Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2974 (9.6.1927)
- Date
- 1927-06-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2974 Men, Donner-tag «. Jmtt «87 Sehe 8 ISOOO Was grhSrk in jeden Familirnschrrin? Gin ME-nlo» der Glückstelle Steinl demn glfldrildie Kunden jetzt wieder sowohl dl« große Primle S 500.000 sowie den grüßten Haupt* treffer S 250.000 der Klassenlotterie gewonnen hebert Bestellen Sie noch heute per Postkarte zur 2lehung I. Klasse: 21. u. 23. Juni M „QLOCKSTELLE STEIN" Wien I. Wlppllngeretr. 21 an der „Hohen Brfldtt* l/t Loe S 32 - 1/4 Loe S 8.- 1/8 Loe S 4.- Zehlung der Lose sodann nach Erhalt mit Erlagschein Auch Sie sollen gewinnen I Schilling 800.008, 280.000, 100 000 Schilling 98.000, 00.000, 80.000 oder einen der vielen anderen Treffer. nQehv nicht am QiUck vorbei I“ Tagesbericht. Shamberlin in Berlin. Srotze Felerlichkelte». Berlin, 8. Juni. Das Gebäude btt amerrkanlschen Botschaft, auf dem anläßlich der Anwesenheit der beiden Ozeanflieger das Sternenbanner aufgezogen ist, war den ganzen Tat Wer trotz Regens und ziemlicher Kälte von dichten Scharen Neugieriger umlagert. Die Flieger erschienen mehrere Male am Balkon und wurden von der Menge mit tosendem Beifall überschüttet. Die offiziellen Feiieelichkekten für die Leiden Flieger haben heute begonnen. Reichspräsident von H i n d e n b u r g empfing mittags Chamberlin und Lev ine, die vom amerikanischen Botschafter begleitet waren. Der Präsident ließ sich von den Fliegern nähere Einzelheiten über den Flug erzählen, beglückwünschte beide herzlichst und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die kühne Tat ein günstiges Vorzeichen für die Annäherung der beiden Völker sein werde. Als Andenken überreichte er jedem von ihnen sein Bild mit Unterschrift in einem Silberrahmen. Nachmittags waren die beiden Flieger beim Reichskanzler Dr. Marx, zu welchem Empfang auch die meisten Mitglieder des Reichskabinetts erschienen waren. Abends gab der Botschafter ein Festbankett, zu dom die Spitzen der Behörden und des öffentlichen Lebens geladen waren. Bei den Ausfahrten wurden die Flieger von der Bevölkerung stürmisch begrüßt und bejubelt. Der Berliner Magistrat be- - schäftrgt sich mit der Fmge, die beiden Flieger zu Ehrenbürgern der Stadt Berlin zu ernennen und einer Straße ihren Namen zu geben. Dhamberlin teilte nachmittags mit, daß ihm eine offizielle Einladung der österreichischen Regrorung zugegangen sei, nach Wien zu kommen. - Er könne zwar noch nicht bestimmt sagen, ob es ihm möglich sein wird, die Einladung anzunehmen, doch halte er es für sehr wahrscheinlich, daß er Wien mits einem Flugzeug einen Besuch abstatten werde. Vorläufig ist es die Absicht der Flieger, bis Samstag in Berlin zu bleiben. Dann wollen sie einen kleinen Rundflug unternehmen und, sobald ihre Frauen in Berlin eingetroffen sind,- in die Hauptstadt wieder zurückkehren. Ein Nachspiel zu Der „inoffiziellen Post". Nach einem Now Aorker Telegramm beabsichtigt die Negierung, eine Untersuchung über das Vorgehen des Postdirektors von H e m p st e ad bei New Uork einzuleiten, der aus den 260 nach Deutschland bestimmten Briefen, die Chamberlin auf seinem Transozeanflug mitnahm, die! Marken a b g e st e m p e l t hat. Dieses sonderbare Verhalten der Regierung wird damit begründet, daß das Flugzeug nicht das Recht hatte, Post über den Ozean zu transportieren. Nach Aussage von Sammlern besitzen die auf diese Weise gestempelten Marken heute schon einen Wett v on 60 Dollars. Beinhardts „Mirakel" im Zirkus Renz. Wie die neue Fassung von Reinhardts „Mirakel" über den großen Teich nach Wien kam? Das Programmheft .gibt darüber Auskunft. Mehr als tausendmal war „Mirakel" (Kosten der Ausstaltnng 400.000 Dollar) in Amerika in Szene gegangen. Da mußte man, tvotzdem erst vier Millionen Menschen „Miralel" gesehen hatten, die Serie der amerikanischen. Vorstellungen plötzlich abbrechen. Nämlich: Professor Reinhardt hatte den Wunsch geäußert, das Werk in der neuen Form in Europa und vor allem in Wien zu zeigen. So, meine Verehrten, kam das alt-neue „Mixakel" nach Wien... Die dankbare Zirkusgasse hilft bei der Inszenierung des Vorspiels aus. der Straße eifrig mit. Die Fußsteige dicht besät mit Neugierde und Hochachtung für die MassenaDahrt der Niobelautomobile. Smoking und Abendtoilette stehen geduldig im Zirknsvorraum, Kunstbegeisterung beziehungsweise Sensationsfieber. bewirken, daß die Herrschaften geduldig auf den nach halbstündiger Verspätung gestatteten Einlaß in die Kirche ivarten. An den äußeren Zirkusgängen haftet noch kräftiger Stallgeruch, aber drinnen im mystisch. dunklen Riesenraum steigen Weihrauchfchiväden, du spürst sofort, wo du bist. Dann stellen sich auch die Pupillen auf das Weihedunkel ein. Nagende Kirchensäule," Kirchenfahnen, Hei-, ligenstatperi, zartester Kerzenschimmer, halbgeschlossene Loggien für die noblen Beter, Wendeltreppe zum Erker deS Predigers und buntfarbige Kirchenfenster, vom letzten Meudsch'mrner überhaucht. In der Manege ein verzwicktes System von Podien und Freitreppe». Der Referentnicht Unbefangen, da er sich in einer Kirche befindet, doppelt befangen, die Kirche in einem Zirkus zu wissen, dreifach befangen, weil in dieser Zirkus- Kirche ein katholischer' Gottesdienst zelebriert werden soll, kann gleiche Benommenheit bei dem einströmenden festlich herausgeputzteu jüdlschen Publikum rächt erkennen. Sie 'nehmen mit „Ah" und „Oh" in den Kirchenstühlen Platz und sind sofort zu Haust. Mai: hat Muße, jedes Kirchendetail auf Stilechtheit fachmännisch zu prüfen, nicht ohne ein eiltinonnfstdeotttwa dm nnteifMBootiBöteii UM. "Öremen, 8. 'Juni. Kapitän Paul König, der im Weltkriege mit dem Handels Unterseeboot „Deutschland" die Reise nach Newyork zurücklegte, richtete über die amerikanische Botschaft an Ehamberttn folgendes Telegramm: „Zu dem gelungenen Flug Amerika—Deutschland aufrichtigste Glückwünsche l Ich freue mich herzlich, daß unser deutsches Volk dem. kühnen Flieger denselben begeisterten Empfang berettet hat, den mir di« Ration der Vereinigten Staaten bot, als ich den Weg durch den Ozean unter Wasser durchquert hatte." Vorbereitungen z« einem dritten Lransorean» flug. Der bekannte Novdpolflieger Byrd bereitet einen dritten Atlantikflug vor. Er hat gestern mit seinem 'dreimotorigen Eindecker einen Versuchsflug unternommen, wobei der Apparat ein Gewicht von 6300 Kilogramm hatte. Byrd will seinen Flug mit zwei Passagieren, dem Leutnant N e v i l l e, der ihn auch auf feinem Polarflug begleitet hatte, und dem Mechaniker Aeosta unternehmen. Er will jedoch erst starten, wenn Lindbergh in die Vereinigten Staaten zurückgekchrt sein wird. Regelmäßige Passagierfliige über den SM«. . /Mailand, 8. Juni. Ingenieur B pl la n ca, der Erbauer der „Columbia", hat zahlreiche Anträge für neue Flugzeugbauten erhalten. Er hat dem Now Dorker Korrespondenten des ,Cörriere della Sera" unter anderem erklärt: Ich plane den Bau eines der Columbia ähnlichen Eindeckers, um damit spätestens anfangs' September den Flug New Dork—Rom zu versuchen. Gleichzeitig vervollkommne ich die Pläne für einen riesigen, mehrmotorigen Doppeldecker, mit dem ein regelmäßiger Patsagierflug zwischen New D o r k und Paris eingerichtet werden soll. Dieses Ueberfeeflugzeug wird mindestens 40 Passasich mit Erfrischungen cinzudecken, die eifrig im Kirchenschiff angeboten werden. Dann haben sie genug vom Warten, Gaffen und wollen mit Händeklatschen, aber auch mit Füßetrampeln den Beginn der Vorstellung haben. Und schon läuten ferne Glocken, Qrgelspiel keimt, die Messe beginnt. » Ist dieser materialisierte Film nicht überholt? Wirken fromnztvandelnde oder ekstatisch erregte Massen, Aufzüge, Tänze, wirken Maienzauber und Gottes Wundertat an seiner Kreatur auf der Leinwand mcht eindringlicher, glaubhafter? Man weiß, das Madonnenbild dort an der Säule ist nicht aus Stein. Eine Frau aus Fleisch und Blut steht eine Stunde lang Pagodenhaft starr. Man ist abgelenkt, bestaunt die Selbstzucht der Aktrice, bedauert sie und atmet auf, ivenn sie endlich Leben kriegt. — Scheinwerfer fassen mit riesigen Fangarmen die junge Nonne und schleifen sie durch den Kirchenraum. Keine Sekunde darf die Kongruenz zwischen dem jagenden Lichtkegel und dem laufenden Mädchen aussetzen. .Der Katarakt der Stattsten, welche die Stufen, hinauf- und hinabeilen, wird, durch die Angst vor Arm- und Beinbruch gehemmt. Im Gefühl des Zuschauers weit mehr, als bei den Ausführenden. Aber an den Treppenabsätze-» ist auch der Schwarm der Nonnen, Bruderschaften, Chorknaben, Mönche und Bettler sehr vorsichtig. Szenenwechsel muß durch massiertes, Litaneien singendes Volk kaschiert werden. Die herrlich Kirchensäule j geht plötzlich in die Höhe, wie der Kristallüster im Josefstädtertheater. Die Phantasie, entdeckend, daß der Riesenpfeiler aus gottsch dragierten Tüchern besteht, fühlt sich verletzt. Alle diese Vtotbehelfe, trotz der technischen Vollkommenheit Reinhardtscher Regie unvermeidlich, hat der Film nicht nötig, Noch ein Beispiel: Herr Wüllner, der Sprecher, muß stumme Pantomime machen und wäre, so, bildet man sich's ein, gvttsfroh, endlich einen Vers orgeln zu dürfen. Solch peinigendes Mitgefühl befällt uns nicht, ivenn wir Wüllner bloß auf der Leinwand begegnen. * giere mitführen können, von denen jeder über einen «bequemen Sitz verfügen wird. Außerdem wird das Flugzeug mit einem Restaurant und allem modernen Komfort ausgestattet sein. Einige Reservemotoren werden die Gefahr einer Notlandung -beseitigen. Im übrigen ist das Flugzeug mit Vorrichtungen zum Schwimmen versehen, damit durch «in Niedergehen auf das Wasser niemand beunruhigt werde. Unterwegs find Zwischenlandungen in Neufundland und auf den Azoren vorgesehen. Der Flug würde einschließlich des Aufenthalts für Verproviantierung nicht mehr als 36 Stunden -dauern, weil der Apparat eine Ge-: fchwindigkeit von 200 Kilometern erreichen kann. Di« Ueberfahtt würde allerdings für die ersten Flüge etwa. 30.000 Dollar kosten. Se Pinedor Weiterflug. R o m, 8. Juni. Nach BlättermelidunNen von den Azoren haben die Reparaturarbeiten an der „Santa Mari a" weniger Zeit in Anspruch genommen, als man angenommen hat. Das Flugzeug wird bereits heute instand gesetzt sein und de Pin ed o wird morgen bei günstigen Witterungsverhältnissen den Flug wieder auf n ehmen können. Flucht der Bevölkerung aus Miffouri «ud Äiuois. Angst vor neuen Sochwajserststts. New Orleans, 8. Juni. In einigen Bezirken der Staaten M i s s o u r i und I l l i n o i s hat eine F l u cht der Bevölkerung vor neuen Hochwasserfluten begonnen, die sich in die Niederungen ergießen. Aus Jllionis (Missouri) und Arkansas wer. den neue Flutverheerungen gemeldet. Der M i s s i s s i p p i ist wieder im Steigen begriffen, wodurch die Neu- Pflanzungen auf dem rechten Ufer erheblich verzögert werden. Das Schau-Stück mit Musik und Lichtzauber, Glocke»-« geläute und Weihrauchwirbel kann als Werk der Kunst und Technik vor dem Film nicht mehr bestehe». »Als Spezialität wie etwa der Gummiradler mit edlen Rossen neben dem Auto letzter Schaffung, bleibt natürlich das Reinhaidt-Mirakel sehens- und hörenswert, ist großartiger, bunter, reicher geworden, seitdem es 1911 in der Rotunde vor sich ging und überdies durch die Mitwirkung zweier wundervoller Engländerinnen ausgezeichnet. Diana Manners, eine engelhafte» verehrungswürdige Madonna, schwebt gewichtlos über dem Podium. Höchstes *So& für ihre Gestaltung der Gottesmutter: di, Füße berühren den Boden der Zirkus-Kirche nicht. Di« Madonna bleibt außerhalb, oberhalb der Sensationspantomime, schreitet/ von der eigenen Glorie umflossen und ge schützt, unberührt durch das Spectaculum. Die Nonne, welche dank der hilfreichen Madonna sich weltlicher Lust ergeben darf, ist die lilienschlanke Rvsamond Pinch o t, mit ungewöhnlicher Schönheit und köstlicher Naivität begnadet. Beide Frauen sind gleich bewundernswert atz Werk der Natur und Werk Reinhardts. Der großartig/ Tanzpantomimiker Ernst Matray als Spielmann über^ ragt das Gewirr der Leiber, Töne, Lichter durch sein virtuoses Solo. Unvergeßlich die Szene der Gesundung des. lahmen Bettlers, den So koloff mimt, rassig die Tän-t der Katta Sterna, eine Augenweide die Gastmahlszene. Fabelhafte Prozessionen. Wunderschöner Kirchengesang.Ma, gisches Intermezzo auf einem Glasparkett mitBeleuchtung von unten. Scharfes Widerspiel von ekstattscher Frommhett und bacchantischer Lust, von Gier , und AS. kese, BMrfnislosigkest und Böllerei. Hart stoßen sich betonte Schlichest und betontes Raffinement im Zirkus- Kirchen-Raum Reinhardts. | Und als auf diesen gewaltigen, prachtvollen. Ml echt zubereiteten Augen- und Ohrenschmaus ein Endchen des Kinderliedes „Alles neu macht der Mai" niedersich 4 wie ein wirklicher Tautropfen auf eine Papierrose, sagt! ich mir: Es ist doch ein Riesenkitsch, dieses Reinhardt-! Mirakel. Ich konnte nicht anders, Gott helfe mir. Amen, Otto Abele-.