen habe. Bürgermeister Weisel steht dm angebliche Ä^Ä^oll?ts„iEkner Frau vollkommen fern. Er vekleim lAlreiche SteNen. die er jedoch jetzt mit Rücksicht au die. Verhaftung seiner Gattin niederlegen dürste. Jos Weisel, von Beruf Zimmernvann, ist an zahlreichen I» Akkrreunt^chnmngen beteiligt. SparkasfeMpektor m Der miMonste Badegast km AmalieEd. « Austern um haw 4 Uhr nachmittags erschien der mil llonste Badegast an der Kaffe des vor elf Monaten eräff neten Amalienvades. Es war dies Fräulein Bert ~ " " des städttfche . a r o u s ch Mi Bezagspreise der „Wiener Morgenzeitung“ Wien uuä 0©8terr«lch. . . , . Tach«cho8lowaW8ch« Republik. Jugoslawien. len *••••« Monatlich 5- 22-- 60*— 6- 4*~ 35'- 30' .8 Ki Dinar v,* >•••••»••* . . Zloty DetttsdUaocI Qoldnarn ^kretch, Belgien ..Prc». gllf“ .. .Ure 30'- Rwnanien .... i7o-^- . Uwa 100- Schwei« und" da« übrige ’Ansiand’ . '. Praä« 5*^ Oesterr. R&tsoarkawenkc&to ISOAaJ