Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2971 (5.6.1927)
- Date
- 1927-06-05
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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■rmmmmm Nr, 2971 Wien, Sonntag Wiener ÄhviHori-ettuns s. <zuni 1927 Seite IS bannte er das Dichter-Denkmal, das später durch Matrosen! nach HanGurg gerächt wur^c. Die .Stadt Ultona hat jetzt dem! Denkmal, das in Hmnua-g von Antisemiten mit roter Anilinfarbe oft besudelt wurde mtb gereinigt werden mußte, einen würdigen Platz geschaffen. Der Oberbürgermeister Altonas, Brauer, überllahm mit kurzen Worteil daö Denknral ans ,.eu Händen der Erben des Verlegers Campe. In seiner Ansprache führte er aus, daß für den Dichter dieser Platz nicht nur deshalb gewählt wurde, weil er nun einmal vorhandeil ist, sondern Heinrich Heine hat mit guten Gründen gerade hier feinen Standort gesunden, weil in ganz geringer Entfernung von hier der alte Salomon Heinesche Park liegt. Aus ven Theatern. Bucgtheater. Morgen, halb 8 Uhr „Zu ebener Erde und erster Stock". -Dienstag „Erde". Ll k a d e in i c t h e a t e r. Morgen, halb 8 Uhr „U n t c x* wcgs" (Abonnement erste Gruppe). Dienstag „Der Raub der Sabincrinllen". O p e r n t h c a t e r.' Morgen, 6 Uhr „T r t st a n und Isolde". Dienstag Ballettabetid. Redoutensaal. Dienstag „Figaros Hochzcr t". Deutsches Bolkstheaier. Die für heute und morgen angesetztcn Nachntittagsvorftellungen entfallen. Mittwoch einmaliges ' Auftrete,i Alexander Moissis in „Der lebende Leichnam". Für den 17. d. M. wird das Volks stück „®cx Musikant Gottes" von Viktor Leon und Ernst Decscy mit Wilhelm Klitsch als Bruckner vorbereitet. Rosa Roth, der vekanllten Vortragskünstlerin, gelang es jüngst im Ktl.bsaal der Urania, ein intellektuelles Publikuut einen schwülen Sommeravend hindurch zu fesseln. S,e brachte nicht die großen, deklamatorisch beliebten ^,GlanLfciidV't vielmehr gerade solche Dichtungen, hinter denen Seelisches zum An- und Ausklingen fordert. Skizzen von Attenberg, Lyrisches von Ginzkch, Balladcskes von. Werfel und Rilke, Bacvkes von Hofmannsthal, Pointiertes von Andersen und Busch, unerwartet Zartes von Daudet '— ein überreiches Programm also ,das ihrer Feinfühligkeit und ihrer Mobnlationsfähigkeit cntgegcnkam. Der Beifall war stark und ehrlich. Max % Friedländer 60 Jahre oft. Der Kunsthistoriker Max I. F r l cd lande r, welcher dem. Kirpferstichkavinett der Berliner Nationalgalerie vorsteht, wird heute, am 6. Juni, 60 Jahre alt. Er genießt Weltruf und seine Verdienste um Kunstforschung und Saimnelwcsen werden auch von den führenden Namen des Auslandes in einer Festschrift anerkannt, die aus Anlaß seines 60. Geburtstages vorberc,ter wird. Friedlänbcrs Hauptwerk ist seine für zwei Bünde berechnete, bei Paul Cassirer erscheinende Sammlung „Die a? t n i e d e r l ä ndische Malere i". Ganz hervorragend ist auch sein Work über Albrecht Dürer und sein Buch über Max L i c v e r m a n n. Ein „Verzeichnis der Schriften Max I. Fricdlünders", das Leo Blumenreich zusammengcstellt bat, enthält beinahe 600 Titel. Wilhelm von Bode, mit dein gemeinsam er seit drei 'Jahrzehnte»' die Gemäldegalerie der Berliner Natiönalgalerie aufgebaut, geordnet und wissenschaftlich bearbeitet hat, schrieb für dieses Verzeichnis ein Vorwort, in welchem er die Bedeutung Fried'-' tauber# würdigt. „Hannele" als Oper. In der städtisch eit Oper in Eharlottcnburg, wurde Freitag, wie aus Berlin berichtet wird, die Over ,-Hanneles Himmelfahrt" zum erstenmal gegeben. Den Text gestaltete Georg Grüner in engem Anschluß an Gerhart Hauvtmanns Dichtung. Die Musik ist von Professor \'l' auf Grüner. Die szenische Ausstattung unter Leitung - Karl Heinz Martins als Gast war geschmackvoll. Das sehr zahlreiche Publikum spendete am Schluß der Vorstellung lebhaften Beifall. Die Hauptdarsteller, darunter Karl Aargard-Ocstbig, und der Komponist wurden wiederholt gerufen. Gerichtssaal. Kein Urheverrechtsschntz im Radio. Die Erben nach dem im Jahre 1190) verstorbenen Dichter Rudolf Baumbach, Major Karl Bau mb ach und dessen Schwester Margarete, klagten die „Ravag" auf Zahlung eines Betrages von 620 R cichsmark. Der Klagevertreter Dr. Leo Fsi sch mann begründete diesen Anspruch damit, daß die „Ravag" eine Vorlesung aus Rudolf Baumbachs „Sonnenmärchen" veranstaltet habe, ohne die Erlaubnis der gesetzlichen Erben einzuholen. Dadurch habe die „Ravag" einen Eingriff in das Urheberrecht begangen. Die erste Jiisllrnz gab der Klage statt, weil die „Ravag" nach dem Urheberrechtsgesetz das Werk gewerbsmäßig verbreitet, also vertrieben'habe. Gegen diese Entscheidung berief die „Ravag" mit Erfolg. Das Berufungsgericht hob das erst richterliche Urteil auf, wies die Klage mit nachstehender Begründung ab: „Dem Autor stehen nur solche Befugnisse zu, die ihm das Gesetz ausdrücklich zuerkcnnt. Da das Gesetz älter ist als der Rundfunk und von einer Verbreitung durch das Radio nicht spricht, kann man Radio-Vorträge nur als gewöhnliche Vorträge aussasfen. Der Vortrag bereits erschienener Werke ist aber urheberrechtlich nicht geschützt. Weiters spreche das Gesetz nicht von einer Verbreitung, sondern von einem Vertreiben literarischer Werke. Unter Vertrieb verstehe man aber die Uebergabe einer Sache gegen Entgeld ins Eigentum. Davon könne aber bei einem Radio-Vovcrage nicht die Rede sein, so daß die Voraussetzungen des Urheberschutzes nicht vorliegen. WIR bitten allen Blatt Strrsteürmg der Untersuchung gegen Paul Goldstern. Die Spiritnsaffäve wird weiter verfolgt. Wie wir erfahren, ist die Untersuchung wegen fahr» lässiger 'Krida gegen den Präsidenten der Allgemeinen Depositenbank, Paul G o l d st e i n, nunmehr eingestellt worden. In dieses Untersuchungsverfahren war ursprünglich eine Reihe von Funktionären der Depositenbank und Syndikatsmitglieder einbezogcn, die wohl als Beschuldigte verhört wurden, gegen die sich aber noch kern konkreter Verdacht einer strafbaren Handlung ergeben hatte. Die Einstellung der Untersuchung erfolgte, weil sich hemusgestellt hatte, daß die Bank wirklich zur Zeit, als die fünf Großbanken die Haftungserklärunig abgaben, noch aktiv war. Die schließlich doch eingetretene Zahlungsunfähigkeit sei nicht mehr auf das Verschulden dieser Funktionäre zurückzusüHren. Unabhängig von dieser Kridauntersuchung, die damit erledigt ist, wird jedoch ein S t r a f v e r f a h r e ir w e g e n der bekannten Spiritusaffäre der Depositenbank gegen die Brüder Heinrich und Samuel Bronn e r fortgeführt. Slszak kontra StaatKoper. Kammersänger Leo Slezak steht wieder einmal mit der Stnatsopec im Prozeß. Er hätte nämlich am 12. v. M. in 'der ,,Kö n in 'von Saba" auftretcn sollen, lehnte aber die Mitwirkung ab, weil die Ausführung im Radio übertragen wurde. Der Sänger begründete diese Ablehnung damit, daß nach dem gegenwärtigen Stand der Uedertragnngstechnik Gesangsvorträge nur unvollkommen wiedergegeben werden können und durch eine solche Wiedergabe sein künstlerisches Renommee leiden könnte. Die Staatsoper zog de.m Künstler wegen dieser Absage das Mendhonorar von 1700 Schilling ab, das Slezak nun beim Gewerbegericht im Klagewege fordert. Dem Ausgang des Proz"'" " wird mit großem Interesse entgegengesehen. - Echte Schlangen- Eiöechseu.Krokodilleder- -r schuhe S45-4950 SKeüte aus echtem Jranzös. IMode-Chevrcaux hergestcilten ffrüh/ahrsmodell« legen Zeugnis ab vom Schönheitssinn und edlen Qeschmade. SCHUHMODENHAUS DORN Taborstraße « ^- Herren- Schuhe in fabelhafter Ausführung und Auswahl IBBBMMBBHMHäflHaHaiBBHBaHflflBBMBMBBBHHHHKiaBfflBaBnHaMMBaBaBaH VOLKSWIRTSCHAFT Wirtschaftliche Pfingsten. Sefterreich ruiü der englifch-rnsstsche Konflikt. Vereine. Vorträge und Berfomnünngen. Zionistische Sektion Innere Stadt. Dienstag, den 7. Juni, m Uhr abends, int Klublokale des Cafe Atlashof, 1. Bez., Asperniplatz (Souterrain), . Dislussionsaben'd über „Organisationsfragen". Referenten: Dr. Leopold Grünberg und Samuel Kantor. Gäste willkommen! Die Lesestube ist jeden Dienstag von 6 bis 9 Uhr abends im Klublokal geöffnet und für jedermann zugänglich. Es liegen Zeitungen aus fast allen Ländern in deutscher, englischer, hebräischer und jüdischer Spräche auf. — Die Jugendsührer-Besprechnng wird am Dienstag, 8 Uhr abends, 2. Bez., Zivkusgasse 33, fortge-ietzt. — Verband der Zionisten-Revisionisten. Mittwoch, den 8. Juni, 8 Uhr abends, Cafe Metropol, 9. Bez., Berggasse 33, Vollversammlung. Tagesordnung: I. Ergänzungswahlcn. 2. Kongreß. Zion. akad. Landesverba»-. Dienstag,' 6 Uhr abends, Jüdische Lose- und Redehalle (9. Bez., Türkenstraße 9), Stutenten- und Jugendmeeting. Referent: Pros. Dr. Mossinsohn vom Gymnasium in Tel Awiw. Jüdisches Realgymnasium (mit OeffentUchkeitSrecht). Aufnahmen in die erste bis achte Klasse täglich zwischen 12 und 1 Uhr in der DirektionÄanzlei. Geistige Arbeit. Wir erhalten von Rechtsainvaft Dr. Heinrich H e r b a l s ch e k eine Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: Ein kriegsinvalider Kollege ist seit Jahren infolge seines Leidens gezwungen, das Zimmer zu hüten, und daher außerstande, seinen Berus anszuüben. Um die Not seiner Familie lindern zu helfen, wird gebeten, ihm irgendwelche, lute immer geartete geistige Beschäftigung zukommen zu lassen (Abschriften, englische und französische Uebersehuil^.n, beruflichen Unterricht). Cs wäre ein Werk -der Mensa-'nliebe, in diesem außerordentlich verücksichtigungswürdigen Falle rasche Hilfe zu leisten. Ausstellung „Die Frau von heute" (8. Bez., Alstustraße 23). Der Stadtschulrat hat bekanntgegeben, daß er den Besuch ganzer Schulen in der Ausstellung „Die Frau von heute" befürwortet. Demgemäß haben bereits mehrere Unterrichtsaustalten korporativ die Ausstellung unter sachgemäßer Führung besucht und die Lehrkräfte sprachen sich durchrvogs ungemein lobend aus. Die Ausstellung hat ferner beschlossen, junge, talentierte Kunstkräste zu fördern, indem sie Mnstleüsche Nachmittage veranstaltet, bei denen junge Kimstkrüfte, denen die materielle Grundlage für ein Erstaustre^'-.n nicht zu Gebot« steht, den Weg in die Oessentlichkeit finden. Hran Direktor blielly Weiß hat es übernommen, diese Kunstl!-^w zu prüfen »nü ihr Auftreten zu vermitlelu. Aufra«n an ^tsst/lluug. Die Artisten * Prüftmg der I ui*? n atio a l e n Artist« n-Orga n isation wurde für ^en 11. Jur-i um V Uhr nachmittags im I o h a n n - S t r a u ß. T h e a t e r festgesetzt. An die Prüfungen wird ein grobes Mtbarqlt- und Barietee-iPvogramm angeschlossert. Wenn man den Berichten, die von dem schutzzöllnerischem Lager ausgehen, "Glauben schenken >darf, so befänden wir uns in einer Periode wirtschaftlicher Enttvicklung, die zu großen Hoffnungen berechtigt. Die Art und Weise, in der die bewegten Ereigmffe der Psingstwoche von der der Majorität nahestehenden Presse dargestellt wurden, lleßen gar den Verdacht aufkommen, daß sich eine Wandlung der österreichischen Mentalität vollzogen hätte; die Zeit wird nicht mehr ausgefüllt mit Klagen über die Hoffnungslosigkeit unserer erzwungenen selbständigen Staatlichkeit, sondern allen Gewalten zum Trotz, wird zu verstehen gegeben, daß es uns gut zu gehen beginnt. Selbst die saisongemäße Drohung mit dem P o stst r e i t wurde diesmal ohne sonderliche Aufregung hingenommcn; so stark war das allgemeine Wohlbefinden, daß jene Reizung nicht mehr als weithin sichtbares Zeichen unfeves chronischen Uebelzustandes geivertet wurde. Die wirtschaftlichen Verhältnisse mögen nun einige Momente enthalten, die als Symptome einer sich vorbereitenden Besserung aufgefaßt werden dürfen. Schon rein äußerlich kommt dies in einer Zunahme der Wechseleinreichungen bei der Nationalbank zum Ausdruck. Zum Medio war zwar eine Abnahme des Wechselportefcuilles der Nationalbank zu konstatieren, doch zeigte der Ultimoauslveis ein einigermaßen verändertes Bild, da diesmal nicht bloß der normale zum Ultimo stets größere Geldbedarf befriedigt werden mußte, sondern auch insoferne der gebesserte Beschäftigu ngsgrad in einzelnen Produktionszweigen die Bereitstellung größerer Geldmittel erheischte. Oer jetzt in unserem Blatt veröffentlichte Roman Der Sohn des Moses Plaauiiter von LEOPOLD H1CHLER ist soeben ln Buchausgabe erschienen und in der Buchhandlung R. Lowit, 1., Rotentnrmstr. 22 zum Preise von S 5*50 broschiert S 7*50 gebuuden Die Berichte über die Befchästigung der, Papierindustrie wollen geradezu^ von einer aussteigenden^ Konjunktur wissen. Der Eingang an AuÄandsaüst'rägen^ zeige eine konstante Zunahme, und schon jetzt seien, fast sämtliche österreichischen Fabriken auf Monate hinaus voll, beschäftigt. Es machen sich bereits Bestrebungen . nmf', Schaffung . ' eines Kartells in der österreichischen Papierindustrie geltend, um eine Preiskonvention im E x p o r t g e s ch ä f r zu erzielen, wodurch die Konkurrenz, die gegenseitige Unterbietung der Papierfabriken bei Hereimiahme von ausländischen Aufträgeu, beseitigt werden soll. In dem Momente, in dem es für alle Produzenten genug zu tun gibt, können sie oben darangehen, die Preise in ihrem' Interesse durch bindende Vereinbarungen zu regulieren. Die gebesserte Konjunktur auf dem T e x t i l m a r k t chringt sogar Ansätze zu einer Belobung der seit Jahren in' Oesterreich vermißten Gründungstätigkeit. Die Neichen-' berger Firma Schütt ist derzeit mit der Errichtung einer S t r e i ch g a r n s p i n n e r o i im Trivuswinkel - beschäftigt. In Günzelsdors errichtet eine -österreichische Firma, die Brüder S e l i n k o, eine kleinere Kamm garnwebe re i. Diese Gründnngstätigkeit hängt allerdings mit dem nach Kündigung des Zusatz-' abkommens zum Handelsvertrag mit der Tschechoslowakei in Kraf: getretenen erhöhten Zollschutz für Textilwaren zusammen. Es machen sich hierin jene autarkischcn Bestrebungen geltend, mir deren?Elttschrünkung. sich die Wcltwirtschai'tskonferenz vergeblich beschäftigt hat und auf deren unötonomischen Charakter W. T. L a y t o n und N i st in ihrem ’iit Aufträge des Völkerbundes über die Wirtjchastslage Oosterreichrs verfaßten Bericht hingewiesen. haben. Diese Völ-kerbllndLzperten hatten namentlich. der nach dem Umstrtvz erfolgten Einstellmcg von 100.000 Webstühle.-, fit Oesterreich gedacht, wodurch für die Her- . sorg»""g eines und desselben Territoriums, die Zahl der Fabriken erhöht wurde, ohne daß der Bedarf größer geworden wäre -- . .. / eine Richtung der KapliMvertettung, die durchaus unproduktiv ist v und .dM KMdelchrerkchr der Mttex oiwkngt. Kraft dos