Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2973 (8.6.1927)
- Date
- 1927-06-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982061--30281-3018489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
kr. *ri-. . .»’*■??' ■.< - r! rr^'M ■' -r ”v-g|,:,F 7 t-- •.vvT, 7vrr Nr. SS7S abUm fin^miTi MWO^MME — - * *- ünnif mm IMilwBUJ WiRW iR9VpW|ll9IRm v**" x«wY GettGH bereits v4n Washington «ach DeutsKkand abgereist, wo sie am 17. dS. eintreffe« werde«. ' . Sie lenen Stieget ClAH'nce Chamberlin ist W Jahre alt, machh den Weltkrieg als Flieger in der amerikanischen Armee mit, kehrte ISIS nach de« Bereinigten Staaten zurück, kaufte sich dann bald ein Flugzeug und führte mit ihm auf Jahrmärkten tollkühne Kunststücke vor, bis er von Levinc entdeckt und finanziert wurde. Levine ist um drei Jahre jünger als Ehamberlin, war mit 11 Jahren Pferdejunge, mit 83 Jahren Alteisenhändler, erivarb dann eine Fabrik und ist heute mehrfacher Millionär, der seit zwei Jahren ein großes Jntereffe am Flugsport gezeigt hat. Lev ine erklärte einem Mitarbeiter der „Neuen Berliner Zeitung": „Ich bin durchaus nicht aus Laune oder einer spontanen Eingebung folgend, mitgeflogen. Mein Flug war zwischen Chamberlin und mir längst beschlosien. Während Chamberlin das Flugzeug und die Technik des Fluges erprobte, habe ich den Flug auf die Möglichkeiten eines künftigen regelmäßigen Paffagier. Verkehrs untersucht. Sie dürfen in meiner Kleidung, ohne Flug« dreß, ein Symbol erblicken. So wie ich mitgeflogen bin, im Gtraßemm-ng, wird man künftig über den Ozean fliegen. Diesem künftigen Passagierdienst widme ich mein Studium und ich hoffe, wir werden eines Tages eine regelmäßige Luftlinie Europa—Amerika einrichten, vielleicht früher als man denkt." Sie „mtnftfir. New A o r <k, 7. Juni. Nach Zeitungswerbungen )var das Flugzeug „Columbi a", daS die derzeitigen Besitzer für 25.000 Dollar erworben haben, früher mit 12.000 Dollar zum Verkauf ausgeboten worden. Da sich jedoch kein Käufer fand, wurde es als Postflugzeug in Dienst gestellt. Während des inneramerikanischen Wettbewerbes in Philadelphia gewann das Fahrzeug drei erste Preise und einen zweiten Preis, worauf plötzlich verschiedene Kauflustige auftraten. Der Erbauer des Flugzeuges „Columbia", Ballanca, erklärte, man nähere sich jetzt bereits der kaufmännisch«.» Einrichtung einer Passagier- und Frachtenbeförderung iiber den Atlantischen Ozean. Das wesentliche sei, daß man dreimotorige Flugzeuge zur Verftigung habe, die imstande seien, aus dem Wasier zu landen und die. weniger als 50 Prozent ihrer Maschinenkraft bei voller Ladung brauchen. Hiefür werde Borsorge getroffen werden und er sei km Begriff, eine neue Gesellschaft zu diesem Zweck zu organisieren. Das Flugzeug würde in drei Etappen über Neufundland und die Azoren nach Europa fliegen. Weitere künstliche Landungsplätze seien in Aussicht genommen. M Mtiwuns« LlMerghs. New Park, 7.. Juni. Charles Lindbergh hat vom Bord des Kreuzers. „Memphis", funkentelegraphische Glückwünsche an Chamberlin gerichtet. Ans dem Tagebuch ein jüdische« Knaben. »o« Sdmsnd Sieg. Im Verlag R. Piper & Co., München,. *ft soeben Edmom> Flegs Buch „Der kleine Prophet" erschienen, von Mimi Zuckerkand! aus dem Französischen übertragen. Mit Evlaubnis des Verlages entnehmen wir dem Bekenntnis- - buche, welches der Autor Israel Zangwill gewidmet hat und das den seelischen Zw.espalt eines assimilierten jüdischen Kindes behandelt, einige Abschnitte: ... Gin Jude sein, gut... Wer wie ist man ein Jude? Um ein Christ zu sein, muß man glauben, daß JesuS in der Hostie ifh, daß er Gott ist. Aber was muß man glauben, um «in Jude zu sein? Marietta hat mich daS christliche Evangelium lesen lasse». Ich weiß, daß es «in Misches Evangelium gibt; ma» trennt es die Bibel. Papa hat so viele Bücherl Wie wäre eS, tvenn ich in seiner Bibliothek Nachsehen würde? Am Donnerstag nachmittag war Papa in seinem Komitee der Liga für Menschenrechte; Mama hatte ihr Quartett. Ich bin in die Bibliothek gegangen und habe gesucht. ...Wie soll ich «S unter so vielen Bücher,: finden? Welche Unzahl Bücher, vonr Boden bis zur Deckean deit vier WätldenI Da unten, diese ganz dicker: Bände? Große Enzyklopädie... Hartdbuch der Wissenschaften... Allgemeine Geographie... Nein, auf dieser Sette ist es nicht. Hier vielleicht? Organische Chemie... Difserentialrechnung... Telegraphie... Optik... Kosmographie... Oder da? Die primitiven Völker... Französische Geschichte... Englische Geschichte... Polnische Geschichte... Chinesische Geschichte... Ketne Geschichte Israels!... Also vielleicht höher oben, reclsts? Cicero... TituS LiviuS... Plutarch... Homer... Oder links?... Shakespeare, Balzac, Victor Hugo, Tolstoi, Caldervn... Ich habe die große Leiter die vier Wätide entlang ge-- schöbe»:; und auf den Füßspitzeir stehend, bis zu den letzten Regalen, habe ich die Titel sämtlicher Einbände gelesen. Da gab es Bücher üb« Berge und Meere, über Feuer und Wasser, über Tiere und Pflanzen, über Kunst und Rechts,vtssenschaft, über Philosophie :md Mythologie, iiber den BschmanismuS, den Konfuzianismus, den Mo- Was gehört in jeden FamUirnschrein? Gin Rlsyrnlos Ser Glückstrlle Steinl deren glückliche Kunden jetzt wieder sowohl die große Prämie S 500.000 sowie den größten Haupttreffer S 250.000 der Klassenlotterie gewonnen haben. Bestelle« Sie «och heute per Postkarte zur Ziehung I. Klasse: 21. u. 23. Juni bei „GLÜCKSTELLE STEIN“ Wien I. Wlppllngorstr. 21 an der „Hohen Brflcfto'* 1/1 Los 8 32.- 1/4 Los S8.- 1/8 Los 8 4.- Zahlung der Lose sodapn nach Erhalt mit Erlagschein Auch 81c sollen gewinnen I ■’ Schilling 800.000, 880.000, 100.000 Schilling 98.000, 00.000, 50.000 oder einen der vielen anderen Treffer. »Geh* nicht am Glück verbell11 eiDlattwi »er SkerreMcheo Stgictmg oh es««»«»«. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat die österreichische Gesandtschaft in Berlin Schritte unternommen, um den amerikanischen Flieger Chamberlin zu veranlassen, von Berlin nach Wien zu fliegen. Die Verhandlungen darüber find im Gange und es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß Chamberlin der Einladung, »ach Wien zu kommen, Folge leisten wird. Sie MvnMr»—^vWo« in Krakau. Ursache: Ae M ,.m Sage. — Süurawtg Mer tzllNMIMtl». Krakau, 7. Juni. Bei der Explosion in Krakau hat am meisten die Augenklinik für Kinder gelitten, die fast v o ll ko m m en ver nicht et ivurde. Es gelang rwch rechtzeitig die Kin der zu retten und sie in anderen Spitälern unterzubringen, doch war dies mit gro» ßen Schwierigkeiter: verbunden. EL steht nunmehr fest, daß die Ursache der Explosion, bei der 40.000 Kilogramm Pulver in die Luft gingen, in der Hitze der letzten Tage'zu suchen ist. Die Gefahr, in der die Stadt Krakau schwebte, wirr besonders deshalb groß, »veil sich die Pulvermagazine tu allernächster Nähe der Stadt befinden. Der Schade wird auf 1.5 SUHUionen Zloty geschätzt,? Die Stadt Krakau mürbe seit 1912 Mmmehr zum dritten mal von ein er Pu lv erexlosion heimgesilcht. 1912 ereignete sicheine größere Explosion, lvährend des Krieges im Jahre 1917 explodierte in dem sel- . ben Fort, das gestern der Explosion zum Opfer siel, das Magazin mit Handgranaten. Mimsterpräsident Marschall P i l s u d s? i hat gestern abends den Befehl gegeben, alle Pulvermagazine inder Umgebung von Krakau zu räumen. - han:medanismns und das Chrifteutum, über die Lappländer^ über die Indianer, über die Neger!... U "- die Juden: nichts. — Und Papa ist ein Jude! * Ich weiß jemand, der es mir erklären könnte. Ein Neüor in der Masse. Er hat einen komischen Namen: Styrinmosly. Sämtliche Professoren Haber: ihn seinen Namen buchstabieren lassen, und alte haben ihn gefragt: „Sie sind Russe?" Jedesmal antwortete er mit Stolz: „Rein. Ich bin Jude aus Palästina." Der muß es wissen. Mer ich wage Nicht, ihn auszu fragen. Ich schäme, mich. — Warum? Man singt hebräisch! Man betet hebräisch! Das Hobrätsche existiert noch! Und ich habe es nicht gewußt! Gestern, bei Onlel Jakobs Hochzeit, die große Synagöge... Oh, sie sieht Rotre-Dame nicht ähnlich.... Wie hell ist eS da drinnen!.. Keine Bilder, keine Figuren!.. Kein Halbdunkel, in das man flüchten kann... Und dies« vielen, geraden Bankreihen k... Die Herren behalten ihre Hüte auf!... Und niemand kniet!... Wir sind paarweise eingetreten. Welche Menge rechts mch links! Gibt es denn so viele Juden in Paris? Und was für schöne Stimmer: haben zur Orgel und zum Cello gesungen! Ich hatte die .glmz Heine Schwester der kleinen Kahn am Arm: ich loar Brautführer. Alle Leute haben uns angeschaut. Im Hintergrund, auf den Stufen, dichter und Blumen: ein großer, roter Baldachin mtt roeißen Fedevbüschen. Und unter dem Baldachin, dieser Pfarrer mit einem Schal auf den Schultern!... „Das ist der Rabbiner," sagt die kleine Schönster, „er wird sie einsegnen." Wir sitzen. Der Rabbiner spricht. Was mag er sagen? Ich verstehe nichts. Jetzt wird gesaminett, ich sammle auch... Die Juden denken also auch an die Armen?... Da ist der Onkel Jakob mit seiner hübschen Frau. Sie trägt ein schönes iveißeS Tuch Sie trinken aus einem Becher. Sie brechen dar Glas; eS klirrt. Warm»? „DaS ist in der Religion so," sagt die kleine Schwester. „Du kennst sie, diese Religion?" i . ,Lsch muß! ES ist wegen Großpapa!... Wie er Papa ' und Mama quälen kann: das Fette und das Magerst Simm, Heuschrecken md Wovendruch. Elementarvatastrophen in Polen. Warschau, 4. Juni. Zahlreiche Gegenden Polens wurden wieder von schiveren Wette vkatastrophen heimgesucht. In Lodz und Umgebung wütete ein orkanartiger Sturm, der ungeheuren Schaden anrichtete. Zahlreiche Gerüste, die zur Renovierung von Häusern aufgestellt wurden-, sind eingestürzt, wobei zahlreiche Straßenpassanten ziemlich ernste Verletzungen davontrugen. Dem Sturm folgte ein Wölkenöruch, der die niedriggelegenen Straßen von Lodz ganz unter Wasier setzte. Bei Ploct wurden durch einen Hagelschlag die Feldfrüchte vollkommen vernichtet. Bei Widzew zogen He uschrecken schwärme heran, die auf einer Strecke von zirka 1 Kilometer alles vernichtete!,. Erst als ein Gewitter mit Wolkenbruch einsetzte, verschwcmden die Heuschreckenschwärme. Zahlreiche Bahnverbindungen sind zerstört. Infolge der großen Hitze hat^ sich bei R a w a - R u s k a das Eisenbahngeleise erweitert und hatte die Entgleisung eines P e r s onenzuges zur Folge. Drei Waggons wurden zertrümmert, wobei Mhl. reiche Personen teils schwer, teils leicht verletzt wurden. Sin zigeunergesetz in der Achechoslowakei. - Prag, 7. Juni. In der morg'gen Sitzung, des Senats wird der Ge setzen tivurs über die her um streichenden {81 g e u n e r und ähnliche ' Landstreicher vorgelegt. -.Die Regierung sah' sich zur Vorlage teä Gesetzes gezwungen, da in der' letzten Zeit die öffeivtl'che Sicherheit durch herumstreichende Banden-'bedroht war. Die Vestimmuugen des vorliegenden Gesetzentwurfes sollen durch weitere Gesetze,. wie über die Zwangsarbeit, P o l i z eia u f f ich t und Waffenamvendung der Organe der öffentlichen Sicherheit, ergänzt wevden. Der vorgelegte Gesetzentwurf wendet sich nur gegen die herum-' streichenden und nicht gegen die ansässigen Zigeuner. Es find Und der Schinken urrd der Versöhnungstag! Und wenn man am SamStag raucht! Und die Brith-Mtla! Und Simons Bar-Mitzwah!..." — „Wie? Was?" — „Ja, die Bar-Mitztvah, die erste Kommunion..."! Sie haben eine erste -Kommunion! Ms ich Mama mitgeteilt habe, daß ich meine Bar- Mitzwcch mache:: will, habe ich chr das Wort übersetzen. Müssen. Und als ich es übersetzt hatte, war sie'nW ivenig erstaunt!... „Wo hast du das wieder her,"«Äi, Kind!... Dein Vater tvird nicht erfreut sein!" „Mite ihn für mich, Mama, iMst du? Ich traue mich nicht." Bei Tisch hat Mama davon gesprochen, als ob es ein Spaß wäre. Aber ich glaube, daß chre Sttnüne dabei ein wenig gezittert hat.! „Weißt du, was unser Kind sich seit Jakobs Trauung eingeredet hat?" — „Er wttl Rabbiner, werden?" — „Roch nicht. Aber er will feine... wie sprichst du die-. seS Wort ans, Claude? — vorberetten." . „Bar-Mtzrvah." — „Was ist das?" — „Die erste Kommunion der Israeliten." — „Das ist neu! Du, der du Pfadfinder ivetden tvvlltest! Das wäre mir lieber gewesen. Du könntest mich aber auf jeden Fall erst singen!" — „DaS tue ich ja eben, Papa." Ich Hube gefühlt, daß ich errötete. Min Mnn zit- -tsrte. Ich werde doch «m attes in der Wett nicht weinen — in meinem Mer!... „Sichst du, liebe Freundin, dahin ftchren die Konzessionen. Dein Bruder hat « für gut befunden» unsere Überzeugungen zu verleugnen. Mm: schleppt dieses Mnd 'in. eine Synagoge. Zwei Takte Musik, drei Worte Hebräisch: und es verfällt dem Mystizismus l... Mn, wir Nwllen diese Neigung nicht unterdrücken: ivir würden sie daduvch nur verstä^eu." — „Dann sagst du also ja, Pchm f" Sein strenger Mick wird mit einen Male freundlich Ich finde das gewisse lächeln um seine Mundwdckel wieder: ,La, ich habe ja gesagt, mein Sch«! Du ivW einen ReliMuÄchrer brauchen? Gut. Ich werde tan Großpapa Kahn schreiben. Er wird uns ftmen bostsr Mach schicke«. Du bist intelligent, ich bin beruhigt. Die Sehnstuht «ach dem Ghetto witt> dir schau vergcheiu"